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Antifeminismus bezeichnet im allgemeinen eine Gegenbewegung zum Feminismus. So wie es verschiedene Strömungen des Feminismus gibt, existiert auch Antifeminismus in unterschiedlichen Formen und Ausprägungen. Antifeminismus ist von den Begriffen Misogynie (Vorstellung einer ontologischen Minderwertigkeit der Frau) sowie Frauenfeindlichkeit (bewusste Handlung und politische Praktik, um die Diskriminierung von Frauen in die Tat umzusetzen) zu unterscheiden.[1] Der Begriff wurde im Deutschen Kaiserreich um die Wende zum 20. Jahrhundert von der Frauenrechtlerin Hedwig Dohm in ihrem Buch Die Antifeministen geprägt, wobei sie diesen in Anlehnung an den zu diesem Zeitpunkt bereits etablierten Begriff Antisemitismus kreierte.[2] Da die Phänomene Antifeminismus, Misogynie und Frauenfeindlichkeit in der gesellschaftlichen und politischen Praxis miteinander verbunden sein können, werden sie in der Literatur zum Teil synonym verwendet.[3]
Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff Antifeminismus eine gegen den Feminismus gerichtete kritische Haltung. Die Kritik des Antifeminismus richtete sich dabei gegen unterschiedliche Ausprägungen dieses Phänomens. Dazu gehören Haltungen, die sich gegen eine Theorie zugunsten der Angleichung der Rechte der Geschlechter in Gesellschaft und Politik richten; aber auch Einstellungen gegen eine organisierte Bewegung zur Durchsetzung dieser Rechte sowie Einstellungen gegen das Geltendmachen der Ansprüche der Frauen als soziale Gruppe und der von ihnen erarbeiteten Theorien.[4]
Neben diesen wesentlichen Zielrichtungen kann der Antifeminismus darüber hinaus Auffassungen in sein kritisches Blickfeld nehmen, mit denen die Notwendigkeit enormer sozialer Veränderungen zur Vergrößerung der Macht der Frauen vertreten wird.[4] Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich gezeigt, dass sich die Kritik an feministischen Positionen bis hin zum politisch organisierten, antifeministischen Kampfverband steigern konnte.[5]
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In Anlehnung an die Studie Antifeminismus von Ute Planert stellte die Historikerin Christiane Streubel heraus, dass im Deutschen Kaiserreich der Antifeminismus insbesondere durch die Alldeutschen (z.B. Ernst zu Reventlow), Rassenhygieniker (Max von Gruber, Carl von Behr-Pinnow), konservative Vertreter des Luthertums sowie Funktionäre von Berufsverbänden wirkungsvoll in der Öffentlichkeit verbreitet wurde. Auf Anerkennung stießen die von ihnen vertretenden antifeministischen Positionen vor allem deshalb, weil ein großer Teil der Bevölkerung in Deutschland mit dem Wandel der Geschlechterverhältnisse, der sich immer deutlicher abzeichnete (Möglichkeit des Universitätsstudiums für Frauen; wachsende Bedeutung der Berufstätigkeit von Frauen; Forderung nach neuen politischen Rechten), nicht einverstanden war und die althergebrachte politisch bürgerliche Ordnung restabilisiert wissen wollte.[6]
Als ideen- und wirkungsgeschichtlich bedeutsam wird Friedrich Nietzsche angesehen.[7] In dem Werk des strittigen Philosophen finden sich ebenfalls einige Äußerungen, die in der Literatur als antifeministisch charakterisiert werden.[8] Die Interpretationen und kontroversen Standpunkte sind in dieser Diskussion vielfältig: So wurde beispielsweise angenommen, dass Nietzsche das Weibliche bei sich selbst verdrängt habe; andere sahen in seinen „misogynen Ausfällen“ eher eine Provokation, „hinter der sich eigentlich eine die patriarchalische Gesellschaftsordnung erschütternde Vision“ verberge.[9] Der Religionswissenschaftler und Vorsitzende der Nietzsche-Gesellschaft, Hans Gerald Hödl, vertrat die Ansicht, dass insbesondere Nietzsches Werk Jenseits von Gut und Böse „auf der oberflächlichsten Ebene“ alle antifeministischen Klischees bedient habe.[10]
Die Klischees, die sich im Umfeld des Antifeminismus verbreiteten, wurden auch in der frauenfeindlichen Literatur wiederholt; ein als misogyn und „pathologisch“ angesehenes Beispiel dieser Art ist das 1903 publizierte Buch Geschlecht und Charakter von Otto Weininger.[11] Allerdings beschränkte sich der Antifeminismus keineswegs auf das männliche Geschlecht. Eine Antifeministin, die im Deutschen Kaiserreich besonderen Erfolg hatte, war Marie Diers, deren antiemanzipatorischer Roman Fräulein Doktor aus dem Jahre 1908 in hohen Auflagen publiziert wurde. Die postulierten Anti-Positionen fanden dabei besonderen Widerhall bei Frauen, die ehrenamtlich in der protestantischen Diakonie oder kommunalen Wohlfahrtspflege sowie als Volks- und Mädchenschullehrerin, Krankenschwester und Handwerksmeisterinnen arbeiteten. Den zuletzt genannten Berufsgruppen gehörte die Mehrzahl der antifeministischen Aktivistinnen des 1912 gegründeten „Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation“ an.[6] Punkte des Angriffs dieses Antibundes waren vor allem die Frauenarbeit, das Frauenstudium, die gemeinsame Bildung von Jungen und Mädchen (Koedukation) sowie das Frauenwahlrecht.[12] Während des Ersten Weltkriegs erlangte die Frauenbewegung indessen Erfolge, obwohl die Gegner der Frauenbewegung ihre Kampagnen verstärkten und vermehrt mit antisemitischen Anspielungen koppelten. Der Krieg wirkte als Katalysator der weiblichen Politisierung. In den letzten Kriegsjahren lehnten sich selbst ausgewiesene Anti-Feministen, wie Ernst zu Reventlow, nicht mehr gegen ein zukünftig einzusetzendes Frauenwahlrecht auf.[13]
Während der Weimarer Republik begann sich der organisatorische Kern des wilhelminischen Antifeminismus aufzulösen, obwohl antifeministische Haltungen nach wie vor auf breiter Basis in der Gesellschaft wirksam waren.[14] In der SPD wurde nach 1919 zwar der Aufbau einer Frauenorganisation innerhalb der Gesamtpartei betrieben. Allerdings blieb dieses Vorhaben auf die Gründung eines Reichsfrauenbüros beschränkt; führende Funktionärinnen lehnten eine eigene autonome Organisation aufgrund ihres „proletarischen Antifeminismus“ ab.[15] Die NSDAP war dagegen die einzige Partei, die sich von vornherein auf ein Verbot des Zugangs von Frauen in führende Parteigremien festlegte.[16] Der 1921 von der NSDAP beschlossene Grundsatz des Ausschluss von Frauen von der Parteileitung wurde in der Folge auf untergeordnete politische und organisatorische Gliederungen weiter ausgedehnt. Nach Gordon A. Craig habe die NSDAP ihre antifeministische Position vom italienischen Faschismus übernommen und diesen in der Folge „konsequent und wirksam praktiziert“.[17]
Siehe auch: Maskulinismus
In der Zeit des Nationalsozialismus zeichnete sich eine partiell widersprüchliche Haltung zum Feminismus ab. Mit der „Machtergreifung“ im Jahre 1933 verloren Frauen sogleich einige bürgerliche Rechte, wie etwa das passive Wahlrecht und die Zulassung zur Habilitation an Universitäten und Hochschulen. Die Auflösung des Bund Deutscher Frauenvereine und die Gründung des Deutschen Frauenwerks bedeuteten das Ende einer eigenständigen Frauenbewegung.[18] Adolf Hitler band seine Vorstellung der Frauenfrage besonders eng an seinen Antisemitismus. 1934 sagte er: „Das Wort von der Frauenemanzipation ist ein nur vom jüdischen Intellekt erfundenes Wort, und der Inhalt ist von demselben Geist geprägt.“[19] Ein Mann, der in der NS-Bewegung an Bedeutung gewann, war der „Parteiphilosoph“ und „Parteipädagoge“ Alfred Baeumler. Baeumler vertrat eine vergleichbare Auffassung wie Hitler und Ernst Krieck; 1934 konstatierte er: „Der Staat hat die Familie und Sippe, das Weib als Mutter zur Voraussetzung, aber er ist Werk und Sache des Mannes.“[20]
Ähnlich wie im Ersten Weltkrieg schienen sich im Zweiten Weltkrieg erneut Chancen für die Berufstätigkeit von Frauen anzukündigen. Gunilla-Friederike Budde diagnostizierte mit Blick auf die „Krisenchancen“ von Studentinnen und das Werben um akademisch ambitionierte, hochqualifizierte Frauen: „Im Großen und Ganzen erschien der nationalsozialistische ‚Antifeminismus‘ als flexibel und anpassungsbereit gegenüber den Zwängen einer modernen Volkswirtschaft, besonders gegenüber den Erfordernissen erst der Kriegsvorbereitung, dann der Kriegsökonomie.“[21] Elke Frietsch und Christina Herkommer sprachen sich gegen eine „universalisierende Rede von der Frauenfeindlichkeit des Nationalsozialismus“ aus. Ihrer Auffassung nach sollte eher von Antifeminismus und „essentialistischen Geschlechterbildern“ des Nationalsozialismus gesprochen werden; zumal nach wie vor Forschungsbedarf bestehe, auf welche Weise sich der Nationalsozialismus gegenüber deutschen Frauen antifeministisch und - besonders während des Krieges - ausländischen Frauen diffamierend zeigte. Die Autorinnen merkten zudem an, dass der Nationalsozialismus das Bild verkehrt habe, indem von politischen Gegnern behauptet wurde, sie seien „selbst frauenfeindlich und hätten einen minderen kulturellen Stand“.[22]
Moderne Maskulisten bezeichnen sich häufig auch als Antifeministen,[23] um provokativer zum Ausdruck zu bringen, dass sie gegen den gegenwärtigen Feminismus sind, der sich ihrer Ansicht nach nicht wirklich für Gleichberechtigung einsetzt, sondern Frauen lediglich Privilegien und andere Vorteile verschaffen will, während er gleichzeitig Benachteiligungen von Männern ignoriert oder sogar gutheißt (siehe Affirmative Action). Sämtliche rechtlichen Benachteiligungen von Frauen seien längst beseitigt, während Männer weiterhin Diskriminierung (beispielsweise in den Bereichen Sorgerecht, Rentenalter, Wehrpflicht) ausgesetzt seien.
Viele Männerrechtler sehen Gleichberechtigung (d. h. Chancengleichheit) statt Gleichstellung (d. h. Ergebnisgleichheit) als das Ziel von Geschlechterpolitik an.[24] Deswegen halten sie den Feminismus in seiner gegenwärtigen etablierten Form nicht nur für überflüssig, sondern schädlich für das friedliche Zusammenleben der Geschlechter und die Entwicklung der Gesellschaft.
Antifeministische Denkweisen sind, nach Auffassung einiger feministisch orientierter Journalisten, auch um die Wende zum 21. Jahrhundert in der Bundesrepublik Deutschland gegenwärtig. Im Jahre 2000 schrieb die prominente Feministin und BILD-Zeitungskolumnistin Alice Schwarzer, dass es „seit 20 Jahren in den Medien üblich“ sei, „Frauen in die Schlammschlacht gegen Feministinnen zu schicken - kluge Männer sind sich schon lange viel zu schade für so was“. Sie ergänzte: „In den deutschen Medien gibt es dafür eine Hand voll Frauen, die mit dem Antifeminismus regelrecht Karriere gemacht haben.“ Als Beispiel führte sie Katharina Rutschky an, die 1998 das von ihr als solches bezeichnete „Pamphlet“ Emma und ihre Schwestern publiziert habe.[25] Katharina Rutschky hatte sich bereits in den 1970er Jahren durch ihre Aufklärung über Schwarze Pädagogik einen Namen gemacht und fühlte sich im Ausland als Feministin akzeptiert, wohingegen sie in Deutschland „Antifeministin“ sei, „weil hier das Niveau des Feminismus politisch und intellektuell über das private von Alice Schwarzer nicht hinausgekommen“ sei. Rutschky warf der deutschen Frauenbewegung Spießigkeit und Fundamentalismus vor: „Spießig ist eine Haltung, die unfroh, eng und verbissen am Althergebrachten festhält. Dem Feminismus ist es nicht gelungen, eine originelle Version von Weiblichkeit zu entwickeln und echte Lust an der neuen Freiheit auszuleben. Statt dessen klammert er wie eh und je am alten Feindbild vom bösen Mann. Fundamentalismus ist eine Haltung, die an unumstößliche Wahrheiten glaubt und alle die verfolgt, die diese vermeintlichen Wahrheiten in Frage stellen.“[26] Umstritten war 2006 die ehemalige Fernsehmoderatorin Eva Herman, deren "dualistische Denkweise" über die Geschlechter, wie sie sie in ihrem Buch Das Eva-Prinzip zum Ausdruck gebracht habe, heftige Gegenreaktionen in den Medien hervorrief.[27]
In den USA waren konservative Publizisten, wie Phyllis Schlafly in den 1970er Jahren in der Lage, das von Alice Paul verfasste Equal Rights Amendment, eine Änderung der Verfassung, die die Rechtsgleichheit der Geschlechter vorsah, zu verhindern. Das Equal Rights Amendment war jedoch auch innerhalb der feministischen Bewegung umstritten, es bildeten sich hier sowohl Unterstützergruppen pro als auch contra der Verfassungsänderung, da es Schutzgesetze für Frauen unmöglich gemacht hätte.
Während der frühe Antifeminismus eine unmittelbare Reaktion auf Emanzipationsansprüche von Frauen und eine aktive Opposition gegen die Frauenbewegung sowie gegen die von ihr vertretenen Forderungen war[28], befürworten moderne Formen des Antifeminismus Gleichberechtigung und Abschaffung von Diskriminierung, wollen aber die Diskurshoheit über Geschlechterfragen nicht einseitig dem Feminismus überlassen, sondern auch Benachteiligungen von Männern berücksichtigt wissen (siehe auch Maskulismus).[29] Dabei wird der Feminismus zum Teil massiv kritisiert, die Schweizer IG Antifeminismus spricht gar von einem schizophrenen Weiblichkeitswahn, dessen Struktur als faschistoid zu bezeichnen sei.[30]