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| Ústí nad Labem | ||||
|---|---|---|---|---|
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| Basisdaten | ||||
| Staat: | Tschechien | |||
| Region: | Ústecký kraj | |||
| Bezirk: | Ústí nad Labem | |||
| Fläche: | 9.395 ha | |||
| Geographische Lage: | 50° 40′ N, 14° 3′ O50.659166666714.0416666667218Koordinaten: 50° 39′ 33″ N, 14° 2′ 30″ O | |||
| Höhe: | 218 m n.m. | |||
| Einwohner: | 95.464 (1. Jan. 2011) [1] | |||
| Postleitzahl: | 400 01 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | U | |||
| Struktur | ||||
| Status: | Statutarstadt | |||
| Ortsteile: | 4 Stadtbezirke 22 Ortsteile | |||
| Verwaltung | ||||
| Oberbürgermeister: | Vít Mandík (Stand: 2011) | |||
| Adresse: | Velká Hradební 8 401 00 Ústí nad Labem | |||
| Gemeindenummer: | 554804 | |||
| Website: | www.usti-nl.cz | |||
| Lageplan | ||||
| Lage von Ústí nad Labem im Bezirk Ústí nad Labem | ||||
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Ústí nad Labem ([ˈuːstjiː ˈnadˌlabɛm]
Aussprache?/i; deutsch Aussig) ist eine Stadt im Norden von Böhmen, Tschechien. Es ist Zentrum des nordböhmischen Industrie- und Ballungsgebietes, Verkehrsknotenpunkt sowie Sitz des Okres Ústí nad Labem und des Ústecký kraj. Die Stadt hat 95.477 Einwohner (2010)[2], die auf einer Fläche von 9.392 Hektar in 22 Ortsteilen wohnen.
Inhaltsverzeichnis |
Die Altstadt von Aussig liegt am linken Elbufer an der Einmündung des Flüsschens Bílina (dt. Biela), 14° 2' 30" östlicher Länge und 50° 39' 33" nördlicher Breite.
Der Name der Stadt wurde vermutlich vom alttschechischen Wort ustie (= ústí) abgeleitet, das ‚Mündung‘ bedeutet, wobei die Mündung der Biela (tschech. Bílina) in die Elbe gemeint sein dürfte. Der lateinische Name der Stadt lautete Usk super Albium.
Schon 993 wurde die Ansiedlung als Handelsplatz an der Elbe erwähnt. Přemysl Otakar II. erhob in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts den Ort zur Königsstadt. Die Rechte bestätigten und erweiterten die Könige Johann von Luxemburg und Karl IV.[3]. Die Stadt wurde nach dem Magdeburger Recht verwaltet.
Während der Hussitenkriege gehörte die Stadt den Markgrafen von Meißen und wurde von den Hussiten belagert. Die Kämpfe erreichten 1426 ihren Höhepunkt am Hügel Na Běhání. Die Deutschen verloren den Kampf. Nach der Eroberung der Stadt am 16. Juni in der Schlacht bei Aussig verübten die siegreichen Hussiten unter Andreas Prokop ein Massaker an den deutschen Bewohnern der Stadt und zerstörten Aussig. Danach herrschte Jakoubek von Vřesovice. Die Chroniken beschreiben, dass die Sieger in Folge friedlich mit der deutschen Bevölkerung weiter lebten.
Einen großen Aufschwung brachten das 16. und das 17. Jahrhundert. Die Stadt beteiligte sich nicht am Aufstand gegen Ferdinand I. 1547 und konnte sich dadurch wirtschaftlich entwickeln. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. zogen verstärkt Deutsche zu, die bald mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
Katastrophal wirkte sich der Dreißigjährige Krieg aus. Die Stadt wurde siebenmal Opfer von Plünderungen und Strafzahlungen. Die Folgen dauerten beinahe zweihundert Jahre an. In dieser Zeit war die Stadt bedeutungslos und hatte weniger als zweitausend Einwohner. 1813 fand nordwestlich der Stadt die Schlacht bei Kulm statt. Nach 1830 bewirkte die Industrialisierung einen neuen Bevölkerungszuwachs.
