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Die Abtei Neresheim (St. Ulrich und Afra) ist ein Benediktinerkloster in Baden-Württemberg und gehört der Beuroner Kongregation an. Sie ist vor allem durch ihre Kirche, ein Spätwerk Balthasar Neumanns, bekannt.
Inhaltsverzeichnis |
Die Klosteranlage liegt oberhalb der Stadt Neresheim im Ostalbkreis auf dem Ulrichsberg in dominierender Lage über dem Härtsfeld.
Das Kloster wurde 1095 von Graf Hartmann I. von Dillingen und seiner Frau Adelheid, vermutlich eine Tochter des letzten Winterthurer Grafen Adalbert II. und damit Stammmutter der Grafen von Kyburg, als Augustiner-Chorherrenstift gegründet und 1106 in eine Benediktinerabtei umgewandelt, die sich der Hirsauer Reform anschloss. Die ersten (Benediktiner-)Mönche kamen aus den Klöstern Petershausen und Zwiefalten. Neben der Männergemeinschaft existierte auch ein Frauenkonvent, der jedoch Mitte des 13. Jahrhunderts einging.
Die Dillinger hatten sich lediglich die Vogteirechte über die Abtei gesichert, was nach dem Aussterben der Grafen 1258 einen jahrhundertelangen Rechtsstreit um den Status des Klosters, das sich keinesfalls mit der drohenden Landsässigkeit abfinden wollte, auslöste. Als Nachfolger der Dillinger beanspruchten die Grafen von Oettingen diese Rechte. Außerdem machte das Hochstift Augsburg, dessen Bischof in verwandtschaftlicher Beziehung zur Stifterfamilie stand, Ansprüche geltend. 1263 beendet ein Urteil von Albertus Magnus – vorerst – den Streit: Die Vogtei kam formal an das Hochstift, blieb de facto aber in Form einer Pfandschaft bei Oettingen.
Im 13. Jahrhundert besaß die Abtei sieben Dörfer sowie Streubesitz und Einkünfte in 71 weiteren Orten vor allem des Härtsfelds, außerdem waren ihr 10 Pfarreien inkorporiert. Wiederholt wurde das Kloster durch Brände, aber auch durch Kriegshandlungen zerstört: so bereits im 12. Jahrhundert, als Neresheim mit anderen Hirsauer Reformklöstern auf päpstlicher Seite stand, im Schmalkaldischen Krieg, im Dreißigjährigen Krieg und in den Kriegen im Gefolge der französischen Revolution.
Ende des 16. Jahrhundert flammte der Konflikt um die Reichsunmittelbarkeit der Abtei wieder auf, als Oettingen-Wallerstein die Jurisdiktionsgewalt forderte. Eine kaiserliche Kommission vermittelte 1583 in München einen Vergleich. 1739 gerieten die Parteien wegen Holzverkäufen erneut in Streit, was eine regelrechte Prozesslawine auslöste: Die Grafen von Oettingen-Wallerstein erhoben Klage vorm Reichskammergericht in Wetzlar, die Abtei vorm Reichshofrat – möglicherweise erhoffte sich der Konvent dort bessere Chancen. Da die Oettinger schneller vorstellig wurden, wurde das Verfahren, das von beiden Seiten mit großem Aufwand betrieben wurde und von Propaganda begleitet war, vom Reichskammergericht geführt. Nach mehr als 20 Jahren Prozessdauer einigte man sich auf einen Vergleich, der nach Nachbesserungen auch vom Reichshofrat gebilligt wurde: 1764 erlangte die Abtei die Reichsstandschaft, erkaufte dies aber mit der Abtretung von zahlreichen Besitzungen (darunter die Stadt Neresheim) an die Grafen von Oettingen-Wallerstein. Der Abt konnte daher nur über ein winziges Territorium die weltliche Herrschaft ausüben.
Das Kloster wurde durch die Säkularisation im Jahr 1802 aufgehoben und fiel an die Fürsten von Thurn und Taxis, 1806 an Bayern, 1810 endgültig an Württemberg. Wertvolle Einrichtungs- und Ausstattungsgegenstände der Abtei gelangten über die Thurn und Taxis durch Kauf 1993 an den Freistaat Bayern. Ein Großteil der Bibliothek ist heute wieder als Leihgabe in Neresheim, nachdem ein bereits 1828 geplanter Verkauf nicht realisiert wurde. Die Bibliothekskataloge des 18. Jahrhunderts befinden sich allerdings weiterhin in Regensburg.
Die Fürsten von Thurn und Taxis ermöglichten 1919 auch die Wiederbesiedlung durch Benediktiner aus Beuron und der Abtei Emaus in Prag. Erster Abt nach der Wiederbegründung wurde Bernhard Durst (1921–1965). Sein Nachfolger war Johannes Kraus (1965–1977).
Unter den Klostervorstehern ragen insbesondere heraus Pilgrim von Berrieden (1126–38), der einen umfangreichen Briefwechsel mit Hildegard von Bingen führte, Johann Vinsternau (1510–29), der die Melker Reform in Neresheim initiierte, und Benedikt Maria Angehrn (1755–87), in dessen Amtszeit die Klosterkirche entstand und endgültig die Reichsunmittelbarkeit (siehe oben) erworben werden konnte.
