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Act of Free Choice

Indonesien heute; West-Papua bildet den östlichen Abschluss, Aceh den westlichen. Die markierten StĂ€dte sind Sabang und Merauke, die fĂŒr das indonesische NationalverstĂ€ndnis eine sprichwörtliche Rolle spielen.

Der Act of Free Choice war eine umstrittene Abstimmung, mit der Indonesien 1969 mit UnterstĂŒtzung der UNO die Übernahme West-Papuas legitimierte.

Vorbereitungen fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit West-Papuas begannen Ende 1961, Indonesiens Ziel eines Territoriums in den Grenzen NiederlĂ€ndisch-Indiens von 1942 massiv zu stören. Mit Hilfe der USA gelang es Indonesien 1963, West-Papua unter indonesische Verwaltung zu stellen, jedoch mit der 1962 im New Yorker Abkommen zwischen den Niederlanden und Indonesien vereinbarten Bedingung, dass die Papua bis 1969 in einem Volksentscheid unter Aufsicht der UNO ihre Zugehörigkeit zu Indonesien bestĂ€tigen. Um sowohl das gewĂŒnschte Ergebnis der Abstimmung zu sichern als auch internationale GlaubwĂŒrdigkeit zu gewinnen, wurden die eintausend aus den StammesfĂŒhrern West-Papuas ausgesuchten WahlmĂ€nner zunĂ€chst von Indonesien fĂŒr die Wahl trainiert, die in die Zeit der Landung des ersten Menschen auf dem Mond gelegt wurde. Als Beobachter waren nur zwei auslĂ€ndische Journalisten zugelassen. Durch eine Mischung finanzieller Einflussnahme und die Androhung von Folter fiel das Wahlergebnis einstimmig zu Gunsten Indonesiens aus. Die UNO unterstĂŒtzte den Betrug, bemĂŒhte sich, die Angelegenheit möglichst schnell loszuwerden und sah ihre Rolle im New Yorker Abkommen als erfĂŒllt an. Die Act of Free Choice (deutsch: Freie Wahl, indonesisch: Pepera – Penentuan Pendapat Rakyat) genannte Abstimmung ist daher in West-Papua allgemein als Act of No Choice (deutsch: Abstimmung ohne Wahlmöglichkeit) bekannt. Bei einer Revision des Verfahrens vor der UNO fĂŒrchtet Indonesien nicht nur eine seiner rohstoffreichsten Provinzen und grĂ¶ĂŸten Finanzquellen einzubĂŒĂŸen, sondern sieht die LegitimitĂ€t und Einheit der Nation in Gefahr.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Kolonialzeit

1848 teilten die Niederlande und Großbritannien die traditionelle von Melanesiern bewohnte Insel Neuguinea am 141. LĂ€ngengrad. Die als Papua-Neuguinea bekannte OsthĂ€lfte wurde 1884 zwischen Deutschland und Großbritannien aufgeteilt. Das sĂŒdöstliche Britisch-Neuguinea ging 1906 als Papua an Australien, wĂ€hrend der nordöstliche deutsche Teil (Kaiser-Wilhelms-Land und der Bismarck-Archipel von Deutsch-Neuguinea) nach dem Ersten Weltkrieg unter australische Verwaltung gestellt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg von Australien als Papua Neuguinea verwaltet, erhielt es 1975 seine UnabhĂ€ngigkeit.

Die westliche HĂ€lfte Neuguineas wurde unter der Bezeichnung NiederlĂ€ndisch-Neuguinea Teil von NiederlĂ€ndisch-Indien. Die NiederlĂ€nder hatten wenig Interesse an dem Gebiet, benutzten es als Platz fĂŒr strafversetzte Beamte, zur Internierung von Rebellen und als Kontrollpunkt der Seewege zu den GewĂŒrzinseln. Hauptinteresse war der Schutz der lukrativen Kolonien westlich von Neuguinea. Die erste geologische Erkundung fand 1907 statt.

Vorbereitung auf die UnabhÀngigkeit

Am 17. August 1945, zwei Tage nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg, wurde die UnabhĂ€ngigkeit Indonesiens verkĂŒndet, die die Niederlande nicht anerkannten. Nach vier Jahren wurde unter internationalem Druck am 27. Dezember 1949 Indonesiens UnabhĂ€ngigkeit akzeptiert. Bei der vorangegangenen Rundtischkonferenz war es den Niederlanden jedoch gelungen, West-Neuguinea vom SouverĂ€nitĂ€tstransfer an Indonesien auszuschließen. Eine Einigung durch weitere Verhandlungen innerhalb eines Jahres war stattdessen vereinbart. Indonesien machte diplomatische Anstrengungen, unterstĂŒtzt von militĂ€rischen Unternehmungen, gegen die Niederlande. Diese Kampagne der Einforderung Papuas nutzte PrĂ€sident Sukarno erfolgreich als Strategie der Konsolidierung nationaler Einheit in einer Zeit tiefer Spaltungen der indonesischen Elite. Dass „Papua Teil von Indonesien ist“, war eines der Themen, bei denen alle politischen FĂŒhrer und Parteien einig waren.[1]

Anfang der 1950er Jahre scheiterten die GesprĂ€che zur Zukunft West-Papuas, und die Niederlande begannen West-Papua auf die UnabhĂ€ngigkeit vorzubereiten. Mit Hilfe der Vereinten Nationen sollte das Land in den 1970er Jahren durch Ausbildung einer nationalen Elite, GrĂŒndung von Parteien und Gewerkschaften, Bildung des Neuguinea-Rates (5. April), allgemeines Wahlrecht, Entwurf der Morgenstern-Flagge, einer Nationalhymne und eines Emblems unabhĂ€ngig werden. Am 27. September stellte der niederlĂ€ndische Außenminister Joseph Luns den Plan auf der UNO-Vollversammlung vor. Indonesien protestierte.

