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Antoine Laurent de Lavoisier

Antoine Lavoisier
Unterschrift Lavoisiers

Antoine Laurent de Lavoisier (* 26. August 1743 in Paris; † 8. Mai 1794 ebenda) war ein französischer Chemiker, Rechtsanwalt, HauptzollpĂ€chter und Leiter der französischen Pulververwaltung. Er gilt als einer der VĂ€ter der modernen Chemie, denn mit seinen Forschungen fand die Phlogistontheorie ihr Ende.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Lavoisier und seine Frau Marie, Jacques-Louis David (1788)

Herkunft

Er war der Ă€lteste Sohn des Arztes und Rechtsanwalts Jean Antoine Lavoisier (1715–1775) und dessen Frau Émilie Punctis (ca. 1729–1746 oder 1748), die Tochter eines Advokaten war. Seine Eltern heirateten am 28. Mai 1742[1] und wohnten in Paris Cul-de-sac Pecquet (quartier des Blancs-Manteaux).[2] Seine zwei Jahre jĂŒngere Schwester war die Marie Marguerite Émilie Lavoisier (1745–1760).[3] Nach dem frĂŒhen Tod der Mutter zog die Familie in das Haus der Großmutter mĂŒtterlicherseits, Jeanne Waroquier (* 1680).[4] Es lag in der Rue de Four St. Eustache. Dort lebte Lavoisier bis zu seiner Heirat im Jahre 1771. Sein Vater war Anwalt am Parlement, dem obersten Gericht in Paris.

Studium und erste Experimente

Bereits in jungen Jahren interessierte sich Lavoisier fĂŒr die Naturwissenschaften. Er besuchte ab 1754 das CollĂšge Mazarin. Ab dem Jahre 1760 begann er auf Wunsch seines Vaters mit dem Jurastudium. 1764 promovierte er zum Doktor der Rechte und wurde in die Pariser Anwaltsliste immatrikuliert. Lavoisier besuchte Kurse in Mathematik und Physik bei Nicolas Louis de Lacaille und Kurse in experimenteller Physik bei Jean-Antoine Nollet. Durch Nicolas Louis de Lacaille wurde seine naturwissenschaftliche Begabung erst entdeckt und gefördert.

Mit Chemie beschĂ€ftigte er sich ab 1761. So hörte er Vorlesungen am Jardin du roi bei Guillaume-François Rouelle.[5][6]Er studierte daraufhin Naturwissenschaften, richtete sich ein kleines Forschungslabor ein und begann mit ersten Experimenten. Im Alter von 22 Jahren veröffentlichte er seine erste Arbeit, eine Abhandlung ĂŒber den Gips, Analyse du gypse (1765).

1766 erhielt er eine goldene Medaille fĂŒr die Verbesserung der Pariser Stadtbeleuchtung. Mit Jean-Étienne Guettard (1715–1786) machte er im Jahr 1767 eine Studienreise, um einen mineralogisch-geologischen Atlas von Frankreich anzufertigen. Er fertigte darauf eine Arbeit ĂŒber Trinkwasser an.

Lavoisier und die Ferme générale

Was war die Ferme gĂ©nĂ©rale, die Organisation der HauptzollpĂ€chter? Die Zahl der HauptzollpĂ€chter, fermiers, war anfangs auf 40, ab 1775 dann auf 60 Personen begrenzt. Der Auftragnehmer, also der fermiers verpflichtet sich zur Zahlung an die Staatskasse in der Höhe der festgelegten Pacht und erhielt im Gegenzug einen Überschuss aus den Zolleinnahmen, so z.B. fĂŒr den Handel mit Salz und Tabak. FĂŒr die Pacht etwa zwischen 1768 bis 1774 hatte die Ferme 90 Millionen Livres per anno zu zahlen. Somit musste ein PĂ€chter 1,5 Millionen Livres vorstrecken.

HÀufig verbargen sich hinter einem Ferme gleich mehrere Personen, die man als Gehilfen bezeichnete, um solch hohe Summen vorlegen zu können. Auch Lavoisier trat im Jahre 1768 [7]zunÀchst als Gehilfe des Fermiers François Baudon (* 1686)[8] bei. Die ersten TÀtigkeiten Lavoisiers in der Ferme générale bestanden in Inspektionsreisen, so hielt er sich einige Monate im Jahre 1768 in Picardie auf. Im nÀchsten Jahre war er mit der Kontrolle der Tabakfabriken und Zollstellen im Norden Frankreichs beschÀftigt. Sein Vorgesetzter war sein spÀterer Schwiegervater, an ihn wurden die Berichte adressiert.

