|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Der Apostroph (altgriechisch áŒÏÏÏÏÏÎżÏÎżÏ apĂłstrophos âder Abgewandteâ; ĂŒber lateinisch apostrophus ins Deutsche im 17. Jahrhundert, seit dem 18. Jahrhundert ohne lateinische Endung[1]) bzw. das Auslassungszeichen (umgangssprachlich auch das Hochkomma oder der Oberstrich[2]) ist ein Satzzeichen, das in der deutschen Sprache als Auslassungszeichen (Ellipsenzeichen) bestimmte Auslassungen in einem Wort kennzeichnet oder zwingend den Genitiv von Eigennamen verdeutlicht, die im Nominativ bereits auf einen s-Laut (geschrieben: -s, -ss, -Ă, -tz, -z, -x, -ce) enden, wenn sie nicht einen Artikel, ein Possessivpronomen oder dergleichen bei sich haben.
Inhaltsverzeichnis |
Die Verwendung von Apostrophen ist insbesondere vor dem Genitiv-s keine neue Erscheinung. Bis zum 19. Jahrhundert war diese Schreibweise ĂŒblich.
Der Duden missbilligte diese Verwendung des Apostrophs zunĂ€chst nur: Bei Genitiven sei es ânicht erforderlichâ, einen Apostroph zu setzen. Erst in der Reform der deutschen Rechtschreibung von 1901 wurde diese Verwendungsweise fĂŒr normwidrig erklĂ€rt. In allen Epochen des 20. Jahrhunderts sind FĂ€lle des nunmehr fehlerhaften Apostrophgebrauchs belegt. Wer vor 1901 Schreiben gelernt hatte, verwendete hĂ€ufig weiterhin den Apostroph. So setzte auch Thomas Mann bei Substantiven, die auf Vokal auslauten, regelmĂ€Ăig den Genitiv-Apostroph: Baron Harryâs, Johnnyâs, Erikaâs.
Die erste nach der Befreiung durch die Alliierten erschienene Ausgabe einer deutschen Zeitung, die Aachener Nachrichten vom 24. Januar 1945, hatte als Titelschlagzeile Alliierte Flugzeuge zerschlagen Rundstedtâs RĂŒckzugskolonnen. Traditionsreiche Handelsmarken mit Genitiv-Apostroph sind unter anderem Beckâs Bier, Kaiserâs Kaffee GeschĂ€ft oder Hoffmannâs StĂ€rkefabriken.
Eine Funktion des Apostrophs ist die Kennzeichnung ausgelassener Buchstaben; vorwiegend in der Verschriftlichung gesprochener Sprache, vor allem bei Wörtern, die sonst schwer lesbar oder missverstÀndlich wÀren:
Bei Auslassungen im Wortinnern:
Gelegentlich wird der Apostroph auch bei der Zusammensetzung PrĂ€position + bestimmter Artikel benutzt, beispielsweise inâs, anâs, umâs, zuâr. Nach den gĂŒltigen Regeln darf ein Apostroph aber nur gesetzt werden, wenn die Zusammensetzung ohne Apostroph âundurchsichtigâ wĂ€re (beispielsweise mitâm Fahrrad).[3]
Es handelt sich hier um den Stammformapostroph. Dieser ist ein optionales diakritisches Zeichen.
Nicht als Auslassungszeichen, sondern zur Verdeutlichung der Grundform eines Eigennamens wird der Apostroph gelegentlich vor der Adjektivendung -sche (-scher, -sches) gebraucht.
Bei Eigennamen, die auf einen s-Laut enden, wird die Genitivform durch AnfĂŒgen eines Apostrophs gebildet.[4] Dies gilt auch, wenn -s, -x, -z in der Grundform stumm sind[4] und ebenso fĂŒr aus anderen Sprachen stammende Eigennamen:[5] Alternativ kann auf die veraltete Genitivbildung mit -ens zurĂŒckgegriffen werden: âKlausens Freund Thomasâ. Möglich ist in diesem Fall auch die Umschreibung mit âvonâ (analytische Formbildung):
In einigen FĂ€llen (wie im ersten Beispiel) gilt die Umschreibung mit âvonâ als umgangssprachlich.[6]
Bei Anwendung des Genitivs ist der Apostroph ebenfalls zur Verdeutlichung der Grundform eines Personennamens erlaubt:
Eine hĂ€ufige Verwendung des Apostrophs ist das abgetrennte Genitiv-s, der sogenannte (angel)sĂ€chsische Genitiv, wie bei Opaâs Pfeife oder Schusterâs Rappen. Nach den alten deutschen Rechtschreibregeln war diese Schreibweise generell falsch. Nach der neuen deutschen Rechtschreibung darf sie als Ausnahme in den FĂ€llen verwendet werden, in denen der Apostroph die Grundform eines Personennamens verdeutlicht, beispielsweise bei
Im Tschechischen und Slowakischen sieht das Hatschek (Ë) bei Kleinbuchstaben mit OberlĂ€ngen wie ein nachgestellter Apostroph aus, so dass der Apostroph als Ersatz fĂŒr das Hatschek gebraucht wird, wenn das Originalzeichen nicht vorhanden ist. Beispiel: dâ statt Ä.