Um nicht zwischen den MĂ€chten hin- und hergeworfen zu werden und der internationalen Gemeinschaft zu zeigen, dass die Papua auf eigenen FĂŒĂŸen stehen und bald eine eigene Nation bilden können, trafen sich daraufhin am 19. Oktober 1961 auf dem Ersten Papua-Kongress 70 FĂŒhrer Papuas, davon 17 Mitglieder im Nationalen Rat. Angenommen wurde ein politisches Manifest:

„Auf der Basis des Wunsches unserer Menschen nach UnabhĂ€ngigkeit fordern wir durch Vermittlung des Nationalkomitees und unserer Volksvertretung, den Rat Neuguineas die Regierung von NiederlĂ€ndisch Neuguinea und der Niederlande auf, dass am 1. November
  1. Unsere Flagge neben der Flagge der Niederlande gehisst ist
  2. Unsere Nationalhymne, Hai Tanahku Papua, zusammen mit dem Wilhelmus gesungen wird
  3. Der Name unseres Landes ist West-Papua
  4. Der Name unseres Volkes ist Papua.
Auf dieser Basis fordern wir, das Volk Papuas, unseren eigenen Platz wie andere freie Völker und unter den Nationen wĂŒnschen wir Papua zur Erhaltung des Friedens in der Welt beizutragen.“[2]
Sukarnos Vision: Indonesien in der GrĂ¶ĂŸe von NiederlĂ€ndisch Ostindien

Flagge und Wappen wurden von den Niederlanden am 18. November bestĂ€tigt.[3] Am 1. Dezember 1961 wurde die Flagge West-Papuas zum ersten Mal öffentlich gehisst. „Großer Jubel herrschte im Land, die Menschen tanzten, sangen und feierten den Beginn einer neuen Ära.“[4] Sukarno sah nun seine Vision von Indonesien in Gefahr, die alle Inseln des frĂŒheren NiederlĂ€ndisch-Indien – von Sabang (Sumatra/Aceh) bis Merauke (West Papua) – umfasste. Er begriff, dass der neue Nationalismus West-Papuas eine wesentlich grĂ¶ĂŸere Gefahr fĂŒr Indonesien darstellte als die Fortsetzung der niederlĂ€ndischen Verwaltung.[1] In der Trikora-Rede am 19. Dezember gab Sukarno den „Befehl zur Befreiung West-Irians“: 1. Die Bildung des Papua-Marionettenstaates zu verhindern, 2. das zu Indonesien gehörende West-Irian unter die indonesische Flagge zu stellen, 3. Vorbereitung zur allgemeinen Mobilmachung zur Verteidigung der Einheit Indonesiens.[5] Unmittelbar darauf begannen unter FĂŒhrung des jungen Suharto indonesische FallschirmjĂ€ger des gerade dafĂŒr geschaffenen Strategischen Heereskommandos Kostrad mit militĂ€rischen Angriffen, um West-Neuguinea zu „befreien“ (Manadala Kommando). Am 15. Januar versenkten die NiederlĂ€nder ein indonesisches Patrouillenboot, am 24. MĂ€rz einen Zerstörer vermutlich russischer Herkunft.[6]

Nach der Erstbesteigung des Puncak Jaya am 13. Februar und einer Durchquerung des Baliem-Tals traf Heinrich Harrer am 26. Juni an der SĂŒdkĂŒste in Merauke ein. Im GepĂ€ck hatte er neben einer großen Anzahl an SteinĂ€xten auch PlĂ€ne fĂŒr einen seetĂŒchtigen Katamaran, um zur Not ĂŒber die Arafurasee nach Australien fliehen zu können.[7]

Sukarno hatte in der Trikora-Rede die NĂ€he zu den sozialistischen Staaten herausgestellt, die Indonesien in der Angelegenheit West-Irian im Gegensatz zu den imperialistischen LĂ€ndern unterstĂŒtzen wĂŒrden. Nun begannen die Vereinigten Staaten auf die Niederlande Druck auszuĂŒben, das Land an Indonesien zu ĂŒbergeben. Ohne internationale UnterstĂŒtzung (die UNO und Australien folgten den Vereinigten Staaten) stimmten die Niederlande im August 1962 dem Plan des US-Diplomaten Ellsworth Bunker zu – bekannt geworden als das New Yorker Abkommen –, West-Papua nach einer Übergangsphase unter UN-Aufsicht an Indonesien zu ĂŒbergeben, mit der Bedingung, dass eine freie Wahl nationaler Selbstbestimmung der Bevölkerung West Neuguineas durch Indonesien unter UNO-Aufsicht bis Ende 1969 durchgefĂŒhrt: der Act of Free Choice.

Der wichtigste Teil fĂŒr die Papua war Artikel 18 des New Yorker Abkommens:

„Indonesien wird mit Hilfe und Beteiligung des Vertreters der Vereinten Nationen und seines Stabes dafĂŒr sorgen, dass die Bevölkerung des Territoriums Gelegenheit zu einer freien Wahl erhĂ€lt. Dabei ist folgendes zu berĂŒcksichtigen: ... d) Allen Erwachsenen, MĂ€nnern wie Frauen, die keine AuslĂ€nder sind, muss die Möglichkeit gegeben sein, sich an diesem Akt der Selbstbestimmung zu beteiligen, der in Übereinstimmung mit internationaler Praxis zu gestalten ist.“[8]

Das ermöglichte den Niederlanden, das Gesicht zu wahren. Indonesien feierte den Triumph.