Das starke Industriewachstum und die Ausweitung des Flussverkehrs führten zu zahlreichen Veränderungen. Nach Jahrhunderten der Stagnation wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder Häuser gebaut. Die mittelalterlichen und Renaissancehäuser sowie die Stadtmauer wurden abgetragen. Neben Landwirtschaft und Weinanbau siedelten sich Webereien, Farbenhersteller und Papierfabriken an. In der Umgebung wurden knapp sechzig Bergwerke eröffnet. Aussig wurde dank der 1827 entdeckten Kohlevorkommen und der 1851 eröffneten Eisenbahnlinie Dresden - Prag zur Industriestadt. Für Lastkähne war die Elbe früher erst ab Aussig flussabwärts schiffbar; damit wurde Aussig zum wichtigen Umladehafen zwischen dem Schifftransport auf dem Fluss und dem Landweg in Böhmen. 1860 lebten hier 7950 Einwohner, viermal so viel wie 1840. Trotz Krieg, Cholera, Typhus, und anderen Epidemien verdoppelt sich die Bevölkerung in den nächsten zwanzig Jahren. 1867 wurde das Bürgerliche Bräuhaus Aussig erbaut, die heutige Bierbrauerei Zlatopramen. 1872 entstand die erste Brücke über die Elbe.
Aussig war Stammsitz des Aussiger Vereins, eines bedeutenden Chemie-, Metallurgie- und Bergbaukonzerns, dessen Werke in Aussig und Falkenau zur Zeit des Nationalsozialismus im Zuge der „Arisierung“ von der I.G. Farben und der Chemischen Fabrik v. Heyden gemeinsam erworben wurden.
Anfang des 20. Jahrhunderts lebten 40.000 Einwohner in Aussig, das sich zu einer der bedeutendsten Städte Böhmens entwickelt hatte. Der starke Zuzug vor allem Deutscher aus dem Umland in die Stadt führte 1935 zu ersten Konflikten. Konrad Henlein hielt hier eine Rede und erreichte bei den Parlamentswahlen die absolute Mehrheit. Nach dem Münchner Abkommen wurde die Stadt am 9. Oktober 1938 dem Deutschen Reich angegliedert. Am 1. Mai 1939 wurden der Stadt die Gemeinden Hottowies, Pokau, Prödlitz, Schreckenstein, Türmitz und Ziebernik eingegliedert. Gleichzeitig verließ Aussig den gleichnamigen Landkreis und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis. In Aussig hatte ferner einer der drei Regierungspräsidenten für den Reichsgau Sudetenland seinen Sitz. Im Novemberpogrom 1938 brannte man die Aussiger Synagoge nieder, von der etwa 1.200 Mitglieder zählenden jüdischen Bevölkerung der Stadt fielen etwa 80 % dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer.
Bei Luftangriffen der USAAF wurde am 17. und 19. April 1945 ein Fünftel der Stadt zerstört. 500 Menschen kamen ums Leben. Am 31. Juli 1945 kam es nach einer Explosion in einem im Stadtteil Schönpriesen gelegenen Munitionsdepot zu einem geplanten Pogrom gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Dem Massaker von Aussig fielen nach deutschen Angaben zwischen 1000 und 2700, nach tschechischen Angaben zwischen 40 bis zu 100 Menschen zum Opfer. Symbol dieses Massakers ist die Elbebrücke zwischen der Altstadt und dem Stadtteil Schreckenstein. Zwischen 1945 und 1946 wurden aufgrund der Beneš-Dekrete etwa 53.000 Deutsche aus der Stadt vertrieben. Dies geschah in zwei Phasen. Vom Kriegsende bis Ende Juli 1945 durch wilde Vertreibung und Flucht sowie von Januar bis Dezember 1946 durch eine organisierte Aussiedlung. An die Stelle der Deutschen traten Tschechen, die sowohl aus dem Landesinneren als auch als Repatrianten aus dem Ausland zuzogen, Slowaken und Roma, die teilweise auch aus Rumänien und der Sowjetunion kamen. In der Region brach die kulturelle und historische Tradition ab. In den 1970er- und 1980er-Jahren wurde das Stadtbild durch den Bau von Verkehrswegen, Großbetrieben und Plattenwohnbauten nachhaltig verändert.
