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Apokryphen (auch apokryphe Schriften; altgr. áŒÏÏÎșÏÏ ÏÎżÏ apokryphos ,verborgenâ; Plural áŒÏÏÎșÏÏ Ïα apokrypha) sind Texte, die im Entstehungsprozess der Bibel nicht in deren Kanon aufgenommen wurden: entweder aus inhaltlichen GrĂŒnden, weil sie damals nicht allgemein bekannt waren, aus religionspolitischen GrĂŒnden oder weil sie erst nach Abschluss des Kanons entstanden sind.
Inhaltsverzeichnis |
Der Begriff wurde im 2. Jahrhundert von christlichen Theologen geprĂ€gt und bedeutete anfangs nicht nur âauĂerkanonischâ, sondern zugleich âhĂ€retischâ. Er wertete die ausgegrenzten Schriften als Irrlehre oder FĂ€lschung ab. Er wurde vor allem auf Literatur aus dem Umfeld des Gnostizismus bezogen, wo man nicht fĂŒr die Ăffentlichkeit, sondern nur fĂŒr Eingeweihte bestimmte Texte mit dem Wort âapokryphâ als Geheimlehren darstellte.
Bereits im Judentum kam es im Zuge der Kanonisierung des Tanach zu einer Abgrenzung â und damit auch zu einer Ausgrenzung mehrerer Schriften, die nur in der Septuaginta enthalten waren. Die protestantischen Kirchen ordnen diese den Apokryphen des Alten Testaments (AT) zu, wĂ€hrend die katholische und orthodoxe Kirche einige davon in ihren Kanon aufgenommen haben. Bei den Apokryphen des Neuen Testaments (NT) dagegen sind sich die christlichen Konfessionen weitgehend einig darĂŒber, dass diese nicht zur Bibel gehören.
Bezogen auf das Neue Testament werden heute im wissenschaftlichen Sprachgebrauch jene auĂerkanonischen frĂŒhchristlichen Schriften unter diesen Oberbegriff gestellt, die nicht zu den Schriften der sogenannten Apostolischen VĂ€ter gehören. Dieser Begriff wurde im 17. Jahrhundert fĂŒr frĂŒhchristliche Schriften geprĂ€gt, von denen man eine Ăbereinstimmung mit der Lehre der Apostel (zur Mission berufenen Auferstehungszeugen Jesu Christi) annimmt. Diese Schriften entstanden im Zeitraum von etwa 90 bis 150 n. Chr.; sie sind aber keine Evangelien oder Apokalypsen und haben eine andere Funktion fĂŒr das Christentum: Sie sind lehrhafte, seelsorgerliche Briefe oder kommentieren bereits vorgegebene NT-Ăberlieferung.
Dabei sind die Grenzen zu den eigentlichen Apokryphen allerdings flieĂend. Zu diesen zĂ€hlt man heute auch sogenannte Agrapha: Worte, Dialoge und Episoden von und ĂŒber Jesus, die sonst in der NT-Ăberlieferung unbekannt sind und parallel dazu â auch innerhalb von Schriften der Apostolischen VĂ€ter â ĂŒberliefert wurden.
Ein Apokryphon wird mit Sicherheit im Neuen Testament zitiert, nĂ€mlich Henoch in Judas 14, und Klemens von Alexandria verfasste um 200 n. Chr. einen Kommentar zur Offenbarung des Petrus. Insgesamt gesehen sind aber Bezugnahmen auf Apokryphen bei den KirchenvĂ€tern selten. Allerdings sind Vergleiche mit der VerwendungshĂ€ufigkeit der kanonischen BĂŒcher dadurch erschwert, dass viele Bibelstellenregister zu KirchenvĂ€ter-Ausgaben die Apokryphen nicht berĂŒcksichtigen. Soweit das geschieht, etwa bei Klemens von Alexandria, erscheinen sie als kaum verwendet.[1] Bei den Evangelien ist ein Beurteilen ihrer damaligen Verwendung dadurch erschwert, dass wir von manchen apokryphen Evangelien nur BruchstĂŒcke besitzen. Daher können wir abweichende Evangelienzitate bei KirchenvĂ€tern nicht klar einordnen â ob es sich dabei um eine Wiedergabe aus dem GedĂ€chtnis, um eine Bezugnahme auf eine abweichende Handschriftentradition eines kanonischen Evangeliums oder um eine Bezugnahme auf ein apokryphes Evangelium handelt.
