|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Bakterien | ||||
|---|---|---|---|---|
| Cholera-Bakterien (Vibrio cholerae) (SekundĂ€relektronenmikroskopie). Typische MaĂe sind 2-3 Mikrometer LĂ€nge, 0,5 Mikrometer Dicke. | ||||
| Systematik | ||||
| ||||
| Wissenschaftlicher Name | ||||
| Bacteria | ||||
| StÀmme | ||||
|
Auswahl: Chlamydiae Cyanobacteria Chlorobi Planctomycetes Proteobacteria Firmicutes Spirochaetes |
Die Bakterien (Bacteria) (griechisch ÎČαÎșÏÎźÏÎčÎżÎœ baktÄrion âStĂ€bchenâ, Singular: die Bakterie, veraltet auch: das Bakterium) bilden neben den Eukaryoten und Archaeen eine der drei grundlegenden DomĂ€nen, in die heute alle Lebewesen eingeteilt werden.[1]
Bakterien sind wie die Archaeen Prokaryoten, das bedeutet, ihre DNA ist nicht in einem vom Cytoplasma durch eine Doppelmembran abgegrenzten Zellkern enthalten wie bei Eukaryoten, sondern bei ihnen liegt die DNA wie bei allen Prokaryoten frei im Cytoplasma, und zwar zusammengedrÀngt in einem engen Raum, dem Nucleoid (KernÀquivalent).
Die Wissenschaft und Lehre von den Bakterien ist die Bakteriologie.
Inhaltsverzeichnis |
Bakterien wurden erstmalig von Antoni van Leeuwenhoek mit Hilfe eines selbstgebauten Mikroskops in GewÀssern und im menschlichen Speichel beobachtet und 1676 von ihm in Berichten an die Royal Society of London beschrieben.
Bis gegen Ende des vorigen Jahrhunderts wurde die Bezeichnung âBakterienâ in der Mikrobiologie fĂŒr alle mikroskopisch kleinen, meistens einzelligen Organismen gebraucht, die keinen echten Zellkern besitzen und deshalb zu den Prokaryoten gehören. Jedoch trifft das auch auf die Archaeen zu, die seit etwa 1990 einer separaten DomĂ€ne zugeordnet werden. Zur Abgrenzung von den Archaeen sprach man in der Ăbergangszeit bis zur Definition der drei Lebewesen-DomĂ€nen auch von âEigentlichen Bakterienâ oder âEchten Bakterienâ und es wurden die wissenschaftlichem Namen Eubacteria und Archaebacteria verwendet. Eubacteria war eine unglĂŒckliche Benennung, da es auch eine Bakteriengattung Eubacterium gibt. Heute werden die beiden DomĂ€nen der Prokaryoten als Bacteria und Archaea bezeichnet, die dritte DomĂ€ne ist die der Eukaryoten.
Ăber dreihundert Jahre nach der ersten Beschreibung von Bakterien und trotz unzĂ€hliger schon beschriebener und katalogisierter Arten ist nach heutigem Kenntnisstand anzunehmen, dass die groĂe Mehrheit (ca. 95 bis 99 %) aller auf unserem Planeten existierenden Bakterienarten noch nicht nĂ€her bekannt ist und beschrieben wurde (Stand: 2006). Daher ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder neue und aufregende Entdeckungen gemacht werden. So wurde im Jahr 1999 das gröĂte bislang bekannte Bakterium entdeckt: Die so genannte Schwefelperle von Namibia, Thiomargarita namibiensis, ist mit einem Durchmesser von bis zu einem dreiviertel Millimeter ein bereits mit bloĂem Auge sichtbares Schwefelbakterium. Das Bakterium mit den wenigsten Genen ist Carsonella ruddii. Es besitzt nur 159.662 Basenpaare und 182 Gene[2].