Seit Gründung der Jan Evangelista Purkyně-Universität im Jahre 1991 ist Ústí nad Labem eine Universitätsstadt mit rund 7500 Studenten. 1998 geriet Ústi in die internationalen Schlagzeilen, als von städtischer Seite der Bau einer Mauer um ein hauptsächlich von Roma bewohntes Stadtviertel begonnen wurde. Infolgedessen wurde die Eignung Tschechiens als Mitglied der Europäischen Union vorübergehend in Zweifel gezogen (siehe auch Roma in Tschechien und der Slowakei).
| Jahr | Einwohner |
|---|---|
| 1840 | ca. 2000 |
| 1860 | 7950 |
| 1900 | ca. 40.000 |
| 1. Dezember 1930 | 71.256 |
| 17. Mai 1939 | 67.063 |
| 22. Mai 1947 | 56.326 |
| 1978 | 88.000 |
| 1. März 2001 | 95.436 |
| 31. Dezember 2004 | 93.859 |
| 1. Januar 2010[2] | 95.477 |
Nach der Einwohnerzahl ist Ústí nad Labem mit seinen heute 95.477 Einwohnern die achtgrößte Stadt in Tschechien.
Die Georg Schicht A.G. gehörte vor dem Ersten Weltkrieg zu den großen Unternehmen im österreichischen Seifen-, Fette- und Kerzenbereich. Wesentlich war ferner die als Aussiger Verein bezeichnete Aktiengesellschaft für chemische und metallurgische Produktion.
Während des kommunistischen Regimes wurde Schwerindustrie aufgebaut. Direkt im Zentrum der Stadt befinden sich chemische und Nahrungsmittelfabriken sowie Glasereien. Der bedeutendste Arbeitgeber in Usti ist die „Spolchemie“, welche neben der Schwerchemie heute auch feinste Spezialrohstoffe produziert. Im Westen, in Trmice, befindet sich ein Elektrizitätswerk mit Wärmeerzeugung. Die hohe Luft- und Wasserverschmutzung geht mehr und mehr zurück. Die Umweltauflagen des tschechischen Staates sind in der Zwischenzeit höher als vergleichbare in der Bundesrepublik Deutschland. Es werden weiterhin große Anstrengungen zum Abbau der Umweltbelastungen betrieben, welche auch von der EU prämiert worden sind. Bedeutend für die Binnenschifffahrt ist auch der Elbhafen.
In der Stadt gibt es drei professionelle Theaterensembles (Ballett, Oper, Theater), sieben Chöre, Kammerorchester und weitere kulturelle Vereine, die sich meist aus jungen Menschen zusammensetzen. Daneben arbeiten hier einige Tanzgruppen. Jährlich werden mehrere nationale und internationale Veranstaltungen durchgeführt (Theaterfestival der privaten Mittleren Schulen, Wettbewerb der jungen Pianisten „Virtuosi Per Musica Di Pianoforte“, „Internationales Festival des Chorgesangs“, Country und Western Festival „Trampská Porta“ und vor allem das „Internationale Tanzfestival“).
In der Saison 2007/08 spielte der HC Slovan Ústečtí Lvi in der höchsten tschechischen Spielklasse im Eishockey, der Extraliga. Die Heimspiele werden in der 1965 erbauten und 2004 renovierten Zlatopramen Aréna ausgetragen.
Dem Fußballverein FK Ústí nad Labem gelang in der Saison 2010 der Aufstieg in die 1. Liga.
Die ursprüngliche Kirche der Himmelfahrt der Jungfrau Maria wurde bereits 1318 erbaut, fiel aber den Hussitenkriegen zum Opfer. Der Nachfolgebau entstand nach 1452 und wurde in den 1880er Jahren spätgotisch umgebaut. Die heutige Schräglage des Turmes verursachte ein Luftangriff im April 1945, bei dem der Turm um 1,92 m aus seiner vertikalen Achse geriet, wodurch er laut Beschilderung zum „schiefsten Turm nördlich der Alpen“ wurde, wobei der Schiefe Turm von Suurhusen noch schräger steht.
Die von Octavio Broggio zwischen 1715 und 1730 errichtete barocke Dominikaner-Klosterkirche ersetzte ein aus dem 11. Jahrhundert stammendes Gotteshaus. In der Adalbertkirche befindet sich die zweitgrößte Orgel Tschechiens.
Das neubarocke Theater wurde 1908/09 nach Entwürfen des Wiener Architekten Alexander Graf erbaut und mit Gemälden von Eduard Veith ausgestattet.
Das 1876 gegründete Museum zählt zu den ältesten seiner Art in Nordböhmen. Die Sammlung war 1919 - 1994 in Schloss Trmice untergebracht. Seit 1995 hat sie ihren Platz in einem ehemaligen Schulgebäude neben dem Stadttheater gefunden. Die Ausstellung widmet sich vor allem der Stadt- und Militärgeschichte sowie den Naturräumen von Osterzgebirge und Böhmischen Mittelgebirge.
Die Burgruine Střekov der eingangs des 14. Jahrhunderts erbauten Burg erhebt sich hoch über dem rechten Ufer der Elbe. Seit 1564 befindet sie sich im Besitz der Familie Lobkowitz. Aufgrund von Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg und im Siebenjährigen Krieg verfiel die Anlage allerdings. Der anliegende Hof mit Brauerei blieb erhalten und wird bis heute genutzt. Richard Wagner ließ sich auf Střekov für seine Oper Tannhäuser inspirieren.
Der 1908 erbaute und ursprünglich 6 Hektar große Vogelpark hat sich bis heute zu einem vollwertigen Zoo entwickelt. Auf einer Fläche von 26 Hektar sind 230 Arten mit etwa 1500 Tieren beheimatet.
Das sich auf einem Bergrücken steil über die Elbe erhebende Schloss in Velké Březno (Großpriesen) wurde im Auftrag des Grafen Karel Chotek in den Jahren 1842 bis 1845 erbaut. In diesem Gebäude befindet sich derzeit eine Ausstellung über die Familie Chotek.
Auf einem Felsen über der Elbe steht das dominierende Gebäude Větruše, es wurde 1847 als Restaurant erbaut unter der Bezeichnung Ferdinandshöhe. Das herrschaftliche Bauwerk ist heute wieder ein Ausflugslokal. Eine Seilbahn fährt von einem innerstädtischen Einkaufszentrum direkt hinauf zu der Gaststätte.
Im unmittelbaren Aussiger Stadtgebiet existieren vier Brücken, drei davon über die Elbe. Die andere über die Bílina, diese ist auch die älteste der Stadt. Die 1934 erbaute Beneš Brücke ist nach dem 1945-1948 amtierenden Präsidenten Edvard Beneš benannt. Die ursprüngliche Bahnbrücke wurde von 1872 bis 1874 erbaut, nach schweren Zerstörungen wurde sie 1945 neuerbaut. Im Jahr 1998 wurde die neueste Brücke erbaut, die Marienbrücke. Sie wird von Seilen getragen, die an Pfeilern des rechten Elbufers angebracht sind.
(Folgende Persönlichkeiten sind in Ústí nad Labem (Aussig) geboren. Die Auflistung erfolgt chronologisch nach Geburtsjahr. Ob sie ihren späteren Wirkungskreis in Ústí nad Labem (Aussig) hatten oder nicht, ist hier unerheblich.)
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