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| Stadt
Astrachan
Астрахань
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Astrachan (russisch Астрахань;
Aussprache?/i) ist eine Stadt an der Wolga in Russland mit 520.662 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1] Als alte Städtenamen sind Etil und İtil bekannt; beide Namen bezeichnen auch die Wolga.
Inhaltsverzeichnis |
Seit dem 6. Jahrhundert war Astrachan ein wichtiger Warenumschlagplatz zwischen Europa und den Anrainern des Kaspischen Meeres. Davon zeugt auch die Bezeichnung „Astrachan“ für das lockige Fell des Lamms des Karakulschafs (auch „Persianer“), das hauptsächlich über diesen Platz gehandelt wurde. Seit dem 13. Jahrhundert von Wolga-Tataren besiedelt (mit dem Namen Aschtarchan), war Astrachan lange Zeit Sitz eines tatarischen Khanates, des Khanat Astrachan. Ab 1554 war es russisch. 1556 belagerte Iwan der Schreckliche die Stadt und brannte sie vollständig nieder.
Nach der Eroberung durch den Moskauer Staat wurde die Stadt 1558 als hölzerne Festung an ihrer jetzigen Lage auf einer von Wolgaarmen umflossenen Anhöhe, 12 km stromabwärts, neu aufgebaut. 1582 erhielt der Ort eine Zitadelle mit einer steinernen Mauer mit acht Türmen und eine Karawanserei. Um den Kreml herum bildeten sich Freie Siedlungen (eine sogenannte Sloboda-Siedlung) der Astrachaner Tataren, Armenier und Russen. Die an der Peripherie des Zarentums Russlands gelegene Festung war den Angriffen der an den Flüssen Don, Terek und Wolga siedelnden Kosaken, der ursprünglichen regionalen Bevölkerung und benachbarter Nachfolgereiche der ehemaligen Goldenen Horde wie des Krimkhanates ausgesetzt. Sie wehrten sich gegen die vom Astrachaner Kreml ausgehende Herrschaft oder sahen diese und die russische Ansiedlung als Fremdherrschaft und Bedrohung an (Aufstand von 1605/06, Eroberung der Stadt durch die Donkosaken unter Stepan Rasin 1670/71).
Im Laufe des 17. Jahrhunderts gewann Astrachan als Transitpunkt des internationalen Rohseidehandels eine wachsende Bedeutung. Die Route von Persien über das Kaspische Meer die Wolga aufwärts an die Ostsee und nach Nord- und Westeuropa (Holland, England) war zwar ökonomisch interessant, sie war und blieb jedoch nur eine Nebenroute, die nie die Bedeutung des Landhandelsweges durch das Osmanische Reich zum Mittelmeer erreichte. Im innerrussischen Handel mit Nischni Nowgorod und Moskau blieben Salz und Fisch die wichtigsten Güter. Seit 1717 war Astrachan Gouvernementshauptstadt, seit 1787 Bestandteil einer kaukasischen Statthalterschaft.
Zar Peter I. ließ ab 1722 eine Admiralität, eine Werft und einen Hafen errichten und eine Flotte aufbauen (vgl. Kaspische Flottille).
Der Fischfang (Stör, Kaviar) entwickelte sich zum wichtigsten Wirtschaftszweig, der Weinanbau blieb dagegen hinter den hohen Erwartungen zurück.
Im 19. Jahrhundert ging die wirtschaftliche Bedeutung Astrachans immer stärker zurück. Erst Ende des 19. Jahrhunderts führte die Erdölgewinnung in Baku zu einem neuen Aufschwung. Im Russischen Bürgerkrieg von 1918 bis 1920 war die Stadt zwischen Weißgardisten und der Roten Armee umkämpft. In der frühen Sowjetunion wurde die Stadt administrativ der nördlich gelegenen Nachbarstadt Wolgograd untergeordnet, 1943 aber zu einer Gebietshauptstadt erhoben.
Im Rahmen der Operation Blau und der Offensive auf Stalingrad flog die deutsche Luftwaffe im Spätsommer 1942 mehrere Bombenangriffe auf die Stadt mit ihren Ölraffinerien. Fernspähtrupps der Heeresgruppe A näherte sich Astrachan bis auf 150 Kilometer, bis zum kalmückischen Dorf Chulchuta bei Jaschkul, was den wahrscheinlich östlichsten je von der deutschen Wehrmacht erreichten Punkt darstellte.
In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 204 für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[2] Schwer Erkrankte wurden in den beiden Kriegsgefangenenhospitälern 5613 und 5761 versorgt.
| Astrachan | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Klimadiagramm (Erklärung) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Astrachan
Quelle: Roshydromet
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In Astrachan ist in großem Maße historische Bausubstanz aus den verschiedensten Epochen erhalten. Die Stile reichen von Renaissance über Klassizismus bis hin zu (neo)maurischen sowie speziell russischen und orthodoxen Einflüssen. Bekannte Sehenswürdigkeiten sind der Astrachaner Kreml nebst Mariä-Entschlafens- und Dreifaltigkeits-Kathedrale, der Englische Hof, die Kaufmannshäuser (u. a. das Gebäude der Börse und der Komplex der Stadtverwaltung), die zahlreichen Kirchen (u. a. die Ioann-Slatoust-Kirche, die Pokrowski-Kirche u. v. a.), die Gemäldegalerie (umfangreiche Sammlung von russischer Kunst), das Heimatkundemuseum, das Chlebnikow-Museum, das Museum des Zweiten Weltkrieges.
In Astrachan sind 6 Moscheen zu finden: Die Weiße Moschee, auch als Tatarische Moschee bezeichnet, ist die älteste Moschee Astrachans. Bereits 1777 berichtet Gmelin von einer damals noch hölzernen Weißen Moschee. Sie war die wichtigste Moschee der Tataren in der Stadt. 1810 wurde ein Steingebäude gebaut. Bis zur Revolution gab es eine zur Moschee gehörende Schule. 1930 wurde die Weiße Moschee geschlossen, und später als Kindergarten verwendet. Erst 1992 gab man die Moschee den Gläubigen zurück. 1997 wurde die die erste "Medresse" in der Oblast Astrachan eingerichtet, 2000-2008 wurde die Moschee renoviert.
Die Schwarze Moschee war die Moschee der Kaufleute aus Buchara in Astrachan. Das Steingebäude wurde 1816 errichtet, die Moschee wurde 1930 geschlossen, einer Schule übergeben und später zerstört. 2005-2008 wurde die Moschee wieder aufgebaut.
Die Rote oder Kasaner Moschee wurde am Ende des 19. Jahrhunderts aus privaten Mitteln des tatarischen Mullah Abdrachman Abdul Wagap Alijew erbaut, da er jedoch selbst zu wenig Geld hatte, war er auf die Unterstützung des tatarischen Händlers Schakir Kasakow angewiesen. 1898 wurde die Moschee vollendet - der Name "Kasaner Moschee" hat nichts mit der Stadt Kasan zu tun, sondern meint, dass die Moschee ebenso schön wie auch die Kasaner Moscheen sei. Während der sowjetischen Zeit war die Moschee eine von nur zwei geöffneten Moscheen Astrachans. 1941 wurde sie geschlossen und ihr Gebäude einer Handwerkswerkstatt übergeben, 1950 jedoch den Gläubigen zurückgegeben. Heute ist sie die Residenz des Muftis von Astrachan.
Die Kruischiner Moschee wurde am Anfang des 20. Jahrhunderts, gemäß mündlichen Zeugnissen etwa 1907-1909 erbaut. 1932 wurde sie von der Sowjetmacht geschlossen und als Abstellraum benutzt. 1990 war sie beinahe vollständig zerstört. Nachdem die Moschee 1997 den Gläubigen zurückgegeben wurde, begann die aserbaidschanische Diaspora 2004 mit der Rekonstruktion der Moschee. Da sie eine schiitische Moschee ist, von der aserbaidschanischen Diaspora verwaltet wird und sich überdies an der Baku-Straße befindet, heißt sie auch Bakuer Moschee.
Die Persische Moschee wurde 1860 von der Gemeinschaft der Perser in Astrachan erbaut. Sie wurde von einem speziellen Rat geleitet; und konnte von Neugierigen nur auf besondere Erlaubnis hin betreten werden. 1939 wurde die Moschee geschlossen, und in eine Nähfabrik umgewandelt. Durch Umbauten wurde das Gebäude stark beeinträchtigt, die vier Minaretttürme auf den Seiten fehlen nach wie vor.
Die Kaukasische Moschee, die am beliebten städtischen Markt Bolschije Issady gelegen ist, wurde 1894 oder 1900 erbaut. Mullah der Moschee war im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts der Tatare Feisulla Fetchullin. 1935 wurde die Moschee geschlossen, und einer Hygiene-Aufklärungseinrichtung übergeben. 1990 gab man die Moschee der Gemeinschaft zurück, ab 1993-2000 rekonstruierte man sie. Die Moschee wird vor allem von Kaukasiern besucht - Awaren, Darginern, Laken, Lesginern, sunnitischen Aserbaidschanern, aber auch Tataren, Nogaier und Kasachen -, daher ihr Name. Die Gemeinschaft der Gläubigen besteht aus etwa 300-500 Personen, an Feiertag besuchen bis zu 1500 Gläubige die Moschee.
Paul Fleming verfasste, als Mitglied der Holsteinischen Expedition, Gedichte über Astrachan. Astrachan wird auch in einer Episode von Grimmelshausens Simplicissimus erwähnt. Astrachan als literarischer Ort in der russischen Literatur wird vor allem durch den wichtigsten gebürtigen Astrachaner Schriftsteller, Welimir Chlebnikow geprägt. Aber auch Konstantin Paustowski schreibt aus und über Astrachan. Der Historiker, Religions- und Heimatkundler Alexander Markow wählt Astrachan als Schauplatz für seine historischen Romane, wie beispielsweise Tajnyj sowetnik ("Der Geheimrat").
Der Flughafen Narimanowo ist ein internationaler Flughafen in Astrachan. Er wird vom Unternehmen OAO Aeroport Astrachan betrieben. Nach seiner Renovierung, dem Neubau des internationalen Sektors, der im Februar 2011 eröffnet wurde[3], und weiteren, im Jahre 2011 durchzuführenden Arbeiten, zählt er zu einem der modernsten Regionalflughäfen Russlands. Es gibt Direktflüge aus Astrachan nach Aktau, Baku, Jerewan und Moskau.
Der Fußballclub Wolgar-Gasprom Astrachan spielt in der 1. Division, der zweitstärksten Fußballliga Russlands, und trägt seine Heimspiele im Stadion Zentralny aus. Ein weiterer Fußballklub, der FK Astrachan, spielt in der drittstärksten Liga in der Gruppe Süd. Der FK Astrachan war früher der Klub der Schiffswerft und nannte sich dementsprechend Sudostroitel, Schiffswerftarbeiter. Er trägt seine Heimspiele im Städtischen Stadion im Süden der Stadt im Stadtteil Narimanowo aus, in der Nähe des Flughafens.
In Astrachan existiert ein Theater, ein Konservatorium mit öffentlichen Konzerten - vor allem Orgelkonzerte -, eine Philharmonie und ein Musiktheater. Letzteres wurde in der späten Sowjetzeit errichtet und nie fertig gestellt, trotzdem wird es heute für Theater-, philharmonische, komödiantische und Opernaufführungen benutzt. Ein neues Musiktheater befand sich von 2007-2011 im Bau. Die Baukosten betrugen über eine Milliarde Rubel. Anfänglich als Oper konzipiert, wird es nun voraussichtlich vor allem für Gastspiele benutzt, es sollen vor allem Operettenaufführungen stattfinden.
Der ehemalige deutsche Bundestagsabgeordnete Wolf Bauer ist seit 2001 erster ausländischer Ehrenbürger der Stadt.
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