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Albert Leo Schlageter (* 12. August 1894 in Schönau im Schwarzwald (Baden); †26. Mai 1923 auf der Golzheimer Heide bei Düsseldorf) war Soldat im Ersten Weltkrieg und Angehöriger verschiedener Freikorps. Schlageter war Mitglied der NSDAP-Tarnorganisation Großdeutsche Arbeiterpartei. Während der französisch-belgischen Ruhrbesetzung war er militanter Aktivist und wurde wegen Spionage und mehrerer Sprengstoffanschläge von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Schlageter wurde in der Weimarer Republik nach seiner Hinrichtung nicht nur von rechten Kreisen zur Märtyrerfigur erhoben, er erfuhr „über Parteigrenzen hinweg" erhebliche Sympathien. Im Nationalsozialismus machte die Propaganda aus Schlageter den „ersten Soldaten des Dritten Reiches“ und begründete einen „Schlageter-Kult." Nach 1945 beschränken sich Ehrungen Schlageters auf den rechten Rand des politischen Spektrums. Schlageters heutige Rezeption in der Öffentlichkeit wird durch „Desinteresse und Despekt"[1] bestimmt.
Inhaltsverzeichnis |
Schlageter wurde 1894 als sechstes von elf Kindern einer katholischen Bauernfamilie in Schönau im Schwarzwald im südbadischen Wiesental geboren. In Schönau besuchte er die Bürgerschule, anschließend in Freiburg im Breisgau das humanistische Berthold-Gymnasium und das humanistische Gymnasium in Konstanz. Er wollte katholischer Priester werden, in seiner Gymnasialzeit lebte er im erzbischöflichen Konvikt Freiburg bzw. Konstanz. Mit Beginn des Ersten Weltkriegs absolvierte er in Freiburg das Notabitur und meldete sich freiwillig zum Militär. Er wurde im Dezember 1914 beim 5. Badischen Feldartillerieregiment aufgenommen. Ab Wintersemester 1915/16 ließ er sich an der Universität Freiburg als Student der Theologie (Kriegsteilnehmer, „K“[2]) einschreiben. Bis zum Kriegsende war er an der Westfront eingesetzt, wurde zweimal verwundet und 1917 zum Leutnant befördert. Im April 1918 erhielt er das EK I für „besonders riskante Patrouillen“.[3]
Anfang 1919, kurz vor seiner Entlassung aus dem Heer, verfolgte er das Theologiestudium in Freiburg nicht weiter und schrieb sich für Nationalökonomie ein. Gleichzeitig wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Falkenstein Freiburg im Breisgau im CV und trat auch in den Jungdeutschen Orden (Jungdo) ein. Im März 1919 brach er auch dieses Studium ab und trat in das Freikorps des Hauptmanns Walter Eberhard Freiherr von Medem ein, das in Waldkirch aufgestellt wurde. Die Reichsregierung hatte Aufstellung und Einsatz mehrerer Freikorps für den Lettischen Unabhängigkeitskrieg beschlossen. Den Baltikumern wurden vage Zusagen gemacht, von der lettischen Regierung Land zu Siedlungszwecken zu erhalten. Schlageter, der Bauernsohn, plante möglicherweise den Landerwerb[4]. Als Batterieführer war er an der Eroberung von Riga im Mai 1919 beteiligt. Im Juni schloss er sich dem Freikorps Horst von Petersdorff an. Als die Reichsregierung im Oktober 1919 den Abzugsbefehl gab, kam es zu einer offenen Meuterei: Die Freikorps bildeten die Deutsche Legion, diese schloss sich, zusammen mit der Eisernen Division der Russischen Westarmee an. Schlageter gehörte zusammen mit etwa 40.000 weiteren meuternden Kameraden dazu. Die Freikorps-Truppen mussten sich vor neuen lettisch-litauischen Truppen kämpfend nach Ostpreußen zurückziehen. Dabei kam es auf beiden Seiten zu großen Grausamkeiten, auf deutscher Seite zu Verbrannter Erde. Am 16. Dezember 1919 soll Schlageters Batterie als eine der letzten Einheiten die deutsche Grenze überschritten haben.[5]
Ab Anfang 1920 gehörte Schlageter mit dem Freikorps Petersdorff zur Marine-Brigade von Loewenfeld, die in Breslau den Kapp-Putsch unterstützte und an der Niederschlagung des linken Märzaufstands im Ruhrgebiet beteiligt war. Schlageter nahm unter anderem an Straßenkämpfen in Bottrop teil.[6] Nach der zwangsweisen Auflösung der Brigade Ende Mai 1920 arbeitete er als Landarbeiter, ehe er Anfang 1921 an Aktionen der illegalen Gruppe „Organisation Heinz“ des ehemaligen Freikorpsführers Karl Guido Oskar Hauenstein in Oberschlesien teilnahm. Nach zeitweiligem Aufenthalt in der badischen Heimat kehrte er anlässlich des Dritten Polnischen Aufstandes im Mai mit dem Freikorps Hauenstein („Sturmbataillon Heinz“) nach Oberschlesien zurück und nahm erneut an den dortigen Volkstumskonflikten teil.[7] Nach dem Ende der Kämpfe versuchte Schlageter im Auftrag Hauensteins, den polnischen Untergrund in Danzig zu infiltrieren. Dazu bot er dem polnischen Geheimdienst den Verkauf angeblicher deutscher Militärgeheimnisse an, wurde jedoch bald als deutscher Agent erkannt. Der Geheimdienst ließ ihn ziehen, veröffentlichte aber Fotos von Schlageter und setzte eine Belohnung für seine Verhaftung aus, was ihn für weitere Geheimaufträge in Polen nutzlos machte.[8] 1922 eröffnete Schlageter zusammen mit Hauenstein in Berlin ein Export-Import-Unternehmen.[9] In der Literatur gibt es die Annahme, dass es dem illegalen Waffenhandel diente.[10]
Kaum ein anderer Punkt von Schlageters Biographie ist so umstritten wie die Frage, ob er Mitglied der NSDAP war. Hauenstein, Schlageter und Gerhard Roßbach, ein weiterer Freikorpsführer, hatten Adolf Hitler im August 1922 in München getroffen. Die Freikorpsführer fassten den Entschluss, die NSDAP in Norddeutschland, vor allem in Berlin, aufzubauen und dazu Mitglieder geworben. Für den 19. November 1922 hatten sie zur Gründungsversammlung der norddeutschen NSDAP eingeladen. Am 15. November 1922 erließ jedoch der preußische Innenminister Carl Severing ein Verbot der NSDAP nach § 14 Abs. 2 des Republikschutzgesetzes. Die Gründungsversammlung fand trotzdem statt, nur dass statt der NSDAP die Großdeutsche Arbeiterpartei (GDAP) als Tarnorganisation mit einem einschlägigen rechtsradikalen und völkisch-antisemitischen Programm gegründet wurde. Sie wurde deshalb bereits nach kurzer Zeit ebenfalls verboten. Da Schlageter Gründungsmitglied der GDAP war[11][12] und im Januar 1923 am ersten Reichsparteitag der NSDAP teilnahm,[13] wird er als Nationalsozialist und NSDAP-Mitglied bezeichnet.[14]
Vor dem Hintergrund, dass Schlageter vom Nationalsozialismus als „Blutzeuge“ in Anspruch genommen wurde, ist seine NS-Parteimitgliedschaft immer wieder bezweifelt worden. Dabei wurde vor allem ein Faksimile der GDAP/NSDAP-Mitgliederliste in einer einschlägigen NS-Publikation Friedrich Glombowskis aus dem Jahr 1934 quellenkritisch betrachtet, weil nicht die vollständige Liste, sondern nur ein Ausschnitt faksimiliert wurde.[15] All diese Kritik ignoriert aber die mindestens seit 1988 bekannte Überlieferung der vollständigen Mitgliederliste der GDAP/NSDAP im Bundesarchiv.[11][16]
Während der Ruhrbesetzung wurde Schlageter von Hauenstein für die Organisation Heinz aktiviert. Nach Ermittlungen der Politischen Polizei war es ein Oberingenieur Haller von den Krupp-Werken, der Hauenstein am 10. Januar 1923 über einen Mittelsmann kontaktieren ließ. Hauenstein wurde beauftragt, das französische Militär zu beobachten, den französischen „Spionagedienst“ zu überwachen und Transporte beschlagnahmter Kohlen nach Frankreich durch Sprengung von Bahnlinien zu stören. Ein Sabotagetrupp von 20 Eisenbahnern aus Württemberg sei bereits vom Leiter des Reichsbahnschutzes, Karl Heiges, gebildet worden. Hauenstein sollte dazu noch Sprengexperten vermitteln.[17]
Diverse Polizeibehörden stellten den Mitgliedern der Organisation Heinz falsche Pässe aus. Schlageter etwa beschaffte falsche Pässe vom Polizeipräsidium Bottrop. Insgesamt bestand das Kommando aus etwa 30 Mann. Schlageter leitete die 1. Gruppe mit anfangs 10, später 7 Mann mit Sitz und Einsatzgebiet in Essen.[18]
Hauenstein erklärte später, er habe sich persönlich Ende Januar 1923 in Berlin der Rückendeckung des Reichswehrministeriums versichert. Joachim von Stülpnagel habe ihm dort erklärt, dass das Reichswehrministerium großes Interesse an der Tätigkeit der Organisation Heinz habe, aber sich nicht unmittelbar damit befassen dürfe. Statt dessen sei er an Kurt Jahnke verwiesen worden.[19] Damit wurde die Organisation Heinz in Jahnkes Versuch eingebunden, die verschiedenen Sabotagegruppen im Ruhrgebiet in einer staatlich lizenzierten, illegalen Sabotageorganisation zusammenzufassen. Zu diesem Zweck wurde in Münster von Privatpersonen, aber mit Rückendeckung der Reichswehr, eine Befehlsstelle unter der Leitung Franz von Pfeffers mit dem Tarnnamen „Zentrale Nord“ eingerichtet.[20]
Nach Hauensteins Rückkehr wurde vor allem Schlageters Gruppe in Essen aktiv bei der „Überwachung und Verfolgung des französischen Spitzeldienstes“.[21] Dazu wurde der Publikumsverkehr der Zentrale der französischen Besatzungsmacht in Essen überwacht. Zivilisten, die dort verkehrten, wurden beschattet, um „Kollaborateure“ und „Verräter“ zu identifizieren.[22] Der Begriff des „Verrats“ konnte im Ruhrkampf dabei jede Art von Kontakten zur Besatzung bezeichnen. „Spitzelabwehr“ bedeutete, dass angebliche oder tatsächliche Spitzel aus dem besetzten Gebiet entführt und der Staatspolizei übergeben wurden. Von deutscher Seite wurden dadurch staatliche Exekutivmaßnahmen an nichtstaatliche Organisationen wie die Organisation Heinz überwiesen, die auch außerhalb der Legalität operierten. Selbstjustiz und Faustrecht nach dem Prinzip der Feme gegenüber vermeintlichen „Verrätern“ wurden von Polizeibehörden nicht nur geduldet, sondern zum Teil auch befürwortet.[20][23] So handelte Schlageter nach Ermittlungen der Preußischen Politischen Polizei „in engstem Einvernehmen mit der Essener Polizeibehörde“. Die Essener Polizei überliess ihm zwei Maschinenpistolen, angeblich aus Beständen der Schutzpolizei.[24]
Ermittelt wurde auch ein Fememord. Als die Essener Polizei den angeblichen Spitzel Synder auf Anordnung der französischen Besatzungsbehörde entlassen musste, nahm ihn die Gruppe Schlageter in Einverständnis mit der Polizei vor dem Polizeigebäude wieder fest und erschoss ihn in etwa 100 Metern Entfernung. Nach Angaben Hauensteins hatte die Polizei der Gruppe Schlageter dafür sogar einige Kriminalmarken überlassen. Schlageter gab später an, von all dem nichts zu wissen. Hauenstein behauptete indes, seine Organisation habe bis Mai 1923 acht „französische Spitzel“ „beseitigt“. Im Düsseldorfer Prozess gegen Schlageter wurde der Mord thematisiert, bildete aber keinen Anklagepunkt.[25] Von deutscher Seite wurden solche Tötungsdelikte nicht weiter strafrechtlich verfolgt.[20]
Eine andere Tätigkeit der Organisation Heinz war die Herstellung von Sprengkörpern, die an andere Sabotagegruppen verteilt wurden. Vom 19. März bis Ende August wurden im Ruhrkampf 180 Sabotageakte gegen den Zugverkehr verübt.[26] Hauenstein beanspruchte für seine Organisation die Täterschaft bei 18 Anschlägen.[27] Hauenstein gilt jedoch als unzuverlässiger Zeuge in eigener Sache, weil mindestens einer dieser Anschläge nachweislich von anderen Gruppen verübt wurde. Schlageter bezeichnete sich in einem Kassiber an Hauenstein vom 14. April 1923 als Ausführender bzw. Leiter einer Sprengung bei Kalkum (15. März) und einer beim Bahnhof Essen-Hügel (12. März). Bei Kalkum sollte auf der Linie Duisburg-Düsseldorf eine Eisenbahnbrücke über den Haarbach gesprengt werden. Die Angaben über den angerichteten Schaden widersprechen sich. Einige sprechen von einer Unterbrechung der Verbindung für mehrere Tage, andere von einer nur leichten Verbiegung der Eisenträger. Menschen kamen nicht zu Schaden.[28] Im Sinne der Zentrale Nord war das freilich nicht, da sie „Anschläge, die nur Materialschaden verursachen“, für zwecklos hielt und ausdrücklich untersagt hatte.[29] Die Zentrale Nord unter von Pfeffer verfolgte auch andere Ziele als die Saboteure des Bahnschutzes. Während die Sabotageakte der Eisenbahner Truppen binden und damit die Besatzungskosten erhöhen sollten, legten es die ehemaligen Freikorpsführer und nationalistischen Verbände darauf an, einen neuen Krieg zu provozieren, in der Hoffnung, die Franzosen schlagen und die Republik beseitigen zu können.[29]
Die paramilitärischen Saboteure waren im Ruhrgebiet extrem unwillkommen; ihre Aktivitäten wurden von der Bevölkerung abgelehnt, weil die Besatzungsmächte Sabotageakte in der Regel mit scharfen Repression beantworteten und den wenigsten der Sinn solcher Aktionen noch aufgehen wollte. Auch der Rückhalt in der rheinischen Industrie schwand. Dass die preußischen Behörden nicht nur die Terroranschläge untersagt hatten, sondern zunehmend auch Terroristen verhaften ließen und Haftbefehle an die Franzosen weiterleiteten, veranlasste nationalistische Zeitungen später dazu, die preußische Regierung des Verrats an Schlageter zu beschuldigen.[30]
Schon von Zeitgenossen wurde die Wirkung des aktiven Widerstands als gering eingeschätzt.[31] Der britische Historiker Conan Fischer kommt zu dem Schluss, dass der aktive Widerstand verglichen mit dem passiven Widerstand, der von den Gewerkschaften und besonders von den Eisenbahnern getragen wurde, um die Weimarer Republik gegen ausländischen Imperialismus und Militarismus zu verteidigen, marginal und weit weniger effektiv war. Der Schlageter-Mythos sei von den Nationalsozialisten dazu verwendet worden, den aktiven Widerstand zur Essenz des Ruhrkampfes zu stilisieren.[32]
Verrat der preußischen Regierung war aber nur eine der Spekulationen, die zur Verhaftung Schlageters kursierten. Zwar gab es nach dem Anschlag bei Kalkum Zeugenaussagen, die am 5. April zur Fahndung nach einem „Albert Leo Schlagstein oder Schapeten“ führten. Aber Schlageter verhielt sich auch nicht sonderlich konspirativ. Als er vor dem Anschlag bei Kalkum in Kaiserswerth in einem Hotel übernachtete, trug er sich unter seinem richtigen Namen ein, obwohl er eigentlich einen gefälschten Pass verwendete. Noch am Tag seiner Verhaftung stieg er unter seinem richtigen Namen im Essener Union-Hotel ab. Hier wurde er noch am 7. April von Beamten der französischen Sûreté festgenommen. [33]
Hauenstein beschuldigte später zwei Mitglieder seiner Organisation, Schlageter im Auftrag von Gerhard Roßbach verraten zu haben. Die Beschuldigten, Alfred Götze und Otto Schneider, führten deshalb 1928 einen Verleumdungsprozess gegen Hauenstein. Dabei konnte Hauenstein zwar einen Zeugen aufbieten, der bestätigte, dass Götze und Schneider für die französische Besatzungsmacht gearbeitet hätten. Ein Verrat Schlageters wurde ihnen aber nicht nachgewiesen. Statt dessen ergab sich aus verschiedenen übereinstimmenden Aussagen, darunter eines Mitarbeiters des Hotels Union, der Hotelinhaberin und eines Stadinspektors, dass Schlageter am Tag seiner Verhaftung stark angetrunken und mit einer Frau zusammen war. Aus den Aussagen kristallisierte sich heraus, dass der Frau in Schlageters Hotelzimmer ein Koffer mit Sprengkörpern aufgefallen sei und sie dies nach einem Streit der französischen Polizei mitgeteilt habe.[34] Die Gestapo nahm im Juni 1934 noch einmal Ermittlungen „in der Verratssache Schlageter“ gegen Götze und Schneider auf, die inzwischen zu SS-Sturmbannführern avanciert waren. Sie kam 1935 zu dem Schluß, Schlageter sei „durch Zufall unter Mitwirkung einer unbekannten Frauensperson“ bei einer Routinekontrolle aufgefallen. Er habe den Franzosen Pässe mit unterschiedlichem Namen vorgezeigt, so dass seine Verhaftung unvermeidlich geworden sei.[35] Ohnehin hätten „Schlageter und seine Kameraden es im Ruhrgebiet häufig an der erforderlichen Sorgfalt fehlen“ lassen, so dass Schlageter wohl durch seinen eigenen Leichtsinn die Franzosen auf seine Spur brachte.[36]
Die nationalistische Propaganda machte 1923 indes in völlig haltlosen Anschuldigungen den preußischen Innenminister Carl Severing nicht nur für den ersten Haftbefehl vom 5. April verantwortlich, sondern auch für die Inhaftierung Hauensteins am 12. Mai 1923, dem man noch eine Aktion zur Befreiung Schlageters zutraute.[37] Die Polizei war auf Hauensteins Spur gekommen, als in der Nacht zum 11. Mai ein Mitglied eines von ihm gebildeten Stoßtrupps mit einer Maschinenpistole festgenommen worden war. Nach Schlageters Verhaftung war die Organisation Heinz allerdings so gut wie zerschlagen. Nur noch fünf Mann verblieben und ihr Einsatzgebiet beschränkte sich auf den Abschnitt zwischen Wupper und Ruhr.[38] Friedrich Glombowski behauptete 1934, es seien Pläne zur Befreiung Schlageters ausgearbeitet gewesen.[39] Hauenstein selbst behauptete das nicht. Er habe zwar mit Angehörigen der Kameradschaft Schill (geleitet von Viktor Lutze, sowie der Wicking-Gruppe um Erich Koch und Karl Kaufmann ) einen Befreiungsversuch geprobt, aber die Männer seien zu ungeübt und ängstlich für eine solche Aktion gewesen. Die Übung sei das Stosstruppunternehmen in der Nacht zum 11. Mai gewesen, bei der man eine französische Wache habe überwältigen wollen. Er drohte aber in seiner Vernehmung, die Sprengung des D-Zugs Essen-Paris sei fertig vorbereitet, falls Schlageter hingerichtet werden sollte.[40]
Schlageter wurde mit mehreren Mittätern der Bildung einer kriminellen Vereinigung, der Spionage mit dem Ziel von Attentaten und vier Sprengungen angeklagt. Am 9. Mai verurteilte ihn ein französisches Militärgericht in Düsseldorf „wegen Spionage und Sabotage“[41] zum Tode. Das Todesurteil und seine drohende Vollstreckung riefen bei der deutschen Öffentlichkeit große Anteilnahme und Interesse hervor.[42] Eine von den Verteidigern sofort beantragte Revisionsverhandlung fand am 18. Mai in Abwesenheit der Angeklagten statt. Die Revision wurde zurückgewiesen. Danach blieb nur noch ein Gnadengesuch, das zu stellen Schlageter jedoch ablehnte.[43] Ein Gnadengesuch von Schlageters Eltern an das Gericht wurde vom Gefängnispfarrer unterstützt. Er wandte sich an den französischen Armeebischof, den Kardinal von Paris und das Rote Kreuz. Die Königin von Schweden, Viktoria von Baden, unterhielt sich mit der Mutter und versprach Hilfe. Das Außenministerium appellierte vergeblich an den Vatikan.[44] Der französische Ministerpräsident Raymond Poincaré sprach keine Begnadigung aus. Vermutlich wollte er durch hartes Durchgreifen die französische Öffentlichkeit beeindrucken und im besetzten Gebiet ein abschreckendes Beispiel schaffen.[44] Am 26. Mai wurde das Urteil durch Erschießen vollstreckt.[45]
