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Der Ablativ ist ein Kasus der Grammatik mehrerer lebender und toter Sprachen. Ursprünglich ein Separativ (daher auch die Etymologie von lat. auferre – wegnehmen), hat er ein weites Funktionsspektrum bekommen. Seine häufigsten Funktionen sind Trennung („von … her“), Mittel oder Werkzeug („mit“, „durch“), Begleitung („in Begleitung von“), Ortsangabe („in, an, auf“) und einige andere. Welche Funktionen oder Bedeutungen ausgeprägt sind, ist von Sprache zu Sprache unterschiedlich. Viele Sprachen besitzen keine eigentlichen Ablativ-Formen, sondern müssen ihn mit Hilfe von Präpositionen oder Postpositionen ausdrücken.
Inhaltsverzeichnis |
Der Ablativ ist einer der Fälle der indogermanischen Ursprache. Er hat sich in keiner der germanischen Sprachen erhalten, doch kennen ihn das Lateinische, das Armenische, das Albanische und das Sanskrit.
Die Bezeichnung Ablativ leitet sich vom lateinischen (casus) ablativus ab. Entsprechend dieser Bezeichnung ist der Ablativ zunächst ein die Trennung beziehungsweise Wegbewegung ausdrückender oder ein „indirekter“ Fall. Manche Sprachen drücken eine Trennung durch einen speziellen Fall, den Separativ aus.
Die Deutsche Sprache nutzt in Ermangelung des Ablativs meist den Dativ oder den Akkusativ mit Präposition. Der lateinische Ablativ übernimmt seinerseits bereits die Funktionen zweier weiterer ursprünglicher Fälle, nämlich des Lokativs (Ortsangabe) und des Instrumentalis (Angabe des Mittels).
Gebildet wird der Ablativ im Singular durch Längung des Themavokals, bei konsonantischen Stämmen durch die Endung -e. Im Plural entspricht der Ablativ der Form nach dem Dativ mit der Endung -īs oder -gelängter Themavokal/i -bus.
Die drei Grundfunktionen des Ablativs werden im Lateinischen weiter ausdifferenziert; oft signalisieren Präpositionen seine genauere Bedeutung. Er ist entsprechend im Deutschen unterschiedlich wiederzugeben.
Ablativus instrumentalis oder instrumenti Ablativ des Werkzeugs (Wodurch? Womit?)
Mit dem Ablativus instrumentalis wird das Gebrauchsmittel genannt. Es wird im einfachen Ablativ ausgedrückt. Übersetzt wird er mit den Präpositionen mit oder durch. Da man Personen nicht benutzen kann, stehen diese niemals im Ablativus instrumenti. Eine Ausnahme von dieser Regel stellen einige Deponentien wie z. B. uti - benutzen, niti - sich stützen auf oder frui - genießen dar, die den Ablativus instrumenti regelmäßig und beinahe wie ein Objekt bei sich haben.
Ablativus sociativus (Mit wem?)
Der Ablativus sociativus drückt die Gemeinschaft aus (sociativus < sociare - verbinden).
Ablativus modi (Wie? Auf welche Art und Weise?)
Der Ablativus modi drückt die Art und Weise oder auch die Begleitumstände aus, unter welchen etwas geschieht.
Ablativus mensurae, auch Ablativus discriminis (Um wie viel größer, kleiner, klüger etc.?)
Durch den Ablativus mensurae wird bei einem Vergleich das Maß ausgedrückt, um welches sich jemand oder etwas unterscheidet.
Ablativus limitationis (in welcher Hinsicht? inwiefern?)
Der Ablativus limitationis gibt die Hinsicht an, in welcher eine Aussage gilt.
Ablativus separativus Ablativ des Ausgangspunktes und der Trennung (Woher? Wovon?)
Dieser Kasus wird in manchen Sprachen durch einen speziellen Separativ ausgedrückt. Ein Sonderfall des Ablativus separativus ist der
Ablativus originis Ablativ der Herkunft (aus was für einer Familie?)
