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Amphetamin

Strukturformel
Strukturformel von Amphetamin
(R)-Amphetamin (links) und (S)-Amphetamin (rechts)</br>Stereoisomere
Allgemeines
Freiname Amfetamin
Andere Namen
  • (±)-1-Phenylpropan-2-amin (IUPAC)
  • α-Methylbenzenethanamin
  • α-Methylphenethylamin
  • 1-Phenyl-2-aminopropan
  • ÎČ-Phenylisopropylamin
  • ÎČ-Aminopropylbenzen
  • Desoxynorephedrin
Summenformel C9H13N
CAS-Nummer
  • 300-62-9
  • 60-13-9 (als Sulfat)
PubChem 3007
ATC-Code

N06BA01

DrugBank DB00182
Kurzbeschreibung

amin-artig riechende, scharf schmeckende FlĂŒssigkeit [1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

indirektes Sympathomimetikum

Wirkmechanismus

Noradrenalin/Dopamin-Freisetzung

Verschreibungspflichtig: BtMG
Eigenschaften
Molare Masse 135,21 g·mol−1
Aggregatzustand

flĂŒssig

Dichte

0,93 g·cm−3 [1]

Schmelzpunkt

27 °C [1]

Siedepunkt

200–203 °C [1]

Dampfdruck

17 hPa (83 °C) [2]

pKs-Wert

10,13 [3]

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die eingeschrĂ€nkte GĂŒltigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [4]
06 – Giftig oder sehr giftig

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 301
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 301+310 [4]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [5]

T
Giftig
Amphetaminsulfat
R- und S-SĂ€tze R: 23/24/25
S: (1)-7-22-26-28-36/37/39-45
LD50

21 mg·kg−1 (Maus, peroral) [3]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Amphetamin (alpha-Methylphenethylamin, auch Phenylisopropylamin oder Speed) ist eine synthetisch hergestellte Substanz mit stimulierender Wirkung. Sie wird als Arzneistoff verwendet sowie auch als nicht-halluzinogenes Rauschmittel (Droge) konsumiert.

Das Amphetamin ist die Stammverbindung der gleichnamigen Substanzklasse, der viele psychotrope Substanzen angehören, unter anderem MDMA und das in der Natur vorkommende Ephedrin. Es ist ein indirektes Sympathomimetikum und hat somit eine anregende Wirkung auf das Zentralnervensystem. Aufgrund seiner stimulierenden und euphorisierenden Wirkung wird Amphetamin als Rauschmittel eingesetzt. Der Handel und Besitz von Amphetamin ohne Erlaubnis ist in den meisten europÀischen LÀndern, u. a. in Deutschland strafbar. Illegal wird es meist unter den Namen Speed und Pep angeboten.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Die Erstsynthese des Amphetamins gelang 1887 dem rumĂ€nischen Chemiker Lazăr Edeleanu an der Humboldt-UniversitĂ€t zu Berlin.[6] 1927 prĂ€gte der US-amerikanische Chemiker Gordon Alles den Namen Amphetamin, sich ableitend aus der heute veralteten chemischen Bezeichnung alpha-Methylphenethylamin. Es zĂ€hlt zu den Weckaminen (Amine mit „aufweckender“ Wirkung).

UrsprĂŒnglich als Bronchospasmolytikum und zur Gewichtskontrolle verwendet, wird es heute aufgrund des Suchtpotenziales sowie anderer Nebenwirkungen medizinisch nur noch zur Behandlung der Narkolepsie und der Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung (ADS/ADHS) eingesetzt, aber vor allem in den USA steigt die Zahl der Verschreibungen von Amphetamin in Form des FertigprĂ€parats Adderall seit Jahren stetig an. In Deutschland sowie den meisten anderen LĂ€ndern werden bei diesen Indikationen allerdings andere, wirkungsĂ€hnliche Medikamente bevorzugt: Bei ADS das Methylphenidat, bei der Narkolepsie Modafinil. Als AppetitzĂŒgler war das Amphetaminderivat Fenfluramin seit den 1960er-Jahren in Gebrauch, es wurde 1997 aufgrund von Nebenwirkungen, die in seltenen FĂ€llen lebensbedrohlich sein können, vom Markt genommen. Amphetamin wird auch als Dopingmittel gebraucht.

Als Rauschmittel ist Amphetamin aufgrund seiner Wirkungen wie UnterdrĂŒckung von MĂŒdigkeit und der Steigerung des Selbstbewusstseins vor allem in der Partyszene verbreitet. Die Menge an beschlagnahmtem Amphetamin in der EuropĂ€ischen Union nimmt seit 1985 mehr oder weniger stetig zu; wĂ€hrend ab 1999 eine gewisse Stagnation erreicht wurde, stieg die Zahl in den skandinavischen LĂ€ndern weiter an.[7][8]

Entwicklung und Verbreitung

Vor 1900 bis 1950

1950 bis heute

  • in den 1950er-Jahren erreichte der Amphetaminge- und -missbrauch in Japan enorme Ausmaße, es wird von ĂŒber zwei Millionen Konsumenten ausgegangen. In Europa (dort vor allem in Schweden) und den USA steigt die Zahl von MissbrauchsfĂ€llen ebenfalls rapide an.
  • 1959 gab es erste Berichte ĂŒber Konsumenten in den USA, die den Inhalt der Benzedrine- Inhalatoren injizieren, im Zuge dessen wurden zur Injektion missbrauchbare Inhalatoren vom Markt genommen; erste FĂ€lle von illegal produziertem Amphetamin wurden bekannt.
  • 1970: Amphetamin wurde in den Vereinigten Staaten in Schedule II des Controlled Substances Act aufgenommen, somit wurden Handel, Besitz und Herstellung ohne Genehmigung strafbar; durch einen Arzt verschreibungsfĂ€hig war es weiterhin.
  • bis in die spĂ€ten 1970er Jahre war Amphetamin in Form von Benzedrin in Deutschland relativ leicht ĂŒber den Arzt erhĂ€ltlich.
  • im 1981 neugefassten BtMG wurde Amphetamin in Anlage III aufgefĂŒhrt, was Handel, Besitz und Herstellung ohne Genehmigung unter Strafe stellt, vom Arzt konnte es allerdings nach wie vor verschrieben werden. Heute ist das (kaum psychoaktive) Levoisomer in Anlage II als nicht verschreibungsfĂ€hig aufgefĂŒhrt, das Racemat und das Dextroisomer weiterhin in Anlage III.
  • 1994 brachte Shire Pharmaceuticals in den Vereinigten Staaten Adderall (bis zu 30mg Amphetamin je Tablette) als Mittel gegen ADS auf den Markt.
  • In den USA wird Amphetamin weiterhin medizinisch genutzt.
  • In der Drogenszene ist Amphetamin weltweit weit verbreitet, wenn auch das Amphetaminderivat Methylamphetamin (Crystal, Meth) vor allem in den USA, Asien sowie Osteuropa oft die grĂ¶ĂŸere Bedeutung hat.
  • Im MilitĂ€r verschiedener LĂ€nder wird Amphetamin wahrscheinlich bis heute zur Leistungssteigerung eingesetzt.

Pharmakologie

(rac)-Amphetamin besteht aus den beiden Stereoisomeren Dextro- und Levoamphetamin, ersteres liefert verstĂ€rkt die gewĂŒnschten Effekte und wird daher als Eutomer bezeichnet, letzteres als Distomer.

Dextroamphetamin

Transmitter-AusschĂŒttung

Die Wirkung des D-Amphetamins auf das ZNS besteht hauptsĂ€chlich in der AusschĂŒttung der Neurotransmitter Noradrenalin (NA) und Dopamin (DA) – bei einem ungefĂ€hren VerhĂ€ltnis von 3,5:1. Eine wesentliche AusschĂŒttung von Serotonin (5HT) wird dagegen nicht beobachtet.[9]

Der Freisetzungs-Mechanismus umfasst drei Schritte:

a) den Einstrom des D-Amphetamins in die prĂ€synaptische Zelle ĂŒber den Transporter

b) die Freisetzung der Neurotransmitter aus den Vesikeln (SpeicherblÀschen innerhalb der Zelle) in den Zellinnenraum (Zytosol)

c) den aktiven Transport der Transmitter vom Zellinneren in den außerzellulĂ€ren Raum (synaptischer Spalt), mittels einer Richtungsumkehrung des zellmembranstĂ€ndigen Transporters (Inversion).

Auf diese Weise wird der extrazellulÀre Transmitterspiegel erhöht. Im Gegensatz zum Prinzip der Wiederaufnahmehemmung geschieht dies unabhÀngig vom Signalimpuls der Nervenzelle.

Die wiederholte Einnahme (in rascher Folge) von D-Amphetamin fĂŒhrt zu einer kurzfristigen Toleranzentwicklung durch Tachyphylaxie. Die Speichervesikel in den Neuronen erschöpfen sich nach mehrmaliger Stimulation, sodass nach Eintritt der Tachyphylaxie kein Noradrenalin und Dopamin mehr zur AusschĂŒttung zur VerfĂŒgung steht. Die Tachypyhlaxie endet erst einige Stunden spĂ€ter, wenn sich die Speichervesikel wieder mit den Neurotransmittern aufgefĂŒllt haben.

Pharmakokinetik

Die Plasmahalbwertszeit des D-Amphetamins betrĂ€gt ungefĂ€hr zehn Stunden, es dauert also etwa zwei Tage, bis der Stoff aus dem Organismus völlig eliminiert ist. Die Lipidlöslichkeit ist LogP = 1,799 [10], es verteilt sich also bevorzugt im Fettgewebe. Seine Proteinbindung betrĂ€gt zwischen 25 und 40 %, die Metabolisierung findet in der Leber durch das Cytochrom-P450-Isoenzym 2D6 statt[10].

Toxikologie

Die LDLo (Lethal Dose Low/niedrigste publizierte letale Dosis) beim Menschen liegt bei 1,3 mg/kg; bei 75 kg Körpergewicht entsprĂ€che das etwa 100 mg. Bei bestehender Toleranz liegt die Dosis bedeutend höher, so sind FĂ€lle von Einzeldosen von 1000 mg und Tagesdosen von bis zu 5000 mg bekannt. Versuche mit Affen zeigten eine deutliche höhere relative ToxizitĂ€t bei Jungtieren, die LD50 in mg/kg lag dort etwa 65 % bis 75 % unter der von adulten Tieren.[11]

Chemie

Allgemeines

Der offizielle IUPAC-Name ist 1-Phenylpropan-2-amin. Amphetamin enthĂ€lt ein Stereozentrum am Kohlenstoffatom C2 und ist damit chiral. Es ist ein Homologon des Phenylethylamins. Die Base, eine farblose bis sehr schwach gelbliche, ölige FlĂŒssigkeit, ist wenig löslich in Wasser, löslich in Alkoholen, Ether und schwachen SĂ€uren wie EssigsĂ€ure. Mit alkoholisch verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure geht es eine Reaktion ein und bildet das ausfallende Sulfat-Salz. Die Base hat einen charakteristischen Amingeruch. Bei höherer Luftkonzentration vermerkt man ein Brennen der SchleimhĂ€ute (Augen, Nase).

Industrielle Herstellung

Es existiert eine Vielzahl unterschiedlichster Syntheserouten. In der pharmazeutischen Industrie wird Amphetamin in der Regel durch Kondensation von 1-Phenyl-2-propanon (Phenylaceton/P2P) mit Ammoniak und anschließender Reduktion hergestellt. Dabei entsteht racemisches (RS)-Amphetamin [(RS)-1-Phenylpropan-2-amin], also ein 1:1-Gemisch aus (R)-Amphetamin [(R)-1-Phenylpropan-2-amin] und (S)-Amphetamin [(S)-1-Phenylpropan-2-amin]:

Synthese von (RS)-Amphetamin aus P2P

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In den USA lag die von der DEA genehmigte Produktionsmenge im Jahr 2000 bei 15.000 kg, entsprechend 500.000.000 Einzeldosen zu 30 mg.[12]

Illegale Synthese

Illegales Methamphetaminlabor in den Vereinigten Staaten.

