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| Düsseldorf Altstadt | |||
|---|---|---|---|
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| Basisdaten [1] | |||
| Geograph. Lage | 51° 14′ N, 6° 46′ O51.22888888896.7736111111138.0Koordinaten: 51° 14′ N, 6° 46′ O | ||
| Höhe | 38,0 m ü. NN | ||
| Fläche | 0,50 km² | ||
| Einwohner | 2.027 (Stand 31. Dezember 2009) | ||
| Bevölkerungsdichte | 4.054 Einwohner je km² | ||
| Stadtbezirk | Stadtbezirk 1 | ||
| Stadtteilnummer | 011 | ||
| Verkehrsanbindung | |||
| Bundesstraße | | ||
| Stadtbahn | U70 U74 U75 U76 U77 U78 U79 | ||
| Straßenbahn | 703 706 712 713 715 | ||
| Schnellbus | SB50 | ||
| Nachtverkehr | NE3 NE4 NE5 NE7 805 809 817 | ||
Die Altstadt ist der flächenmäßig zweitkleinste der 49 Düsseldorfer Stadtteile und liegt im Stadtbezirk 01 am Rhein. Hier leben auf einer Fläche von 0,50 km² 2.027 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte beträgt 4.054 Einwohner/km².
Die Altstadt ist das historische, politische und kulturelle Zentrum der Landeshauptstadt. Im Stadtteil befinden sich u.a. das Rathaus, die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen sowie die Kunstakademie Düsseldorf. Weite Teile der Altstadt sind Fußgängerzone mit zahlreichen Ladenlokalen und gastronomischen Einrichtungen. Auf einem halben Quadratkilometer ballen sich hier über 300 Kneipen, Diskotheken und Restaurants, die der Altstadt den Ruf der „längsten Theke der Welt“ eingetragen haben und im „Altbierlied“ besungen wird. Die Front der Altstadt zum Rhein bildet die Rheinuferpromenade. Nach Nordosten wird die Altstadt vom Hofgarten begrenzt, nach Süden geht sie in die Carlstadt über, nach Osten in den Stadtteil Stadtmitte.
Inhaltsverzeichnis |
Die Altstadt ist die Keimzelle der Stadt Düsseldorf, obwohl es ältere Ortsteile im Stadtgebiet gibt. In einer Urkunde von 1159 bestätigte Papst Urban IV. dem Stift der Heiligen Ursula in Köln, dass ein Einkommen aus „Dusseldorp“ in Höhe von fünf Schilling (Münze) gezahlt würde.[2] In einer weiteren nicht datierten Urkunde um 1190 verpfändete der Ritter Arnold von Tyvern seinen gesamten rechtsrheinischen Besitz für 100 Mark Silber an Graf Engelbert von Berg. In der Aufzählung zum Besitz sind unter anderem Dusseldorp und Hummelgis angeführt.[3] Vermutlich gehörte zu diesem Besitz auch ein Sahlhof, der im Bereich der späteren Burg lag.[4] Das Pfand wurde nicht eingelöst und war damit Eigentum der Grafen von Berg. Der kleine Ort hatte Mitte des 13. Jahrhunderts bereits eine gewisse Bedeutung als Fähr- und Handelsstützpunkt zwischen den beiden Rheinufern. Nach der Schlacht von Worringen erhielt Düsseldorf am 14. August 1288 die Stadtrechte verliehen.
Zum Zeitpunkt der Stadterhebung 1288 waren nur einige Straßen und Gassen vorhanden. In einer Düsseldorfer Stadtskizze für 1288 und dem Gebiet zwischen Rheinufer, östlicher Stadtbegrenzung und Düssel mit dem südwestlich vorgelagerten Vorläufer der Burg der Grafen und späteren Herzöge von Berg sind eine Straße, die Altestadt, und drei Gassen eingezeichnet. Neben der Liefergasse, damals noch Leven- oder Löwengasse genannt,[5] waren es nur zwei weitere Gassen, die ungefähr im Bereich der heutigen Lambertusstraße und Müller-Schlösser-Gasse dargestellt wurden. Weitere Hinweise und der Freiraum in der Skizze zwischen den Wällen oder Mauer und Bebauung deuten darauf hin, dass es zu dieser Zeit bereits eine weitere Straße, die Krämerstraße, gab. Allerdings war diese Straße nur auf ihrer Ostseite damals bebaut. Die Straße führte vom Südtor oder dem Vorläufer eines Burgtores bis zum Anfang der Altestadt.[2][6] Dort soll auch die Lindentrappenpforte, das spätere Kohlentor durch das man zum Rhein gelangte, gelegen haben.[7][8] Einiges spricht dafür, dass diese zweite Straße tatsächlich vorhanden war, da der Zugang zum Burgtor oder auch der Stadt vom Südtor nicht nur über eine kleine Gasse erfolgt sein dürfte.
