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Eine Ölverschmutzung ist die Verunreinigung von Meeren durch Rohöl oder Mineralölprodukte. Bei einer größeren Verschmutzung, die hauptsächlich bei Havarien entsteht (insbesondere von Öltankern), spricht man auch von einer Ölpest, besonders wenn auch Küsten betroffen sind. Zum Gesamteintrag von Öl in die Meere leisten spektakuläre Unfälle jedoch nur einen mäßigen Beitrag. Der weltweit größte Anteil der Öle wird von Land aus, zum Teil über Flüsse, eingeleitet. Im regulären Schiffsbetrieb werden sowohl legal (siehe MARPOL) als auch illegal Öle eingeleitet. Der große Anteil, den Öltanker hierbei durch Waschen von Tanks und Ballastwasseraufnahme in Ladungstanks verursachten, ist aufgrund geänderter Vorschriften und Verfahren zurückgegangen. Weiter geschehen Öleinleitungen durch natürliche Erdölaustritte, durch Eintrag flüchtiger Kohlenwasserstoffe aus der Atmosphäre und durch die Erdölförderung auf See.
Inhaltsverzeichnis |
| Empfindlichkeit | Ökosysteme |
|---|---|
| hoch | Mangrovenwälder |
| Korallenriffe | |
| Salzwiesen | |
| geschützte Wattgebiete | |
| Ansammlungen von Seevögeln, Meeressäugern (einschließlich Eisbären) und Meeresschildkröten | |
| mittel–hoch | geschützte Felsküsten |
| exponierte Seegraswattgebiete | |
| Ästuare | |
| arktisches/subarktisches Eis | |
| mittel | Kiesstrände |
| Meeresböden an geschützten Küsten | |
| niedrig–mittel | Sandstrände |
| exponierte Wattgebiete | |
| Meeresböden an exponierten Küsten | |
| niedrig | exponierte Felsküsten |
| offene Küstengewässer | |
| (geschützt/exponiert bezieht sich auf die Wirkung von Seegang und Brandung) | |
Die meisten Methoden der Bekämpfung bewirken eine teilweise Verlagerung der Gefährdungen, so dass die Wahl der Mittel meist eine Abwägung erfordert. Auf See ist besonders bei begrenzten Verschmutzungen häufig ein Nicht-Eingreifen die sinnvollste Maßnahme, da hier die natürlichen Prozesse schnell für Dispergierung und Abbau sorgen. Auch an Stränden kann unter Umständen ein Eingriff nur zu einer Verschlechterung der Situation führen. Bei größeren Verschmutzungen ist jedoch in der Regel ein Eingreifen sinnvoll.
Auf offenen Gewässern gibt es verschiedene Methoden zur Eindämmung von Ölverschmutzungen.
Durch Ölsperren, die für den Hochseeeinsatz mehrere Meter hoch sein können, kann die weitere Ausbreitung eines Ölteppichs kleiner Fläche verhindert werden. Durch Schleppen der Sperre mit zwei Fahrzeugen können dünne Ölteppiche zusammengeschoben werden, wobei jedoch die Geschwindigkeit auf weniger als 1 Knoten begrenzt ist. Die Eingrenzung erfordert zusätzlich weitere Maßnahmen zur Beseitigung des Öls von der Oberfläche.
Auf der Wasseroberfläche schwimmendes Öl kann von Spezialschiffen (z. B. Klappschiffen wie der Bottsand oder der Thor, konventionell konstruierten Schiffen mit Auslegern wie der Neuwerk oder Mellum, Katamaranen wie der Westensee oder gemischten Konstruktionen mit Katamaran-Vorschiff wie beispielsweise der Knechtsand oder MPOSS) aufgenommen werden. Die eigentlichen Aufnahmevorrichtungen basieren auf dem Prinzip eines Wehres, das von der Ölschicht überströmt wird oder auf öladsorbierenden umlaufenden Walzen oder Bürsten mit Abstreifern. Aus einem so gefüllten Sumpf wird das immer noch wasserhaltige Öl abgepumpt und in Separatoren geleitet, wo das Wasser großteils abgetrennt wird. Für niedrige und hohe Ölviskositäten kommen teilweise verschiedene Pumpsysteme zum Einsatz. Zur Ausrüstung der Schiffe gehören auch beheizte Tanks. Die Effizienz der derzeitigen Systeme beginnt bei 1 Meter Wellenhöhe nachzulassen, ab 2 Meter ist ein Einsatz nicht mehr sinnvoll. Dies bedeutet eine Einsetzbarkeit bis ca. Windstärke 4. Ebenso ist die Einsatzgeschwindigkeit auf 1 bis 2 Knoten begrenzt. Die Auffangbreiten betragen bei den größeren Schiffen bis ca. 40 Meter. In Europa betrachten die meisten Staaten die Abschöpfung als Mittel der ersten Wahl.