12 Mönche bilden heute (Februar 2012)[1] den Konvent der Abtei Neresheim, die der Beuroner Kongregation angehört. Das Kloster unterhält ein Tagungs- und Gästehaus und bietet Exerzitien sowie Kurse an.
Am 13. Februar 2004 gründete P. Prior Albert Knebel OSB den „Knabenchor Abtei Neresheim“, der Jungen ab der 1. Klasse eine kostenlose musikalische Allgemein- und Stimmbildung anbietet. Der Knabenchor, der ca. 40 Mitglieder umfasst, singt etwa ein Mal im Monat bei einer Sonntagsvesper in der Abteikirche Neresheim und bei Auftritten außerhalb des Klosters.
Der „Verein zur Erhaltung der Abteikirche Neresheim e. V.“ hat sich dem Erhalt und der Unterstützung der Abtei verpflichtet und fördert die Renovierung der Abteigebäude.
Seit Ende Oktober 2009 beherbergt das Konventgebäude das neugeschaffene Klostermuseum, das die Geschichte der Abtei darstellt. Im Rahmen einer Führung durch das Klostermuseum können sowohl der Michaelisaal als auch der von Dominikus Zimmermann prachtvoll ausgestaltete Festsaal besichtigt werden – der einzige Festsaal, den der Baumeister der Wieskirche gestaltete.[2]
Vom 23. August 1977 bis 21. Februar 2012 wurde die Abtei von Abt Norbert Stoffels geleitet. Er wurde 1977 erstmalig gewählt und 2006 – nach Erreichung der Altersgrenze für Äbte der Benediktiner von 70 Jahren – für eine letztmögliche Amtszeit von 6 Jahren wiedergewählt. Im Wahlkapitel unter Vorsitz von Abtpräses Albert Schmidt aus Beuron wurde am 7. März 2012 Pater Albert Knebel vom Konvent der Abtei zum Prior-Administrator auf drei Jahre gewählt.[3]
Die mittelalterliche Klosteranlage mit einer romanischen Basilika (Bauzeit 1126–90) befand sich südlich der heutigen Kirche. 1568/69 erfolgte der Anbau eines größeren Chors, 1695 eine Barockisierung.
Nach dem Abbruch des Vorgängerbaus wurde die heutige Abteikirche von 1747 bis 1792 nach Plänen von Balthasar Neumann erbaut. Nach Neumanns 1753 Tod oblag die Bauleitung seinen Schülern. Geldmangel und statische Bedenken führten zu Bauunterbrechungen und gravierenden Änderungen des Grundentwurfs (v. a. flachere Ausführung der Hauptkuppel, die mit Holz statt Stein errichtet wurde und keine Laterne bekam).
In seiner Dokumentation der Deutschen Kunstgeschichte bezeichnet Georg Dehio die Abteikirche als „Meisterwerk der europäischen Barockbaukunst“ und schreibt weiter: „Die Barockarchitektur nicht nur Deutschlands, sondern Europas, hat weniges, was sich mit diesem Raum messen kann.“[4]
Die Fresken (1769–75) stammen vom Tiroler Maler Martin Knoller aus Steinach am Brenner. Die Stuckierung (1776–78) und Ausstattung (1778–1801) übernahm Thomas Schaidhauf. Knollers Deckengemälde schildert um Christus im Zentrum in Bildern dessen Leben. Die Hauptorgel wurde von 1792 bis 1798 von Johann Nepomuk Holzhay aus Ottobeuren erbaut. Nach mehrfachen Veränderungen wurde 1979 der ursprüngliche Zustand der Orgel wiederhergestellt.[5]
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Seit 1949 besitzt die Abteikirche eine Chororgel der firma Steinmeyer mit 2 Manualen und 27 Registern.
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1965 drohte der Einsturz der Kirche, da Senkungen in der Hauptkuppel Mauerrisse verursachten. Von 1969 bis 1975 wurde das Gebäude umfassend restauriert.
Auf dem 50-DM-Schein, der von 1991 bis 2002 gültig war, ist die Klosterkirche auf der Rückseite als Längsschnitt abgebildet – allerdings in einer nicht ausgeführten Entwurfsvariante (die Vorderseite zeigt Balthasar Neumann).
Männerklöster: Erzabtei Beuron | Abtei Seckau | Abtei Maria Laach | Abtei Weingarten | Abtei Gerleve | Abtei Neresheim | Abtei Grüssau | Abtei Neuburg | Abtei Tholey | Priorat Nütschau
Frauenklöster: Abtei St. Hildegard | Abtei Herstelle | Abtei Kellenried | Abtei Engelthal | Abtei Säben | Abtei Varensell | Abtei Fulda | Kloster Marienrode | Kloster Aasebakken
48.7558710.34366Koordinaten: 48° 45′ 21″ N, 10° 20′ 37″ O