BalkanhalbinselDie Balkanhalbinsel (oft synonym mit Südosteuropa verwendet, auch kurz Balkan) ist eine geografisch unterschiedlich definierte Region im Südosten Europas. Die Balkanhalbinsel ist die östlichste der drei ins Mittelmeer ragenden südeuropäischen Halbinseln. Das Wort Balkan stammt aus dem Türkischen und bedeutet so viel wie Gebirge oder Bergwald.
Geschichte des Begriffes „Balkan“Die Bezeichnung „Balkanhalbinsel“ wurde 1808 von dem Berliner Geographen Johann August Zeune geprägt. Zeune übernahm die Vorstellung antiker Geographen, dass sich das Balkangebirge über den gesamten südosteuropäischen Raum von den slowenischen Alpen bis zum Schwarzen Meer erstrecke und eine ähnlich prägende Bedeutung für den Gesamtraum habe wie der Apennin für die italienische Halbinsel. Dies stellte sich jedoch als falsch heraus. Nachdem die Unhaltbarkeit dieser Annahme erkannt worden war, stießen die Begriffe „Balkanhalbinsel“ oder „Hämus-Halbinsel“ auf zunehmende Kritik. 1893 regte der Geograph Theobald Fischer an, den Begriff „Balkanhalbinsel“ durch „Südosteuropäische Halbinsel“ zu ersetzen. Sein Vorschlag hat sich jedoch nur teilweise durchsetzen können. Der Balkan-BegriffUnter dem Begriff Balkanländer werden unterschiedliche Länder zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre heutigen Territorien jahrhundertelang im österreichisch-russisch-türkischen Spannungsfeld lagen. Die dadurch bedingten ständigen Gebietsveränderungen und Umsiedlungen bzw. Vertreibungen ließen den Staat als Repräsentanten wechselnder Fremdherrscher erscheinen, der keine Loyalität erwarten durfte. Der Begriff Balkan wird in Westeuropa oft im Hinblick auf Konnotationen wie „Konfliktträchtigkeit“, Korruption, „Zersplitterung“ („Kleinstaaterei“), „Emotionalität“ und „Rückständigkeit“ abwertend gebraucht („Pulverfass Europas“). Metternich meinte, der Balkan beginne schon am Rennweg in Wien-Landstraße. Bismarck wird der Spruch nachgesagt, der Balkan sei „nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert“. Winston Churchill bezeichnete den Balkan, als dieser Teil Europas sich in der Hand des Dritten Reiches befand, als „Europas weichen Unterleib“.[1] Ethnische Karte der Balkanhalbinsel vor dem Ausbruch des Ersten Balkankriegens, erstellt von Paul Vidal de la Blache. Als wertneutraler Begriff bürgert sich nicht zuletzt deshalb immer mehr der (geographisch nicht ganz deckungsgleiche) Terminus Südosteuropa ein. In einigen der sogenannten Balkanländer ist die Bezeichnung Balkan aber bisweilen ein durchaus positiv benutzer Begriff: In Bulgarien etwa ist Balkan Namensbestandteil vieler Unternehmen und touristischer Einrichtungen (wobei sich Balkan hier auf das Balkangebirge bezieht), und Bulgaren pflegen ein recht positives Verhältnis zu ihrer „Balkan-Identität“. Ein Grund hierfür dürfte die Tatsache sein, dass dieses Gebirge über Jahrhunderte als Zufluchtsort verschiedener bulgarischen Freiheitskämpfer diente, wie z.B. der Heiducken im Kampf gegen die osmanische Herrschaft. Die neuere, überwiegend im EU-Kontext verwendete Begriff „Westbalkan“ umfasst die Nachfolgestaaten Jugoslawiens ohne Slowenien, jedoch um Albanien ergänzt. Anders ist die Situation dagegen in Kroatien, Ungarn oder Slowenien: Als ehemalige Bestandteile Österreich-Ungarns fühlen sich viele Bürger dieser Staaten mit traditionell katholischer Bevölkerungsmehrheit einem so genannten mitteleuropäischen Kulturkreis verbunden und distanzieren sich vom Balkanbegriff. Meistens distanziert sich auch Rumänien, dessen Fläche ungefähr zur Hälfte Österreich-Ungarn gehört hat und rein geographisch nur durch die nördliche Dobrudscha in der Balkanregion vertreten ist, von diesem Begriff. Auch Griechenland wird fast ausschließlich zu Südeuropa gezählt. Siehe auch: Balkanisierung Begrenzung