In der illegalen Produktion wird Methamphetamin beispielsweise durch Reduktion von Norephedrin (Phenylpropanolamin) mit Iod und rotem Phosphor oder aus Phenylaceton (P2P) gewonnen. Konnte Amphetamin frĂŒher auch von Privatleuten relativ ungehindert aus Vorstufen wie Phenylaceton und Hydroxylamin synthetisiert werden, wurden diese Chemikalien zunehmend von den Behörden beobachtet, bzw. bei Phenylaceton und Norephedrin die ungenehmigte Herstellung und der Handel unter Strafe gestellt (GrundstoffĂŒberwachungsgesetz). Dadurch entstand fĂŒr illegal arbeitende Produzenten ein Bedarf an Ersatzstoffen, die nicht ĂŒberwacht wurden. So wurden PhenylessigsĂ€ure unter anderem nach und nach in die illegale Produktion einbezogen. Seit Jahrzehnten gibt es immer neue Anweisungen fĂŒr Herstellungsmöglichkeiten von Amphetamin, die Stoffe benutzen, die noch nicht verdĂ€chtig sind. Auch auf diese Herstellungswege werden die Behörden schließlich aufmerksam und der Kreislauf setzt sich fort. Sogenannte „OTC-Methoden“ (Over-the-Counter, engl. fĂŒr „Über-die-(Laden)theke“ was etwa „frei erhĂ€ltlich“ bedeutet) verbreiten sich daher zunehmend. Die Bezeichnung steht fĂŒr die Gewinnung von benötigten VorlĂ€uferstoffen aus rezeptfreien Medikamenten oder anderen frei verfĂŒgbaren Waren (Reiniger, Autozubehör), deren Abgabe anders als bei Reinstoffen nicht wirksam reglementierbar ist. So konnte beispielsweise Norephedrin (PPA) in den Vereinigten Staaten bis 2002 aus rezeptfreien Appetithemmern gewonnen werden.

Illegal wird Amphetamin hauptsĂ€chlich durch Reduktion von Phenyl-2-nitropropen mit Al(Hg) oder LiAlH4 oder reduktive Aminierung von Phenylaceton und Ammoniak + Al(Hg) hergestellt. Als leicht erhĂ€ltliche Ausgangsstoffe dienen Benzaldehyd und Nitroethan oder die Ester der PhenylessigsĂ€ure. Die bei dieser Herstellung anfallenden Chemikalien werden zumeist auch illegal entsorgt: Lösemittel (Aceton, Ether, Methanol u. a.), SĂ€uren (SchwefelsĂ€ure, SalzsĂ€ure) werden meist in BehĂ€ltern nachts in freiem GelĂ€nde abgeladen oder in FlĂŒsse entleert, teils auch (dazu gehören Wasserstoffkartuschen) in Brand gesteckt.[13] Unter anderem in den USA und den Niederlanden – beides Staaten mit hoher illegaler (Meth-)Amphetaminproduktion – wachsen die UmweltschĂ€den durch giftige Nebenprodukte teilweise zu gravierenden Problemen heran. Bei der Herstellung von 1 Kilogramm Amphetamin fallen je nach Syntheseroute 5 bis 20 Liter AbfĂ€lle an. Neben der QuantitĂ€t hĂ€ngt auch die Art und die Giftigkeit der AbfĂ€lle von der jeweiligen Syntheseroute ab.[13]

Wirkung

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Amphetamin ist ein so genanntes Sympathomimetikum: Es wirkt stimulierend auf den Sympathikus. Im Gehirn bewirkt Amphetamin die AusschĂŒttung und Wiederaufnahmehemmung von Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin, wodurch sich eine enorm hohe Konzentration dieser drei Substanzen ergibt. Der Organismus wird in einen Zustand versetzt, der als „Fight-Flight-Freeze“ („KĂ€mpfen, FlĂŒchten, Erstarren“) bezeichnet wird und der in lebensbedrohlichen Lagen sinnvoll wĂ€re. Dabei werden körperliche Mechanismen ausgeschaltet, die nicht ĂŒberlebensnotwendig sind (etwa Hunger, Durst, MĂŒdigkeits- und Schmerzempfinden). Kraft, Schnelligkeit und Libido werden hingegen erheblich gesteigert (vorrangig durch Adrenalin/Noradrenalin), um den Organismus möglichst effizient reagieren zu lassen. Kreislauf und Körper bereiten sich auf eine hohe Belastung vor, indem sie den Blutdruck steigern und die Bronchien zur vermehrten Aufnahme von Sauerstoff weiten. Das Selbstbewusstsein wird gesteigert bis zur Euphorie (vorrangig durch Dopamin), und die Aggressionsschwelle wird stark gesenkt. Das soll eine körperliche Verteidigung gegen Gefahr erleichtern. Außerdem wird das Bewusstsein stark auf ein bestimmtes Ereignis konzentriert (ursprĂŒnglich auf die Gefahr), was man auch als „Tunnelblick“ bezeichnet.

10 mg Adderall-Tablette.

Löst man diese Reaktionen des Körpers kĂŒnstlich durch Amphetamin aus, so ergeben sich verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Zum einen die Appetithemmung, weshalb verschiedene Amphetaminderivate als DiĂ€tmittel genutzt werden. Die Verringerung des SchlafbedĂŒrfnisses kann dort genutzt werden, wo Menschen ĂŒber lange Zeit Leistung erbringen mĂŒssen oder wollen, beispielsweise als Schichtarbeiter, Fernfahrer, PartygĂ€nger oder Soldaten. Die Steigerung des Selbstbewusstseins ist ein Grund des Einsatzes von Amphetamin als Rauschmittel. Die Konzentration des Bewusstseins auf bestimmte Aufgaben macht sich die Medizin beim Einsatz von Amphetamin bei HyperaktivitĂ€t zu Nutze, da sich konzentrationsschwache Menschen danach lĂ€nger auf eine Aufgabe konzentrieren können.

