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Der Ökumenische Rat der Kirchen / ÖRK (auch: Weltkirchenrat; engl. World Council of Churches / WCC) wurde am 23. August 1948 in Amsterdam gegründet und gilt seitdem als zentrales Organ der ökumenischen Bewegung. Er ist ein weltweiter Zusammenschluss von derzeit 349 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern auf allen Kontinenten.
Inhaltsverzeichnis |
Der ÖRK besteht aus Kirchen, Konventionen oder Vereinigungen von Kirchen, die mit der Basiserklärung übereinstimmen, formell als Mitglieder aufgenommen wurden und die Mitgliedschaft fortsetzen.
Für die Mitgliedschaft gibt es theologische und organisatorische Voraussetzungen.[1]
In der Regel werden Beschlüsse des ÖRK im Konsensverfahren gefasst, also nicht durch Mehrheitsabstimmungen. Mögliche Fälle von Konsens sind:
Mitglieder sind die meisten großen Kirchen der evangelischen Traditionen (Lutheraner, Reformierte, Methodisten, Baptisten etc.), die anglikanischen Kirchen, die altkatholischen Kirchen und die meisten orthodoxen und altorientalischen Kirchen.[2]
Neben Kirchen, die Vollmitglieder des Rates sind, können Nationale Kirchenräte den Status einer angeschlossenen Organisation bekommen. In manchen dieser Nationalen Kirchenräte arbeiten auch Kirchen mit, die selbst nicht Mitglieder des ÖRK sind, so etwa die römisch-katholische Kirche in den Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen in Deutschland, der Schweiz und Österreich.
Viele der kleineren evangelikalen Kirchen, auch die meisten Kirchen aus dem Bereich der Pfingstbewegung sind keine Mitglieder des ÖRK. Auch die Siebenten-Tags-Adventisten sind nicht Mitglied, allerdings nehmen sie als Beobachter an den Sitzungen und Konferenzen teil.
Da der ÖRK von seinen Mitgliedern ein Grundbekenntnis zum Beispiel zur Dreieinigkeit, zur Göttlichkeit Christi und zu dessen leiblichem Tod und Auferstehung verlangt, sind diverse christliche Gruppierungen, die diese Lehren ganz oder teilweise ablehnen, ebenfalls keine Mitglieder (z. B. die Unitarier).
Die Römisch-Katholische Kirche, die größte Konfession innerhalb des Christentums, gehört dem ÖRK nicht an, da nach Auffassung der katholischen Kirchenleitung Kirchenbild und Ekklesiologie nicht kompatibel seien. Sie arbeitet aber in mehreren Bereichen mit dem ÖRK zusammen und ist Vollmitglied zweier seiner Kommissionen: Glauben und Kirchenverfassung sowie Weltmission und Evangelisation. Das Hauptforum für das gemeinsame Studium und den Dialog zwischen dem ÖRK und der römisch-katholischen Kirche ist ein 1965 nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil eingerichtetes Beratungsorgan, die Gemeinsame Arbeitsgruppe (Joint Working Group).
Die drei überwiegend oder gänzlich „weißen“ südafrikanischen reformierten Kirchen Nederduitse Gereformeerde Kerk/Transvaal, Nederduitse Gereformeerde Kerk/Kapprovinz und Nederduitsch Hervormde Kerk verließen den ÖRK 1961 auf Grund von dessen kritischer Haltung zur Apartheidspolitik Südafrikas. Die Heilsarmee und die Presbyterian Church in Ireland traten 1978 beziehungsweise 1980 aus dem ÖRK aus, da sie die Unterstützung südafrikanischer Befreiungsbewegungen durch diesen ablehnten.