Schlageter ist der einzige Attentäter aus dem sogenannten aktiven Widerstand, der wegen terroristischer Aktivitäten hingerichtet wurde.[46] Zehn weitere Personen wurden von den Besatzungsbehörden zuerst zum Tode verurteilt, dann aber zu längerer Haft oder Zwangsarbeit begnadigt und nach Belgien, Frankreich oder in die französische Strafkolonie Saint-Martin-de-Ré verschickt. Für einen Fall vermutet Zwicker, dass Frankreich kein Interesse daran haben konnte, „einen zweiten Märtyrer zu schaffen“.[47] Nach dem Londoner Abkommen von 1924, das den Ruhrkampf beendete, wurden sie im Zuge einer Amnestie wieder freigelassen.[48]
Wenige Tage nach der Hinrichtung wurde in Parchim der Volksschullehrer Walter Kadow brutal misshandelt und erschossen, weil er verdächtigt wurde, kommunistischer oder französischer Spitzel zu sein. Die Mörder, darunter Rudolf Höß und Martin Bormann, waren Angehörige der Organisation Roßbach und stammten damit aus dem gleichen rechtsradikalen Milieu der Freikorps wie Schlageter.[49] Sie rechtfertigten sich damit, ihr Opfer sei ein Verräter an der „deutschen Sache“ gewesen. Höß behauptete nach dem Zweiten Weltkrieg in Vernehmungen und in seinen autobiographischen Aufzeichnungen, Kadow sei der Verräter Schlageters gewesen. Entsprechende Hinweise finden sich nicht in der Urteilsbegründung des Parchimer Fememordprozesses oder anderen Quellen, so dass es sich, so Martin Broszat, um eine „objektiv ganz ungerechtfertigte Einbildung“ Höß’ gehandelt habe.[50] Höß’ weitere Behauptung, er habe mit Schlageter im Baltikum, im Ruhrgebiet und in Oberschlesien gekämpft, läßt sich weder beweisen noch widerlegen.[51]
Es sind nur wenige Selbstzeugnisse Schlageters überliefert. Eine Edition von Briefen wurde 1934 auf Initiative des Verlegers Paul Steegemann von dem Schriftsteller und Journalisten Friedrich Bubendey besorgt. Darin wurden allerdings nicht alle existierenden Briefe veröffentlicht, und die Verantwortlichen stellten ihre Ausgabe deutlich in den Dienst des Nationalsozialismus. Ernst von Salomon berichtete 1951 in seinem autobiografischen Roman Der Fragebogen, er habe 1935 Briefe im Besitz Hauensteins eingesehen, in denen Schlageter die Rolle der NSDAP im Ruhrkampf scharf kritisierte. Aber Salomon gilt als nicht immer glaubwürdiger Zeuge, und die Briefe sind bislang nirgendwo aufgetaucht.[52]
Dementsprechend existieren nur wenige politische Aussagen Schlageters. Er war ein Gegner der Weimarer Demokratie und verurteilte die Republik 1919 als „neue[n] Sozialistenstaat“. 1922 behauptete er, der „unselige Frieden und unsere Politik nach dem Krieg lassen uns vollkommen verarmen und zu Sklaven machen“. „Unsere Staatsoberhäupter tanzen ja in jeder Beziehung so wie die Entente pfeift,“ so Schlageter, und hätten „das ganze Privatvermögen an unsere Feinde“ ausgeliefert. Manfred Franke rechnet Schlageter wegen solcher Aussagen zum rechtsradikalen Lager.[53] Stefan Zwicker sieht in Schlageters Aussagen zwar noch keinen Beweis, dass dieser ein „Rechtsradikaler“ gewesen sei, möchte ihn als Freikorpsaktivist aber „sicher als rechts“ einordnen.[54] In der Gesamtschau seiner Mitgliedschaft in der rechtsextremen Großdeutschen Arbeiterpartei, seiner Karriere in verschiedenen Freikorps und seiner aktiven Mitgliedschaft in der terroristischen „Organisation Heinz“ erscheint Schlageter als radikaler Nationalist und Nationalsozialist.[55] Über die „Organisation Heinz“ war er Teil einer der „bedeutendsten rechtsradikalen Organisationen der frühen zwanziger Jahre“, der „Schwarzen Reichswehr“. In diesem typischen Gruppenmilieu sammelte sich der „harte Kern“ der rechtsradikalen Bewegung und bildete eine der wichtigsten Vorläuferorganisationen des Nationalsozialismus in Norddeutschland.[56]
