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In der ArchĂ€ologie (gr. áŒÏÏαáżÎżÏ archaios, âaltâ und lĂłgos âLehreâ; wörtlich also âAltertĂŒmerkundeâ) wird, meist in enger Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern, der kulturellen Entwicklung der Menschheit nachgegangen.
Die ArchĂ€ologie interessiert sich ausschlieĂlich fĂŒr den Menschen und seine Hinterlassenschaften wie GebĂ€ude, Werkzeuge, Kunstwerke etc. Sie umfasst einen Zeitabschnitt, der von den ersten Steinwerkzeugen vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis in die nĂ€here Gegenwart reicht. Erkenntnisse zu Umwelt, Klima, ErnĂ€hrung oder Alter von Funden tragen zur Rekonstruktion vergangener Kulturen bei. Als Quelle dienen dabei die materiellen Hinterlassenschaften des Menschen.
Obwohl die ArchĂ€ologie eine verhĂ€ltnismĂ€Ăig junge Wissenschaft ist, ist es kaum mehr möglich, alle ZeitrĂ€ume zu ĂŒberblicken, sodass sich verschiedene Fachrichtungen herausbildeten. Die Aufteilung ist entweder thematisch (z. B. christliche ArchĂ€ologie) oder regional spezialisiert (z. B. Vorderasiatische ArchĂ€ologie). Obwohl die Methodik sich groĂteils Ă€hnelt, können die Quellen unterschiedlich sein. Selbst die materiellen Hinterlassenschaften der jĂŒngsten Geschichte (beispielsweise Konzentrationslager und Bunkerlinien aus dem Zweiten Weltkrieg) werden heute mit archĂ€ologischen Methoden ausgewertet (allerdings ist dieser Ansatz einer âzeitgeschichtlichenâ ArchĂ€ologie nicht unumstritten).
In der Vor- und FrĂŒhgeschichte (auch Urgeschichte) hat man es hauptsĂ€chlich mit materieller Kultur zu tun, wĂ€hrend in der FrĂŒhgeschichte teils auf Schriftquellen zurĂŒckgegriffen werden kann. Diese stehen fĂŒr ArchĂ€ologen im Gegensatz zu Geschichtswissenschaftlern aber nicht im Mittelpunkt. Die Ausrichtungen der ArchĂ€ologie reprĂ€sentieren meist bestimmte Zeitabschnitte, die in den Regionen der Welt unterschiedlich datiert sein können, und nicht ĂŒberall zu dokumentieren sind, z. B. der Ăbergang von JĂ€ger-Sammlern zu Bauern mit domestizierten Tieren oder zu ViehzĂŒchtern ohne Feldbau, oder die Entstehung der ersten StĂ€dte.
Die ArchÀologie hat sich dabei weltweit zu einem Verbund unterschiedlichster theoretischer und praktischer Fachrichtungen und Forschungen entwickelt und arbeitet mitunter eng mit Historikern zusammen.
Inhaltsverzeichnis |
Cyriacus von Ancona (um 1391â um 1455), ein italienischer Kaufmann und Humanist, gilt als einer der GrĂŒndungsvĂ€ter der modernen klassischen ArchĂ€ologie.
Die in der Renaissance einsetzende Wiedergeburt klassisch-antiker Gelehrsamkeit fĂŒhrt im 15. und 16. Jahrhundert zu einem gesteigerten Interesse an griechischen und römischen AltertĂŒmern und zu einer Welle der Sammelleidenschaft antiker KunstgegenstĂ€nde. Doch auch weniger reisefreudige Gelehrte beginnen sich fĂŒr die vorhandenen Zeugnisse vergangener Zeiten zu interessieren.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts tritt an die Stelle der Sammelleidenschaft die akribische Erfassung der DenkmĂ€ler. In dieser Zeit werden zahlreiche EnzyklopĂ€dien und Kataloge veröffentlicht, welche im spĂ€ten 16. Jahrhundert vielfach mit Kupferstichen und Holzschnitten illustriert werden. In England veröffentlicht William Camden (1551-1632) im Jahre 1586 seine Britannia, einen Katalog der sichtbaren AltertĂŒmer. Bemerkenswert ist, dass er bereits Bewuchsmerkmale in Kornfeldern bemerkte und als solche interpretierte.