Die Halbinsel mit etwa 500.000 km² Fläche (inklusive vorgelagerter Inseln) wird an drei Seiten durch Meere (Schwarzes Meer, Marmarameer, Ägäisches Meer, Ionisches Meer und Adriatisches Meer) begrenzt. Nach Norden, zum Inneren des europäischen Kontinents hin, existiert jedoch keine geographisch ausgeprägte Grenzlinie. Meist wird dafür die Save-Donau-Linie genannt. Unterschiedliche Auffassungen gibt es hinsichtlich der Abgrenzung im äußersten Nordwesten und am Unterlauf der Donau. So wird gelegentlich die Kupa (deutsch: Kulpa), zumeist aber die Una (beides Nebenflüsse der Save) als Nordwestgrenze betrachtet. Im ersten Fall wird Zentralkroatien bzw. das Gebiet der ehemaligen kroatischen Militärgrenze zum Balkan gerechnet, im zweiten Fall nicht. Eine andere gängige Definition sieht die Bucht von Triest und das Ljubljana-Tal als Nordwestbegrenzung der Balkanhalbinsel, welche über die Save und Donau dann auch bis ans Schwarze Meer verläuft [2]. Zum Balkan-Begriff zählt man manchmal auch die Walachei und Moldawien hinzu (wobei es zu Überlappungen zwischen dem geographischen und dem historisch-politischen Balkan-Begriff kommt). Selten wird auch die direkte Luftlinie zwischen Triest und Odessa als Abgrenzung verwendet[3]. Geographie und ReliefDie Balkanhalbinsel ist eine ausgesprochene Gebirgsregion. Jungalpidische Gebirge streichen von Nordwesten nach Südosten (Dinarisch-Hellenidischer Gebirgsbogen) und gehören zum das Mittelmeer umgebenden Faltengebirgsgürtel. Ältere kristalline Massen werden von den Rhodopen, sowie Pirin und Rila gebildet. Höchste Gebirge sind Rila (Musala 2925 m), Olymp (Mytikas) 2917 m und Pirin (Vihren 2911 m). Die stark verkarsteten Dinariden und Helleniden liegen den Küsten am Mittelmeer vor und bilden damit ausgesprochene Klima- und Kulturscheiden. Die reich gegliederte Küstenregion Dalmatiens gehört zur sogenannten Canaleküste die Griechische Ägäisküste zur Riasküste. Die Küste zum Schwarzen Meer sowie die in Albanien gehören zu den Niederungsküsten. Während der Eiszeiten im Pleistozän blieb die Balkanhalbinsel außerhalb der Hochgebirgssysteme unvergletschert. Glazialspuren finden sich insbesondere in den Dinariden (Orjen, Durmitor, Prokletije) sowie abgeschwächter im Pindus, Rila und Pirin. Kleinere Firnfelder gab es aber auch auf dem Taygetos im Peloponnes und den Lefka Ori auf Kreta. Die hydrologischen Systeme entwässern zu vier Meeren: Adriatisches Meer, Ionisches Meer, Ägäisches Meer und Schwarzes Meer, wobei über die Donau ein Großteil der Fließgewässer zum Einzugsbereich des Schwarzen Meeres gehört. Das adriatische Einzugsgebiet ist arm an oberflächlichen Fließgewässern (in den Dinariden nur Cetina, Neretva und Moraca) zur Ägäis und ins Thyrenische Meer entwässern dagegen noch Drin, Nestos, Struma, Vardar und Maritza. Die Wichtigsten der zahlreichen Nebenflüsse der Donau und Save sind: Kupa, Bosna, Drina, Morava und Isker. Ein Nebeneinander von Hochgebirgen und Beckenlandschaften kennzeichnet das Innere der Balkanhalbinsel. Dabei sind die Becken entweder durch Kontakt Korrosion als Poljen im Karst angelegt (z.B. Mitteldalmatinisch-Herzegowinische Poljenstufe) oder tektonische Einsenkungen wie im Kosovo (Dukagjin/Metohija, Amselfeld), Mazedonien (Becken von Kumanovo, Bitola, Tetovo) sowie den seenreichen, pelargonischen Becken (Ohrid, Prespa, Dojran und Iononina). Ebenen sind in der Albanischen Niederung, der Slawonischen (Save-) Niederung, sowie den weiten Alluvialflächen der Donau ausgebildet. Als alte Kulturregion sind die Städte zumeist an geographisch begünstigten Orten der Küsten und Flüsse gegründet. Die antike Stadtkultur entstammt den politisch-geographischen und kulturellen Gegebenheiten Griechenlands und wurde von den Römern systematisch auf die weiteren Bereiche der Balkanhalbinsel verbreitet. Eine urbane Erneuerung außerhalb der Kontinuität der merkantilen Seestädte erfolgt nach der Völkerwanderung