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ʿIlm al-kalām ist ein Begriff der islamischen Theologie und Philosophie.
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Das arabisch-persische Wort Kalām (arabisch كلام) bedeutet im allgemeinen Sprachgebrauch in seiner Grundbedeutung „Rede“, „Gespräch“, „Worte“. Im Kontext der islamischen Theologie kommt der Begriff des Kalām häufig in der begrifflichen Zusammensetzung ʿIlm al-Kalām (علم الكلام, DMG ʿIlm al-Kalām) vor, welche eine bestimmte Disziplin religiöser Gelehrsamkeit bezeichnet. Wörtlich übersetzt bedeutet der zusammengesetzte Begriff so viel wie „Wissenschaft des Gesprochenen“.
Begrifflich eng gefasst wird unter ʿIlm al-Kalām eine Vorschule des vernünftigen Redens verstanden, welche dem Zweck der Erörterung tiefer liegender theologischer Probleme, insbesondere solcher dient, die Gegenstand der Dogmatik des Islam sind. Im Deutschen kann man auch theologische Propädeutik dazu sagen. Der Kenntniserwerb der theologischen Propädeutik war und ist für muslimische Theologen eine Grundvoraussetzung, um die Dogmatik (arab. ʿAqīda (oder auch Iʿtiqād)) verstehen und abhandeln, aber auch, um sie den Menschen nahebringen zu können. Dabei steht systematisches methodisches Argumentieren (oftmals in weitläufigen Zusammenhängen) und dialektisches Know-how stark im Vordergrund; doch auch der Gebrauch von Metaphern und Symbolen sowie das Einbeziehen von kontextkonformen Koranversen und Überlieferungen zur Stützung von Argumenten gehört zu dieser Disziplin. Neben dem methodischen Rüstzeug liefert ʿIlm al-Kalām den Theologen auch eine Vokabularbasis, auf die sie sich stützend der Ausformulierung der Dogmatik (und der Skizzierung der damit verbundenen Weltbildfragmente) widmen können.
Da muslimische Theologen zwischen ʿIlm al-Kalām als einer theologischen Propädeutik einerseits und ʿAqīda (bzw. Iʿtiqād) als einer Dogmatik andererseits oftmals keine scharfe Trennungslinie gezogen haben und der Übergang zwischen beiden ein fließender ist - da die theologische Propädeutik nicht als abstrakte Trockenübung vollzogen werden kann, sondern stets an konkreten thematischen Objekten geübt wird -, hat man ʿIlm al-Kalām oft auch noch einen erweiterten Wortsinn zugeordnet, und zwar durch den Gebrauch des weitergefassten Begriffs der scholastischen Theologie. In einem solchen Begriff ist dann die Überschneidung der beiden genannten Disziplinen mit eingefasst.
Im Unterschied zum vorangehend näher bestimmten ʿIlm al-Kalām ist der Kalām selbst das Gesprochene, das zum Ausdruck Gebrachte, die luzide Rede, die Argumente, welche die Theologen redend artikulieren oder niederschreiben, wenn sie ein Thema oder ein Problem aus dem Bereich der Dogmatik behandeln, das sprachliche Substrat also, in welches der thematische Gegenstand verbal eingekleidet wird.
Die systematische Theologie tritt im Islam oft hinter der islamischen Rechtswissenschaft (Fiqh) zurück und stand nur in den ersten sieben Jahrhunderten nach Mohammed in Blüte. Die islamische Rechtswissenschaft betrachtete die Theologie meist argwöhnisch, da man um die „Reinheit“ des Glaubens fürchtete und teils in institutioneller Konkurrenz stand. Die Rechtswissenschaft begrenzte den Bereich theologischer Debatten auf das Notwendigste (z. B. bei den Hanafiten) oder verdrängte sie sogar völlig (z. B. bei den Wahhabiten).
Der Kalām wurde besonders im 9. Jh. stark von der Rezeption der altgriechischen Philosophie beeinflusst. Debatten und Konzepte des Kalām haben Einfluss auf islamische Philosophen wie Alfarabi (Alfarabius), Ibn Sina (Avicenna) und Ibn Ruschd (Averroës) gehabt. Insbesondere über diese Theoretiker sowie direkter über Spanien (Andalusien) und jüdische Philosophen (Saadia Gaon, ibn Daud, Maimonides im Führer der Unschlüssigen) haben Begriffe und Argumente des Kalam auch Eingang und teilweise Wertschätzung in abendländischen Diskussionen gefunden.
Die muslimische Theologie hat die unterschiedlichsten Schulen hervorgebracht, darunter die Aschariten, deren Gründer Abu l'Hasan al-Asch'ari zugleich als deren größter Gelehrter gilt. Wie er versucht auch Abu Mansur al-Maturidi, die Theologie der Mu'tazila und anderer rationalistischer Schulen zu widerlegen. Während eine solche argumentative Widerlegung notwendigerweise zugleich mit der Nutzbarmachung theologischer Konzepte zusammenging, lehnten besonders puritanische Gruppierungen wie die Wahhabiten oder die Ahl-i Hadîth den Kalām in jeder Form ab.
Die Gelehrten des Kalām heißen Mutakallimūn („die Sprechenden“, „die Redenden“). Seit dem späten 9. Jahrhundert wurden mit diesem Begriff insb. durch die Muʿtaziliten meist deren Gegner (z. B. Abu Mansur al-Maturidi) bezeichnet.