Am 1. September billigten 9 von 28 Mitgliedern des Neuguinea-Rates das New Yorker Abkommen, das ohne Beteiligung der Papua beschlossen worden war. Bei einer zweiten Abstimmung verließ die HĂ€lfte der Ratsmitglieder die Versammlung. Von den verbliebenen 14 befĂŒrworteten 12 das Abkommen, zwei stimmten dagegen.[9]

Unter indonesischer Verwaltung

Am 1. Oktober 1962 wurde West-Neuguinea der zeitweiligen UNO-Verwaltung UNTEA (United Nations Temporary Executive Authority) ĂŒbergeben, die das Land mindestens sieben Monate fĂŒhren sollte. Eine maximale Dauer war nicht vereinbart und sofort nach dem Ablauf von sieben Monaten wurde das Gebiet am 1. Mai 1963 unter indonesische Verwaltung gestellt. Die UNO-Verwaltung brachte mangels Macht, Willen und FĂ€higkeiten keine wirkliche neutrale Phase. Sie ermögliche aber den Abzug der niederlĂ€ndischen Verwaltung. WĂ€hrend zunĂ€chst Papua-Beamte und -Polizei die Aufgaben insbesondere in der Regionalverwaltung ĂŒbernahmen, strömten schnell weit mehr indonesische Beamte und MilitĂ€rs ins Land als vorgesehen waren und ĂŒbernahmen schnell die Macht. Sie ĂŒbten starken Druck auf die Papua aus, sich zur Zugehörigkeit zu Indonesien zu bekennen und den Traum der Selbstbestimmung aufzugeben. Bald folgten gewalttĂ€tige Aktionen der indonesischen MilitĂ€rs, die die neue Verwaltung in den nĂ€chsten Jahrzehnten kennzeichnete. Schnelle Verarmung folgte, Verschlechterung der Rechtssicherheit und Verlust der BĂŒrgerrechte. Systematisch wurde alles beseitigt, was an die Niederlande erinnerte. West-Papuas Polizei wurde in Baracken gesperrt, politische Gruppen und der Rat Neuguineas aufgelöst. Die Benutzung der nationalen Symbole einschließlich der Worte „Papua“ und „Melanesisch“ wurde ungesetzlich, öffentliche Versammlungen jeder Art illegal, Bewegungs- und Meinungsfreiheit beschrĂ€nkt und das Bildungssystem zerstört. [10] Das fĂŒhrte zu zunehmenden negativen Reaktionen der Papuas. Insbesondere das Hinterland von Manokwari war in stĂ€ndiger Opposition, worauf harte militĂ€rische Aktionen folgten. Die Anzahl der Todesopfer stieg bald in die Tausende. FĂŒr die USA war die Angelegenheit geregelt. Der Niederlande wie auch Australien lag zu viel an guten Beziehungen zu Indonesien, um sich einzumischen.

Indonesien hatte lĂ€ngst nicht mehr die Absicht, sich um den vereinbarten Act of Free Choice zu kĂŒmmern. Sukarno, obwohl von Kennedy freundlich behandelt, enteignete fast alle auslĂ€ndischen Firmen (außer Texaco). 1965 trat Indonesien aus Protest gegen Malaysias Ernennung zum zeitweiligen Mitglied des UN-Sicherheitsrates aus der UNO aus.

Nach dem Sturz Sukarnos und der Vernichtung der Kommunistischen Partei im Blutbad von 1965 bemĂŒhte sich der neue PrĂ€sident Suharto um internationales Ansehen und insbesondere um gute Kontakte zu den westlichen IndustrielĂ€ndern. US-Bergbaugigant Freeport wurde bereits im FrĂŒhjahr 1966 zu ersten GesprĂ€chen eingeladen. Nach der Verabschiedung des neuen Gesetzes ĂŒber Auslandsinvestitionen erhielt Freeport zu von ihm weitgehend selbst gewĂ€hlten Konditionen einen Vertrag ĂŒber 30-jĂ€hrige Nutzungsrechte an der reichen Ertsberg-Kupfer-Mine in West-Papua und war fortan ein enger VerbĂŒndeter der Suharto-Regierung.

Auf seiner Rede am UnabhĂ€ngigkeitstag 1968 betonte Suharto, dass die Verpflichtungen des New Yorker Abkommens eingehalten wĂŒrden und der Volksentscheid bis Ende 1969 stattfindet. Jedoch wĂŒrde man die Menschen West-Irians nicht aufgeben, sondern ihren Freiheitskampf und ihren Wunsch, Teil des indonesischen Volkes zu sein, unterstĂŒtzen. Der bevorstehende Act of Free Choice war ein nationales Thema, das ĂŒber die Einheit und IntegritĂ€t der Republik Indonesien entschied.

WĂ€hrend sich einzelne Papua-HĂ€uptlinge positiv zu Indonesien Ă€ußerten, hatte sich die allgemeine Meinung und Situation deutlich verschlechtert. Ein Mitarbeiter des Außenministers konstatierte, dass indonesische administrative, finanzielle und ökonomische Fehler nicht nur EnttĂ€uschung verursacht hatten, sondern UnterstĂŒtzung fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit West Papuas geradezu erzeugten. Die BedĂŒrfnisse der Menschen waren einfach, aber Indonesien erfĂŒllte sie nicht.

„Trauriger noch war die unangenehme Tatsache, dass die Mehrheit der indonesischen Beamten ... der Meinung war, dass die Papua keine Indonesier seien, sondern bloß zu unterdrĂŒckende Untertanen.“[11]

Herlina, die an der indonesischen Befreiung West-Papuas teilgenommen hatte, schreibt:

„Meine TrĂ€nen waren kaum weggewischt durch Stolz und GlĂŒck, dass unsere dunkel-kraushaarigen BrĂŒder freie Herrscher in ihrem eigenen Land geworden waren, als mein Herz plötzlich furchtbar schmerzte. ... Mich ĂŒber den ersten Sieg freuend und darĂŒber reflektierend, kann ich den Beginn einer neuen Kolonisation durch uns selbst riechen! Ich schrie auf, mein Kummer mischte sich mit Zorn.“ (ebd.)

