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BĂ€ndermodell

Das BĂ€ndermodell oder EnergiebĂ€ndermodell ist ein quantenmechanisches Modell zur Beschreibung von elektronischen EnergiezustĂ€nden in einem idealen Einkristall. Dabei liegen die AtomrĂŒmpfe in einem strengen periodischen Gitter vor. Es gibt mehrere Energiebereiche, in denen viele quantenphysikalisch mögliche ZustĂ€nde existieren, die energetisch so dicht liegen, dass sie als Kontinuum – als Energieband – angesehen werden können. Die zugehörige Darstellung wird als Banddiagramm bezeichnet. Das EnergiebĂ€ndermodell eines Festkörpers ist dann die im Impulsraum dargestellte Bandstruktur (siehe unten bei E-k-Diagramm).

Inhaltsverzeichnis

Entstehung der BĂ€nder

BÀndermodell mit Potentialtöpfen am Beispiel des Metalls Magnesium

Betrachtet man ein einzelnes Atom, liegen die Energieniveaus des Atoms in diskreter Form vor. Dies gilt auch fĂŒr weit voneinander entfernte Atome. NĂ€hert man zwei Atome einander an, so wirkt das Ă€hnlich wie bei gekoppelten Pendeln, wo sich die Anzahl der möglichen Schwingungsfrequenzen erhöht. Bei Atomen im Gitter und bei der AnnĂ€herung ab einem gewissen Abstand spalten sich die atomaren Elektronenniveaus aufgrund der elektrostatischen Wechselwirkung der Elektronen (dem entspricht die Koppelfeder der gekoppelten Pendel) der beiden Atome auf. Die Energieniveaus verschieben sich jeweils leicht nach oben und unten. Betrachtet man nun einen Kristall, bei dem eine Vielzahl von Atomen miteinander wechselwirken, steigt die Anzahl der erlaubten EnergiezustĂ€nde entsprechend, sie verschmieren zu EnergiebĂ€ndern.

Dies ist die vereinfachte, anschaulichere ErlĂ€uterung. Physikalisch exakt entstehen die BĂ€nder nicht durch elektrostatische Wechselwirkung, sondern durch Superposition der atomaren Orbitale, wenn diese hinreichend ĂŒberlappen, oder anders gesagt: aus der Lösung der Schrödingergleichung fĂŒr ein einzelnes Elektron im Feld der IonenrĂŒmpfe.

Die Breite der EnergiebĂ€nder ist fĂŒr die unterschiedlichen atomaren Energieniveaus nicht gleich. Der Grund dafĂŒr ist die unterschiedlich starke Bindung der Elektronen an ihr Atom. Elektronen auf niedrigen Energieniveaus sind stĂ€rker gebunden und wechselwirken weniger mit Nachbaratomen. Dies fĂŒhrt zu schmalen BĂ€ndern. Die Valenzelektronen im Valenzband (bei Metallen gleich dem Leitungsband) sind leichter gebunden und können daher die Potentialberge zwischen den Atomen einfacher ĂŒberwinden. Sie wechselwirken stark mit denen der Nachbaratome und lassen sich in einem Kristall nicht mehr einem einzelnen Atom zuordnen, diese BĂ€nder werden dabei breiter, siehe Abbildung.

Siehe auch: Modell der quasifreien Elektronen

Grundlagen fĂŒr den Leitungsvorgang von elektrischen Ladungen

Bei der Betrachtung der elektrischen Eigenschaften eines Kristalls ist die Besetzung der Energieniveaus in den Ă€ußeren, energetisch höchsten EnergiebĂ€ndern (das Valenz- und das Leitungsband) des Kristalls von Bedeutung, das heißt, ob die BĂ€nder nichtbesetzt, teilweise oder voll besetzt sind. Ein voll besetztes Band trĂ€gt, genau wie ein unbesetztes Band, nicht zum Ladungstransport bei. Die Ursache dafĂŒr ist, dass Elektronen in vollbesetzten BĂ€ndern keine Energie, z. B. durch ein elektrisches Feld, aufnehmen können, denn es gibt fĂŒr sie keine unbesetzten ZustĂ€nde mit etwas höherer Energie. Erst ein teilbesetztes Band ermöglicht im elektrischen Feld einen von Null verschiedenen Nettostrom.