Während des Prozesses hatte sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit „sehr in Grenzen“[57] gehalten. Das Todesurteil und die bevorstehende Vollstreckung führte zu großer Anteilnahme und Interesse bei der deutschen Öffentlichkeit,[43] die Erschießung rief großes Aufsehen und Empörung hervor.[47] Die Überführung des Sarges per Eisenbahn von Elberfeld über Frankfurt-Mannheim-Freiburg-Basel nach Schönau wurde zu einem "Triumphzug" unter Beteiligung „unabsehbarer Mengen“ an den Bahnhöfen, ausgenommen Mannheim.[58] Ein Kennzeichen der Demonstrationen auf den Bahnhöfen waren schwarz-weiß-rote Fahnen[59]. In Freiburg fand am Bahnhof eine Trauerfeier statt, an der Rektor und Senat der Universität in vollem Ornat und alle Korporationen, einschließlich des jüdischen Korps Ghibellinia, teilnahmen.[58]
Zur Beisetzung in Schönau, 10. Juni 1923, wurden Sonderzüge eingesetzt. Anwesend waren auch Vertreter der badischen Regierung. Unter den Rednern war ein Vertreter der katholischen Studentenverbindung Falkenstein in Freiburg im CV, Schlageters Studentenverbindung, der auch Reichskanzler Cuno angehörte. Überführung und Beerdigung wurden durch Sepp Allgeier gefilmt. Die Übernahme der Kosten für die Überführung war durch die Reichsregierung zugesagt worden.[60] Hierzu setzte die lokale parteipolitische Vereinnahmung des Toten ein: Eine Gruppe aus Leuten, die mit der "Organisation Heinz" in Verbindung stand, führte in Elberfeld eine Sammlung für die Überführung durch. Zu dieser Gruppe gehörten mehrere später prominent gewordene NS-Funktionäre[61]. Einer der Sargträger in Düsseldorf war aus dem Kreis um Schlageter der 1922 der NSDAP beigetretene spätere Gauleiter und Reichskommissar Ukraine Erich Koch,[62] zu diesem Zeitpunkt ein Funktionär der Gauleitung Ruhr. Am Bestattungstag fand in München eine Gedächtnisfeier statt, an der rechte Gruppierungen, darunter die NSDAP, teilnahmen, letzter Redner war Hitler.[63]
Reichskanzler Cuno (parteilos) ließ in Paris eine scharfe Protestnote einlegen. Die deutschen Botschaften und Gesandtschaften übergaben darüber hinaus in den wichtigsten Hauptstädten eine weitere Note, in der das französische Vorgehen angeklagt wurde.[64] Der stellvertretende Regierungspräsident in Düsseldorf protestierte beim französischen Oberkommando in Düsseldorf: „Dieser Justizmord an einem vaterlandsliebenden, wenn auch in der Wahl seiner Mittel irregeleiteten Manne wird nicht nur die deutsche Bevölkerung, sondern auch die übrige Kulturwelt mit Abscheu und Erbitterung erfüllen.“[64] In einem Disput im Preußischen Landtag, 16. und 18. Juni 1923, machten sich Abgeordnete der DNVP einen (gerichtlich später festgestellten unwahren) Vorwurf aus der Presse zu eigen, wonach der preußische Innenminister Carl Severing einen Versuch zur Befreiung Schlageters durch Hauenstein „wissentlich hintertrieben“ habe. Zwicker bewertet diesen Vorwurf als weitere „Dolchstoßlegende“. In dieser Landtagssitzung lehnte der SPD-Abgeordnete Richard Hauschild die „politische Richtung des Hingerichteten und die von ihm angewandten Mittel scharf ab“, dennoch sei Schlageter ein „nicht rechtmäßg hingerichteter Deutscher, ein vom französischen Militärgericht Ermordeter.“ Für Politiker rechts der Mitte war Schlageter eindeutig ein „Nationalheld..., denn er ist den Märtyrertod für die Größe seines Vaterlandes gestorben.“[65]. Auch vom linken Rand des politischen Spektrums erhielt Schlageter posthumen Zuspruch: Karl Radek verfolgte eine Taktik der KPD, nationale Themen aufzugreifen. Am 20. Juni 1923, bei einer Tagung des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, hielt er eine aufsehenerregende Rede, auch zu Schlageter. Er nannte ihn einen „mutigen Soldaten der Konterrevolution“ und „Märtyrer des deutschen Nationalismus“, der „eindeutig auf der falschen Seite gekämpft hat.“ Und: „Wir werden alles tun, dass Männer wie Schlageter, die bereit waren, für eine allgemeine Sache in den Tod zu gehen, nicht Wanderer ins Nichts, sondern Wanderer in eine bessere Zukunft der gesamten Menschheit werden.“[66] Die Taktik der „Schlageter-Linie“, eines „nationalen Kurses“, wurde nach dem Abbruch des passiven Widerstandes durch die Regierung Stresemann, (16. September 1923), durch die KPD nicht weiter verfolgt.[67] Katholische Organisationen bemühten sich, Schlageter als einen der ihren zu beanspruchen. Der CV z.B. organisierte nach Schlageters Hinrichtung noch 1923 Gedächtnisfeiern in Augsburg, Berlin, Erlangen, Würzburg, Nürnberg, Wien und Innsbruck.[68] Der Historiker Stefan Zwicker fasst die Reaktionen so zusammen: „In den Jahren vor 1933 war er [Schlageter] ein Toter, dem breite Schichten in Deutschland über Parteigrenzen hinweg Respekt und Verehrung entgegen brachten, sowohl Katholiken, Bürgerliche und sogar Kommunisten ihn für sich beanspruchten[69].“
Mit seinem Tod wurde Schlageter von der politischen Rechten „zum Nationalhelden emporstilisiert“[70] und als „die [Hervorh. i. Orig.] Integrationsfigur“ verwendet.[71] Es entwickelte sich in diesem Teil des politischen Spektrums bereits in der Weimarer Republik ein „Schlageter-Kult“, der zu zahlreichen Veröffentlichungen und die rechtsgerichteten Parteien nicht selten übergreifenden öffentlichen Veranstaltungen führte. Von Anbeginn spielten dabei Nationalsozialisten eine gewichtige Rolle.
Noch im Frühjahr 1923 wurde innerhalb des SA-Regiments München, das einige Monate später am Hitler-Ludendorff-Putsch teilnahm, eine „Kompanie Schlageter“ begründet.[72]
1923/24 entstand eine als „Wanderverein Kolumbia“ firmierende, intern aber sich als „Schlageter-Kompanie“ bezeichnende Untergrundgruppe, die unter den Arbeitslosen des Ruhrgebiets für den Eintritt in die Reichswehr warb. Ihre Mitglieder schworen in einem feierlichen Ritual „eiserne Disziplin und Strafe für alle Verräter“. Als Symbol führte die Gruppe das Hakenkreuz.[73]
Eine erste Schrift zu Schlageter erschien 1923 im Franz-Eher-Verlag, dem Parteiverlag der NSDAP.[74] Neben Nationalsozialisten waren - so z. B. 1931 bei der Einweihung eines Denkmals am Hinrichtungsort in Düsseldorf - Abordnungen von Stahlhelm, Jungdo, Kriegervereinen, studentischen Korporationen und Redner der DNVP regelmäßige Teilnehmer von Schlageter-Gedächtnisfeiern.[75]
Die politische Rechte glorifizierte seither Schlageter als nationalen Märtyrer,[76] der einem Verrat seiner politischen Gegner zum Opfer gefallen sei. Dabei spielten die Nationalsozialisten und deren unmittelbare Vorläufer eine besonders aktive Rolle.[77] Die „vermeintlichen Heldentaten Schlageters und seiner Gesinnungsgenossen (schufen) den Grundstock einer Propaganda, mit der über ein Jahrzehnt später das Dritte Reich seine Jugend in ähnlichem Sinne zu erziehen hoffte.“[78] So machte der NS-Dichter Hanns Johst in seinem zwischen 1929 und 1932 entstandenen „Schlageter“ seinen Titelhelden zum „ersten Soldaten des Dritten Reiches“:[79] Er mythologisierte Schlageters Ende mit dem pathetischen Aufruf „Deutschland!!! Erwache! Erflamme!!!“ zum „Blutopfer“ für das deutsche Volk. Johsts „Prototyp des nationalsozialistischen Dramas“ wurde von den Nationalsozialisten als stärkste „dichterische Gestaltung der Gesinnung und Haltung unseres neuen Deutschland gefeiert“ und 1933 in mehr als 1000 deutschen Städten aufgeführt.[80]
Zahlreich entstanden innerhalb der Grenzen des Reichs bereits vor, flächendeckend dann nach 1933 Schlageter-Denkmäler, Schlageter-Haine usw. In seiner berüchtigten Antrittsrede als Rektor der Universität Freiburg im April 1933 heroisierte der im Januar 1933 der NSDAP beigetretene Martin Heidegger den Hingerichteten, der „seinem Schicksal“ nicht habe ausweichen dürfen, „um den schwersten und größten Tod harten Willens und klaren Herzens zu sterben.“[81] Bereits 1927 hatte Heidegger in „Sein und Zeit“ an seine Leser appelliert, „wir müssen Helden werden wie Albert Schlageter“.[82]
Als Stimmen der republikanisch-demokratischen Kräfte sprachen z. B. die Die Weltbühne oder Das Andere Deutschland demgegenüber vom „Schlageter-Rummel“ (Weltbühne, 1924) bzw. vom „Rummel“ um „eine Landsknechtnatur, ein[en] Abenteurer, der nach dem Kriege ins bürgerliche Leben nicht zurückfinden konnte“ (Das Andere Deutschland, 1931).[83] Die Weltbühne charakterisierte ihn als Oberhaupt einer „Gruppe von Terroristen“.[84]
Bereits 1956 kam der 1937 exilierte deutsche Jurist und Historiker Erich Eyck in seiner in der Schweiz erschienenen „Geschichte der Weimarer Republik“ zu dem Schluss, man könne „nicht bezweifeln, daß jedes andere Kriegsgericht, besonders auch jedes deutsche Kriegsgericht in analoger Lage das gleiche Urteil gefällt und vollstreckt haben würde.“[85]
Für die heutige Zeitgeschichtsforschung ist Schlageter ein nachrangiges Thema. Er sei, so ein regionalgeschichtliches Urteil, „persönlich recht unbedeutend“.[73] Soweit Zeithistoriker ihn überhaupt wahrnehmen, rechnen sie ihn ganz überwiegend der frühen NS-Bewegung zu und heben seine Heroisierung als „Märtyrer“ der „politischen Rechten“ im „Schlageter-Kult“ hervor.
Ehrungen Schlageters beschränken sich auf den rechten Rand des politischen Spektrums. Exemplarisch steht dafür der in den 1970er Jahren bestehende neonazistische Bund „Albert Leo Schlageter“[86]. 1977 versuchte er an eine Ehrung von 1933 anzuknüpfen, indem er bei Passau am Ort eines sog. Schlageter-Kreuzes eine Tafel in einer Art Runenschrift anbrachte.[87] Ende der 1970 Jahre existierte in Südwestdeutschland eine „Wehrsportgruppe Schlageter“, die in Kontakt mit der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ stand und deren Führer „persönliche Beziehungen zum mutmaßlichen Oktoberfest-Attentäter Gundolf Köhler“ hatte.[88]
Als 1977 im niedersächsischen Uelzen ein Schlageter-kritisches Theaterstück von Schülern aufgeführt wurde, kam es zu einem schweren Tumult, an dessen Spitze eine Gruppe um den Rechtsextremisten Manfred Roeder, Führer der „Deutschen Aktionsgruppe“, stand. In Leserbriefen war von einer „Verunglimpfung Schlageters“, von dessen „Heldentum“, „Idealismus“ und „Opfersinn“ die Rede.[89] 1980 veranstaltete die NPD an seinem Geburtsort eine Gedenkveranstaltung.[90] Während der 1990er Jahre geriet Schlageter auch in rechtsextremen Kreisen nahezu in Vergessenheit. Anfang des 21. Jahrhunderts wurde Schlageters Todestag wieder zu einem Gedenktag in Neonazi-Kreisen.[91]
Auch bei Burschenschaften gibt es gelegentlich eine Wertschätzung für Schlageter. 1993 erstellte die Marburger Burschenschaft Rheinfranken ein Flugblatt, in dem an Schlageters 70. Todestag erinnert wurde („Vorbild der deutschen Jugend“, „im Zeichen der Aufopferung für sein Vaterland, die Volksgemeinschaft, für Werte die längst vergessen scheinen“).[92] 2001 nahm die Burschenschaft Danubia München einen Vortrag „Albert Leo Schlageter - Leben und Tod eines deutschen Helden“ ihres Mitglieds Alexander von Webenau, zeitweise Bundesvorsitzender des Nationaldemokratischen Hochschulbunds (NHB) der NPD, in ihr Semesterprogramm auf.[93]
Neben den (in der Literaturliste aufgeführten) wissenschaftlichen Publikationen existieren apologetische biografische Veröffentlichungen, die in der extremen Rechten zugehörigen Verlagen erschienen. Dort wird Schlageter wie in den Darstellungen der 1920er bis 1940er Jahre als "Freiheits-" und "Widerstandskämpfer" dargestellt. In der Forschung wurden diese Schriften bislang in keiner Weise rezipiert.[94]
Hauptartikel: Schlageter-Denkmäler und -Namenspatenschaften
In der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus entstanden etwa 100 Schlageter-Denkmale, von denen heute noch etwa 20 zumindest in Resten existieren. Schlageter wurde auĂźerdem zum Namensgeber diverser ĂĽber ganz Deutschland verteilter StraĂźen, Orte, Organisationen etc., von denen die meisten zwischenzeitlich umbenannt worden sind.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schlageter, Albert Leo |
| KURZBESCHREIBUNG | Freikorpsangehöriger |
| GEBURTSDATUM | 12. August 1894 |
| GEBURTSORT | Schönau im Schwarzwald |
| STERBEDATUM | 26. Mai 1923 |
| STERBEORT | Golzheimer Heide in DĂĽsseldorf |