|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mbH | |
|---|---|
| | |
| Rechtsform | GmbH |
| Gründung | 1993 |
| Sitz | Wien, Österreich |
| Leitung | Heinz Sommerbauer, Johann Zemsky |
| Mitarbeiter | 1.008[1] |
| Umsatz | EUR 230,5 Millionen[1] |
| Branche | Flugsicherung, Flugverkehrskontrolle |
| Website | www.austrocontrol.at |
Die Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung (ACG) ist ein privatwirtschaftlich organisiertes österreichisches Unternehmen, welches für den sicheren und wirtschaftlichen Ablauf des Flugverkehrs im österreichischen Luftraum verantwortlich ist.
Inhaltsverzeichnis |
Die ACG ist im Jahr 1993 aus dem Bundesamt für Zivilluftfahrt hervorgegangen und hat dessen hoheitlichen Aufgaben mit 1. Januar 1994 übernommen.
Die Fluglotsen der Überflugskontrollzentrale im 3. Wiener Gemeindebezirk und in den Flugsicherungsstellen an allen österreichischen Verkehrsflughäfen sorgen für eine sichere Abwicklung des Flugverkehrs. Im Jahr 2010 wurden täglich bis zu 4.000 und insgesamt mehr als 1,1 Mio. Flugbewegungen kontrolliert[2]. Die Flugsicherungsanlagen wurden zur Nutzung von US-amerikanischen Steuerersparnissen mittels Cross-Border-Leasing an einen US-Investor verkauft und werden gemietet.
Die Zuständigkeiten von Austro Control gliedern sich in zwei Unternehmensbereiche: in den Bereich Air Navigation Services (ANS) mit vorwiegend operativen Aufgaben sowie den Bereich der behördlichen Agenden als Luftfahrtagentur.
Das Air Traffic Management ist sowohl für die operative Verkehrssteuerung als auch für die Planung von Verfahren und Kapazitäten zuständig. Die rund 300 Fluglotsen der Austro Control sorgen für den sicheren Ablauf des Flugverkehrs über Österreich und an allen österreichischen Flughäfen. Die in diesem Bereich befindliche Abteilung Austro Control Engineering Services (AES) betreibt und wartet mit rund 200 Flugsicherungsingenieuren und -technikern auch sämtliche Flugsicherungsanlagen in Österreich, wie beispielsweise Funk- und Navigationsanlagen, Datenübermittlungs und -verarbeitungssysteme oder Radarstationen wie die Mittelbereichsradarstationen Buschberg, Feichtberg und Koralpe.
Das Aeronautical Information Management (Luftfahrtinformationsdienst) versorgt Piloten mit allen für die Flugdurchführung notwendigen Informationen, der Flugwetterdienst warnt vor gefährlichen Wettererscheinungen wie Gewitter, Turbulenz- oder Vereisungszonen.
Im Rahmen der Luftfahrtagentur werden im Auftrag der Republik Österreich behördliche Leistungen für die Luftfahrt erbracht. Dazu gehören unter anderem die Überwachung der Einhaltung von Luftverkehrsvorschriften, die Zulassung von Luftfahrzeugen sowie die Prüfung deren Luft- und Betriebstauglichkeit, die Aufsicht über Wartungs- und Luftfahrtbetriebe, die Durchführung von sogenannten Rampchecks bei ausländischen Luftfahrzeugen, die Ausstellung von Zivilluftfahrt-Personalausweisen (Pilotenscheine) sowie die Aufsicht über die Zivilluftfahrschulen. Der Such- und Rettungsdienst sorgt dafür, dass abgängige Luftfahrzeuge geortet und entsprechende Rettungsmaßnahmen eingeleitet werden.
Die Austro Control Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mit beschränkter Haftung wurde mit Gesellschaftsvertrag vom 15. Dezember 1993 und mit Ersteintragung im Firmenbuch unter der Firmenbuchnummer 71000m am 30. Dezember 1993 gegründet und nahm ihre Tätigkeit am 1. Januar 1994 auf.
Alleingesellschafterin ist die Republik Österreich mit einem eingezahlten Stammkapital von EUR 25.000.000 vertreten durch das BMVIT. Mit Generalversammlungsbeschluss vom 20. April 2006 wurde eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln um EUR 17.732.716,58[3] sowie eine Neufassung des Gesellschaftsvertrages beschlossen und durchgeführt. Ehemaliger Mitgesellschafter ist Wolfgang Nikolaus mit einer Einlage von 1.000 Schilling.
Die Firmenzentrale sowie die Überflugskontrollzentrale (ACC - Area Control Centre) befindet sich in der Schnirchgasse im 3. Wiener Gemeindebezirk. Darüber hinaus betreibt Austro Control an allen österreichischen Verkehrsflughäfen Flugsicherungsstellen. Der höchste Kontrollturm steht mit einer Höhe von 109 Metern am Flughafen Wien-Schwechat.
Die Austro Control ist an der CAPS Projektservice GmbH zu 100 % und an der MeteoServe Wetterdienst GmbH zu 100 % beteiligt.
Austro Control war in der Vergangenheit mit Vorwürfen hinsichtlich Kosten und Gebühren[4] sowie einer Diskussion über die Zulassung von Rettungshubschraubern[5] konfrontiert.
Die im Jahr 2010 erfolgte Gebührenerhöhung um 14,3 % auf 68,91 Euro sorgte für massive Kritik seitens der AEA und IATA, sowie der österreichischen Fluglinien NIKI und AUA[6], die einen erheblichen Wettbewerbsnachteil sahen.
| Vergleich der Überflugsgebühren in den Mitgliedsländern der Eurocontrol[7] | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| E | B, L | SLO | CH | A | GB | D | I | E-CN | NL | F | DK | N | S | MK | SK | P-L | CZ | RO | LT | AL | BG | HR | F | PL | MD | SCG | BIH | GR | H | IR | CY | TR | ARM | M | P-A | |
| Gebühr
(2010) |
84,0 | 76,5 | 76,2 | 74,9 | 68,9 | 68,9 | 68,9 | 68,5 | 68,1 | 65,7 | 65,0 | 64,3 | 63,6 | 58,0 | 56,6 | 53,8 | 49,0 | 47,4 | 46,4 | 45,8 | 44,3 | 42,8 | 41,8 | 40,2 | 39,9 | 39,8 | 39,2 | 39,1 | 38,9 | 36,6 | 30,7 | 30,1 | 29,6 | 27,8 | 25,7 | 12,2 |
| Veränderung in %
(2009-2010) |
0 | 0,7 | 0 | 0 | 14,3 | 5,0 | 2,7 | 4,0 | 0 | 2,5 | 5,9 | 3,8 | 0,1 | 9,9 | 0,6 | 0 | 3,2 | 3,7 | 17,1 | - 5,9 | 5,6 | - 1,8 | - 10,1 | 0 | 17,9 | - 4,5 | 21,9 | 10,7 | - 11,8 | 16,6 | 3,9 | 0,5 | 13,1 | 32,4 | - 4,4 | - 19,0 |
Austro Control hat sich über Flugsicherungsgebühren kostendeckend zu finanzieren. Erhoben werden Streckengebühren, die Einziehung erfolgt durch die Eurocontrol für die am Eurocontrol-Gebührensystem teilnehmenden Mitgliedstaaten. Allerdings stellen die extrem hohen Kosten - mit Durchschnittseinkommen von circa 100.000 Euro vor allem im Bereich des Personals[8] - einen Hauptkritikpunkt dar.
Austro Control hat die Gebühr für 2011 eigenen Angaben nach stabil gehalten (leichter Anstieg auf 69,38 Euro)[9].
Anfang 2010 sorgte die inkraftgetretene Verordnung des Verkehrsministeriums (AOCV 2008) für Diskussionen, wonach nur mehr jene Hubschrauber für den Ambulanz- und Rettungsflug eingesetzt werden dürfen, die den Bestimmungen dieser Verordnung entsprechen (Flugrettung in Österreich: Sicherheitsstandards seit 2010). Betroffen davon waren fünf Hubschrauber des Salzburger Unternehmers Roy Knaus. Die Kritik betraf die neuen Sicherheitsbestimmungen und deren Auslegung[10]. Deshalb wurde am 18. Jänner 2010 eine Anzeige wegen des Verdachtes des Amtsmissbrauchs und der Korruption gegen unbekannte Täter im Kreise der Austro Control Gesellschaft bei der Staatsanwaltschaft Salzburg eingebracht, welche von der Austro Control als "substanzlos" bezeichnet wurde[11].
Erschwerend kam hinzu, dass einer der für die Knaus-Hubschrauber zuständigen Inspektoren der Austro Control nebenbei für das Konkurrenzunternehmen SHS tätig gewesen sein soll, was seitens Austro Control dementiert wurde[5]. Jedoch wird grundsätzlich das Prinzip verfolgt, dass flugbetriebliche Aufsichtstätigkeiten und Nebenbeschäftigungen streng getrennt werden.[12]
Die Staatsanwaltschaft hat nach Prüfung des Sachverhalts klargestellt, dass Austro Control im Zusammenhang mit der Umsetzung der Verordnung AOCV 2008 richtig gehandelt hat („Die Entscheidungen entsprechen den internationalen Vorgaben.“)[13], die Ermittlungen wurden daher eingestellt[14]. Bereits vor der Einstellung der Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft hatte der Verfassungsgerichtshof eine eingebrachte Beschwerde in Sachen Zulassung einzelner Rettungshubschrauber-Typen aus formalrechtlichen Gründen abgelehnt[15]. Ebenso wurde durch die Entscheidung der Obersten Zivilluftfahrtbehörde im Verkehrsministerium das Vorgehen von Austro Control bestätigt.
Damit wurden seit dem 1. Jänner 2010 in Österreich nur mehr jene Hubschrauber im Ambulanz- und Rettungsflug eingesetzt, die den Vorgaben dieser Verordnung entsprachen. Diese Verordnung wurde im Oktober 2011 durch den Verfassungsgerichtshof wiederum aufgehoben, da die Verordnung nicht in Übereinstimmung mit der EU stand. Diese Verordnung ist daher bis März 2012 zu ändern.[16][17]
Die Single European Sky-Initiative der Europäischen Kommission sieht eine Vereinheitlichung des europäischen Luftraums vor. Ziel ist es, einen gemeinsamen europäischen Luftraum unabhängig von Staatsgrenzen zu schaffen, der sich ausschließlich an betrieblichen Erfordernissen orientiert und so zu einem sicheren, effizienten und wirtschaftlichen Ablauf des Flugverkehrs beiträgt. Kernstück ist dabei die Bildung von fünf bis zehn grenzübergreifenden Luftraumblöcken (Functional Airspace Blocks). Austro Control ist hier an der Bildung eines Zentraleuropäischen Luftraumblockes beteiligt (FAB CE - Functional Airspaceblock Central Europe).
Gemeinsam mit Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina soll dieser Block bis Ende 2012 in Europa etabliert werden.
48.19364216.412845Koordinaten: 48° 11′ 37″ N, 16° 24′ 46″ O