FĂŒr die Christenheit der ersten Jahrhunderte gehörten diese Apokryphen jedenfalls nicht zum Kreis der anerkannten Schriften.
Der Umfang des Alten Testaments unterscheidet sich in den christlichen Konfessionen: Die katholische und die orthodoxe Kirche folgten mit ihrem AT-Kanon der Septuaginta, wĂ€hrend Martin Luther seiner BibelĂŒbersetzung den hebrĂ€ischen Tanach zugrunde legte. Entsprechend werden im Protestantismus solche jĂŒdische Schriften zu den Apokryphen gezĂ€hlt, die auch im Judentum nicht kanonisch sind. Sie sind in der Lutherbibel als ânĂŒtzlicheâ, aber nicht âheiligeâ Schriften in einem Anhangsteil abgedruckt. In den modernen Ausgaben der Lutherbibel sind sie zum Teil nicht mehr enthalten, in BibelĂŒbersetzungen aus der reformierten Tradition fehlen sie von Anfang an.
Die fĂŒr die protestantischen Kirchen als apokryph geltenden Texte werden in der Katholischen Kirche zum Teil als deuterokanonische Schriften und in den orthodoxen Kirchen als Anaginoskomena ("Zu Lesendes") bezeichnet. Ein moderner Ausdruck fĂŒr diese Schriften, der konfessionelle NeutralitĂ€t anstrebt, ist âSpĂ€tschriften des Alten Testamentsâ.
Auch bibelnahe nichtkanonische Texte und BĂŒcher, die nicht hebrĂ€isch verfasst sind oder deren hebrĂ€isches Original nicht erhalten blieb, gelten in allen christlichen Konfessionen als apokryphe Texte: z. B. das Ăthiopische und das Slawische Henochbuch oder die verschiedenen Baruch-Apokalypsen (2. Baruch, 3. Baruch und 4. Baruch).
Diese Schriften werden in der Lutherbibel als âApokryphenâ bezeichnet und unter diesem Namen und in dieser Reihenfolge mit abgedruckt.
Alle anderen Apokryphen werden nicht dazugerechnet.
Als Neutestamentliche Apokryphen werden frĂŒhe christliche Schriften bezeichnet, die inhaltlich und der Gattung nach Ă€hnlich wie die Schriften des Neuen Testaments vorrangig Jesus Christus verkĂŒnden wollen, aber in den neutestamentlichen Kanon nicht aufgenommen wurden und auch keine Lehrschriften der Apostolischen VĂ€ter sind.
Dazu gehören vor allem eine Reihe von Evangelien, die oft unter dem Namen eines Apostels Jesu (d.h. als Pseudepigraph) in der Zeit bis zum 4. Jahrhundert veröffentlicht wurden. Viele dieser Texte sind nicht vollstÀndig im Original erhalten, sondern nur in Fragmenten. Manche sind sogar nur aus Zitaten oder ErwÀhnungen bei den KirchenvÀtern bekannt. Seit den Funden von Nag Hammadi wurden jedoch einige dieser Texte in koptischen Versionen wiederentdeckt.
WĂ€hrend die historisch-kritische NT-Forschung frĂŒher oft alle Apokryphen fĂŒr spĂ€ter und inhaltlich vom NT abhĂ€ngig entstanden erklĂ€rte, hat sich dieses Bild durch neuere Schriftfunde differenziert:
Teilweise wird in der Forschung die Auffassung vertreten, dass vor allem im Thomasevangelium unabhĂ€ngige und Ă€ltere Traditionen von ĂuĂerungen des historischen Jesus ĂŒberliefert sind.[2] Andere Bibelwissenschaftler sehen dagegen gerade in dieser Schrift z. B. eine AbhĂ€ngigkeit von anderen Evangelien, sowie teils starke redaktionelle Bearbeitungen z. B. unter dem Einfluss des sog. Gnostizismus.
Viele dieser Texte waren zum Zeitpunkt der Kanonbildung nicht genĂŒgend bekannt oder nicht als autoritativ anerkannt. Von diesen apokryphen Texten sind Schriften zu unterscheiden, die ebenfalls zu jener Zeit entstanden sind, aber weder Aufnahme in den Kanon des Neuen Testaments gefunden haben, noch in Gemeinden verwendet wurden, die spĂ€ter Teil der GroĂkirche wurden, sondern als hĂ€retisch ausgeschieden wurden. Die Unterscheidung orthodoxer und hĂ€retischer Positionen, insbesondere von GroĂkirche und Gnostizismus, bildete sich aber erst in den ersten Jahrhunderten heraus und wurde unter anderem durch Apologeten wie Justin den MĂ€rtyrer und IrenĂ€us von Lyon kriteriologisch fundiert. Daher ist anzunehmen, dass sich viele spĂ€ter als âgnostischâ und âhĂ€retischâ beurteilten Gemeinden und Gemeindemitglieder anfangs nicht als vom sonstigen Christentum verschieden verstanden haben. Die Unterscheidung âorthodoxer christlicher Apokryphenâ und âgnostischer hĂ€retischer Schriftenâ ist daher oftmals problematisch. GrundsĂ€tzlich wird angenommen, dass die Kanonbildung oftmals entlang der sich herausbildenden Opposition zu als HĂ€retiken ausgeschiedenen Positionen verlief, so dass Texte, auf welche sich "HĂ€retiker" hĂ€tten berufen können, aus dem Kanon ausgeschieden wurden, um die groĂkirchliche IdentitĂ€t zu festigen.[3]
Nicht zu den neutestamentlichen Apokryphen gezÀhlt werden Texte, die zwar einen Àhnlichen Offenbarungsanspruch erheben wie die Evangelien, aber historisch in den ersten Jahrhunderten nicht nachgewiesen sind, z. B. das Barnabasevangelium, die Offenbarungen Jakob Lorbers oder die Holy Piby.
Antikes Codex-Fragment eines unbekannten Evangeliums, das in Ăgypten gefunden und 1935 erstmals veröffentlicht wurde.
Fragment eines Briefs von Clemens von Alexandria an einen sonst unbekannten Theodoros aus Alexandria. Es beschreibt ein âgeistigeres Evangelium [des Markus] zum Gebrauch fĂŒr jene, die eben vervollkommnet wurdenâ, und zitiert eine Perikope aus diesem Evangelium. Das Fragment wurde 1958 von Professor Morton Smith im Kloster von Mar Saba entdeckt und 1973 erstmals ediert.
1886 wurde ein Fragment dieses bis dahin nur aus Notizen bei Eusebius von Caesarea bekannten Evangeliums in Ăgypten entdeckt. Die Handschrift wird in das frĂŒhe 9. Jahrhundert datiert, aber der Text war schon im 2. Jahrhundert in Ăgypten verbreitet, wie einige Fragmente davon aus Oxyrhynchos belegen.
Das Fragment enthĂ€lt einen verkĂŒrzten Passionsbericht mit Petrus als Ich-ErzĂ€hler. Er beginnt mit dem HĂ€ndewaschen des Pilatus und weist Herodes und den Juden die Alleinschuld an Jesu Tod zu. Jesu Auferstehung aus dem Grab geschieht hier vor vielen Zeugen und mit phantastischen ZĂŒgen. Nach der RĂŒckkehr der JĂŒnger nach GalilĂ€a begegnet Jesus den drei erstberufenen JĂŒngern Petrus, Andreas und Levi am See Genezareth (vgl. Joh 21 EU).
H. Köster hielt dies fĂŒr die Ă€lteste Auferstehungsvision, die im Markusevangelium aus theologischen GrĂŒnden weggelassen worden sei. Martin Dibelius dagegen nahm an, der Autor habe alle kanonischen Evangelien gekannt, diese aus dem GedĂ€chtnis nacherzĂ€hlt und mit alttestamentlichen Zitaten ergĂ€nzt. Er kannte die RechtsverhĂ€ltnisse in PalĂ€stina nicht und sein Text enthĂ€lt stark antijudaistische ZĂŒge, so dass Gerd TheiĂen[4] seinen Wert fĂŒr die ErklĂ€rung des Todes Jesu gering veranschlagt.