Auch die rein körperlichen Wirkungen werden medizinisch genutzt. So kam Amphetamin frĂŒher als Asthmamittel zum Einsatz, da das Abschwellen der SchleimhĂ€ute und vor allem die Weitung der Bronchien ein freieres Atmen ermöglichen. Heute findet man diesen Zusammenhang noch bei verschiedenen Antiallergika, die Pseudoephedrin enthalten. Pseudoephedrin ist ein Amphetaminderivat (genauer eines Methamphetamins) und fĂŒhrt daher auch ein Abschwellen der SchleimhĂ€ute herbei, was unter anderem bei Heuschnupfen erwĂŒnscht ist, hat nur sehr geringe psychoaktive Wirkung, was eine deutlich freiere und risikoĂ€rmere Anwendung ermöglicht, weshalb Amphetamin bei solcher Indikation gar nicht mehr zum Einsatz kommt.

Akute Hauptwirkungen

  • Appetithemmung
  • Mobilisierung letzter Kraftreserven und Verringerung des SchlafbedĂŒrfnisses
  • Steigerung des Selbstbewusstseins bis hin zur Euphorie
  • erhöhte Aufmerksamkeit und KonzentrationsfĂ€higkeit (bei hohen Dosen ĂŒberdecken die anderen Wirkungen diese, so dass eher Bewegungsdrang bis zur NervositĂ€t bleibt)

Verwendung als Rauschmittel

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Körperlich

Diese Erscheinungen und Auswirkungen sind auf das stark erhöhte Adrenalin und Noradrenalin im Körper zurĂŒckzufĂŒhren.


Des Weiteren können auch diese Erscheinungen auftreten:

Die IntensitÀt jeder einzelnden Erscheinung schwankt jedoch extrem von Organismus zu Organismus und von Individuum zu Individuum.

Psychisch

  • erhöhtes Selbstbewusstsein bis hin zur Euphorie
  • erhöhtes Konzentrationsvermögen
  • Fahrigkeit und Unruhe
  • erhöhte Risikobereitschaft
  • NervositĂ€t
  • gesteigertes MitteilungsbedĂŒrfnis und Redefluss (Laberflash/Logorrhoe)
  • gesteigertes sexuelles Verlangen
  • Rush-Effekt, die Umgebung bewegt sich schneller
  • GrĂ¶ĂŸenwahn
  • Schlafstörungen
  • Paranoia

Verwendung als Medikament

Körperlich

  • Abschwellen der SchleimhĂ€ute
  • Weitung der Bronchien
  • Verengung der GefĂ€ĂŸe
  • Erhöhter Herzschlag
  • Muskeltonus erhöht sich (um eine schnellere Kontraktion des Muskels zu ermöglichen)

Psychisch

  • erhöhtes Konzentrationsvermögen
  • Schlafstörungen

Die oben genannten Effekte können unterschiedlich stark auftreten, da der Wirkstoff je nach Darreichungsform unterschiedlich schnell im Darm resorbiert wird.

Chronischer Abusus

Körperlich

  • Gewichtsverlust (bei hoher Langzeiteinnahme)
  • Potenzstörungen
  • NierenschĂ€den

Psychisch

  • Auslösung einer Psychose (Amphetamin-Psychose), die meist nach Tagen abklingt
  • Schlafstörungen
  • Paranoide Wahnvorstellungen
  • Psychische AbhĂ€ngigkeit

Wirkung der verschiedenen Enantiomere

Es existieren zwei Enantiomere des Amphetamins, von denen das Dextroisomer (D-Amphetamin) fĂŒr die Hauptwirkungen wie Stimulation, Steigerung der KonzentrationsfĂ€higkeit, Appetithemmung oder erhöhtes Selbstbewusstsein verantwortlich ist, wĂ€hrend das Levoisomer (L-Amphetamin) eher die rein körperlichen, peripheren Wirkungen wie erweiterte Pupillen (Mydriasis), Mundtrockenheit und Schweißbildung hervorruft. Manche AmphetaminprĂ€parate wie das DexedrineÂź enthalten daher nur das Dextroisomer, was eine „sauberere“ Wirkung zur Folge hat. Allgemein handelt es sich bei Amphetamin (sowohl aus legaler wie illegaler Produktion) sonst immer um das Racemat, eine Mischung aus (leicht variierend je nach Syntheseroute) 50 % D-Amphetamin und 50 % L-Amphetamin, so dass hundertprozentige D-Amphetamin-PrĂ€parate wie DexedrineÂź nur halb so hoch dosiert werden mĂŒssen. Da dieser Unterschied in der Wirkung der Isomeren bei fast allen Amphetaminen auftritt, ist in den USA beispielsweise ein Inhalator mit L-Methamphetamin frei erhĂ€ltlich – anders als das Racemat ruft dieses nĂ€mlich nur ein Abschwellen der SchleimhĂ€ute hervor.

Medizinischer Gebrauch

D/L-Amphetaminsulfat in Kapseln zu 10 mg.

Ab Anfang der 1930er-Jahre wurde Amphetamin zunÀchst als Bronchodilatator (Mittel zur Erweiterung der Bronchien, wie es beispielsweise bei Asthma oder Atemwegserkrankungen zum Einsatz kommt) genutzt, die stimulierende und konzentrationsfördernde Wirkung war noch unbekannt.

1937 vergab der Psychiater Charles Bradley in einer Studie Benzedrin an verhaltensauffĂ€llige Kinder, deren Störungen sich daraufhin besserten.[14] Er wiederholte die Studie im Jahr 1941. Bradleys Studien gelten als grundlegend fĂŒr die Psychopharmakotherapie von Kindern.[15]

Gegen Ende der 1930er-Jahre entdeckte man weitere Wirkungen des Amphetamins und mit der Zahl der daraus resultierenden neuen Indikationen stieg auch die Zahl der Verschreibungen rasch an. Es wurde nun als Asthmamittel, gegen Depressionen, zur Leistungssteigerung, bei Stress, ErkĂ€ltungen oder Allergien sowie anderen Erkrankungen verordnet, was dazu fĂŒhrte, dass Amphetamin lange Zeit relativ problemlos ĂŒber einen Arzt erhĂ€ltlich war. In dieser Zeit gab es schon KombiprĂ€parate (z. B. DexamylÂź) die neben Amphetamin auch ein starkes Beruhigungsmittel (meistens verschiedene Barbiturate) gegen dessen Nebenwirkungen enthielten, eine Kombination die heute als wenig sinnvoll und riskant angesehen wird, aber damals gerne und oft als Mittel fĂŒr gestresste Hausfrauen verschrieben wurde. WĂ€hrend Amphetamin bis Ende der 1970er-Jahre als BenzedrinÂź in Deutschland (frei) verschrieben wurde, ist es heute nur noch auf BetĂ€ubungsmittelrezept verschreibungsfĂ€hig. Zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS) hat sich in Deutschland das teilweise umstrittene Methylphenidat durchgesetzt, so dass es zwischenzeitlich in Deutschland kein Amphetamin-Fertigarzneimittel mehr gab. Seit Dezember 2011 ist das PrĂ€parat AttentinÂź mit dem Wirkstoff Dexamfetamin (enthalten als wasserlösliches Dexamfetaminhemisulfat) zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 18 Jahren auf dem deutschen Markt verfĂŒgbar. In den Vereinigten Staaten ist Amphetamin fĂŒr die medikamentöse Behandlung von ADHS schon seit Jahren auf dem Vormarsch und wird in stetig steigender Zahl anstelle von Methylphenidat verschrieben, meistens als AdderallÂź, seltener als DexedrineÂź.[12] Trotz der hohen Anzahl an Verschreibungen in den Vereinigten Staaten, gerade an SchĂŒler, gibt es laut einer Studie von 2001 im Auftrag des US-amerikanischen Kongresses keine HĂ€ufung von MissbrauchsfĂ€llen.[16]

Bei korrekter Anwendung von Amphetaminderivaten, beispielsweise bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/HyperaktivitĂ€tsstörung unter Ă€rztlicher Aufsicht, sind keine FĂ€lle von Sucht bekannt. Die Dosierung liegt dabei zu Anfang der Behandlung bei 5 bis 10 mg/Tag und kann bis auf 60 mg/Tag gesteigert werden. Zum einen sind die verschriebenen Dosen somit meistens wesentlich kleiner als die beim Missbrauch, zum anderen entfĂ€llt in diesem Fall meistens die euphorisierende Wirkung, unter anderem da hier stets eine orale Konsumform im Gegensatz zum sonst gĂ€ngigen „Schniefen“, dem nasalen Konsum, zum Einsatz kommt, was eine weit geringere Anflutgeschwindigkeit zur Folge hat. Es gibt Hinweise nach denen die Anflutgeschwindigkeit (die Geschwindigkeit, mit der eine Substanz das Gehirn erreicht) in sehr engem Zusammenhang mit einer Suchtentwicklung steht, was die angesprochenen fehlenden SuchtfĂ€lle erklĂ€ren wĂŒrde. Eine weitere Indikation ist die Narkolepsie, bei der heute Modafinil verschrieben wird, das als völlig neuer nicht-amphetamin-Ă€hnlicher Strukturtypus entwickelt wurde.

Nichtmedizinischer Gebrauch

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Illegal werden Amphetamine als Pulver oder seltener in Pillenform konsumiert. Das Pulver wird meistens durch die Nase aufgenommen, im Allgemeinen mit einem zu einem Ziehröhrchen geformten PapierstĂŒck, einem abgeschnittenen Strohhalm oder einem Metallziehröhrchen, möglich sind aber auch oraler sowie parenteraler und rektaler Konsum (s.u.). Im Vergleich zum Kokain sind die Preise eher niedrig. Die EuropĂ€ische Beobachtungsstelle fĂŒr Drogen und Drogensucht berichtet, dass 2009 der ĂŒbliche Verkaufspreis von Amphetamin in der HĂ€lfte der BerichtslĂ€nder in Europa zwischen 5 und 30 Euro pro Gramm liegen.[17] Laut Bundeskriminalamt wurden 2010 in Deutschland rund 1.200 Kilogramm Amphetamin sichergestellt, 33.482 Straftaten standen im Zusammenhang mit (Meth-) Amphetamin und deren Derivaten.[18] Amphetamin, von Konsumenten meistens als Speed, Pep oder Amphe bezeichnet, wird in Deutschland und Europa hauptsĂ€chlich in der Techno-Szene konsumiert, um die langen NĂ€chte durchhalten zu können. In anderen Gegenden (vor allem Asien – dort allerdings eher Methamphetamin („Yaba“)) – zieht sich der Konsum durch breitere Bevölkerungsschichten, Arbeiter, Manager und Hausfrauen steigern dadurch ihre LeistungsfĂ€higkeit. Es macht wach, erzeugt eine leichte Euphorie und ermöglicht stundenlanges Tanzen oder andere energiezehrende TĂ€tigkeiten, seien sie körperlicher oder auch geistiger Natur. Nach dem Konsum kommt es oft zu einem GefĂŒhl der NervositĂ€t und Abgespanntheit („Abturn“); der Körper fordert die dringend benötigte Ruhe ein, aber das noch nicht vollstĂ€ndig abgebaute Amphetamin verhindert das. Aus diesem Grund ist es verbreitet, sich etwa mit Cannabis zu beruhigen („herunterzurauchen“). Teilweise werden auch stĂ€rkere Beruhigungsmittel (meistens Benzodiazepine wie RohypnolÂź (Flunitrazepam) oder ValiumÂź (Diazepam)) eingenommen, um zur Ruhe zu kommen. Gerade die UnterdrĂŒckung der Symptome durch Benzodiazepine ist sehr gefĂ€hrlich, da der Konsument in einen Teufelskreis der abwechselnden Einnahme von aktivierenden (Amphetamin) und beruhigenden (Benzodiazepin) Medikamenten geraten kann, wobei jedes Mittel jeweils die Nach- und Nebenwirkungen des anderen bekĂ€mpfen soll.

Neben dem nasalen Konsum kann Amphetamin auch oral (durch den Mund) konsumiert werden, wobei es meistens in Zigarettenpapier gewickelt („Bomben“ oder „Bömbchen“) oder in GetrĂ€nken gelöst wird. WĂ€hrend die orale Aufnahme bei medizinischer Anwendung die gĂ€ngige Darreichungsform ist, trifft man sie ansonsten seltener an. Das dĂŒrfte daran liegen, dass beim oralen Konsum die Wirkung langsamer eintritt und es aufgrund des langsameren Anflutens zu keiner ĂŒberwĂ€ltigenden Wirkung („Kick“) kommt. Die Wirkung jedoch hĂ€lt insgesamt lĂ€nger an. Amphetamin hat oral eine BioverfĂŒgbarkeit von 25%. Ebenfalls möglich ist der Konsum per Injektion. Diese Konsumform ist aber selten anzutreffen, was unter anderem an der Nicht-Akzeptanz und daraus resultierender sozialer Kontrolle in der typischen Amphetaminkonsumenten-Szene liegen mag.

Anders als beim Methamphetamin („Crystal“) ist es nicht möglich, Amphetamin zu rauchen. Der Grund dafĂŒr ist, dass das auf dem Schwarzmarkt am hĂ€ufigsten auftretende Amphetaminsalz, das Amphetaminsulfat, einen so hohen Siedepunkt hat, dass es sich vorher zersetzen, also zerstört werden wĂŒrde. Theoretisch rauchbar sind das Amphetaminhydrochlorid, das hygroskopisch ist und deshalb selten auf dem Schwarzmarkt erhĂ€ltlich ist, und die Amphetaminbase, welche einen deutlich niedrigeren Siedepunkt haben; allerdings ist die Base, wie bei fast allen Amphetaminderivaten auch (und im Gegensatz zum Beispiel zur kristallinen Kokainbase/Crack), flĂŒssig und in dieser Form so gut wie nie auf dem Schwarzmarkt erhĂ€ltlich.

Bei plötzlichem Absetzen des Amphetamins bei Dauerkonsumenten kommt es zu Entzugserscheinungen. Symptome des Amphetaminentzugs sind: Lethargie, Depressionen bis hin zu Selbstmordtendenzen, Apathie, Angst und Schlafstörungen. Möglich sind auch Muskelschmerzen (Myalgie), Bauchschmerzen und ĂŒbermĂ€ĂŸiger Appetit. Den Höhepunkt erreichen die Symptome erst nach zwei bis drei Tagen und ebben dann langsam ab. Anders als beispielsweise ein Benzodiazepinentzug ist der Amphetaminentzug körperlich ungefĂ€hrlich. Die vorgenannten Symptome sind mögliche Extreme, in der Regel jedoch lĂ€sst sich der Amphetaminentzug als ein Zustand der körperlichen TrĂ€gheit und als ein allgemeines UnlustgefĂŒhl beschreiben.

Abbau und Nachweiszeiten

Amphetamine werden im Darm fast vollstĂ€ndig aufgenommen und dann ungleichmĂ€ĂŸig im Körper verteilt. Die höchste Konzentration findet sich im Fettgewebe. Nach enzymatischem Abbau in der Leber werden Amphetamine als wasserlösliche SĂ€ure im Urin ausgeschieden. Ca. 90 Prozent der aufgenommenen Droge werden innerhalb von drei bis vier Tagen ausgeschieden. Die Ausscheidungsmenge ist vom pH-Wert des Urins abhĂ€ngig. Je saurer der Urin (z. B. durch Einnahme von AscorbinsĂ€ure oder sauren FruchtsĂ€ften), umso schneller die Ausscheidung.

Strecken von Amphetamin

Das weiß-gelbliche Pulver, das dem Endverbraucher illegal als Speed angeboten wird, besteht nur zu einem kleinen Anteil aus Amphetamin (meistens nur 30 %), sehr selten kann auch Methamphetamin beigemischt sein. Die Streckmittel machen gut 70 % des Gemisches aus, es handelt sich hierbei in der Regel um Lactose (Milchzucker) (in 78 % der Proben), Coffein (65 %), Glucose (8 %) und seltener das Analgetikum Paracetamol, Magnesiumsulfat (Bittersalz) oder Mannitol.[19] Um den bitteren Geschmack zu ĂŒbertonen, wird Speed auch mit Aromen versetzt, was allerdings auf dem Drogenmarkt kaum eine Rolle spielt.

Im Gegensatz zu den EuropĂ€ischen Staaten kommt es in den USA wesentlich hĂ€ufiger vor, dass noch Methamphetamin beigemischt wird, was vermutlich auf die bessere VerfĂŒgbarkeit der fĂŒr die Synthese benötigten Ausgangsstoffe zurĂŒckzufĂŒhren ist (EphedrinprĂ€parate waren in den USA bis MĂ€rz 2005 rezeptfrei erhĂ€ltlich).

Da Speed also ein Gemisch von diversen Substanzen mit einem unbekannten Amphetaminanteil ist, besteht fĂŒr den Konsumenten stets das Risiko einer Überdosierung, sowie der UnvertrĂ€glichkeit von Streckmitteln.

Paste

Amphetamin wird illegal auch als „Paste“ gehandelt, die oft leicht feucht und klumpig nach Amin riecht (Geruch nach Fisch, der beginnt zu verwesen). Die Masse ist meist eine Mischung aus Base und Salz.