Bakterien kommen in verschiedenen Ă€uĂeren Formen vor (Beispiele in Klammern): kugelförmig, sogenannte Kokken (Micrococcus), zylindrisch, sogenannte StĂ€bchen (Bacillus, Escherichia) mit mehr oder weniger abgerundeten Enden, wendelförmig (Spirillen, SpirochĂ€ten), mit Stielen (Caulobacter), mit AnhĂ€ngen (Hyphomicrobium), mehrzellige Trichome bildend (Caryophanon, Oscillatoria), lange, verzweigte FĂ€den, sogenannte Hyphen, bildend, die sich verzweigen und eine Fadenmasse, sogenanntes Mycel, bilden (Streptomyzeten), Gebilde mit mehreren unregelmĂ€Ăig angeordneten Zellen (Pleurocapsa). Oft kommen Bakterien in Aggregaten vor: Kugelketten (Streptococcus), flĂ€chige Anordnung kugelförmiger Zellen (Merismopedia), regelmĂ€Ăige dreidimensionale Anordnung von Kugeln (Sarcina), StĂ€bchenketten (Streptobacillus), in Röhren eingeschlossene StĂ€bchenketten (Leptothrix).
Die GröĂe von Bakterien ist sehr unterschiedlich: Ihr Durchmesser liegt zwischen etwa 0,1 und 700 ”m, bei den meisten etwa 0,6 bis 1,0 ”m. Ihre LĂ€nge liegt in einem gröĂeren Bereich: bei Einzelzellen zwischen etwa 0,6 ”m (bei Kokken) und 700 ”m, Hyphen können noch lĂ€nger sein, die meisten Bakterien sind 1 bis 5 ”m lang. Das Volumen der meisten Bakterien liegt in der GröĂenordnung von 1 ”m3. Abgesehen von wenigen Ausnahmen können einzelne Bakterienzellen mit bloĂem Auge nicht gesehen werden, da das Auflösungsvermögen des menschlichen Auges um etwa 50 ”m liegt. Besonders klein sind Mycoplasmen, der Durchmesser der kleinsten betrĂ€gt etwa 0,3 ”m. Besonders groĂ sind viele Cyanobakterien, ihr Durchmesser liegt meistens zwischen 2 und 8 ”m. Das gröĂte bisher bekannte Bakterium ist Thiomargarita namibiensis: etwa kugelförmig mit einem Durchmesser von 300 â 700 ”m, also mit bloĂem Auge zu sehen. Das Volumen des gröĂten Bakteriums (Durchmesser d etwa 700 ”m, Volumen einer Kugel = 0,523 · d3) ist etwa 10 Milliarden mal gröĂer als das Volumen des kleinsten (Durchmesser etwa 0,3 ”m).
Bakterien besitzen zumeist eine Zellwand, alle besitzen Cytoplasma mit Cytoplasmamembran und Ribosomen. Die DNA liegt als strangförmiges, in sich geschlossenes MolekĂŒl, als so genanntes Bakterienchromosom frei im Cytoplasma vor. Bei einigen Bakterien kommen auch zwei Bakterienchromosomen vor, beispielsweise bei Ralstonia eutropha Stamm H16. HĂ€ufig befindet sich im Cytoplasma weitere DNA in Form von kleineren, ebenfalls strangförmigen, in sich geschlossenen MolekĂŒlen, den Plasmiden, die unabhĂ€ngig vom Bakterienchromosom vervielfĂ€ltigt und bei der Fortpflanzung weitergegeben werden oder von einem Individuum auf ein anderes ĂŒbertragen werden können. Das Genom des Darmbakteriums Escherichia coli besteht aus knapp 4,7 Millionen Basenpaaren, deren Sequenz vollstĂ€ndig bekannt ist. Das DNA-MolekĂŒl ist etwa 1,4 Millimeter lang mit einem Durchmesser von nur 2 Nanometern und enthĂ€lt rund 4400 Gene. Trotz seiner LĂ€nge von mehr als dem Tausendfachen des Zelldurchmessers ist es auf einen Bereich von etwa der HĂ€lfte des Zelldurchmessers (vermutlich hochgeordnet) zusammengelegt (Nucleoid). Inzwischen sind viele weitere Bakteriengenome vollstĂ€ndig bekannt (siehe Sequenzierte Organismen). Eine Besonderheit der Bakterien ist auch die RNA-Polymerase. Sie besitzen nur eine, und die besteht aus nur 5 Untereinheiten (α (2x), ÎČ, ÎČ' und Ï). Die RNA-Polymerase der Archaeen besteht dagegen aus 11â12 Untereinheiten, und Eukaryoten besitzen mehrere RNA-Polymerasen, die aus bis zu 12 Untereinheiten bestehen.
