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2-Propanol

Strukturformel
Struktur von 2-Propanol
Allgemeines
Name 2-Propanol
Andere Namen
  • Propan-2-ol (IUPAC)
  • Propanol-2
  • Isopropanol
  • i-Propanol
  • Isopropylalkohol (IPA)
  • sekundĂ€rer Propylalkohol
  • sek-Propanol
  • Persprit
  • Petrohol
  • Petrosol
  • Dimethylcarbinol
  • ÎČ-Hydroxypropan
  • Propol
  • Alcohol isopropylicus
Summenformel C3H8O
CAS-Nummer 67-63-0
PubChem 3776
Kurzbeschreibung

farblose FlĂŒssigkeit mit alkoholartigem Geruch [1]

Eigenschaften
Molare Masse 60,10 g·mol−1
Aggregatzustand

flĂŒssig

Dichte

0,78 g·cm−3 [1]

Schmelzpunkt

−88 °C [1]

Siedepunkt

82 Â°C [1]

Dampfdruck

43 hPa (20 Â°C) [1]

Löslichkeit

vollstÀndig mischbar mit Wasser[1], Ethanol, Aceton, Chloroform, Benzol

Brechungsindex

1,37927 (20 Â°C)[2]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [1]
02 – Leicht-/HochentzĂŒndlich 07 – Achtung

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 225-319-336
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 210-​233-​305+351+338 [1]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung aus RL 67/548/EWG, Anh. I [3]
LeichtentzĂŒndlich Reizend
Leicht-
entzĂŒndlich
Reizend
(F) (Xi)
R- und S-SĂ€tze R: 11-36-67
S: (2)-7-16-24/25-26
MAK

200 ml·m−3 bzw. 500 mg·m−3 [1]

Soweit möglich und gebrĂ€uchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 Â°C
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

2-Propanol, auch als Isopropylalkohol oder Isopropanol (abgekĂŒrzt IPA) bekannt, ist der einfachste nicht-cyclische, sekundĂ€re Alkohol.

Inhaltsverzeichnis

Darstellung und Gewinnung

Die großtechnische Herstellung erfolgt ausgehend von Propen oder von Aceton auf zwei verschiedenen Wegen. Die Herstellung aus Propen erfolgt durch Hydratisierung an sauren Ionentauscher</b>harzen als Katalysator:

Herstellung von 2-Propanol aus Propen.

Der zweite Herstellungsweg erfolgt durch eine Hydrierung von Aceton:

Herstellung von 2-Propanol aus Aceton.

Durch Umkehrung dieser Reaktion wird großtechnisch Aceton aus Isopropanol durch Oxidehydrierung erzeugt, d. h. Dehydrierung mit gleichzeitiger Oxidation des entstandenen Wasserstoffs mit Sauerstoff zu Wasser.

Eigenschaften

Physikalische Eigenschaften

Isopropanol ist eine farblose, leicht flĂŒchtige und brennbare FlĂŒssigkeit, die einen leicht sĂŒĂŸlichen, bei stĂ€rkerem Einatmen stechenden Geruch, besitzt – dieser ist charakteristisch und erinnert an KrankenhĂ€user und Arztpraxen, da Isopropanol Bestandteil vieler Desinfektionsmittel ist. Bei −88 Â°C erstarrt die FlĂŒssigkeit zu einem farblosen Feststoff. Der Siedepunkt unter Normaldruck liegt bei 82 Â°C. Isopropanol ist mit Wasser in jedem VerhĂ€ltnis homogen mischbar und bildet ein konstant siedendes (azeotropes) Gemisch bei 80,4 Â°C und 12,1 % Wasseranteil. Die Verbindung bildet mit einer Reihe weiterer Lösungsmittel azeotrop siedende Gemische. Die azeotropen Zusammensetzungen und Siedepunkte finden sich in der folgenden Tabelle. Keine Azeotrope werden mit Methanol, Ethanol, 1-Propanol, n-Butanol, iso-Butanol, sec-Butanol, Cyclohexanol, Ethandiol, Ethylbenzol, Aceton, Diethylether, 1,4-Dioxan, Methylacetat und Dimethylformamid gebildet.[4]

Azeotrope mit verschiedenen Lösungsmitteln[4]
Lösungsmittel n-Pentan n-Hexan n-Heptan n-Octan Cyclohexan Benzol Toluol
Gehalt Isopropanol in Ma% 6 23 51 84 32 33 69
Siedepunkt in °C 35 63 76 82 69 72 81
Lösungsmittel Methylethylketon Diisopropylether Ethylacetat Isopropylacetat Acetonitril Chloroform Tetrachlorkohlenstoff
Gehalt Isopropanol in Ma% 32 15 25 52 48 4 18
Siedepunkt in °C 78 66 75 80 75 61 69