Nach anfĂ€nglicher Kooperation mit den Indonesiern war es gerade die papuanische Elite, die gegen die indonesische Kontrolle rebellierte. Zentren des Widerstands waren die entwickelteren Gebiete West-Papuas wie Biak, Enarotali, Waghete, Waren, Ransiki, Manokwari, Ajmaru, die Arfak-Region auf der Vogelkop Halbinsel und das Gebiet um die Gelvink-Bucht.[12] In einer Unterhaltung zweier Mitglieder der britischen und amerikanischen Botschaft in Jakarta heißt es 1968:

„Die Indonesier haben alles versucht, vom Einsatz von B26-Bombern bis hin zum Beschuss mit Granaten und Mörsern, und dennoch herrscht weiterhin ein Zustand am Rande der Rebellion. Zweifellos kommt es bei solchen vergeblichen Versuchen der Repression hin und wieder zu Gewalttaten.“[13]

Act of No Choice

Anfang 1969 begann das indonesische MilitĂ€r mit der „Operation AutoritĂ€t“ (Operasi Wibawa), der dritten MilitĂ€roperation seit 1963. Nach SchĂ€tzung des Gouverneurs Eliezer Bonay sind bis 1969 ungefĂ€hr 30.000 Papua ermordet worden. Der US-Botschafter Frank Galbraith berichtete von GerĂŒchten, dass ein Völkermord an den Papua geplant sei.[14] Mit dem NĂ€herrĂŒcken des Act of Free Choice tötete das MilitĂ€r nicht nur, sondern terrorisierte und schĂŒchterte die Bevölkerung ein, nicht fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit zu stimmen.[15]

Manipulation der WahlmÀnner

Suharto hatte – ebenso wie Sukarno – keinen Zweifel gelassen, dass die indonesische Regierung nur ein Ergebnis der Volksabstimmung Papuas in Betracht zog. Somit musste die Abstimmung mit dem einzigen Zweck organisiert werden, das gewĂŒnschte Resultat zu erzielen. Der Vorschlag des UNO-Beauftragten Ortiz Sanz – ein Mann eine Stimme – war hierfĂŒr ungeeignet. Man brachte die ausgesuchten Papua-Vertreter zu einem Training fĂŒr die Wahl. Zuerst erhielten die MĂ€nner Geschenke wie neue Kleidung, Taschenlampen und Radios.

„Mit Hilfe eines Dolmetschers – die meisten von ihnen beherrschten die indonesische Sprache nicht[16] – brachte man ihnen bei, dass sie, sobald sie das Wort ‚Indonesien‘ hörten, aufgeregt aufspringen, die Arme hochreißen und ‚Ja!‘ rufen sollten. Bei dem Wort ‚Papua‘ dagegen sollten sie alle sitzen bleiben und nichts sagen. ... Wenn bei dem Wort ‚Papua‘ doch einmal jemand aufstand, wurde er getreten oder geschlagen“[17]

Benny Wendas Vater vom Stamm der Lani kooperierte nicht. Man fand einen anderen Papua als Ersatz, die Abstimmung fand ohne ihn statt:

„Drei Wochen lang blieb er im GefĂ€ngnis, bis die Wahl vorĂŒber war. Nach seiner Freilassung wollte er in sein Dorf zurĂŒckkehren, doch die MilitĂ€rs ließen ihn nicht gehen. Ein weiteres Jahr lang hielten sie ihn fest, drillten und terrorisierten ihn und versuchten, ihn durch GehirnwĂ€sche so weit zu bringen, dass er sagte: ‚Ich bin Indonesier, ich bin stolz darauf, Indonesier zu sein‘.“ (ebd).

Die Wahltage

WahlmÀnner
Bezirk Datum Anzahl
Merauke 14. Juli 175
Wamena 17. Juli 175
Nabire 19. Juli 175
Fak-Fak 23. Juli 075
Sorong 26. Juli 110
Manokwari 29. Juli 075
Biak 31. Juli 130
Jayapura 2. August 110
Gesamt 1025

In den Tagen vor der Abstimmung beherrschten Panzer und Soldaten die Straßen in Jayapura. [18] Nach privater EinschĂ€tzung des UNO-Beauftragten waren 95 % der Papua fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit. Am 14. Juli 1969 begann der Act of Free Choice in Merauke mit dem einstimmigen Votum, bei Indonesien zu verbleiben. Unter den GĂ€sten befanden sich die Botschafter der Niederlande und Australiens. Am 17. Juli wird in Wamena einstimmig fĂŒr Indonesien abgestimmt, am 19. Juli in Nabire. Hier waren wegen einer Rebellion 60.000 Papua auf der Flucht, es fehlte an WahlmĂ€nnern, die extra eingeflogen werden mussten. Trotzdem wurde der Journalist Hugh Lunn von drei Papua ĂŒber die UnregelmĂ€ĂŸigkeiten angesprochen, was das UN-Team aber nicht interessierte. Es folgte am 23. Juli Fak Fak, 26. Juli Sorong, 29. Juli Manokwari. Demonstrierende Papua wurden von SicherheitskrĂ€ften mit Lastkraftwagen abtransportiert, wĂ€hrend der einzige auslĂ€ndische Journalist von acht Sicherheitsleuten ĂŒberwacht wurde. Selbst Manokwaris RebellenfĂŒhrer und OPM-GrĂŒnder Ludwig Mandacen Ă€ußerte seine LoyalitĂ€t zu Indonesien. Biak stimmte am 31. Juli ab, Jayapura mit Anwesenheit des deutschen Botschafters am 2. August.[19] Die Anzahl der Papua, die insgesamt am 'Act' teilnahmen, schwankt je nach Quelle zwischen 1022 und 1028.

Reaktionen

Nach dem Triumph Indonesiens ĂŒber die erfolgreiche DurchfĂŒhrung des Act of Free Choice gab es einen regen Zulauf zur Freiheitsbewegung OPM. Ebenso erfolgreich, aber international stĂ€rker beachtet, landete Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond (20. Juli). Die Zeitung Die Welt notiert am 5. August:

„Ein Kapitel westlicher Kolonialgeschichte kommt zum Ende – ein Kapitel asiatischer Kolonialgeschichte beginnt ... Die Papua haben die gleiche Verwandtschaft mit den Indonesiern wie die Eskimos mit den Basken.“[20]

WĂ€hrend die Presse im Allgemeinen kritisch gestimmt war[21], machten sich Außenpolitiker eher Sorgen um die Diskreditierung der Unparteilichkeit und IntegritĂ€t des UN-Sekretariats.[22]

UNO

Artikel 16 des New Yorker Abkommens, die Entsendung von UN-Experten zur Vorbereitung der Wahl, war nicht erfĂŒllt worden. Die zentrale Anforderung an die Wahl in Artikel 18, dass sie „in Übereinstimmung mit der internationalen Praxis zu gestalten ist“, war in der UNO-Resolution in eine „Übereinstimmung mit indonesischer Praxis“ geĂ€ndert worden. Auch das in Artikel 22 vermerkte Recht freier MeinungsĂ€ußerung, körperliche Bewegungsfreiheit und Versammlungsfreiheit sei nicht gewĂ€hrleistet worden, rĂ€umte UN-Beauftragter Ortiz Sanz ein.[9]

Der UNO gelang es trotzdem, das Gesicht zu wahren: am 19. November 1969 nahm die UNO mit 84 Stimmen ohne Gegenstimme und 30 Enthaltungen Resolution 2504 (XXIV)[23] an, in der der Act of Free Choice zu Kenntnis genommen wurde und damit die ErfĂŒllung der im New Yorker Abkommen vereinbarten Rolle der UNO in der DurchfĂŒhrung des Entscheids. Trotz intensiver Lobbyarbeit Indonesiens, Australiens und der Niederlande blieben einige afrikanische LĂ€nder unter FĂŒhrung Ghanas kritisch (der spĂ€tere UN-GeneralsekretĂ€r Kofi Annan gehörte damals zu den Diplomaten Ghanas). Ein Antrag auf Vertagung und weitere Untersuchung des Acts sowie ein Antrag Ghanas fĂŒr einen weiteren Volksentscheid 1975 waren jedoch abgelehnt worden. Auch die Niederlande hatte nun die Position Indonesiens ĂŒbernommen. Das allgemeine Argument lautete, dass West-Papua keine existenzfĂ€hige Grundlage habe und kein anderes Land bereit sei, Verantwortung fĂŒr West-Papua zu ĂŒbernehmen. [24]

Die britische United Nations Association konstatierte:

„Eine außerordentliche Situation wurde so geschaffen: die ursprĂŒnglich nach West-Papua entsendete UN-Mission zur Beratung, UnterstĂŒtzung und Hilfe bei der AusfĂŒhrung der UNO-Vereinbarung [New Yorker Abkommen] endete damit, aktiv dagegen zu arbeiten.“[25]

Verfolgungen

FĂŒr die Papua war die Angelegenheit noch nicht zu Ende:

„Alle, die an der Wahl teilgenommen hatten, mussten sich einmal pro Woche [beim MilitĂ€rposten] melden. Man befahl ihnen, niemals ĂŒber die Wahl zu sprechen oder darĂŒber, was ihnen wĂ€hrend ihrer Abwesenheit widerfahren war. Ihr Kommen und Gehen wurde ĂŒberwacht und gegebenenfalls eingeschrĂ€nkt, und selbst die Lage ihrer GĂ€rten mussten sie dem MilitĂ€r melden.“[26]

Die Polizei begann all jene zu verfolgen, die das Schweigen ĂŒber die 'Wahl' von 1969 gebrochen hatten.

GegenwÀrtige Situation

Indonesien heute, ohne Osttimor

Nach dem Ende der Suharto-Regierung kam im Jahr 2000 in Jayapura der Zweite Papua Kongress zusammen. Die dritte Resolution lautete:

„Die Menschen Papuas weisen durch den Zweiten Kongress die Ergebnisse des Act of Free Choice zurĂŒck, weil er unter Zwang, EinschĂŒchterung, sadistischen Morden, militĂ€rischer Gewalt und unmoralischer FĂŒhrung widersprechend humanitĂ€ren Prinzipien durchgefĂŒhrt wurde. Daher fordern die Menschen Papuas, dass die Vereinten Nationen die Resolution 2504 vom 19. Dezember 1969 widerrufen.“ [27]

Fast jede Papuafamilie kennt einen Freund oder Verwandten, der von der Armee gefoltert, fĂŒr sein Leben verstĂŒmmelt oder festgenommen wurde und nie wieder zurĂŒckgekommen ist.[28] Kuegler berichtet 2006 ĂŒber professionelle Killerkommandos, die bei Stromausfall nachts in die HĂ€user von Regime-Kritikern eindringen, lautlos durch Genickbrechen töten und die Leichen spurlos verschwinden lassen. FrĂŒher in Osttimor eingesetzte Indonesier haben aus den dort gemachten Fehlern gelernt. Die Toten werden unter anderem zerstĂŒckelt und im Meer entsorgt, damit keine MassengrĂ€ber zu internationalem Protest fĂŒhren. Auch Touristen und Wissenschaftler sollten sich nicht in die Indonesische Innenpolitik einmischen:

„Leuten, die sich gegen die Regierung auflehnen wollen, wird die Zunge herausgeschnitten. FĂŒr sie wĂ€re es besser, sie bitten die Amerikaner, ihnen eine neue Heimat auf dem Mond zu suchen“ [29]

warnte 1969 der indonesische MilitÀrkommandant die Papua wÀhrend die Welt gespannt auf Apollo 11 schaute.