aber erst durch das Auftauchen der Osmanen, die insbesondere die zentralen Bereiche der Balkanhalbinsel systematisch in Ihr Wirtschaftssystem einbinden konnten. Die Balkanhalbinsel besitzt ein ausgeprägtes Relief und verfügt aufgrund der vorhandenen Gebirgshindernisse über nur wenige natürliche Verkehrswege. Einzig die strategisch herausragende Morava-Vardar-Furche durchzieht die zentrale Balkanhalbinsel zwischen der Ägäis und der Donau in ihrer Gänze. Parallel zur Südwestküste der gebirgigen Halbinsel bilden die Dinarischen Alpen einen großteils verkarsteten, schwer zugänglichen Gebirgswall, der sowohl eine markante Klima- als auch Kulturscheide zur mediterranen Region darstellt. Den Südosten und Osten durchziehen das Rhodopen- und das Balkangebirge, die geologisch älter und aus wasserundurchlässigen Graniten sowie Schiefern nebst Kalken aufgebaut sind. Sowohl die Westküste (Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien) wie auch die Ostküste der Balkanhalbinsel sind stark zerklüftet und in zahlreiche Inseln und Halbinseln aufgelöst. Zwischen den im Dinarischen Karst überwiegend kahlen, nur dünn besiedelten Gebirgen liegen zahlreiche mehr oder weniger fruchtbare Becken in Form von Karst bzw. Poljen (Grahovo, Nikšić). Erst die auffälligen großen tektonisch angelegten Becken des Kosovo sowie die Becken in Mazedonien (Pelargonisches Becken) mit ihren großen Seen tertiären Ursprungs (Ohridsee, Prespasee) bilden wirtschaftlich und geografisch bedeutsame Lebensräume, die dicht besiedelt sind. Drei Einzugsgebieten, dem adriatischen, ägäischen und schwarzmeerischen hydrologisch zugehörend, sind insbesondere die wasserreichen Donauzuflüsse, die – mit Ausnahme des Tieflandstromes der Save – durch Schluchten und Canyons (Drina, Tara, Isker) führen, von Bedeutung. Der Karpatendurchbruch der Donau im Eisernen Tor war bis ins 20. Jahrhundert ein bedeutendes Schifffahrtshindernis. Die zur Adria entwässernden Flüsse sind mit Ausnahme von Neretva und Morača, die in tiefen Canyons die Schwelle der Hochdinariden durchbrechen, von untergeordneter Bedeutung. Die größeren Gebirgsflusssysteme in Albanien und Griechenland (Drim, Vardar und Nestos) fließen in den Unterläufen durch weite alluviale Niederungen. Flora und VegetationDie Balkanhalbinsel ist Teil des holarktischen Florenreiches. Sie ist weiter in eine mediterrane sowie zirkumboreale Region zu ordnen. Die westliche und östliche zentrale Balkanhalbinsel teilt sich in zwei Florenprovinzen der Mitteleuropäischen Florenregion, die Illyrische im Westen und die Mösische im Osten. Ein Teil Thrakiens gehört dabei schon zur Pontischen Florenregion. Die reich gegliederte, dalmatinische Küste sowie Teile Südalbaniens und die Küsten Griechenlands und des Peloponnes gehören zur mediterranen Florenregion. Mit über 6500 Arten höherer Pflanzenarten kommt der Balkanhalbinsel die Schlüsselrolle in der europäischen Vegetationsgeschichte sowie als Endemitenzentrum auch der Rang eines Hotspots der Biodiversität zu. Besonders artenreich sind insbesondere Hochgebirge sowie Südgriechenland. Metropolen
PolitikFolgende Staaten liegen größtenteils oder komplett auf der Balkanhalbinsel: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Griechenland. Auch der europäische Teil der Türkei, ein kleiner Teil Rumäniens (Nord-Dobrudscha), sowie – wenn man den Karst als Nordwestgrenze ansieht – auch Teile Sloweniens und Italiens (Provinz Triest) gehören zur Balkanhalbinsel. BevölkerungDie Balkanhalbinsel ist insbesondere bevölkert von Albanern, Bosniaken, Bulgaren, Griechen, Kroaten, Mazedoniern, Rumänen (Wlachen), Serben, Türken und je nach der genauen geographischen Definition auch von Slowenen. Außerdem bilden die Roma in mehreren Balkanländern eine große ethnische Minderheit, früher auch die sephardischen Juden und in Rumänien und Kroatien vorwiegend