|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Der Begriff Auszug aus Ăgypten (auch Exodus) bezeichnet in der Ăberlieferung des Alten Testaments die Auswanderung der Israeliten aus Ăgypten. Die biblischen ErzĂ€hlungen, die ĂŒber weite Teile den Traditionen der WĂŒstenwanderung und Gesetzgebung gewidmet sind, sind in den BĂŒchern 2. bis 5. Mose enthalten. Die biblische Ăberlieferung stĂŒtzt sich auf im spĂ€teren Israel tradierte Literaturwerke, die in ĂŒbersteigerter Form von Gotteswundern sowie anderen mythischen Ereignissen erzĂ€hlen. Die so verwendete Form der Heilsgeschichte vom Auszug aus Ăgypten stellt den Versuch dar, die nomadischen Vorfahren mit den spĂ€teren Israeliten genealogisch zu verbinden, freilich jedoch ohne historischen Wert. Die Josephsgeschichte dient hierbei als literarisches Bindeglied, um die spĂ€teren Israeliten anachronistisch mit den zahlreichen Nomadenvölkern auf eine Stufe zu stellen und als gemeinsame Vorfahren zu erklĂ€ren.
ArchĂ€ologische Befunde und Untersuchungen der Texte legen eine VerknĂŒpfung verschiedener historischer Epochen zu einem Gesamtwerk nahe, das auf Grundlage der vorliegenden Ăberlieferungen im 7. oder 6. Jahrhundert v. Chr. eine endgĂŒltige zusammenfĂŒhrende Ăberarbeitung erfuhr. Auf Basis der jĂŒdischen Zeitrechnung datierten jĂŒdische Historiker den Auszug auf das Jahr 1312 v. Chr. (Jahr 2448 der jĂŒdischen Ăra).[1]
Die biblischen Berichte von dem Auszug aus Ăgypten beginnen mit dem Buch Exodus und setzen die Josephgeschichte (Gen 37 EU; 39 EU-50 EU) voraus. Ein Pharao, âder Joseph nicht gekannt hatteâ, zwingt die Israeliten zum Frondienst. Nach 430 Jahren Aufenthalt in Ăgypten (Ex 12,40 EU) â wobei der Samaritanische Pentateuch und die Septuaginta in diese Zeit die Dauer des Aufenthaltes der Patriarchen in Kanaan einschlieĂen[2] â beruft Jahwe Mose und erteilt ihm den Auftrag, das Volk Israel aus Ăgypten herauszufĂŒhren (Ex 3,7ff EU), um es von der UnterdrĂŒckung zu befreien. Der Pharao weigert sich, das Volk ausziehen zu lassen, aber nach der letzten der zehn von Jahwe ĂŒber Ăgypten gesandten Plagen (Ex 7,14 EU-11,29 EU; 12,29-34 EU) können die Israeliten aufbrechen â nachdem sie die Ăgypter âgeplĂŒndertâ haben (12,35f EU).
Nach Ex 12,37 EU seien die Israeliten aus âRamsesâ zusammen mit einem âgroĂen Haufen anderer Leuteâ ausgezogen oder gejagt worden (Ex 12,33.39 EU; vgl. Num 11,14 EU). Der Auszug habe als ein geordneter Marsch stattgefunden (Ex 13,18b EU). Das Nebeneinander der AusdrĂŒcke âausziehen lassenâ und âvertreibenâ (vgl. Ex 6,1 EU; 11,1 EU) hat Kommentatoren zu der Schlussfolgerung veranlasst, dass im Buch Exodus zwei unterschiedliche Ăberlieferungen vorliegen, die von dem Auszug zweier verschiedener Gruppen berichten: Die eine enthalte Berichte von einer frĂŒheren Vertreibung in Verbindung mit der 10. Plage (Tod der Erstgeborenen),[3] wĂ€hrend die andere eine ErzĂ€hlung von der Flucht der âMosegruppeâ gewesen sei (vgl. auch unten: #Historischer Gehalt der Exodustradition). Nach Auffassung vieler Bibelwissenschaftler sei die Ăberlieferung von dem Auszug als Flucht, wie es in Ex 14,5 EU angedeutet wird, die ursprĂŒngliche und Teil der elohistischen Quellen gewesen.[4][5] Mit dieser Auffassung einhergehend ist die Meinung, dass die PlagenerzĂ€hlung (Ex 7,8 EU-Ex 10,29 EU; 11,1-10 EU; 12,29-34 EU) eine nachtrĂ€gliche Erweiterung der Tradition des Exodus darstelle, die der jahwistischen Quelle und der Priesterschrift zuzuordnen sei.[5] Vielfach findet sich in diesem Bezug auch die Meinung vertreten, dass die ErzĂ€hlung von den Plagen in Ex 7,8-10,29 ursprĂŒnglich eine volkstĂŒmliche, von der Beobachtung von Naturereignissen angeregte Ăberlieferung gewesen sei und dass der Tod der Erstgeborenen mit dem jĂŒdischen Brauch des Erstlingsopfers und dem Passafest in Verbindung zu setzen sei.[5] AuĂerhalb des Buchs Exodus werden die Plagen nur als Zeichen Gottes in Ps 78,44-51 EU â wo sie als âPestâ zusammengefasst werden (Ps 78,50) â und in Ps 105,28-36 EU.