Bernard de Montfaucons L'AntiquitĂ© expliquĂ©e erscheint ab 1719. In 10 BĂ€nden stellt er KunstgegenstĂ€nde aus dem Mittelmeerraum dar. Montfaucons Werk bleibt fĂŒr lange Zeit das Standardwerk.
In Skandinavien werden BodendenkmĂ€ler schon frĂŒh beachtet. Bereits 1588 grĂ€bt man einen Dolmen bei Roskilde aus. Im Jahre 1662 erhĂ€lt Uppsala einen Lehrstuhl fĂŒr Altertumskunde. 1685 wird in Cocherel bei Evreux, im DĂ©partement Haute-Normandie,(Frankreich) eine neolithische Grabkammer ausgegraben. Sie gilt als die Ă€lteste archĂ€ologische Grabung, weil hier der erste erhaltene Grabungsbericht erstellt wird. Der Kieler Professor Johann Daniel Major fĂŒhrt um 1690 umfangreiche Ausgrabungen in JĂŒtland durch und lĂ€sst zahlreiche HĂŒgelgrĂ€ber öffnen. Sein Ziel ist es, die Herkunft der Einwohner der Halbinsel mit archĂ€ologischen Methoden zu klĂ€ren.
Trotz groĂer PopularitĂ€t hatte die ArchĂ€ologie als Wissenschaft aber noch keinen Stellenwert, denn es herrschte die Ansicht vor, dass ausschlieĂlich historische Quellen und die Bibel zur Interpretation der Vergangenheit geeignet seien. So galt es noch lange als ein Faktum, dass - wie James Ussher aus der Bibel ableitete - die Menschheit im Oktober 4004 v. Chr. entstand. 1655 wagt es Isaac de La PeyrĂšre die so genannten âDonnerkeileâ (Steinzeitartefakte) menschlichen AktivitĂ€ten zuzuordnen, welche vor Adam lebten (PrĂ€-Adamiten-These). Nach einer Intervention der Inquisition widerruft er seine Theorie. Michele Mercati (1541-1593) gilt als der erste europĂ€ische Gelehrte, der Steinwerkzeuge als solche einstufte. Sein Werk wird jedoch erst 1717 veröffentlicht.
ArchĂ€ologische Forschungsmethoden setzten sich nun sukzessiv durch. Oftmals trafen einzelne Gelehrte schon frĂŒh bahnbrechende Schlussfolgerungen, welche aber oft - da noch nicht zeitgemÀà - unbeachtet blieben. Einer der Bahnbrecher war der französische AmateurarchĂ€ologe Jacques Boucher de Perthes, der als erster prĂ€historische Artefakte richtig zuordnete, wofĂŒr ihm aber erst mehr als 20 Jahre spĂ€ter, durch die BestĂ€tigung Charles Lyells (1797-1875), Anerkennung zuteil wurde. Eine wichtige Erkenntnis war die Entdeckung des stratigraphischen Prinzips. Bereits lange vorher war die Zusammengehörigkeit und somit Gleichaltrigkeit von Funden, welche sich in einer Schicht befanden (beispielsweise ein Steinartefakt im Fundzusammenhang mit einer ausgestorbenen Tierart), immer wieder diskutiert, wurde aber nicht allgemein akzeptiert.
Ein Modell, das in seinen GrundzĂŒgen noch heute gilt, wurde von 1837 von Christian JĂŒrgensen Thomsen entworfen. Er war Kurator in Kopenhagen und erfand das âDrei-Perioden-Systemâ, das die Vorgeschichte der Menschheit in drei Phasen einteilt, nĂ€mlich die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit. Etwa 30 Jahre spĂ€ter, um 1865, unterschied J. Lubbock die Steinzeit noch in die des geschlagenen und die des geschliffenen Steins. Die Begriffe âPalĂ€olithikumâ (Altsteinzeit) und âNeolithikumâ (âNeu-â/Jungsteinzeit) waren geboren. Die Epochen sind in sich vielfach untergliedert, aber die damals gefundene Unterteilung gilt - mit EinschrĂ€nkungen - bis heute.
