|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Als Altbairisch ist die Sprache der frĂŒhesten Texte aus althochdeutscher Zeit (8. Jahrhundert bis um 1050), die im damaligen Herzogtum Bayern sowie von aus diesem Gebiet stammenden Schreibern niedergeschrieben wurden. Altbairisch war die Sprache der Bajuwaren, bevor im Hochmittelalter eine ĂŒberregionale deutsche Literatursprache (Mittelhochdeutsch) entstand. Aus der Zeit der bajuwarischen Ethnogenese im 6. Jahrhundert sind keine schriftlichen Quellen der Sprache ĂŒberliefert, die ersten altbairischen Texte stammen aus dem ausgehenden 8. Jahrhundert. Alle Aussagen, die sich auf die Zeit davor beziehen, basieren auf linguistischen Rekonstruktionen.
Der Begriff Altbairisch ist zu unterscheiden von den modernen Dialekten in Altbayern, wobei Altbairisch eine Vorstufe aller rezenten bairischen Dialekte war, sowohl im heutigen Altbayern, als auch in Ăsterreich und SĂŒdtirol.
Inhaltsverzeichnis |
Altbairisch ist im 6. Jahrhundert in der Region nördlich der Alpen und sĂŒdlich der Donau entstanden. Im Jahr 488 nach Christus hatte Odoaker, der Herrscher ĂŒber das römische Italien, den verbliebenen römischen Truppen und der römischen Zivilbevölkerung an der Donau befohlen, nach Italien abzuziehen, um dort die verbliebenen KrĂ€fte gegen die Ostgoten zu bĂŒndeln. Dadurch wurde die Donaugrenze von den Römern nicht mehr verteidigt und das Land sĂŒdlich davon aufgegeben. Nach dem Ende der römischen Herrschaft an der Donau ĂŒberquerten verschiedene germanische Gruppen die Donau und siedelten auf dem Land, das zuvor Teil der römischen Provinzen Noricum und Raetia Secunda war.
Verschiedene westgermanische Gruppen wie Langobarden, Markomannen und Alemannen, sowie die verbliebene kelto-romanische Bevölkerung und kleinere Gruppen ostgermanischer StĂ€mme sowie Slawen sind in dieser Gegend zu einer neuen ethnischen Einheit, den Bajuwaren verschmolzen. Die Sprache der Bajuwaren trĂ€gt deshalb auch Spuren dieses heterogenen Ursprungs und hat ein romanisches sowie ein slawisches Substrat, sowie kleine ostgermanische SpracheinflĂŒsse.
Erst spĂ€ter dehnte sich der altbairische Sprachraum auch nach Osten ĂŒber die Traun in Oberösterreich und danach ĂŒber die Enns ins heutige Niederösterreich, sowie nach SĂŒdosten in die heutige Steiermark und KĂ€rnten aus. Dort lebten davor slawischsprechende Menschen, die auch nach der Eroberung erst einige Generationen spĂ€ter zum Bairischen wechselten. Im sĂŒdöstlichen KĂ€rnten gibt es heute noch die autochthone slowenischsprachige Minderheit (KĂ€rntner Slowenen).
Im Salzburg und Tirol war hingegen die romanischsprachige Bevölkerung zahlreicher, was zu einem stĂ€rkeren romanischen Substrat in dieser Region gefĂŒhrt hat. Noch bis ins Hochmittelalter gab es auch dort noch romanische Sprachinseln und das heutige Ladinisch und RĂ€toromanische sind Ăberbleibsel dieser Alpenromanen.
Im Norden, in der heutigen Oberpfalz, grenzte das Altbairische an das AltoberfrĂ€nkische, wodurch dort auch ein frĂ€nkischer Einfluss vorhanden war. SpĂ€ter, nachdem 788 das bajuwarische Stammesherzogtum Teil des frĂ€nkischen Reiches wurde, gab es im gesamten altbairischen Sprachgebiet einen frĂ€nkischen Einfluss, den man frĂ€nkisches Superstrat nennt. FrĂ€nkischen Adeligen wurden auch Lehen am Ă€uĂersten Rand des bajuwarischen Herzogtums zugeteilt, im heutigen KĂ€rnten, der Steiermark und dem Burgenland, wodurch frĂ€nkische EinflĂŒsse selbst bis dort hin wirksam wurden.