FĂŒr das Alte Reich zeugen Reliefs und Inschriften von siegreichen FeldzĂŒgen gegen östliche bzw. semitische Nomaden. FĂŒr die Krisenperiode der Ersten Zwischenzeit, in der die militĂ€rische Kontrolle ĂŒber die Ostgrenzen notwendigerweise abgeschwĂ€cht war, haben einige Historiker vermutet, dass ein betrĂ€chtlicher Anteil der Bevölkerung des Nildeltas asiatischer Herkunft war.[6] Aus dieser Zeit stammt die in mehreren Papyri ĂŒberlieferte âLehre fĂŒr Merikareâ, in der ein König seinem Sohn den Zustand des Nildeltas beschreibt und Empfehlungen fĂŒr dessen Verwaltung und militĂ€rische Absicherung mittels eines Walls gegen das weitere Eindringen der âelenden Asiatenâ erteilt (Zeilen 81 bis 105).[7]
Eine Ă€hnliche Beschreibung der MissstĂ€nde im Nildelta, als deren Ursache die dort sesshafte asiatische Bevölkerung angegeben wird, enthĂ€lt die âProphezeiung des Nefertiâ, die ebenfalls in die erste zwischenzeitliche Periode (XII. Dynastie von Amenemhet I. oder Senusert I.) datiert wird. Die Prophezeiung verkĂŒndet den Bau eines âWalls des Herrschersâ, der das Eindringen der Asiaten ins Land verhindern wird. Dieser Befestigungswall wird auch in weiteren Ă€gyptischen Texten als âWall des Herrschersâ bzw. als âWall des Amenemhetâ erwĂ€hnt.[8] Eindeutige archĂ€ologische Erkenntnisse ĂŒber seine Existenz liegen aber nicht vor. [9] [10]
SpĂ€tere Dokumente bezeugen, dass auch in der Zeit des Mittleren Reichs die Anzahl der semitischen âAsiatenâ in Ăgypten nicht klein gewesen sein muss. So enthĂ€lt der Papyrus Brooklyn 35.1446, der in die Zeit der XIII. Dynastie datiert wird, eine Liste von Sklaven eines Landguts, von denen mehr als 40 als âFremdeâ gekennzeichnet sind und Namen kanaanĂ€ischer Herkunft tragen. Auch in anderen Papyri sind Personen (nicht nur Sklaven) mit semitischen Namen genannt.[11]
Aus der Zeit von Ramses II. stammen auch zwei Briefe, welche ausdrĂŒcklich Êżapiru-Leute erwĂ€hnen, die Bauarbeiten zu verrichten haben:
Dass in Folge von siegreichen KriegszĂŒgen auch reiche Tribute in Sklaven von den Besiegten verlangt wurden, ist bereits fĂŒr das 19.[13] und verstĂ€rkt fĂŒr den Zeitraum vom 15. Jahrhundert bis zur Amarna-Zeit belegt: Besiegte und TributĂ€re sind in den meisten FĂ€llen Kanaaniten. Eine Stele des Pharaos Amenophis II. gibt Zahlen fĂŒr die Deportation von Gefangenen an, die nach manchen Historikern auf eine Politik der Massendeportation hinweisen: um die 100.000 Mann, wovon 15.000 Schasu-Beduinen, 3.600 Êżapiru usw.[14] Nach der Amarna-Zeit ist die Deportation und Versklavung von Kanaaniten unter anderen in einem Relief mit Sethos I., der Schasu-Beduinen nach Ăgypten fĂŒhrt, und in den Papyri Leiden 348 und 349 bezeugt (vgl. Landnahme Kanaans#Die Êżapiru der Amarna-Briefe). Dementsprechend haben Bibelhistoriker wie G. Fohrer und H. Engel gefolgert, dass die Israeliten in Ăgypten Kriegsgefangene gewesen seien.[15]
Der Papyrus Anastasi VI (Zeilen 51-61), der in die Zeit Sethos II. um 1200 vor Chr. datiert wird, bezeugt den Einlass von in Not geratenen edomitischen Beduinen in die Gegend des Wadi et-Tumilat, damit sie ihre Herden
mit Wasser versorgen[16] (vgl. unten: #Goschen: Das Land des Aufenthalts). Diesem Zeugnis wird eine besondere Bedeutung zugemessen, weil es nach verbreiteter Auffassung einer Zeit entstammt, die nur kurz nach einer (eventuellen) Einwanderung der FrĂŒh-Israeliten in Ăgypten liegt und die gleiche Region nennt, in die auch diese eingelassen worden seien.[17]
Der Ă€lteste bekannte auĂerbiblische Bericht von dem Exodus ist ein durch Diodorus Siculus (Bibl. Hist. 40,3,1-8) zitierter Text aus der Aigyptiaka von Hekataios von Abdera (ca. 300 vor Chr.). Das Fragment verweist auf die Fremdenfeindlichkeit, die die Juden in Ăgypten erlitten hĂ€tten: Diese sei von einer Pestepidemie hervorgerufen worden, zu deren Abwendung alle Fremden aus dem Land getrieben worden seien. Die Mehrheit der Vertriebenen habe sich Mose angeschlossen und sei ihm gefolgt.
Eine weitere Anspielung auf den Exodus, die von Diodorus Siculus ĂŒberliefert worden ist, gehe auf den Philosoph und Historiker Poseidonios (Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr.) zurĂŒck. Sie ist eine der Argumente, die die Ratgeber von Antiochos Euergetes dazu benutzt haben sollen, um den König von Verhandlungen mit den Juden abzuhalten: Die Juden seien ursprĂŒnglich aus Ăgypten verjagt worden, weil sie âfrevelhafteâ, âden Göttern verhassteâ Menschen gewesen seien. Um das Land zu lĂ€utern hĂ€tten die Ăgypter alles âmit Flechten und Aussatz bedeckteâ Volk gesammelt und ĂŒber die Grenzen getrieben. So sei die jĂŒdische âNationâ in und um Jerusalem entstanden (Bibl. Hist. 34/35,1,1-2).
Von Flavius Josephus in Ăber die UrsprĂŒnglichkeit des Judentums (1, 227â254[18]) zitierte Texte werden auf Manethos Aegyptiaca zurĂŒckgefĂŒhrt. Die dabei zugewiesenen judenfeindlichen Einstellungen können aufgrund der BerĂŒcksichtigung aller Textzeugen gröĂtenteils nicht mehr aufrecht gehalten werden.[19] Jene judenfeindlichen Tendenzen haben ihre Wurzeln hauptsĂ€chlich in Nachbearbeitungen von unbekannten Autoren, die in historische Originalquellen einflossen oder als eigenstĂ€ndige Pseudo-Werke vermehrt in römischer Zeit entstanden.[20] So soll beispielsweise auf Grundlage nachbearbeiteter Quellen ein Pharao namens Amenophis, der den Göttern gefallen wollte (âer wollte Zuschauer der Götter werdenâ), auf Anraten eines Priesters die âAussĂ€tzigenâ und âUnreinenâ â 80.000 an der Zahl (1, 235) â aus Ăgypten zusammengetrieben und gezwungen haben, in den SteinbrĂŒchen zu arbeiten. Die âAussĂ€tzigenâ hĂ€tten Osarseph (oder Osarsiph), einen Priester aus Heliopolis, zu ihrem AnfĂŒhrer gewĂ€hlt, der ihnen unter anderem die Anbetung der Götter verboten habe. Mit Hilfe der nach Ăgypten zurĂŒckgerufenen Hyksos hĂ€tten sie so das Land dreizehn Jahre lang tyrannisiert.
Flavius Josephus berichtet gemÀà der von ihm zitierten Aussage des Manetho, dass die Hyksos durch Kamose (Alisphragmuthosis) unterworfen und nach Avaris getrieben wurde. Viele Jahre spĂ€ter fĂŒhrten die Ăgypter einen langjĂ€hrigen Krieg gegen die Hyksos. SchlieĂlich habe eine Ă€gyptische Armee die Hyksos in ihrer Hauptstadt Avaris belagert, weshalb die Hyksos dem Ă€gyptischen Angebot des Königs âTethmosisâ zustimmten, Ăgypten mit ihren Familien und Habe zu verlassen.[21] Nach dem Auszug der Hyksos habe der Ă€gyptische König Ahmose I. noch 25 Jahre und vier Monate lang regiert, bevor er starb (1, 94[22]).
Ăhnlich wird der Auszug in den anderen Manetho-Ăberlieferungen datiert. Eusebius setzte den Auszug der Hyksos mit den Israeliten gleich und datierte ihn in die Zeit von Echnaton: Um diese Zeit fĂŒhrte Moses die Juden in ihren Marsch aus Ăgypten. Georgios Synkellos kommentiert diese Aussage: Eusebius ist der Einzige, der die Abwanderung von Israel unter Mose in diese Zeit setzt, obwohl er dafĂŒr keine stĂŒtzenden Argumente hat. Auch bezeugt er, dass seine VorgĂ€nger eine andere Ansicht vertreten.[23] In der armenischen Version des Eusebius heiĂt es in Ă€hnlicher Form: Anchencheres (12. König der 18. Dynastie). In seiner Zeit war Moses der FĂŒhrer von den HebrĂ€ern bei ihrem Auszug aus Ăgypten.[24]
Josephus zitiert auch die Ăgyptische Geschichte von Chairemon (1,288â292), die im Wesentlichen die gleiche ErzĂ€hlung von Manetho enthĂ€lt, aber andere UmstĂ€nde fĂŒr den Anfang angibt. Von den âAussĂ€tzigenâ habe Amenophis 250.000 Mann ausgesucht und vertrieben. Diese hĂ€tten sich in Pelusium mit weiteren 380.000, die nicht in Ăgypten eingelassen worden waren, zusammengeschlossen: Gemeinsam seien sie zurĂŒckgekehrt und hĂ€tten Amenophis besiegt. [25]
Wahrscheinlich nicht unabhĂ€ngig von dem Manetho zugeschriebenen Zitat ist ein Text, den Josephus zitiert und dem Alexandriner Lysimachos (1. Jahrhundert vor Chr.) zuschreibt (1,304â311[26]). Demnach habe das âvon Aussatz ... und anderen Krankheiten befallene Volkâ der Juden zur Zeit des Pharao Bokchoris in den Tempeln gebettelt und dadurch Krankheiten ausgebreitet. Auf GeheiĂ eines Orakels habe man die Tempel âgesĂ€ubertâ und die âUnreinenâ teils ertrĂ€nkt, teils in die WĂŒste ausgesetzt. Dort habe sie Mose gesammelt und âMenschen misshandelnd und Tempel plĂŒnderndâ nach JudĂ€a gefĂŒhrt.
In seiner nicht erhaltenen Ăgyptischen Geschichte fĂŒgt der Alexandriner Apion der Legende ĂŒber die Herkunft der Juden eigene Details hinzu. Der von Josephus zitierte Text (2,8-27 [27]) besagt, dass die Juden ursprĂŒnglich der âAbschaumâ der Ă€gyptischen Rasse, mit âAussatzâ und allen möglichen Makeln behaftet, gewesen seien. Deswegen seien sie aus Ăgypten vertrieben worden und das sei im ersten Jahr des 7. Olympiade (752 vor Chr.) geschehen. Nach Apion habe auch die jĂŒdische Sabbat-Ruhe ihren Ursprung in dieser Vertreibung: Nach sechstĂ€gigem Marsch hĂ€tten die Juden Schmerzen in der Leistengegend bekommen und seien daher zur Ruhe gezwungen worden und hĂ€tten diesen Tag sabbat aus sabbĂŽ genannt, die Ă€gyptische Bezeichnung fĂŒr die von ihnen erlittenen Beschwerden.
Frei von verleumderischen Absichten sind dagegen die durch Strabon niedergeschriebenen Notizen von dem Exodus. Nach Strabon habe Moses, der ein Ă€gyptischer Priester gewesen sei, Menschenmassen aus Ăgypten hinaus gefĂŒhrt, weil er die Anbetung von Götterbildern oder Götterstatuen verabscheute. Im Zuge dieser Auswanderung sei die neue Nation Israel ohne Gewalt, allein durch die Lehren des Moses und den freiwilligen Anschluss der benachbarten Völker entstanden (Geographica XVI, II, 35-36[28]).
Geschichten, die in Bezug auf den Exodus Aussatz, Pest und Ăhnliches erwĂ€hnen, wurden bis in das 2. Jahrhundert nach Chr. tradiert und von den jeweiligen Autoren weiter ergĂ€nzt: Noch in Tacitus' Historiae (V, 2ff[29]) werden sie als âGeschichteâ des Ursprungs des jĂŒdischen Volks angegeben und zur Rechtfertigung und Verbreitung antijĂŒdischer Hetze verwendet (Hist. V, 5[30]).
Die im Werk des Flavius Josephus als Textzeugen benannten Historiker des Hellenismus und die ihnen zugewiesenen antisemitischen Einstellungen können aufgrund der BerĂŒcksichtigung aller Textzeugen gröĂtenteils nicht mehr aufrecht gehalten werden. Jene antisemitischen Tendenzen haben ihre Wurzeln zumeist in Nachbearbeitungen von unbekannten Autoren, die in historische Originalquellen einflossen oder als eigenstĂ€ndige Pseudo-Werke vermehrt in römischer Zeit entstanden.[31]
Die Fragen zur Geschichte des Auszugs Israels aus Ăgypten sind in der theologischen Forschung notwendigerweise in Zusammenhang mit den Untersuchungen ĂŒber den Ursprung Israels und die Landnahme Kanaans erörtert worden. Die Zweifel ĂŒber die ZuverlĂ€ssigkeit der biblischen Tradition des Exodus sind die gleichen, die VĂ€tergeschichte und Landnahme betreffen, und hĂ€ngen â wie in jenen FĂ€llen â mit der allgemeinen EinschĂ€tzung der biblischen Ăberlieferungen zusammen.
Nach neueren Auffassungen sei die Quellenlage zu problematisch, um diese Tradition als historisch anzusehen. So ist nach Lemche die Tatsache, dass keine zeitnahe Ă€gyptische Quelle einen Aufenthalt Israels in Ăgypten oder seinen Auszug belegt, ein âHindernis fĂŒr den Begriff des 400-jĂ€hrigen Aufenthalts Israels in Ăgyptenâ.[32] (Zu beachten ist, dass diese Forscher neuere Ergebnisse der Ăgyptologie nicht berĂŒcksichtigen, die archĂ€ologische Evidenzien publizieren; s. nĂ€chster Unterpunkt weiter unten)
Ăhnliche Argumente haben Finkelstein und Silberman vorgetragen: die WidersprĂŒchlichkeit der biblischen Texte; das Fehlen Ă€gyptischer Belege von einem Aufenthalt Israels in Ăgypten; die Unwahrscheinlichkeit eines Massenauszugs in der Zeit von Ramses II., der den Ă€gyptischen militĂ€rischen Aufstellungen und Befestigungen hĂ€tte entkommen können; die ausgebliebenen archĂ€ologischen Nachweise der biblischen Tradition der WĂŒstenwanderung.[33]
Gegen diese und Ă€hnliche Ansichten ist eingewendet worden, dass damit versucht wird, fĂŒr die historische Forschung ânegative Beweiseâ und Argumente anzuwenden, die aus mangelnden Erkenntnissen gewonnen sind.[34]
Donner versuchte das Fehlen von Quellenmaterial zu erklĂ€ren: tatsĂ€chlich sei der Mangel an direkten Belegen aus Ă€gyptischen Quellen unausweichlich, da sich ein Volk âIsraelâ erst nach der Landnahme Kanaans konstituiert habe und man es in den Ă€gyptischen Texten âselbst dann nicht erkennenâ wĂŒrde, wenn die Menschen âals Einwanderer ins Nildelta namentlich aufgefĂŒhrt wĂ€renâ.[35] Auch sei es anzunehmen, dass der Vorgang der Ein- und Auswanderung asiatischer Bevölkerungen fĂŒr die Ăgypter etwas gewöhnliches war und â selbst dann, wenn militĂ€rische ZwischenfĂ€lle an den Grenzen dabei stattfanden â keinen erwĂ€hnenswerten Vorfall dargestellt habe.[36][35]
Auch in der neueren Forschung findet sich die Meinung vertreten, dass die Tradition des Exodus sich nur auf einen Teil Israels beziehe.[37][38] Unbestritten ist jedenfalls, dass diese Tradition insbesondere im nördlichen Stamm Ephraim wÀhrend der Königszeit lebendig war.[39]
Mehrere Autoren haben fĂŒr die Tradition vom Exodus eine spĂ€te Datierung als einzig vertretbare angegeben. So zum Beispiel haben Finkelstein und Silberman, basierend auf Donald Redford, die Meinung vertreten, dass diese Tradition sich im Kontext der politischen Gegebenheiten im SĂŒdreich Juda des spĂ€ten 7. Jahrhunderts vor Chr. geformt und allenfalls Elemente einer bestehenden âSage von der Befreiung aus Ăgyptenâ ĂŒbernommen habe. Diese âSageâ sei im Wesentlichen eine von Kanaanitern bewahrte Erinnerung an den Aufstieg und die Vertreibung der Hyksos, eine Gruppe von semitischen und churritischen Einwanderern, aus Ăgypten.[40]
Positionen, die die biblische Tradition als MissverstĂ€ndnis, oder gar als Ergebnis der Fehler ihrer Verfasser begreifen, waren auch in der biblischen Exegese des 19. Jahrhunderts vorhanden. So wurden Hypothesen aufgestellt, nach denen das Land miáčŁraim der Exodustradition nicht Ăgypten gewesen sei, sondern der nördliche Teil der Sinai-Halbinsel (Beke), oder eine nordarabische Region, namens muáčŁr oder muáčŁri (Winckler), oder noch das sĂŒdliche PalĂ€stina â weil dieser Teil Kanaans so oft unter Ă€gyptischer Herrschaft stand.[41]
Die bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts als âkonservativâ geltende Hypothese ĂŒber eine doppelte Ăberlieferung, die der Exodustradition zugrunde liege, geht auf Bernard Stade zurĂŒck.[42] Nach Stade hatten sich die Israeliten in der Gegend von Wadi et-Tumilat, im Nildelta, niedergelassen: Nur einige StĂ€mme (wahrscheinlich die âRahel-StĂ€mmeâ) hĂ€tten die UnterdrĂŒckung der Ăgypter erleiden mĂŒssen, wĂ€hrend die anderen StĂ€mme frĂŒhzeitig in die Sinai-Halbinsel ausgewandert seien. Beide Teile des israelitischen Volkes hĂ€tten sich spĂ€ter, in Kadesch-Barnea, wieder zusammengeschlossen.
Auch die frĂŒhe Ăgyptologie hing an dem Konstrukt des Exodus als historischem Faktum: Lepsius und Naville versuchten, die in der Bibel erwĂ€hnten StĂ€tten in Ăgypten zu identifizieren, Alan Gardiner stellte den Exodus als historisches Faktum fest. [43]
Auf der Siegesstele des Merenptah von etwa 1220 v. Chr. rĂŒhmt sich der König (Pharao) Merenptah, die Israeliten besiegt zu haben. Diese ErwĂ€hnung eines Volksstammes Israel ist zugleich der Ă€lteste und einzige nichtbiblische Beleg fĂŒr die Existenz des Namens Israel zu ramessidischer Zeit.
Die Frage zur Datierung des Auszugs aus Ăgypten ist oft durch mehrere Autoren als beantwortet erachtet worden: Falls ein Exodus je stattgefunden hat, dann im 13. Jahrhundert v. Chr. unter Ramses II. oder unmittelbar danach unter Merenptah.[44] In der frĂŒheren Forschung galt diese Datierung auch durch die Merenptah-Stele belegt: So vermutete Flinders Petrie, dass die Stele von einer militĂ€rischen Konfrontation mit den ausziehenden Israeliten berichtete[45] (vgl. âLandnahme Kanaans#Die Stele des Merenptah). Viele andere Pharaonen waren mit verschiedenen Argumenten als âPharao der UnterdrĂŒckungâ oder als âPharao des Exodusâ oder als beide betrachtet worden: Amenophis II., Amenophis III., Sethos I., Ramses III., Thutmosis I. u.a.[46] Heute vertreten nur vereinzelte Autoren Hypothesen, die ein Datum vor dem 13. Jahrhundert fĂŒr den Exodus vorschlagen, etwa die, die nach der Angabe des masoretischen Texts von 1_Kön 6,1 EU ein Datum um 1445 vor Chr. (480 Jahre vor dem Bau des Tempels in Jerusalem durch Salomo um 967 ca. vor Chr.)[47] annehmen. Diese âfrĂŒhe Datierungâ um 1445 vor Chr. wĂŒrde auch mit der Angabe in Ri 11,26 EU ĂŒbereinstimmen, nach der in der Zeit Jiftachs Israel die Gebiete des Ostjordanlandes bereits seit 300 Jahren besaĂ. Die abweichende Lesung von 1. Kön 6,1 der Septuaginta, in der von 440 statt 480 Jahren die Rede ist,[48] wĂŒrde den Beginn der Landnahme um die Mitte des 14. Jahrhunderts setzen, die genau jene Zeit der Unruhen ist, wovon die Amarna-Briefe zeugen. Diese Datierung wĂŒrde sowohl mit einer Identifizierung der FrĂŒhisraeliten mit den Êżapiru der Amarna-Briefe oder einer anders gearteten Relation zwischen diesen Gruppen, wie sie zum Beispiel von den BefĂŒrwortern des Revoltenmodells aber auch von âMinimalistenâ (N. P. Lemche und G. Ahlström) postuliert worden ist, als auch mit den politischen Ănderungen, die im Nildelta nach der Vertreibung der Hyksos stattfanden, zusammenpassen: Als Semiten seien die âHebrĂ€erâ in Verbindung mit den Hyksos gebracht worden und hĂ€tten das Vertrauen des neuen Herrschers nicht gewinnen oder wiedergewinnen können, wie Ex 1,8.10 EU andeutet. Problematisch fĂŒr die âfrĂŒhe Datierungâ des Exodus bei Beibehaltung der biblischen Ăberlieferung von dem Frondienst war das Fehlen von Spuren gröĂerer Bauunternehmungen aus dieser Zeit in den StĂ€dten, die fĂŒr Pithom und (Pi-)Ramesse in Betracht gezogen worden sind. In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts sind jedoch Reste von GebĂ€uden aus der Anfangszeit der XVIII. Dynastie (1500â1450) in Tell el-DabáżŸa in der NĂ€he von Qantir (Pi-Ramesse) ausgegraben worden, die die ArchĂ€ologen als Speicher-Einrichtungen klassifiziert haben.[49]
Die Auffassung, dass der Auszug aus Ăgypten im 13. Jahrhundert unter Ramses II. oder seinem Nachfolger stattgefunden habe, ist nicht allein aus der verbreiteten Annahme hervorgegangen, dass die Benennung der von âPithom und Ramsesâ (Ex 1,11 EU; 12,37 EU; Num 33,3.5 EU) eine historisch zuverlĂ€ssliche Angabe sei: Da der Name der von Ramses II. gegrĂŒndeten Hauptstadt nach dem Ende der Dynastie der Ramessiden in Vergessenheit geraten sei, so weise die Nachricht in Ex 1,11 entweder auf einen Ursprung dieser Ăberlieferung in dem 13. Jahrhundert hin[50] oder sie ist eine Glosse aus dieser Zeit zu einem frĂŒher entstandenen Text.[51] Diese Annahme kann also eine frĂŒhere Datierung nicht ausschlieĂen: Einer der HauptgrĂŒnde fĂŒr den Erfolg der âspĂ€ten Datierungâ war die Ăbereinstimmung derselben mit dem nunmehr veralteten conquest model von Albright und Wright der Landnahme PalĂ€stinas (vgl. âLandnahme Kanaans#Eroberungsmodell).
Ein noch spĂ€teres Datum (12. Jahrhundert) fĂŒr den Exodus hat Gary Rendsburg vertreten, der die Anspielung auf die Furcht vor einem Krieg im âPhilisterlandâ (Ex 13,17 EU) nicht als spĂ€tere Glosse, sondern als Erinnerung an die in jener Zeit stattfindende Migration der Seevölker versteht.[38]
| Ta-en-qesnet in Hieroglyphen | |
|---|---|
|
<hiero>tA-n-T19-n:t-wr:Z2 </hiero> |
Das Land, in dem sich die eingewanderten israelitischen StĂ€mme niedergelassen haben sollen, wird mehrfach in der Josephgeschichte (Gen 45,10 EU; 46,28f.34 EU; 47,1.4.6.27 EU; 50,8 EU) und in den ErzĂ€hlungen von den Plagen (Ex 8,18 EU; 9,26 EU) âGoschenâ (âŚÖčÖŒŚ©Ö¶ŚŚâ, gĆĆĄĂŠn) genannt. Dieser Name kommt auĂerhalb der genannten Texte nicht vor.
Die griechische Version der Septuaginta nennt in Gen 45,10 und 46,34 dieses Land âarabischâ, was als spĂ€tere Erinnerung an die Einwanderung arabischer Bevölkerungen in das Land zwischen nördlichem Sinai und Nildelta gilt.[52] Ferner bietet die Septuaginta in Gen 46,28f die Lesung âbei Heroonpolisâ[53] anstatt âGoschenâ: Diese Variante gilt als Hinweis dafĂŒr, dass die Landschaft Goschen in der NĂ€he des Wadi Tumilat gelegen haben muss.[54]
| |
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (bspw. Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnĂ€chst entfernt. Hilf bitte der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfĂŒgst. NĂ€heres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
In der biblischen Ăberlieferung von dem âLand Goschenâ als ein Land, das mit der Erinnerung an eine Notzeit verbunden ist, ist eine Entsprechung des in Ă€gyptischen Texten belegten Ausdrucks âLand des Elendsâ oder âLand des Hungersâ (T3-n-qsnt) gesehen worden, der in der âProphezeiung des Nefertiâ (Zeile 35) die Notsituation im östlichen Nildelta bezeichnet, die gerade durch das Eindringen der âAsiatenâ verursacht worden war.
Daneben ist eine âsekundĂ€re Ăbertragungâ ins Ă€gyptische Gebiet des palĂ€stinischen Ortsnamens âGoschenâ (Jos 10,41 EU; 11,16 EU; 15,51 EU) vermutet worden, selbst wenn weitere Erkenntnisse ĂŒber diese Ortschaft fehlen.[55]
| (Per-Atum in) Tjeku in Hieroglyphen | |
|---|---|
|
<hiero>V13:V31-Z7-T14-N25 </hiero> | |
|
<hiero>V13:V31-G43-T14-N25 </hiero> | |
| Atum mit Doppelkrone und Was-Zepter |
In Ex 12,37 EU, 13,20 EU und Num 33,5-8 EU werden die ersten Stationen des Auszugs mit Sukkot und Etam angegeben. Nach allgemein akzeptierter Auffassung ist Sukkot (⌥ֻŚÖŒŚÖčŚȘâ) die hebrĂ€ische Schreibung des Ă€gyptischen Ausdrucks âTjeku/Tschekuâ. Aufgrund der hieroglyphischen Schreibweise wird vielfach davon ausgegangen, dass dieser Name in den Ă€gyptischen Quellen die Bezeichnung des âWadi Tumilatâ als Grenzgebiet zwischen Nildelta und Sinai-Halbinsel ist, selbst wenn gelegentlich mit tkw eine Ortschaft oder Festung in dem âWadi Tumilatâ gemeint sein könnte.[56]
âEtamâ ist in der Vergangenheit als hebrĂ€ische Schreibung des Ă€gyptischen âchetemâ áž«tm (Festung) betrachtet worden.[57] Seit den Ausgrabungen in den nahe gelegenen StĂ€tten âQantirâ und âTell el-DabáżŸaâ, deren Identifizierung mit Pi-Ramesse und Avaris allgemein anerkannt ist, sind alle frĂŒheren Hypothesen zur Lage des biblischen âRamsesâ (Tell Farama/Pelusium oder Tanis/Zoan â vgl. Ps 78,12.43 EU hinfĂ€llig geworden. Es ist daher davon auszugehen, dass âRamsesâ Pi-Ramesse die Hauptstadt von Ramses II. ist. Diese Stadt war mehr als 10 km2 groĂ und wurde im spĂ€ten elften Jahrhundert v. Chr. wegen der Migration nach Westen des pelusischen Nilarmes, die die Stadt âtrocken legteâ, zugunsten von Tanis verlassen.
