Bahnstrecke Chomutov–Vejprty/Reitzenhain
Die Bahnstrecke Chomutov–Reitzenhain mit dem Abzweig nach Vejprty ist eine Nebenbahn („regionální dráha“)[1] in Tschechien, die ursprünglich von der Buschtěhrader Eisenbahngesellschaft (BEB) erbaut und betrieben wurde. Sie beginnt in Chomutov (Komotau), überschreitet den Erzgebirgskamm und endet heute im Grenzbahnhof Vejprty (Weipert), wo über die Bahnstrecke Vejprty–Annaberg-Buchholz unt Bf Anschluss an das deutsche Eisenbahnnetz besteht. Die in Křimov abzweigende Strecke nach Reitzenhain ist seit 1972 stillgelegt.
GeschichteVorgeschichte und BauDie Genehmigung für eine „Locomotiveisenbahn von Kommotau bis Weipert an die königlich sächsischen Grenze zum Anschluss an die Chemnitz-Annaberger Bahn“ hatte die Buschtěhrader Eisenbahn am 1. Juli 1868 im Zusammenhang mit der Konzession der Linie von Prag über Komotau nach Eger erhalten. Die konzessionierte Linie sollte innerhalb von drei Jahren ab Konzessionserteilung fertiggestellt und dem öffentlichen Verkehr übergeben werden. Die Anlage eines zweiten Gleises war gefordert, wenn der „jährliche Rohertrag während zweier aufeinanderfolgender Jahre die Summe von 140000 fl. überschreitet“.[2] Am 29. September 1869 wurde schließlich mit Sachsen der Staatsvertrag „über die Eisenbahnanschlüsse an der böhmisch-sächsischen Grenze bei Weipert, Georgswalde und Warnsdorf“ abgeschlossen. Als Verknüpfungspunkt mit dem sächsischen Eisenbahnnetz wurde Weipert bestimmt. Sachsen verpflichtete sich, die Strecke von Annaberg bis Weipert bis zum 1. Juli 1871 fertigzustellen. Wenn sich kein privater Investor für den Streckenbau finden sollte, war dort ein Bau auf Staatskosten vorgesehen.[3] Die Strecke Komotau–Weipert wurde schließlich am 1. August 1872 in Betrieb genommen. Die durch die Konzession vorgegebene Baufrist wurde damit um über ein Jahr überschritten. Die Anschlusstrecke in Sachsen von Weipert nach Annaberg nahm zwei Tage später – am 3. August 1872 – ihren allgemeinen Betrieb auf. Am 28. Juni 1872 wurden der Buschtěhrader Eisenbahn per Gesetz für die noch zu bauende Linie von Krima nach Reitzenhain die gleichen Vergünstigungen wie schon für die vorhandenen Strecken gewährt. Die Realisierung dieser Strecke sollte nach Abschluss eines weiteren Staatsvertrages mit Sachsen erfolgen. [4] Die Konzession zum Bau und Betrieb der Linie nach Reitzenhain zum Anschluss an die Strecke der Chemnitz-Komotauer Eisenbahngesellschaft wurde schließlich am 12. November 1872 ausgestellt.[5]. Am 23. August 1875 wurde die Strecke eröffnet. Im Betrieb der Deutschen ReichsbahnNach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Dresden. Im Reichskursbuch war die Verbindung nun als KBS 169 Chemnitz–Weipert–Komotau und 169a Chemnitz–Reitzenhain–Krima enthalten. Für wenige Jahre verkehrte nun auch ein durchgehender Eilzug Chemnitz–Reitzenhain–Komotau. Der Niedergang nach dem Zweiten WeltkriegNach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Strecke wieder vollständig zu den ČSD. Die deutschen Bahnhofsnamen wurden nunmehr durch eine tschechische Version ersetzt. Dabei entstanden zunächst auch Kuriosa, wie Reitzenhain v Čechách oder Šmídeberk, die durch das Fehlen eines offiziellen tschechischen Namens bedingt waren. Mit der offiziellen Neubennung aller Orte in den Jahren 1946 bis 1948 bekamen dann auch alle Bahnhöfe ihre heutigen Namen. Auf Grund der völlig veränderten politischen Verhältnisse fand nach 1945 kein grenzüberschreitender Verkehr mehr statt. Zwischen Weipert und Bärenstein blieb die Gleisverbindung allerdings aus militärischen Gründen erhalten. Der verbliebene Personenverkehr auf dem Abzweig nach Sebastiansberg (Hora Svatého Šebestiána) und Böhmisch Reizenhain (Pohraniční) wurde am 9. Mai 1948 infolge der Vertreibung der dortigen deutschen Bevölkerung eingestellt. Der Bahnhof Hora Sv. Šebestiána wurde im Güterverkehr noch bis Ende der 1950er Jahre weiter bedient. Umgeschlagen wurden Holz aus den umliegenden Wäldern und die Produkte des Torfwerkes von Hora Svatého Šebestiána. Am 12. Oktober 1972 genehmigte das tschechoslowakische Verkehrsministerium schließlich die Stilllegung der Strecke von Křimov bis zur Staatsgrenze bei Reitzenhain. An Stelle der Grenzbrücke wurde in den 1970er Jahren der neue Straßengrenzübergang Hora Sv. Šebestiána–Reitzenhain (Staatsstraße Nr. 7/Bundesstraße 174) neu gebaut. Der einstige Bahnkörper an der Staatsgrenze wurde dabei restlos beseitigt. Zwischen 1985 und 1987 wurden die Gleise und alle Brücken demontiert. In den 1980er Jahren bestanden Bestrebungen seitens der Deutsche Reichsbahn, die grenzüberschreitende Verbindung über Vejprty für den Leerwagenaustausch wieder in Betrieb zu nehmen, was allerdings von tschechoslowakischer Seite nicht erwünscht war. Der verfallene Bahnhof Rusová (2010) Seit 1993 ist die grenzüberschreitende Verbindung in Vejprty für den Personenverkehr wieder in Betrieb. Ende der 1990er Jahre wurde auch die Grenzbrücke über den Pöhlbach mit EU-Fördermitteln komplett erneuert. Seitdem wird die Strecke bei Bedarf auch wieder für den grenzüberschreitenden Güterverkehr benutzt. Einziger regelmäßiger Nutzer im Güterverkehr ist allerdings bislang nur die Sächsische Dampfeisenbahngesellschaft (SDG; vormals: BVO Bahn), welche Lokomotivkohle für die Schmalspurbahn Cranzahl–Oberwiesenthal aus Tschechien bezieht. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 wurde der Reisezugverkehr durch den verantwortlichen Ústecký kraj abbestellt. Als Grund für die Einstellung wurde vor allem die geringe Auslastung der Züge genannt.[6] Seit dem 9. Dezember 2007 wird nur noch ein touristisch orientierter Verkehr mit zwei Zugpaaren an den Wochenenden aufrechterhalten, darunter eine durchgehende Verbindung Leipzig–Chemnitz–Chomutov der Erzgebirgsbahn. In der einstigen Lokomotiveinsatzstelle im Bahnhof Křimov ist heute der Eisenbahnverein společnost LOKO-MOTIV ansässig. Zukünftig soll dort ein kleines Museum zur Geschichte der Strecke aufgebaut werden. [7] StreckenbeschreibungVerlaufDie Strecke beginnt in Chomutov am Fuße des Erzgebirges im Anschluss an die Verbindung von Prag nach Chomutov. Noch im Stadtgebiet beginnt die Maximalsteigung von 20 Promille. In mehreren Serpentinen und engen 180°-Bögen windet sich die Strecke nun am Steilhang des Erzgebirges aufwärts. Bemerkenswert ist die günstige Trassenführung unter Nutzung des vorhandenen Geländes, welche die Anlagen von Tunneln und Großbrücken vermied. Die Kammhochfläche wird am Bahnhof Křimov erreicht, wo sich die Strecke in die Äste nach Reitzenhain und Vejprty gabelte. Die bestehende Strecke nach Vejprty folgt nun dem Erzgebirgskamm, welcher kurz vor dem heute aufgelassenen Bahnhof Rusová überschritten wird. Auf den letzten Kilometern verläuft die Strecke im Pöhlbachtal abwärts nach Vejprty. Der Ast nach Reitzenhain stieg von Křimov weiter stark an. In einem großen Bogen wurde der Menhartický vrch umfahren, wo noch vor dem Erzgebirgskamm der Scheitelpunkt lag. Von Hora Svatého Šebestiána bis Reitzenhain verlief das Gleis dann in leichtem Gefälle. Die Täler der Chomutovka und der Schwarzen Pockau wurden mit größeren Brücken überquert. BetriebsstellenHaltepunkt Reitzenhain v Čechách Der Haltepunkt Reitzenhain v Čechách (bis 1938: Reizenhain, bis 1945: Reitzenhain (Böhmen)) gehört zu jenen Haltepunkten, die nach Einführung des Triebwagenverkehrs Anfang der 1930er Jahre neu eingerichtet wurden. Er wurde am 15. Mai 1930 unmittelbar an der Landesgrenze auf böhmischen Territorium eröffnet. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er keine Bedeutung mehr, die Bedienung endete am 9. Mai 1948. Eine Umbenennung zugunsten des neuen Ortsnamens Pohraniční erfolgte nicht mehr. Bahnhof Reitzenhain Der Bahnhof Reitzenhain (in Fahrplanunterlagen der ČSD: Reitzenhain ČSD) liegt auf deutschem Territorium und war Grenzbahnhof im Wechselverkehr zwischen Sachsen und Böhmen. Neben der Pass- und Zollkontrolle erfolgte hier insbesondere der Wechsel der Lokomotiven im grenzüberschreitenden Verkehr. Die BEB bzw. später die ČSD besaß für die Gleisanlagen und das Empfangsgebäude Nutzungsrechte auf Pachtbasis. Auf der „böhmischen Seite“ des Bahnhofsgeländes gab es auch ein eigenes Wohngebäude für die Beamten und eine eigene Lokomotiveinsatzstelle.[8] Nach 1945 betrieb die Deutsche Reichsbahn den Bahnhof Reitzenhain als Endpunkt der Strecke von Flöha bis 1992 weiter. Ein Abbruch der Anlagen erfolgte seitdem bislang nur teilweise. Literatur
Weblinks
Einzelnachweise
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