Thermodynamische Eigenschaften

Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach Antoine entsprechend log10(P) = A−(B/(T+C)) (P in bar, T in K) mit A = 4,57795, B = 1221,423 und C = -87,474 im Temperaturbereich von 359,0 bis 508,24 K.[5]

Zusammenstellung der wichtigsten thermodynamischen Eigenschaften
Eigenschaft Typ Wert [Einheit] Bemerkungen
Standardbildungsenthalpie ΔfH0liquid
ΔfH0gas
−318,2 kJ·mol−1[6]
−272,3 kJ·mol−1 [6]
Standardentropie S0liquid 180,58 J·mol−1·K−1[7] als FlĂŒssigkeit
Verbrennungsenthalpie ΔcH0liquid −2005,8 kJ·mol−1[6]
WĂ€rmekapazitĂ€t cp 161,2 J·mol−1·K−1 (25 Â°C)[8]
89,32 J·mol−1·K−1 (25 Â°C)[9]
als FlĂŒssigkeit
als Gas
Kritische Temperatur Tc 508,3 K[10]
Kritischer Druck pc 47,6 bar[10]
Azentrischer Faktor ωc 0,66687[11]
Schmelzenthalpie ΔfH0 5,41 kJ·mol−1[7] beim Schmelzpunkt
Verdampfungsenthalpie ΔVH0 39,85 kJ·mol−1[12] beim Normaldrucksiedepunkt

Die TemperaturabhĂ€ngigkeit der Verdampfungsenthalpie lĂ€sst sich entsprechend der Gleichung ΔVH0=Aexp(−αTr)(1−Tr)ÎČ (ΔVH0 in kJ/mol, Tr =(T/Tc) reduzierte Temperatur) mit A = 53,38 kJ/mol, α = −0,708, ÎČ = 0,6538 und Tc = 508,3 K im Temperaturbereich zwischen 298 K und 380 K beschreiben. [12]

Sicherheitstechnische KenngrĂ¶ĂŸen

2-Propanol bildet leicht entzĂŒndliche Dampf-Luft-Gemische. Die Verbindung hat einen Flammpunkt bei 12 Â°C. Der Explosionsbereich liegt zwischen 2 Vol% (50 g/m3) als untere Explosionsgrenze (UEG) und 13,4 Vol% (335 g/m3) als obere Explosionsgrenze (OEG).[13] Eine Korrelation der Explosionsgrenzen mit der Dampfdruckfunktion ergibt einen unteren Explosionspunkt von 10 Â°C sowie einen oberen Explosionspunkt von 39 Â°C. Die Explosionsgrenzen sind temperatur- und druckabhĂ€ngig. Erhöhte Temperaturen fĂŒhren zu einer Erweiterung des Explosionsbereiches. Eine Erniedrigung des Druckes fĂŒhrt zu einer Verkleinerung des Explosionsbereiches. Die untere Explosionsgrenze Ă€ndert sich bis zu einem Druck von 100 mbar nur wenig und steigt erst bei DrĂŒcken kleiner als 100 mbar an. Die obere Explosionsgrenze verringert sich mit sinkendem Druck analog.[14]

Explosionsgrenzen bei erhöhter Temperatur (gemessen bei 1013 mbar)[14]
Temperatur in °C 20 100 150
Untere Explosionsgrenze (UEG) in Vol% 2,2 1,9 1,6
in g·m−3 54 47 39
Obere Explosionsgrenze (OEG) in Vol% 12,8 13,4
in g·m−3 320 335
Explosionsgrenzen unter reduziertem Druck (gemessen bei 100 °C)[14]
Druck in mbar 1013 800 600 400 300 250 200 150 100 50 25
Untere Explosionsgrenze (UEG) in Vol% 1,9 1,9 2,0 2,0 2,1 2,1 2,2 2,3 2,4 3,1 3,8
in g·m−3 47 47 49 50 51 52 54 56 59 76 92
Obere Explosionsgrenze (OEG) in Vol% 13,4 12,8 12,3 11,8 11,6 11,6 11,7 11,7 11,3 9,5 6,0
in g·m−3 335 320 397 295 287 290 292 292 282 237 150

