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Die Barrière de Fer ("Eisenbarriere"), auch als "Système Séré de Rivières" bezeichnet, ist eine im ausgehenden 19. Jahrhundert errichtete Kette von Festungsringen um verschiedene Städte Ostfrankreichs.
Inhaltsverzeichnis |
Frankreich verlor im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 Teile Lothringens und Elsass. Durch den Verlust dieser Gebiete schrumpfte der "Sicherheitsabstand" zwischen dem neu gegründeten Deutschen Reich und Paris auf bis minimal 250 km (beispielsweise Verdun ). Dies veranlasste die französische Regierung dazu, zunächst einen Festungsring um Paris und später auch um andere neuralgische Städte zu errichten, diese Verfügungen fanden in den 1870er und 1880er Jahren statt. Beauftragt wurde General Séré de Rivières mit der Planung und Durchführung des Projektes.
Begünstigt wurden diese Rüstungsanstrengungen durch einen damals in Frankreich weit verbreiteten Revanchismus (fr. revanchisme), eine bis zum Ersten Weltkrieg weit verbreitete nationalistische Strömung, die die Rückeroberung Elsass-Lothringens zum Ziel hatte.
Frankreich hate im Krieg 1870/71 neue Chassepot-Gewehr und das Mitrailleuse-Maschinengewehr. Sie waren den preußischen Hinterlader-Zündnadelgewehre überlegen bei Reichweite und Schussfolge (Kadenz).
Diese Vorteile kamen aber kaum zum Tragen, weil die stählernen Hinterlader-Geschütze von Alfred Krupp eine Artillerie waren, die der französischen weit überlegen war. Das damals neueste dieser Krupp-Geschütze hieß C/64/67; es hatte zahlreiche Vorteile. Speziell bei der Schlacht von Sedan am 1. September 1870 zeigte sich, dass eine hohe Kadenz (bis zu zehn Schuss pro Minute) zusammen mit einer großen Reichweite bei guter Trefferleistung eine verheerende Wirkung erzeugte. Das Kaliber 8 cm konnte maximal 3.450 m weit schießen. Die französischen Armeen wurden meist umfasst und zu teils überstürzten Rückzügen oder zu Teil-Kapitulationen gezwungen.
Viele Franzosen glaubten, dass Festungen (von denen aus man mit den oben genannten besseren Waffen einen größeren Bereich als früher beschießen konnte) eine starke Verteidigung seien.
In den 1890ern kamen neue Brisanzgranaten auf; diese hatten eine sehr viel stärkere Sprengwirkung als die bis dahin verwendete Artilleriemunition. Sie konnten gemauerte Festungswerke Stück für Stück zusammenschießen, wie zum Beispiel 1914 die Balagerung von Maubeuge zeigte, die nach zwei Wochen mit der Kapitulation der Festung endete.
1873 verließen die letzten deutschen Besatzungstruppen Frankreich. Am 28. Juli 1872 gründete sich das 'Comité de Défense' gemäß einem 'décret présidentiel '. Es tagte von 1872 bis 1888. Seine Aufgabe war die "réorganisation défensive" aller - maritimer wie terrestrischer - Grenzen Frankreichs. Bei seiner Gründung hatte es neun Mitglieder, darunter den Kriegsminister, Repräsentanten der Artillerie und Militäringenieure ('Génie militaire').
Man wollte die Bresche schließen, die durch den Verlust von Festungen im Nordosten entstanden war, die alten Plätze modernisieren, die sich 1870 als überholt erwiesen hatten und neue Plätze finden, die angesichts neuer Kriegstechniken und vor allem der großen Artillerie-Fortschritte geeignet waren.
General Séré de Rivières, 'Commandant du génie' des 2. corps d’armée de Versailles, war ein Gründungsmitglied und wurde 1873 zum 'Sekretär' des Komitees ernannt. Am 1. Februar 1874 wurde er Leiter des 'Service du génie' im Kriegsministerium. Während dieser Jahre war er die treibende Kraft des Komitees und hatte alle notwendige Macht, um seine Ideen genehmigt und realisiert zu bekommen - ohne wirkliche Opposition.
Die Reihe der Festungen und Festungsgürtel umfasst
Grundsätzlich wurden vor allem alte Festungs-, Garnisons- oder/und Durchgangsstädte wie Verdun, Toul, Épinal, Laon, Belfort, Nancy, Reims (Fort de la Pompelle) etc. mit einem Ring aus Forts, Zwischenwerken, Infanteriewerken sowie zwischengelagerten Batterien versehen. Die einzelnen Anlagen waren im Regelfall mit möglichst vielen anschließenden Anlagen per Sichtkontakt zur Kommunikation via Lichtsignalen verbunden. Zwischen den Anlagen an sich und der vom Gürtel umgebenen Stadt, bestand ein – häufig gut ausgebautes – Feldbahnnetz. Zwischen den größeren Festungsringen wurden in unterschiedlichen Abständen ebenfalls Forts und Zwischenwerke angelegt, auch diese meist in Sichtverbindung zu den benachbarten Anlagen. In Einzelfällen wurden ganze Ortschaften wegen ihrer günstigen Lage zur Verteidigungsanlage ausgebaut, Villey-le-Sec bei Toul ist hier ein eindrucksvolles Beispiel.