Der Ort war durch seine Lage zwischen drei natürlichen Gewässer gut geschützt. Im Westen lag der Rhein, im Süden die Düssel, im Norden ein Altrheinarm und nur im Osten eine künstliche Schutzeinrichtung. Die Begrenzungen bestanden aus Erdwällen, die vermutlich nur im Osten durch eine Holzkonstruktion verstärkt worden war.[9] Die Gesamtfläche innerhalb der Stadtmauer betrug nur 3,8 Hektar und die Länge der Mauer knapp 800 m.[10] Für 1300 werden lediglich zwei Steinhäuser und 300 bis 400 Einwohner geschätzt.[11]
Ob sich ein Hinweis von 1260 bereits auf eine Burg der Grafen von Berg in Düsseldorf bezog oder nur auf einen befestigten Sahlhof ist nicht eindeutig zu klären. Allerdings wurden im Bereich der Fundamente Steine mit Steinmetzzeichen gefunden, die um 1150 am Niederrhein üblich waren.[12] Weitere Hinweise auf ein Gebäude im späteren Baubereich der Burg, das bereits im 12. Jahrhundert errichtet wurde, liegen jedoch nicht vor. Noch 1246 in einer Vereinbarung, die vom Erzbischof von Köln Engelbert I. von Berg zwischen Irmgard von Berg, der Mutter, und ihrem Sohn Adolf IV. von Berg vermittelt wurde, war eine Burg in Düsseldorf nicht angeführt worden. Dagegen wurden in dieser Vereinbarung diverse bergische Burgen zwischen Irmgard und Adolf IV. aufgeteilt und auch Düsseldorf gehörte zu dem der Mutter zugesprochene Gebiet.[13][Anm. 1][14] Bauarbeiten an der Burg oder deren Vorläufer sind 1350 nachweisbar.[15]Der erste urkundliche Nachweis einer Burg stammt von 1386 und betraf eine Verhandlung zwischen dem Kölner Erzbischof und Herzog Wilhelm II..[16]
Die weitere Geschichte der Altstadt ist für viele Jahrhunderte weitgehend identisch mit der Geschichte Düsseldorfs.
Die Bezeichnung „Altstadt“ wird in Düsseldorf überwiegend nicht nur für den aktuellen Stadtteil Altstadt sondern auch für den jüngeren Stadtteil Carlstadt verwendet. Diese zusammengefasst sind das Gebiet zwischen der Rampe für die Oberkasseler Brücke im Norden, das Gebiet bis zum Schwanenspiegel im Süden und Heinrich-Heine-Allee und deren Verlängerung, die Breite Straße, im Osten. Dieser Bereich war weitgehend auch das Gebiet, das innerhalb der Befestigungsanlagen bis zu deren Schleifung lag. Aktuell sind dies im Stadtbezirk 1 neben weiteren die zwei Stadtteile Altstadt und Carlstadt. In der nachfolgenden historische Entwicklung dieser beiden Stadtteile wird die westliche Begrenzung, der Rhein, nicht angeführt. Kurz zusammengefasst verlief die Entwicklung dieses Stadtgebietes ab Erhebung zur Stadt wie folgt:
Nachfolgend eine detailliertere Beschreibung der Entwicklung der beiden Stadtteile von den Anfängen der Besiedlung des Altstadtgebietes bis zur Gegenwart.
Für die Entwicklung der Altstadt war über Jahrhunderte die Herrschaft der Grafen und späteren Herzöge von Berg von großer Bedeutung. Nach dem Aussterben dieses Adelsgeschlechtes galt dies auch für die Rechtsnachfolger.
