Bad Doberan
Bad Doberan (bis 1921: Doberan) ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises in Mecklenburg-Vorpommern. Sie ist auch Sitz des Amtes Bad Doberan-Land, dem neun Gemeinden angehören, selbst aber nicht amtsangehörig. Die Stadt ist eines der 18 Mittelzentren des Landes.
Geografie und StadtgliederungBad Doberan liegt zwischen Rostock und Wismar, am Nordostrand der Kühlung, einer Stauchmoräne mit größeren Wäldern. Im knapp 6 km entfernten Ortsteil Heiligendamm verfügt die Stadt über einen etwa 1 km langen Seestrand, im Westen am Kleinen Wohld befindet sich Steilküste, im Osten Flachküste, die in den Heiligen Damm übergeht. Im Stadtgebiet wie in Stadtnähe gibt es größere Waldungen, u. a. Großer und Kleiner Wohld, Kellerswald, Doberaner Holz. Im Nordwesten grenzt die Stadt an den Conventer See. Neben Heiligendamm gehören die Ortsteile Althof und Vorder Bollhagen zu Bad Doberan. GeschichteNameDer Name Doberan, ursprünglich Dobran, ist ein Ortsname, der sich wahrscheinlich aus einem altpolabischen Personennamen mit der Bedeutung „gut“ (dobry) ableitet. Der Sage nach soll der Name Doberan entstanden sein, als das Kloster in den Grundmauern stand. Es heißt, ein vorbeikommender Hirsch hätte mehrere Schwäne aufgeschreckt, die vor Schreck "dobre dobre" kreischten. Davon abgeleitet hätten die Mönche den Ort Doberan genannt. Bis heute zieren Hirsch und Schwan das Wappen der Stadt. MittelalterBad Doberan wurde 1177 urkundlich als villa Slavica Doberan erwähnt, doch bereits 1171 gründeten Zisterziensermönche aus dem Kloster Amelungsborn im Weserbergland in dem 3 km südöstlich gelegenen Althof, heute ein Ortsteil von Bad Doberan, ein Kloster. In einem Slawenaufstand wurden diese Klosterbauten 1179 großteils zerstört. Sieben Jahre später unternahmen die Zisterzienser einen zweiten Versuch einer Klostergründung an der Stelle der heutigen Klosteranlagen. Die 1232 geweihte romanische Klosterkirche wurde nach dem Brand 1291 durch eine hochgotische Kirche ersetzt, deren Baubeginn man mit 1295 annehmen kann, wobei erhaltene Teile der romanischen Kirche in den neuen Baukörper einbezogen wurden. Der gotische Neubau wurde 1368 geweiht. Das Doberaner Kloster war durch seine wirtschaftlichen Aktivitäten sehr reich und verfügte über einen umfangreichen Grundbesitz. Bis zur Auflösung des Klosters im Zuge der Reformation im Jahr 1552 bestimmte es die Entwicklung des Ortes Doberan. Neben dem Kloster gab es eine Handwerkersiedlung, den Kammerhof (ehemaliger Bauhof des Klosters), zwei Gastwirtschaften, eine Ziegelei, eine Schmiede und einige Kötter. Daran änderte sich wenig, nachdem das Kloster 1552 an den Landesherrn übergegangen war. Im Kloster wurde ein herzogliches Amt eingerichtet, des Weiteren entstanden eine Mühle und ein Jägerhaus. Neuere GeschichteDatei:Doberan Stadtansicht um 1900.jpg Bad Doberan, Stadtansicht um 1900 Doberan litt im Dreißigjährigen Krieg. Der Status Doberans verbesserte sich im 18. Jahrhundert erheblich, als der mecklenburgische Herzog Friedrich Franz I. es zum Erholungs- und Vergnügungsort der herzoglichen Familie, des mecklenburgischen Adels und später auch des wohlhabenden Bürgertums bestimmte. Aus England war bekannt geworden, dass Baden in der See besonders gesundheitsfördernd sei. Im Jahr 1793 badete der Herzog deshalb auf Anraten seines Rostocker Leibarztes Samuel Gottlieb Vogel am „Heiligen Damm“ in der Ostsee und markierte damit die Geburt des ersten