| Nr. | Jahr | Ort | Land | Thema |
|---|---|---|---|---|
| 1 | 1948 | Amsterdam | Niederlande | Die Unordnung der Welt und Gottes Heilsplan |
| 2 | 1954 | Evanston | USA | Jesus Christus – die Hoffnung der Welt |
| 3 | 1961 | Neu-Delhi | Indien | Jesus Christus – das Licht der Welt |
| 4 | 1968 | Uppsala | Schweden | Siehe, ich mache alles neu |
| 5 | 1975 | Nairobi | Kenia | Jesus Christus befreit und eint |
| 6 | 1983 | Vancouver | Kanada | Jesus Christus, das Leben der Welt |
| 7 | 1991 | Canberra | Australien | Komm, Heiliger Geist, erneuere die ganze Schöpfung |
| 8 | 1998 | Harare | Simbabwe | Kehret um zu Gott – seid fröhlich in Hoffnung |
| 9 | 2006 | Porto Alegre | Brasilien | In Deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt |
| Zeit | Name | Kirche | Land |
|---|---|---|---|
| 1948–1966 | Willem Adolf Visser ’t Hooft | Reformierte Kirche in den Niederlanden/Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund Genf | Niederlande |
| 1966–1972 | Eugene Carson Blake | Presbyterianische Kirche (USA) | USA |
| 1972–1984 | Philip Potter | Methodistische Kirche | Westindien |
| 1985–1992 | Emilio Castro | Evangelisch-methodistische Kirche | Uruguay |
| 1993–2003 | Konrad Raiser | Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) | Deutschland |
| 2004-2009 | Samuel Kobia | Methodistenkirche Kenias | Kenia |
| 2009 gewählt | Olav Fykse Tveit | Norwegische Kirche | Norwegen |
Als Präsident der Vollversammlung haben gedient: Martin Niemöller und Anastasios Yannoulatos, unter anderen.
Als Meilenstein auf dem Weg der ökumenischen Bewegung kann die Lima-Erklärung zu Taufe, Eucharistie und Amtsverständnis von 1982 betrachtet werden.
Der ÖRK hat verschiedene Programme. Eines davon heißt „Interreligiöser Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit“. Dieses Programm fördert bilaterale und multilaterale Dialoge. Kulturübergreifende Begegnungen werden ermöglicht. Konkret gibt es drei Projekte: „Vertrauen und Respekt zwischen Religionen“, „Christliches Selbstverständnis“ und „Kirchen in Konfliktsituationen“.
Der Ökumenische Rat der Kirchen besteht im Wesentlichen aus Kirchen der evangelischen und der orthodoxen Tradition. Diese unterscheiden sich sehr stark in ihrem Selbstverständnis als Kirche und in ihrer Theologie, was von Anfang an zu Spannungen geführt hat.
Während der ÖRK sich ursprünglich als Bewegung in Richtung auf die Wiederherstellung der Einheit der christlichen Kirchen verstand, hat er sich in den letzten Jahrzehnten mehr bemüht, der Pluralität der Bewegungen, Aktionen und Probleme in der Welt gerecht zu werden. In dieser Richtungsänderung folgen die Kirchen nicht, die sich besonders der Einheitsbewegung verpflichtet sehen – insbesondere die orthodoxen Kirchen.
Die bisherige Struktur des ÖRK mit Mehrheitsabstimmungen bevorzugte die Sicht der evangelischen Kirchen, die daher in den Prioritäten und Programmen des ÖRK dominierte. Die daraus resultierenden Spannungen führten bis zu Austrittsdrohungen einzelner orthodoxer Kirchen. Eine paritätisch besetzte Sonderkommission hat deshalb Vorschläge erarbeitet um Struktur, Stil und Ethos des ÖRK entsprechend zu verbessern, wobei auch ähnliche Anliegen anderer Kirchenfamilien und Kirchen aufgenommen wurden.[3]
Im Februar 2005 hat der ÖRK-Zentralausschuss auf der Grundlage der Empfehlungen dieses Abschlussberichtes seine Verfassung geändert und das Konsensverfahren als neue Methode der Entscheidungsfindung und Beschlussfassung eingeführt. Dieses kam erstmalig auf der Vollversammlung des ÖRK im Februar 2006 in Porto Alegre voll zum Einsatz.