Die Sauerstoffgrenzkonzentration liegt bei 20 °C bei 8,7 Vol%, bei 100 °C bei 8,1 Vol%.[14] Die Grenzspaltweite wurde mit 0,99 mm bestimmt.[13] Es resultiert damit eine Zuordnung in die Explosionsgruppe IIA.[13] Die ZĂŒndtemperatur betrĂ€gt 425 Â°C.[13] Der Stoff fĂ€llt somit in die Temperaturklasse T2. Die elektrische LeitfĂ€higkeit ist mit 5,8·10−6 S·m−1 eher gering.[15] In wĂ€ssrigen Lösungen Ă€ndert sich der Flammpunkt mit <20 Â°C bis zu einem Wassergehalt von 80 Mol% nur wenig.[16]

Chemische Eigenschaften (Sicherheit)

2-Propanol kann, wie andere sekundĂ€re Alkohole auch,[17] mit Luftsauerstoff explosionsfĂ€hige Peroxide bilden.[18][19][20] So wurde beispielsweise in BehĂ€ltern, in denen Isopropanol zehn Jahre aufbewahrt worden war, ein Peroxidgehalt von 1 % festgestellt; Peroxid-Konzentrationen bis 4,2 % wurden berichtet.[17] Beim Abdestillieren von 2-Propanol bis zur Trockne ist es deshalb zu teils schweren UnfĂ€llen gekommen. Es ist daher ratsam, Isopropanol vor dem Abdestillieren auf Peroxide zu prĂŒfen.

Toxikologie

Die DĂ€mpfe wirken betĂ€ubend. Der Kontakt verursacht Reizungen der Augen und der SchleimhĂ€ute. Beim Umgang fĂŒr ausreichende LĂŒftung sorgen. In Tierversuchen wurden keine Hinweise auf sensibilisierende oder mutagene Eigenschaften gefunden.

Verwendung

  • Lösungsmittel fĂŒr Fette, Harze, Lacke, Tinte
  • Extraktion und Reinigung von Naturprodukten
  • Lösungsmittel zur Kristallisation und Reinigung organischer Substanzen
  • PrĂ€zipitation von NucleinsĂ€uren
  • Reinigungsmittel in Industrie und Haushalt/Fettlöser
  • Lösungs- und VerdĂŒnnungsmittel in kosmetischen und pharmazeutischen Zubereitungen
  • Zusatz zu Frostschutzmitteln im KĂŒhlsystem oder in der Scheibenwaschanlage in Autos und LKW
  • Bestandteil von TĂŒrschloss- und Autoscheibenenteisern
  • Bestandteil sogenannter Kraftstoffsystemreiniger, die dem Treibstoff von Kraftfahrzeugen beigegeben werden, um RĂŒckstĂ€nde und Wasser im System zu lösen
  • Zusatz in Offsetdruckmaschinen mit Alkoholfeuchtwerken, um die OberflĂ€chenspannung des Feuchtmittels herabzusetzen (sogenannter „Wischwasserzusatz“)
  • Herstellung von Desinfektionsmitteln (70 %iger IPA in Wasser besitzt beispielsweise eine höhere Wirkung als entsprechend verdĂŒnntes Ethanol)
  • EntschĂ€umungsmittel
  • Herstellung von Aceton (Meerwein-Ponndorf-Verley-Reduktion)
  • Herstellung von Isopropylamin
  • zum Nass-Abspielen von Schallplatten: 50 % Isopropanol gemischt mit 50 % destilliertem Wasser
  • zum Entfernen von Fett-, Schmier- und SilikonrĂŒckstĂ€nden bei der Lackaufbereitung an Fahrzeugen. Mischung verdĂŒnnt mit bis zu 50 Prozent Wasser
  • Zur Reinigung optischer FlĂ€chen (Objektive und Okulare), insbesondere in der Mikroskopie: 15 % Isopropanol mit 85 % n-Hexan (Empfehlung der Carl Zeiss Microimaging GmbH)[21]
  • Reinigung von gelöteten Platinen, entfernen von FlussmittelrĂŒckstĂ€nden (nur alkoholbasierende Flussmittel)
  • Entfernung der Schwitzschicht (nach AushĂ€rten unter UV-Licht) bei der Nagelmodellage
  • Als Alkoholkomponente in Nebelkammern[22]

