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Ein agglutinierender Sprachbau ist in der Sprachtypologie Wilhelm von Humboldts und August Wilhelm Schlegels eine Unterart des synthetischen Sprachbaus. In einer agglutinierenden Sprache wird die grammatische Funktion durch das Anbringen einzelner Affixe kenntlich gemacht. Der Name stammt von dem lateinischen Verb agglutinare, „zusammenkleben“.
In einer agglutinierenden Sprache wird eine Bedeutungseinheit, beispielsweise Person, Zeit, Kasus, durch ein einzelnes Affix ausgedrückt. Darin liegt der Unterschied zu den fusionalen Sprachen, welche verschiedene grammatische Kategorien durch Affigierung fusionieren oder im Laufe ihrer Entwicklung mehrere Affixe durch teilweise drastische Änderung „zusammengequetscht“ haben. Auch ist es wichtig, dass sich die einzelnen Morpheme nicht gegenseitig beeinflussen.
Beispiele:
Der Unterschied zwischen agglutinierenden und fusionalen Sprachen ist oftmals weniger scharf als vielmehr kontinuierlich fließend. Verschiedene Sprachen tendieren in die eine oder die andere Richtung, rein agglutinierende oder rein fusionale sind selten.
Manchmal wird der Begriff „agglutinierende Sprachen“ auch als Synonym für synthetische Sprachen verwendet, wodurch auch flektierende Sprachen und fusionale einbezogen werden, obwohl dies technisch inkorrekt ist.
Gute Beispiele für agglutinierende Sprachen sind Baskisch, Georgisch, Tatarisch, Türkisch, Tschetschenisch, die dravidischen Sprachen, die uralischen Sprachen (z. B. Finnisch, Estnisch, Ungarisch), Guaraní, Quechua, Aymara, Inuktitut, Swahili, Malaiisch. Auch Esperanto und eine Reihe anderer Plansprachen gehören in diese Kategorie. Weitere Beispiele aus der früheren Geschichte sind auch die meisten Sprachen des Nahen Ostens, wie Elamitisch, Hurritisch, Urartäisch, Guti, Lullubi, Kassitisch sowie Sumerisch.
Die agglutinierenden Sprachen sind bisher nicht vollständig nach Sprachfamilien gruppiert, wenn auch z. B. Finnisch und Ungarisch miteinander verwandt sind. Vielmehr hat sich diese Eigenschaft bei einer Vielzahl separater Sprachen durch konvergente Evolution entwickelt.
Agglutinative Sprachen neigen zu einer hohen Zahl an Affixen/Morphemen pro Wort und zu großer Regularität. Beispielsweise kennt das Japanische nur 2 irreguläre Verben (siehe unregelmäßige japanische Verben).