Risiken, Nebenwirkungen und Suchtgefahr

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Siehe: Diskussion:Amphetamin#Quellenangabe_zur_Behauptung_Dauerkonsum_von_Amphetamin_Dosen_.3E60_mg_f.C3.BChren_zu_Nervensch.C3.A4digungen
  • Zu den Nebenwirkungen zĂ€hlen erhöhter Blutdruck und Pulsfrequenz, trockene SchleimhĂ€ute, erweiterte Pupillen, Appetitlosigkeit (auch als Hauptwirkung zĂ€hlbar), Harnverhalt (Unvermögen trotz Harndrang die Harnblase zu entleeren) und eine abfĂŒhrende Wirkung.
  • Bei höheren Dosierungen kann es zu zwanghaften Bewegungen oder sogar KrĂ€mpfen der Kau- und Wangenmuskulatur kommen. Die Folgen davon sind oft noch Tage nach dem Konsum zu spĂŒren.
  • Kurzzeitige Folgen sind Unruhe, AngstzustĂ€nde sowie Schlaflosigkeit. Amphetamine können eine starke psychische AbhĂ€ngigkeit hervorrufen. Es besteht die Gefahr einer Amphetaminpsychose.
  • Bei Dauerkonsum kann es zu NervenschĂ€digungen, schweren Konzentrationsproblemen, Knochenschwund, Verlust des Zahnschmelzes (durch Calciummangel) und weiteren LangzeitschĂ€den kommen.
  • Da der Amphetamingehalt im Speed nie genau bekannt ist, kann es zu Überdosierungen kommen (eine tödliche Dosis kann bei einem Menschen mit 75 kg Körpergewicht schon bei etwa 100 mg Amphetamin liegen).
  • Da Amphetamin den Körper in einen „Notfallbetrieb“ schaltet, werden wichtige Signale wie Hunger, Durst und MĂŒdigkeit unterdrĂŒckt, eine möglicherweise daraus resultierende VernachlĂ€ssigung dieser BedĂŒrfnisse fĂŒhrt zu einem körperlichen wie geistigen Auslaugen durch NĂ€hrstoff- und Schlafmangel. Eine erhöhte AnfĂ€lligkeit gegenĂŒber Infekten, körperliche/geistige SchwĂ€che etc. sind die Folgen. Ebenso können aufgrund des Schlafmangels optische TĂ€uschungen bis hin zu Halluzinationen auftreten.
  • Es kann zu einer VernachlĂ€ssigung sozialer Verpflichtungen (Familie, Schule, Beruf, Beziehung) kommen.
  • Wie bei allen illegal erworbenen Drogen ist stets unsicher, woraus der Stoff sich zusammensetzt, oft sind andere psychoaktive Substanzen wie Coffein oder Ephedrin, neutrale Streckmittel wie Lactose oder eventuell auch starkwirksame Substanzen wie Methamphetamin enthalten. Drugchecking hat deshalb eine wichtige Bedeutung zur Risikominderung.
  • Werden Amphetamine hĂ€ufig geschnupft, kann es zu einer SchĂ€digung bis zur Auflösung der Nasenscheidewand kommen, Ă€hnlich wie bei Kokain.
  • Das Suchtrisiko hĂ€ngt von genetischen Faktoren sowie von der psychosozialen Situation der Person ab. Im Tiermodell konnten manche Individuen ihren Amphetaminkonsum lebenslang flexibel regulieren, bei 50 % dagegen trat nach einer gewissen Zeit eine AbhĂ€ngigkeit mit massiver Dosissteigerung und Erwerb einer Toleranz auf, die auch nach erzwungenem Entzug bestehen blieb[20].
  • Bei höheren Dosen kann es trotz des gesteigerten sexuellen Verlangens bei MĂ€nnern zu Erektionsstörungen kommen.
  • Es kann nach dem Konsum zu einem Zusammenziehen der Schwellkörper bei MĂ€nnern kommen, welche in der Regel innerhalb von 1-2 Tagen wieder nachlĂ€sst.
  • Es verdichten sich Hinweise, dass Amphetamingebrauch das Risiko, spĂ€ter an Morbus Parkinson zu erkranken, deutlich erhöht.[21]
  • Amphetamine weisen ein deutlich neurotoxisches Potenzial auf. Dadurch fĂŒhrt chronischer Konsum, Ă€hnlich wie beim Alkoholmissbrauch, zu einem Abbau der Gehirnsubstanz, wodurch es zu bleibenden geistigen, somatomotorisch-sensiblen und psychischen SchĂ€den kommen kann, welche sich dann auch nach Beendigung des Konsums nicht mehr zurĂŒckbilden.[22]

Rechtsstatus

In der Bundesrepublik Deutschland ist Amphetamin im BtMG aufgefĂŒhrt: in Form des Racemats oder des Dextroamphetamins in Anlage III (verschreibungsfĂ€hig)[23], als Levoamphetamin in Anlage II (nicht verschreibungsfĂ€hig; siehe auch BtMVV).[24] Handel und Besitz ohne Rezept oder Genehmigung sind strafbar. In den USA ist Amphetamin erfasst in Schedule II des Controlled Substances Act, was den Besitz und Handel ohne Rezept oder Genehmigung unter Strafe stellt.[25] Es ist dort zugelassen fĂŒr die Indikationen Narkolepsie und ADS.