Die gute elektrische LeitfĂ€higkeit von Metallen (auch bei tiefen Temperaturen) kommt durch das nur teilweise besetzte Leitungsband zustande (einwertige Metalle). Bei mehrwertigen Metallen kann es zwar vorkommen, dass das entsprechende Band theoretisch voll besetzt wĂ€re, dieses Band ĂŒberlappt jedoch bei Metallen mit dem nĂ€chsthöheren Band. In beiden FĂ€llen sind nur teilweise besetzte BĂ€nder vorhanden, so dass freie Energieniveaus fĂŒr den Ladungstransport zur VerfĂŒgung stehen. Das Ferminiveau liegt in beiden FĂ€llen im Ă€ußeren noch besetzten Band.

Auch bei Halbleitern und Isolatoren am absoluten Nullpunkt (Temperatur) ist das höchste Energieband vollstĂ€ndig mit Elektronen besetzt, dieses Band wird Valenzband genannt.[1][2] Im Gegensatz zu Metallen ĂŒberlappt dieses Band nicht mit dem nĂ€chsthöheren Band, dem am absoluten Nullpunkt unbesetzten Leitungsband. Zwischen beiden BĂ€ndern liegt ein quantenmechanisch „verbotener Bereich“, der BandlĂŒcke genannt wird. Da das Valenzband bei 0 K voll besetzt ist, kann kein Ladungstransport stattfinden. FĂŒhrt man dem Material durch Temperaturerhöhung oder Lichteinstrahlung ausreichend Energie zu, können Elektronen die BandlĂŒcke ĂŒberwinden und ins Leitungsband angehoben werden. Auf diese Weise kann ein unbesetztes Leitungsband teilbesetzt werden. Diese Elektronen und die im Valenzband zurĂŒckbleibenden Löcher tragen beide zum elektrischen Strom bei (Eigenleitung).

Einteilung anhand der Lage der BĂ€nder

EnergiebÀnder in Nichtleiter, Halbleiter und Leiter

Isolatoren und Halbleiter

Ein Isolator hat ein nicht besetztes Leitungsband und eine so große BandlĂŒcke (EG > 3 eV), dass bei Raumtemperatur und auch bei deutlich höheren Temperaturen nur sehr wenige Elektronen vom Valenz- ins Leitungsband thermisch angeregt werden. Der spezifische Widerstand eines solchen Kristalls ist sehr hoch.

Ähnlich liegen die VerhĂ€ltnisse bei einem Halbleiter, jedoch ist die BandlĂŒcke hier so klein (1 eV < EG < 3 eV), dass sie durch thermische Energiezufuhr ĂŒberwunden werden kann. Ein Elektron kann ins Leitungsband angehoben werden und ist hier beweglich. Zugleich hinterlĂ€sst es im Valenzband eine LĂŒcke, die durch benachbarte Elektronen aufgefĂŒllt werden kann. Somit ist im Valenzband die LĂŒcke beweglich. Man bezeichnet sie auch als Defektelektron, Elektronenfehlstelle oder Loch (siehe Löcherleitung). Bei Raumtemperatur weist ein Halbleiter dadurch eine geringe EigenleitfĂ€higkeit auf, die durch Temperaturerhöhung gesteigert werden kann.

Durch Dotierung kann ein Halbleiter gezielt mit LadungstrĂ€gern ausgestattet werden. Der Halbleiterkristall beruht auf einem Kristallgitter aus 4-wertigen Atomen, die jeweils durch vier Elektronenpaare gebunden sind. Dotierung mit 5-wertigen Atomen hinterlĂ€sst im Gitter ein fĂŒr die Bindung nicht erforderliches Elektron, das somit nur locker gebunden ist (Abbildung unten, Bild a). Mit nur geringer Energie kann es daher ins Leitungsband angehoben werden und ist hier beweglich (Bild b). Ein solches Atom nennt man einen Elektronen-Donator (lateinisch donare ‚geben‘). Der Kristall wird mit beweglichen negativen LadungstrĂ€gern ausgestattet, man spricht von einer n-Dotierung. Zugleich bleibt ein positiver Atomrumpf im Gitter zurĂŒck. LĂ€sst man den Hintergrund der neutralen Grundsubstanz außer Betracht (Bild c), so hat man eine positive feste und eine negative bewegliche Ladung ins Gitter eingebracht. Energetisch liegt ein Donator knapp unterhalb des Leitungsbandes, da wegen der schwachen Bindung des „zusĂ€tzlichen“ Elektrons wenig Energie zur Anregung ins Leitungsband vonnöten ist (Bild d).

Dotierung mit 3-wertigen Atomen fĂŒhrt zu einer ungesĂ€ttigten Bindung, in der ein Elektron fehlt. Dieses kann mit geringem Energieaufwand aus einer anderen Bindung gerissen werden. Ein solches Atom nennt man einen Elektronen-Akzeptor (lat. accipere ‚annehmen‘), das energetisch knapp oberhalb des Valenzbandes liegt. Es entsteht eine negative ortsfeste Ladung. Zugleich hinterlĂ€sst das Elektron im Kristall eine LĂŒcke, die durch ein anderes Elektron aufgefĂŒllt werden kann, also eine bewegliche Elektronenfehlstelle. Im Resultat hat man eine negative feste und eine positive bewegliche Ladung eingebracht. Man spricht dann von p-Dotierung.

Dotierung von Halbleitern

Eine wichtige Anwendung finden die dotierten Kristalle in der Mikroelektronik, deren Strukturen vor allem auf Halbleiterdioden beruhen. Diese werden aus einem p-n-Übergang gebildet, das heißt aus einer Kombination eines p-dotierten mit einem n-dotierten Kristall.

Es gibt jedoch auch Halbleiter (und Isolatoren), auf die das BĂ€ndermodell nicht anwendbar ist. Dazu gehören beispielsweise sogenannte Hopping-Halbleiter,[3] bei ihnen ist der dominierende LeitungstrĂ€germechnismus das Hopping (englisch fĂŒr ‚hĂŒpfen‘). Die Elektronen „wandern“ daher nicht durch das Leitungsband von einem Ort zum anderen, sondern „springen“ sozusagen von Atom zu Atom.

Metalle und Halbmetalle

In einem Metall spricht man meist nicht von Leitungs- bzw. Valenzband. Dennoch gilt auch hier, das höchste vollstĂ€ndig besetzte Band ist das Valenzband. Das darĂŒberliegende teilweise besetzte Band wird dann als Leitungsband bezeichnet.[1][2]

Bei einwertigen Metallen ist das höchste besetzte Energieband zur HĂ€lfte aufgefĂŒllt. Bei mehrwertigen Metallen ĂŒberlappen sich die Ă€ußeren EnergiebĂ€nder teilweise. Elektronen können daher beim Anlegen von beliebig kleinen elektrischen FeldstĂ€rken in einen höheren Energiezustand wechseln (sich sozusagen frei bewegen) und zum elektrischen Stromfluss beitragen, deswegen sind Metalle gute elektrische Leiter. Eine Temperaturerhöhung fĂŒhrt im Allgemeinen zur Verringerung der LeitfĂ€higkeit des Kristalls, da die erhöhte Streuung der Elektronen eine niedrigere mittlere Geschwindigkeit bedingt. Das Ferminiveau liegt bei Metallen bzw. Halbmetallen innerhalb des höchsten besetzten Bandes bzw. im Überlappungsbereich der BĂ€nder.

Bei Halbmetallen liegt die Unterkante des Leitungsbands nur wenig tiefer als die Oberkante des Valenzbandes. Diese geringe Überlappung fĂŒhrt zu einer geringen Konzentration von Elektronen im Leitungsband und Löchern im Valenzband.

E-k-Diagramm

In den Abbildungen oben sind die Energieniveaus eindimensional ĂŒber der Ortskoordinate x aufgetragen. FĂŒr die Betrachtung der VorgĂ€nge beim Sprung eines Elektrons von einem Band zum anderen hat sich dagegen die Darstellung ĂŒber dem Wellenvektor <math>\vec k</math> bewĂ€hrt. Dies wird unter dem Stichwort Bandstruktur genauer erlĂ€utert.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b  Hans-JĂŒrgen Bargel, Hermann Hilbrans: Werkstoffkunde. Springer, Berlin 2008, ISBN 9783540792963, S. 11 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche).</span>
  2. ↑ a b  Wolfgang Demtröder: Experimentalphysik 3. BirkhĂ€user, 2005, ISBN 3540214739, S. 441 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google Buchsuche).</span>
  3. ↑  Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. Walter de Gruyter, 2007, ISBN 9783110189032, S. 735ff.</span>

Weblinks

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