Lavoisier war Initiator des 1784 begonnenen Baus der Mauer der GeneralpĂ€chter, Mur des Fermiers gĂ©nĂ©raux, deren Zweck es war, eine Einfuhrsteuer auf Waren nach Paris zu erheben. Die Fermiers gĂ©nĂ©raux trieben königliche Abgaben und Zölle von den Untertanen ein und erhoben fĂŒr ihren Aufwand zusĂ€tzlich noch einen Aufschlag auf die an die Krone abzufĂŒhrenden BetrĂ€ge. Im Laufe der Jahre in seiner TĂ€tigkeit als Mitglied der Korporation der SteuerpĂ€chter, Ferme gĂ©nĂ©rale konnte Lavoisier ein großes Vermögen erwerben, aus dem er betrĂ€chtliche Summen fĂŒr die Finanzierung seiner Forschungen einsetzte.

Lavoisier und die Académie française

1768 wurde Lavoisier bereits mit 25 Jahren in den edlen Kreis der Wissenschaftler der Französischen Akademie, AcadĂ©mie française aufgenommen. Zwar erhielt er in der Wahl am 18. Mai 1768 die meisten Stimmen, jedoch wurde der Metallurge Antoine-Gabriel Jars vom Minister beim König empfohlen. Doch kurze Zeit spĂ€ter verstarb Gabriel Jars und Lavoisier konnte auf seine Position nachrĂŒcken.

Ereignisse zwischen 1771 und 1794

Lavoisier, damals 29 Jahre alt, heiratete am Mittwoch, den 4. Dezember 1771 die erst 13jĂ€hrige Anne Pierette Paulze, spĂ€tere Marie Lavoisier. Sie war die Tochter von Jacques Paulze (1723–1794)[9] und Claudine Catherine Thoynet De RoziĂšres († 1761)[10]. Als Generalsteuereinnehmer (HauptzollpĂ€chter) im Agrarbereich fungierte Jacques Paulze als Vorgesetzter Lavoisiers in der Ferme gĂ©nĂ©rale. Außerdem war er Direktor der Französischen Ostindienkompanie Directeur de la Compagnie des Indes. Bei dieser zivilen Zeremonie wurde der Heiratsvertrag unterzeichnet, der zukĂŒnftigen Rechtsstand, Vermögensstand und finanzielles Dispositionsrecht regelte. Die kirchliche Trauung fĂŒhrte der Pfarrer von Saint-Roch am Montag, den 16. Dezember 1771 in der Rue Neuve des Petits Champs durch.

Das junge Ehepaar bezog ein Haus in der Rue Neuve des Bons Enfants[11][12]das mit einem Garten umgeben war. Dieses Haus war ein Hochzeitsgeschenk des Vaters von Lavoisier, der sich auf ein Gut in der NĂ€he von Paris, in Le Bourget, zurĂŒckzog. Dort, in der Rue Neuve des Bons Enfants, war es ihnen beiden möglich, nun ein großes Laboratorium einzurichten, in dem seine Frau, die ebenfalls gerne experimentierte, unter anderem das Laborbuch fĂŒhrte und wissenschaftliche Werke ĂŒbersetzte. Eines seiner grĂ¶ĂŸten Verdienste war, bei seinen Experimenten alles genau zu notieren, zu messen und zu wiegen. Er ließ Apparate und Instrumente konstruieren, mit denen vor allem Gase genauer als bisher gemessen und gewogen werden konnten. SpĂ€ter war er in der Lage, grĂ¶ĂŸere Gasmassen zu speichern und Gasgewichte bis auf eine Genauigkeit von 50 Milligramm zu wiegen. Wertvoll fĂŒr spĂ€tere Naturwissenschaftler war auch die methodische Dreiteilung der Darstellung von chemischen Versuchen, die sich bis heute erhalten hat. Er gliederte die Versuchsbeschreibungen in

  1. Experiment (prĂ©paration de l’expĂ©rience, heute: Versuchsbeschreibung)
  2. Erfolg (effet, heute: Versuchsergebnis)
  3. Betrachtungen (rĂ©flexions, heute: Schlußfolgerungen) [13]

Im Jahre 1775 wurden er und drei weitere Personen durch Jacques Turgot (1727–1781) zu Inspekteuren ĂŒber die Schießpulverfabriken ernannt, ComitĂ© des Poudres et SalpĂȘtres.[14] In seiner leitenden Funktion in der staatlichen Pulververwaltung war er in der Lage die Produktion erheblich zu steigern und erreichte hohe Einsparungen bei den Produktionskosten fĂŒr das Ancien RĂ©gime. In dieser Zeit lernte er auch EleuthĂšre IrĂ©nĂ©e du Pont[15] kennen.[16] In der alten PulvermĂŒhle in Corbeil-Essonnes arbeitete EleuthĂšre IrĂ©nĂ©e du Pont fĂŒr Lavoisier als Chemikant. Die PulvermĂŒhle schloss 1822.

Das Arsenal von Paris, Arsenal de Paris[17] war ein ehemaliges Munitionsdepot und Lager fĂŒr königlichen Kriegswaffen in Paris, armes de guerre royal parisien auf dem rechten Seineufer, gegenĂŒber der östlichen Spitze der Île Louviers. Auch hier verfĂŒgte Lavoisier in seiner dortigen Dienstwohnung ĂŒber ein gut ausgestattetes Laboratorium.

Seine systematische Trennung von Vermutungen/Spekulationen zu einer klar strukturierten gedanklichen BeweisfĂŒhrung gaben der wissenschaftlichen Chemie das nötige RĂŒstzeug fĂŒr weitere Fortschritte. Lavoisier wurde nun bewundert und 1784 zum Leiter der Akademie der Wissenschaften Frankreichs berufen.

WĂ€hrend der Französischen Revolution beteiligte sich der liberale Lavoisier an Reformen. Er förderte die einheitliche EinfĂŒhrung von Maßen (metrisches System) und Gewichten, wurde Abgeordneter der StĂ€nde.

Als Mitglied der SteuerpĂ€chter der Pariser Mauer, Mur des Fermiers gĂ©nĂ©raux wurde er im November 1793 gemeinsam mit 28 Kollegen inhaftiert, als Erpresser und Steuereintreiber angeklagt und am 8. Mai 1794 auf der Guillotine hingerichtet. Sein Freund, der italienische Mathematiker und Astronom Joseph-Louis Lagrange resĂŒmierte verbittert:

„Es dauert nur Sekunden, um einen Kopf abzuhacken, aber hunderte Jahre dĂŒrften keinen Ă€hnlichen hervorbringen können wie diesen Lavoisier“

– Joseph-Louis Lagrange.

Dem Richter Jean-Baptiste Coffinhal (1762–1794) wird oft das Zitat zugewiesen: „Die Republik braucht weder Wissenschaftler noch Chemiker. Der Lauf der Justiz darf nicht sistiert werden.“ Dies sieht man heute als apokryph an.[18]

Das Prinzip der Oxidation

Lavoisier unternahm Versuche mit Diamanten und Kohle, die er der Hitze eines Brennglases an freier Luft aussetzte. In beiden FĂ€llen trĂŒbte das entstandene Gas Kalkwasser. Er kam zur Schlussfolgerung, dass Kohle und Diamant aus gleichen Stoffen bestehen. In abgeschlossenen GefĂ€ĂŸen mit fixer Luft (Luft aus GĂ€rungsversuchen) war der Diamant schwer verdampfbar.[13] Bei seinen AusfĂŒhrungen erwĂ€hnt er auch einen Herrn Mitouard, der bereits im September 1772 Versuche mit Ă€hnlichen Ergebnissen vorgenommen hatte und diesen Bericht an die Akademie gesandt hatte. Mitouard nutzte weiter eine Herstellungsvorschrift von Andreas Sigismund Marggraf fĂŒr Phosphor. Bei Verbrennung des roten Phosphors entstand eine SĂ€ure (PhosphorsĂ€ure)[19], die ein grĂ¶ĂŸeres Gewicht besaß als der eingesetzte rote Phosphor (Marggraf und Mitouard). Lavoisiers Berichterstattung zur Akademie ĂŒber den Phosphor endete am 20. Oktober 1772.[13]

Lavoisiers Apparatur zur Zerlegung von rotem Quecksilberoxid. Das berĂŒhmte Phlogiston Experiment. Zeichnung von Mme Lavoisier (1780) aus demTraitĂ© Ă©lĂ©mentaire de chimie

Im November 1772 erschien eine Arbeit von Joseph Priestley ĂŒber die Luftverminderung bei der Verbrennung von Schwefel in einem geschlossenen Raum bei Anwesenheit von Wasser. Lavoisier war nun möglicherweise ĂŒberzeugt, dass der Schwefel und der Phosphor bei der Verbrennung ein Gas aus der Luft aufnehmen und sich zu schwefliger SĂ€ure, PhosphorsĂ€ure umwandeln, die schwerer als reiner Schwefel und Phosphor sind. Priestley hielt noch an der Phlogistontheorie fest.

