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Der Act of Free Choice war eine umstrittene Abstimmung, mit der Indonesien 1969 mit UnterstĂŒtzung der UNO die Ăbernahme West-Papuas legitimierte.
Vorbereitungen fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit West-Papuas begannen Ende 1961, Indonesiens Ziel eines Territoriums in den Grenzen NiederlĂ€ndisch-Indiens von 1942 massiv zu stören. Mit Hilfe der USA gelang es Indonesien 1963, West-Papua unter indonesische Verwaltung zu stellen, jedoch mit der 1962 im New Yorker Abkommen zwischen den Niederlanden und Indonesien vereinbarten Bedingung, dass die Papua bis 1969 in einem Volksentscheid unter Aufsicht der UNO ihre Zugehörigkeit zu Indonesien bestĂ€tigen. Um sowohl das gewĂŒnschte Ergebnis der Abstimmung zu sichern als auch internationale GlaubwĂŒrdigkeit zu gewinnen, wurden die eintausend aus den StammesfĂŒhrern West-Papuas ausgesuchten WahlmĂ€nner zunĂ€chst von Indonesien fĂŒr die Wahl trainiert, die in die Zeit der Landung des ersten Menschen auf dem Mond gelegt wurde. Als Beobachter waren nur zwei auslĂ€ndische Journalisten zugelassen. Durch eine Mischung finanzieller Einflussnahme und die Androhung von Folter fiel das Wahlergebnis einstimmig zu Gunsten Indonesiens aus. Die UNO unterstĂŒtzte den Betrug, bemĂŒhte sich, die Angelegenheit möglichst schnell loszuwerden und sah ihre Rolle im New Yorker Abkommen als erfĂŒllt an. Die Act of Free Choice (deutsch: Freie Wahl, indonesisch: Pepera â Penentuan Pendapat Rakyat) genannte Abstimmung ist daher in West-Papua allgemein als Act of No Choice (deutsch: Abstimmung ohne Wahlmöglichkeit) bekannt. Bei einer Revision des Verfahrens vor der UNO fĂŒrchtet Indonesien nicht nur eine seiner rohstoffreichsten Provinzen und gröĂten Finanzquellen einzubĂŒĂen, sondern sieht die LegitimitĂ€t und Einheit der Nation in Gefahr.
Inhaltsverzeichnis |
1848 teilten die Niederlande und GroĂbritannien die traditionelle von Melanesiern bewohnte Insel Neuguinea am 141. LĂ€ngengrad. Die als Papua-Neuguinea bekannte OsthĂ€lfte wurde 1884 zwischen Deutschland und GroĂbritannien aufgeteilt. Das sĂŒdöstliche Britisch-Neuguinea ging 1906 als Papua an Australien, wĂ€hrend der nordöstliche deutsche Teil (Kaiser-Wilhelms-Land und der Bismarck-Archipel von Deutsch-Neuguinea) nach dem Ersten Weltkrieg unter australische Verwaltung gestellt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg von Australien als Papua Neuguinea verwaltet, erhielt es 1975 seine UnabhĂ€ngigkeit.
Die westliche HĂ€lfte Neuguineas wurde unter der Bezeichnung NiederlĂ€ndisch-Neuguinea Teil von NiederlĂ€ndisch-Indien. Die NiederlĂ€nder hatten wenig Interesse an dem Gebiet, benutzten es als Platz fĂŒr strafversetzte Beamte, zur Internierung von Rebellen und als Kontrollpunkt der Seewege zu den GewĂŒrzinseln. Hauptinteresse war der Schutz der lukrativen Kolonien westlich von Neuguinea. Die erste geologische Erkundung fand 1907 statt.