ErlÀuterungen zum Bakterien-Schema:
Lebensweise und Stoffwechsel der Bakterien sind sehr unterschiedlich ausgeprĂ€gt. So gibt es Bakterien, die Sauerstoff benötigen (aerobe Bakterien oder Aerobier), Bakterien, fĂŒr die Sauerstoff Gift ist (obligat anaerobe Bakterien oder obligate Anaerobier), und Bakterien, die tolerant gegenĂŒber Sauerstoff sind (fakultative Anaerobier). Einige Bakterien sind zur Photosynthese fĂ€hig, also phototroph, zum Beispiel die frĂŒher auch Blaualgen genannten Cyanobakterien, die meisten sind dagegen chemotroph. Von den Chemotrophen sind die meisten heterotroph, einige jedoch chemoautotroph, und zwar lithoautotroph.
Manche Bakterien (z. B. Bacillus) bilden Dauerstadien (Sporen) aus, in denen der komplette Stoffwechsel zum Erliegen kommt. In diesem Zustand können die Bakterien fĂŒr sie ungĂŒnstige â auch extreme â Umweltbedingungen ĂŒberstehen und mehrere tausend Jahre ĂŒberdauern. Andere Bakteriengattungen haben eine andere Strategie entwickelt und ihren Stoffwechsel direkt an extreme Umweltbedingungen angepasst. Sie werden als Extremophile bezeichnet.
Die meisten Bakterien leben in der Natur in Form von Biofilmen zusammen.
Die Vermehrung der Bakterien erfolgt asexuell durch Zellteilung. Das kann durch Querteilung (besonders bei zylindrischen Bakterien), durch Knospung, durch Sporenbildung oder auf andere Weise geschehen. Bei der Endosporenbildung kommt es jedoch meistens nicht zu einer Vermehrung, weil weit ĂŒberwiegend nur eine Endospore je Zelle gebildet wird (nur bei wenigen Bakterien, beispielsweise bei Anaerobacter polyendosporus und Metabacterium, werden mehrere Endosporen je Zelle gebildet). Alle Nachkommen der asexuellen Vermehrung weisen ein identisches Genom auf und bilden daher einen Klon.
Bei einer Konjugation können Bakterien mit Hilfe sogenannter Sexpili (Proteinröhren) DNA untereinander austauschen (horizontaler und vertikaler Gentransfer). Mittels der Sexpili können sich die Zellen annĂ€hern und dann ĂŒber eine PlasmabrĂŒcke DNA (das Bakterien-âChromosomâ ganz oder teilweise sowie Plasmide) von einer Zelle zur anderen ĂŒbertragen. Da die Pili nicht direkt an der DNA-Ăbertragung beteiligt sind, kann diese auch ohne Pili erfolgen, wenn sich zwei Bakterienzellen eng aneinander legen. Dieser Gentransfer wird vor allem von Gram-negativen Bakterien praktiziert. Bei Gram-positiven Bakterien herrscht vor allem der Mechanismus der Transduktion vor. Hierbei werden Bakteriophagen als Vektor benutzt. Transformation, die Aufnahme von nackter DNA, ist dagegen kaum verbreitet.