Seit 1998 lautet in der Bundesrepublik Deutschland die behördliche Schreibweise Amfetamin, sie wurde damit der WHO-Nomenklatur angepasst.[26]

FĂŒr einen Patienten darf der Arzt in der Bundesrepublik Deutschland innerhalb von 30 Tagen 600 mg Amphetamin verschreiben. In begrĂŒndeten EinzelfĂ€llen und unter Wahrung der erforderlichen Sicherheit des BetĂ€ubungsmittelverkehrs darf der Arzt fĂŒr einen Patienten, der in seiner Dauerbehandlung steht, von dieser Vorschrift hinsichtlich der festgesetzten Höchstmenge abweichen. Eine solche Verschreibung ist mit dem Buchstaben „A“ zu kennzeichnen.[27] Bis zur Neufassung der BtMVV vom 20. Januar 1998 (in Kraft getreten am 1. Februar 1998) durfte der Arzt fĂŒr einen Patienten an einem Tage bis zu 200 mg Amphetamin (das heißt maximal 6 Gramm pro Monat) verschreiben.[28] FĂŒr Dextroamphetamin gibt es keine Höchstmenge.

Handelsnamen

MonoprÀparate

Attentin (D) mit dem Wirkstoff Dexamfetaminhemisulfat

Literatur

  • Walter Reginald Bett u. a.: Amphetamin in der klinischen Medizin. Springer, Berlin 1956.
  • Sean Connolly: Amphetamines. Heinemann Library, Chicago 2000, ISBN 1-57572-254-2.
  • Hans Cousto: Drogen-Mischkonsum. Das Wichtigste in KĂŒrze zu den gĂ€ngigsten (Party-)Drogen. Nachtschatten, Solothurn 2003, ISBN 3-03788-119-4.
  • Hans-Christian Dany: Speed. Eine Gesellschaft auf Droge. Edition Nautilus, Hamburg 2008, ISBN 3-89401-569-1.
  • A. K. Cho, David S. Segal: Amphetamine and Its Analogs. Psychopharmacology, Toxicology, and Abuse. Academic Press, San Diego 1994, ISBN 0-12-173375-0.
  • Nicolas Rasmussen: On Speed. The Many Lives of Amphetamine. New York University Press, New York 2008, ISBN 0-8147-7601-9.
  • Alexander Shulgin, Ann Shulgin: Pihkal. A chemical Love Story. Transform Press, Berkeley 1992, ISBN 0-9630096-0-5.
  • Stephen Smith: Sucht. Die Geschichte des Stephen Smith. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 978-3-548-31215-6.

Weblinks

 Commons: Amphetamines â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Amphetamin â€“ in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Thieme Chemistry (Hrsg.): Römpp Online. Version 3.1. Thieme, Stuttgart 2007.
  2. ↑ Eintrag zu Amphetamin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 23. Dez. 2007 (JavaScript erforderlich)
  3. ↑ a b Amphetamin bei ChemIDplus
  4. ↑ a b Datenblatt DL-Amphetamine sulfate salt bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 20. MĂ€rz 2011.
  5. ↑ Sicherheitsdatenblatt fĂŒr Amphetaminsulfat – FAGRON GmbH & Co.KG 18. September 2008
  6. ↑ Lazăr Edeleanu (1887): Über einige Derivate der PhenylmethacrylsĂ€ure und der PhenylisobuttersĂ€ure. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Bd. 20, Nr. 1, S. 616–622. Abstract
  7. ↑ EMCDDA 2001 Indikatoren fĂŒr den Drogenmarkt – Sicherstellungen, Preis, Reinheit
  8. ↑ UNO-Statistik 2003 (engl.)
  9. ↑ Rothmann, Baumann 2002: Therapeutic and adverse actions of serotonin transporter substrates; PMID 12163129.
  10. ↑ a b Amphetamin. In: DrugBank
  11. ↑ IPCS INCHEM: Toxicity of amphetamine (englisch).
  12. ↑ a b PBS Statistics on stimulant use (englisch).
  13. ↑ a b Europol: The „Dirty“ and Dangerous Side Effects of Synthetic Drugs Production (englisch).
  14. ↑ Bradley C.: The Behavior of Children Recieving Benzedrine, in: American Journal of Psychiatry, 1937, Nr. 94, S. 577-581.
  15. ↑ Madeleine P. Strohl: Bradley's Benzedrine Studies on Children with Behavioral Disorders, in: Yale Journal of Biology and Medicine, 2011, Nr. 84, S. 27-33.
  16. ↑ United States General Accounting Office 2001: Attention Disorder Drugs. Few Incidents of Diversion or Abuse Identified by Schools (englisch, PDF).
  17. ↑ EuropĂ€ische Beobachtungsstelle fĂŒr Drogen und Drogensucht: Drogenproblematik in Europa 2009
  18. ↑ Jahreskurzlage Rauschgift 2010, Datenzur RauschgiftkriminalitĂ€t des BKA.
  19. ↑ BKA 2002: Reinheitsgehalte (PDF).
  20. ↑  Gabriel Galli, Jochen Wolffgramm: Long-term voluntary D-amphetamine consumption and behavioral predictors for subsequent D-amphetamine addiction in rats. In: College on Problems of Drug Dependence (Hrsg.): Science Direct - Drug and Alcohol Dependence. Vol. 73, Nr. 1, Elsevier, Amsterdam [u.a.] 7. Januar 2004, ISSN 0376-8716, S. 51 - 60, doi:10.1016/j.drugalcdep.2003.09.003 (Kostenpflichtig, Kostenlos: Abstract, Article Outline, abgerufen am 23. September 2010).</span>
  21. ↑ American Academy of Neurology vom 20. Februar 2011: Using Amphetamines May Increase Risk of Parkinson’s Disease (abgerufen 22.Februar 2011).
  22. ↑ Amphetamine. neuro24.de. Abgerufen am 24. Juli 2011.
  23. ↑ Anlage III zu § 1 Abs. 1 BtMG
  24. ↑ Anlage II zu § 1 Abs. 1 BtMG.
  25. ↑ Schedule II Section d des CSA (engl.).
  26. ↑ 10. BtMÄndV Art. 1 Nr. 1 Buchst. b; Art. 1 Nr. 3; Art. 3 (BGBl. I, S. 74).
  27. ↑ § 2 BtMVV (Verschreiben durch einen Arzt).
  28. ↑ 4. BtMÄndV Art. 4 vom 23. Dezember 1992 (BGBl. 1992 I S. 2483; 2487).
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