Der Einsatz von Dispergatoren beschleunigt die natürliche Dispergierung des Öles in der Wassersäule und verhindert gleichzeitig die Anhaftung an suspendierten Feststoffen. Mit und neben dem am dispergierten Öl stattfindenden Abbau werden auch entsprechend mehr Schadstoffe aus dem Öl von Meeresorganismen aufgenommen. Zur Wirksamkeit chemischer Dispergatoren ist ein Mindestwert des Seegangs erforderlich, bei starkem Seegang ist der Einsatz aufgrund der bereits natürlich beschleunigten Dispergierung nicht mehr sinnvoll. So haben die Niederlande den Einsatzbereich explizit auf Windstärken von 3 bis 7 beschränkt. Weitere Einsatzgrenzen sind zu hohe Viskosität des Öls oder Emulsionsbildung, was eine Mischung mit dem Dispergator verhindert. Emulsionen können jedoch in einem zusätzlichen Arbeitsgang durch den Einsatz von Demulgatoren gespalten werden. Auch niedrige Wassertiefen, meist werden 20 Meter als Grenze angesetzt, die zu hohen Ölkonzentrationen in der Wassersäule führen würden, und das Fehlen von Austauschströmungen in manchen Küstenbereichen begrenzen den Einsatz. Aufgrund dieser Bedingungen kommt dieses Verfahren im europäischen Bereich vorzugsweise im Atlantik zur Anwendung. Der Dispergator muss genau dosiert und gezielt auf den Ölteppich aufgebracht werden, was eine Schichtdickenbestimmung des Teppichs voraussetzt. Die Anwendung muss innerhalb weniger Stunden erfolgen, bevor das Öl zu stark altert oder emulgiert. Wichtigstes Einsatzmittel ist daher das Flugzeug, die Ausbringung von Hubschraubern oder Schiffen ist aber ebenfalls möglich. Großbritannien hält zwei Sprühflugzeuge vor.
Die kontrollierte Verbrennung erfordert Mindestschichtdicken zwischen 2 mm bei frischem Rohöl und 10 mm bei Schweröl und emulgiertem Öl, das außerdem maximal 30% Wasser enthalten darf. Spezielle feuerfeste Sperren können zum Einsatz kommen. Neben anderen Schadstoffen gelangen 10 bis 14 Prozent der umgesetzten Ölmenge als nur teilweise verbrannte Partikel in die Luft. Weitere Verbrennungsrückstände sinken ab und können das Ökosystem Meeresboden gefährden. In Europa wird u. a. wegen ungünstiger geographischer Verhältnisse von der Anwendung dieser Methode abgesehen. Die Methode kam u. a. zum Einsatz im Fall der Exxon Valdez.
Soweit der natürliche bakterielle Abbau von Ölverschmutzungen durch das Nährstoffangebot begrenzt ist, was auf hoher See für Phosphate und Nitrate der Fall sein kann, können diese Nährstoffe zugegeben werden. Der sinnvolle Anwendungsbereich dieses Verfahrens ist jedoch durch die Voraussetzungen sehr beschränkt. Die gentechnische Leistungsverbesserung von Kohlenwasserstoffe abbauenden Bakterien ist Gegenstand der Forschung, da insbesondere bestimmte Stoffgruppen von den vorhandenen Bakterien nur sehr langsam abgebaut werden. Wegen der problematischen Folgenabschätzung einer Freisetzung solcher veränderter Organismen ist ihr Einsatz nicht absehbar.
Wenn das Öl an die Küste gelangt, vergiftet oder erstickt es Bodenlebewesen (wie z.B. Würmer) in den betroffenen Bereichen unmittelbar. Das Säubern der Strände ermöglicht hier nur die Wiederbesiedelung. Durch unsachgemäße Reinigungsversuche kann außerdem Öl in tiefere Sandschichten gelangen, wo es nicht mehr abgebaut wird.
Das Waschen verölter Vögel ist sehr umstritten, da nur sehr wenige Vögel tatsächlich wieder ausgewildert werden können. Vögel, die sich durch Aufnahme von Öl bereits vergiftet haben, haben auch nach einer Reinigung keine gute Überlebenschance.
Die Prävention einer Ölverschmutzung der Meere besteht in der Durchsetzung der Vereinbarungen für Transport und Gewinnung. In Seenot geratene Tanker müssen zügig geschleppt werden können. Dazu ist es erforderlich starke Bergungsschiffe bereitzuhalten.
Die Flugüberwachung von viel befahrenen Meeresgebieten und die Einführung von doppelwandigen Tankschiffen gehören zur Prävention. Doppelwandige Tanker bieten mehr Sicherheit bei Kollisionen oder beim Auflaufen auf Grund. Weiterhin kann Ballastwasser im doppelwandigen Zwischenraum statt in den Tanks aufgenommen werden, so dass Ölreste nicht zu einer Wasserverschmutzung führen.
Die Radar-Überwachung der Fahrtrouten sowie die ausreichende Qualifikation der Besatzung der großen, schwer zu manövrierenden Tankschiffe spielen eine Rolle bei der Vermeidung von Unfällen.
Ölförderplattformen verfügen großenteils über separate Sicherheitsventile am Meeresgrund (engl. blowout preventer[2], siehe auch Blowout), die bei einer Havarie der Plattform das Förderrohr schließen. Diese der Sicherheit der Plattform dienenden Vorrichtungen können eine Ölpest verhindern. Ein mögliches Versagen dieser Ventile wurde Ende April 2010 und in den darauffolgenden Monaten bekannt, als die Bohrplattform "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko nach einer Explosion versank und es Anfangs unmöglich war das herausströmende Öl zu stoppen.