Wie viele Todesopfer die Übernahme West Papuas durch Indonesien kostete ist nicht genau bekannt. HĂ€ufig wird die SchĂ€tzung von 100.000 Toten angegeben. WĂ€hrend einige Berichte wie der Yale Report 2003 oder eine Studie der UniversitĂ€t Sydney 2005 von Völkermord sprechen, meint die International Crisis Group, dass die Kultur der Straflosigkeit die MilitĂ€rs zu ĂŒbermĂ€ĂŸigen Gewaltreaktionen veranlasst hat.[30] Einige Papua dagegen meinen, die Situation sei schlimmer als in Osttimor, da durch das zergliederte, unzugĂ€ngliche Terrain das MilitĂ€r leicht einen der etwa 250 StĂ€mme in einem Tal auslöschen kann und es nicht einmal bemerkt wird.[31]

Das MilitÀr ist auch am illegalen Holzeinschlag (Merbau) und -export beteiligt, der nicht nur den letzten intakten Regenwald Asiens zerstört, sondern auch den Lebensraum der Papua.[32]

Chakravarthy Narasimhan, ehemaliger UntersekretĂ€r der Vereinten Nationen und U Thants damaliger Vertreter in West Papua Ă€ußerte in einem Interview 2001:

„Alles diente nur der Beschönigung [englisch: whitewash]. Bei den Vereinten Nationen wollte man dieses Problem so schnell wie möglich loswerden ... Niemand hat dabei an die Millionen Menschen gedacht, deren grundlegendste Menschenrechte mit FĂŒĂŸen getreten wurden ... Wie hĂ€tte irgendjemand ernsthaft glauben können, dass sĂ€mtliche WĂ€hler sich einstimmig dafĂŒr aussprachen, sich seinem (Suhartos) Regime anzuschließen? ... Eine solche Einstimmigkeit ist in Demokratien schlicht unbekannt“[33]

Viele Beobachter Papuas sind der Meinung, es ist gerade die auf Sicherheit abzielende Vorgehensweise des MilitĂ€rs – einschließlich weit verbreiteten Morden, Folterungen, EntfĂŒhrungen und anderen Menschenrechtsverletzungen – die den Wunsch nach UnabhĂ€ngigkeit in den Herzen der Menschen anfacht.[34]

Seit 2003 werden keine auslĂ€ndischen Journalisten mehr ins Land gelassen, damit „Einheit und Zusammenhalt Indonesiens nicht gefĂ€hrdet sind“, so die offizielle BegrĂŒndung. Wissenschaftler, Touristen und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen mĂŒssen sich bei der Polizei melden und eine Erlaubnis fĂŒr jeden besuchten Ort beantragen. Diplomaten wird die Einreise nicht verweigert, sie wurden aber schon aufgefordert, ihren Besuch zu verschieben.[35] Zu einem indonesischen Journalisten sagten MilitĂ€rs:

„Machst du ein Problem? Wir töten dich – kein Problem!“.[36]

In einem offiziellen Tourismushandbuch von 1998 heißt es: „In der Abstimmung von 1969 wĂ€hlten die Menschen Irian Jayas ein Teil Indonesiens zu sein“. (indonesisches Tourismushandbuch) [37]

Zeittafel

1945
Indonesien proklamiert die UnabhÀngigkeit von den Niederlanden. Die Indonesische Revolution geht an Neuguinea vorbei.
1949
Runder Tisch Konferenz. West-Papua wird nicht an Indonesien ĂŒbergeben. (Artikel 2 der Vereinbarung)
1950
Indonesien begibt sich auf den Standpunkt, West-Papua gehöre seit der UnabhÀngigkeitserklÀrung von 1945 zu Indonesien. Die Niederlande bereiten West-Papua auf die UnabhÀngigkeit vor
1955
Scheitern der Genfer GesprÀche zwischen Indonesien und den Niederlanden
1958
Die auf Eigeninitiative der CIA beruhende Operation Hike zum Sturz von Indonesiens PrĂ€sident Sukarno misslingt. Es ist vor der Invasion in der Schweinebucht der grĂ¶ĂŸte Fehlschlag der CIA.
1960
Freeport-Geologen erkunden die Ertsberg-Mine in West-Papua. Unter den Bedingungen der Sukarno-Regierung ist ein großes finanzielles Engagement wenig attraktiv.
1961
GrĂŒndung des „Strategischen Heereskommandos“ Kostrad mit Suharto als Oberbefehlshaber (6. MĂ€rz)
19. Oktober erster Papua-Kongress beschließt die UnabhĂ€ngigkeit West-Papuas.
1. Dezember erstes offizielles Hissen der Morgenstern-Flagge West-Papuas.
19. Dezember Sukarnos Trikora-Rede zur „Befreiung West-Irians“. Betont wird die Freundschaft mit den Sozialistischen Staaten. Unter Suhartos FĂŒhrung beginnt das MilitĂ€r mit Angriffen auf NiederlĂ€ndisch-Neuguinea.
1962
Januar-Juni Heinrich Harrer gelingt die Erstbesteigung des Puncak Jaya. Es wird auch der Morgenstern gehisst.
15. August Beilegung des Streites zwischen Indonesien und den Niederlanden ĂŒber die Zukunft West-Papuas im New Yorker Abkommen
1. Oktober Übergabe der Verwaltung an die UNO
1963
1. Mai Angliederung an Indonesien unter der Bezeichnung Irian Barat.
22. November: Mit dem Mord an US-PrĂ€sident John F. Kennedy verliert Sukarno einen VerbĂŒndeten. Die US-Politik gegenĂŒber Indonesien Ă€ndert sich grundlegend.
1. Dezember: Nach dem Hissen der Morgenstern-Flagge beginnen indonesische MilitÀrs und Polizei mit der Verfolgung und Tötung tausender Papuas.
1965
Indonesiens Austritt aus der UNO, Sukarno enteignet viele auslÀndische Firmen.
Die 1964 entstandene Freiheitsbewegung Papuas, OPM, wird durch eine Aktion in Manokwari bekannt
Entmachtung von Sukarno. Der amerika-freundliche General Suharto ĂŒbernimmt die Regierung.
1967
US-Firma Freeport erhĂ€lt von Suharto einen 30-jĂ€hrigen Vertrag zu selbst gewĂ€hlten Bedingungen fĂŒr den Kupferbergbau in West-Papua und wird zu einem wichtigen VerbĂŒndeten Jakartas
1969
Juli-August DurchfĂŒhrung des Act of Free Choice zur Legitimierung der Zugehörigkeit zu Indonesien (14. Juli bis 2. August), wĂ€hrend Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond landet (20. Juli)
19. November: Die UNO Vollversammlung nimmt die AusfĂŒhrung des Act of Free Choice zur Kenntnis und sieht ihre Rolle im New Yorker Abkommen als erfĂŒllt an.
1973
Bei der Eröffnung von Freeports Ertsberg-Mine in West-Papua verkĂŒndet Suharto die Umbenennung des Landes in Irian Jaya.
1975
Henry Kissinger gibt grĂŒnes Licht fĂŒr Suhartos Einmarsch in Osttimor. Suharto möge nur so lange warten, bis der US-PrĂ€sident Indonesien verlassen hat.
1998
Ende der Suharto-Ära. Unter PrĂ€sident Habibie wird Osttimor 1999 der UNO unterstellt und unter Megawati Sukarnoputri 2002 unabhĂ€ngig.
1999
PrĂ€sident Wahid benennt Irian Jaya wieder West-Papua und gibt dem 2. Papua-Kongress finanzielle UnterstĂŒtzung.
2000
Um eine offene Konfrontation mit Jakarta zu vermeiden, macht der 2. Papua-Kongress in Jayapura geltend, dass die UnabhÀngigkeit bereits 1961 auf dem 1. Kongress ausgerufen wurde. Kurz darauf werden die wichtigsten Ratsmitglieder verhaftet. Der indonesische PrÀsident Wahid unter anderem wegen seiner Papua-freundlichen Politik abgewÀhlt.
Der australische Musiker David Bridie bringt ein CD-Album mit dem Titel „Act of Free Choice“ heraus. [38]
2001
Am UnabhĂ€ngigkeitstag entschuldigt sich PrĂ€sidentin Sukarnoputri bei den Papua fĂŒr begangene Ungerechtigkeiten und verspricht weitreichende Autonomie.
Theys Eluay, Vorsitzender des Papua-Kongresses, wird von indonesischen MilitÀrs ermordet. Als Auftraggeber werden zwei hohe GenerÀle in Jakarta vermutet.[39]
Durch den besonderen Autonomiestatus bleiben mehr Steuern in Papua und sollen Bildung und Gesundheitswesen finanzieren.
2003
Yale Report ĂŒber die Tendenz zum Völkermord in West-Papua.
Einreiseverbot fĂŒr auslĂ€ndische Journalisten
2004
Veröffentlichung von US-Geheimdokumenten offenbart die UnterstĂŒtzung Indonesiens durch die USA 1969 und die Manipulation der Wahl durch Indonesien.[40] Henry Kissinger, Aufsichtsratsmitglied bei Freeport-McMoRan nach 1995, war 1969 genau informiert, dass Indonesien den gewĂŒnschten Wahlausgang des Act of Free Choice beeinflusste und gab PrĂ€sident Nixon entsprechende Hinweise.
2005
Die vom niederlĂ€ndischen Außenminister in Auftrag gegebene Studie ĂŒber die niederlĂ€ndische Kolonialgeschichte und den Act of Free Choice, „Een daad van vrije keuze“ von Pieter Drooglever erscheint.
2006
Freeport-McMoRan ist grĂ¶ĂŸter Steuerzahler Indonesiens und betreibt in West-Papua mit der Grasberg-Mine die weltgrĂ¶ĂŸte Goldmine und die Kupfermine mit den niedrigsten Förderkosten unter massiver LangzeitschĂ€digung der Umwelt. Sowohl das indonesische MilitĂ€r hat von Freeport finanzielle UnterstĂŒtzung erhalten wie auch der die UnabhĂ€ngigkeit von Indonesien anstrebende Papua-Kongress.