Von alten Gebäuden, die vor und zum Zeitpunkt der Stadtrechte vorhanden waren, ist nur weniges bekannt. Die erste urkundliche Erwähnung eines Stadttores stammt vom 13. September 1322.[17] Vermutlich war dies das Liebfrauentor am Ende der Altestadt. Diesen Name hatte der Vorläufer des späteren Ratinger Tores, das im Rahmen der ersten Stadterweiterung nach 1384 angelegt wurde. Vor dem Tor lag eine Marienkapelle, die „Liebfrauenkapelle“, die bereits 950 bestanden haben soll.[18] Im Bereich der Kapelle lagen Grundstücke, die bereits vor dem 14. Jahrhundert den Herren von Eller gehörten. Diese hatten neben der Kapelle zur Betreuung der Pilger eine Herberge errichtet, in der zeitweise auch Kranke behandelt wurden.[19] In der Kapelle befand sich ein Statue von „unserer lieben Frau vom Himmelreich“, das überregional Auslöser von jährlichen Wallfahrten war und seit 1811 in der St.-Lambertus-Kirche aufbewahrt wird.[19][Anm. 2]
Eine weitere kleine Kapelle, Vorläufer der St.-Lambertus-Kirche, lag am späteren Stiftplatz und ist bereits 1159 nachweisbar. Zu diesem Zeitpunkt gehörte Düsseldorf noch zur Pfarrei Bilk. Erst 1206 erfolgte die Trennung und Bildung einer selbständigen Pfarrei für Düsseldorf. Die Kapelle wurde bis 1209 zur Hofkirche der Grafen von Berg ausgebaut.[20] Ein Gebäude in der Liefergasse, das im Giebel als Baujahr 1288 aktuell anzeigt, wurde 1396 von Herzog Wilhelm von Jülich als „unser Haus, das geheissen ist das Lewenhaus“ angegeben.[5] Es ist eines der wenigen Steinhäuser, das bereits im 13. Jahrhundert vorhanden war.
Nach der Verleihung der Stadtrechte verlief die weitere Entwicklung anfangs recht langsam. Freies Gelände innerhalb der Stadtbegrenzung mit den vorgelagerten Erdwällen wurde soweit wie möglich bebaut. Aus Platzmangel begann man später auch Gebäude vor den Stadttoren zu errichten. Dies betraf besonders das Gelände vor dem ersten Ratinger Tor, das damalige „Liebfrauen Thor“. Hier entwickelte sich eine kleine Vorstadt.[21]
Unter Wilhelm II. von Berg begann ab Mitte des 14. Jahrhunderts für Düsseldorf eine Periode mit zunehmender Bebauung. Der Herrschaftbereich der Grafen von Berg war inzwischen nach Norden durch die Erlangung der Hoheitsrechte über das Herzogtum Kleve 1368 und der Herrschaft Ravenstein 1397 vergrößert worden. Die Stadt lag damit nicht mehr wie anfangs am nordwestlichen Rand der Grafschaft Berg. Wilhelm II., der Düsseldorf zu seinem Hauptsitz wählte, wurde 1380 zum Herzog von Berg ernannt. Er baute die Burg zu seiner Residenz aus. Das beengte Areal innerhalb der ersten Stadtmauer behinderte eine weitere Bebauung. Folge war eine Vergrößerung des Stadtgebietes über die Mauer und den Erdwällen hinaus mit der Errichtung einer neuen Stadtmauer für ein vergrößertes Areal. Nicht nur die Burg sondern auch die Hofkirche wurde vergrößert und zur St.-Lambertus-Kirche ausgebaut.
Die Vergrößerung der Stadt nach 1384 erfolgte sowohl Richtung Osten, in der sich bereits eine Vorstadt in der Verlängerung der Altestadt gebildet hatte, wie auch Richtung Süden. In einer Abbildung für die Stadt im 15. Jahrhundert sind neben dem alten Stadtkern folgende neue Stadtbereiche dargestellt: die bereits angeführte Vorstadt im Osten, eine Neustadt zwischen Düssel und Flingerstraße und eine Erweiterte Neustadt zwischen Flinger Straße und Wallstraße, die bereits ab 1394 angelegt wurde.[22][23] Die Erweiterung des Stadtgebietes mit den neuen Befestigungen wurde so zügig wie es die finanziellen Mittel erlaubten durchgeführt. Bereits 1396, zwei Jahre nach Baubeginn der Erweiterten Neustadt, wurde das neue Stadttor Berger Pforte urkundlich erwähnt. Die Flinger Pforte folgte 1408.[23] Insgesamt wurden im Zuge der Stadterweiterung sechs Tore errichtet. Neben den beiden angeführten waren dies:
Mit der Erweiterung wurden im vergrößerten Stadtgebiet viele der heutigen Altstadtstraßen angelegt. Die wichtigsten und bekanntesten sind: Bergerstraße, Bolkerstraße, Flinger Straße, Kurze- mit Andreasstraße, Markt mit Marktstraße, Mühlengasse mit Mühlenstraße und Ratinger Straße. Die zu dieser Zeit angelegten neuen größeren Straßen sind auch heute noch vorhanden, wenn auch die Commisariatsstraße nach 1738 in Akademiestraße umbenannt wurde und sich die Schreibweise der Hun(d)srückenstraße in ohne „d“ änderte.
1424 betrug die Anzahl der zinspflichtigen Gebäude im Bereich Alte Stadt 48, in der Vorstadt 25 und in der Neuen Stadt 76.[24] Das Stadtgebiet war zu dieser Zeit somit noch nicht dicht bebaut. Zwischen den Gebäuden lagen noch bis etwa Mitte des 16. Jahrhunderts landwirtschaftlich genutzten Flächen.[25]
Zu Beginn des 15. Jahrhunderts entsprach die Ausdehnung der Stadt etwa der des heutigen Stadtteils Altstadt. Die Zahl der Einwohner wurde auf etwa 3000 für Ende des 16. Jahrhunderts geschätzt.[23] Mit der Vergrößerung der Altstadt und dem Zuwachs an Bewohnern stieg der Bedarf an Kirchen. Diese wurden meistens im Zuge der Ansiedlung von Klöstern zusammen mit den Gebäuden als Klosterkirchen errichtet. Im 15. bis Anfang des 17. Jahrhunderts wurden folgende Kirchen neu angelegt:
Bereits in der Urkunde zur Stadterhebung 1288 wurden zwei Güter mit Namen „Die zwei Berge“ erwähnt.[29] Ob diese mit den zwei Rittergütern: „Der grosse Düsselstein“ und „Isselstein“, identisch sind, ist nicht eindeutig belegbar. Die Gebäude dieser beiden innerhalb der zweiten Stadtmauer liegenden Güter sind bis in das 18. Jahrhundert urkundlich nachweisbar und lagen im Bereich Anfang Mittelstraße bis zur Wallstraße.[30] In einer Karte für den 28. Juni 1758 sind landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen sowohl vor dem Ratinger als auch vor dem Flinger Tor eingezeichnet.[31][Anm. 6]
Da seit 1521 die Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg vereinigt worden waren, entstand in Düsseldorf als Residenzstadt der Herzöge für zusätzliches Personal Bedarf an weiteren Gebäuden. Im 16. Jahrhundert wurde unter Wilhelm dem Reichen 1549–51 das Stadtschloss prächtig ausgebaut. Dieses war davor, besonders durch die Brände von 1492 und 1510 und die nachfolgenden einfacheren Ausbauten, in keinem repräsentativen Zustand mehr. Weiterhin ordnete der Herzog an, dass alle neuen Gebäude in der Stadt, sofern sie an der Straße lagen, aus Brandschutzgründen nur noch aus Stein gebaut werden durften. Weiterhin mussten die Dächer mit Tonpfannen statt Stroh gedeckt werden.[23]
1545 wurde in einem vom Herzog am Stiftplatz zur Verfügung gestelltem Gebäude das erste Gymnasium in der Stadt gegründet. In der Regierungszeit von Wilhelm dem Reichen erfolgte 1570–1573 auch der Bau des ersten Teiles des heutigen Düsseldorfer Rathauses mit roter Backsteinfassade. Für den Neubau wurde ein um 1500 von der Stadt gekauftes und als Rathaus benutztes ältere Gebäude abgerissen. Dieses neue Gebäude, das heutige „Alte Rathaus“, war der „ersten Flügel“ an dem später noch zwei weitere „Flügel“ angebaut wurden.[32] Damals grenzte das Rathaus westlich an ein Gebäude in dem sich die „Kurfürstliche Kanzlei“ befand. Beide Gebäude wurde später zum aktuellen Alten Flügel zusammengefasst.
Die Befestigungsanlagen wurden weiter verstärkt und 1538 mit dem Bau der Zitadelle im Südwesten der Stadtbefestigung begonnen. In einer Stadtskizze für diese Zeit ist die Zitadelle bereits eingezeichnet, die Lage der Wassergräben vor den Befestigungsanlagen entsprechen aber weitgehend noch der ursprünglichen Anordnung. Die Wassergräben, ausgenommen die neuen im direkten Bereich der Zitadelle, verliefen damals vom Rhein über den späteren Bergerhafen, dem Maxplatz, der aktuellen nördlichen Bebauung des Carlsplatzes, kreuzten den Bereich der heutigen Mittelstraße und danach die Grabenstraße und Stadtbrückchen bis zum Stadtgraben. Bis auf den Hafenbereich wurden diese Gräben alle bis zum Stadtgraben verfüllt und neue südlich und östlich von der Zitadelle angelegt.[33] Das innerhalb der Stadtmauern liegende Gelände im Südwesten der Stadt wurde durch die Zitadelle vergrößert. Ein weiterer Ausbau zu einer Festungsstadt wurde in der Periode des Jülich-Klever Erbfolgestreites um 1614 unter Herzog Wolfgang Wilhelm vorgenommen. Im Zuge dieser Änderungen wurden auch Mittel- und Grabenstraße auf den aufgefüllten alten Wassergräben angelegt.
Der historische Bergerhafen, der zwischen Rhein und Hafenstraße lag, wurde im Zuge der Arbeiten für die Zitadelle und den Veränderungen an den Wassergräben vor den Festungsanlagen 1620 angelegt. Der Bau der Zitadelle war erst 1620 abgeschlossen. Mit der Fertigstellung der Zitadelle wurde zum selben Zeitraum auch die alte Berger Pforte abgerissen und durch das neu errichtete Berger Tor am Ende der Citadellstraße ersetzt. Neben der Citadellstraße entstanden in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts auch Hafen- und Schulstraße. Die Besiedelung dieses neuen Stadtgeländes begann erst ab 1641.[34]
Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis Ende des 18. Jahrhunderts, besonders während der Residenzzeit der Herzöge Philipp Wilhelm und Jan Wellem in Düsseldorf, wurden die nörd- und südlichen Teile der Altstadt zwecks Bebauung für die steigende Bevölkerungszahl erweitert. Im nördlichen Bereich wurden Reuterkaserne, Ritterstraße und die Ursulinengasse neu angelegt. Im südlichen Stadtbereich entstand für die Anbindung der Carlstadt die Mittelstraße. Im Bereich der Zitadelle wurde an der westlichen Stadtmauer zwischen Schul- und Bäckerstraße, der ältere Teil der Dammstraße angelegt.[35]
Unter Jan Wellem wurde eine größere Stadterweiterung einschließlich einem neuen Stadtschloß geplant. Beides kam jedoch nicht mehr zur Ausführung, da einerseits die finanziellen Mittel dafür fehlten und andererseits der Herzog relativ früh starb.
Im Südosten vor der Altstadt und deren Befestigungsanlagen wurden diese durch einen zweiten vorderen Verteidigungsbereich verstärkt. Innerhalb des hierdurch entstehenden Geländes zwischen den beiden Bereiches wurde ein größeres Kasernengelände angelegt. Hierdurch wurden die bei den Bewohnern der Stadt sehr unbeliebten ‚Einquartierungen‘ bei Kriegswirren nicht mehr notwendig.[9] Der Zugang zu diesem Verteidigungsbereich mit Kasernengelände erfolgte über ein „Kasernenbrückchen“ das später „Stadtbrückchen“ genannt wurde.[36]
Die Nachfolger von Jan Wellem, die Herzöge Karl Philipp und Carl Theodor, hatten ihre Residenz nicht mehr in Düsseldorf sondern in Mannheim. Trotzdem erfolgten besonders unter Herzog Carl Theodor in der Stadt umfangreiche Veränderungen. Ab 1755 wurde das Stadtschloss aufwendig restauriert. Ebenfalls in der Regierungszeit dieses Herzogs wurden die Festigungsanlagen weiter ausgebaut und das umschlossene Stadtgelände dabei im südlichen Bereich erheblich vergrößert. Am 7. September 1787 wurden in einer Bekanntmachung des Herzogs zusätzliche Grundstücke zum Kauf für eine Bebauung angeboten. Die Gebäude mussten innerhalb von drei Jahren gebaut und Fundamente und Keller bis „vor Ende Julius 1788“ fertiggestellt sein.[37] Bereits bis 1791 waren 86 Häuser errichtet worden.[38] Die Grundstücke gehörten zu dem Gelände, das im Bereich der ehemaligen Berger- und Flinger-Bastion lag. Es entstand dort die Carlstadt[Anm. 7], die auf dem Areal der in diesem Bereich abgerissenen Befestigungsbauten angelegt wurde. Sie gehört deshalb nicht zur historischen Altstadt, wenn sie auch von den meisten Düsseldorfern mit zur „Altstadt“ gezählt wird. Der Bereich zwischen Schulstraße bis zur Bäckerstraße, der innerhalb der Zitadelle lag, gehörte bereits vor dieser letzten Erweiterung der Befestigungsanlagen zum Stadtgebiet und war schon bebaut. Er gehört damit zum älteren Teil, wird aber trotzdem der Carlstadt zugerechnet. Neben Carlsplatz wurden folgende bekannteren Straßen in der Carlstadt neu angelegt: Bastionstraße, Bilker Straße, Hohestraße und Kasernenstraße.