aschkenasischen Juden. In den südosteuropäischen Staaten Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Albanien, Mazedonien, Serbien, Kosovo, Montenegro, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Slowenien wohnen zusammen fast 66 Mio. Menschen (Fischer Weltalmanach 2010). Hinzu kommen 8-10 Millionen Einwohner des europäischen Teils der Türkei, insgesamt leben etwa 75 Millionen Menschen auf der Balkanhalbinsel. Kulturelle EinflüsseDie nach Osten hin offenen Küsten und die Durchgängigkeit des Nordens machen den Balkan von jeher zu einer wichtigen Brücke zwischen Asien und Europa, aber auch immer wieder zum Schauplatz von Konflikten, Kriegen und ethnischen Unruhen. Zahlreiche historische Staaten spielten in der Kultur und Geschichte dieser Region eine bedeutende Rolle. Dazu gehörten das Römische und das Byzantinische Reich sowie später das Osmanische Reich, die Republik Venedig und Österreich-Ungarn. Auch Russland betrachtete auf Grund des dort verbreiteten orthodoxen Glaubens den Balkan häufig als sein Einflussgebiet, wobei es dabei ebenso wie andere genannte Länder auch territoriale Interessen verfolgte.[4] Mehr als die Hälfte der Einwohner aller Balkanstaaten hängt einer der orthodoxen Kirchen an. Im Westen der Balkanhalbinsel dominiert jedoch das römisch-katholische Christentum. Zwischen Katholiken und Orthodoxen leben zudem zahlreiche vor allem slawische, albanische und türkische Muslime - insgesamt etwa ein Viertel aller Einwohner der Halbinsel. Während des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts wurden die Juden verfolgt und ermordet. Die wenigen Überlebenden sind in den (damals) neugegründeten Staat Israel ausgewandert. Kein Balkanland hat heute eine nennenswerte jüdisch-sephardische oder jüdisch-aschkenasische Minderheit mehr. Klima und Vegetation der BalkanhalbinselDie Balkanhalbinsel liegt am Übergang der mediterranen- und kontinentalen Klimazone. Auf zwei Seiten vom Meer umgeben nimmt die Ozeanität durch die im Westen der Halbinsel an der Küste exponiert der Westwindzone ausgesetzten Gebirge vom Küstensaum zum Landesinneren rapide ab. Damit ist das Klima schon in kürzerer Entfernung von der Meeresküste durch stärkere Kontinentalität und schneereiche Winter geprägt.Die durch die Gebirgssysteme vor allem hygrisch und ventilatorisch stärker veränderten solaren Klimate der Balkanhalbinsel werden durch lokale, mesoskalige und makroskalig wirksame, das Klima stark modifizierende, Windesysteme geprägt. Darunter fallen die durch die Topographie bedingten Mountain waves wie die kalte Bora und der warme Föhn, die vor allem im Gebirge wirksam sind, sowie die durch Unterschiede der Luftdruckgradienten bewirkten saisonalen makroskaligen Windsysteme der Kosava, Etesien und des Scirocco. Das durch die klimatische Vielfalt, das ausgeprägte Relief, die vielfältige Topographie und der subtropischen Lage und auch besonders der zum übrigen Europa höheren Klimagunst der Erdvergangenheit, ist in diesem Teil des Europäischen Kontinentes auch eine reichhaltige Vegetation entwickelt, die die mit Abstand vielfältigsten Formationen sowie den größten Artenreichtum des Kontinentes aufweist. Daher beherbergt die Balkanhalbinsel allein über 160 Gehölzarten und mehr als 7000 Kormophyten, von denen alleine 3000 endemische Arten sind. KlimaAn den von orkanartiger Bora geprägten Gestaden an der Küste Kroatiens fehlt die Vegetation fast völlig Die Gebirge des Balkans gliedern sich klimatisch in humid-temperate, submediterrane und mediterrane sowie subhumid-kontinentale Typen, was den Gebirgsklimatypen X1, X2 und X3 entspricht. Edaphische Abweichung der generellen Typen ergeben sich in Karstgebieten in ansonsten humiden Klimaten. Zudem reihen sich Karstgebirge von den Julischen Alpen zum Peloponnes. Somit sind klimatische und edaphische Faktoren stärker kombiniert