|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Assemblage ist ursprünglich in der Bildenden Kunst zu einem Begriff mit besonderer Bedeutung geworden, der eine Art von Kunstwerken bezeichnet: Collagen mit plastischen Objekten, die auf einer Grundplatte befestigt sind. So entstehen Kunstwerke mit reliefartiger Oberfläche. Auch dreidimensionale Objekte können als Assemblage bezeichnet werden. Der Begriff ist per Analogie in andere Bereiche übernommen worden.
Inhaltsverzeichnis |
In der Bildhauerei hat vor allem Auguste Rodin ab etwa 1895 die Technik der Assemblage als innovative Arbeitsweise eingeführt. Der Künstler legte ein Reservoir von Abgüssen, Reduktionen und Vergrößerungen bereits geschaffener Werke an, aus dem er durch Neukombination von Körpern, Köpfen, Armen, Beinen und anderen skulpturalen Elementen neue Sinnzusammenhänge erschließen konnte.
Später, aber vor der kunsthistorischen Etablierung des Begriffs arbeiteten Künstler wie Marcel Duchamp, Pablo Picasso, Louise Nevelson, Raoul Hausmann und Elsa von Freytag-Loringhoven mit der Kombination vorgeformter natürlicher oder hergestellter Materialien, Objekte oder Fragmente.[1] Allgemein bekannt ist Picassos Verwendung verschiedenster vorgefundenen Materialien (Holz, Metall, Glas) und Gegenstände, die er zu einem neuen Ganzen zusammenfügte. Beispiele sind Picassos Stierschädel (Tête de taureau), von 1940 und 1942, eine Kombination aus Fahrradlenker und Sattel, das Absinthglas oder die Frau mit Kinderwagen. Picasso nutzte das künstlerische Verfahren bereits 1912 für dreidimensionale kubistische Konstruktionen.[2]
Der Begriff Assemblage wurde in den 1950er Jahren von Jean Dubuffet aufgenommen, um eine seiner Werkgruppen zu bezeichnen. 1961 wurde er dann von William C. Seitz, einem der Kuratoren der MoMA-Ausstellung The Art of Assemblage, übernommen. In Folge dieser stark rezipierten Ausstellung ist der Begriff in die kunstgeschichtliche Literatur eingegangen.
Künstler wie Alberto Burri, Louise Bourgeois, Joseph Cornell, Edward Kienholz, Louise Nevelson, Martial Raysse, Hans Salentin und Kurt Schwitters nahmen diese Weiterentwicklung der Collage in ihr Werk auf.
Daniel Spoerri entwickelte seine Fallenbilder als Assemblagen, Robert Rauschenberg verband Assemblage mit Malerei zu Combine Paintings, während Christo und Jeanne-Claude die Assemblage zur Verpackungskunst weiterentwickelten. Auch die Akkumulation der Nouveaux Réalistes kann als Weiterentwicklung oder verwandtes Phänomen gesehen werden. Wolf Vostell begann Anfang der 1960er Jahre, Fernseher in seine Objektbilder zu integrieren. Er schuf Skulpturen, bei denen Malerei, Autoteile, Fernseher, Videokameras und Monitore verbunden wurden.
Gilles Deleuze und Felix Guattari haben um den Begriff eine sozialwissenschaftliche Theorie konstruiert. Sie verstehen unter „Assemblage“ ein „kontingentes Ensemble von Praktiken und Gegenständen, zwischen denen unterschieden werden kann“ (d. h. sie sind keine Ansammlungen von Gleichartigem), „die entlang den Achsen von Territorialität und Entterritorialisierung ausgerichtet“ werden können. Damit vertreten sie die These, dass bestimmte Mixturen technischer und administrativer Praktiken neue Räume erschließen und verständlich machen, indem sie Milieus dechiffrieren und neu kodieren.[3]
Hingegen verwendet Saskia Sassen, eine US-amerikanische Soziologin und Wirtschaftswissenschaftlerin, den Begriff nicht zur Theoriebildung, sondern deskriptiv.[4]