Bakterien bewegen sich meist frei im FlĂŒssigmedium schwimmend durch Flagellen, auch als GeiĂeln bezeichnet, die anders als die GeiĂeln der Eukaryoten (z. B. Protisten) nicht nach dem â9+2-Musterâ aufgebaut sind, sondern aus einem langen, wendelförmigen, etwa 15 bis 20 nm dicken Proteinfaden bestehen. Zudem wirken die Flagellen der Bakterien nicht antreibend durch FormverĂ€nderung wie die GeiĂeln der Eukaryoten, sondern sie werden wie ein Propeller gedreht. Die Drehbewegung wird an einer komplizierten Basalstruktur durch einen Protonenstrom erzeugt, Ă€hnlich wie bei einer Turbine, die durch einen FlĂŒssigkeits- oder Gasstrom angetrieben wird. Dazu ist ein ProtonenkonzentrationsgefĂ€lle erforderlich. Spirochaeten bewegen sich dadurch, dass sie sich um sich selbst drehen und dank ihrer wendelförmigen Körper sich gewissermaĂen durch das umgebende Medium schrauben. Einige Bakterien bewegen sich nicht freischwimmend, sondern durch Kriechen, zum Beispiel Myxobakterien und einige Cyanobakterien.
Verschiedene Umweltfaktoren können die Bewegungsrichtung der Bakterien beeinflussen. Diese Reaktionen werden als Phototaxis, Chemotaxis (Chemotaxis gegenĂŒber Sauerstoff: Aerotaxis), Mechanotaxis und Magnetotaxis bezeichnet.
Aufgrund biochemischer Untersuchungen nimmt man heute an, dass einige Organellen, die in den Zellen vieler Eukaryoten vorkommen, ursprĂŒnglich eigenstĂ€ndige Bakterien waren (Endosymbiontentheorie); dies betrifft die Chloroplasten und die Mitochondrien. Diese Organellen zeichnen sich durch eine Doppelmembran aus und enthalten eine eigene zirkulĂ€re DNA, auf der je nach Art 5 bis 62 Gene enthalten sein können. Belege dafĂŒr sind die Ergebnisse der rRNA-Sequenzierung und die Organellproteine, die eine stĂ€rkere Homologie zu den Bakterienproteinen ausweisen, als zu den Eukaryoten. Die Codons von Mitochondrion und Chloroplast Ă€hneln der Codon Usage der Bacteria ebenfalls mehr.
Unverzichtbar fĂŒr bedeutende geochemische StoffkreislĂ€ufe sind viele Bodenbakterien, die als Destruenten wirken beziehungsweise NĂ€hrsalze fĂŒr die Pflanzen verfĂŒgbar machen.
Eine groĂe Gruppe von Bakterien bilden die so genannten Cyanobakterien, die frĂŒher etwas irrefĂŒhrend auch als Blaualgen bezeichnet wurden. Da sie Prokaryonten sind, gehören sie nicht zu den Algen. Sie betreiben Photosynthese und sind entsprechend unabhĂ€ngig von organischer Nahrung, brauchen jedoch Licht zur Energieversorgung. Gemeinsam mit den GrĂŒnalgen (Chlorophyta) und anderen Algengruppen bilden sie das Phytoplankton der Meere und SĂŒĂgewĂ€sser und so die Nahrungsgrundlage vieler Ăkosysteme.
Spezielle Bakterien kommen als Symbionten im Darm oder in anderen Organen vieler Lebewesen vor und wirken bei der Verdauung und weiteren physiologischen VorgÀngen mit. Escherichia coli und Enterokokken sind die bekanntesten Vertreter dieser Gruppe. Aber auch anaerobe Bifidobakterien gehören dazu.
Bakterien spielen im menschlichen Körper eine groĂe Rolle. So leben im menschlichen Darm eine Vielzahl von Bakterien, die zusammen die verdauungsfördernde Darmflora bilden. Die Haut des gesunden Menschen ist von harmlosen Bakterien besiedelt, die die Hautflora bilden. Besonders hohe Bakterienzahlen finden sich auf den ZĂ€hnen. Bakterien können aber auch als Krankheitserreger wirken. Einige Bakterien verursachen eitrige WundentzĂŒndungen (Infektionen), Sepsis (Blutvergiftung) oder die EntzĂŒndung von Organen (z. B. Blasen- oder LungenentzĂŒndung). Um diesen Erkrankungen vorzubeugen, wurden von der Hygiene, einem Fachgebiet der Medizin, zwei Methoden zum Kampf gegen Bakterien entwickelt:
Sterilisation ist ein Verfahren, mit dessen Hilfe medizinische GerÀte und Materialien keimfrei gemacht werden.
Desinfektion ist ein Verfahren, um die Zahl von Bakterien auf der Haut oder GegenstÀnden stark zu vermindern (z. B. mit HÀndedesinfektionsmitteln).
Sind die Bakterien einmal in den Körper eingedrungen und haben eine Infektion ausgelöst, stellen heute die Antibiotika ein wirksames Mittel gegen Bakterien dar; zum Beispiel Penicilline, die durch Pilze der Gattung Penicillium gebildet werden. Penicillin stört die Synthese der Bakterien-Zellwand, daher wirkt es nur gegen wachsende Bakterien. Allerdings sind viele Antibiotika im Laufe der Zeit gegen bestimmte Bakterien unwirksam geworden. Deshalb werden Bakterien in mikrobiologischen Laboratorien untersucht und ein Resistenztest durchgefĂŒhrt. Bei der Behandlung mit Antibiotika muss beachtet werden, dass nicht nur pathogene (krankmachende) Bakterien, sondern auch mutualistische (nĂŒtzliche) Bakterien durch das Medikament gestört bzw. getötet werden können. Dies kann soweit fĂŒhren, dass zunĂ€chst in geringer Zahl im Darm lebende Bakterien der Art Clostridium difficile, die von Natur aus gegen viele Antibiotika resistent sind, die Oberhand im Darm gewinnen und schwere DurchfĂ€lle auslösen.
Eine Resistenz gegen Antibiotika kann naturgegeben oder die Folge einer Mutation sein. Um das zu beweisen, entwickelten die Biologen Max DelbrĂŒck und Salvador Edward Luria den Fluktuationstest.
Eine Ă€ltere Methode der Ărzte beim Kampf gegen bakterielle Infektionen stellt die Operation mit Eröffnung und SĂ€uberung des Eiterherdes dar, gemÀà dem uralten lateinischen Chirurgen-Spruch âUbi pus, ibi evacuaâ â zu deutsch: âWo Eiter ist, dort entleere ihn.â Bei groĂen Eiterherden ist diese Methode in Verbindung mit der Gabe von Antibiotika viel wirksamer als nur der Einsatz von Antibiotika allein.
Ein Mensch besteht aus etwa 10 Billionen (1013) Zellen, auf und in ihm befinden sich etwa zehnmal so viele Bakterien.[3]
Im Mund eines Menschen leben insgesamt etwa 1010 Bakterien.
Auf der menschlichen Haut befinden sich bei durchschnittlicher Hygiene etwa hundertmal so viele Bakterien, nÀmlich insgesamt etwa eine Billion, allerdings sehr unterschiedlich verteilt: an den Armen sind es nur wenige tausend, in fettigeren Regionen wie der Stirn schon einige Millionen und in feuchten Regionen wie den Achseln mehrere Milliarden pro Quadratzentimeter. Dort ernÀhren sie sich von rund zehn Milliarden Hautschuppen, die tÀglich abgegeben werden, und von Mineralstoffen und Lipiden, die aus den Hautporen abgeschieden werden.
99 % aller im und am menschlichen Körper lebenden Mikroorganismen, nÀmlich mehr als 1014 mit mindestens 400 verschiedenen Arten, darunter vorwiegend Bakterien, leben im Verdauungstrakt, vor allem im Dickdarm und bilden die sogenannte Darmflora.
Sogar in der Lunge gesunder Menschen wurden in jĂŒngster Zeit aufgrund einer neuen Untersuchungsmethode im Rahmen des Mikrobiom-Projekts (um 2007) 128 Arten von Bakterien entdeckt [4]. Bis dahin waren Mikrobiologen nie in der Lage gewesen, im Labor Bakterien aus der Lunge zu vermehren, daher dachte man, die Lunge sei steril.
Die FĂ€higkeit einer groĂen Anzahl von Bakterien, fĂŒr den Menschen wichtige Stoffe wie Antibiotika und Enzyme zu produzieren, wird in der Biotechnik vielfĂ€ltig genutzt. Neben klassischen Verfahren in der Nahrungsmittel- und Chemikalienproduktion (WeiĂe Biotechnologie; vor allem Bioethanol, EssigsĂ€ure, MilchsĂ€ure, Aceton) gehört auch die Nutzung ihrer FĂ€higkeiten zur Beseitigung problematischer AbfĂ€lle sowie zur Produktion von Medikamenten (vor allem Antibiotika, Insulin) hierher. Dabei spielen vor allem Escherichia coli sowie diverse Arten von Clostridien, Corynebacterium, Lactobacillus, Acetobacter und eine Vielzahl weiterer Bakterien eine Rolle, in dem man sich ihren Stoffwechsel gezielt nutzbar macht.
HĂ€ufig werden zu diesem Zweck nĂŒtzliche Teile des Genoms bestimmter Bakterien in das Genom einfach zu haltender, einfach zu kultivierender und weitgehend ungefĂ€hrlicher Bakterien wie Escherichia coli eingepflanzt (Genmanipulation).
Hauptartikel: Systematik der Bakterien
Eine phylogenetische Klassifikation anhand morphologischer und stoffwechselphysiologischer Merkmale ist bei den Bakterien in der Regel nicht möglich, sie muss auf der Basis der molekularen Struktur dieser Organismen aufgebaut werden. Die Klassifizierung erfolgt hauptsĂ€chlich mit Hilfe phylogenetischer Marker. Solche Marker sind zellulĂ€re MakromolekĂŒle, deren Zusammensetzung sich mit abnehmendem Verwandtschaftsgrad verschiedener Organismen immer mehr unterscheidet. Zu den wichtigsten MolekĂŒlen dieser Art zĂ€hlt derzeit die 16S-Untereinheit der ribosomalen RNA. Die Basensequenz dieser RNA soll die tatsĂ€chlichen evolutionĂ€ren Beziehungen unter den Organismen widerspiegeln.
Das derzeit von den meisten Bakteriologen akzeptierte phylogenetische System der Bakterien ist beschrieben in Taxonomic Outline of the Bacteria and Archaea[5][6], das gleichzeitig eine Klassifikation der Archaeen vornimmt. Nachstehend wird dieses System, beschrĂ€nkt auf die Bakterien im eigentlichen Sinne (DomĂ€ne Bacteria) bis auf Ordnungsebene wiedergegeben. Die Vielfalt bakterieller Lebensformen ist aber deutlich gröĂer als dieses System reprĂ€sentiert. Basierend auf den bis heute bekannten 16S-rRNA-Sequenzen vermutet man mehr als 50 verschiedene Bakterien-Phyla. Die Existenz dieser Phyla wird anhand groĂer, in Umweltproben immer wieder auftauchender Gruppen bestimmter rRNA-Sequenzen vorhergesagt, jedoch konnte bisher kein Bakterium aus diesen Phyla kultiviert werden.
Bevor man phylogenetisch begrĂŒndete Systeme aufstellen konnte, war man auf Merkmale angewiesen, die kaum die Feststellung von natĂŒrlichen, phylogenetischen Verwandtschaften ermöglichten. Heute gebrĂ€uchliche molekularbiologische Merkmale, die zur Ermittlung phylogenetischer Verwandtschaften erforderlich sind, konnten mit den damals zur VerfĂŒgung stehenden Methoden nicht ermittelt werden. Das folgende System ist ein Beispiel fĂŒr veraltete (âklassischeâ) Systeme [7] . Die Prokaryoten (âSchizophytaâ) bildeten darin eine Abteilung der Pflanzen.
Abteilung Schizophyta (âSpaltpflanzenâ, umfasste alle Prokaryoten = âAnucleobiontaâ)
Aus praktischen GrĂŒnden werden Bakterien bisweilen in Anlehnung an die frĂŒheren âklassischenâ Systeme nach ihrer Form und ihrer Organisation unterteilt. Dabei werden kugelige Bakterien als Kokken, lĂ€ngliche, zylindrische Bakterien als Bazillen und spiralige, wendelförmige Bakterien als Spirillen oder SpirochĂ€ten bezeichnet. Diese Grundformen können einzeln auftreten oder sich zu typischen Formen zusammenfinden (Haufenkokken = Staphylokokken, Kettenkokken = Streptokokken, Doppelkokken = Diplokokken). Des Weiteren bilden vor allem StĂ€bchenbakterien hĂ€ufig, Spirillen immer eine oder mehrere GeiĂeln, so genannte Flagellen, aus, mit deren Hilfe sie sich fortbewegen können. Anzahl und Anordnung der GeiĂeln sind Unterscheidungsmerkmale. Einige Bakterien bilden SchleimhĂŒllen, âKapselnâ, aus, einige verschiedenartige Sporen. Weiterhin wichtig fĂŒr die Unterteilung ist die Lebensweise, besonders der Stoffwechseltyp, sowie die Möglichkeit, die Bakterien auf bestimmte Weise zu fĂ€rben. Die so genannte GramfĂ€rbung (eingefĂŒhrt vom dĂ€nischen Bakteriologen Gram) lĂ€sst RĂŒckschlĂŒsse auf die Zusammensetzung und Struktur der Zellwand zu; die so genannten grampositiven Bakterien bilden wahrscheinlich sogar eine natĂŒrliche Verwandtschaftsgruppe, ein monophyletisches Taxon.
Serologisch unterscheidbare Variationen von Bakterien nennt man Serotypen.
Seit dem Jahr 2000 gilt ein geschĂ€tzt 250 Millionen Jahre altes Bakterium als Ă€ltestes Lebewesen auf der Erde. Der Mikroorganismus mit dem heutigen Namen âBacillus permiansâ wurde in einem Labor der West Chester University in Pennsylvania von den Forschern um Russell H. Vreeland entdeckt. In einer NĂ€hrlösung entwickelte das Bakterium AktivitĂ€ten. Geborgen wurde es bei Bohrungen in einer Höhle bei Carlsbad (New Mexico), die der Erkundung einer möglichen EndlagerstĂ€tte fĂŒr AtommĂŒll dienten. Es ĂŒberlebte die Zeiten in einem gröĂeren Salzkristall, worin sich etwas Salzlake befand, in 2.000 FuĂ (609 Meter) Tiefe.[8][9]
Das Forscherteam berichtete ĂŒber seinen Fund im britischen Wissenschaftsjournal Nature am 19. Oktober 2000.[10] Die Entdeckung entzĂŒndete neue Ăberlegungen ĂŒber das Entstehen von Leben im Universum. Eine so lange Lebensdauer dieses Organismus lieĂe ihn riesige Entfernungen im Weltall zurĂŒcklegen. Es hat den Anschein, als ob Sporen ein SchlĂŒssel hierfĂŒr sein könnten. Bakterien und Hefen können ihre Funktionen in schlechten Zeiten so reduzieren, dass sie zu einer stabilen elastischen Struktur werden. Wiederbelebungen solcher Sporen sind bereits aus 118 Jahre alten Fleischdosen und 166 Jahre alten Bierflaschen geglĂŒckt.[11]
AufwĂ€ndiger war der Reanimationsweg beim zuvor ab 1995 bekannten Ă€ltesten Lebewesen. Hier wurden etwa 25 bis 40 Millionen Jahre alte Bakteriensporen zum Leben erweckt. Sie stammten aus dem Hinterleib einer Biene, die in Bernstein eingeschlossen war und in einem Fund in der Dominikanischen Republik aufgespĂŒrt wurden.[12]
Andere Forscher nahmen zur Entdeckung ihrer Kollegen eine distanzierte Haltung ein und verwiesen darauf, dass Berichte ĂŒber alte Bakterienfunde in Felsgestein, Kohle oder altĂ€gyptischen Tempeln einer wissenschaftlichen NachprĂŒfung bislang nicht Stand hielten.[13] Den geĂ€uĂerten Verdacht einer Verunreinigung mit anderen Bakterien hĂ€lt Russell H. Vreeland fĂŒr quasi ausgeschlossen.[14]