Quellen

Historische Dokumente

  • Manifesto First Papuan Peoples’ Congress, October 19, 1961 in Kaisiepo 2003 Anhang C
  • Governor of Netherlands New Guinea: Territorial Flag Ordinance. 18. November 1961 in KaisiĂ«po 2003 Anhang D
  • Sukarno: The Peoples Command for the Liberation of West Irian. (Trikora-Rede) Jogjakarta, 19. Dezember 1961 http://www.papuaweb.org/goi/pidato/1961-12-jogjakarta.html
  • New Guinea Council: Advisory Note concerning the use of the right to self-determination. Februar 1962 – in Kaisiepo 2003 Anhang B
  • New Yorker Abkommen: Agreement Between the Republic of Indonesia and the Kingdom of the Netherlands Concerning West New Guinea (West Irian) New York, 15. August 1962 http://www.freewestpapua.org/docs/nya.htm
  • United Nations General Assembly: Report of the Secretary-General regarding the act of self-determination in West Irian. UNGA A/7723 Twenty-forth session, Agenda Item 98, 6. November 1969 pdf 7 MB mit Bericht der indonesischen Regierung
  • UN Resolution 2504 (XXIV) AGREEMENT BETWEEN THE REPUBLIC OF INDONESIA AND THE KINGDOM OF THE NETHERLANDS CONCERNING WEST NEW GUINEA (WEST IRIAN). 20. November 1969 pdf 104 kb
  • Brad Simpson: Indonesia's 1969 Takeover of West Papua Not by „Free Choice“. Washington 2004 http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB128 (veröffentlichte Geheimdokumente der US-Regierung, pdf 7,5 MB)