in Alpen, Pyrenäen oder Karpaten. Ein klimatischer Makrogradient ist primär für zönotische Unterschiede verantwortlich. Karstgebirge des Nordwestens sind generell humid, im Südosten semihumid bis semiarid. VegetationPhytogeographisch lässt sich der Balkan in den basophilen ozeanischen Westen (Illyrien) und kontinentalen azidophilen Osten (Moesien) gliedern. Illyrien ist Zentrum mesophiler Buchenwälder, die submontan bis subalpin dominieren, während in Moesien subalpin Fichte boreale Wälder bildet. Stärker unterschieden sind kolline Stufen; die Eichen im Osten (Quercus frainetto, Zerreiche (Q. cerris)) werden im Westen durch humide Eichen-Hainbuchenwälder (Quercus petrea, Carpinus betulus) ersetzt. Die balkanische Region ist durch viele nur für seine Umgebung typische (tertiäre) Arten bereichert: zum Beispiel Griechischer Ahorn (Acer heldreichii), Serbische Fichte (Picea omorika), Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), Corylus colurna, Pinus peuce P. heldreichii, Ramonda serbica oder Amphoricarpos neumayeri. Die Vegetation großer Ökosysteme (phytogeographische Territorien oder Vegetationsgürtel) ist ökologisch, chorologisch und floristisch-entwicklungsgeschichtlich sehr einheitlich. Durch Relief und den Beziehungen, die sich aus der Lage, insbesondere zu den Meeren, ergeben, erfolgt innerhalb dieser Horione eine aus den klimatischen Faktoren und den Aspekten des Naturraumes differenzierte Teilung. Die Balkanhalbinsel ist Teil des holarktischen Florenreiches. Sie ist weiter in eine mediterrane sowie zirkumboreale Region zu ordnen. Die westliche sowie östliche zentrale Balkanhalbinsel ist in zwei Phytohorione, illyrisch und moesisch (nach den röm. Provinzen Illyria und Moesia), zu teilen. Thrakien ist pontische Unterregion. Als Subhorione der mitteleuropäischen Florenregion, ist Illyrien mit basophilen, Moesien mit azidophilen Typen verbunden. Die reich gegliederte Küste Dalmatiens gehört zur adriatischen Provinz der mediterranen Florenregion. Die epirische und ägäische Küste mit den griechischen Inselgruppen sind Teil der ostmediterranen Provinz. Damit sind floristische Prinzipien vorgegeben. Unterschiede resultieren aus der Mischung der Horoelemente einzelner Gebiete, die wiederum von naturräumlichen Gegebenheiten und der Vegetationsgeschichte abhängen. FloraDatei:Floristic regions in Europe (english).png Florenregionen in Europa laut W. Frey und R. Lösch. Die Balkanhalbinsel ist hauptsächlich von mediterranen und submediterranen Arten geprägt Zonierung der Vegetation der Balkanhalbinsel am Beispiel des Orjen Datei:Wulfenia baldaccii.jpg Wulfenia baldaccii, eine im Prokletije endemische Pflanze Die Genese der balkanischen Flora vollzog sich während tertiärer, glazialer und postglazialer Phasen. Heute treten keine alten mesozoischen Vertreter (wie zum Beispiel in den Floren Ostasiens oder Argentiniens) mehr auf. Der Basisbestand insbesondere der Waldflora ist dennoch seit der Kreide bekannt (zum Beispiel Eichen (Quercus), Buchen (Fagus), Kastanien (Castanea), Erlen (Alnus), Weiden (Salix)). Die thermophilere tertiäre Flora war an tropischen Elementen reicher als heute, wo nur eine kleine Zahl reliktischer Arten (Frauenhaarfarn (Adiantum capillus-veneris)), Gattungen (Yams (Dioscorea)) und Familien (Gesneraceae) überlebt hat. Außertropische tertiäre Formen sind dagegen reichlich vertreten (zum Beispiel Platanengewächse (Platanus), Rosskastanien (Aesculus hippocastanum), Tollkraut (Scopolia), Sibiraea, Thelygonum, Serbische Fichte (Picea omorika), Pinus peuce, Forsythia europaea, Gemeiner Flieder (Syringa vulgaris)). Durch die isolierte Stellung, die nächsten Verwandten sind zumeist in Ostasien oder dem vorderen Orient zu finden und die heterogene phytogeographische Genese, sind alle paläoendemischen Tertiärrelikte ökologisch und horologisch sehr differenzierte Vertreter unterschiedlicher vegetationsgeographischer Einheiten. Seit dem Tertiär erfolgte die Evolution der mediterranen Gebirgsflora, dies unabhängig arktoalpiner Einflüsse. Die Grenze zwischen den florenhistorisch determinierten alpinen und oromediterranen Systemen fand man anhand 1350 Gefäßpflanzen balkanischer Gebirge nördlich des Parnass. Die südliche Grenze der arktoalpinen Gemeinschaften ist zugleich auch die nördliche Grenze der Hochgebirgspflanzen südlicher Herkunft. Diese Grenze stimmt außerdem mit den Gebieten der stärksten pleistozänen Vereisung der Gebirge überein, deren signifikanteste Ausnahme sind der Orjen, der stark vereist war, aber wenig Alpenarten aufweist, wie auch der entfernt gelegene Olymp. Im Velebit (Nordwest-Kroatien), der, obwohl fast unvereist, ganz arktoalpin geprägt ist, spielt die abkühlende Wirkung der Bora eine zentrale Rolle. Die höchsten Horione sind folgenden Zono- und Orobiomen zuzurechnen:
Geoelemente anderer Regionen wie der irano-turanischen, arktischen, atlantischen, orientalischen sind vereinzelt vorhanden, bilden aber nur kleine disjunkte und sporadische Populationen auf entsprechenden Standorten. Der geringen Durchschnittshöhe wegen sind die mittelhohen dinarisch-hellenidischen sowie bulgarischen Hochgebirge heute unvergletschert. Damit fehlen großteils arktische Horoelemente. Nur wenige Firnfelder sind ganzjährig im Durmitor, insbesondere aber in den Prokletije vorhanden. Hier finden sich damit auch subnivale Zonen. Orobiome der Gebirge lassen eine Anordnung der Horione als Stufen erkennen. Als Beispiel sei hier die Höhenzonierung im Orjen erwähnt. Hier sind 4 Horione ausgebildet, wobei die nur zirkumboreale rudimentär vorkommt (die mitteleuropäische reicht hier max. 1.700 m hoch). Die Vegetation im Orjen gehört zum südostdinarischen Typ und ist durch ausgeprägte mediterrane Prägung herausstechend. Nach Turrill (1929) finden sich auf der Balkanhalbinsel 6.340 Arten. Mit den in der Flora Europaea aufgeführten 10.500 Arten verglichen, kommt der Balkanhalbinsel auch die Schlüsselrolle der europäischen Vegetationsgeschichte zu. Folgende Konditionen sind dafür anzuführen:
Griechenland als endemitenreichster Teilraum besitzt 1.100 endemische Arten. Der Endemismus beruht vor allem auf der hohen Spezifikation der illyrisch-balkanischen Florenprovinz. Die vergleichsweise höhere Artenvielfalt zu Alpen und Pyrenäen, durch größere petrographische Heterogenität als Pyrenäen und gegen die Alpen die Einbettung zwischen Florenprovinzen, macht die komplexen Dinariden zu dem auffälligen Endemitenzentrum mit hohem Artenpotential. Die illyrische Provinz besitzt vier endemische Gattungen: Petteria, Halacsya, Haberlea, Jankaea. Endemiten sind: Picea omorika (Serbien, Bosnien), Pinus peuce (Gebirge zwischen 41°-43° N), Primula deorum (Bulgarien), Saxifraga ferdinandi-coburgii, Petteria ramentacea (Dalmatien, Herzegowina, Montenegro, Nord-Albanien), Oxytropis prenja, Griechischer Ahorn (Acer heldreichii), Forsythia europaea (Nord-Albanien, Kosovo), Moltkia petraea, Wulfenia baldaccii (Montenegro, Nord-Albanien), Haberlea rhodopensis (Bulgarien, Nordost-Griechenland), Ramonda serbica, Jankaea heldreichii (Olymp), Amphoricarpos neumayeri (Orjen), Cicerbita pancicii, Lilium jankae, Dioscorea balcanica (Montenegro, Nord-Albanien). Reliktarten der illyrisch-balkanischen Provinz sind: Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia), (Juglans regia), Syringa vulgaris, Baum-Hasel (Corylus colurna), Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) etc. Reliktische Pflanzengesellschaften finden sich zumeist in Schluchten, die der Flora als Refugium dienten. Eisernes Tor (Donau), Neretva, Drina, Tara, Cijevna, Morača, Vikos Aoos, Radika etc. sind die bekanntesten. LiteraturBücher
Quellen
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