Durch die Erweiterung und zusätzlicher Bebauung stieg der Bedarf an Kirchen in dieser Zeitperiode weiter an. Es kam zu folgenden neuen Kirchenbauten:
Neben diesen katholischen Kirchen wurden auch für die Minderheit der evangelischen Christen (Lutheraner und Reformierte) in der Altstadt je eine Kirche gebaut. Diese mussten entsprechend der damaligen Vorschriften im Herzogtum in Hinterhöfen angelegt werden. Wie gering Mitte des 17. Jahrhunderts der Anteil der Nichtkatholiken in der Bevölkerung war zeigte eine Zählung von 1658. Zu diesem Zeitpunkt wohnten in der Stadt 13848 katholische, 707 reformierte und 213 lutherische Christen.[42] Es wurden gebaut:
Da die Kurfürsten nach Jan Wellem in Düsseldorf nicht mehr ihre Residenz hatten, ergaben sich einige Änderungen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (1764–66) wurde auf der Mühlenstraße ein neuer Marstall und eine Residenz für die Vertreter der Kurfürsten gebaut.[43] Hierfür wurden diverse Gebäude und das alte Opernhaus (genannt: „kurfürstliches Tummelhaus“) abgerissen.[44] Im Bereich des heutigen Marktplatzes wurde 1746–1747 neben dem Grupellohaus als Ersatz für das alte Opernhaus ein Komödienhaus errichtet.[45]
1801 im Frieden von Lunéville war vertraglich die Schleifung der Befestigungsbauwerke vereinbart worden. Die Stadtmauer und fünf der sechs Stadttore wurden ebenfalls abgebrochen.[46] Nur das Berger Tor blieb vorerst stehen und wurde zur Verbesserung der Verkehrssituation erst 1895 abgerissen.[47] Durch den Abriss von Mauern, Wällen und Toren ab Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt zum Umland hin geöffnet um der Anschluss an die bereits teilweise bebauten und angrenzenden heutigen Stadtteile Pempelfort, Düsseldorf-Stadtmitte, Friedrichstadt und Unterbilk, wenn man die Carlstadt mit zur Altstadt zählt, hergestellt.
Die Festungsanlagen umschlossen die Altstadt einschließlich Carlstadt und gehörten damit nicht zu deren urbanen Bereich. Weite Teile der nordwestlichen und mittleren Festungsanlagen wurden zu Parkgelände umgestaltet und mit dem bereits zwischen Schloss Jägerhof und bis dem Bereich des Ratinger Tors bestehenden Stadtpark, zu dem aktuellen Hofgarten zusammengelegt. Das Ratinger Tor wurde abgerissen und das heutige in der Verlängerung der Ratinger Straße namensgleiche Tor errichtet. Im südöstlichen Teil bereits vorhandenen Kasernen mit Exerzierplatz wurden während der Franzosenzeit renoviert und stark in Anspruch genommen. Teile des südlichen Bereiches waren nach der Schleifung für längere Zeit zuerst ein Ödbereich, das sogenannte „Kacheloch“ gehörte zum Beispiel hierzu, bevor ab etwa Mitte des 19. Jahrhunderts dieser Teil auch städtebaulich erschlossen wurde.[48]
Neue Straßen entstanden für die Altstadt nur im Bereich der Befestigungsanlagen, soweit diese Verbindung zu den bereits vorhandenen alten Straßen der Altstadt hatten. Dies waren: Heinrich-Heine-Allee und Breite Straße, diese damals jedoch nur bis zur Benrather Straße.
Nördlich der Altstadt wurde in der Franzosenzeit 1810 bis 1811 ein neuer und größerer Sicherheitshafen angelegt. Der Bergerhafen, der unter anderem diese Sicherheitsfunktion bisher hatte, wurde nun nicht mehr benötigt. Er wurde durch einen Damm vom Rhein abgetrennt und 1831 aufgefüllt. Die Dammstraße, die vorher an der Schulstraße begann, konnte dadurch bis zur Rheinstraße verlängert werden.[49]
Dadurch, dass Düsseldorf nach 1813 keine Residenzfunktionen mehr hatte, fehlten zu Anfang des 19. Jahrhunderts Wachstumsimpulse. Die Stadt gehörte von 1820 bis 1872 zum „Kreis Düsseldorf“ und war in dieser Periode keine kreisfreie Stadt mehr. Mit Beginn der Industrialisierung Deutschlands Mitte des 19. Jahrhunderts ergaben sich auch für die weitere Entwicklung Düsseldorfs wieder vielfältige neue Möglichkeiten. Diese betrafen zwar überwiegend die anschließenden Stadtteile aber auch deren Anschluss an die Altstadt. Auf dem Stadterweiterungsplan von 1854 ist die Altstadt als eigenständiger Stadtteil neben der Carlstadt, Pempelfort, der Neustadt und der Friedrichstadt zu erkennen.[50]
Nach dem Brand des Stadtschlosses 1872 wurde dieses einschließlich des nicht abgebrannten Südflügels bis 1892 abgerissen und der Schlossplatz vergrößert. Lediglich der Schlossturm war vom Abriss nicht betroffen und gehört noch heute zu den Wahrzeichen der Stadt.
Bei der Erweiterung der Altstadt nördlich der Rittergasse entstanden im 19. Jahrhunderts vor dem neuen Sicherheitshafen einige neue Straßen. 1875–1879 wurde die Kunstakademie an der Eiskellerstraße errichtet. Dieses Gebäude war der Ersatz für die bis zum Brand 1872 im Düsseldorfer Schloss untergebrachte Königlich-Preußische Kunstakademie. Die bereits 1769 von Kurfürst Karl Theodor als Kurpfürstliche-Pfälzische Academie gegründete Kunstakademie, Keimzelle der Düsseldorfer Malerschule, bekam damit ein eigenes repräsentatives Domizil.[51]
Um die Altstadt zum Rhein hin zu öffnen, wurden die Häuser auf der Westseite der Krämerstraße mit der Rampe für das ehemalige Kohlentor 1896–1897 teilweise abgerissen. Es folgte die Rheinufervorschiebung 1898–1900. Dadurch konnte 1899–1902 eine Rheinuferpromenade einschließlich Uferstraße mit vorgelagerter und tieferliegender Rheinwerft angelegt werden. Der ältere Teil der Dammstraße ab Schulstraße wurde nach der Anlegung der Rheinuferpromenade umbenannt und gehörte nun zum Rathausufer.[52] Weiterhin wurden neue Gebäude für Verwaltung und Firmensitze sowie hochwertige Wohn- und Miethäuser an der Rheinfront von der Altstadt errichtet. Das Düsselschlösschen, ein bekanntes Weinlokal bis zum Zweiten Weltkrieg, entstand zwischen Rheinwerft und Uferstraße ebenfalls zu dieser Zeit.[53]
Nach dem Abriss von Palais und Wohnhäusern auf der Mühlenstraße wurde 1913 das Amts- und Landgericht in diesem Bereich neu errichtet. Der ehemalige Mühlenplatz mit einer alten Mühle wurde zuerst zum Paradeplatz umgewandelt und und im 19. Jahrhunderts zum Friedrichsplatz mit der von 1878 bis 1881 errichteten Alten Kunsthalle.[27]
Bedingt durch den steigenden Wohlstand zu Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges wurden viele Häuser in der Altstadt in dieser Zeit aufwendig modernisiert und erweitert oder durch prachtvolle Neubauten ersetzt. Die ersten großen Warenhäuser, das Warenhaus Hartoch, Baujahr 1896, Warenhaus Tietz, Baujahr 1907–1909 und das Carsch-Haus, Baujahr 1913–1915, wurden ebenfalls in oder am Rande der Altstadt errichtet.
Im Zweiten Weltkrieg waren auch in der Altstadt viele Gebäude zerstört worden. Nach Ende des Krieges wurden diese Gebäude häufig am alten Standort und mit historischer Fassade wieder aufgebaut. Daneben wurden aber auch in der Altstadt viele Gebiete für Bebauung mit den zugehörigen Straßen und Plätzen stark verändert. Hierdurch wurde besonders die Verkehrsführung am Rande der Altstadt dem modernen Autoverkehr angepasst und einige Straßen später im Kernbereich in Fußgängerzonen umgewandelt. Dies betraf besonders folgende Abschnitte:
Gegen Ende des 20. Jahrhunderts gegann eine weitere Umbau- und Neubauphase für Düsseldorf, die auch die Altstadt betraf und aktuell noch betrifft. Diese Änderungen sind Folge der Verlagerung von Amts- und Kommunialgebäuden aus der Altstadt in andere Stadtbezirke, Abriss alter kleinerer Gebäude zwecks Errichtung neuer moderner Gebäudekomplexe und die Vergrößerung des Museums K20.
Durch die Verlagerung von Amts- und Kommunaleinrichtungen wurden alte Gebäude frei, deren weitere Nutzung oder Umbau oder Neubau auch aktuell noch nicht abgeschlossen ist. Dies betrifft beispielsweise die Gebäudebereiche von Theresienhospital, Amts- und Landgericht und Arbeitsamt. Das Gebiet zwischen Grabbe-Platz und Ratinger Straße wurde durch die Erweiterung des Museum K20 und der neuen Gebäudekomplexe Ratinger Straße Nr. 23+25 Anfang des 21. Jahrhunderts bereits neu gestaltet.
Obwohl die Altstadt nur 0,23 % der Stadtfläche ausmacht, befinden sich hier auf engem Raum wichtige Institutionen der Stadtverwaltung, Kultureinrichtungen wie die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, die Kunsthalle, der Kunstverein, die Kunstakademie und das Kom(m)ödchen sowie zahlreiche kirchliche Einrichtungen. Bis auf das Rathaus befinden sich diese Einrichtungen im nördlichen Teil der Altstadt. Im mittleren Teil der Altstadt, insbesondere im Bereich der Bolkerstraße und der umliegenden Straßen und Gassen liegen die meisten der zahlreichen Kneipen und Restaurants, die ein großer Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen sind.
Daneben ist die Altstadt auch ein beliebter Einkaufsort. Mit dem Carsch-Haus verfügt der Stadtteil über ein Luxuskaufhaus. Neben verschiedenen bekannten Einzelhandelsketten gibt es zahlreiche Geschäfte und Boutiquen, die nicht-alltägliche Waren anbieten. Die Flinger Straße ist eine der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands und weist einen hohen Filialisierungsgrad auf. Die als Fußgängerzone gestaltete Straße spricht vor allem ein junges Publikum an.
Mit dem Bau des Rheinufertunnels 1993 entstand eine drei Kilometer lange Promenade entlang des Rheins, die eine Attraktion für Fußgänger, Skater und Fahrradfahrer ist. Im Bereich der Altstadt ab Burgplatz befinden sich zahlreiche Gaststätten vor den Kasematten der ehemaligen Werften, ergänzt um weitere gastronomische Einrichtungen auf permanent vor Ort liegenden Rheinschiffen.
Von überregionaler Bedeutung ist die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Die Dichte von Kneipen und Restaurants, davon viele mit Außengastronomie zur Straße, lassen, insbesondere an Sommerwochenenden, südländisches Flair aufkommen. Auch die historischen Gaststätten und Brauereien sind sehenswert. Der Schlossturm kann besichtigt werden und beherbergt das Schifffahrtsmuseum, das die Geschichte der Rheinschifffahrt seit der Römerzeit darstellt.
Das wohl älteste Bauwerk der historischen Kernstadt ist die Basilika St. Lambertus, deren Geschichte bis in das Jahr 1159 urkundlich belegt ist und die 1394 vollendet wurde. Sie ist eine dreischiffige Basilika in rheinischer Backsteingotik. Vom herzoglichen Schloss ist hingegen nur der Schlossturm auf dem Burgplatz übrig geblieben. Er beheimatet das Schifffahrtsmuseum. Das Rathaus von Düsseldorf wurde von Heinrich Tussmann 1570 bis 1573 errichtet und erfuhr danach mehrere Erweiterungen und Veränderungen. Direkt davor auf dem historischen Marktplatz befindet sich das Reiterstandbild von Jan Wellem. Das Grabmal Jan Wellems befindet sich hingegen im Mausoleum der St.-Andreas-Kirche.
Ebenso in der Altstadt findet man das Geburtshaus Heinrich Heines, welches allerdings nur an der Stelle des abgerissenen Hauses steht, in dem der Dichter das Licht der Welt erblickte. In der nördlichen Altstadt befindet sich das St.-Ursula-Gymnasium, welches eine sehr lange Tradition als Schule des Ordens der Ursulinen hat.
Zum Rhein hin geht die Altstadt in die Rheinuferpromenade über, unter der sich der Rheinufertunnel befindet.
Neben der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen befindet sich auch die Kunsthalle Düsseldorf direkt gegenüber im Stadtteil Altstadt, in der Nähe der Heinrich-Heine-Allee, an deren Südende mit dem Wilhelm-Marx-Haus das erste Bürohochhaus Deutschlands zu finden ist.
Die wohl bekannteste Düsseldorfer Kneipe ist die Hausbrauerei Zum Uerige unweit des Rheinufers. Als Treffpunkt der Kunstszene der nahe gelegenen Kunstakademie gilt hingegen die Brauerei im Füchschen, in der etwa Joseph Beuys ein oft gesehener Gast war. Die langlebigste Tradition dagegen hat sicher „En de Canon“. Das Brauhaus Schumacher kann in seiner Geschichte bis in das Jahr 1838 zurückblicken und ist für sein besonders herbes Bier bekannt. Weitere bedeutende Kneipen in der Altstadt sind:
Bezirk 1: Altstadt | Carlstadt | Derendorf | Golzheim | Pempelfort | Stadtmitte Bezirk 2: Düsseltal | Flingern-Nord | Flingern-Süd Bezirk 3: Bilk | Flehe | Friedrichstadt | Hafen | Hamm | Oberbilk | Unterbilk | Volmerswerth Bezirk 4: Heerdt | Lörick | Niederkassel | Oberkassel Bezirk 5: Angermund | Kaiserswerth | Kalkum | Lohausen | Stockum | Wittlaer Bezirk 6: Lichtenbroich | Mörsenbroich | Rath | Unterrath Bezirk 7: Gerresheim | Grafenberg | Hubbelrath | Ludenberg Bezirk 8: Eller | Lierenfeld | Unterbach | Vennhausen Bezirk 9: Benrath | Hassels | Himmelgeist | Holthausen | Itter | Reisholz | Urdenbach | Wersten Bezirk 10: Garath | Hellerhof