Literatur

  • John Saltford: The United Nations and the Indonesian Takeover of West Papua, 1962–1969: The anatomy of a betrayal. 2000 ISBN 0-415-40625-0 http://www.freewestpapua.org/docs/saltford.htm (pdf 3,4 MB)
  • Indonesien, Niederlande: New York Agreement. Washington 1962 http://www.freewestpapua.org/docs/nya.htm
  • Drooglever, Pieter J.: Een Daad van Vrije Keuze: De Papoea's van Westelijke Nieuw-Guinea en de grenzen van het zelfbeschikkingsrecht. Verlag Boom, Amsterdam, 2005. ISBN 90-8506-178-4 – englische Zusammenfassung http://tapol.gn.apc.org/reports/droogleverengsum.htm Wenn dieses Buch erscheint, wird Papua unabhĂ€ngig (indonesischer General)
  • Sabine Kuegler: Ruf des Dschungels. Droemer Knaur, MĂŒnchen 2006, ISBN 3-426-27393-4 (Kapitel 21)
  • Heinrich Harrer: Ich komme aus der Steinzeit. Ullstein, Frankfurt/Main 1963, ISBN 3-524-00331-1
  • Richard Chauvel, Ikrar Nusa Bhakti: The Papua Conflict: Jakarta’s Perceptions and Policies. East-West Center Washington 2004 ISBN 1-932728-08-2 pdf 0,4 MB (englisch)
  • Denise Leith: The Politics of Power: Freeport in Suharto's Indonesia. Hawai 2002 ISBN 0-8248-2566-7
  • Vermission: Wie wir Papua den politischen Status unseres Landes sehen. Mai 2000 (Word-doc 33 kb)
  • Eben Kirksey: From Cannibal to Terrorist: State Violence, Indigenous Resistance and Representation in West Papua. MPhil Thesis. Faculty of Modern History, University of Oxford. May 2002. 9,5 MB Word-Datei mit Fotos
  • Viktor KaisiĂ«po: The case of West Papua sovereignty. Genf 2003 Worddokument 126 kb
  • Yale Law School: Indonesian Human Rights Abuses in West Papua: Application of the Law of Genocide to the History of Indonesian Control. 2003 pdf 360 kb
  • John Wing, Peter King: Genocide in West Papua? The role of the Indonesian state apparatus and a current needs assessment of the Papuan people. University of Sydney 2005. ISBN 0-9752391-7-1, pdf 2,3 MB

Einzelnachweise

  1. ↑ a b Richard Chauvel: Australia, Indonesia and the Papuan crises 2006 http://www.nautilus.org/~rmit/forum-reports/0614a-chauvel.html
  2. ↑ Chavel, Papua Conflict, S. 11, siehe auch Historische Dokumente
  3. ↑ Gouverneur von West Neuguinea: Territorial Flag Ordinance. in KaisiĂ«po 2003 Anhang D
  4. ↑ Kuegler 2006 S. 314
  5. ↑ Sukarno: Befehl zu Befreiung West Irians. Jogjakarta 19. Dezember 1961 http://www.papuaweb.org/goi/pidato/1961-12-jogjakarta.html
  6. ↑ Saltford pdf S. xvi
  7. ↑ Heinrich Harrer: Ich komme aus der Steinzeit. Berlin 1963
  8. ↑ Übersetzung aus Kuegler 2006 S. 317
  9. ↑ a b KaisiĂ«po 2003
  10. ↑ Denis Leith S. 12
  11. ↑ Chauvel, Papua Conflict S. 17f
  12. ↑ Chauvel, Papua Conflict S. 22
  13. ↑ Public Record Office Großbritannien, FCO 15/162. DH1/7 Beilage 4 zitiert nach Kuegler 2006 S. 340
  14. ↑ Neles Tebay: Gemeinsame Anstrengungen der Religionsgemeinschaften fĂŒr den Frieden in West-Papua. Aachen 2006 ISNN 1618-6222, PDF 360 kb S. 6
  15. ↑ Neles Tebay: Human Rights in Papua: An overview. Berlin 2003 html
  16. ↑ in Papua werden ĂŒber 250 verschiedene Sprachen gesprochen
  17. ↑ Kuegler 2006 S. 318
  18. ↑ Kuegler 2006 S. 316
  19. ↑ Saltford pdf S. xxvi f und 340ff
  20. ↑ nach Saltford pdf S. 351
  21. ↑ zum Beispiel Time Magazine, 22. August 1969: http://stats.utwatch.org/corporations/freeportfiles/time-690822.html
  22. ↑ Saltford pdf S. 353
  23. ↑ s. Historische Dokumente
  24. ↑ Saltford pdf S. 359
  25. ↑ Saltford pdf S. 352
  26. ↑ Bericht von Benny Wendas Vater, vom Stamm der Lani, in Kuegler 2006 S. 319f
  27. ↑ nach Chauvel, Papua Conflict. S. 59, Fußnote 50
  28. ↑ Wie wir Papua den politischen Status unseres Landes sehen. Mai 2000 NiederlĂ€ndische Parlamentarier in West Papua. Vermission
  29. ↑ nach Kuegler 2006, S. 341
  30. ↑ International Crisis Group: Papua: Answers to Frequently Asked Questions. Crisis Group Asia Briefing N°53, 5. September 2006 pdf 515 kb: http://www.usindo.org/pdf/b53_papua_answers_to_frequently_asked_questions.pdf Abschnitt V
  31. ↑ Rumble in the Jungle. Fighting for freedom in West Papua. in Do or Die magazin No 8, 1999 pdf 2,7 MB: http://www.eco-action.org/ssp/rumble.pdf
  32. ↑ Nick Chesterfield: Terror – Razing the Forrest. Guns, Corruption, Illegal Logging, Ji & the indonesian Military in Papua Niugini. Windsor Australien 2006
  33. ↑ Slobodan Lekic: Historic Vote was a Sham: Ex-UN Chiefs Admit. Sydney Morning Herald, 23. November 2001 zitiert nach Kuegler 2006 S. 341
  34. ↑ Chauvel, Papua Conflict. S. 24
  35. ↑ International Crisis Group: Papua: Answers to Frequently Asked Questions. Crisis Group Asia Briefing N°53, 5. September 2006 pdf 515 kb http://www.usindo.org/pdf/b53_papua_answers_to_frequently_asked_questions.pdf
  36. ↑ Russ Baker: The Deforesting of Irian Jaya. The Nation magazin, 7. Februar 1994 http://russbaker.com/The%20Nation%20-%20The%20Deforesting%20of%20Irian%20Jaya.htm
  37. ↑ Ismani, V. Your Guide Book Irian Jaya Province. Department of Tourism: Jayapura 1998
  38. ↑ http://www.davidbridie.com.au/hotel_radio/deeper_lyrics_act.html
  39. ↑ Chauvel, Papua Conflict. S. 34,53
  40. ↑ Brad Simpson: Indonesia's 1969 Takeover of West Papua Not by „Free Choice“ Washington, Juli 2004 http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB128/

Siehe auch

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