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„Barbershop-Gesang ist überwiegend homophone A-Cappella-Musik mit einem vierstimmigen Akkord auf jeder Melodienote. Die Melodie wird von der Führungsstimme („lead“) gesungen; diese liegt unter dem Tenor. Der Baß singt die tiefsten Begleittöne, während der Bariton die Akkorde vervollständigt. Zugunsten der Stimmführung, in harmonischen Ausschmückungen und in der Coda („tag“) kann die Melodie gelegentlich für wenige Noten vom Tenor übernommen werden. Kurze Passagen dürfen mit weniger als vier Stimmen gesungen werden.“
– Definition der Barbershop-Musik nach SPEBSQSA, Society for the Preservation and Encouragement of Barber Shop Quartet Singing in America: Übersetzt bei BinG! – Barbershop in Germany[1]
Inhaltsverzeichnis |
Barbershop wird traditionell in Quartetten und Chören gesungen, aus musikalischen Gründen (close harmony) meist nach Geschlechtern getrennt.
Typisch für die Barbershop-Musik sind Melodien, deren zugrundeliegende Harmonien sich gemäß dem Quintenzirkel auflösen. Daher ist der Dominantseptakkord der Klang, der den Barbershop-Gesang am meisten prägt. Bevorzugt werden dabei die stabil klingenden Voicings mit Quinte oder Grundton im Bass sowie Terz und Septime in Bariton und Tenor. Durch Tritonussubstitution einzelner Akkorde können Passagen absteigend chromatisch verschobener Dominantseptakkorde entstehen, die an das chromatische Verschieben von Gitarrengriffen erinnern.
Kennzeichnend für Barbershop-Sätze ist außerdem das Stilmittel der Ausschmückungen („embellishments“) durch die drei Begleitstimmen, wenn Melodietöne gehalten werden. Die zum Teil ausschweifende und harmonisch anspruchsvolle Ausschmückung eines gehaltenen Schlusstones eines Satzes nennt sich „Tag“ (englisch für ‚Anhängsel‘). Die Tags sind manchmal so stark ausgearbeitet, dass sie als eigenständige, kurze „Stücke“ in der Barbershop-Szene mündlich tradiert kursieren und auch als eigenständige Noten vorliegen. Bei manchen Tags ist sogar nicht mehr zuzuordnen, zu welchem Stück sie einmal gehört haben; viele sind Eigenkompositionen.
Die erstrebte obertonreiche Klangfülle („expanded sound“) wird durch dreierlei erreicht:
Neben einer Obertonverstärkung entstehen dabei zu den Akkorden passende Kombinationstöne, die das Klangerlebnis verstärken und erweitern.
Da die relativ rigiden Regeln des Barbershop-Satzes ein bestimmtes Klangergebnis erzeugen, sind gut aufeinander abgestimmte Quartette in der Lage, Barbershop-Sätze nach und nach improvisierend zu erstellen (sog. „Woodshedden“, benannt nach der Vorstellung, dass sich früher Quartette in den Holzschuppen hinterm Haus zurückzogen, um zu improvisieren).
Im Barbershop wird stets vierstimmig gesungen:
Diese Stimmbezeichnung gilt auch bei Frauenensembles. Frauen nutzen auch zumeist die gleichen Arrangements wie Männerensembles, singen sie lediglich in jeder Stimme ungefähr um eine Quinte höher.
In der Barbershop-Gemeinschaft ist ein bestimmtes Repertoire an Songs als Standard festgelegt („Polecats“ oder „Polecat Songs“, die Polecats sind eigentlich die auf Barbershop versessenen, notorischen Sänger), ein Repertoire, das es ermöglicht, dass so genannte Barbershopper sich frei zusammenfinden und ohne weiteres Kennenlernen gemeinsam singen können. Eine besondere Rolle spielen dabei auch die Tags (s.o.), die es spontan zusammengesetzten Quartetten ohne aufwändiges Töne-Lernen ermöglichen, den gemeinsamen Klang auszuprobieren.
Der Barbershop ist einer der wenigen originär amerikanischen Musikstile. Schon vor der Zeit des Radios gab es Schlager, populäre Musik, die im Süden der USA ersonnen und verbreitet wurde, zumeist von reisenden Vaudeville-Ensembles. Die Zuschauer einer solchen Aufführung griffen die gehörten Songs oft am nächsten Tag auf, um sich die Wartezeit beim Barbier (Englisch Barber) zu verkürzen: einer summte die Melodie, einer ersann eine Bass-Linie darunter, eine hohe Stimme sang Terzen über der Melodie, und schließlich füllte ein harmonisches Genie den Sound mit Quintakkordierung, der Baritone. Auch diejenigen Ortsbewohner, die nicht im Vaudeville-Theater gewesen waren, hörten die neuen Songs und machten mit. So entstand die Barbershop-Musik.