Die ersten groĂen Ausgrabungen fanden in den antiken StĂ€dten Pompeji und Herkulaneum statt. Beide waren am 24. August 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs ausgelöscht worden. Pompeji wurde Ende des 16. Jahrhunderts beim Bau einer Wasserleitung wiederentdeckt. 1748 begannen die Grabungen. In Herkulaneum wurde erstmals 1709 gegraben, 1738 lieĂ Karl III. von Neapel die Stadt gezielt ausgraben. 1768 konnte das Theater, die Basilika und die Villa dei Papiri freigelegt werden.
Mit seinem Sendschreiben von den herkulanischen Entdeckungen, der ersten archĂ€ologischen Publikation, begrĂŒndete Johann Joachim Winckelmann 1762 die neue Wissenschaft der ArchĂ€ologie und gilt seither als Vater der (klassischen) ArchĂ€ologie. Winckelmann ist auch der Erste, der eine Periodisierung und geschichtliche Einordnung der griechischen Kunst versucht. Seine Entwicklungsstufen (alter Stil - hoher Stil - schöner Stil - Stil der Nachahmer - Verfall der Kunst) sind durch die enthaltene Wertung jedoch ĂŒberholt. FĂŒr die Verbreitung seiner Forschung und deren Rezeption in der zeitgenössischen Literatur und Kunst war der Göttinger Professor Christian Gottlob Heyne entscheidend, der mit Winckelmann korrespondierte, seine Schriften rezensierte und bekanntmachte und in seinen Vorlesungen verwendete. 1802 wurde an der Christian-Albrechts-UniversitĂ€t zu Kiel der erste Lehrstuhl fĂŒr klassische ArchĂ€ologie eingerichtet.
Die Ăgyptischen BaudenkmĂ€ler, allen voran die Pyramiden, waren bereits im Altertum beliebte Reiseziele (siehe Weltwunder). Im 17. Jahrhundert hatte sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass es sich hierbei um KönigsgrĂ€ber handelt. Die Ăgyptologie nahm mit NapolĂ©on Bonapartes Ăgypten-Feldzug 1798 ihren Anfang. In Begleitung des Heeres befanden sich auch Wissenschaftler. Von besonderer Bedeutung ist der Fund des Steins von Rosetta, welcher 1822 Jean-François Champollion die Entzifferung der Hieroglyphen ermöglichte.
Von besonderer Bedeutung fĂŒr die Ă€gyptische ArchĂ€ologie ist Auguste Ferdinand François Mariette (1821-1881), welcher ab 1858 als Direktor des Ă€gyptischen AltertĂŒmerdienstes mehr als dreiĂig FundstĂ€tten ausgrub. Seine Methoden waren brachial (beispielsweise Sprengladungen). Die Feststellung der FundumstĂ€nde und wissenschaftliche Auswertungen waren damals noch nicht festgelegt, aber er beendete die Ăra der reinen Schatzsucher (so Giovanni Battista Belzoni (1778-1823)), welche zuvor zahllose Funde nach Europa geschafft hatten. Mariette selbst hat seit 1850 rund 7000 Objekte nach Paris (Louvre) gebracht. Nun setzte er sich jedoch vehement dafĂŒr ein, dass Ăgyptens AltertĂŒmer nicht mehr auĂer Landes verschleppt wurden. Zur Aufbewahrung der Funde grĂŒndete Mariette den VorlĂ€ufer des Ăgyptischen Nationalmuseums in Kairo. Karl Richard Lepsius (1810-1884) erstellte zwischen 1842 und 1845 eine umfassende Aufnahme Ă€gyptischer und nubischer DenkmĂ€ler. 1859 wurde das Ergebnis in den zwölf BĂ€nden der Denkmaeler aus Aegypten und Aethiopien veröffentlicht, welche allein 894 Farbtafeln enthalten. Um die archĂ€ologische Erforschung Griechenlands machte sich um 1840 besonders Ludwig Ross verdient, der als erster systematische Ausgrabungen auf der Akropolis von Athen durchfĂŒhrte.
Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelt sich die ArchÀologie zunehmend zur Wissenschaft. Unterscheiden sich die AusgrÀber bisher nur unwesentlich von Schatzsuchern und GrabrÀubern, werden nun die Grabungstechniken verfeinert, eine gute Dokumentation und exakte Einordnung der Funde immer wichtiger.
Antoine Ives Goguet (1716-1758) hat bereits 1738 die Auffassung vertreten, es mĂŒsse drei Stufen prĂ€historischer Technologie (Steinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit) gegeben haben. Durchsetzen konnte sich das Dreiperiodensystem jedoch erst mit dem DĂ€nen Christian JĂŒrgensen Thomsen (1788-1865), welcher erstmals ein Museum (1819) nach diesem Prinzip ordnet. Sir John Lubbock (1834-1913) fĂŒhrt 1865 eine weitere Unterteilung der Steinzeit in PalĂ€olithikum (Altsteinzeit) und Neolithikum (Jungsteinzeit) ein.
Erst ab 1859 wird das hohe Alter der Menschheit allgemein anerkannt. Im selben Jahr erscheint Darwins Entstehung der Arten. Der bereits 1856 entdeckte Fund des Neandertalers, welcher von Johann Carl Fuhlrott und Hermann Schaaffhausen vergeblich als eiszeitlich eingestuft wurde, kann sich als solcher in Deutschland erst ab 1902 durchsetzen, als Rudolf Virchow stirbt, der als pathologische AutoritĂ€t jede weiterfĂŒhrende Diskussion unterbunden hatte.
In Schweden entwickelt Oscar Montelius (1843-1921) ein System der differenzierten Typologie zur Einordnung (Periodisierung) von FundstĂŒcken und schafft die Grundlage einer relativen Chronologie.
1853/54 werden aufgrund eines ungewöhnlich niedrigen Wasserstandes bei Obermeilen am ZĂŒrichsee hölzerne Pfeiler, Steinbeile und Keramik entdeckt. Die Siedlung wird von Ferdinand Keller untersucht. Lange Zeit glaubt man, bei diesen Feuchtbodensiedlungen habe es sich um Pfahlbauten im Wasser gehandelt. Ab den 1920er Jahren entspann sich eine heftige Diskussion um die Lage der Pfahlbauten. Es konkurrierten Ufer- und Wasserpfahlbauten. Heute weiĂ man, dass es Land- und Wasserpfahlbauten gab. Die neuen Untersuchungen in Hornstaad am Bodensee belegen Pfahlbauten im Wasser, bis zu 5 Meter vom Seeboden abgehoben. Rekonstruktionen (beispielsweise in Unteruhldingen am Bodensee) zeigen nicht nur die verschiedenen LösungsvorschlĂ€ge der ArchĂ€ologie, sondern auch den aktuellen Forschungsstand nach den Befunden der UnterwasserarchĂ€ologie (Pfahlbaumuseum Unteruhldingen).
Edouard Lartet (1801-1871) untersucht 1860 eine FundstĂ€tte in den PyrenĂ€en (Massat) und findet dabei auch eine Geweihspitze mit eingraviertem BĂ€renkopf, der erste Fund jungpalĂ€olithischer Kunst. SpĂ€ter grĂ€bt er mehrere französische HöhlenfundplĂ€tze (Gorge d'Enfer, Laugerie Haute, La Madeleine und Le Moustier) aus. Besondere Aufmerksamkeit erlangen die groĂartigen Höhlenmalereien, welche 1879 in der Höhle von Altamira entdeckt werden.
Die archĂ€ologische Erforschung der Kelten beginnt 1858, als Oberst Schwab die ersten Ausgrabungen in La TĂšne am Neuenburgersee (Schweiz) durchfĂŒhrt. 1846 beginnen die Ausgrabungen in Hallstatt. 1872 wird die Eisenzeit Europas erstmals in eine Ă€ltere Phase (Hallstattzeit) und einer jĂŒngeren (LatĂšnezeit) unterteilt.
Die Entwicklung der Klassischen ArchĂ€ologie in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts wird von Heinrich Schliemann (1822-1890) dominiert. Der GeschĂ€ftsmann und âHobbyarchĂ€ologeâ Schliemann gilt als BegrĂŒnder der VorgeschichtsarchĂ€ologie Griechenlands und des Ă€gĂ€ischen Raumes. 1869 grĂ€bt er auf Ithaka und 1871 beginnt er in Hissarlik zu graben. Dort vermutet er das Troja Homers und wird recht behalten, obwohl er sich in der Bauperiode selbst tĂ€uschte. Seine Ausgrabungsmethoden waren sehr umstritten, so mancher Fachmann hĂ€lt von Schliemanns FĂ€higkeiten nichts. Sein Ruhm stĂŒtzt sich vor allem auf die wertvollen Funde (beispielsweise âSchatz des Priamosâ). Seine Entdeckung prĂ€historischer (vorhomerischer) Kulturen und Siedlungen löst zahlreiche weitere Grabungen im Ă€gĂ€ischen Raum aus. Lange unterschĂ€tzt wurden die durch ihn bewirkten methodischen Fortschritte, wie die Betonung der Stratigraphie oder den Einsatz der Fotografie als Mittel der archĂ€ologischen Dokumentation.
Einen Meilenstein der archĂ€ologischen Forschung stellt Sir William Matthew Flinders Petrie (1853-1942) dar, welcher seit 1880 als ArchĂ€ologe in Ăgypten forscht und ausgrĂ€bt. 1904 veröffentlicht er seine Methoden und Ziele der ArchĂ€ologie, in denen er vier Prinzipien darlegt:
1913 erscheint der erste Band des Handbuchs der ArchĂ€ologie (Herausgeber: Heinrich Bulle (1867-1945)). Als vorbildliche Grabung dieser Zeit gilt die 1922 begonnene Ausgrabung des GrĂ€berfeldes von Assini (Argolis), welche von schwedischen ArchĂ€ologen vorgenommen wird. Der gesamte Aushub wird gesiebt und eine erstklassige Grabungsdokumentation erstellt. Der berĂŒhmteste archĂ€ologische Fund des 20. Jahrhunderts gelingt Howard Carter (1873-1939) im selben Jahr. Er findet nach sechsjĂ€hriger Suche das Grab des Tut-anch-Amun.
Pionier der LuftbildarchÀologie war nach dem Ersten Weltkrieg der britische Pilot Osbert G. S. Crawford, er fotografiert vom Flugzeug aus archÀologische FundstÀtten in England.
Gustaf Kossinna (1858-1931) stellt 1920 seine siedlungsarchĂ€ologischen Methoden vor. Seine Interpretationen, welche den Germanen eine ĂŒberragende kulturelle Bedeutung zuschreiben, dienen dem Nationalsozialismus als Beweis fĂŒr die Ăberlegenheit der Germanen und der arischen Rasse. Die Diskreditierung in der Nachkriegszeit fĂŒhrte dazu, dass auf Jahrzehnte eine Anbindung archĂ€ologischer Funde an ethnische Gruppen obsolet war.
Die erste Ordentliche Professur wurde 1927 in Marburg geschaffen und im folgenden Jahr mit Gero Merhart von Bernegg aus Bregenz besetzt. Er hatte sich 1924 mit Die Bronzezeit am Jenissei habilitiert. Bei ihm promovierten bis zu seiner Zwangspensionierung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1942 29 Studenten, nach dem Krieg kamen fĂŒnf weitere hinzu. Ab 1950 dominierte in Deutschland die Marburger Schule, die diese Akademiker bildeten. Gero von Merhart, wie er meist genannt wird, legte das Fach auf strenge Erfassung, Systematisierung und Katalogisierung fest und mied weitgehend die kulturgeschichtliche Deutung.
Thor Heyerdahl fuhr 1947 mit einem FloĂ von SĂŒdamerika nach Polynesien und kann als einer der BegrĂŒnder der Experimentellen ArchĂ€ologie betrachtet werden.
Im 20. Jahrhundert greift die ArchĂ€ologie vermehrt auf Techniken anderer Wissenschaften zurĂŒck. Als Beispiele seien die 1949 entwickelte 14C-Datierung zur Datierung von organischen Stoffen und die Strontiumisotopenanalyse zur Erforschung der Wanderbewegungen der ur- und frĂŒhzeitlichen Menschen genannt. Die ArchĂ€ologie hat sich zur Verbundwissenschaft entwickelt. Die Erforschung der 1991 in den Ătztaler Alpen gefundenen vorgeschichtlichen Leiche (Similaun-Mann/Ătzi) ist hierfĂŒr beispielhaft. Mit Hilfe der DNA-Analyse konnten weltweit erstmals die Verwandtschaftsbeziehungen von 40 Individuen aus einer bronzezeitlichen BegrĂ€bnisstĂ€tte in der Lichtensteinhöhle rekonstruiert werden.
ArchÀologie ist ein Sammelbegriff vieler archÀologischer Disziplinen, welche meist bestimmte Zeitabschnitte oder Regionen bezeichnen. Die einzelnen Disziplinen unterscheiden sich nicht nur im behandelten Forschungsgegenstand, sondern auch in den verwendeten Methoden, z. B. bei der UnterwasserarchÀologie. Daneben bilden archÀologische Methoden einen Teilaspekt einer eigenstÀndigen Wissenschaft, beispielsweise in der Forensik. In FÀchern wie der Altamerikanistik oder auch der Klassischen ArchÀologie können die inhaltlichen Schwerpunkte nicht-archÀologischer Natur sein.
Die Disziplinen der ArchÀologie unterscheiden sich thematisch, zeitlich und rÀumlich. Dementsprechend unterschiedlich sind die Quellen derer sie sich bedienen. WÀhrend in der PrÀhistorischen ArchÀologie keine oder sehr spÀrlich schriftliche Quellen vorliegen und man sich vorwiegend auf die materiellen Hinterlassenschaften dieses Zeitabschnitts beruft, können andere archÀologische Fachrichtungen zusÀtzlich Schriftquellen auswerten.
Die nachfolgenden Disziplinen stellen geografische Schwerpunkte dar:
ArchĂ€ologische Forschungsmethoden gliedern sich in solche der QuellenerschlieĂung und solche der Quelleninterpretation. In der Ăffentlichkeit wird meist nur die ErschlieĂung der Quellen zur Kenntnis genommen. Zur QuellenerschlieĂung zĂ€hlt auch deren typologische und chronologische Auswertung, die per se ja noch keine historische Einordnung darstellt. Nach der QuellenerschlieĂung und Aufbereitung steht die historische Interpretation, die fĂŒr prĂ€historische Zeiten zwangslĂ€ufig auf ethnographischen oder historischen Analogien beruhen muss. FĂŒr die historischen ArchĂ€ologien, wie der Vorderasiatischen ArchĂ€ologie, der klassischen ArchĂ€ologie oder der ArchĂ€ologie des Mittelalters steht die Interpretation der materiellen Quellen in Interaktion mit der schriftlichen Ăberlieferung im Vordergrund. Trotz aller naturwissenschaftlichen Forschungsmethoden ist die ArchĂ€ologie damit primĂ€r eine Geisteswissenschaft.
Die Ausgrabung ist zwar die bekannteste Forschungsmethode, jedoch nur ein kleiner Teilbereich der archĂ€ologischen Arbeit. Die Dokumentation, Auswertung, Konservierung und Archivierung der Funde stellt den weitaus gröĂten Teil der archĂ€ologischen TĂ€tigkeit dar.
Die meisten FundplĂ€tze werden heute durch BaumaĂnahmen entdeckt. Ăber Notgrabungen, auch Rettungsgrabungen genannt, versucht die archĂ€ologische Denkmalpflege diese Befunde vor ihrer endgĂŒltigen Zerstörung auszuwerten. Seltener sind Forschungsgrabungen, bei denen unter primĂ€r wissenschaftlichen Interessen FundplĂ€tze zur Grabung ausgewĂ€hlt und ohne Ă€uĂeren Zeitdruck untersucht werden können.
Eingeleitet wird eine Ausgrabung durch ArchÀologische Voruntersuchungen: SuchgrÀben, magnetische Sondierung, Bodenwiderstandsmessung, LuftbildarchÀologie etc. kommen hier zum Einsatz. Jede Methode dient dazu sich ein Bild der potenziellen Grabungsstelle zu machen, um die eigentliche Grabung besser planen zu können.
Eine moderne Grabung ist befundorientiert, d. h. die einzelnen Funde werden in ihrer rÀumlichen und zeitlichen Einbettung auf Befunde bezogen. Hierzu werden verschiedene Grabungstechniken und Methoden (Stratengrabung versus Schichtengrabung) angewandt.