Am 17. August 1945, zwei Tage nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg, wurde die UnabhĂ€ngigkeit Indonesiens verkĂŒndet, die die Niederlande nicht anerkannten. Nach vier Jahren wurde unter internationalem Druck am 27. Dezember 1949 Indonesiens UnabhĂ€ngigkeit akzeptiert. Bei der vorangegangenen Rundtischkonferenz war es den Niederlanden jedoch gelungen, West-Neuguinea vom SouverĂ€nitĂ€tstransfer an Indonesien auszuschlieĂen. Eine Einigung durch weitere Verhandlungen innerhalb eines Jahres war stattdessen vereinbart. Indonesien machte diplomatische Anstrengungen, unterstĂŒtzt von militĂ€rischen Unternehmungen, gegen die Niederlande. Diese Kampagne der Einforderung Papuas nutzte PrĂ€sident Sukarno erfolgreich als Strategie der Konsolidierung nationaler Einheit in einer Zeit tiefer Spaltungen der indonesischen Elite. Dass âPapua Teil von Indonesien istâ, war eines der Themen, bei denen alle politischen FĂŒhrer und Parteien einig waren.[1]
Anfang der 1950er Jahre scheiterten die GesprĂ€che zur Zukunft West-Papuas, und die Niederlande begannen West-Papua auf die UnabhĂ€ngigkeit vorzubereiten. Mit Hilfe der Vereinten Nationen sollte das Land in den 1970er Jahren durch Ausbildung einer nationalen Elite, GrĂŒndung von Parteien und Gewerkschaften, Bildung des Neuguinea-Rates (5. April), allgemeines Wahlrecht, Entwurf der Morgenstern-Flagge, einer Nationalhymne und eines Emblems unabhĂ€ngig werden. Am 27. September stellte der niederlĂ€ndische AuĂenminister Joseph Luns den Plan auf der UNO-Vollversammlung vor. Indonesien protestierte.
Um nicht zwischen den MĂ€chten hin- und hergeworfen zu werden und der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, dass die Papua auf eigenen FĂŒĂen stehen und bald eine eigene Nation bilden können, trafen sich daraufhin am 19. Oktober 1961 auf dem Ersten Papua-Kongress 70 FĂŒhrer Papuas, davon 17 Mitglieder im Nationalen Rat. Angenommen wurde ein politisches Manifest:
Flagge und Wappen wurden von den Niederlanden am 18. November bestĂ€tigt.[3] Am 1. Dezember 1961 wurde die Flagge West-Papuas zum ersten Mal öffentlich gehisst. âGroĂer Jubel herrschte im Land, die Menschen tanzten, sangen und feierten den Beginn einer neuen Ăra.â[4] Sukarno sah nun seine Vision von Indonesien in Gefahr, die alle Inseln des frĂŒheren NiederlĂ€ndisch-Indien â von Sabang (Sumatra/Aceh) bis Merauke (West Papua) â umfasste. Er begriff, dass der neue Nationalismus West-Papuas eine wesentlich gröĂere Gefahr fĂŒr Indonesien darstellte als die Fortsetzung der niederlĂ€ndischen Verwaltung.[1] In der Trikora-Rede am 19. Dezember gab Sukarno den âBefehl zur Befreiung West-Iriansâ: 1. Die Bildung des Papua-Marionettenstaates zu verhindern, 2. das zu Indonesien gehörende West-Irian unter die indonesische Flagge zu stellen, 3. Vorbereitung zur allgemeinen Mobilmachung zur Verteidigung der Einheit Indonesiens.[5] Unmittelbar darauf begannen unter FĂŒhrung des jungen Suharto indonesische FallschirmjĂ€ger des gerade dafĂŒr geschaffenen Strategischen Heereskommandos Kostrad mit militĂ€rischen Angriffen, um West-Neuguinea zu âbefreienâ (Manadala Kommando). Am 15. Januar versenkten die NiederlĂ€nder ein indonesisches Patrouillenboot, am 24. MĂ€rz einen Zerstörer vermutlich russischer Herkunft.[6]
Nach der Erstbesteigung des Puncak Jaya am 13. Februar und einer Durchquerung des Baliem-Tals traf Heinrich Harrer am 26. Juni an der SĂŒdkĂŒste in Merauke ein. Im GepĂ€ck hatte er neben einer groĂen Anzahl an SteinĂ€xten auch PlĂ€ne fĂŒr einen seetĂŒchtigen Katamaran, um zur Not ĂŒber die Arafurasee nach Australien fliehen zu können.[7]
Sukarno hatte in der Trikora-Rede die NĂ€he zu den sozialistischen Staaten herausgestellt, die Indonesien in der Angelegenheit West-Irian im Gegensatz zu den imperialistischen LĂ€ndern unterstĂŒtzen wĂŒrden. Nun begannen die Vereinigten Staaten auf die Niederlande Druck auszuĂŒben, das Land an Indonesien zu ĂŒbergeben. Ohne internationale UnterstĂŒtzung (die UNO und Australien folgten den Vereinigten Staaten) stimmten die Niederlande im August 1962 dem Plan des US-Diplomaten Ellsworth Bunker zu â bekannt geworden als das New Yorker Abkommen â, West-Papua nach einer Ăbergangsphase unter UN-Aufsicht an Indonesien zu ĂŒbergeben, mit der Bedingung, dass eine freie Wahl nationaler Selbstbestimmung der Bevölkerung West Neuguineas durch Indonesien unter UNO-Aufsicht bis Ende 1969 durchgefĂŒhrt: der Act of Free Choice.