Ramon Schalleck schreibt in seiner Magisterarbeit „Testkorpus für automatische Transkriptionssyteme“, 18. März 2005, Ludwig-Maximilians-Universität München zur Entstehung des Barbershop:
In den Haushalten der weißen Oberschicht gab es oft ein Reproduktionsklavier. Die armen Leute hatten hingegen meist nur ihre Stimme zum Musizieren. Insofern entstand die Barbershop-Musik aus den weißen Unterschichten der Südstaaten. Das spiegeln auch die Themen des Barbershop wider: es geht fast immer um zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe, Leid und Herzensschmerz, gelegentlich ergänzt um patriotische Aussagen.
Als das Radio sich verbreitete, drohte die Barbershop-Musik in Vergessenheit zu geraten. Ende der 1930er Jahre wurden jedoch mehrere Vereine gegründet, die den Erhalt und die Pflege dieser Gattung zum Ziel hatten. Am bekanntesten ist die 1938 gegründete Barbershop Harmony Society. Deren ursprünglicher Name trieb die damalige Mode auf die Spitze, die Namen von Organisationen mit teilweise sehr langen Buchstabenfolgen abzukürzen: Society for the Preservation and Encouragement of Barber Shop Quartet Singing in America (Gesellschaft zur Ermutigung und zur Bewahrung des Barbershop-Quartett-Gesanges in Amerika), abgekürzt S.P.E.B.S.Q.S.A.
Der Musical Director ist der Chorleiter eines Barbershop-Chores. Da im Barbershop auch in Deutschland amerikanische Begriffe gepflegt werden, wird der Chorleiter nicht einfach „Chorleiter“ genannt, sondern ist der „Emm Die“, MD, die Abkürzung für eben den Musical Director.
Ein MD kann in Deutschland nicht ausgebildet werden; die aktiven MDs deutscher Barbershop-Chöre sind allesamt entweder Autodidakten, oder sie besitzen eine anderweitige musikalische Vorbildung. Eine fachlich fundierte MD-Ausbildung im Barbershop ist zurzeit nur in Großbritannien oder in den USA, dem Heimatland des Barbershop, möglich.
Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Wettbewerben in der Barbershop-Gemeinschaft: Chor- und Quartettwettbewerbe, die aber meist zusammen durchgeführt werden. In den meisten Ländern, wie auch international, gibt es unterschiedliche Wettbewerbe für Männer und Frauen. Das Bewertungssystem wird hierbei in drei Kategorien unterteilt, für die verschiedene Juroren bereitstehen: Musik (Bewertung der Umsetzung/Interpretation des Arrangements, Barbershop-Tauglichkeit des Stücks), Gesang (Intonation, Balance, Blend, s.o.) und Präsentation (Bühnenpräsenz, Gesichtsausdrücke, u.ä.).
In Deutschland werden zwei verschiedene Wettbewerbe des deutschen Barbershop Verbandes BinG abgehalten: Die alle zwei Jahre stattfindende Convention und der im Rahmen des jährlichen Harmony Colleges stattfindende Coesfeld-Cup für Quartette, der zur Qualifizierung für die Convention dient.
Dabei richtet sich das Bewertungssystem nach den Vorgaben des amerikanischen Verbandes (Barbershop Harmony Society, BHS). Die einzige Ausnahme besteht darin, dass in Deutschland nacheinander sowohl männliche, weibliche als auch gemischte Chöre oder Quartette auftreten können und gemeinsam in einer Kategorie bewertet werden. Auf der Convention werden nicht nur international renommierte Quartette oder Chöre eingeladen, sondern auch Juroren, die von der SPEBSQSA anerkannt worden sind.
Die Barbershop Harmony Society (BHS) veranstaltet jährlich eine International Barbershop Convention, die männliche Quartette und Chöre gegeneinander antreten lässt. Der internationale Wettbewerb für Frauen wird von Sweet Adelines International (SAI) ausgetragen.
Benutzte Abkürzungen: m. – Männer, f. – Frauen, g. – gemischt.
Deutschland
USA
Großbritannien
Schweden
Niederlande
Benutzte Abkürzungen: m. - Männer, f. - Frauen, g. - gemischt.