Da Lavoisier jedoch die englische Sprache nicht sehr gut beherrschte und den Ruhm der Entdeckung von Sauerstoff durch klare Beweise fĂŒr Frankreich sichern wollte, datierte er eine einfĂŒhrende programmatische Schrift (Opuscules physiques et chimiques, 1773–1774) aus dem Jahr 1773 auf den 20. Februar 1772 zurĂŒck.[13] Er stellte in dieser ErklĂ€rung fest, dass fixe Luft (GĂ€rungsluft, Kohlendioxid) und gewöhnliche Luft sehr unterschiedlich sind. Die eine Luft tötet Tiere, die andere Luft ist zum Leben notwendig. Und weiter: Es gibt eine besondere Luft, die sich mit allen Körpern sehr gut verbindet, wogegen atmosphĂ€rische Luft nur zum Teil gebunden wird.[13] Er beschrieb seine Versuche ĂŒber die Erhitzung von abgeschlossenen GlasgefĂ€ĂŸen, die Blei oder Zinn und Luft enthielten und beobachtete je nach enthaltener Luftmenge unterschiedliche GewichtsĂ€nderungen des Metalls. Er verwies auch auf Robert Boyle, der erste Versuche – jedoch ohne Variation der Luftmenge und Gewichtsbeeinflussungen dem Feuer zuordnete – in abgeschlossenen GlasgefĂ€ĂŸen unternommen hatte. Lavoisier folgerte: Die GewichtsĂ€nderungen wurden nicht durch das Feuer, sondern von der Luft verursacht.[13]

Lavoisier findet weiter, dass die Restluft nach der Verbrennung etwas leichter als die ursprĂŒngliche Luft ist. Er folgert, dass der Anteil der Luft, der sich mit Metallen verbindet, schwerer als Luft ist, und dass Luft keine einfache Substanz ist.[13] Trotz dieser Befunde bricht Lavoisier erst im Jahr 1777 endgĂŒltig mit der Phlogistontheorie.

Im Jahre 1774 lernte Lavoisier den englischen Chemiker Joseph Priestley kennen, der beim Erhitzen von Quecksilberoxid oder Kaliumnitrat festgestellt hatte, dass Gase entweichen, die er Feuerluft nannte. So angeregt fand Lavoisier durch eigene Experimente heraus, dass es sich bei den Gasen um einen Stoff handelt, der Bestandteil von Luft und Wasser ist. Er nannte diesen Stoff Oxygenium (Sauerstoff) und entwickelte die Theorie der Oxidation. Da das Oxygen bei der Verbrennung von anorganischen Stoffen meist SÀuren bildete, sah man in SÀuren zunÀchst sauerstoffhaltige Verbindungen (bis zur Entdeckung von Chlorwasserstoff durch Humphry Davy).

Bisher war man der Auffassung gewesen, dass beim Erhitzen von Substanzen das Element Phlogiston entweicht und als Gas an die Luft abgegeben wird. Weiterhin war man davon ĂŒberzeugt, dass WĂ€rme eine substanzielle Materie sei. Lavoisier stellte nun mit Hilfe seiner vielen Apparaturen fest, dass bei der Verbrennung von Metallkalken (Metallcarbonaten, z. B. Bleicarbonat oder Marmor) tatsĂ€chlich Gase freigesetzt wurden. Addierte er das Gewicht der Asche und der Gase, so stimmte das Gewicht der Produkte mit dem Gewicht der Ausgangskomponenten, der Edukte, ĂŒberein, auch beim Brennen von Calciumcarbonat, wobei er das gasförmige Kohlendioxid identifizierte. Mit großer Systematik erhitzte er nun auch andere Stoffe, beispielsweise Phosphor und Schwefel, und entdeckte dabei eine Gewichtszunahme. Er ließ durch seine Frau notieren:

„Vor ungefĂ€hr acht Tagen habe ich entdeckt, dass Schwefel bei der Verbrennung keineswegs Gewicht verliert, sondern im Gegenteil Gewicht gewinnt. Das gleiche tritt beim Phosphor auf: Die Gewichtszunahme stammt aus einer betrĂ€chtlichen Menge Luft, die wĂ€hrend der Verbrennung fixiert wird und die sich mit den DĂ€mpfen verbindet. Diese Entdeckung hat mich zu der Annahme gefĂŒhrt, dass das, was man bei der Verbrennung von Schwefel und Phosphor beobachtet, auch bei allen anderen Körpern auftreten könnte, deren Gewicht bei der Verbrennung zunimmt.“

– Antoine Laurent de Lavoisier

WĂ€rmetheorie

Lavoisier entwickelte seine Vorstellungen zur WĂ€rme ĂŒber die Zeit in verschiedenen Publikationen etwa in den MĂ©moire sur la chaleur (1780), im TraitĂ© Ă©lĂ©mentaire de chimie.

Dieses Kalorimeter wurde erstmalig im Winter 1782-1783 von Antoine Lavoisier und Pierre-Simon Laplace genutzt.

Die von Lavoisier 1787 formulierte Theorie postulierte die Existenz eines „WĂ€rmestoffs“ namens „Caloricum“, le calorique[20][21], eines unsichtbaren, gewichtslosen, in den Körpern gebundenen flĂŒssigkeitsartigen Stoffes.[22] Es sollte ein Fluidum sein, dass von den gewöhnlichen Stoffen angezogen werden wĂŒrde.[23] Er nannte das Vermögen der Chemischen Körper den WĂ€rmestoff zu fassen, in seiner TraitĂ© Ă©lĂ©mentaire de chimie von 1789, auch als capacitĂš des corps pour contenir la materiĂšre de la chaleur.

Er rechnete das Caloricum (WĂ€rmestoff), calorique zu den dreiunddreißig simplen Substanzen oder Elementen die sich chemisch nicht weiter zerlegen ließen. Es wurde in einer Reihe mit dem Licht (Lichtstoff), lumiĂšre, dem Sauerstoff (OxygĂšne), dem Wasserstoff (HydrogĂšne) und dem Stickstoff (damals Azote) sowie Schwefel, Phosphor und Kohlenstoff in einer zweiten Reihe benannt. Hinzu kamen weitere Reihen, bestehend aus den Metallen, den Erden und den Alkalien.[24](siehe auch Chemisches Element[25])

1780 machte Lavoisier mit Pierre-Simon Laplace verschiedene Experimente. SpĂ€ter entwickelten sie hierzu eine Apparatur, das Eiskalorimeter. Lavoisier und Laplace verbrannten verschiedene chemische Körper. Die bei der Verbrennung freigesetzte WĂ€rme schmolz eine entsprechende Menge des Eises und war damit Maß fĂŒr die WĂ€rmebildung bei der Verbrennung des jeweiligen Stoffes. Das Kalorimeter diente also der WĂ€rmemessung und bestand aus einer Reihe ineinander geschachtelter Töpfe. In den innersten Topf kam der Probekörper. Der Ă€ußere wurde mit zerstoßenem Eis gefĂŒllt. Die Menge des Schmelzwassers konnte ĂŒber einen Abfluss aufgefangen werden und war ein Maß fĂŒr die vom Probekörper abgegebenen WĂ€rme. Damit schufen sie die Thermochemie.

Lavoisier fĂŒhrte ein Experiment zur Atmung im Jahre 1770 durch.

Zwei Auffassungen zur WĂ€rme herrschten vor: die des WĂ€rmestoffes, eines ĂŒberall verteilten unwĂ€gbarem Fluidums, das in unterschiedlichem Ausmaße zwischen die RĂ€ume eines Körpers eindringen konnte und dessen Temperatur bestimmte. Diese Ansicht vertrat Lavoisier. Laplace hingegen hatte die Vorstellung, dass WĂ€rme durch die Bewegung kleinster Teile des Körpers entstĂŒnde.

SpĂ€ter gaben sie ihren WĂ€rmeforschungen zusĂ€tzlich eine physiologische Richtung. So bestimmten beide die Menge Kohlendioxid, air fixe (fixe Luft‘), die ein Kleintier wĂ€hrend einer bestimmten Zeit ausatmete. Dann setzten sie das Tier in das Eiskalorimeter und maßen, wie viel Eis wĂ€hrend seiner Anwesenheit in den gleichen zehn Stunden schmolz.

Gesetz der Massenerhaltung

Das Gesetz der Massenerhaltung bei chemischen Umsetzungen war noch nicht bekannt, da man in der WĂ€rme nach der Phlogistontheorie auch einen Stoff sah, der zu GewichtsĂ€nderungen bei Stoffen fĂŒhren konnte. Lavoisier konnte aus der Verkalkung von Metallen (Metalloxidation) durch sorgfĂ€ltige Gewichtsmessungen der Luftabnahme, bzw. des spezifischen Gewichtes von Luft, ferner aus Gewichtsbestimmungen durch Zersetzung von 100 Gran Wasser in 15 Gran entzĂŒndlichem Gas (Wasserstoff) und 85 Gran Lebensluft (Sauerstoff) nachweisen, dass eine Massenerhaltung bei chemischen Umsetzungen vorliegt. Erst diese klaren Beweise konnten die Phlogistontheorie umstĂŒrzen. Seine Forschung widerlegte die bis dahin gĂŒltige Phlogistontheorie.[26] 1789 stellte er das Prinzip der Massenerhaltung fest:

„Nichts wird bei den Operationen kĂŒnstlicher oder natĂŒrlicher Art geschaffen, und es kann als Axiom angesehen werden, dass bei jeder Operation eine gleiche QuantitĂ€t Materie vor und nach der Operation existiert.“

– Antoine Laurent de Lavoisier

Lavoisier wurde somit der BegrĂŒnder der Stöchiometrie, der chemischen Mathematik, die spĂ€ter von Jeremias Benjamin Richter durch das Erkennen des mathematischen Zusammenhanges bei Salzbildungen verbessert wurde.

Elemente

Lavoisier konnte durch seine Versuche Sauerstoff, Kohlenstoff, Schwefel und Phosphor den reinen Elementen zuordnen.

Labor von Lavoisier im Musée des arts et métiers

Ferner wurden die Metalle[27] Gold, Silber, Kupfer, Blei, Quecksilber, Zink, Eisen, Mangan, Nickel, Zinn, Wolfram, Platin und MolybdÀn ebenfalls zu den Elementen gerechnet, da in Reaktion mit sogenannter Lebensluft nur Oxide entstanden. Der Sauerstoff konnte beim Erhitzen mit Kohle wieder abgespalten werden. Lavoisier konnte so eine Liste mit 33 Stoffen und 23 Elementen aufstellen.

Chemische Nomenklatur

Anorganische Stoffe, SÀuren hatten vor 1787 recht sonderbare Namen: Alembrotsalz, Kolkothar, algarothisches Pulver, Pompholix, Zinkblumen, VitrolsÀure usw. Nur eingeweihte Alchemisten wussten mit diesen Namen etwas anzufangen. Guyton de Morveau, Claude-Louis Berthollet, Fourcroy und Lavoisier legten im April 1787 eine neue Nomenklatur[28], die die Namen der Elemente von anorganischen Stoffen enthielt, der Akademie vor.[13] Mit dieser Nomenklatur konnten nun anorganische Verbindungen einfach und schnell bezeichnet werden.

Neben der Nomenklatur wurden auch Zeichen nach Jean-Henri Hassenfratz und Pierre-Auguste Adet fĂŒr die chemischen Elemente eingefĂŒhrt.[13] Diese Symbole unterschieden sich noch ein wenig von der spĂ€teren – im Jahre 1814 von Jöns Jakob Berzelius entwickelten und heute gebrĂ€uchlichen – Zeichensprache.

Die Entdeckung des Wasserstoffs

Aus England hörte Lavoisier im Jahre 1783, dass Henry Cavendish Wasser in zwei Gase zerlegt hatte.[29] Cavendish gilt als Entdecker des Wasserstoffs. Lavoisier stellte die Versuche nach, gewann aus den beiden Gasen wiederum Wasser und stellte daraufhin die These auf:

„Die Verbrennung der beiden Luftarten und ihre Umwandlung zu Wasser, Gewichtsteil fĂŒr Gewichtsteil, erlaubt kaum noch Zweifel daran, dass diese Substanz, die bislang als Element betrachtet wurde, ein zusammengesetzter Stoff ist.“

– Antoine Laurent de Lavoisier

Damit brachte Lavoisier die noch auf Aristoteles beruhenden alten DenkgebĂ€ude, die Luft und Wasser fĂŒr unzerstörbare Elemente hielten, zum Einsturz. Er untermauerte seine Erkenntnis mit einem weiteren Experiment: Er erhitzte EisenspĂ€ne bis zur Rotglut und leitete Wasserdampf darĂŒber und stellte fest, dass sich das Eisen zu Eisenoxid verwandelt und dabei an Gewicht zugenommen hatte.

<center>Apparatur Lavoisiers zur Herstellung von Wasserstoff aus Wasser mittels Thermolyse

Er stellte weiterhin fest, dass sich zwar ein Teil des Wasserdampfes wieder zu Wasser kondensiert hatte, ein anderer Teil sich jedoch zu sogenannter brennbarer Luft zersetzt hatte. Lavoisier erkannte, dass er reinen Wasserstoff in seinem GasbehÀlter gewonnen hatte. Er nannte das Gas Knallgas.

WĂŒrdigung

Lavoisier erkannte als Erster, dass Wasser eine chemische Verbindung von Sauerstoff und Wasserstoff ist. Mit der Entdeckung des Sauerstoffs als Unterhalter von VerbrennungsvorgĂ€ngen prĂ€gte er den Begriff Oxidation: die Vereinigung von Elementen und chemischen Verbindungen mit dem Element Sauerstoff (Oxygenium) zu Oxiden und leitete aus dieser Erkenntnis (durch genaues Wiegen und Messen) das Gesetz der Erhaltung der Massen ab. DarĂŒber hinaus beschĂ€ftigte sich Lavoisier mit der alkoholischen GĂ€rung und dem PhĂ€nomen des Pflanzenwachstums, wobei er erste GesetzmĂ€ĂŸigkeiten der pflanzlichen und tierischen Atmung (Kohlenstoffdioxid-Kreislauf) erkannte. Er stellte eine neue Namensliste der Elemente auf und reformierte deren lateinische Namensgebung.

In den 1940er Jahren sah der amerikanische Chemiker und Wissenschaftshistoriker Henry Guerlac in Paris ein unveröffentlichtes Manuskript von Lavoisier durch, das er unter dem Titel Lavoisier: The Crucial Year veröffentlichte. FĂŒr dieses Werk erhielt Guerlac 1958 den Pfizer Award von der von George Sarton und Lawrence Joseph Henderson gegrĂŒndeten History of Science Society (HSS).

Schriften (Auswahl)

  • Opuscules physiques et chimiques. 1774.
  • TraitĂ© Ă©lĂ©mentaire de chimie. 1789.

Literatur

  • Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie. Verlag Chemie, Weinheim 1965.
  • GĂŒnther Bugge: Das Buch Der Grossen Chemiker, Dr. Max Speter: Lavoisier, Band 1, Verlag Chemie GmbH, Weinheim, ISBN 3-527-25021-2
  • A. Ladenburg: VortrĂ€ge ĂŒber die Entwicklungsgeschichte der Chemie, von Lavoisier bis zur Gegenwart. 4. vermehrte und verbesserte Auflage. Vieweg, Braunschweig 1907 (UnverĂ€nderter Nachdruck: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1974, ISBN 3-534-06011-3).
  • Jerome Lalande: An Account of the Life and Writings of Lavoisier. In: Philosophical Magazine. Band 9, 1801, S. 78–85.
  • A. L. Lavoisier.: Untersuchungen ĂŒber das Wasser. Herausgegeben von Peter Buck. Mit einer Einleitung und Biografie von Hermann Klie. Franzbecker – Didaktischer Dienst, Bad Salzdetfurth 1983, ISBN 3-88120-050-9 (Reihe Reprinta Historica Didactica 4).
  • Josef Lehmkuhl: Ha-Zwei-O und seine phantastische Reise mit Dichtern und Denkern in die Welt der Chemie. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2006, ISBN 3-8260-3481-3.
  • E. Ashworth Underwood: Lavoisier and the history of respiration. In: Proceedings of the Royal Society of Medicine. Band 37, 1943, S. 247–262 (Pdf).
  • Klein, U.; LefĂšvre, W.: Materials in eighteenth-century science. MIT-Press, Cambridge (2007)