Das Altbairische ist eine westgermanische Sprache, die zur Zeit der ersten schriftlichen Quellen bereits vollstÀndig die Zweite Lautverschiebung vollzogen hat. Diese Lautverschiebung ist davor bereits in langobardischen Quellen aus Norditalien belegt, wodurch man auch annimmt, dass sie sich von dort nach Norden ausgebreitet hat. Das Langobardische und das Altbairische waren wahrscheinlich auch sehr Àhnlich, wobei angesichts der wenigen langobardischen Quellen eine detaillierte Aussage dazu kaum möglich erscheint. Zum Altalemannischen bestehen in dieser Zeit ebenfalls noch wenig Unterschiede. Erst im 12. Jahrhundert driften das Alemannische und das Bairische auf Grund unterschiedlicher Lautentwicklungen auseinander (Diphthongierung).
Innerhalb der westgermanischen Sprachen wird das Altbairische zur Gruppe der Elbgermanen gezĂ€hlt und hat zusĂ€tzlich noch kleinere ostgermanische EinflĂŒsse, wie die bairischen Wochentage (Erietag, Pfingstag), gewisse lexikalische Besonderheiten (zum Beispiel Dult) und die Konservierung der Dualformen (Singular-Dual-Plural). Ob der bairische Dual jedoch auf gotischen Einfluss zurĂŒckgeht oder von den Rugiern oder Skiren ĂŒbernommen wurde, oder aber eine eigenstĂ€ndige regionale Besonderheit darstellt, ist umstritten.
Ein weiterer Unterschied zu anderen westgermanischen Idiomen oder althochdeutschen VarietĂ€ten dieser Zeit sind das romanische und slawische Substrat im Altbairischen, wobei die meisten slawischstĂ€mmigen Wörter in den heutigen bairischen Dialekten erst viel spĂ€ter als Adstrat aufgenommen wurden. Das romanische Substrat ist hingegen schon im Altbairischen nicht nur im lexikalischen Bereich, sondern auch in der Grammatik deutlich erkennbar. Romanische Reliktwörter, die nicht in nördlicheren Idiomen vorkommen, sind zum Beispiel âRibislâ (lateinisch: ribes), âMostâ (lateinisch: vinum mustum), âRadiâ (lateinisch: radix). Andere romanische Wörter haben alle spĂ€teren Lautentwicklungen mitvollzogen und mĂŒssen deshalb auch schon in dieser Zeit vorhanden gewesen sein.
Das Altbairische weist im phonetischen Bereich folgende Eigenheiten gegenĂŒber anderen althochdeutschen VarietĂ€ten auf:
Eine Wörter und sogar rechtliche und religiöse Fachbegriffe unterscheiden sich im Altbairischen von anderen althochdeutschen Idiomen, wobei hier vor allem ein Unterschied zwischen Bairisch und Alemannisch einerseits und den FrĂ€nkischen VarietĂ€ten andererseits besteht. Lexikalische Beispiele dafĂŒr sind:
In der Linguistik werden alle westgermanischen Sprachen oder Idiome dieser Zeit (ca. 750 bis 1050), bei denen die Zweite Lautverschiebung vorhanden ist, mit dem Ăberbegriff âAlthochdeutschâ bezeichnet. Insofern ist das Altbairische ein Teil des Althochdeutschen. Das Althochdeutsche war jedoch regional sehr unterschiedlich, weshalb sich schriftliche Quellen gröĂtenteils den entsprechenden Schreibregionen zuordnen lassen. Dabei konnte es im Verlaufe der Ăberlieferung zu Vermischungen kommen, weil zum Beispiel Schreiber und Vorlage unterschiedlichen Regionen entstammten. Dadurch lassen sich beispielsweise die altsĂ€chsischen Passagen im altbairischen Hildebrandslied erklĂ€ren. Aus dem altbairischen Sprachraum sind zahlreiche PrimĂ€rquellen als Manuskripte ĂŒberliefert, die hauptsĂ€chlich in den Skriptorien der Klöster Freising, Regensburg, Tegernsee, Benediktbeuern, Passau, Wessobrunn, Mondsee und Salzburg entstanden sind, aber auch von bairischsprachigen Schreibern im Kloster Fulda geschaffen wurden, sowie spĂ€ter auch in den Klöstern der Benediktinern in Klosterneuburg und Millstatt.