Ablativus auctoris Ablativ des logischen Subjekts beim Passiv (Von wem?)
Ablativus comparationis Ablativ des Vergleichs beim Komparativ (Als wer/was?). Er ersetzt die Konjunktion quam - als
Ablativus thematis Ablativ des Themas (worüber?) Er wird zumeist bei Überschriften angewandt
Ablativus locativus (auch Ablativus loci) Ablativ des Ortes (Wo?)
Ablativus temporalis oder temporis Ablativ der Zeit, eigentlich übertragener Lokativ (Zeit wird als Ort(Locus heißt auch allgemein „Umstand“) gesehen) (Wann? In welcher Zeitspanne?)
Ablativus qualitatis Ablativ der Eigenschaft (Von welcher Art? Was für ein?) - er ist der einzige Ablativ, der ein Attribut darstellt
Ablativus causae Ablativ des Grundes (Warum?). Er steht sehr häufig bei Partizipien wie commotus - veranlasst, incensus - brennend vor usw.
Ablativus pretii Ablativ der Preisangabe (Für wie viel?)
Zu unterscheiden von diesen Kasusfunktionen des Ablativs ist der Ablativus absolutus, eine satzwertige Partizipialkonstruktion.
Im Sanskrit ist der Ablativ, wie im Lateinischen, ein indirekter Fall.
Auch die Albanische Sprache kennt den Ablativ. Im Singular stimmen seine Formen mit dem Genitiv bzw. Dativ überein. Im Plural dagegen lässt er sich in der unbestimmten Form eindeutig unterscheiden: (unbest.) -sh, (best.) -ve.....
In der Mongolischen Sprache antwortet der Ablativ auf die Fragen „woher?“, „von wem?“, „seit wann?“ und „wovon“? Die Endung richtet sich nach der Vokalharmonie und der Art des Wortstammes: -аас, -ээс, -оос, өөс; -гаас, -гээс, -гоос, -гөөс; -иас, -иос.
Beispiele: улсаас (von улс „Staat“), модноос (von мод „Baum, Holz, Pfahl“), ангиас (von анги „Klasse, Studienjahr“)
In der türkischen Sprache wird als Ablativ der woher-Fall bezeichnet. Er wird durch das Anhängen von den bzw. dan gebildet und variiert gemäß den Regeln der kleinen Vokalharmonie. Hinter stimmlosen Konsonanten treten die Varianten ten bzw. tan auf.
Beispiel: Nereden geliyorsun? (Woher kommst du?) Sinemadan geliyorum. (Ich komme aus dem Kino.)
In der Baschkirischen Sprache hat der Ablativ ähnliche Endungen wie im Türkischen. Allerdings variiert er dort wegen der Konsonantenharmonie stärker. D. h., es treten nicht nur die Formen -дән /dɛn/ bzw. -дан /dan/ und -тән /tɛn/ bzw. -тан /tan/ auf, sondern auch noch -ҙән /ðɛn/, -ҙан /ðan/, -нән /nɛn/ -нан /nan/.
Beispiel: өҫтәлдән "vom Tisch"; шкафтан "aus dem Schrank"; Германиянан "aus Deutschland".
Auch die finnische Sprache kennt einen Ablativ. Die Kasusendung ist je nach Vokalharmonie -lta oder -ltä. Der Ablativ bezeichnet im Finnischen eine Bewegung von einem Ort weg (talolta – „vom Haus weg“). Zur Angabe der Uhrzeit modifiziert er Zahlwörter (viideltä - „um fünf (Uhr)“).
Im Estnischen endet der Ablativ auf -lt bzw. im Plural auf -telt oder -delt.
Beispiele: kellelt „von wem?“, minult „von mir“, turult „vom Markt“
Im Mordwinischen endet der Ablativ auf -до (Ersja) bzw. -да (Mokscha).
Im Ungarischen endet der Ablativ auf -től bzw. -tól und richtet sich nach der Vokalharmonie.
Beispiele: hajótól „vom Schiff“, körtől „vom Kreis“
Den Ablativ gibt es aber auch in einigen anderen Sprachen: