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| AG ist das KĂŒrzel fĂŒr den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen EintrĂ€gen des Namens Baden zu vermeiden. |
| Baden | |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Staat: | Schweiz |
| Kanton: | Aargau |
| Bezirk: | Baden |
| BFS-Nr.: | 4021 |
| Postleitzahl: | 5400 5405 (DĂ€ttwil) 5406 (RĂŒtihof) |
| UN/LOCODE: | CH BAD (Baden) CH DWL (DĂ€ttwil) |
| Koordinaten: | 665248 / 25845347.473618.304171381Koordinaten: 47° 28âČ 25âł N, 8° 18âČ 15âł O; CH1903: 665248 / 258453 |
| Höhe: | 381 m ĂŒ. M. |
| FlĂ€che: | 13,17 kmÂČ |
| Einwohner: | 18'059 (31. Dezember 2010)[1] |
| Website: | www.baden.ch |
| Die Badener Altstadt | |
| Karte | |
Baden (in einheimischer Mundart: [ËbÌ„ÉË.dÌ„É])[2][3] ist eine Einwohnergemeinde im Kanton Aargau in der Schweiz und der Hauptort des Bezirks Baden. Die Stadt liegt im dichbesiedelten Limmattal, 21 Kilometer nordwestlich von ZĂŒrich, 22 Kilometer nordöstlich des Kantonshauptortes Aarau und 11 Kilometer sĂŒdlich der Grenze zum deutschen Land Baden-WĂŒrttemberg (jeweils Luftlinie).
Innerhalb der Metropolregion ZĂŒrich bildet Baden das Zentrum einer bedeutenden Subagglomeration mit rund 100'000 Einwohnern. Die Stadt selbst zĂ€hlt ĂŒber 18'000 Einwohner; sie ist damit hinter der angrenzenden Gemeinde Wettingen, mit der sie geographisch und wirtschaftlich eng verflochten ist, und Aarau die drittbevölkerungsreichste Gemeinde des Kantons. Als GrĂŒndungsort von Brown, Boveri & Cie. (heute Asea Brown Boveri) und bedeutender Standort des Alstom-Konzerns ist Baden ein international wichtiges Zentrum der Elektrotechnikbranche.
Die Geschichte Badens reicht bis ins 1. Jahrhundert n. Chr. zurĂŒck, als die Römer im damaligen Aquae Helveticae die warmen Thermalquellen zu nutzen begannen. Im Jahr 1297 erfolgte die formelle StadtgrĂŒndung durch die Habsburger. Die Eidgenossen eroberten die Stadt 1415; bis 1798 war Baden eine Untertanenstadt, hatte aber als Kurort und wichtigster Versammlungsort der eidgenössischen Tagsatzungen eine herausragende Stellung. Zur Zeit der Helvetischen Republik war Baden Hauptort des Kantons Baden, seit 1803 gehört die Stadt zum Kanton Aargau.
Inhaltsverzeichnis |
Baden liegt am Schnittpunkt des Schweizer Mittellandes und des Juras. Die LĂ€gern, ein sich bis nach Dielsdorf erstreckender felsiger HöhenrĂŒcken (Höhe bis 859 m ĂŒ. M.), bildet den östlichsten AuslĂ€ufer des Faltenjuras. Er entstand vor 4 bis 9 Millionen Jahren durch Auffaltung von Kalksteinschichten.[4] Seine Fortsetzung findet der Faltenjura im Westen mit dem Hundsbuck (539 m ĂŒ. M.) und dem vorgelagerten Schlossberg. Die beiden HöhenrĂŒcken werden durch eine knapp 200 Meter breite, mit Kies und Sand aufgefĂŒllte Klus getrennt, durch die sich die Limmat zwĂ€ngt.[5]
Beidseits der Klus weitet sich das Tal zu breiten Becken mit Schotterablagerungen aus, dem Wettingerfeld im SĂŒdosten und dem Haselfeld im Norden. Die nordwĂ€rts fliessende Limmat stösst am Rand des Haselfeldes an die Goldwand und wendet sich dort nach Westen. An der Flussbiegung befinden sich 19 Quellen, wo stark mineralhaltiges Thermalwasser an die OberflĂ€che tritt (â ThermalbĂ€der Baden).[6] Der Martinsberg (498 m ĂŒ. M.) und die Goldwand schliessen das Haselfeld ab und bilden eine zweite Klus. SĂŒdlich davon liegt zwischen Martinsberg und Hundsbuck das Eichtal, das in die MĂŒseren-Hochebene ĂŒbergeht. Diese zĂ€hlt zum hauptsĂ€chlich aus Muschelkalk bestehenden Tafeljura.[5]
Im SĂŒden dominiert der Heitersberg, ein HöhenrĂŒcken des Mittellandes aus SĂŒsswassermolasse. Im Gegensatz zum Faltenjura wurden die Schichten hier schrĂ€g gestellt.[4] Der Heitersberg ist in mehrere HĂŒgel gegliedert; auf Badener Gebiet sind dies der ChrĂŒzliberg (514 m ĂŒ. M.), der Baregg (531 m ĂŒ. M.) und der Oberhau (619 m ĂŒ. M.). Zwischen ChrĂŒzliberg und Baregg liegt der Teufelskeller, eine Sackung mit Höhlen und markanten FelstĂŒrmen.[7] Westlich der Heitersbergkette, seit der WĂŒrmeiszeit durch eine SeitenmorĂ€ne getrennt, liegt die Ebene des Reusstals.[5]
Baden liegt in der gemĂ€ssigten Klimazone. PrĂ€gend fĂŒr das Klima sind einerseits die Winde aus westlichen Richtungen, die oft Niederschlag heranfĂŒhren, andererseits die Bise (Ost- oder Nordostwind), die meist mit Hochdrucklagen verbunden ist, aber in allen Jahreszeiten kĂŒhlere Witterungsphasen bringt, als im Mittel zu erwarten wĂ€ren. Der in den AlpentĂ€lern und am Alpenrand wichtige Föhn zeigt im Normalfall keine speziellen klimatischen Auswirkungen auf Baden.
Die nĂ€chstgelegenen Klima-Messstationen von MeteoSchweiz befinden sich in Buchs/Aarau und ZĂŒrich-Affoltern. Beide sind rund 20 Kilometer entfernt und liefern annĂ€hernd gleiche Werte.[8] Daraus ergibt sich fĂŒr Baden ungefĂ€hr eine Jahresmitteltemperatur von 8,6 °C. Der kĂ€lteste Monat ist Januar mit â0,6 °C, der wĂ€rmste ist Juli mit 18,0 °C. Die Niederschlagsmenge betrĂ€gt rund 1050 mm pro Jahr, wobei besonders wĂ€hrend der drei Sommermonate aufgrund der konvektiven NiederschlĂ€ge höhere Mengen gemessen werden als im Winter.
Aufgrund der naturrĂ€umlichen Gliederung weist das Siedlungsgebiet eine strahlenförmige Struktur auf. Den Mittelpunkt bildet die am linken Ufer der Limmat gelegene Altstadt, in der Klus zwischen der LĂ€gern und dem Schlossberg. Nördlich davon liegen das moderne Zentrum mit dem Bahnhof, das BĂ€derquartier und das Industriegebiet. Deutlich durch die Klus am Martinsberg getrennt, schliesst sich im Nordwesten das Kappelerhof-Quartier an. Im Eichtal westlich der Altstadt liegen das Allmend-Quartier und der ehemalige Weiler MĂŒnzlishausen. SĂŒdwestlich der Altstadt erstreckt sich im engen Tal des Stadtbachs zwischen Hundsbuck und ChrĂŒzliberg das Meierhof-Quartier, im SĂŒden am Osthang des ChrĂŒzlibergs das Brunnmatt-Quartier. Auf der gegenĂŒberliegenden Seite der Limmat besitzt Baden einen kleinen Anteil am Wettingerfeld.[5]
Knapp drei Kilometer sĂŒdwestlich der Altstadt liegen an der SeitenmorĂ€ne die Ortsteile DĂ€ttwil und Segelhof mit zusammen etwa 2800 Einwohnern. In dieser Gegend besitzt die Stadt fast ihre gesamten Baulandreserven. Nochmals rund zwei Kilometer weiter sĂŒdwestlich liegt RĂŒtihof, eine fast gĂ€nzlich ĂŒberbaute Exklave.[5] Mit rund 2400 Einwohnern ist sie die bevölkerungsreichste Exklave der Schweiz.
Das Gemeindegebiet ist 1317 Hektaren gross, davon sind 736 Hektaren mit Wald bedeckt und 444 Hektaren ĂŒberbaut. Der höchste Punkt liegt auf 619 Metern am Oberhau, der tiefste auf 341 Metern an der Limmat. Nachbargemeinden sind Obersiggenthal im Norden, Ennetbaden und Wettingen im Osten, Neuenhof im SĂŒdosten, Fislisbach im SĂŒden, Birmenstorf und Gebenstorf im Westen sowie Turgi im Nordwesten. Die Exklave RĂŒtihof grenzt an Birmenstorf, Fislisbach und Mellingen. Die Gemeinde Turgi besitzt ihrerseits eine kleine Enklave im Nordwesten des Badener Stadtgebiets, eine von Wald umgebene Wiese. Das Badener Stadtzentrum bildet zusammen mit Ennetbaden, Neuenhof, Obersiggenthal und Wettingen einen lĂŒckenlos zusammengewachsenen Siedlungsraum.
Das Limmattal war bereits wĂ€hrend der Mittelsteinzeit besiedelt. Die Menschen betrieben Fischfang, wie Funde von Harpunen aus Knochen und Hirschgeweih beweisen. WĂ€hrend der Jungsteinzeit bildete sich entlang der Limmat ein kontinuierlicher Siedlungsraum. Auf Stadtgebiet gefundene GegenstĂ€nde sind der Horgener Kultur und der Schnurkeramik-Kultur zuzuordnen, darunter Schuhleistenkeile, Steinbeile und Handspindel. WĂ€hrend der Bronzezeit blieben Steinwerkzeuge noch lange in Gebrauch, da Kupfer und Bronze importiert werden mussten. Deshalb sind Funde von MetallgegenstĂ€nden eher spĂ€rlich, darunter ein bei DĂ€ttwil entdecktes Beil. Aus der Hallstattzeit ist lediglich eine Fibel bekannt, aus der La-TĂšne-Zeit eine TonschĂŒssel. Griechische HĂ€ndler brachten im 5. Jahrhundert v. Chr. ein Apotropaion nach Baden, das 1871 zum Vorschein kam. Etwa im 2. Jahrhundert v. Chr. begann sich die keltische Volksgruppe der Helvetier anzusiedeln. Baden dĂŒrfte eine von 400 Siedlungen der Helvetier gewesen sein, die Julius Caesar in seinem Bericht De bello Gallico erwĂ€hnte.[9]
Im Jahr 14 n. Chr. bauten die Römer etwa fĂŒnf Kilometer westlich von Baden, auf dem Gemeindegebiet von Windisch, das Legionslager Vindonissa. Die römischen LegionĂ€re erkannten die Heilwirkung des Thermalwassers und errichteten Thermenanlagen an der Flussbiegung der Limmat, inschriftlich bezeugt als Aquae Helveticae (Aquis He. Gemel lianus f.). Unmittelbar angrenzend entstand um 25 n. Chr. ein von HĂ€ndlern und Handwerkern bewohnter Vicus.[10] Der Ort, der wahrscheinlich unter militĂ€rischer Verwaltung stand, lag am Schnittpunkt bedeutender Verkehrsverbindungen. Die Hauptachse fĂŒhrte von Augusta Raurica (Augst) ĂŒber Vitudurum (Oberwinterthur) nach Brigantium (Bregenz), vor der BrĂŒcke in Aquae Helveticae bog eine Strasse in Richtung Turicum (ZĂŒrich) ab, die weiter zu den AlpenpĂ€ssen fĂŒhrte.[11] 2008 ergaben Grabungen, dass die Siedlung sich auch auf das Gebiet von Ennetbaden erstreckte.[12]
Einen RĂŒckschlag erlitt Aquae Helveticae im Vierkaiserjahr 69 n. Chr. Die 21. Legion (Legio XXI Rapax), die den Gegenkaiser Vitellius unterstĂŒtzte, fĂŒhrte eine Strafaktion gegen die mit Galba verbĂŒndeten Helvetier durch. Die LegionĂ€re brannten Aquae Helveticae vollstĂ€ndig nieder und rieben die helvetische Miliz auf.[13] Die 11. Legion (Legio XI Claudia) war am Wiederaufbau mitbeteiligt. In der zweiten HĂ€lfte des 2. Jahrhunderts begann eine BlĂŒtezeit, die zwischen 259 und 270 durch wiederholte ĂberfĂ€lle und PlĂŒnderungen durch die Alamannen ein Ende fand. Die Einwohnerzahl sank, da die Bevölkerung vertrieben wurde und das römische MilitĂ€r wegen des zwischenzeitlichen RĂŒckzugs ĂŒber die Alpen keinen Schutz bieten konnte. In der SpĂ€tantike war der Ort wiederum bewohnt, er war aber bedeutend kleiner als zuvor.[11]
Alamannische GrĂ€ber aus dem 7. Jahrhundert deuten darauf hin, dass das Gebiet nach dem endgĂŒltigen Abzug der Römer im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts durchgehend besiedelt war.[14] In der zweiten HĂ€lfte des 9. Jahrhunderts wurde der erste VorgĂ€ngerbau der heutigen Stadtpfarrkirche errichtet, die am Rande einer dörflichen Siedlung lag.[15]
Noch vor der Jahrtausendwende entstand auf dem Felsgrat des Schlossbergs die Burg Stein. Auf wessen Befehl sie errichtet wurde, ist unklar; wahrscheinlich waren es die Grafen von Nellenburg, die damaligen Herrscher des ZĂŒrichgaus. Da die Grafen von Lenzburg sich im Gegensatz zu den Nellenburgern im Investiturstreit auf die Seite des deutschen Königs Heinrich IV. stellten, erhielten sie 1077 den ZĂŒrichgau und damit wohl auch Baden zugesprochen.[16] Vor 1127 kam es zu einer Teilung der Lenzburger Herrschaft; Arnold II. und seine Nachkommen bezeichneten sich als Grafen von Baden: 1130 Arnold de Baden, 1140 Werinherus comes de Badin etc. Der Ortsname selbst ist im Nekrolog des in einer Kopie aus dem 16. Jahrhundert erhaltenen Liber Heremi fĂŒr die Zeit um 1030 erstmals in seiner deutschen Form bezeugt: Comes Eberhardus dedit huobam in Baden.[17] Es handelt sich dabei um eine Ăbersetzung des römischen Namens Aquae, im Dativ des Ortes *(ze) badun «bei den BĂ€dern».[3][2]
Die Badener Linie starb 1172 aus, die Hauptlinie 1173. Kaiser Barbarossa nahm eine Neueinteilung der Lehen vor. Der westliche ZĂŒrichgau zwischen Limmat und Reuss gelangte an die Habsburger. Davon ausgenommen waren Baden und die Burg Stein, die durch Erbschaft an die Grafen von Kyburg gelangten. Hartmann IV. von Kyburg starb 1264 ohne mĂ€nnliche Nachkommen. Der spĂ€tere König Rudolf I., Graf von Habsburg, ĂŒbernahm die Vormundschaft der minderjĂ€hrigen Erbin und damit auch die Verwaltung der Herrschaft. 1273 erzwang er die Abtretung der Herrschaftsgebiete im Aargau und ZĂŒrichgau, wodurch auch Baden an die Habsburger fiel.
Das Dorf an der engsten Stelle der Klus begann um 1230 nach Verleihung des Marktrechts stĂ€dtische ZĂŒge anzunehmen. Das 1265 erwĂ€hnte «Niderhus» (das spĂ€tere Landvogteischloss) schĂŒtzte den östlichen BrĂŒckenkopf am unpassierbaren LĂ€gerngrat und riegelte zusammen mit der Burg Stein die Engstelle ab. Rund 800 Meter nördlich der Hauptsiedlung lag um die Thermalquellen ein zweiter Siedlungsschwerpunkt, mit den «Grossen BĂ€dern» am linken und den «Kleinen BĂ€dern» am rechten Flussufer. Um 1250 entwickelte sich Baden zu einem eigenen Hochgerichtsbezirk.
WĂ€hrend der ersten Phase der Habsburgerkriege erkannte Albrecht I. das strategische Potenzial. 1297 verlieh er das Stadtrecht und liess Baden als Sperrfestung gegen ZĂŒrichs Expansionsbestrebungen ausbauen.[18] 1303â1307 entstand der Habsburger Urbar, ein Inventar der habsburgischen AnsprĂŒche. Dessen Aufbewahrungsort war die Burg Stein, die sich zum Verwaltungssitz und zentralen Archiv Vorderösterreichs entwickelte. Königin Agnes von Ungarn stiftete 1349 das Agnesspital, das zahlreiche Grund- und Patronatsrechte erwerben konnte und zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Machtfaktor wurde.[19]
Ende 1351 zogen ZĂŒrcher Truppen durch den Ostaargau. Sie konnten die Stadt nicht einnehmen, brannten aber die BĂ€der nieder und plĂŒnderten die umliegenden Dörfer. In der Schlacht bei DĂ€ttwil konnten sie sich am 26. Dezember den RĂŒckweg freikĂ€mpfen und die Beute in Sicherheit bringen.[20] 1375 hielt Baden einem Angriff der Gugler stand, die Vorstadt geriet aber in Brand. Auf die Schlacht bei Sempach von 1386 folgten PlĂŒnderungszĂŒge der Eidgenossen. ZĂŒrcher und Schwyzer brannten im Juli 1388 erneut die BĂ€der nieder. Herzog Friedrich IV. fiel im MĂ€rz 1415 beim Konzil von Konstanz in Ungnade, nachdem er dem Gegenpapst Johannes XXIII. zur Flucht verholfen hatte. König Sigismund forderte die Eidgenossen auf, den Aargau im Namen des Reiches zu erobern.
Die Eidgenossen nahmen die Aargauer StĂ€dte und Burgen mit wenig Gegenwehr ein. Am 25. April 1415 begannen sie mit der Belagerung Badens, der letzten habsburgischen Bastion. Die Verteidiger unter Landvogt Burkart von Mansberg mussten die Stadt am 3. Mai aufgeben und zogen sich auf die Burg zurĂŒck. Nachdem die Eidgenossen VerstĂ€rkung erhalten hatten, schloss Mansberg am 11. Mai einen Waffenstillstand. Damit wollte er Zeit gewinnen, denn inzwischen hatte sich Herzog Friedrich mit dem König versöhnt. Sigismund forderte die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und die RĂŒckgabe der eroberten Gebiete. Die Eidgenossen widersetzten sich diesem Befehl: Sie zwangen die Verteidiger am 18. Mai zur Kapitulation, schafften das Archiv der Habsburger nach Luzern und schleiften die Burg.[21]
Sigismund erklĂ€rte Baden zur Freien Reichsstadt, doch war dieser Status bereits nach wenigen Wochen rein fiktiv, da der König die Reichspfandschaft ĂŒber den östlichen Aargau an ZĂŒrich verkaufte. Im Dezember 1415 nahm ZĂŒrich die ĂŒbrigen beteiligten Orte in die Reichspfandschaft mit auf. Dadurch ĂŒbernahmen die Eidgenossen de facto die Landesherrschaft. Baden und die nĂ€here Umgebung wurden als Grafschaft Baden[22] zu einer Gemeinen Herrschaft, einem gemeinsam verwalteten Untertanengebiet der Acht Alten Orte. Jeder Ort stellte im Zweijahresrhythmus einen Landvogt, der im Landvogteischloss residierte.
Schon zu habsburgischer Zeit war Baden wegen der BĂ€der und der damit verbundenen Zerstreuungen ein beliebter Verhandlungsort gewesen. Die Eidgenossen setzten diese Tradition fort. Die Verwaltung der gemeinsam eroberten Gebiete machte hĂ€ufigere Absprachen nötig. Deshalb trafen sich die Abgesandten ab 1416 im Badener Rathaus zu Tagsatzungen. Diese fanden auch in anderen StĂ€dten statt, doch die wichtigsten GeschĂ€fte wurden in Baden verhandelt. Dazu gehörten die Abnahme der Jahresrechnungen aller Gemeinen Herrschaften, aber auch Entscheidungen ĂŒber Krieg, Frieden und BĂŒndnisse. Wichtige VertrĂ€ge, die hier ausgehandelt wurden, sind der Badener Vertrag von 1585 und die Defensionale von 1668.
König Friedrich III. verbĂŒndete sich 1443 im Alten ZĂŒrichkrieg mit ZĂŒrich. Baden ergab sich kampflos den ĂŒbrigen Orten. Am 2. Juli 1443 bestĂ€tigten sie den theoretischen Status als Freie Reichsstadt und erzwangen jederzeitigen uneingeschrĂ€nkten Zugang. Ausserdem musste sich Baden bei zukĂŒnftigen Auseinandersetzungen neutral verhalten. Wenige Tage spĂ€ter unternahmen die Ăsterreicher einen Ăberfall auf Baden, der jedoch scheiterte. Bis 1446 versuchten die ZĂŒrcher insgesamt viermal, die Stadt einzunehmen. Die Versuche scheiterten, die ZĂŒrcher plĂŒnderten jedoch die Umgebung und steckten die BĂ€der sowie die Vorstadt in Brand.[23]
Die Grafschaft Baden war ein straffer Verwaltungsbezirk, wobei die Stadt eine autonome Sonderstellung hatte. Inhaber der Regierungs- und Gerichtsgewalt waren der Schultheiss und der sechsköpfige Kleine Rat. Sie fĂŒhrten gemeinsam die Verwaltung, beaufsichtigten den Markt, waren Appellation<b/>sinstanz und ernannten Beamte. Der Schultheiss wurde aus den Reihen des Kleinen Rates gewĂ€hlt, der auch neue Mitglieder selbst bestimmte. Zu besonders wichtigen GeschĂ€ften wurde der ebenfalls sich selbst ergĂ€nzende Rat der Vierzig hinzugezogen. Schultheiss, Kleiner Rat und Rat der Vierzig ernannten den Rat der Sechzig, der aber nur reprĂ€sentative Aufgaben hatte. Mit der Zeit bildete sich ein Patriziat, das die einfachen BĂŒrger von der Politik ausschloss.[24]
Wegen der BĂ€der und der Lage am Schnittpunkt mehrerer wichtiger Strassen war die Wirtschaftsstruktur vielfĂ€ltig. Der Anteil am Warenverkehr auf der Limmat hingegen war gering, da ZĂŒrich diesen monopolartig beherrschte. Das Einzugsgebiet des Marktes umfasste fast die gesamte Grafschaft Baden und bedrĂ€ngte jenen naher KleinstĂ€dte.[25] Unter den Handwerkern ĂŒberdurchschnittlich vertreten war aufgrund der Nachfrage der BadegĂ€ste und Abgesandten das Kunsthandwerk. Die Handwerkszweige waren in Bruderschaften organisiert, die jedoch keinen politischen Einfluss hatten.[26] Hohe Ungeldeinnahmen fĂŒhrten zu einer starken Finanzkraft. Das «Rentamt» legte die ĂŒberschĂŒssigen Gelder des Stadthaushalts in Darlehen an, die an Privatpersonen, FĂŒrsten, Klöster und StĂ€dte gingen.
Ulrich Zwingli begann 1519 die Lehren der Reformation zu verbreiten und fand bald auch in der Grafschaft Baden AnhĂ€nger. Als der Pfarrer von Fislisbach (eine Kollatur des Agnesspitals) 1522 Partei fĂŒr den Reformator ergriff, fĂŒhrte dies zu einem Tumult, was einer der Auslöser der ZĂŒrcher Disputationen von 1523 war. Im Mai und Juni 1526 fand die Badener Disputation zwischen Johannes Eck und Johannes Oekolampad statt. Vier der Dreizehn Alten Orte entschieden sich fĂŒr den neuen Glauben, was das Ende der konfessionellen Einheit bedeutete. Zahlreiche Pfarreien der Grafschaft schlossen sich der Reformation an. Die Stadt hingegen blieb katholisch, vor allem weil sie ihren Status als Tagsatzungs- und Kurort nicht gefĂ€hrden wollte.[27]
1529 fĂŒhrten die latenten Spannungen zum Ersten Kappelerkrieg, der jedoch kampflos endete. In den Gemeinen Herrschaften durften die Kirchgemeinden autonom ĂŒber das religiöse Bekenntnis entscheiden, wobei Baden weiterhin dem alten Glauben treu blieb. Im Zweiten Kappelerkrieg von 1531 verhinderten die katholischen Orte die weitere Ausbreitung der Reformation. GemĂ€ss dem Zweiten Landfrieden wurden mehrere Pfarreien um Baden und das Kloster Wettingen rekatholisiert. Das Agnesspital blieb weiterhin im Besitz ihrer Kollaturen auf ZĂŒrcher Gebiet, musste aber die Einsetzung reformierter Geistlicher dulden.[28]
Baden blieb weiterhin ein beliebtes Reiseziel fĂŒr weltliche und geistliche WĂŒrdentrĂ€ger beider Konfessionen. 1588 grĂŒndeten Kapuzinermönche das Kloster St. Johannes und Katharina, das wĂ€hrend der Tagsatzungen als Treffpunkt der katholischen Abgesandten diente. 1612, ein Jahr nach einer verheerenden Pestepidemie, folgte die GrĂŒndung des Kapuzinerinnenklosters MariĂ€ Krönung. Die Stadt grĂŒndete 1624 das Chorherrenstift MariĂ€ Himmelfahrt.
Nach der Niederlage der Reformierten im Ersten Villmergerkrieg von 1655/1656 plante Baden den Wiederaufbau der Burg Stein als Festung. Ende 1657 begannen die aus Eigenmitteln finanzierten Bauarbeiten, die eine klare Missachtung der Friedens- und NeutralitĂ€tsbestimmungen darstellten. ZĂŒrich protestierte gegen den Festungsbau, verbot seinen BĂŒrgern fĂŒr sechs Jahre den BĂ€derbesuch und erliess wirtschaftliche Sanktionen. Doch die ĂŒbrigen Orte wollten sich nicht in einen weiteren Konflikt hineinziehen lassen.[29] Der Festungsbau war 1670 abgeschlossen, bis 1692 folgte die VerstĂ€rkung der Stadtmauern. WĂ€hrend des Spanischen Erbfolgekriegs war Baden Sitz des österreichischen Botschafters; auch die Gesandten Frankreichs und Spaniens weilten oft in der Stadt.[30]
Das Verteidigungsbauwerk war bereits bei seiner Fertigstellung technisch veraltet. Insbesondere fehlten Aussenwerke, so dass sich den Gegnern ein leichtes Ziel bot.[31] Wenige Wochen nach Ausbruch des Zweiten Villmergerkriegs belagerten Berner und ZĂŒrcher am 30. Mai 1712 Baden; sie beschossen Stadt und Festung mit Artillerie. Noch wĂ€hrend der Schultheiss angesichts der schweren SchĂ€den mit den Bernern verhandelte, ĂŒbergaben vier Ratsherren am Morgen des 31. Mai die TorschlĂŒssel den ZĂŒrchern, woraufhin diese einmarschierten.[32]
Baden musste harte Kapitulationsbedingungen hinnehmen. Die Sieger nahmen sĂ€mtliche Waffen, den Bargeldbestand, das Silbergeschirr sowie KunstgegenstĂ€nde und Kirchenglocken in ihren Besitz. Die ZĂŒrcher zerstörten bis zum 18. Juni die Festung und zwangen die Badener, aus dem Abbruchmaterial die reformierte Kirche zu bauen. Die katholischen Orte wurden von der Verwaltung der Grafschaft ausgeschlossen, und die Stadt musste Machtbefugnisse an die Landvögte abtreten. Die BĂŒrger mussten alle 15 Jahre einen unterwĂŒrfigen Huldigungseid schwören.[33]
Nach Ende des Erbfolgekrieges fanden in Baden von Anfang Juni bis 7. September 1714 Friedensverhandlungen zwischen den europĂ€ischen MĂ€chten statt. Dabei wurde ĂŒber die Miteinbeziehung des Heiligen Römischen Reiches in den Rastatter Frieden verhandelt. Abgesandte von 39 Regierungen weilten in der Stadt; allein der französische Abgesandte hatte rund 300 Begleiter, darunter eine Theatergesellschaft.[34] Der Glanz des pompösen Kongresses, der mit dem Frieden von Baden seinen Abschluss fand, konnte nur kurz ĂŒber den markanten Bedeutungsverlust nach 1712 hinwegtĂ€uschen. Zwar fanden weiterhin vereinzelt Tagsatzungen statt, doch die katholischen Orte weigerten sich, hier ĂŒber die Verwaltung und die RechnungsabschlĂŒsse der Gemeinen Herrschaften zu beraten. Aufgrund zunehmend ausbleibender BadegĂ€ste erlebte Baden wĂ€hrend Jahrzehnten eine wirtschaftliche SchwĂ€chung.
In den Jahren der Französischen Revolution hielten sich wiederholt FlĂŒchtlinge in Baden auf. WĂ€hrend des Franzoseneinfalls von 1798 blieb die Lage zunĂ€chst ruhig. Nachdem aber Bern am 5. MĂ€rz kapituliert hatte, regte sich auch hier Widerstand gegen die alte Ordnung. Am 12. April wurde unter französischem Druck die Helvetische Republik gegrĂŒndet. Einen Tag zuvor bildeten die Grafschaft Baden, die Freien Ămter, das Amt Merenschwand und das Kelleramt den neuen Kanton Baden. Im helvetischen Zentralstaat waren die Kantone reine Verwaltungseinheiten, die weiter in Distrikte und MunizipalitĂ€ten unterteilt waren. Baden wurde am 17. Mai zum Kantonshauptort bestimmt.[35]
Der Zweite Koalitionskrieg hatte 1799 gravierende Auswirkungen auf Baden. Tausende französische Soldaten mussten untergebracht und verpflegt werden. WĂ€hrend der Ersten Schlacht von ZĂŒrich liess General AndrĂ© MassĂ©na die BrĂŒcken in Baden und beim Kloster Wettingen zerstören, um den RĂŒckzug zu sichern. Zwar begann der Wiederaufbau bereits nach der Zweiten Schlacht von ZĂŒrich, doch verzögerte sich die Eröffnung bis 1809. Strafgefangene bauten zwischen 1802 und 1805 eine linksufrige Umgehungsstrasse, trotz Protesten der Stadt und des Klosters, die ihre BrĂŒckenzolleinnahmen gefĂ€hrdet sahen.[36]
Nachdem sich die Franzosen im SpĂ€tsommer 1802 vorĂŒbergehend zurĂŒckgezogen hatten, destabilisierte sich die Lage. Am 13. September besetzten Bauern aus Ehrendingen und Siggenthal widerstandslos die Stadt. Der Aufstand weitete sich zum Stecklikrieg aus und fĂŒhrte nach wenigen Tagen zum Sturz der helvetischen Regierung.[37] Bereits Ende Oktober rĂŒckten die Franzosen wieder ein. Mit der am 19. MĂ€rz 1803 von Napoleon Bonaparte unterzeichneten Mediationsakte hörte die Helvetische Republik auf zu existieren. Der Kanton Baden wurde aufgelöst, seither ist Baden Bezirkshauptort im Kanton Aargau. DĂ€ttwil strebte die Vereinigung mit Baden an. Doch die Kantonsregierung ordnete am 12. September 1804 den Zusammenschluss DĂ€ttwils mit RĂŒtihof, MĂŒnzlishausen und mehreren Einzelhöfen zu einer eigenstĂ€ndigen Gemeinde an.[38] Die französische Fremdherrschaft endete 1813.
Mit Ennetbaden, dem auf der rechten Limmatseite gelegenen Stadtteil, bestand wĂ€hrend Jahrhunderten ein kompliziertes RechtsverhĂ€ltnis. Nur die Inhaber der «Kleinen BĂ€der» besassen das BĂŒrgerrecht, die ĂŒbrigen Bewohner waren Hintersassen, die dem Kloster St. Blasien zehntpflichtig waren. Nach 1415 verlagerte sich die Steuerpflicht zunehmend zur Stadt, ohne dass den Ennetbadenern die gleichen Rechte zugestanden wurden. Ab 1798 entsandten sie zwar einen Vertreter in den Stadtrat, der aber nur eingeschrĂ€nktes Mitbestimmungsrecht hatte, so dass es hĂ€ufig zu Spannungen kam. Als die Ennetbadener die Zahlung der Polizeisteuer verweigerten, stellte der Stadtrat im Januar 1817 beim Kanton den Antrag, den Stadtteil abzutrennen und daraus eine eigenstĂ€ndige Gemeinde zu bilden. Nach langen Verhandlungen erliess die Kantonsregierung ein entsprechendes Dekret, das nach der Zustimmung des Grossen Rates am 22. Dezember 1819 in Kraft trat.[39]
Im Verlaufe des 19. Jahrhunderts vollzog sich ein kultureller Wandel. Neue GebĂ€ude verĂ€nderten das Stadtbild grundlegend, die SiedlungsflĂ€che dehnte sich aus. Der bisher dominante katholische Einfluss schwand. Die liberalen Kantone verabschiedeten am 27. Januar 1834 die Badener Artikel, mit dem Ziel, die katholische Kirche unter staatliche Kontrolle zu stellen. Im Zuge des Aargauer Klosterstreits, als die Aargauer Regierung im Januar 1841 sĂ€mtliche Klöster aufhob, mussten auch die beiden Klöster in Baden schliessen. Zwar wurde das Kapuzinerinnenkloster 1843 wiedereröffnet, 1867 jedoch endgĂŒltig aufgehoben.[40] Der Kulturkampf liess 1874/1875 die konfessionellen GegensĂ€tze ein letztes Mal aufeinanderprallen, als der Stadtrat den Chorherrenstift liquidierte.[41] Der Wertewandel fĂŒhrte damals auch zum Abriss traditionsreicher GebĂ€ude wie dem Agnesspital, dem Mellingerturm und der Kapuzinerkirche.
Die Industrialisierung setzte spĂ€t ein. Die erste Fabrik, die Spinnerei Wild & Solivo, nahm 1837 den Betrieb auf und nutzte die Wasserkraft der Limmat. Entscheidenden Einfluss auf die spĂ€tere wirtschaftliche Entwicklung hatte die Eisenbahn: Am 7. August 1847 wurde Baden Endstation der ersten rein schweizerischen Eisenbahnstrecke, der Schweizerischen Nordbahn von ZĂŒrich her. Sie erhielt den Spitznamen «Spanisch-Brötli-Bahn», nach dem im Baden hergestellten GebĂ€ck Spanisch Brötli. Unter dem Schlossberg entstand der erste Eisenbahntunnel des Landes. Am 29. September 1856 wurde die Strecke nach Brugg verlĂ€ngert.[42]
Der Eisenbahnbau fĂŒhrte mit etwas Verzögerung zur Ansiedlung von metallverarbeitenden Betrieben. 1863 grĂŒndete der Handelsverein zur Förderung der Wirtschaft die Bank in Baden (1905 in der Bank in Winterthur, einer der Ursprungsgesellschaften der UBS, aufgegangen). Im darauffolgenden Jahr folgte die GrĂŒndung der Gewerbekasse durch den Handwerker- und Gewerbeverein, woraus sich die Gewerbebank entwickelte (seit 1995 Teil der NAB).[43] Auch der Tourismus profitierte: Umfangreiche Investitionen fĂŒhrten zu einer BlĂŒtezeit des BĂ€derbetriebs. Nach der Eröffnung des Kursaals, des Kurparks und des «Grand Hotel» im Jahr 1875 fanden vermehrt internationale KurgĂ€ste den Weg nach Baden.
WĂ€hrend des Eisenbahnbooms der 1870er Jahre beteiligte sich Baden an der Schweizerischen Nationalbahn (SNB). Geplant war eine mit Gemeindegeldern finanzierte «Volksbahn» als Konkurrenz zu den privaten «Herrenbahnen» SCB und NOB. Am 6. September 1877 eröffnete die SNB den Abschnitt WettingenâLenzburgâZofingen mit dem Bahnhof Baden Oberstadt. Bereits 1878 folgte die Zwangsliquidation der SNB und deren Ăbernahme durch die NOB. Die RĂŒckzahlung des Garantiekapitals belastete bis 1935 die stĂ€dtischen Finanzen.[44] Armin Kellersberger, der damalige Stadtammann, konnte in Verhandlungen die Eröffnung eines Konkursverfahrens wegen der Schuldenlast abwenden.
1891 grĂŒndeten Charles Eugene Lancelot Brown und Walter Boveri in Baden die Brown, Boveri & Cie. (BBC). Auf dem Haselfeld entstanden weitlĂ€ufige Fabrikationsanlagen. Der erste Auftrag der BBC war der Bau von Generatoren fĂŒr das stĂ€dtische ElektrizitĂ€tswerk, das 1892 seinen Betrieb aufnahm (das erste Kraftwerk im Aargau).[45] Boveri grĂŒndete ausserdem 1894 die ElektrizitĂ€tswerke Olten-Aarburg AG und 1895 die Motor AG, aus der spĂ€ter die Nordostschweizerischen Kraftwerke und Motor-Columbus entstanden.[46]
Aufgrund des grossen Erfolgs der BBC und deren Aufstiegs zu einem Weltkonzern erlebte Baden ein rasches Bevölkerungswachstum, das auch die Nachbargemeinden erfasste. Der industrielle Sektor profitierte wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs vom Wegfall auslĂ€ndischer Konkurrenz. Wegen der hohen Inflation verarmten jedoch weite Teile der Bevölkerung, was die Stadt vor grosse sozialpolitische Probleme stellte. WĂ€hrend des Landesstreiks im November 1918 besetzte das MilitĂ€r die Stadt wĂ€hrend einigen Tagen. Die Weltwirtschaftskrise traf die exportabhĂ€ngige Elektrotechnikindustrie hart: Rund die HĂ€lfte der Arbeiter musste entlassen werden, nach wenigen Jahren folgte jedoch wieder ein Aufschwung. WĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs wurden rund um Baden als Teil der «Limmatlinie» Bunker und Panzersperren gegen einen möglichen deutschen Angriff gebaut sowie im Zuge der «Anbauschlacht» (Plan Wahlen) ein Teil des Waldes fĂŒr die landwirtschaftliche Nutzung gerodet.
Basierend auf Regionalplanung von Hans Marti wurde 1957 bis 1965 die «grosse Verkehrssanierung» umgesetzt. Ziel war die EntschĂ€rfung des Strassenverkehrs im natĂŒrlichen Engpass. Die Bahnlinie verlegte man in den neuen Kreuzlibergtunnel, was es erlaubte, die BahnĂŒbergĂ€nge am Schlossbergplatz und am Schulhausplatz, welche den Verkehr immer stĂ€rker behinderten, aufzuheben. Der Strassenverkehr wurde aus der Altstadt verbannt und fĂŒhrt seither durch den Schlossberg-Eisenbahntunnel von 1847. In der Badstrasse entstand 1972 im Zuge des Bahnhofumbaus die erste FussgĂ€ngerzone der Schweiz.[47]
Kurz vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Badetourismus seinen Höhepunkt erreicht. Doch die folgenden Kriegs- und Krisenjahre fĂŒhrten zu einem allmĂ€hlichen Niedergang. Das «Grand Hotel» ging in Konkurs und wurde 1944 abgerissen, zahlreiche weitere Hotels mussten in der Folge ebenfalls schliessen. Baden erlitt als Kurort einen Bedeutungsverlust und fiel hinter die Aargauer Konkurrenten Bad Zurzach, Rheinfelden und Schinznach-Bad zurĂŒck. Dem gegenĂŒber stand die weiterhin wachsende Bedeutung der Industrie: Um 1960 waren zwei Drittel der ErwerbstĂ€tigen im industriellen Sektor tĂ€tig.
Die Gemeinde DĂ€ttwil mit den Exklaven RĂŒtihof, Segelhof und MĂŒnzlishausen wurde am 1. Januar 1962 mit Baden fusioniert, nachdem die Gemeindeversammlungen einen entsprechenden Beschluss gefasst hatten und der Grosse Rat dies formell bestĂ€tigt hatte. Motivation fĂŒr den Zusammenschluss waren bei beiden Gemeinden die sich daraus ergebenden baulichen Entwicklungsmöglichkeiten. Das spĂ€tere Wachstum erfolgte danach fast ausschliesslich in den eingemeindeten Stadtteilen. 1967 entstanden im Segelhof das Forschungszentrum der BBC und 1978 in DĂ€ttwil das Kantonsspital.
In den 1980er Jahren begann ein tief greifender Strukturwandel, der mit der Deindustrialisierung und der Hinwendung zum Dienstleistungssektor verbunden war. So wurden etwa das Armaturenunternehmen Oederlin und der Waschmaschinenhersteller Merker zu Immobiliengesellschaften. Noch grössere Auswirkungen hatte 1988 die Fusion der BBC und der schwedischen ASEA zur Asea Brown Boveri (ABB). Zwar blieb die ABB in Baden weiterhin prĂ€sent, doch verlegte sie zahlreiche Fabrikationsbetriebe an andere Standorte in der Schweiz; die nicht mehr benötigten Anlagen wurden neuen Nutzungen zugefĂŒhrt.[48]
Seit der Jahrtausendwende stösst Baden wieder an seine Wachstumsgrenzen. Dem Trend zu vermehrten Gemeindefusionen folgend, strebte Baden mit Neuenhof einen Zusammenschluss zwischen 2012 und 2014 an. Die RÀte beider Gemeinden unterzeichneten im MÀrz 2008 eine entsprechende AbsichtserklÀrung. Die Gemeindeversammlung von Neuenhof und der Einwohnerrat von Baden hatten am 30. MÀrz 2010 der Fusion zugestimmt, die auf den 1. Januar 2012 hÀtte realisiert werden sollen. In der Volksabstimmung am 13. Juni 2010[49] hat das Stimmvolk von Neuenhof zwar der Fusion deutlich zugestimmt[50], die Bevölkerung von Baden hat sie jedoch knapp abgelehnt.[51]
Durch die Fusion wĂ€re Baden zur bevölkerungsreichsten Gemeinde des Kantons geworden. Das Ziel der Kantonsregierung, Baden durch weitere Fusionen zu einem Zentrum mit nationaler Ausstrahlung zu entwickeln,[52] hat damit einen herben RĂŒckschlag erhalten.
Die erstmalige Verwendung eines Siegels ist am 25. Februar 1311 bezeugt. Es zeigte, von Quellwasser umspĂŒlt und von Weinreben umrankt, ein Badebecken, in dem ein Mann und eine Frau sitzen und Trauben essen. In Gebrauch war es bis 1497; daneben existierten sechs Ă€hnliche Siegel, die bis etwa 1800 verwendet wurden. Das Spital verfĂŒgte ĂŒber eigene Siegel (vor griechischem Kreuz eine Hand, die zwei Finger ausstreckt). Die erste urkundliche ErwĂ€hnung des Badener Stadtbanners stammt aus dem Jahr 1361. Das stĂ€dtische Regiment fĂŒhrte es 1386 in die Schlacht bei Sempach mit, die Ă€lteste bildliche Darstellung findet sich 1470 in der Tschachtlanchronik.[53]
Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «Unter rotem Schildhaupt in Weiss schwarzer Pfahl.» 1441 wurde die erste Darstellung des Banners in Wappenform, in Eisen gegossen, ĂŒber dem Tor des Stadtturms angebracht, mit dem ĂŒberhöhten Reichsadler, der den theoretischen Status als Freie Reichsstadt verdeutlichen sollte. Die Bedeutung des Wappens ist nicht ĂŒberliefert. Möglicherweise geht es auf die Grafen von Lenzburg-Baden zurĂŒck, oder es handelt sich um eine Ableitung des rot-weiss-roten österreichischen Wappens. Das Stadtwappen gilt unverĂ€ndert auch als Bezirkswappen. Die Stadtfarben sind Schwarz-Weiss.[54]
Die Badener Altstadt erstreckt sich zwischen dem keilförmig hochragenden Schlossberg im Westen und der zum Limmatufer hin steil abfallenden Halde. Siedlungsgeschichtlich lĂ€sst sie sich in drei Teile gliedern. Der Ă€lteste Teil im Westen wurde Mitte des 13. Jahrhunderts fĂ€cherförmig angelegt, war der Mittelpunkt des Marktes und nahm den Durchgangsverkehr in Nord-SĂŒd-Richtung auf. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts folgte der konzentrisch angelegte mittlere Abschnitt mit Kirchenbezirk und ReprĂ€sentationsbauten. Schliesslich folgte in der zweiten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts eine Erweiterung nach Norden und zum Fluss hinunter.[55] Die Bausubstanz stammt ĂŒberwiegend aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, die HĂ€user sind im gotischen, vereinzelt auch im barocken Stil errichtet. In der Regel herrschen traufstĂ€ndige, ununterbrochene HĂ€userzeilen von drei bis vier Stockwerken vor. Das Ortsbild als Ganzes zĂ€hlt zu den eindrĂŒcklichsten der Schweiz und ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung; von den öffentlichen Bauten abgesehen, fallen aber wenige HĂ€user durch ein aussergewöhnliches GeprĂ€ge auf.[56]
Rund 60 Höhenmeter ĂŒber der Altstadt ragt die Ruine Stein empor, aufgrund der exponierten Lage auf dem Schlossberg das Wahrzeichen Badens. Die um das Jahr 1000 errichtete Burg war wĂ€hrend knapp 150 Jahren das Archiv der Habsburger, bis zur Zerstörung durch die Eidgenossen im Jahr 1415. Die Stadt liess die Burg von 1657 bis 1670 als Festung neu errichten, 1712 wurde sie erneut geschleift. Erhalten geblieben ist nebst dem rekonstruierten Wachtturm nur die Burgkapelle Sankt Nikolaus. Ăstlich der Ruine fĂŒhren Reste der alten Stadtmauer hinunter zum Stadtturm. Er entstand um 1445 und ist 56,45 Meter hoch. Der mit Erkern verzierte und mit Fresken bemalte Turm diente dem Architekten Gustav Gull als Vorlage fĂŒr den Turm des Schweizerischen Landesmuseums in ZĂŒrich.
Eine Höhe von 52 Metern erreicht die in der Mitte der Altstadt gelegene Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt. In ihrer heutigen Form besteht die gotische Kirche seit 1460, ihr erster VorgĂ€ngerbau geht auf die zweite HĂ€lfte des 9. Jahrhunderts zurĂŒck. Aus dem Jahr 1509 stammt die benachbarte Sebastianskapelle, das ehemalige Beinhaus. Nahe dem Kirchplatz befindet sich eine aus vier öffentlichen GebĂ€uden bestehende HĂ€userzeile. Diese umfasst das Rathaus, das Stadthaus, das ehemalige Zeughaus und die Stadtkanzlei. Der Tagsatzungssaal im zweiten Obergeschoss des Rathauses war wĂ€hrend drei Jahrhunderten der wichtigste Versammlungsort der eidgenössischen Tagsatzung.
Mit dem 1676 errichteten Bernerhaus in der Weiten Gasse leistete sich die Stadt Bern als einziger Ort der Eidgenossenschaft ein stĂ€ndiges Absteigequartier fĂŒr seine Abgesandten. Das aus dem frĂŒhen 16. Jahrhundert stammende Kornhaus am Flussufer bei der HolzbrĂŒcke diente unter anderem als Getreidelager, Kaserne, GefĂ€ngnis und Theater. Markantester Brunnen der Stadt ist der 1822 vor dem Stadtturm aufgestellte Löwenbrunnen, benannt nach der löwenförmigen Brunnenfigur.[57]
Das BĂ€derquartier liegt an der Flussbiegung, wo die nordwĂ€rts fliessende Limmat nach Westen abbiegt. Schon im Mittelalter bildete das BĂ€derquartier eine geographisch eigenstĂ€ndige, von der Altstadt deutlich getrennte Siedlung, die ĂŒberwiegend aus Gasthöfen bestand. Der linksufrige, ungeordnet gewachsene Teil war an der SĂŒd- und Westseite von einer Mauer umgeben, der kleinere rechtsufrige, heute zu Ennetbaden gehörende Teil besteht aus einer HĂ€userzeile entlang des Flussufers.[58]
Im 19. Jahrhundert wurden zahlreiche spĂ€tmittelalterliche und frĂŒhneuzeitliche GebĂ€ude durch Bauten im klassizistischen und historistischen Stil ersetzt, wobei man die verwinkelten und zum Teil ineinander verschachtelten Grundrisse beibehielt. Sie gruppieren sich um den Kurplatz, an der BĂ€derstrasse und am nördlichen Ende der Limmatpromenade. Die Bausubstanz ist nach der BlĂŒte des Kurbetriebs zu Beginn des 20. Jahrhunderts vielfach vernachlĂ€ssigt worden, doch sind seit der Jahrtausendwende vereinzelt Sanierungsmassnahmen im Gange. Die seit dem 12. Jahrhundert bestehende Dreikönigskapelle wurde 1881 abgebrochen, an ihrer Stelle entstand ein Neubau im neugotischen Stil.
Das historisch bedeutendste GebĂ€ude ausserhalb der Altstadt und des BĂ€derquartiers ist das am rechten Ufer der Limmat gelegene Landvogteischloss. Es bildet den östlichen BrĂŒckenkopf der HolzbrĂŒcke sowie das GegenstĂŒck zur Ruine Stein, mit dem es zusammen die Engstelle der Badener Klus sicherte. KernstĂŒck des dreigeschossigen Schlosses ist ein in der ersten HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts errichteter Bergfried, an dem in drei Etappen Anbauten angefĂŒgt wurden. Von 1415 bis 1798 residierte hier der Landvogt der Grafschaft Baden. Der Felsgrat der LĂ€gern reichte einst bis unmittelbar vor das Schloss, brach jedoch 1899 bei einem Felssturz ab, so dass nun ein breiter Zwischenraum besteht. In unmittelbarer NĂ€he befindet sich die St.-Anna-Kapelle des ehemaligen Siechenhauses.
Das 1847 nach PlĂ€nen von Ferdinand Stadler errichtete StationsgebĂ€ude des Bahnhofs Baden, auf halbem Weg zwischen Altstadt und BĂ€derquartier gelegen, ist das Ă€lteste des Landes, das im Originalzustand erhalten geblieben ist und heute noch fĂŒr den Bahnbetrieb genutzt wird. Zwischen dem Bahnhof und dem Limmatufer befindet sich die reformierte Kirche. Dieses barocke KirchengebĂ€ude wurde 1714 auf Anordnung der siegreichen reformierten Orte aus dem Abbruchmaterial der zerstörten Festung Stein errichtet und stellte fĂŒr die damals ausschliesslich katholische Bevölkerung eine Provokation dar. Eines der Ă€ltesten reprĂ€sentativen WohngebĂ€ude zwischen den beiden Siedlungskernen ist das benachbarte Haus zum Schwert (Baujahr 1791). Grösste GrĂŒnflĂ€che innerhalb des ĂŒberbauten Gebiets ist der nördlich des Bahnhofs gelegene Kurpark, in dessen Mitte steht der 1875 erbaute klassizistische Kursaal.
Ein weiteres herausragendes Bauwerk des Klassizismus ist das BezirksgebĂ€ude unmittelbar sĂŒdlich der Altstadt am Schulhausplatz, dem wichtigsten Verkehrsknoten der Stadt. Im Jahr 1856 ursprĂŒnglich als Schulhaus errichtet, ist es heute Sitz der Bezirksbehörden und des BezirksgefĂ€ngnisses. Im nordwestlich des Zentrums gelegenen Kappelerhof-Quartier befindet sich die Kapelle Maria Wil, eine barocke Wallfahrtskapelle aus dem 17. Jahrhundert. Das ehemalige Gemeinschaftshaus Martinsberg der BBC gilt als eines der bedeutendsten Bauwerke der Schweizer Nachkriegsmoderne. In den Dörfern DĂ€ttwil und RĂŒtihof sind einzelne BauernhĂ€user aus dem 19. Jahrhundert erhalten geblieben, wĂ€hrend MĂŒnzlishausen sich als Gehöftgruppe aus der Zeit um 1800 prĂ€sentiert. Ein eindrĂŒckliches Panorama bietet die Aussichtsplattform auf dem 34 Meter hohen Wasserturm in der NĂ€he des Ausflugsrestaurants Baldegg.
Bevölkerungsentwicklung:[59]
| Jahr | 1690 | 1799 | 1850 | 1900 | 1930 | 1950 | 1960 | 1970 | 1980 | 1990 | 2000 | 2010 |
| Einwohner | etwa 1800 | 1202 | 3159 | 6489 | 10'624 | 12'127 | 14'553 | 14'115 | 13'870 | 15'718 | 16'270 | 18'059 |
Am 31. Dezember 2010 lebten 18'059 Menschen in Baden, der AuslÀnderanteil betrug 26,3 %. Bei der VolkszÀhlung 2000 waren 43,4 % römisch-katholisch, 28,5 % reformiert, 4,2 % christlich-orthodox und 3,1 % muslimisch; 2,0 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.
83,8 % der Einwohner bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,3 % Italienisch, 3,0 % Serbokroatisch, 1,5 % Englisch, 1,4 % Französisch, je 1,0 % Albanisch und Spanisch, 0,7 % Portugiesisch.[60]
Der AuslĂ€nderanteil liegt mehr als 6 % ĂŒber dem kantonalen Durchschnitt von 19,3 Prozent. Am hĂ€ufigsten vertreten sind gemĂ€ss VolkszĂ€hlung 2000 BĂŒrger Italiens (rund 4,7 % der Bevölkerung), gefolgt von Deutschen (4,4 %), Serben und Montenegrinern (4,0 %), Kroaten (1,4 %) sowie Ăsterreichern und TĂŒrken (je 0,9 %).[61]
Die Politische Gemeinde (im Kanton Aargau Einwohnergemeinde genannt) nimmt sĂ€mtliche kommunalen Aufgaben wahr, die nicht durch ĂŒbergeordnetes Recht zum Wirkungskreis eines anderen Gemeindetyps (beispielsweise der Kirchgemeinden der Landeskirchen) erklĂ€rt worden sind.
Anstelle einer in kleineren Orten ĂŒblichen Gemeindeversammlung vertritt seit 1972 auf Ebene der politischen Gemeinde der von den Badener Stimmberechtigten gewĂ€hlte Einwohnerrat die Anliegen der Bevölkerung. Er besteht aus 50 Mitgliedern und wird im Proporzwahlverfahren gewĂ€hlt. Ihm obliegt das Genehmigen des Steuerfusses, des Voranschlages, der Jahresrechnung, des GeschĂ€ftsberichts und der Kredite. Ausserdem erlĂ€sst er Reglemente, kontrolliert die AmtsfĂŒhrung der Exekutive und entscheidet ĂŒber EinbĂŒrgerungen auslĂ€ndischer Einwohner. Die Amtsdauer betrĂ€gt vier Jahre. Der Einwohnerrat tagt im Saal des Schulhauses «Pfaffechappe».
Bei den letzten drei Wahlen erzielten die Parteien folgende Sitzzahlen:
| Partei | 2001 | 2005 | 2009 | ± |
|---|---|---|---|---|
| FDP | 11 | 12 | 11 | â1 |
| SP | 12 | 11 | 9 | â2 |
| CVP | 10 | 11 | 8 | â3 |
| team baden | 5 | 7 | 7 | ±0 |
| SVP | 7 | 5 | 8 | +3 |
| GrĂŒne Liste | 2 | 3 | 4 | +1 |
| EVP | 2 | 1 | 1 | ±0 |
| GLP | â | â | 2 | ±2 |
| SD | 1 | â | â | ±0 |
Auch auf Ebene der Einwohnergemeinde finden sich verschiedene Elemente der direkten Demokratie. So stehen der Bevölkerung fakultative und obligatorische Referenden gegen BeschlĂŒsse des Einwohnerrates sowie das Initiativrecht zu.
AusfĂŒhrende Behörde ist der Stadtrat. Er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewĂ€hlt, seine Amtsdauer betrĂ€gt vier Jahre. Der Stadtrat fĂŒhrt und reprĂ€sentiert die Einwohnergemeinde. Dazu vollzieht er die BeschlĂŒsse des Einwohnerrates und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Die Sitzungen finden in der Stadtkanzlei statt.
Die sieben StadtrĂ€te der Amtsperiode 2010â2013 sind:
FĂŒr erstinstanzliche Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zustĂ€ndig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch fĂŒr die Gemeinden Ennetbaden und Ehrendingen verantwortlich ist.
Der OrtsbĂŒrgergemeinde gehören jene Einwohner an, die das BĂŒrgerrecht von Baden besitzen. Hauptaufgabe ist die Verwaltung des OrtsbĂŒrgervermögens. Dessen Ursprung liegt in den BĂŒrgergĂŒtern, die aus der Zeit des Ancien RĂ©gime ĂŒbernommen wurden. So gehört der OrtsbĂŒrgergemeinde fast der gesamte Wald auf Stadtgebiet; sie lĂ€sst ihn durch das eigene Stadtforstamt bewirtschaften. Ebenfalls in ihrem Eigentum befinden sich das Altersheim St. Anna, GrundstĂŒcke und Liegenschaften, zwei Restaurants und ein 2,5 ha grosser Rebberg. Legislative ist die OrtsbĂŒrgerversammlung, Exekutive der Stadtrat der Einwohnergemeinde (dem auch Nicht-OrtsbĂŒrger angehören).[62]
Seit 1991 ist SighiÈoara (SchĂ€ssburg) in RumĂ€nien Partnerstadt von Baden. Schwerpunkte der Partnerschaft sind der Auf- und Ausbau von Abfallentsorgung und Trinkwasseraufbereitung, das Ermöglichen von Ausbildungsaufenthalten in und um Baden, humanitĂ€re UnterstĂŒtzung sowie Modernisierung von Schulen und Verwaltung.[63]
Baden, einst das industrielle Zentrum des Aargaus, wird seit dem Strukturwandel Ende des 20. Jahrhunderts mittlerweile vom Dienstleistungssektor geprĂ€gt. Die wirtschaftlichen TĂ€tigkeiten konzentrieren sich auf das Stadtzentrum sowie die Industrie- und Gewerbezone TĂ€fern in DĂ€ttwil. In ĂŒber 1600 Betrieben werden rund 25'000 ArbeitsplĂ€tze angeboten, davon 0,3 % in der Landwirtschaft, 35,6 % in der Industrie und 64,1 % im Dienstleistungssektor.[64] Mehr als zwei Drittel der in Baden arbeitenden Menschen leben in den Agglomerationsgemeinden oder in der weiteren Umgebung, wodurch an Werktagen grosse Pendlerströme entstehen.
Der Hauptsitz des schweizerisch-schwedischen Elektrotechnikkonzerns Asea Brown Boveri (ABB) befindet sich mittlerweile in ZĂŒrich; es wurden zahlreiche ProduktionsstĂ€tten an andere Standorte verlegt. Der Sitz der ABB Schweiz AG ist weiterhin Baden, auch wenn das Unternehmen weitaus weniger dominierend ist als die frĂŒhere Brown, Boveri & Cie. (BBC). Hier befinden sich die Unternehmensleitung, ein Forschungszentrum, Weiterbildungseinrichtungen sowie die Produktion von Hochspannungstechnik, Industrierobotern und Turboladern.[65] Der nicht mehr genutzte Teil des ABB-Areals wird in einen neuen Stadtteil mit gemischten Wohn- und Gewerbezonen umgewandelt (Baden Nord). Seit dem Verkauf der ABB-Kraftwerksparte (1999/2000) ist mit der französischen Alstom ein weiterer Weltkonzern in Baden ansĂ€ssig. Die Alstom Schweiz AG stellt Gas- und Dampfturbinen her, ausserdem plant sie Wasser- und Kombikraftwerke.[66] Ihren Sitz in Baden haben auch der Energiekonzern Axpo und ihre Tochtergesellschaft Nordostschweizerische Kraftwerke. Die Motor-Columbus, die Kraftwerke finanzierte und plante, ging 2007 in der Atel Holding auf.[67]
Grösster Arbeitgeber ausserhalb der Elektrotechnik- und ElektrizitĂ€tsbranche ist das Kantonsspital Baden. Im Elektronik- bzw. im Informatikbereich tĂ€tig sind die Unternehmen Enics und COS Computer Systems, ausserdem befinden sich hier die Schweizer Niederlassungen von Oracle und Brother. Die Brauerei H. MĂŒller gehört zu den grössten unabhĂ€ngigen Brauereien der Schweiz und betreibt auch einen GetrĂ€nkegrosshandel. Aus der ehemaligen BBC-Betriebskrankenkasse entwickelten sich die Aquilana Versicherungen. Die AZ Medien Gruppe ist in Baden mit der Konzernleitung, der Redaktion der Aargauer Zeitung und mit dem AT Verlag vertreten. Das Regionalfernsehen Tele M1 hatte bis 1999 sein Studio in Baden, bevor es nach Aarau verlegt wurde.
Den Detailhandel dominieren die Einkaufszentren von Migros und Coop, das Warenhaus Manor und der Baumarkt Jumbo. Unter dem Bahnhof erstreckt sich die Ladenpassage Metroshop, an die sich die Einkaufsstrassen Badstrasse und Weite Gasse anschliessen.
Eine jahrhundertelange Tradition besitzen der Wochenmarkt an Samstagen (von MÀrz bis November auch an Dienstagen) sowie die zwei JahrmÀrkte im Mai und November. Mehrmals pro Jahr findet auf dem Theaterplatz ein Flohmarkt statt, Anfang Dezember ein Adventsmarkt und ein Weihnachtsmarkt auf dem Kirchplatz.[68]
Die 19 Thermalquellen machen Baden zu einem bekannten Kurort. Das 46,6 °C warme Thermalwasser zeichnet sich durch eine hohe Gesamtmineralisation von 4450 mg/l aus, die höchste der Schweiz. Besonders hoch ist der Anteil von Sulfaten und Calcium.[69] Geeignet sind die Badekuren insbesondere bei rheumatischen Beschwerden, mechanischen SchÀdigungen und stoffwechselbedingten Störungen.
Schon die Römer hatten die Quellen benutzt, und seit dem SpĂ€tmittelalter waren die BĂ€der ĂŒberregional bekannt. Schriftsteller wie Niklaus Manuel, Thomas Murner und David Hess nahmen auf die «Badenfahrten» Bezug. Nach der Reformation waren diese insbesondere im reformierten ZĂŒrich sehr beliebt, da im katholischen Baden einiges gestattet war, was die zwinglianischen Sittengesetze untersagten. Die Bedeutung des Kurbetriebs ging im 20. Jahrhundert stark zurĂŒck, obschon er mit der ErzĂ€hlung Kurgast von Hermann Hesse sogar Einzug in die Weltliteratur hielt. Baden verpasste den Anschluss an moderne Entwicklungen und fiel hinter andere Aargauer Kurorte zurĂŒck.
Seit Beginn des 21. Jahrhunderts sind Bestrebungen im Gange, das etwas altmodische Image abzulegen. Man wich vom rein medizinischen Aspekt der Kur ab und wandte sich vermehrt der Wellness zu. Im ehemaligen Kursaal wurde 2002 eine Spielbank eröffnet, das Grand Casino Baden. Wachsende Bedeutung hat Baden als Veranstaltungsort von Kongressen. Die Stadt liegt in einer landschaftlich abwechslungsreichen Wandergegend am Jurahöhenweg. Entlang der Limmat, zwischen der Badener HolzbrĂŒcke und der HolzbrĂŒcke beim Kloster Wettingen, fĂŒhrt der Kulturweg BadenâWettingenâNeuenhof mit Skulpturen regionaler KĂŒnstler. Dieser stimmt teilweise mit dem Industriekulturpfad Limmat-Wasserschloss ĂŒberein.[70]
Baden ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Wichtigste Strasse ist die Hauptstrasse 3, die von Basel ĂŒber ZĂŒrich und Chur nach Chiavenna fĂŒhrt. Sie kreuzt sich in Baden mit den Verbindungen LenzburgâKaiserstuhl und BremgartenâWaldshut. Seit 1970 ist Baden an das Autobahnnetz angebunden. Zwischen den AnschlĂŒssen Baden-West und Baden-Ost in DĂ€ttwil und Neuenhof fĂŒhrt die A1 sĂŒdlich des Stadtzentrums durch den Bareggtunnel. Die Altstadt ist vom Durchgangsverkehr befreit; dieser wird seit 1965 durch den Schlossbergtunnel und seit 2007 durch den Goldwandtunnel in Ennetbaden geleitet.
Der Bahnhof Baden liegt an der Bözberglinie der Schweizerischen Bundesbahnen. Hier halten SchnellzĂŒge nach Basel, Bern, ZĂŒrich und zum Flughafen ZĂŒrich. Auf mehreren Linien verkehren RegionalzĂŒge und ZĂŒge der S-Bahn ZĂŒrich. An der Bahnstrecke ZofingenâWettingen befinden sich zwei weitere Bahnhöfe, DĂ€ttwil und Baden Oberstadt. Sie sind seit der Einstellung des Personenverkehrs am 12. Dezember 2004 ausser Betrieb.
Baden gilt als Drehscheibe fĂŒr den Busverkehr. Die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen betreiben ein dichtes Netz von Buslinien in Baden, Wettingen und weiteren Gemeinden der Region. Der Postauto-Terminal beim Bahnhof ist einer der grössten der Schweiz; von hier aus verkehren Busse nach Berikon-Widen, Bremgarten (via Mellingen oder Stetten), Kaiserstuhl, MĂ€genwil und Tegerfelden. Die Exklave RĂŒtihof wird zusĂ€tzlich durch die Postautolinie MellingenâBrugg erschlossen. Daneben existieren mehrere Nachtbuslinien und eine Nacht-S-Bahn-Linie nach ZĂŒrich.
Ăltester Ăbergang ist die gedeckte HolzbrĂŒcke von der Altstadt zum Landvogteischloss. Erstmals wurde sie 1242 zusammen mit der Zollstation erwĂ€hnt und in den folgenden Jahrhunderten mehrmals neu errichtet. Nach der Zerstörung durch die Franzosen im Jahr 1799 entstand elf Jahre spĂ€ter das heutige Bauwerk. Die 1874 eröffnete Schiefe BrĂŒcke ersetzte einen seit 1819 bestehenden Steg. Ihren Namen erhielt sie aufgrund ihrer Steigung von 7,5 % zum Ausgleich des Höhenunterschieds beider Ufer.
Bis 1877 fĂŒhrte die Bahnlinie dem linken Limmatufer entlang. Um am Bahnhof Wettingen eine Verbindung zur Strecke der Nationalbahn zu schaffen, gab die Schweizerische Nordostbahn (NOB) die alte StreckenfĂŒhrung auf und baute eine EisenbahnbrĂŒcke, so dass in Wettingen vier Strecken zusammentrafen. Die BrĂŒcke besitzt auch einen FussgĂ€nger- und Fahrradweg. Die 1926 eröffnete HochbrĂŒcke ermöglichte unmittelbar sĂŒdlich der Altstadt eine bessere Erschliessung von Wettingen und die Sperrung der HolzbrĂŒcke fĂŒr den Durchgangsverkehr. Die Siggenthaler BrĂŒcke wurde im September 2002 eröffnet; sie fĂŒhrt vom Kappelerhof nach Obersiggenthal und stellt die direkteste Verbindung nach Norden dar.
Der Steg vom BĂ€derquartier nach Ennetbaden besteht seit 1968. Offiziell heisst er Mercier-Steg, wird im Volksmund aber «Finkensteg» genannt, da die StadtrĂ€te bei der Eröffnung Pantoffeln (schweizerdeutsch: «Finken») trugen, um die Ruhe der KurgĂ€ste nicht zu stören.[71] Beim Bahnhof befindet sich der neueste Ăbergang, ein Steg nach Ennetbaden. Um den Höhenunterschied auf der Badener Seite auszugleichen, entstanden gleichzeitig ein Liftturm und eine Passerelle vom oberen Liftende zum Bahnhofplatz. AnlĂ€sslich der offiziellen Eröffnung im Juni 2007 erhielt der Steg aufgrund seiner rostroten Farbgebung den Namen «Roschtbalke».[72] Weitere Stege befinden sich bei den Kraftwerken Kappelerhof und Aue.
Die Einwohnergemeinde Baden ist zu 100 % Besitzerin der Regionalwerke Baden AG, die Baden, Ennetbaden und zum Teil weitere Gemeinden mit elektrischem Strom, Erdgas, FernwĂ€rme und Trinkwasser versorgt. Sie ist zu 60 % an der Limmatkraftwerke AG beteiligt (die ĂŒbrigen 40 % gehören der AEW Energie AG des Kantons Aargau). Diese betreibt an der Limmat vier Wasserkraftwerke. In Baden sind dies die Kraftwerke Aue und Kappelerhof, weiter flussabwĂ€rts die Kraftwerke SchiffmĂŒhle und Turgi.[73]
Zum Aufgabenbereich der Einwohnergemeinde gehören auch Kehrichtabfuhr und Abwasserreinigung. Zusammen mit fĂŒnf weiteren Gemeinden ist Baden Mitglied des Abwasserverbandes Region Baden Wettingen, die Abwasserreinigungsanlage LaufĂ€cker befindet sich in Turgi.[74] Baden gehört seit 1994 zu den Schweizer KlimabĂŒndnis-StĂ€dten und ist seit 2006 eine Energiestadt.
Die StĂŒtzpunktfeuerwehr ist in DĂ€ttwil stationiert und zĂ€hlt rund 110 Milizangehörige. ZusĂ€tzlich zu lokalen Aufgaben unterstĂŒtzt sie die Ortsfeuerwehren in 52 Gemeinden im östlichen Aargau. Die Zivilschutzorganisation mit 550 Angehörigen deckt die Gemeinden Baden, Ehrendingen, Ennetbaden, Freienwil und Obersiggenthal ab. Neben der Kantonspolizei sorgt auch eine eigenstĂ€ndige Stadtpolizei fĂŒr Sicherheit.[75]
Internationale Ausstrahlung besitzt das 1990 eröffnete Museum Langmatt. Es befindet sich in der denkmalgeschĂŒtzten Jugendstil-Villa des Kunstsammlers Sidney Brown. Gezeigt wird die von ihm und seiner Ehefrau Jenny zusammengetragene Sammlung von GemĂ€lden des französischen Impressionismus. Ausgestellt werden Werke bekannter Maler wie Edgar Degas, Paul CĂ©zanne, Paul Gauguin, Claude Monet, Camille Pissarro und Pierre-Auguste Renoir. Anhand der Originaleinrichtung wird auch die Wohnkultur des frĂŒhen 20. Jahrhunderts gezeigt.
Auf zeitgenössische Schweizer Kunst spezialisiert ist der Kunstraum Baden, der auch eine öffentliche Dokumentationsstelle fĂŒr Kunstschaffende der Region fĂŒhrt.[76] Das Schweizer Kindermuseum befasst sich mit der Welt des Kindes und ihren VerĂ€nderungen seit dem 17. Jahrhundert. Das TeddybĂ€r-Museum zeigt Hunderte von TeddybĂ€ren aus der Zeit von 1904 bis 1970. Eines von 40 Objekten des Industriekulturpfads LimmatâWasserschloss ist das 1892 eröffnete Kraftwerk Kappelerhof, das Ă€lteste ElektrizitĂ€tswerk des Kantons Aargau, das heute auch als Museum der Geschichte der Stromerzeugung dient. Im Gewölbe ĂŒber der Sakristei der katholischen Stadtkirche befindet sich das Kirchenschatzmuseum mit einer Sammlung von liturgischen GegenstĂ€nden.[77]
Das Landvogteischloss ist seit 1913 Standort des Historischen Museums (1992/1993 durch einen modernen Anbau der Architekten Wilfrid und Katharina Steib ergÀnzt). Es befasst sich mit der Stadtgeschichte von den Römern bis heute, darunter der Entwicklung der BÀder und der Industrie. PrÀsentiert werden auch archÀologische Funde der Region, daneben finden Wechselausstellungen zur Kulturgeschichte statt. An das Museum angeschlossen ist das Stadtarchiv, in dem die Unterlagen der stÀdtischen Verwaltung ab 1300 verwahrt werden.[77] Die Stadtbibliothek besteht seit 1836.
Das Kurtheater Baden geht auf das Jahr 1675 zurĂŒck, als der erste Theatersaal der Schweiz erbaut wurde. Das heutige GebĂ€ude im Kurpark entstand 1952 und bietet Platz fĂŒr 600 Zuschauer. Veranstaltet werden Gastspiele der Sparten Schauspiel, Musiktheater, Tanz, Kinder- und Jugendtheater, daneben auch szenische Lesungen sowie Kabarett- und Comedy-AuffĂŒhrungen. Das Nateschwara Theater ist das erste Theater Europas, das auf indischen Tanz und indische Musik spezialisiert ist. Vor allem eigene StĂŒcke bietet das professionelle Kleintheater Teatro Palino, das im Sommer seinen Spielbetrieb ins Freie verlegt. Ausschliesslich Gastspiele veranstaltet das Theater im Kornhaus.[78] Seit 1994 wird das Figura Theater Festival veranstaltet, ein internationales Festival fĂŒr Figurentheater.
Baden besitzt zwei Kinos: Das Kino Sterk mit zwei SĂ€len (1928 im Ă€ltesten Bauhaus-GebĂ€ude der Stadt eröffnet) ist auf Arthouse-Filme spezialisiert und nach der Besitzerfamilie benannt. Diese eröffnete 2002 in der ehemaligen Transformatoren-Werkhalle der ABB ein Multiplex-Kino, das Trafokino mit fĂŒnf SĂ€len, das auch eine Veranstaltungshalle sowie ein Kultur- und Kongresszentrum umfasst.[79]. Seit 1995 ist Baden Austragungsort des alle zwei Jahre stattfindenden internationalen Festivals Fantoche, des grössten Filmfestivals der Schweiz fĂŒr Animationsfilme. Das Ă€lteste Badener Kino, das 1913 von Arthur Betschon erbaute Kino Royal, wird seit 2008 nicht mehr regelmĂ€ssig fĂŒr FilmvorfĂŒhrungen benutzt. Ein neuer EigentĂŒmer beabsichtigte den Abbruch des als «erhaltenswert» inventarisierten GebĂ€udes (kommunales Inventar der KulturgĂŒter). Im Dezember 2010 ĂŒbergab eine breit abgestĂŒtzte Interessengemeinschaft dem Stadtrat eine von ĂŒber 3900 Personen unterzeichnete Petition. Das Royal soll als vielfĂ€ltig nutzbares Kulturlokal wiedereröffnet werden.[80]
Konzerte verschiedenster Stilrichtungen werden unter anderem in der Villa Boveri, in der Trafohalle, im Kulturzentrum Nordportal und im Jugendkulturlokal Merkker aufgefĂŒhrt. Seit 2004 findet jĂ€hrlich ein Blues-Festival mit nationalen und internationalen KĂŒnstlern statt.[81]
Wie in den ĂŒbrigen katholischen Gebieten des Aargaus hat auch in Baden die Fasnacht eine lange Tradition. Sie wird wesentlich von der Luzerner Fasnacht geprĂ€gt. Die Badener Fasnacht beginnt am Schmutzigen Donnerstag mit der Verbrennung der Stoffpuppe Hieronymus FĂŒdlibĂŒrger, der beim Prozess alle negativen Ereignisse des Vorjahres zur Last gelegt werden. Bis zum Aschermittwoch folgen MaskenbĂ€lle, ein Umzug, ein Guggenmusik-Platzkonzert und ein Fasnachtsmarkt.[82]
Jeweils am 22. Oktober findet die Cordulafeier statt. Der Brauch geht auf das Jahr 1444 zurĂŒck, als wĂ€hrend des Alten ZĂŒrichkriegs am Tag der Heiligen Cordula ZĂŒrcher Truppen die Stadt einzunehmen versuchten, aber von wachsamen Badenern vertrieben wurden. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde am Cordulatag eine Messe gelesen und ein Fest gefeiert. Der Brauch geriet in Vergessenheit, ist aber 1964 wiederbelebt worden. Mit Brot und Wein werden Personen geehrt, die sich durch ihr Wirken um das Wohl der Bevölkerung verdient gemacht haben.[83]
Die Badenfahrt ist ein zehntĂ€giges Volksfest. Sie findet in der Regel nur alle zehn Jahre statt, ist aber mit jeweils bis zu einer Million Besuchern eines der grössten Feste der Schweiz und das mit Abstand grösste im Kanton Aargau. Das FestgelĂ€nde erstreckt sich ĂŒber die gesamte Altstadt und umfasst auch Bereiche um den Bahnhof. Höhepunkt des Festes ist der Umzug, an dem sich alle an der Badenfahrt beteiligten Vereine prĂ€sentieren. Der Name bezieht sich auf die mindestens seit dem frĂŒhen 16. Jahrhundert ĂŒberlieferten «Badenfahrten». Damit sind die Kuraufenthalte der feinen Herrschaften gemeint, die es sich in Baden zusammen mit ihren Gefolge gut gehen liessen.
Die Volksschule Baden umfasst alle schulischen Angebote vom Vorschulalter bis zum 9. Schuljahr (Kindergarten, Primarschule, Bezirksschule, Sekundarschule und Realschule). Ăber das Stadtgebiet verteilt sind sechs PrimarschulhĂ€user, in welchen sich auch die KindergĂ€rten befinden: DĂ€ttwil, Kappelerhof, LĂ€ndli, Meierhof, RĂŒtihof und Tannegg. Sekundar- und Realschule sind in der Schulanlage Pfaffechappe zu finden, die Bezirksschule in der Schulanlage Burghalde.[84]
Die Kantonsschule Baden ist eine weiterfĂŒhrende Schule ab dem 10. Schuljahr. Sie umfasst das Gymnasium (Kantonsschule), die Wirtschaftsmittelschule und die Informatikmittelschule. Im Bereich der SchwerpunktfĂ€cher besteht eine Kooperation mit der benachbarten Kantonsschule Wettingen. Zwar gab es schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts Forderungen nach einem Gymnasium in Baden, doch blieb die Kantonsschule Aarau lange die einzige höhere Bildungsanstalt im Aargau. Erst 1961 wurde nach mehreren gescheiterten AnlĂ€ufen die Kantonsschule Baden gegrĂŒndet. Bis 1964 entstand rechts der Limmat die vom Architekten Fritz Haller entworfene Schulanlage.[85]
Die Berufsfachschule BBB vermittelt den theoretischen Unterricht im Rahmen der beruflichen Grundbildung und entstand 1999 aus dem Zusammenschluss der Gewerblich-Industriellen Berufsschule mit der konzerneigenen Berufsschule der ABB. Eines ihrer SchulgebĂ€ude ist das Gemeinschaftshaus Martinsberg. Die Wirtschaftsschule KV Baden-Zurzach ist fĂŒr die Berufsausbildung im kaufmĂ€nnischen Bereich zustĂ€ndig, wĂ€hrend die ABB Technikerschule eine eidgenössisch anerkannte höhere Fachschule fĂŒr technische Weiterbildung ist.[86]
Bekanntester Sportverein der Stadt ist der FC Baden. Die erste Mannschaft der MÀnner spielte 1985/1986 in der Nationalliga A, der höchsten Fussball-Liga der Schweiz und war wÀhrend Jahren in der zweithöchsten Spielklasse vertreten. 2006 stieg sie in die 1. Liga der Amateure ab. Die erste Frauen-Mannschaft ist in der Nationalliga B vertreten. Der FC Baden, der auch zahlreiche Juniorenmannschaften umfasst, trÀgt seine Heimspiele im Stadion Esp in Fislisbach aus.[87]
Der 1954 von BBC-Mitarbeitern gegrĂŒndete Basketballclub wurde 2002 von Alstom ĂŒbernommen. Mittlerweile gehört der BC Alstom Baden zu den mitgliederstĂ€rksten Clubs in der Deutschschweiz. Das Frauenteam des BC Alstom Baden spielt in der Nationalliga B, das MĂ€nnerteam in der 2. Regionalliga.[88] MitgliederstĂ€rkster Sportverein ist der Stadtturnverein Baden, der als Dachorganisation fĂŒr fĂŒnf Vereine auftritt (Turnen, Handball, Unihockey, Volleyball und Wintersport).[89] Ebenfalls Volleyball spielt der VBC Kanti Baden, dessen MĂ€nner- und Frauenteam beide in der dritthöchsten Liga sind.[90] Seit 1997 wird in DĂ€ttwil in einer eigens dafĂŒr errichteten Halle Curling gespielt; der CC Baden-Regio ist mit einem MĂ€nner- und einem Frauenteam in der obersten Spielklasse Swiss Curling League vertreten.[91]
Seit 1934 verfĂŒgt Baden mit dem «Terrassenbad» am rechten Ufer der Limmat ĂŒber ein Freibad mit drei Becken und einer 100 Meter langen Rutschbahn. 1969 kam ein Hallenbad hinzu. Die Stadt ist ausserdem im Besitz der Sportanlagen Aue (hauptsĂ€chlich Leichtathletik), Esp (Fussball, auf dem Gemeindegebiet von Fislisbach) und Langacker (Fussball). Am ChrĂŒzliberg befindet sich ein Vitaparcours.[92]
Den nachhaltigsten Einfluss auf die Entwicklung Badens hatten Personen im Zusammenhang mit dem Elektrotechnikkonzern Brown, Boveri & Cie. (heute Asea Brown Boveri). Dazu gehören insbesondere Charles Eugene Lancelot Brown und Walter Boveri, die mit der FirmengrĂŒndung massgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung beigetragen haben. Zu dieser GrĂŒndergeneration gehört auch der Kunstsammler Sidney Brown. Als weltweit bekannteste Person, die in Baden geboren wurde, gilt der Chemiker Albert Hofmann, der Entdecker des LSD.
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Dieser Artikel wurde am 17. Juni 2009 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |