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Einem Atom werden zur Vorhersage von BindungsverhÀltnissen verschiedenartige Atomradien zugeschrieben.
Ein absoluter Radius eines Atoms - und mithin auch eine absolute GröĂe - kann nicht direkt angegeben werden, da ein Atom nach den wellenmechanischen Vorstellungen der Quantenmechanik keine definierte Grenze besitzt. Somit teilt man die Atomradien gemÀà den verschiedenen chemischen Bindungstypen auf. Die hieraus ermittelte effektive GröĂe eines Atoms gestattet es, den Abstand der Atomkerne in einer gegebenen chemischen Verbindung des jeweiligen Typs zu berechnen:
Atomradien liegen in der Dimension um 10â10 m (=1 Ă ngström =100 pm =0,1 nm, Kovalenzradius im WasserstoffmolekĂŒl 32 pm, Metallradius von 12-fach koordiniertem CĂ€sium 272 pm).
AuĂerdem nehmen die Atomradien innerhalb einer Gruppe (Periodensystem) von oben nach unten zu und innerhalb einer Periode von links nach rechts ab. Dieser Sachverhalt grĂŒndet darauf, dass innerhalb einer Periode die Kernladungszahl wĂ€chst. Deshalb steigt die positive Ladung des Kerns und somit werden die negativen Elektronen des Atoms stĂ€rker angezogen. Der Anstieg des Atomradius innerhalb der Periode vom Halogen zum Edelgas lĂ€sst sich auf die besonders stabile Elektronenkonfiguration der Edelgase zurĂŒckfĂŒhren. Der Anstieg des Radius innerhalb der Gruppen resultiert daraus, dass neue Schalen mit Elektronen besetzt werden.
| Ordnungszahl | Symbol | Radius in 10â12 m |
|---|---|---|
| 1 | H | 32 |
| 3 | Li | 152 |
| 4 | Be | 112 |
| 5 | B | 88 |
| 6 | C | 77 |
| 7 | N | 70 |
| 8 | O | 66 |
| 9 | F | 64 |
| 11 | Na | 186 |
| 12 | Mg | 160 |
| 13 | Al | 143 |
| 14 | Si | 117 |
| 15 | P | 110 |
| 16 | S | 104 |
| 17 | Cl | 99 |
| 19 | K | 231 |
| 20 | Ca | 197 |
Inhaltsverzeichnis |
Im einfachsten Fall kristallisiert ein Element so wie in Bild 1 dargestellt (simple cubic, kubisch einfach oder primitiv). Der Durchmesser D eines Atoms (Abstand der Mittelpunkte nĂ€chster benachbarter Atome) lĂ€sst sich berechnen, indem man von einem WĂŒrfel ausgeht, der gerade 1024 Atome enthĂ€lt und dessen Kanten demnach von 108 Atomen gebildet werden. Ein Mol sind 0,6022â1024 Atome. Und das sind auch so viel Gramm, wie die Atommasse A angibt. A/0,6022 Gramm ist das Gewicht eines WĂŒrfels mit 1024 Atomen. Dividiert man noch durch die Dichte Ï, dann ist A/(0,6022âÏ) cm3 sein Volumen. Die dritte Wurzel daraus ergibt die LĂ€nge einer Kante, und diese durch 108 dividiert ist der Atomdurchmesser D. Beim Element Polonium (A=208,983; Ï=9,196) betrĂ€gt das Volumen dieses WĂŒrfels 37,737cm3 und die KantenlĂ€nge 3,354cm. Daraus folgt ein Atomradius von 167,7 pm; in Datensammlungen angegeben werden 167,5pm.[1]
Bei Gold (A=196,967g/mol; Ï=19,282g/cm3 stimmt das nicht mehr so genau, der Fehler liegt bei etwa 12%. Der Grund fĂŒr diese Diskrepanz ist, dass Goldatome nicht kubisch primitiv gepackt sind, sondern dichter (kubisch flĂ€chenzentriert, face centered cubic, fcc, eine der beiden dichtesten Kugelpackungen; Bild 2). Dabei sind
- in einer Ebene die Reihen der Atome um einen halben Atomdurchmesser gegen einander verschoben, so dass sie nĂ€her aneinander gerĂŒckt werden können, und
- die Atome der Ebene darĂŒber liegen jeweils in einer Mulde zwischen drei anderen Atomen. Sie bilden zusammen Tetraeder.
Charakterisiert man eine Reihe von Atomen durch eine Gerade, die die Atommittelpunkte auffĂ€delt, dann ist der Abstand zweier Reihen in einer Ebene im kubisch-primitiven/sc-Gitter gerade D. Im kubisch-flĂ€chenzentrierten/fcc-Gitter ist er kleiner, nĂ€mlich Dâ(â3/2) (=Höhe eines gleichseitigen Dreiecks) und der Abstand zweier Ebenen ist gleich der Höhe eines Tetraeders [Dââ(2/3)]. Aus dem Produkt der beiden Faktoren findet man: Ein fiktiver GoldwĂŒrfel mit kubisch primitiver Kristallstruktur hĂ€tte ein um â2= 1,41421 gröĂeres Volumen, bzw. seine Dichte wĂ€re um â2 kleiner. FĂŒhrt man die Rechnung mit der geringeren Dichte durch, erhĂ€lt man D=288pm oder r=144pm, in Ăbereinstimmung mit dem Ergebnis aus der Röntgenbeugung. Einfacher geht es, wenn man die Packungsdichten kennt (den Anteil, den die als rund angenommenen Atome am Volumen ausmachen). Ein kubisch primitives Gitter hat eine Packungsdichte von 0,523599, beim kubisch flĂ€chenzentrierten betrĂ€gt sie 0,740480. Dieselbe Packungsdichte hat auch das hexagonale Gitter (Schichtfolge AB, bei kubisch-flĂ€chenzentriert ABC). Der Quotient (0,74../0,52..) ergibt wieder den Faktor â2. In der Tabelle sind Beispiele von Elementen aufgefĂŒhrt, deren Kristallstruktur kubisch flĂ€chenzentriert oder hexagonal ist, zusammen mit dem Ergebnis der Rechnung und dem gemessenen Atomradius.
| Ordnungs zahl |
Element | Kristall struktur |
Atommasse | Dichte | rcalc [pm] | rexp [pm] |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 4 | Be | hex | 9,012 | 1,848 | 112,7 | 112 |
| 12 | Mg | hex | 24,305 | 1,738 | 160,1 | 160 |
| 20 | Ca | fcc | 40,078 | 1,55 | 196,5 | 197 |
| 22 | Ti | hex | 47,867 | 4,506 | 146,1 | 147 |
| 27 | Co | hex | 58,933 | 8,86 | 125,0 | 125 |
| 28 | Ni | fcc | 58,693 | 8,908 | 124,6 | 124 |
| 29 | Cu | fcc | 63,546 | 8,933 | 127,8 | 128 |
| 40 | Zr | hex | 91,224 | 6,506 | 160,3 | 160 |
| 46 | Pd | fcc | 106,42 | 12,023 | 137,5 | 137 |
| 47 | Ag | fcc | 107,868 | 10,501 | 144,5 | 144 |
| 57 | La | hex | 138,905 | 6,162 | 187,7 | 187 |
| 76 | Os | hex | 190,23 | 22,59 | 135,2 | 135 |
| 77 | Ir | fcc | 192,217 | 22,56 | 135,7 | 136 |
| 78 | Pt | fcc | 195,084 | 21,45 | 138,7 | 138,5 |
| 79 | Au | fcc | 196,967 | 19,282 | 144,2 | 144 |
FĂŒr die kubisch raumzentrierte Elementarzelle (body centered cubic, bcc; Beispiel: Natrium) ist die Packungsdichte 0,68175. Hier muss die Dichte Ï durch (0,68../0,52..) dividiert werden. Das entspricht auch wieder einem um diesen Faktor gröĂeren Volumen eines fiktiven WĂŒrfels mit sc-Struktur. Bei Natrium (A=22,9898; Ï=0,968) erhĂ€lt man aus der dritten Wurzel aus [22,9898/(0,6022â0,968)]â(0,68../0,52..) ein D=371,4pm und r =185,7pm; gemessen wurden 186pm.
Die klassische kristallographische Methode zĂ€hlt, wie viele Atome eine Elementarzelle umfasst. Diese enthĂ€lt, im Fall kubisch-flĂ€chenzentriert (fcc), Anteile von vier ganzen Atomen (Bild 3). Aus der Atommasse, der Dichte und der Avogadro-Zahl lĂ€sst sich das Volumen ermitteln, in dem sich vier Atome befinden, also die GröĂe der Elementarzelle (in diesem Fall von der Form eines WĂŒrfels). Der Durchmesser eines Atoms ist der Abstand der Mittelpunkte zweier Atome, die den kleinsten in der Zelle vorkommenden Abstand aufweisen. Sie sind entlang der FlĂ€chendiagonalen angeordnet (und nicht entlang der Kante, da sind sie weiter voneinander entfernt). Diese ist vier Atomradien lang (in Bild 3 sind die Atome der Ăbersichtlichkeit wegen kleiner eingezeichnet). Aus dem Volumen erhĂ€lt man die KantenlĂ€nge, die LĂ€nge der Diagonale und so den Atomradius (EXAMPLE: Gold is a face-centered cubic unit cell). Mit der kubisch-primitiven Elementarzelle lĂ€sst sich die Rechnung auch fĂŒr Polonium durchfĂŒhren.[2]