Weblinks

 Commons: Antoine-Laurent de Lavoisier â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Antoine Laurent de Lavoisier â€“ Quellen und Volltexte (français)

Einzelnachweise

  1. ↑ Genealogie der Eltern
  2. ↑ PANOPTICON LAVOISIER
  3. ↑ Genealogie der Schwester
  4. ↑ Genealogie
  5. ↑ PANOPTICON LAVOISIER
  6. ↑ Christian Warolin: Lavoisier a-t-il bĂ©nĂ©ficiĂ© de l’enseignement de l’apothicaire, Guillaume-François Rouelle? n°307; vol.83, pg 361-367. Revue d’histoire de la pharmacie. AnnĂ©e (1995) (Online, französisch)
  7. ↑ SzabadvĂĄry, Ferenc: Antoine Laurent Lavoisier. Der Forscher und seine Zeit 1743-1794. Budapest Gemeinschaftsausgabe des AkadĂ©miai KiadĂł, Budapest und der Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft mbH Stuttgart (1973), S. 28 ff.
  8. ↑ Zu F. Baudon
  9. ↑ Genealogie des Vaters[1]
  10. ↑ Genealogie der Mutter[2]
  11. ↑ PANOPTICON LAVOISIER
  12. ↑ http://moro.imss.fi.it/lavoisier/Lavoisier_Chronology2Gb.asp?anno=1771
  13. ↑ a b c d e f g h i GĂŒnther Bugge: Das Buch Der Grossen Chemiker, Band I, Artikel Max Speter: Lavoisier, Verlag Chemie, Weinheim 1974, S. 304, ISBN 3-527-25021-2
  14. ↑ Patrice Bret: Lavoisier Ă  la rĂ©gie des poudres : Le savant, le financier, l’administrateur et le pĂ©dagogue. SecrĂ©taire gĂ©nĂ©ral du ComitĂ© Lavoisier de l’AcadĂ©mie des Sciences. Text ĂŒber seine administrative Bedeutung in französischer Sprache (PDF)
  15. ↑ Jaime Wisniak: The History of Saltpeter Production with a Bit of Pyrotechnics and Lavoisier. 2000, Chem. Educator, 5:205-209. (als PDF-Datei; 150,8 KB)
  16. ↑ Lavoiser and EleuthĂšre IrĂ©nĂ©e Du Pont de Nemours ein GemĂ€lde von F.W. Wright
  17. ↑ Vue de l'Arsenal, de l'üle Louviers. Von Pierre-Antoine de Macy(1723-1807)
  18. ↑ Jean-Pierre Poirier: Lavoisier: Chemist, Biologist, Economist, University of Pennsylvania Press 1996, ISBN 0-8122-1649-0, S. 379.
  19. ↑ Portrait Lavoisiers vor Apparatur stehend
  20. ↑ Kirstine Bjerrum Meyer: Die Entwicklung des Temperaturbegriffs im Laufe der Zeiten. Arno Press (1981) ISBN 0-405-13886-5
  21. ↑ Antoine Laurent Lavoisier: TraitĂ© Ă©lĂ©mentaire de chimie. (1789) Übersetzung deutsch: System der antiphlogistischen Chemie. Frankfurt a/M , (2008), S. 39 ISBN: 978-3-518-27012-7
  22. ↑ J.S.T. Gehler: Physicalisches Wörterbuch Verbrennung
  23. ↑ Wolfgang Tschirk: Vom Universum: Eine Geistesgeschichte der Physik. Klosterneuburg (2006), S. 60
  24. ↑ Friedrich Hund: Geschichte der physikalischen Begriffe. Bd. 1 , Mannheim (1978), S. 209
  25. ↑ Graphik des Periodensystems mit bis zum Jahre 1800 bekannten Elementen
  26. ↑ Martin Carrier: Antoine L. Lavoisier und die Chemische Revolution
  27. ↑ Hans Joachim Störig: Kleine Weltgeschichte der Wissenschaften, Band 1, S. 410 Fischer Taschenbuch Verlag, 1280-ISBN-3-26398-0
  28. ↑ Tabelle der chemischen Nomenklatur, Abbildung Mai 1787
  29. ↑ A Brief History of the Study of Gas Chemistry (englisch) (PDF). mattson.creighton.edu. Abgerufen am 11. November 2011.
  30. ↑ BĂŒste im Deutschen Museum
  31. ↑ Lavoisiers Labor
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