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Air Force One ist das Rufzeichen für ein Flugzeug der US Air Force, in dem sich der Präsident der Vereinigten Staaten befindet.[1]
Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff auch für jene Flugzeuge verwendet, die speziell für die Beförderung des Präsidenten und seines Stabes vorgesehen sind und für diesen Zweck aufwändig umgebaut wurden. Seit 1990 sind dies zwei Langstreckenversionen der Boeing 747-200B mit der USAF-Bezeichnung VC-25A.
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Als in den 1940er-Jahren die Personenbeförderung mit Flugzeugen ihre Anfänge nahm, wurde dies auch für den amerikanischen Präsidenten ein adäquates Mittel zu reisen. Franklin D. Roosevelt wurde zunächst ein Flugboot Boeing 314 (militärische Bezeichnung: C-98) zur Verfügung gestellt, um 1943 zur Casablanca-Konferenz zu reisen. Schiffe waren wegen der Gefahr, die von deutschen U-Booten ausging, ein zu gefährliches Transportmittel im Zweiten Weltkrieg.
Bereits 1944 erhielt der Präsident eine C-87A Liberator Express mit dem Namen Guess where Two für seine Reisen. Diese Flugzeuge waren umgebaute B-24-Bomber. Nachdem allerdings eine andere C-87A aus ungeklärter Ursache abgestürzt war, kam man schnell wieder von diesem Typ ab, und die Guess where Two wurde außer Dienst gestellt.
1944 wurde eine C-54 Skymaster mit dem Namen Sacred Cow als Präsidentenmaschine umgebaut. Sie war unter anderem mit einem Schlafraum, Telekommunikationseinrichtungen und einem Aufzug für Roosevelts Rollstuhl ausgerüstet.
Als Roosevelt im Frühjahr 1945 starb und Harry S. Truman Präsident wurde, ließ dieser sich eine C-118 Liftmaster für seine Reisen umbauen. Sie erhielt den Namen Independence, nach Trumans Geburtsort Independence, Missouri. Dies war das erste aller Präsidentenflugzeuge, das auch äußerlich verändert war: das gesamte Flugzeug war als stilisierter Weißkopfseeadler lackiert, dem Wappenvogel der USA.
Auch John F. Kennedy griff 1960 nochmals auf eine Liftmaster zurück, allerdings auf eine aktuellere Version (VC-118A), um eine Maschine für kleinere Flugplätze zu haben, auf denen er nicht mit seiner VC-137 landen konnte. Diese Maschine ist im Pima Air and Space Museum bei Tucson, Arizona, begehbar ausgestellt.
Unter Präsident Dwight D. Eisenhower wurden zwei weitere Flugzeuge für den Präsidententransport angeschafft. Es handelte sich um zwei Maschinen des Typs Lockheed Constellation. Diese wurden nach der offiziellen Blume des Staates Colorado, Columbine II und Columbine III (Akelei/Kolumbine) benannt. Eine dieser Maschinen (8614) steht ebenfalls im Pima Air and Space Museum in Tucson (Arizona).
Am 9. Mai 1959 wurden die ersten drei Boeing 707 als Typ VC-137A von der Air Force in Dienst gestellt. Diese waren mit J57-Turbojettriebwerken ausgestattet und waren anfangs beim 1254th Air Transport Wing stationiert. Später erhielten diese Maschinen neue leistungsstärkere Turbofantriebwerke des Typs TF33, wodurch sie zum Typ VC-137B wurden, und wurden dem 89th Airlift Wing überstellt. Alle diese Flugzeuge waren zum generellen VIP-Transport vorgesehen, nicht exklusiv für den Präsidenten.
Die Kennungen dieser Maschinen waren 58-6970 (86970), 58-6971 (86971) und 58-6972 (86972). Zwei der Maschinen können im Museum of Flight in Seattle, Washington, beziehungsweise im Pima Air and Space Museum besichtigt werden.