Man kann drei Typen unterscheiden:
Außerdem kann man unterscheiden Forts, die ihren Originalzustand behielten, und solche, die nachträglich verstärkt wurden.
Das fort d’arrêt war oft ein großes Fort. Es war per definitionem vom übrigen System isoliert. Es musste deshalb völlig autonom und autark sein und sich selbst alleine verteidigen können; es musste in alle Richtungen schießen können. Es war dazu bestimmt die löchrigen zu schützen (de Charmes, de Stenay notamment) und den Vormarsch feindlicher Truppen zu verlangsamen, so dass französische Truppen Zeit gewannen, um eine neue Verteidigungslinie zu schaffen.
Die beiden anderen Fort-Typen konnten auf die Hilfe ihrer Nachbar-Forts zählen und brauchten sich nicht rundum zu verteidigen, sondern nur zu einer Seite hin. Auf dieser Seite war die Artillerie konzentriert.
Man kann mit Blick auf die Lage im Gelände ebenfalls drei Typen unterscheiden:
Ein großes Fort kostete 2 bis 2,5 Millionen Francs d'Or; ein zweitrangiges etwa 1,5 Millionen.
Als neue Explosivstoffe entdeckt wurden - vor allem Pikrinsäure (TNP), der Vorläufer des TNT - nannte man dies in Frankreich "La crise de l'obus torpille".[1] Die französische Armee beschoss testweise das 'fort de Malmaison' und musste feststellen, dass praktisch jedes Mauerwerk beschädigt oder zerstört wurde. Man modernisierte die Forts, die man für am wichtigsten hielt. An einigen Stellen goss man Platten aus hartem Beton; in einigen Fällen baute man Kasernen ganz aus Beton und ließ die alten gemauerten daneben stehen. Bei den Versuchen hatte sich auch gezeigt, dass die Pulver- und Munitionsmagazine nicht mehr sicher waren. Man baute Neue tiefer in den Untergrund (genannt 'magasin sous roc' oder magasin caverne); eine andere Möglichkeit war es, die Munition in den Gebäuden verteilt zu lagern.
Bei einigen Forts baute man neue Eingänge, die tiefer lagen (in den Gräben) und besser gegen Beschuss gesichert waren (entrées de guerre).
Die Ausgucke der Forts sahen aus wie große Glocken aus Beton. Es gab auch kleine Türme für MGs und für Wurfgeräte (projecteurs).
Alle Forts, die man modernisierte, erhielten auch eigene Generatoren zur Stromerzeugung.
Speziell an der Schlacht um Verdun nahmen Forts der 'Barrière de Fer' teil. Die Soldaten, die in den Forts einer Sintflut von Geschossen ausgesetzt waren, fürchteten um die Widerstandskraft des Betons und begannen sich einzugraben. Sie gruben unter den Forts tiefe und geräumige Netze von Galerien und Räumen. Bei dieser Gelegenheit bauten sie auch neue Ausgänge - weiter hinten und weniger exponiert - und neue Kampfstellungen, speziell leicht gepanzerte Kasematten für MGs und für das 'tourelle de 155R'. Diese Arbeiten nannte man travaux de 17 (weil die meisten von ihnen 1917 stattfanden)[2] Sie nahmen Entwicklungen im Festungsbau vorweg, die man später - 1930 - bei der Maginotlinie wiederfand.
Der deutsche Vorstoß verfing sich, anders als im Zweiten Weltkrieg, sehr stark im Festungsring und führte zu Schlachten wie der um Verdun. Auch an vielen anderen Stellen konnten die deutschen Truppen nur den ersten Streifen der Befestigungen durchdringen, ein rascher Vorstoß wie gegen die belgischen Anlagen im Zuge des Schlieffenplanes und deren Wegnahme konnte nicht realisiert werden, da zunächst nur mit schwachen Verbänden angegriffen wurde und sich später die steigende Materialknappheit vor allem auf der deutschen Seite stark bemerkbar machte, obgleich die Anlagen teilweise außer Dienst gestellt und teilweise abgerüstet waren.
Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches und dem Vertrag von Versailles wurden die meisten Anlagen abgerüstet bzw. als Materiallager verwendet. Besonders Metalle waren nach dem Krieg Mangelware und diese waren in beträchtlichen Mengen in den Anlagen verbaut.
Teilweise wurden die Anlagen wieder als zweite Linie oder Kasernen genutzt. Die meisten waren durch den Beschuss im ersten Weltkrieg jedoch so stark beschädigt, dass sie nicht mehr zu gebrauchen waren. Eine Ausnahme war das bis heute gut erhaltene Fort de Seclin in Seclin: es diente im Zweiten Weltkrieg deutschen Truppen als Quartier und einer Armee als Hauptquartier.
Heute bestehen viele Anlagen immer noch. Einige sind zur Besichtigung durch die Besitzer oder Trägervereine freigegeben, besonders letztere bieten auch Führungen an. Viele jedoch sind in Privatbesitz oder militärisches Gelände, einem Besuch sollte auf jeden Fall eine Genehmigung durch den Eigentümer vorangehen. Einige werden als Ziele für Artillerie- und Infanterieübungen verwendet oder aber auch in der Champagne als Weinkeller. Im Fort de Seclin ist ein Museum.
www.villey-le-sec.com Frz. Seite der Ortschaft Villey-le-Sec
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