Der neben âRamsesâ in Ex 1,11 vorkommende Name âPithomâ ist die hebrĂ€ische Umschreibung des Ă€gyptischen pj-Tm (Haus beziehungsweise Tempel des Atum). Seit 1977 wurde Tell el-Maschuta mehrmals durch neue Grabungskampagnen untersucht. Alan Gardiners Gleichsetzung von âPithomâ mit Tell er-Rabata wurde durch die archĂ€ologischen Ergebnisse widerlegt, da Tell el-Maschuta nach Tell er-Retaba ein StĂŒck weiter östlich zwischen 610 und 595 v. Chr. neu gegrĂŒndet wurde. In dieser Zeit lieĂ Necho II. den Bubastis-Kanal zum Roten Meer anlegen, der durch das Wadi Tumilat fĂŒhrte. Herodot[58] ortete den von Necho II. gebauten Kanal geografisch einem Nilarm bei Bubastis zu, der im weiteren Verlauf durch das Wadi Tumilat zum Roten Meer fĂŒhrte und an âder arabischen Stadt Patumos vorbeiflossâ. Ebenso haben sich die Vermutungen von Henri Ădouard Naville nicht bestĂ€tigt, der die ausgegrabenen GebĂ€ude als âHandelshĂ€userâ betitelte und auf Ex 1,11 bezog. Die âHandelshĂ€userâ wurden erst in ptolemĂ€ischer Zeit errichtet, als Ptolemaios II. (ab 285 v. Chr.) den Kanal erneuern lieĂ. Tell el-Maschuta liegt 14 km östlich von Tell er-Retaba. In der zweiten Zwischenzeit (1648 bis 1550 v. Chr.) existierte in Tell el-Maschuta eine Siedlung der Hyksos.
Dagegen ist fĂŒr den Zeitraum wĂ€hrend des Neuen Reiches (1550 bis 1070 v. Chr.) und der dritten Zwischenzeit (1070 bis 652 v. Chr.) keine Besiedlung festzustellen, wie der Grabungsbefund der gefundenen Keramik ergab. Kenneth Anderson Kitchen hĂ€lt dagegen an seiner Hypothese fest, dass sowohl Tell er-Retaba als auch Tell el-Maschuta im Neuen Reich zeitgleich als Siedlungen nebeneinander existierten,[60] ohne jedoch die veröffentlichen Studien des Wadi Tumilat Projektes zu berĂŒcksichtigen,[61] insbesondere den expliziten Befund, dass sich kein Keramikfragment der 18. und 19. Dynastie in den ausgegrabenen hunderttausenden ScherbenstĂŒcken finden lieĂ.
Die Festungsstadt Tell er-Retaba war wĂ€hrend des Neuen Reiches im Wadi Tumilat der einzige gröĂere Ort und vom Zeitpunkt des Regierungsantritts von Necho II. bis etwa 400 v. Chr. unbewohnt. Die Ă€lteren DenkmĂ€ler der Ramessiden- und dritten Zwischenzeit, die aus Tell el-Maschuta stammen, mĂŒssen deshalb einen spĂ€teren Transport dorthin erfahren haben. Sicher belegt ist einzig die Gleichsetzung von Pithom mit Tell el-Maschuta. Vom ersten Jahrhundert v. Chr. bis zum zweiten Jahrhundert n. Chr. fehlen Besiedlungsspuren. Die in hellenistischer Zeit angeblich verwendete Bezeichnung als Heroonpolis ist nicht gesichert. Strabo[62] verortete Heroonpolis âzum Ă€uĂersten Winkel des arabischen Meerbusensâ[63] Dann aber kann Heroonpolis nicht die Siedlung Tell el-Maschuta gewesen sein.
â Hauptartikel: Exodusmotiv
Die Schilderung der Geschehnisse um den Auszug aus Ăgypten folgt in ihrer Kerngestalt im Ex 1 EU-15 EU einem Muster, das in der HebrĂ€ischen Bibel oft wiederkehrt (in den BĂŒchern Richter und Samuel I und II u.a): Not des Volkes, das unter fremder Gewalt leidet; Auftreten eines charismatischen Befreiers als Gesandter Gottes; Errettung. Die davon abgeleitete Bezeichnung Jahwes als der Gott, der Israel âaus Ăgypten herausgefĂŒhrt hatâ, ist ĂŒber weite Teile der biblischen Texte verstreut und wird als Bestand der spĂ€teren deuteronomistischen Tradition aufgefasst. Dieses Motiv dient in der deuteronomistischen Gesetzgebung als Ătiologie festlicher BrĂ€uche wie der des Passah- (Dtn 16,1.3.6 EU) und des HĂŒttenfests (Lev 23,24 EU) sowie um Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit zu untermauern (Ex 22,20 EU; 23,9 EU; Lev 19,34 EU; Dtn 5,15 EU; 10,19 EU; 15,15 EU u.v.a.). Aber auch in der prophetischen Tradition, die weitgehend von der priesterlichen und der deuteronomistischen unabhĂ€ngig ist, ist das Motiv der HerausfĂŒhrung Israels aus Ăgypten und der WĂŒstenwanderung tief verankert: So benutzt es Hosea, um seiner Kritik an dem Götzendienst, an der Priesterschaft und an dem Königtum Ausdruck zu verleihen (vgl.: Hos 12,12 EU-13,11 EU) und Jeremia um den Opferkult zu verwerfen (Jer 7,21-28 EU). Wieder gegen den Götzendienst beruft sich Ezechiel auf die âRechtsvorschriftenâ und Gesetze, die Jahwe in der WĂŒste Israel gab (Ez 20,5-14 EU). Auch im ganzen Deuterojesaja sind Anspielungen auf Exodus und WĂŒstenwanderung verstreut, die die Befreiung Israels aus Babylon und seine RĂŒckkehr nach PalĂ€stina als gottgewolltes Ereignis darstellen und zelebrieren.[64]