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Der Antikommunismus ist eine politische Grundhaltung, die sich jeweils mit unterschiedlichem Gewicht gegen die Theorien, Ideologien, die politischen Bewegungen und Gruppierungen sowie die Herrschaftsform des Kommunismus richten kann.[1] In Abgrenzung zum Antibolschewismus, der sich insbesondere gegen die Festsetzung und Ausbreitung von Verhältnissen richtete, wie sie in der Sowjetunion nach der Oktoberrevolution herrschten und der oft antisemitisch motiviert war, deckt der Begriff Antikommunismus ein weitaus größeres Feld von politischen Bedeutungen ab. Als historisches und politisches Phänomen stellt der Antikommunismus keine einheitliche Weltanschauung bzw. Ideologie dar. Entscheidend und losgelöst von scheinbar nationalen Identitäten waren gesellschaftliche und wirtschaftliche Kräfte, welche unter dem Dachbegriff Antikommunismus ihre Interessen bündeln konnten. Daneben standen religiöse Überzeugungen (z. B. Katholizismus) oder in Gegnerschaft zum Kommunismus stehende politische Ideen oder Strömungen (z. B. Liberalismus und Konservatismus). Gerade aus anglo-amerikanischer Perspektive ist die Kontinuität der Interessenlage Antibolschewismus vor 1933 und Antikommunismus nach 1945 evident.
Inhaltsverzeichnis |
Mit der Entstehung sozialistischer und erster kommunistischer Ideen im 19. Jahrhundert bildeten sich gleichsam die politischen Gegenbewegungen heraus. Während des so genannten Vormärz zwischen 1815 und 1848 übernahm die entstehende Arbeiterbewegung im wachsenden Maße sozialistisch formulierte Ideen, was bei Vertretern von Bürgertum und Aristokratie die Furcht vor der Zerstörung der gegebenen sozialen und politischen Ordnung auslöste.
Hier handelte es sich um Frühformen antikommunistischer Gesinnung, die später – nach der Gründung der kommunistischen Parteien – ihren ersten Höhepunkt in der russischen Oktoberrevolution zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichten. Es gab jedoch radikale sozialistische Strömungen in der Arbeiterbewegung, von denen auch bewaffnete Aufstände ausgingen, die von bürgerlichen Regierungen mit entsprechenden Mitteln bekämpft wurden. In Frankreich kam es bei der Niederschlagung des Juniaufstands 1848 und bei dem Sieg über die Pariser Kommune im Jahr 1871 zu Massakern an Arbeitern. Damit wurde nach den Worten Thiers' die „Zivilisation“ verteidigt. In Deutschland bestimmte die Angst des Bürgertums vor dem ‚vierten Stand‘ und den radikalen Teilen der Arbeiterbewegung wesentlich sein Verhalten während der Revolution 1848/49 mit, und später – nach der Reichsgründung – fand sie in den Sozialistengesetzen des Reichskanzlers Otto von Bismarck ihren Niederschlag.
Siehe: Sozialistengesetz
Die Machtergreifung der Bolschewiki in der russischen Oktoberrevolution (auch die von ihnen ausgehende massive Unterdrückung politischer Gegner) führte in den Russischen Bürgerkrieg zwischen der Roten Armee, einer heterogenen Gruppe aus Konservativen, Demokraten, gemäßigten Sozialisten, Nationalisten und der Weißen Armee, an dem sich auch ausländische Interventionsstreitkräfte (etwa deutsche „Freikorps“-Einheiten) beteiligten. Bereits kurz nach der Oktoberrevolution kam es zu einer großangelegten Intervention alliierter Truppen, um die Revolution nach Möglichkeit im Keim zu ersticken. Im Sommer 1918 standen bspw. 13.000 US-amerikanische Soldaten in Russland.
Antikommunismus spielte auch in den westlichen Ländern eine Rolle. Die antikommunistische Welle in den USA während des Ersten Weltkriegs und danach wird als Red Scare bezeichnet. So bekämpfte der amerikanische Generalstaatsanwalt Alexander Mitchell Palmer in den sogenannten Palmer Raids angebliche Kommunisten und Anarchisten in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Im Dezember 1919 wurden 249 „resident aliens“ an Bord der UST Buford nach Russland verbracht, unter ihnen Emma Goldman. Der tatsächlich im Bürgerkrieg durch beide Parteien ausgeführte rote und weiße Terror gegen die jeweils andere Seite und gegen die Zivilbevölkerung wurde in der Berichterstattung oft ausgebaut durch Gräuelgeschichten, z. B. über Bolschewiken, die Kleinkinder aufspießen, ein auch im Ersten Weltkrieg beliebtes Thema der Greuelpropaganda der Kriegsparteien.
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1919 wurde von Großindustriellen als Reaktion auf die Novemberrevolution die Wirtschaftsvereinigung zur Förderung der geistigen Wiederaufbaukräfte gegründet, um eine Revolution in Deutschland zu verhindern. Über 33 Millionen Reichsmark wurden für den Aufbau eines nationalistischen Verlaghauses und einer Nachrichtenagentur die die gesamte nationale Presse mit Nachrichten belieferte ausgegeben. Die Leitung dieses Medienkonzerns wurde dem ehemaligen Krupp-Direktor, Vorsitzenden der Deutschnationalen Volkspartei und Besitzer der Scherl-Gruppe, eines machtvollen Medienkonzerns Alfred Hugenberg übertragen und ist als Hugenbergkonzern bekannt geworden.
Auch in europäischen Ländern kam es in den ersten Jahren nach dem Ersten Weltkrieg zu starken antikommunistischen Reaktionen der Wirtschaft sowie bürgerlicher und konservativer Kräfte, die letztlich den Faschismus in Italien, den Franquismus in Spanien und den Nationalsozialismus in Deutschland hervorbrachten.
In Deutschland spielte die Antibolschewistische Liga von Eduard Stadtler eine Rolle. Um die kommunistischen und linksradikalen Bestrebungen in Deutschland zu bekämpfen, wurde von Vertretern der Wirtschaft am 10. Januar 1919 im Berliner Flugverbandshaus der 500 Millionen schwere Antibolschewistenfonds gegründet, der von Stadtler als „die entscheidende antibolschewistische Tat“ bezeichnet wurde. Die Gelder wurden über Wirtschaftsverbände eingezogen. Auch Ernst Röhm hatte Zugang zu Geldern der Truppen und warb damit 1919 Hitler als Spitzel an, um die zunächst als links verdächtigte Deutsche Arbeiterpartei (DAP) zu beschatten. Diese Partei wurde Anfang 1920 von Hitler und Röhm übernommen und in die NSDAP umbenannt.
Der Antikommunismus zielte nach der militärischen Zerschlagung des sozialistisch orientierten Rätedemokratie 1918/1919 durch die Freikorps und die Reichswehr in starkem Maße auf den Aufbau eines deutsch-national orientierten Gegenpols. Zu der anfangs 1919 einsetzenden antibolschewistischen Bewegung gehörten auch Selbstschutzorganisationen wie der Selbstschutz Oberschlesien und die Bürgerratsbewegung. Stadtler selbst war nach eigenen Angaben maßgeblich beteiligt an der Ermordung der kommunistischen Politiker Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch Freikorps-Angehörige in Berlin.[2]
In seiner Rede vor dem Industrie-Club Düsseldorf am 26. Januar 1932 versprach Hitler den anwesenden „Wirtschaftsführern des Reiches“ die Zerschlagung der Arbeiterbewegung und warb um Unterstützung für seine Partei. Die deutschen Wirtschaftsführer spendeten auch nach dem Geheimtreffen vom 20. Februar 1933 hohe Geldsummen zur Finanzierung der NSDAP.