Der wichtigste Teil fĂŒr die Papua war Artikel 18 des New Yorker Abkommens:
Das ermöglichte den Niederlanden, das Gesicht zu wahren. Indonesien feierte den Triumph.
Am 1. September billigten 9 von 28 Mitgliedern des Neuguinea-Rates das New Yorker Abkommen, das ohne Beteiligung der Papua beschlossen worden war. Bei einer zweiten Abstimmung verlieĂ die HĂ€lfte der Ratsmitglieder die Versammlung. Von den verbliebenen 14 befĂŒrworteten 12 das Abkommen, zwei stimmten dagegen.[9]
Am 1. Oktober 1962 wurde West-Neuguinea der zeitweiligen UNO-Verwaltung UNTEA (United Nations Temporary Executive Authority) ĂŒbergeben, die das Land mindestens sieben Monate fĂŒhren sollte. Eine maximale Dauer war nicht vereinbart und sofort nach dem Ablauf von sieben Monaten wurde das Gebiet am 1. Mai 1963 unter indonesische Verwaltung gestellt. Die UNO-Verwaltung brachte mangels Macht, Willen und FĂ€higkeiten keine wirkliche neutrale Phase. Sie ermögliche aber den Abzug der niederlĂ€ndischen Verwaltung. WĂ€hrend zunĂ€chst Papua-Beamte und -Polizei die Aufgaben insbesondere in der Regionalverwaltung ĂŒbernahmen, strömten schnell weit mehr indonesische Beamte und MilitĂ€rs ins Land als vorgesehen waren und ĂŒbernahmen schnell die Macht. Sie ĂŒbten starken Druck auf die Papua aus, sich zur Zugehörigkeit zu Indonesien zu bekennen und den Traum der Selbstbestimmung aufzugeben. Bald folgten gewalttĂ€tige Aktionen der indonesischen MilitĂ€rs, die die neue Verwaltung in den nĂ€chsten Jahrzehnten kennzeichnete. Schnelle Verarmung folgte, Verschlechterung der Rechtssicherheit und Verlust der BĂŒrgerrechte. Systematisch wurde alles beseitigt, was an die Niederlande erinnerte. West-Papuas Polizei wurde in Baracken gesperrt, politische Gruppen und der Rat Neuguineas aufgelöst. Die Benutzung der nationalen Symbole einschlieĂlich der Worte âPapuaâ und âMelanesischâ wurde ungesetzlich, öffentliche Versammlungen jeder Art illegal, Bewegungs- und Meinungsfreiheit beschrĂ€nkt und das Bildungssystem zerstört. [10] Das fĂŒhrte zu zunehmenden negativen Reaktionen der Papuas. Insbesondere das Hinterland von Manokwari war in stĂ€ndiger Opposition, worauf harte militĂ€rische Aktionen folgten. Die Anzahl der Todesopfer stieg bald in die Tausende. FĂŒr die USA war die Angelegenheit geregelt. Der Niederlande wie auch Australien lag zu viel an guten Beziehungen zu Indonesien, um sich einzumischen.
Indonesien hatte lĂ€ngst nicht mehr die Absicht, sich um den vereinbarten Act of Free Choice zu kĂŒmmern. Sukarno, obwohl von Kennedy freundlich behandelt, enteignete fast alle auslĂ€ndischen Firmen (auĂer Texaco). 1965 trat Indonesien aus Protest gegen Malaysias Ernennung zum zeitweiligen Mitglied des UN-Sicherheitsrates aus der UNO aus.
Nach dem Sturz Sukarnos und der Vernichtung der Kommunistischen Partei im Blutbad von 1965 bemĂŒhte sich der neue PrĂ€sident Suharto um internationales Ansehen und insbesondere um gute Kontakte zu den westlichen IndustrielĂ€ndern. US-Bergbaugigant Freeport wurde bereits im FrĂŒhjahr 1966 zu ersten GesprĂ€chen eingeladen. Nach der Verabschiedung des neuen Gesetzes ĂŒber Auslandsinvestitionen erhielt Freeport zu von ihm weitgehend selbst gewĂ€hlten Konditionen einen Vertrag ĂŒber 30-jĂ€hrige Nutzungsrechte an der reichen Ertsberg-Kupfer-Mine in West-Papua und war fortan ein enger VerbĂŒndeter der Suharto-Regierung.
Auf seiner Rede am UnabhĂ€ngigkeitstag 1968 betonte Suharto, dass die Verpflichtungen des New Yorker Abkommens eingehalten wĂŒrden und der Volksentscheid bis Ende 1969 stattfindet. Jedoch wĂŒrde man die Menschen West-Irians nicht aufgeben, sondern ihren Freiheitskampf und ihren Wunsch, Teil des indonesischen Volkes zu sein, unterstĂŒtzen. Der bevorstehende Act of Free Choice war ein nationales Thema, das ĂŒber die Einheit und IntegritĂ€t der Republik Indonesien entschied.
WĂ€hrend sich einzelne Papua-HĂ€uptlinge positiv zu Indonesien Ă€uĂerten, hatte sich die allgemeine Meinung und Situation deutlich verschlechtert. Ein Mitarbeiter des AuĂenministers konstatierte, dass indonesische administrative, finanzielle und ökonomische Fehler nicht nur EnttĂ€uschung verursacht hatten, sondern UnterstĂŒtzung fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit West Papuas geradezu erzeugten. Die BedĂŒrfnisse der Menschen waren einfach, aber Indonesien erfĂŒllte sie nicht.
Herlina, die an der indonesischen Befreiung West-Papuas teilgenommen hatte, schreibt:
Nach anfĂ€nglicher Kooperation mit den Indonesiern war es gerade die papuanische Elite, die gegen die indonesische Kontrolle rebellierte. Zentren des Widerstands waren die entwickelteren Gebiete West-Papuas wie Biak, Enarotali, Waghete, Waren, Ransiki, Manokwari, Ajmaru, die Arfak-Region auf der Vogelkop Halbinsel und das Gebiet um die Gelvink-Bucht.[12] In einer Unterhaltung zweier Mitglieder der britischen und amerikanischen Botschaft in Jakarta heiĂt es 1968:
Anfang 1969 begann das indonesische MilitĂ€r mit der âOperation AutoritĂ€tâ (Operasi Wibawa), der dritten MilitĂ€roperation seit 1963. Nach SchĂ€tzung des Gouverneurs Eliezer Bonay sind bis 1969 ungefĂ€hr 30.000 Papua ermordet worden. Der US-Botschafter Frank Galbraith berichtete von GerĂŒchten, dass ein Völkermord an den Papua geplant sei.[14] Mit dem NĂ€herrĂŒcken des Act of Free Choice tötete das MilitĂ€r nicht nur, sondern terrorisierte und schĂŒchterte die Bevölkerung ein, nicht fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit zu stimmen.[15]
Suharto hatte â ebenso wie Sukarno â keinen Zweifel gelassen, dass die indonesische Regierung nur ein Ergebnis der Volksabstimmung Papuas in Betracht zog. Somit musste die Abstimmung mit dem einzigen Zweck organisiert werden, das gewĂŒnschte Resultat zu erzielen. Der Vorschlag des UNO-Beauftragten Ortiz Sanz â ein Mann eine Stimme â war hierfĂŒr ungeeignet. Man brachte die ausgesuchten Papua-Vertreter zu einem Training fĂŒr die Wahl. Zuerst erhielten die MĂ€nner Geschenke wie neue Kleidung, Taschenlampen und Radios.
Benny Wendas Vater vom Stamm der Lani kooperierte nicht. Man fand einen anderen Papua als Ersatz, die Abstimmung fand ohne ihn statt:
| Bezirk | Datum | Anzahl |
|---|---|---|
| Merauke | 14. Juli | 175 |
| Wamena | 17. Juli | 175 |
| Nabire | 19. Juli | 175 |
| Fak-Fak | 23. Juli | 75 |
| Sorong | 26. Juli | 110 |
| Manokwari | 29. Juli | 75 |
| Biak | 31. Juli | 130 |
| Jayapura | 2. August | 110 |
| Gesamt | 1025 |
In den Tagen vor der Abstimmung beherrschten Panzer und Soldaten die StraĂen in Jayapura. [18] Nach privater EinschĂ€tzung des UNO-Beauftragten waren 95 % der Papua fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit. Am 14. Juli 1969 begann der Act of Free Choice in Merauke mit dem einstimmigen Votum, bei Indonesien zu verbleiben. Unter den GĂ€sten befanden sich die Botschafter der Niederlande und Australiens. Am 17. Juli wird in Wamena einstimmig fĂŒr Indonesien abgestimmt, am 19. Juli in Nabire. Hier waren wegen einer Rebellion 60.000 Papua auf der Flucht, es fehlte an WahlmĂ€nnern, die extra eingeflogen werden mussten. Trotzdem wurde der Journalist Hugh Lunn von drei Papua ĂŒber die UnregelmĂ€Ăigkeiten angesprochen, was das UN-Team aber nicht interessierte. Es folgte am 23. Juli Fak Fak, 26. Juli Sorong, 29. Juli Manokwari. Demonstrierende Papua wurden von SicherheitskrĂ€ften mit Lastkraftwagen abtransportiert, wĂ€hrend der einzige auslĂ€ndische Journalist von acht Sicherheitsleuten ĂŒberwacht wurde. Selbst Manokwaris RebellenfĂŒhrer und OPM-GrĂŒnder Ludwig Mandacen Ă€uĂerte seine LoyalitĂ€t zu Indonesien. Biak stimmte am 31. Juli ab, Jayapura mit Anwesenheit des deutschen Botschafters am 2. August.[19] Die Anzahl der Papua, die insgesamt am 'Act' teilnahmen, schwankt je nach Quelle zwischen 1022 und 1028.
Nach dem Triumph Indonesiens ĂŒber die erfolgreiche DurchfĂŒhrung des Act of Free Choice gab es einen regen Zulauf zur Freiheitsbewegung OPM. Ebenso erfolgreich, aber international stĂ€rker beachtet, landete Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond (20. Juli). Die Zeitung Die Welt notiert am 5. August:
WĂ€hrend die Presse im Allgemeinen kritisch gestimmt war[21], machten sich AuĂenpolitiker eher Sorgen um die Diskreditierung der Unparteilichkeit und IntegritĂ€t des UN-Sekretariats.[22]
Artikel 16 des New Yorker Abkommens, die Entsendung von UN-Experten zur Vorbereitung der Wahl, war nicht erfĂŒllt worden. Die zentrale Anforderung an die Wahl in Artikel 18, dass sie âin Ăbereinstimmung mit der internationalen Praxis zu gestalten istâ, war in der UNO-Resolution in eine âĂbereinstimmung mit indonesischer Praxisâ geĂ€ndert worden. Auch das in Artikel 22 vermerkte Recht freier MeinungsĂ€uĂerung, körperliche Bewegungsfreiheit und Versammlungsfreiheit sei nicht gewĂ€hrleistet worden, rĂ€umte UN-Beauftragter Ortiz Sanz ein.[9]
Der UNO gelang es trotzdem, das Gesicht zu wahren: am 19. November 1969 nahm die UNO mit 84 Stimmen ohne Gegenstimme und 30 Enthaltungen Resolution 2504 (XXIV)[23] an, in der der Act of Free Choice zu Kenntnis genommen wurde und damit die ErfĂŒllung der im New Yorker Abkommen vereinbarten Rolle der UNO in der DurchfĂŒhrung des Entscheids. Trotz intensiver Lobbyarbeit Indonesiens, Australiens und der Niederlande blieben einige afrikanische LĂ€nder unter FĂŒhrung Ghanas kritisch (der spĂ€tere UN-GeneralsekretĂ€r Kofi Annan gehörte damals zu den Diplomaten Ghanas). Ein Antrag auf Vertagung und weitere Untersuchung des Acts sowie ein Antrag Ghanas fĂŒr einen weiteren Volksentscheid 1975 waren jedoch abgelehnt worden. Auch die Niederlande hatte nun die Position Indonesiens ĂŒbernommen. Das allgemeine Argument lautete, dass West-Papua keine existenzfĂ€hige Grundlage habe und kein anderes Land bereit sei, Verantwortung fĂŒr West-Papua zu ĂŒbernehmen. [24]
Die britische United Nations Association konstatierte:
FĂŒr die Papua war die Angelegenheit noch nicht zu Ende:
Die Polizei begann all jene zu verfolgen, die das Schweigen ĂŒber die 'Wahl' von 1969 gebrochen hatten.
Nach dem Ende der Suharto-Regierung kam im Jahr 2000 in Jayapura der Zweite Papua Kongress zusammen. Die dritte Resolution lautete:
Fast jede Papuafamilie kennt einen Freund oder Verwandten, der von der Armee gefoltert, fĂŒr sein Leben verstĂŒmmelt oder festgenommen wurde und nie wieder zurĂŒckgekommen ist.[28] Kuegler berichtet 2006 ĂŒber professionelle Killerkommandos, die bei Stromausfall nachts in die HĂ€user von Regime-Kritikern eindringen, lautlos durch Genickbrechen töten und die Leichen spurlos verschwinden lassen. FrĂŒher in Osttimor eingesetzte Indonesier haben aus den dort gemachten Fehlern gelernt. Die Toten werden unter anderem zerstĂŒckelt und im Meer entsorgt, damit keine MassengrĂ€ber zu internationalem Protest fĂŒhren. Auch Touristen und Wissenschaftler sollten sich nicht in die Indonesische Innenpolitik einmischen:
warnte 1969 der indonesische MilitÀrkommandant die Papua wÀhrend die Welt gespannt auf Apollo 11 schaute.
Wie viele Todesopfer die Ăbernahme West Papuas durch Indonesien kostete ist nicht genau bekannt. HĂ€ufig wird die SchĂ€tzung von 100.000 Toten angegeben. WĂ€hrend einige Berichte wie der Yale Report 2003 oder eine Studie der UniversitĂ€t Sydney 2005 von Völkermord sprechen, meint die International Crisis Group, dass die Kultur der Straflosigkeit die MilitĂ€rs zu ĂŒbermĂ€Ăigen Gewaltreaktionen veranlasst hat.[30] Einige Papua dagegen meinen, die Situation sei schlimmer als in Osttimor, da durch das zergliederte, unzugĂ€ngliche Terrain das MilitĂ€r leicht einen der etwa 250 StĂ€mme in einem Tal auslöschen kann und es nicht einmal bemerkt wird.[31]
Das MilitÀr ist auch am illegalen Holzeinschlag (Merbau) und -export beteiligt, der nicht nur den letzten intakten Regenwald Asiens zerstört, sondern auch den Lebensraum der Papua.[32]
Chakravarthy Narasimhan, ehemaliger UntersekretĂ€r der Vereinten Nationen und U Thants damaliger Vertreter in West Papua Ă€uĂerte in einem Interview 2001:
Viele Beobachter Papuas sind der Meinung, es ist gerade die auf Sicherheit abzielende Vorgehensweise des MilitĂ€rs â einschlieĂlich weit verbreiteten Morden, Folterungen, EntfĂŒhrungen und anderen Menschenrechtsverletzungen â die den Wunsch nach UnabhĂ€ngigkeit in den Herzen der Menschen anfacht.[34]
Seit 2003 werden keine auslĂ€ndischen Journalisten mehr ins Land gelassen, damit âEinheit und Zusammenhalt Indonesiens nicht gefĂ€hrdet sindâ, so die offizielle BegrĂŒndung. Wissenschaftler, Touristen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen mĂŒssen sich bei der Polizei melden und eine Erlaubnis fĂŒr jeden besuchten Ort beantragen. Diplomaten wird die Einreise nicht verweigert, sie wurden aber schon aufgefordert, ihren Besuch zu verschieben.[35] Zu einem indonesischen Journalisten sagten MilitĂ€rs:
In einem offiziellen Tourismushandbuch von 1998 heiĂt es: âIn der Abstimmung von 1969 wĂ€hlten die Menschen Irian Jayas ein Teil Indonesiens zu seinâ. (indonesisches Tourismushandbuch) [37]