1962 wurde die erste modifizierte Boeing 707-320B vom Typ VC-137C speziell für die Bedürfnisse des Präsidenten umgebaut. Für deren Ersatz kam 1972 eine weitere VC-137C hinzu. Die beiden Maschinen (Kennung 62-6000, auch 26000 und 72-7000, auch 27000) waren ebenfalls nicht ausschließlich für den Transport des Präsidenten vorgesehen, auch hochrangige Kabinettsmitglieder, Senatoren und Kongressabgeordnete waren damit auf politischen Reisen unterwegs. Die VC-137C Nr. 26000 benutzte Präsident Kennedy für den Flug nach Dallas am 22. November 1963 (Siehe auch: Attentat auf John F. Kennedy). Die Maschine befindet sich (zusammen mit anderen als Air Force One geflogenen Flugzeugen) im Air-Force-Museum in Dayton (Ohio)
Jeder Präsident ließ sich die Maschinen nach seinem Geschmack etwas umbauen.
Mit der Einführung der VC-25A 1987 wurde die 27000 zur Reservemaschine Air Force Two und wurde neben zwei weiteren Maschinen aus dem Jahr 1985 nun für generelle Personentransportzwecke beim 89th Airlift Wing bereitgehalten. 1998 wurden sie zur regulären C-137C, ihren letzten Flug als Air Force One absolvierte sie unter Präsident George W. Bush am 29. August 2001.
Die 27000 befindet sich als Denkmal an der Ronald Reagan Presidential Library in Simi Valley, Kalifornien.
Datei:Boeing VC-25 Air Force One.ogv Als man in den 1980ern einen Nachfolger für die beiden seit 1962 eingesetzten VC-137C suchte, fiel die Wahl auf die Boeing 747-200B, da sie ein großes Platzangebot bei großer Reichweite bieten konnte. Die erste für diesen Zweck vorgesehene Maschine startete am 16. Mai 1987 zu ihrem Erstflug. Anschließend wurde sie speziell ausgerüstet: Die Anpassungen im Innenraum umfassen Privatquartiere für die „First Family“, Aufenthalts- und Arbeitsbereiche für weitere Regierungsmitglieder, Sicherheitsbeamte, Personal und Pressevertreter; dazu zwei Küchen und Ausstattung für medizinische Notfälle, inklusive Operationstisch. Neben 23 Besatzungsmitgliedern können bis zu 70 Fluggäste befördert werden.
Die Maschinen verfügen über modernste Kommunikationseinrichtungen, die vom Oberdeck aus bedient werden. Die VC-25A ist eine komplette militärische Operationsbasis, die dem Präsidenten vollen Zugriff auf das gesamte Militär bietet. Zu diesem Zweck ist stets der militärische Berater des Präsidenten in dessen Nähe. Er hat den Atomkoffer (der volkstümlich Football genannt wird) bei sich, mit dem der Einsatz von Nuklearwaffen befohlen werden kann.
Als Air Force One hatte die VC-25A mit der Kennung 28000 am 6. September 1990 ihren ersten Einsatz, die zweite Maschine mit der Kennung 29000 am 26. März 1991.
Normalerweise sind die ersten beiden Ziffern der Kennung bei der USAF vorgegeben durch das Haushaltsjahr, in dem das Flugzeug bestellt wurde. So waren die ursprünglichen Seriennummern der beiden VC-25A auch 86-8800 und 86-8900, wurden bis zur Indienststellung dann aber in 82-8000 und 92-9000 (kurz auch: 28000 und 29000) geändert, um eine schon bei den VC-137C mit 62-6000 und 72-7000 (26000 und 27000) begonnene Zahlenreihe fortzusetzen.
Am 9. Januar 2009 startete die US Air Force offiziell die Suche nach einem Nachfolger für die VC-25A. Geplant ist die Anschaffung von drei Maschinen, wobei die erste ab 2017 in Dienst gehen soll. Die zweite und dritte Maschine sollen jeweils 2019 und 2021 folgen. Als mögliche Ausgangsmuster galten die Boeing 747-8I und der Airbus A380.[2] Am 28. Januar 2009 teilte EADS North America jedoch mit, dass Airbus an dem Auswahlverfahren nicht teilnehmen werde.[3] Als Begründung für den Rückzug von Airbus aus dem prestigeträchtigen Projekt wurde unter anderem die Befürchtung eines möglichen Technologietransfers zu US-amerikanischen Flugzeugherstellern wie Boeing vermutet, da den US-Behörden aus Sicherheitsgründen sämtliche technischen Details des Airbus A380 hätten offengelegt werden müssen.
Alle Flüge der Air Force One werden seit den 1960er-Jahren von der Presidential Airlift Group der 89th Airlift Wing des Air Mobility Command durchgeführt, welche auf der Andrews Air Force Base in Maryland stationiert ist. Der Helikopter, mit dem die Flüge vom Weißen Haus zur Andrews Airforce Base durchgeführt werden, gehört dem U.S. Marine Corps an und trägt das Rufzeichen Marine One. Gleichermaßen gelten die Rufzeichen Army One und Navy One für Flüge in Luftfahrzeugen der entsprechenden Teilstreitkraft. Ein Zivilflugzeug, in dem sich der US-amerikanische Präsident befindet, bekommt den Rufnamen Executive One zugewiesen.
Zum Schutz des Präsidenten verfügt die aktuelle Air Force One über eine militärische Ausrüstung. Die technischen Details sind jedoch streng geheim. Als bewiesen gilt die Bestückung mit fünf AN/ALQ-204 Matador Infrared Countermeasures (IRCM – jeweils eins hinter jedem der vier Triebwerke und eines zentriert am Höhenleitwerk[4]). Hierbei handelt es sich um ein System, das pulsierende Infrarotstrahlen zur Bekämpfung von infrarotgesteuerten (hitzesuchenden) Boden/Luft- oder Luft/Luft-Raketen einsetzt. Jeder der Störsender verfügt über eine vier bis zwölf Kilowatt starke Infrarotquelle, die zur Störung oder Überlastung des Infrarotsensors der Rakete dient. Auch gegen den bei Kernwaffenexplosionen auftretenden elektromagnetischen Impuls (EMP) ist die Elektronik des Flugzeuges durch die Außenhaut (ähnlich wie bei der Boeing E-4) und die Verkabelung besonders geschützt. Die Verkabelung besteht aus einem EMP-unempfindlichen Glasfasernetz. Die Möglichkeit der Luftbetankung erhöht die Reichweite. Die Treibstofftanks fassen insgesamt 53.611 US-Gallonen (202.650 l).[4] Es wird jedoch vermutet, dass die Air Force One neben den Standardtanks der 747 über mindestens zwei weitere Tanks verfügt, welche die Reichweite im Notfall erheblich erhöhen würden. Dadurch könnte das Hoheitsgebiet der USA von jedem Punkt der Erde aus ohne Zwischenlandung erreicht werden.
Wenn der Präsident auf Reisen geht, setzt sich bereits mindestens drei Tage im Voraus eine Maschinerie in Bewegung, um dies den amerikanischen Protokollvorgaben entsprechend möglich zu machen: Die gepanzerten Limousinen und Begleitfahrzeuge des Secret Service werden in Frachter verladen und vorab an den Bestimmungsort geflogen. Die VC-25A wird beladen, der persönliche Steward des Präsidenten befindet sich an Bord, die Maschine wird außen und innen gereinigt und auf Hochglanz gebracht.
Die Maschine des Präsidenten wird von einer Flotte von Tankflugzeugen und Frachtern begleitet, um die notwendigen Materialien, Fahrzeuge sowie Mitarbeiter zu transportieren. Die Air Force One wird gewöhnlich nicht von Jagdflugzeugen begleitet, jedoch ist dies schon vorgekommen (z. B. am 11. September 2001).
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