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f g h i Eintrag zu 2-Propanol in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 12. September 2007 (JavaScript erforderlich).
  2. ↑ CRC Handbook of Tables for Organic Compound Identification, Third Edition, 1984, ISBN 0-8493-0303-6.
  3. ↑ Eintrag zu CAS-Nr. 67-63-0 im European chemical Substances Information System ESIS
  4. ↑ a b I.M. Smallwood: Handbook of organic solvent properties, Arnold London 1996, ISBN 0 340 64578 4, S. 73–75.
  5. ↑ Ambrose, D.; Townsend, R., Thermodynamic Properties of Organic Oxygen Compounds. Part 9. The Critical Properties and Vapour Pressures, above Five Atmospheres, of Six Aliphatic Alcohols, in: J. Chem. Soc., 1963, S. 3614–3625.
  6. ↑ a b c Snelson, A.; Skinner, H. A., Heats of combustion: sec-propanol, 1,4-dioxan, 1,3-dioxan and tetrahydropyran, in: Trans. Faraday Soc., 57 (1961), S. 2125–2131.
  7. ↑ a b Andon, R. J. L.; Counsell, J. F.; Martin, J. F., Thermodynamic properties of organic oxygen compounds. Part II. The thermodynamic properties from 10 to 330 K of isopropyl alcohol, in: Trans. Faraday Soc., 59 (1963), S. 1555–1558.
  8. ↑ Roux, G.; Roberts, D.; Perron, G.; Desnoyers, J. E., Microheterogeneity in aqueous-organic solutions: heat capacities, volumes and expansibilities of some alcohols, aminoalcohol and tertiary amines in water, in: J. Solution Chem., 9 (1980), S. 629–647, doi:10.1007/BF00645894.
  9. ↑ Thermodynamics Research Center, Selected Values of Properties of Chemical Compounds., Thermodynamics Research Center, Texas A&M University, College Station, Texas, 1997.
  10. ↑ a b Gude, M.; Teja, A. S., Vapor-Liquid Critical Properties of Elements and Compounds. 4. Aliphatic Alkanols, in: J. Chem. Eng. Data, 40 (1995), S. 1025–1036; doi:10.1021/je00021a001.
  11. ↑ Schmidt, J.: Auslegung von Sicherheitsventilen fĂŒr Mehrzweckanlagen nach ISO 4126-10 in Chem. Ing. Techn. 83 (2011) 796–812, doi:10.1002/cite.201000202.
  12. ↑ a b Majer, V.; Svoboda, V., Enthalpies of Vaporization of Organic Compounds: A Critical Review and Data Compilation, Blackwell Scientific Publications, Oxford, 1985, S. 300.
  13. ↑ a b c d Brandes, E.; Möller, W.: Sicherheitstechnische Kenndaten – Band 1: Brennbare FlĂŒssigkeiten und Gase, Wirtschaftsverlag NW – Verlag fĂŒr neue Wissenschaft GmbH, Bremerhaven 2003.
  14. ↑ a b c d Pawel, D.; Brandes, E.: Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben AbhĂ€ngigkeit sicherheitstechnischer KenngrĂ¶ĂŸen vom Druck unterhalb des atmosphĂ€rischen Druckes, Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), Braunschweig, 1998. http://www.ptb.de/de/org/3/34/341/bericht_vakuum2.pdf
  15. ↑ Technische Regel fĂŒr Betriebssicherheit - TRBS 2153, BG RCI Merkblatt T033 Vermeidung von ZĂŒndgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen, Stand April 2009, S. 125, Bezug ĂŒber Jedermann Verlag Heidelberg.
  16. ↑ Liaw, H.-J.; Chiu, Y. Y.: The prediction of the flash point for binary aqueous-organic solutions, in: J. Hazard. Mat., 101 (2003), S. 83–106;doi:10.1016/S0304-3894(03)00168-7.
  17. ↑ a b BGChemie.de, UnfĂ€lle durch Peroxide bildende Substanzen
  18. ↑ G. A. Mirafzal, H. E. Baumgarten: Control of peroxidizable compounds: An addendum (SAFETY), in: J. Chem. Ed., 65 (1988), S. A226, doi:10.1021/ed065pA226.
  19. ↑ T.W. Sharples: Butanol safety hazard (LTE), in: J. Chem. Ed., 61 (1984), S. 476, doi:10.1021/ed061p476.1.
  20. ↑ Bathe, in Chem Ber, 10/1974, S. 143.
  21. ↑ Michael Zölffel: Das saubere Mikroskop. Carl Zeiss
  22. ↑ TU MĂŒnchen: Kurzbeschreibung: Kontinuierliche Nebelkammer.
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