Die faschistischen Bewegungen in Europa inszenierten sich als Bollwerk gegen den Bolschewismus, obwohl sie ihrerseits selbst die bürgerliche, pluralistische, christlich geprägte Gesellschaft bekämpften. Auf Initiative des von Joseph Goebbels geführten Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda betrieben NS-orientierte Organisationen als „Anti-Komintern“ antisowjetische Propaganda. In seinem Buch Mein Kampf hatte Hitler den Marxismus als Teil der Verschwörung des „Weltjudentums“ betrachtet. Mit dem Schlagwort „Jüdischer Bolschewismus“ versuchte die NS-Propaganda den Antikommunismus als Rechtfertigung für Antisemitismus zu instrumentalisieren und zu missbrauchen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde am 6. Juni 1941, unmittelbar vor dem „Unternehmen Barbarossa“, der Kommissarbefehl ausgestellt, wonach Politkommissare der sowjetischen Armee nicht als Kriegsgefangene zu behandeln, sondern ohne Verhandlung zu erschießen waren.
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Während des Kalten Krieges wurde der Antikommunismus nicht nur von Sympathisanten des Kommunismus, sondern auch von bürgerlichen und linksliberalen Intellektuellen kritisiert. Thomas Mann, 1944, etwa "[konnte] nicht umhin, in dem Schrecken der bürgerlichen Welt vor dem Wort Kommunismus, diesem Schrecken , von dem der Faschismus so lange gelebt hat, etwas Abergläubisches und Kindisches zu sehen, die Grundtorheit unserer Epoche."[3] Manche der Kritiker glaubten in der westdeutschen Politik gar eine Fortführung der antikommunistischen und antibolschewistischen Ideologie des Dritten Reichs zu erkennen. Insbesondere wurde moniert, dass manche der sozialismuskritischen und antikommunistischen Medien mit zweierlei Maß messen würden; während jede (tatsächliche oder auch nur vermeintliche) Menschenrechtsverletzung in Osteuropa scharf kritisiert würde, sei man äußerst nachsichtig bei der Bewertung von politischer Verfolgung und staatlichem Terror gegen Andersdenkende in pro-westlichen (Militär)diktaturen, wie sie in den 1950er Jahren bspw. in Spanien, Portugal, zeitweise in Griechenland und der Türkei, in Südafrika und vielen Ländern Lateinamerikas herrschten. Es wurde kritisiert, dass Menschenrechtsverletzungen wie z. B. Straflager und Massaker dort oftmals verschwiegen, vertuscht, verniedlicht oder gerechtfertigt worden seien.
Auf der anderen Seite fanden sich im Westen auch immer wieder zahlreiche prominente (zumeist linksstehende) Intellektuelle und Kulturschaffende, die offensichtliche Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen in kommunistischen Staaten rechtfertigten, verharmlosten oder zumindest übersahen (etwa der französische Philosoph Jean-Paul Sartre, der zeitweilig mit dem Maoismus sympathisierte). Den kommunistischen Parteien gelang es zudem in manchen westlichen Ländern, offen oder verdeckt (etwa durch Tarnorganisationen wie die Deutsche Friedensunion), in sozialen Bewegungen wie der Friedensbewegung an prominenter Stelle mitzuwirken und für die außenpolitische Position der Sowjetunion zu werben. Raymond Aron bezeichnete den Kommunismus als „Opium für Intellektuelle“.[4]
Einige linke Kritiker des Antikommunismus haben schließlich argumentiert, es sei nicht berechtigt, die totalitären Regimes des sogenannten real existierenden Sozialismus als „kommunistisch“ zu bezeichnen. Die dortigen herrschenden Staatsparteien bezeichneten sich in der Regel als „kommunistische Parteien“ und beriefen sich auf Karl Marx und Friedrich Engels als Begründern der Idee des Kommunismus. Es wird jedoch argumentiert, dass die eigentliche kommunistische Idee in diesen Ländern nur fragmentarisch umgesetzt worden sei, zum Beispiel durch die Enteignung des Privateigentums an Produktionsmitteln.
Die Stalinschen Säuberungen, bei denen die Führungsriege der KPdSU um den sowjetischen Diktator Josef Stalin Millionen echter oder vermeintlicher politischer Gegner hinrichten ließ und die im Großen Terror und den Moskauer Schauprozessen kulminierten, hatten kaum Auswirkungen auf die Wahrnehmung des Kommunismus in der westlichen Öffentlichkeit. Auch während des Zweiten Weltkriegs spielte westlicher Antikommunismus nur eine geringe Rolle wegen des alliierten Kriegsbündnisses mit der Sowjetunion gegen Deutschland und Italien. Erst im Kalten Krieg verstärkte sich der Antikommunismus in der gesamten westlichen Welt, zunächst aufgrund der raschen West-Erweiterung der Sowjetunion durch massive Annexionen während des Zweiten Weltkrieges. Nach der Bildung des Ostblocks nach Kriegsende kam es zur Unterdrückung von Aufständen in sowjetischen Satellitenstaaten (DDR 1953, Ungarn 1956, Polen 1956 und 1980 sowie Tschechoslowakei 1968). Ein Teil der Sympathien bei linken Persönlichkeiten Westeuropas waren zu Ende, als im Sommer 1968 der „Prager Frühling“ mit Panzern niedergewalzt wurde, und noch weiter, als das sowjetische Gulag-System um 1970 bekannt wurde. Entscheidenden Anteil hatte daran der Schriftsteller Alexander Solschenizyn mit seinem Werk Der Archipel Gulag.
Die „Väter des Grundgesetzes“ wollten die Bundesrepublik Deutschland als einen antitotalitaristischen Staat verstanden wissen, der sich sowohl gegen den Nationalsozialismus als auch gegen den Kommunismus richte. Unter den sozialdemokratischen und den bürgerlichen Parteien bestand daher der so genannte „antitotalitäre Konsens“ oder auch „antiextremistische Konsens“, der von einer Äquidistanz des Staates und der Säulen der Gesellschaft zu allen „Totalitarismen“ bzw. „Extremismen“ ausging. Kommunistische Parteien und Organisationen, wie die KPD und die FDJ wurden in den 1950er-Jahren – ebenso wie die neonazistische „Sozialistische Reichspartei“ – verboten, weil sie nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichtes militant gegen die Verfassungsordnung der Bundesrepublik Deutschland gerichtete Bestrebungen darstellten. Ebenso war die Werbung für den Kommunismus durch den Verkauf von Zeitungen und Zeitschriften, z. B. aus der zum Lager der Sowjetunion gehörenden DDR verboten. Im Zusammenhang mit den Verboten der KPD (August 1956 durch das Bundesverfassungsgericht) und der FDJ (1951 durch die Bundesregierung Konrad Adenauers) wurden im Verlauf der fünfziger und sechziger Jahre nach dem damals geltenden politischen Strafrecht über 10.000 Personen mit Haftstrafen belegt und Hunderttausende von Verfahren gegen Kommunisten aber auch des Kommunismus verdächtigte Personen geführt.[5] Die Zahl der gegen Kommunisten gefällten 6688 Urteile war im Zeitraum 1951–1968 fast sieben mal so hoch wie die 999 Urteile gegen NS-Täter.[6]
Erst Ende der 1960er Jahre wurde in Westdeutschland wieder eine legale kommunistische Partei, die DKP, gegründet, oder – in der eigenen Terminologie – „neu konstituiert“. Als Beleg für staatlichen Antikommunismus in der Bundesrepublik Deutschland wurde in Teilen der Linken z. B. 1959/1960 auch die Verurteilung mehrerer Vertreter des sogenannten Friedenskomitees der Bundesrepublik Deutschland durch eine Sonderstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf empfunden, deren Wirken nicht als eine selbständig gefundene Lehre aus dem Krieg, sondern als ein Instrument der KPD bewertet wurde, „die das Westdeutsche Friedenskomitee dazu benutzte, den Boden für die Errichtung eines kommunistischen Regimes in der Bundesrepublik zu bereiten“.[7]
Antikommunismus war auch ein Motiv für den Mordversuch an Rudi Dutschke im April 1968 in Westberlin. Der verurteilte Täter Josef Bachmann, der aus München anreiste, um Dutschke zu töten, rief diesem vor der Abgabe des Schusses, der das Opfer schwer verletzte, zu: „Du dreckiges Kommunistenschwein!“[8]
Ab 1972 konnte entsprechend dem Radikalenerlass die Anstellung im öffentlichen Dienst abgelehnt werden oder die Entlassung aus ihm erfolgen, wenn begründete „Zweifel am Eintreten des Betroffenen für die freiheitliche demokratische Grundordnung bestehen“, auch wenn ein Betroffener sich weder strafbar gemacht hat noch für eine verbotene Partei tätig wird. Eine entsprechende behördliche Entscheidung war, wie alle solchen Entscheidungen, von Gerichten überprüfbar. Bei Arbeitern oder Angestellten von privaten Arbeitgebern haben staatliche Behörden in der Vergangenheit vielfach ähnliche Praktiken angewandt und durch gezielte Information des Arbeitgebers sowie Kooperation mit dem Arbeitsamt die Entlassung kommunistischer Aktivisten erwirkt.
In Deutschland zählen heute zu den Parteien, die sich auf den Kommunismus berufen die DKP, die MLPD sowie verschiedene Klein- und Kleinstgruppen mit teils trotzkistischen, teils maoistischen und anderen Lesarten des Marxismus beziehungsweise Marxismus-Leninismus. Diese Parteien und Gruppen stehen unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. In der 2007 aus der Fusion von PDS und WASG hervorgegangenen und im Bundestag vertretenen Partei Die Linke sind ebenfalls verschiedene kommunistische Strömungen vorhanden, die der Verfassungsschutz beobachtet und als linksextremistisch bewertet. Die Beobachtung durch den Verfassungsschutz wurde in einigen Bundesländern eingestellt.
Während der deutschen Besatzung Griechenlands standen sich rechtsgerichtete Gruppierungen wie EDES unter Napoleon Zervas, die Organisation X und die Sicherheitsbataillone (tagmata asfalias) der linksgerichteten Befreiungsbewegung ELAS unter Aris Velouchiotis gegenüber. Nach dem Abzug der Deutschen griff die britische Armee am 15. Dezember 1944 in der Schlacht um Athen unter General Ronald Scobie auf direkte Weisung des britischen Premierministers Winston Churchill offen auf Seite der griechischen Zentralregierung ein und bekämpfte die ELAS. Nach dem Abkommen von Varkiza führte die rechtsorientierte Königsdiktatur von 1946-49 einen Bürgerkrieg gegen die Demokratische Armee Griechenlands, wobei sie bis 1947 von Großbritannien und ab März 1947 im Rahmen der Truman-Doktrin von den USA unterstützt wurde. Während des Bürgerkriegs und des „Weißen Terrors“ der rechten Paramilitärs, sowie durch Massenexekutionen und Internierung Zehntausender in Straflagern kamen zahllose Kommunisten und andere Linke um. In den Fünfzigerjahren erregten die Hinrichtungen der prominenten Kommunisten Nikos Belogiannis und Nikos Ploumbidis internationale Proteste. Nach der Ermordung des linken, aber keineswegs kommunistischen Abgeordneten Grigoris Lambrakis und des Studentenführers Sotiris Petroulas im Jahr 1963 bzw. 1965 kam es 1967 zum Putsch der Obristen, worauf die griechische Militärdiktatur bis zu den Parlamentswahlen 1974 herrschte.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, zu Beginn des Kalten Kriegs verfolgte die Vereinigten Staaten gegenüber der Sowjetunion die Containment-Politik mit dem Ziel, die Ausbreitung des Kommunismus und Stalinismus zu verhindern bzw. einzudämmen. 1945 richtete das Repräsentantenhaus ein ständiges Komitee für unamerikanische Umtriebe ein, das als Kommunisten verdächtigte Personen des öffentlichen Lebens (etwa den Schriftsteller Bertolt Brecht) vorlud und Berufsverbote verhängte. 1951 wurde im Senat eine ähnliche Kommission eingerichtet, die hauptsächlich unter dem Einfluss des Senators Joseph McCarthy stand. Nach ihm wird diese Zeit antikommunistischer Hexenjagden als McCarthy-Ära bezeichnet. Künstler wie Charles Chaplin durften nicht mehr einreisen, dessen Kollegen (Humphrey Bogart, Lauren Bacall) demonstrierten gegen McCarthy. Das Gerichtsverfahren gegen das US-amerikanische Ehepaar Ethel und Julius Rosenberg erregte Anfang der 1950er Jahre weltweites Aufsehen. Sie wurden wegen Spionage für die Sowjetunion angeklagt und verurteilt. Obwohl sie die Vorwürfe bestritten, wurden beide trotz heftiger nationaler und internationaler Proteste am 19. Juni 1953 im Staatsgefängnis Sing Sing in New York auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet.
Der Antikommunismus war auch ein entscheidendes Motiv der Politik der USA gegenüber Lateinamerika. Dabei wurden auch solche nationalistische Regime, die sich um Landreformen bemühten, sich aber keineswegs als kommunistisch verstanden, wie in Guatemala, gestürzt. Als nach dem Sturz des Diktators Batista in Kuba durch die Guerilla des Fidel Castro sich Kuba zunehmend kommunistisch orientierte, wurde eine militärische Aktion von antikommunistischen Exilkubanern unter Beteiligung der CIA durchgeführt. Diese 1961 durchgeführte Invasion in der Schweinebucht scheiterte jedoch. 1973 wurde der demokratisch gewählt Präsident Chiles, der Sozialist Salvador Allende, durch einen Putsch rechter Militärs gestürzt, eine Militärdiktatur folgte.
In Argentinien bildete sich eine Verbindung aus Katholizismus und hispanischen Nationalismus mit zumeist ausgeprägten antisemitischen Zügen traditionell zu einem ausgesprochenen Antikommunismus, der während des Zweiten Weltkrieges in weiten Teilen der Gesellschaft, vor allem in Militär, Kirche und Eliten, eine Allianz mit den Achsenmächten befürwortete. Ausgeprägt fand sich diese Haltung bei dem Bestsellerautor Julio Meinvielle und bei den GOU-Militärs um den Obristen Juan Perón. Die Einreiseverweigerung gegenüber den jüdischen Flüchtlingen des Holocaust und die gleichzeitige Beförderung einer Fluchtwelle von NS-Kriegsverbrechern aus ganz Europa nach Argentinien, die in den Augen vieler Kirchenmänner und für den Peronismus eine antikommunistische Elite in Argentinien bilden sollten, sind durch massive antikommunistische Einstellungen gekennzeichnet.[9] Die Tercera Posición, die peronistische „Dritte Position“, verfolgte eine Ideologie „jenseits von plutokratischem Kapitalismus und sowjetischem Kommunismus, die in ihren Grundzügen dem europäischen Faschismus nur zu ähnlich war.“ (Theo Bruns)[10] Vor diesem Hintergrund und in Erwartung eines dritten Weltkrieges schon bald nach der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus, entwickelte sich seitens der politischen Elite in Argentinien Vorstellungen von Argentinien als eine dritte Weltmacht. Auch bei der besonders grausame Verfolgung in den Folgejahren, wie das sogenannte „Verschwindenlassen“ seitens der militärischen Herrschaft gegenüber Kritikern des Militärs, erwies sich diese Ideologie des Antikommunismus als weiterhin wirksame Basis.[11]
1900 wurde das Ordnungs- und Polizeigesetz (治安警察法, chian-keisatsu-hō) erlassen, das sich direkt gegen Gewerkschaften und Arbeiterorganisationen allgemein richtete. Aufgrund dieses Gesetzen erfolgte auch das Verbot der Kommunistische Partei Japans, kurz nach ihrer Gründung. Dieses Gesetz wurde 1925 gefolgt vom Gesetz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit, das sich gegen linksradikale Strömungen, speziell Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten, richtete. Zur Verfolgung dieser als Gedankenverbrechen bezeichneten Strömungen diente die Tokubetsu Kōtō Keisatsu – auch Gedankenpolizei genannt.
Nach Kriegsende wurde diese Verbote von den alliierten Besatzungsbehörden (SCAP/GHQ) unter General Douglas MacArthur wieder aufgehoben und Parteien wie die Kommunistische Partei Japans wieder zugelassen. Jedoch folgte 1950 mit der Red Purge eine Säuberungsaktion gegenüber dieser durchgeführt. Dabei wurden Mitglieder der Partei sowie Sympathisanten aus öffentlichen Ämtern entfernt und aus Privatunternehmen entlassen. Erst mit dem Ende der Besatzungszeit durch den Friedensvertrag von San Francisco wurden die Säuberungen eingestellt.
„Das Massaker begann am 3. April 1948. Koreanische Truppen schlugen mit Hilfe der amerikanischen Besatzungsarmee einen angeblich kommunistischen Aufstand in Jeju nieder, der tatsächlich kaum mehr als eine Unmutskundgebung von ein paar hundert Menschen war. Der Gewaltausbruch war unvorstellbar, die Zahl der Toten ist es bis heute, dreißigtausend sagen die einen, hundertvierzigtausend sagt man auf Jeju: Frauen, Kinder und Greise. Fast jede Familie verlor jemanden, und jahrzehntelang war es streng verboten, den Massenmord auch nur zu erwähnen, den ‚Vorfall vom 3. April‘, wie es noch immer oft euphemistisch heißt.[12]“
Die Anzahl US-amerikanischer Militärs auf der Insel belief sich auf sechs Mann.
Mit der Auflösung der Sowjetunion 1991 und dem Ende des Ost-West-Konflikts wurde der Antikommunismus in weiten Teilen der Welt obsolet. Allerdings lebt er weiter in der Republik China als Souveränitätsbewegung, sowie in Südkorea als Abgrenzung von Nordkorea, und in den USA als Fortführung der Anti-Castro-Politik.
Von einer Reihe von Russlandexperten[13] und auch Vertretern der politischen Linken[14] wird eine negative Grundhaltung im Westen gegenüber dem nachsowjetischen Russland als Erbe und Überbleibsel des Antikommunismus gesehen. Für diese wurde der Begriff Antirussismus geprägt[13]. Der Antirussismus äußere sich in einer negativen Einstellung der politischen Eliten des Westens und einer tendenziösen Berichterstattung westlicher Massenmedien[15]. Vor allem nach der Erholung der russischen Wirtschaft, die seit der Regierungsübernahme Wladimir Putins festzustellen war, würden Russland als Nachfolgestaat der einstigen Führungsmacht des Kommunismus antikommunistische Klischees angeheftet und ein ähnliches Vokabular wie in der Auseinandersetzung mit der Sowjetunion und dem Ostblock im Kalten Krieg gepflegt („neuer Kalter Krieg“). Über Konflikte wie zwischen Russland und Georgien werde deshalb unausgewogen berichtet,[16] aus Russland selektiv nur negative Nachrichten verbreitet. Zentrum des neuen Antirussismus seien unter anderem die USA aufgrund ihres globalen Weltmachtanspruchs sowie konservative aber auch immer mehr (vormalige) liberale und linke Massenmedien aufgrund immer noch bestehender Feindbilder aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
In Polen ist seit November 2009 der „Erwerb und Besitz von kommunistischen Symbolen sowie der Handel damit“ verboten.[17]