Im Pinyin fungiert der Apostroph als Silbentrennungszeichen, im Somali als Zeichen fĂŒr den Glottisschlag.
Der âĂŒblicheâ Apostroph (U+0027) wird auĂerdem bei anderen Gelegenheiten verwendet.
In Programmiersprachen dient er als Symbol mit unterschiedlichen Bedeutungen, zum Beispiel als Kommentarzeichen in BASIC oder in C++ zur Kennzeichnung eines Literals des Datentyps Char.
Weiterhin dient (U+0027) als Ersatzzeichen fĂŒr nicht verfĂŒgbare Ă€hnliche Zeichen, insbesondere stellvertretend fĂŒr die Prime als Einheitenzeichen fĂŒr FuĂ (Einheit) und Winkelminute.
Der Apostroph ist ein Satzzeichen, das sehr oft falsch verwendet wird. Die falsche Verwendung wird mitunter scherzhaft oder polemisch als Apostrophitis[7] bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird auch vom âDeppenapostrophâ gesprochen.
Beispiele:
U+2019, RIGHT SINGLE QUOTATION MARK) ist ein kleiner, leicht von links unten nach rechts oben geneigter Bogen, der einem hochgestellten Komma oder einer Ziffer 9 Ă€hnelt und sich auf der Höhe der ĂberlĂ€ngen der Schrift befindet. Das Aussehen ist abhĂ€ngig vom verwendeten Schriftschnitt. Per Tastatureingabe kann der typografisch korrekte Apostroph
U+0027, APOSTROPHE), welcher nur bei entsprechenden technischen BeschrÀnkungen anstelle des korrekten Apostrophes eingesetzt wird. Erzeugt wird es
In frĂŒhen Computer-ZeichensĂ€tzen wie 7-Bit-ASCII war ebenso wie auf vielen Schreibmaschinen kein typografisch korrektes Apostroph vorgesehen, stattdessen wurde das gerade Apostroph ' (engl. typesetter's apostrophe) als Ersatzzeichen angeboten. Auch der meist fĂŒr westeuropĂ€ische Sprachen verwendete Zeichensatz Latin-9/ISO 8859-15 verzichtet auf ein entsprechendes Zeichen. Weiterhin wird das Zeichen in vielen modernen Tastaturlayouts (Ausnahme etwa die deutsche QWERTZ-Tastaturbelegung) nicht berĂŒcksichtigt und muss bei Bedarf durch Tastenkombinationen erzeugt werden. Viele Computerprogramme (etwa Textverarbeitungssoftware) können auch automatisch die gewĂŒnschte Zeichensetzung erkennen und typografisch falsche Apostrophe in korrekte umwandeln.
Eine Nebenentwicklung der Apostrophsetzung ist, dass heute bisweilen eines der diakritischen Zeichen ÂŽ (Akut) und ` (Gravis) anstelle des eigentlichen Apostrophs (â) gesetzt wird, da sich beide Zeichen in vielen Schriftarten zum Verwechseln Ă€hneln. Bei deutscher Standard-Tastenbelegung unter Windows, MacOS und Linux/X erzeugt die Tastenfolge ÂŽ (Zwischen dem Ă und der RĂŒcktaste) + Leertaste ein Akut-Zeichen.
Auch andere Zeichen Ă€hneln dem Apostroph im Druckbild und werden daher oft falsch anstelle des Apostrophs benutzt: Der Gravis-Akzent (` Unicode: U+0060) und das linke einfache typografische AnfĂŒhrungszeichen â (U+2018).
| Zeichen[Anm. 1] | Name | Unicode-Zeichenwert |
|---|---|---|
| â | Typografisch korrekter Apostroph | U+2019 |
| ' | Ersatzzeichen des Apostrophs | U+0027 |
| ʌ | Ejektiv-Zeichen (IPA), Stimmloser glottaler Plosiv | U+02BC |
| Ë | Betonungszeichen (IPA) | U+02C8 |
| ÂŽ | Akut-Akzent | U+00B4 |
| ` | Gravis-Akzent | U+0060 |
| â | Typografisch korrektes einfaches schlieĂendes AnfĂŒhrungszeichen | U+2018 |
| âČ | Prime, FuĂ, Bogenminute | U+2032 |
| Ê» | Modifier Letter Turned Comma (z. B. fĂŒr ʻOkina) | U+02BB |
Der typografisch korrekte Apostroph kann in HTML und XML durch folgende Codes erzeugt werden:
| Kodierung[8] | |
|---|---|
| dezimal | ’
|
| hexadezimal | ’
|
| EntitĂ€t | ’
|