Dieses winzige BruchstĂŒck wurde 1905 in Oxyrhynchos von Grenfell und Hunt entdeckt. Es enthĂ€lt unter anderem ein StreitgesprĂ€ch Jesu mit dem pharisĂ€ischen Oberpriester Levi ĂŒber die Vorschriften zur Reinigung vor dem Betreten des Vorhofes des israelitischen Tempels durch Jesus und seine JĂŒnger (vgl. Mk 7,1 EU; Mt 15,1 EU). Es betont Ă€hnlich wie synoptische Texte die innere und nicht die Ă€uĂere Reinheit, die mit der christlichen Taufe vollgĂŒltig gegeben sei.
Es ist ein kleines beidseitig beschriebenes Blatt (8,5 zu 7 cm), das wahrscheinlich als Amulett gedient hatte.
Manche Forscher wie Joachim Jeremias nehmen an, dass es zu einem vormarkinischen Evangelium gehörte. Es wÀre dann das Àlteste bekannte Evangelienfragment.
Reste eines Papyrusbuches aus Oxyrhynchos. Der Text wurde erstmals von Greenfell und Hunt (in Ox. Pap. X, 1914, S. 1â10) editiert. Aufgrund des schlechten Zustands der BlĂ€tter war eine Identifikation mit einem apokryphen Evangelium bislang nicht möglich. Die Schrift des Fragments legt eine Datierung ins 4. Jahrhundert nahe.
Papyrusblatt aus dem 6. oder 7. Jahrhundert mit Fragmenten eines unkanonischen Evangeliums, möglicherweise aber auch der Text eines Evangelienauszugs oder einer Predigt. Der Inhalt bezieht sich auf die VerkĂŒndigung der Geburt Jesu und die Flucht nach Ăgypten mit BezĂŒgen zu Mt 2,13 EU bzw. Lk 1,36 EU.
Kurzes Fragment aus dem 3. Jahrhundert mit synoptischem Material (Abendmahl) in verkĂŒrzter Form. Es wurde von G. Bickel 1885 in Wien gefunden und 1887 editiert (Mittheilungen aus der Sammlung der Papyrus Erzherzog Rainer I, 1887, S. 54â61).
Der StraĂburger koptische Papyrus ist das Fragment eines apokryphen Evangeliums aus dem 5. oder 6. Jahrhundert, das sich seit 1899 im Besitz der StraĂburger Landes- und UniversitĂ€tsbibliothek befindet.
Die in dieser Gruppe zusammengefassten Texte sind nicht unbedingt Evangelien im engeren Sinn, d. h. ErzĂ€hlungen des Lebens und Wirkens Jesu. Es sind aber Offenbarungstexte, also Evangelien im weiteren Sinn und/oder Evangelien aufgrund des ĂŒberlieferten Namens.
Als (apokryphe) Apostelakten werden Schriften bezeichnet, die (teilweise in romanhaft-phantastischer Form) die Taten (lat. acta), insbesondere die Missionsreisen eines der Apostel beschreiben. Vorbild ist dabei die Apostelgeschichte des Lukas, deren zweiter Teil von den Missionsreisen des Paulus berichtet. Dementsprechend nennt man zum Beispiel die âThomasaktenâ auch âApostelgeschichte des Thomasâ.
Zur Gruppe der Apostelakten gehören:
Es handelt sich um eine Gruppe sehr unterschiedlicher SchriftstĂŒcke, von denen einige einfach nachtrĂ€gliche Kompilationen von Paulus-Zitaten (aus den kanonischen Briefen) sind, um LĂŒcken in der Biografie des Paulus zu fĂŒllen. Der Barnabasbrief ist eigentlich kein Brief, sondern eher ein theologisches Traktat, das in die Gruppe der Apostolischen VĂ€ter gehört und zeitweise in manchen Kirchen als kanonisch galt.
Authentische, in den Kanon nicht aufgenommene Werke (die Autoren sind meist KirchenvÀter)
Andere