Da jede Ausgrabung zur Zerstörung eines Befundes fĂŒhrt, soll eine exakte Dokumentation den Fundplatz, zumindest auf dem Papier, auch spĂ€ter bis ins Detail rekonstruierbar machen. Das wichtigste Arbeitsmittel der Ausgrabung ist deshalb, neben der Kelle, âPapier und Buntstiftâ.
Die Prospektion umfasst zerstörungsfreie Methoden, mit deren Hilfe eine Untersuchung potenzieller oder bekannter FundplÀtze ermöglicht wird. Teilbereiche sind die GelÀndebegehung (Survey), die LuftbildarchÀologie und geophysikalische Methoden (Geoelektrik, Elektromagnetische Induktion, geomagnetische Kartierung, Bodenradar). Ebenfalls prospektiv einsetzen lÀsst sich die Phosphatanalyse.
Die Bauforschung ist ein wesentlicher Teil sowohl der klassischen ArchĂ€ologie als auch der ArchĂ€ologie des Mittelalters; wohingegen sie in der Ur- und FrĂŒhgeschichte mangels aufgehend erhaltener Bauwerke nur eine untergeordnete Rolle spielt. Eine der Dokumentationsmethoden ist die Photogrammetrie.
Gerade am sehr populĂ€ren Beispiel der Gletschermumie Ătzi ist zu erkennen, dass die Ausgrabung nur einen Bruchteil der archĂ€ologischen Arbeit darstellt. Der 1991 entdeckte Fund wird bis heute wissenschaftlich untersucht.
Ein Schwerpunkt der Fundanalyse ist die Datierung der Befunde (z. B. Grab) anhand der Funde (z. B. Grabbeigabe). Bei der Altersbestimmung wird zwischen absoluter Chronologie und relativer Chronologie unterschieden.
Die relative Chronologie setzt einen Fund dabei in Bezug zu einem anderen. Ist er jĂŒnger, Ă€lter oder gar gleichzeitig? J.J. Winckelmanns âvergleichendes Sehenâ ist eine der ersten Methoden zur relativen Chronologie.
Bei der absoluten Chronologie wird ein Fund ein absolutes Datum (Jahr, Jahrhundert) zugeordnet
Die Typologie oder besser Typographie ist die Klassifikation von Objekten nach Kriterien von Form und Material. Sie ist grundlegend fĂŒr die Einordnung des Fundmaterials, da sie Vergleiche mit Fundsituationen an anderen FundplĂ€tzen ermöglicht und zur Grundlage von Kombinationsanalysen (zur relativchronologischen Datierung wie zur sozioökonomischen Einordnung) und Verbreitungsanalysen wird.
Materialbestimmungen erfolgen hÀufig mit Hilfe der ArchÀometrie. Unter dem Begriff ArchÀometrie werden alle naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden archÀologischer Funde und FundstÀtten zusammengefasst. Aus der BeschÀftigung dieser naturwissenschaftlichen FÀcher mit archÀologischem Material und archÀologischen Fragestellungen haben sich eigene Spezialgebiete entwickelt.
Zur Identifikation und Detailuntersuchung von Artefakten dienen u.a die Mikroskopie, Infrarot- und Ultraschallaufnahmen, Röntgen, chemische Analysen, Spektralanalysen und Laserscans.
Naturwissenschaftliche Methoden werden auch fĂŒr die Prospektion und die Altersbestimmung der Funde herangezogen.
Die Methoden der Interpretation sind in der Regel eher geisteswissenschaftlich. FĂŒr die prĂ€historische ArchĂ€ologie ist der Analogieschluss die wesentliche Möglichkeit der Interpretation, in der historischen ArchĂ€ologie (z. B. klassische ArchĂ€ologie, ArchĂ€ologie des Mittelalters, ArchĂ€ologie der Neuzeit) ist es der Vergleich mit Informationen aus anderen Quellen, wie schriftlicher oder bildlicher Ăberlieferung.
In Deutschland gehört die ArchĂ€ologie zu den Aufgaben der BundeslĂ€nder (LandesarchĂ€ologe), meist als Bereich des Denkmalamtes als Bodendenkmalpflege organisiert. GröĂere StĂ€dte haben oft eine eigene StadtarchĂ€ologie. Mehrere Institutionen fördern Forscher und Projekte durch ArchĂ€ologiepreise.
Deutsche Grabungen im Ausland werden hingegen im Rahmen von Forschungsprojekten der UniversitĂ€ten, des Deutschen ArchĂ€ologischen Instituts oder des Römisch-Germanischen Zentralmuseums durchgefĂŒhrt.
Die ArchĂ€ologie gehört in Amerika zur Anthropologie (Völkerkunde) und hat aus diesem Grund eine völlig andere Ausrichtung als die europĂ€ische Forschung. Dies folgt vor allem aus dem Umstand, dass zum Zeitpunkt der Besiedlung der neuen Welt zuerst ethnographische Untersuchungen an noch existierenden Ureinwohnern stattfanden. Die eher spĂ€rlichen prĂ€kolumbischen Funde sind ein weiterer Grund fĂŒr den in der Erforschung kultureller Prozesse liegenden Schwerpunkt amerikanischer ArchĂ€ologie.
Als Pionier der amerikanischen ArchĂ€ologie gilt Thomas Jefferson (1743-1826), welcher ab 1784 einige GrabhĂŒgel untersucht, um ihr Alter zu bestimmen. Jefferson setzt dabei erstmals eine Methode ein, die als VorlĂ€ufer der Dendrochronologie angesehen werden kann: er zĂ€hlt die Jahresringe der auf den GrabhĂŒgeln stehenden BĂ€ume.
Die ersten groĂen Ausgrabungen in Mittelamerika werden Ende des 19. Jahrhunderts im Mayazentrum CopĂĄn durchgefĂŒhrt. 1911 entdeckt Hiram Bingham die Inkastadt Machu Picchu.
Im Jahre 1990 fanden ArchĂ€ologen in der NĂ€he von Mexiko-Stadt ĂŒber 10.000 Artefakte aus der Zeit der spanischen Eroberung des Landes. Man fand nicht nur menschliche Knochen, sondern auch Waffen, Kleidung, HaushaltsgerĂ€te und GegenstĂ€nde aus dem persönlichen Besitz von HernĂĄn CortĂ©s. Die Fundstelle wurde als Weltkulturerbe vorgeschlagen.
1863 wird in Indien die Archaeological Survey of India gegrĂŒndet. 1921/1922 entdeckt man eine der Ă€ltesten Hochkulturen der Menschheit, die Indus-Kultur. Ausgegraben werden u. a. die StĂ€dte Harappa und Mohenjo-Daro.
ArchÀologie in China beginnt mit dem schwedischen Geologen J. Gunnar Andersson (1874-1960), welcher 1921 bei Yang Shao Tsun in Honan eine neolithische Wohnhöhle entdeckt und damit beweist, dass China in vorgeschichtlicher Zeit bewohnt war. 1928 wird Anyang ausgegraben, die Hauptstadt der Shang-Dynastie des 2. Jahrtausends v. Chr.
1974 wird die Terrakottaarmee rund um das Grab des chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi bei Xi'an entdeckt.
Afrika ist nicht nur in palĂ€oanthropologischer Hinsicht die Wiege der Menschheit, sondern auch die unserer Kultur. Nur in Afrika kommen SteingerĂ€te vor, die 2,5 Millionen Jahre alt sind und deren Herstellung mit den ersten Homo-Arten unserer Spezies in Verbindung gebracht wird. Die betreffenden Werkzeuge - einfache GeröllgerĂ€te (Oldowan), spĂ€ter die Faustkeile, um die Leitformen zu nennen, kommen auch in anderen Teilen der Welt vor, nur sind sie hier deutlich jĂŒnger. In Europa datieren die Ă€ltesten Stellen auf eine Million Jahre.
Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist der Nordosten Afrikas Gegenstand intensiver Forschungen durch die Ăgyptologie und Koptologie. Diese Region des Kontinents ist auch im internationalen Vergleich hervorragend dokumentiert. Da jedoch die Ă€ltesten Schriftquellen im sub-Saharischen Afrika nicht weiter als 600 Jahre zurĂŒckreichen, kommt der ArchĂ€ologie gerade hier eine besondere Bedeutung zu. Aufgrund der kurzen Forschungstradition im Vergleich zu Mitteleuropa steht man hier allerdings noch vielfach am Anfang.
Die Vermittlung archÀologischer Forschungsergebnisse erfolgt auf verschiedene Weise:
siehe: