Aleksandar Tišma (* 16. Januar 1924 in Horgoš; † 16. Februar 2003 in Novi Sad) war ein serbischer Schriftsteller.
Leben
Tišma wurde 1924 als Sohn eines Serben und einer ungarischen Jüdin in Horgoš an der Grenze Jugoslawiens zu Ungarn geboren. Er besuchte die Schule in Novi Sad, wo er 1942 das Abitur ablegte. Anschließend begann er in Budapest ein Studium der Wirtschaft und Romanistik.[1] 1944 wurde er zum Ausheben von Schützengräben gegen die anrückende Rote Armee nach Siebenbürgen einberufen. Von dort aus nahm er ab November 1944 an der Volksbefreiungsbewegung teil.
Er arbeitete ab 1945 als Journalist bei den Zeitungen Slobodna Vojvodina und Borba sowie als Lektor beim Verlag Letopis matice srpske. Ab 1950 beschäftigte er sich mit literarischen Arbeiten. 1954 legte er ein Diplom in Anglistik an Philosophischen Fakultät der Universität Belgrad ab. Neben seinen literarischen Werken übersetzte er aus dem Deutschen und Ungarischen. Später lebte er in Frankreich und Novi Sad.
Aleksandar Tišma war von Mai bis August 2000 am Literaturhaus Basel „Writer in Residence“. [2]
Tišmas Werk gilt als Teil der Weltliteratur. In seinen Werken fokussierte er das Scheitern des europäischen Humanismus. Seine autobiografisch geprägten ersten fünf Bücher ergeben zusammen einen Romanzyklus, der in seiner Heimatstadt Novi Sad spielt.
Werke
- Darin wird die Zerstörung der von vom friedlichen Zusammenleben von Deutschen, Ungarn, Juden und Serben geprägten Gesellschaft durch Krieg und Terror thematisiert. Anhand von vier Schicksalen wird die Vernichtung von Persönlichkeit und Würde sichtbar, die Überlebenden sind entweder körperlich verstümmelt oder kehren wie die sogenannt halbjüdische Deutsche Vera, die als KZ-Prostituierte missbraucht wurde, als gebrochene Person in ihre Heimatstadt zurück und finden keinen Halt in der Gesellschaft.
- Hier sucht der Überlebende Blam Spuren seiner Jugend im Novi Sad der Nachkriegszeit.
- Die Schule der Gottlosigkeit. 4 Erzählungen (Škola bezbožništva). Dtv, München 2000, ISBN 3-423-12138-6.
- Drei der vier Erzählungen handeln vom Krieg und thematisieren Menschen in Extremsituationen.
- Thema ist das kommunistische Nachkriegs-Jugoslawien. Eine Liebesgeschichte zwischen dem Juristen Sergej und der nach dem Krieg ausgewiesenen Deutschen Inge, die, um einen Immobilienverkauf abzuwickeln, ihre Geburtsstadt Novi Sad besucht. Sergej, traumatisiert von schrecklichen Erlebnissen als Partisan im Krieg, versucht durch die Liebesgeschichte aus seinem trostlosen Leben auszubrechen. Doch er ist nicht in der Lage, Glück zu empfinden.
- Der Jude Vilko Lamian überlebt, indem er sich unter falscher Identität auf die Seite der Nationalsozialisten („Kapo“) stellt und dabei selbst zum Täter wird. Von seinem Gewissen geplagt, macht er sich auf die Suche nach einem seiner Opfer, der Jüdin Helena Lifka.
- Die wir lieben (Koje volimo). Dtv, München 1999, ISBN 3-423-12623-X.
- Reise in mein vergessenes Ich, Tagebuch 1942-1951. Meridiane Mitteleuropas, Hanser, München 2003, ISBN : 978-3-446-20359-4.
Literatur
Auszeichnungen
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ [http://www.perlentaucher.de/autoren/403/Alexandar_Tisma.html Eintrag über Aleksandar Tišma bei perlentaucher.de, abgerufen am 27. Februar 2011
- ↑ Basel hat ein neues Literatur-Haus,. swissinfo.ch, 29. Februar 2000, abgerufen am 5. Dezember 2008.