deutschen Seebades: Heiligendamm. In Doberan wohnten die Badegäste und vergnügten sich mit Geldspiel (die herzogliche Badekasse kassierte jährlich 30.000 Taler Abgaben von den Doberaner Spielbanken), Tanz und Pferderennen (mutmaßlich das erste Galopprennen am 10. August 1822 auf dem europäischen Kontinent). Namhafte Baumeister wie Carl Theodor Severin, Schüler der zwei Altmeister klassizistischer Baukunst, Carl Gotthard Langhans und Friedrich Gilly, und auch Johann Christoph von Seydewitz bauten in rascher Folge im rein klassizistischen Stil das Logierhaus, das Salongebäude mit dem repräsentativen Festsaal im Empirestil, das Palais des Fürsten, das Prinzenpalais, das Stahlbad, mehrere Bürgerhäuser und die vielgerühmten Pavillons im chinesischen Stil einschließlich des Kleinods der Gartenbauarchitektur, des sogenannten Kamps. Des Fürsten Dank für den Baumeister, der das Gesicht Doberans wesentlich prägte, war sehr gering; Severin starb in Armut und Vergessenheit in Bad Doberan, wo er an unbekannter Stelle beigesetzt ist. Die Blütezeit (1793: 900, 1840: 3000, 1870: 4000 Einwohner) hielt nur wenige Jahrzehnte vor. Allmählich entwickelte sich Heiligendamm, das einstige Anhängsel Doberans, zu einem eigenständigen Seebad, und um Doberan wurde es wieder still. Daran änderte auch das 1879 dem Ort verliehene Stadtrecht (Wappenspruch: Hirsch, Krummstab und Schwan / sind das Wappen von Doberan), der Bau der Eisenbahnlinie Rostock – Bad Doberan – Wismar 1883/84 und von 1886 bis 1910 die Einrichtung einer Dampf-Schmalspurbahn wenig. Die Bahn, im Volksmund „Molli“ genannt, fährt bis heute über Heiligendamm nach Kühlungsborn und dabei durch das Zentrum der Stadt. Bad Doberan heuteVon ca. 1965 bis 1985 entstanden die großen Wohngebiete Buchenberg mit 1049 Wohnungen und Kammerhof mit 589 Wohnungen in der Plattenbauweise. Nach dem Ende der DDR wurde ab 1991 der historische Stadtkern und der Klosterbereich von Bad Doberan im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert. Ort des G8-Gipfels 2007: das Grand Hotel Kempinski in Heiligendamm Am 13. Juli 2006 übernachtete der US-Präsident George W. Bush in Heiligendamm.[2] Vom 6. bis zum 8. Juni 2007 fand der G8-Gipfel in Heiligendamm statt mit der Teilnahme u. a. von Angela Merkel (Deutschland), Nicolas Sarkozy (Frankreich), Romano Prodi (Italien), Shinzō Abe (Japan), Stephen Harper (Kanada), George W. Bush (Vereinigte Staaten), Tony Blair (Vereinigtes Königreich), Wladimir Putin (Russland) und José Manuel Durão Barroso (Europäische Union). ReligionIn Bad Doberan gibt es drei christliche Gemeinden:
PolitikWappenDas Wappen wurde am 24. Juni 1879 durch Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, verliehen. Es ist unter der Nr. 24 der Wappenrolle von Mecklenburg-Vorpommern registriert. Blasonierung: „Geteilt durch einen liegenden, mit der Krümme nach oben gekehrten silbernen Abtstab; oben in Gold ein laufender roter Hirsch; unten in Blau ein flugbereiter silberner Schwan auf silbernen Wellen.“ Das Wappen wurde 1990 nach der Wappenzeichnung von Carl Teske aus dem Jahre 1884 neu gezeichnet. FlaggeDie Farben der Flagge sind Blau, Silber (Weiß) und Rot (längsgestreift). StädtepartnerschaftenDie Stadt Bad Doberan unterhält seit 1989 eine Partnerschaft mit der schleswig-holsteinischen Stadt Bad Schwartau. Kultur und SehenswürdigkeitenMuseen
Geschichtsdenkmale
Bauwerke und Kultur
In Bad Doberan findet jährlich das Musikfestival Zappanale statt. Sport
Wirtschaft und InfrastrukturBad Doberan ist Sitz der Glashäger Brunnen GmbH, die mit ihren Mineralwasser-Produkten Marktführer im Mehrwegsegment in Mecklenburg-Vorpommern ist. Des Weiteren sind die Kreisverwaltung Bad Doberan und das Grand Hotel in Heiligendamm einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Bad Doberan verfügt über zwei Gewerbegebiete, Eikboom (28,5 ha) und Walkenhagen (19,1 ha). Beide liegen an der B 105 am Ortsausgang Richtung Rostock. Gut Vorder BollhagenDatei:Bundesarchiv Bild 183-H25538, Schild des VEG Vorder Bollhagen.jpg Eingang zum damals Volkseigenen Gut Vorder Bollhagen. Im Bad Doberaner Ortsteil Vorder Bollhagen werden in einem Landwirtschaftsbetrieb bereits seit über 75 Jahren Pferde gezüchtet. Dabei spielte schon damals die Nähe zu Deutschlands ältestem Seebad Heiligendamm und die Nähe zur ältesten Pferderennbahn auf dem europäischen Festland in Doberan eine entscheidende Rolle und machen das Gestüt zu einem attraktiven Standort für die Zucht. Heute werden Holsteiner Springpferde gezüchtet. VerkehrsanbindungDie Ostseeautobahn A 20 führt in 15 Kilometern Entfernung südlich an der Stadt vorbei. Bad Doberan ist mit der L 13 und der Anschlussstelle Bad Doberan an die Autobahn angebunden. Die B 105 durchquert die Stadt und verbindet sie so mit den Hansestädten Rostock und Wismar. Durch Bad Doberan führt die Trasse der Wismar-Rostocker Eisenbahn. Wismar ist in 43 Minuten zu erreichen, eine Fahrt zum Rostocker Hauptbahnhof dauert 21 Minuten. Mit der Bäderbahn Molli gibt es einen Anschluss zum Ortsteil Heiligendamm sowie dem Ostseebad Kühlungsborn. Bad Doberan befindet sich in der Zone 8 des Verkehrsverbund Warnow. Mehrere Buslinien verbinden Bad Doberan mit der umliegenden Region. Etwa 40 Kilometer südöstlich befindet sich der Flughafen Rostock-Laage. BildungBad Doberan ist Sitz des Friderico-Francisceum-Gymnasiums, gegründet am 21. April 1879 durch Friedrich Franz II., Großherzog von Mecklenburg im Landesteil Mecklenburg-Schwerin. Darüber hinaus befindet sich die Berufliche Schule des Landkreises Bad Doberan mit den Schwerpunkten Ernährung/Hauswirtschaft und Wirtschaft/Verwaltung in Bad Doberan. Der Landkreis ist ebenfalls Träger der Förderschule am Kellerswald sowie der Regenbogenschule auf dem Doberaner Buchenberg, eine Schule zur individuellen Lebensbewältigung. Die Stadt Bad Doberan unterhält auf dem Buchenberg, am Kamp und in der Lessingstraße drei weitere Schulstandorte. Seit dem Jahr 2004 wird vom christlichen Schulverein Bad Doberan die private "Christliche Münster Schule" mit reformpädagogischem Ansatz betrieben. PersönlichkeitenSöhne und Töchter der Stadt
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
EhrenbürgerAdolf Hitler wurde im August 1932 zum Ehrenbürger von Bad Doberan erklärt. Bad Doberan war eine der ersten Städte Deutschlands, die Hitler zum Ehrenbürger erklärte. Weil die Verleihungsurkunde verloren ging, gab es jahrelangen Streit um die Existenz der Ehrenbürgerschaft. Da aber die NSDAP im Frühjahr 1932 die absolute Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung hatte und es Veröffentlichungen aus der damaligen Zeit gibt, gilt es als erwiesen, dass es die Ehrenbürgerschaft wirklich gab, beschloss am 2. April 2007 der Stadtrat einstimmig, Hitler die Ehrenbürgerschaft zu entziehen (eigentlich endet eine Ehrenbürgerschaft mit dem Tod).[3] Literatur
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