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Die Basilika San Francesco ist eine Basilika in Assisi, Italien.[1] Sie ist die Grablegungskirche des Heiligen Franziskus von Assisi. Als Basilica maior gehört sie seit 1756 zu den sieben ranghöchsten katholischen GotteshÀusern.
Die Basilika ist in Ober- und Unterkirche mit bedeutenden Malereien der Renaissance, unter anderem des Giotto di Bondone, geschmĂŒckt. Sie wurde am 26. September 1997 bei einem Erdbeben schwerst beschĂ€digt und mit enormem Aufwand wiederhergestellt.
Inhaltsverzeichnis |
Die Basilika San Francesco liegt am westlichen Ende der Ortschaft Assisi, direkt am Hang des Gebirgszuges Monte Subasio. Dieser etwas abseits gelegene Bereich war einstmals der Ort, wo Hinrichtungen stattgefunden haben, im Volksmund auch Colle dâinferno (âHöllenhĂŒgelâ) genannt. Hier wollte Franziskus begraben werden, in Erinnerung an Jesus, der ebenfalls an einer HinrichtungsstĂ€tte (Golgota) auĂerhalb der Stadtmauer von Jerusalem den Tod fand.
Mit dem Bau der Basilika wurde im Juli 1228 begonnen, im Jahr der Heiligsprechung von Franziskus durch Papst Gregor IX., der den Bau der Grabeskirche des Heiligen angeregt hatte und am 17. Juli 1228 selbst den Grundstein legte. Der Hl. Franziskus, der schon am 3. Oktober 1226 in Portiunkula verstorben war, wurde zunĂ€chst in der Kirche San Giorgio (an der Stelle der heutigen Grabeskirche Santa Chiara fĂŒr die heilige Klara) beigesetzt.
Der Kirchen-Komplex der Basilica San Francesco ist als Doppelkirche ausgefĂŒhrt, mit der Oberkirche Basilica Superiore und einer Etage tiefer der Unterkirche Basilica Inferiore. Ob die Kirche mit Ober- und Unterkirche bereits von Anfang an so geplant war, oder ob sie einer PlanĂ€nderung wĂ€hrend des Baues oder gar in zeitlich unterschiedlichen Bauphasen errichtet wurde, wird in der Literatur noch diskutiert. Untrennbar mit diesen Kirchen verbunden ist das benachbarte Kloster, genannt Sacro Convento, das Mutterhaus aller Franziskanerklöster.
Die Idee zu diesem Komplex mit Unter- und Oberkirche wird auf Bruder Elias von Assisi zurĂŒckgefĂŒhrt, der zunĂ€chst Generalvikar und ab 1232 Generalminister des Franziskanerordens war. Ihm oblag bis 1239 die Bauleitung. Schon nach zwei Jahren Bauzeit, im Jahre 1230 also, war die Unterkirche soweit fertiggestellt, dass der Leichnam von Franziskus aus San Giorgio nach hier ĂŒberfĂŒhrt werden konnte. Aus Angst vor GrabschĂ€ndung und Reliquienhandel wurde jedoch die GrabstĂ€tte geheim gehalten und erst bei Grabungen im Jahre 1818 wurde sie genau unter dem Altar der Unterkirche wiederentdeckt. Heute ist dieser Ort ein viel besuchter Wallfahrtsort.
In der Basilika San Francesco dokumentiert sich der Wechsel im Baustil von romanisch zu gotisch, der sich regional sehr unterschiedlich von der 2. HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts bis etwa Mitte des 13. Jahrhunderts hinzog, exemplarisch. Die Unterkirche ist noch im romanischen Stil errichtet, wĂ€hrend die Oberkirche bereits im gotischen Stil erbaut ist. Sie gilt als GrĂŒndungsbau der Bettelordensarchitektur (oder Bettelordensgotik) und ist die erste speziell fĂŒr diesen Orden gebaute Kirche.[2] Als Wallfahrtskirche mit ordensinternem Sonderstatus (caput mater) wurde der Bautyp von San Francesco (doppelgeschossige Saalkirche mit Querschiff) nur sehr selten in der Bettelordensarchitektur aufgegriffen. Wichtigstes und bekanntestes Beispiel ist Santa Chiara in Assisi; bereits hier ohne Unterkirche, nur mit kleiner Grablege fĂŒr die Heilige Klara.[3] Allerdings verbreitete sich der Bautyp der schlichten Saalkirche in Folge fast flĂ€chendeckend in Europa als mittelalterlicher GrĂŒndungsbau zahlreicher Franziskanerkonvente.[4] Wie der Petersdom in Rom liegt sie am âfalschenâ Stadtrand und musste gewestet werden, damit die Fassade der Stadt zugewandt ist.
An der Unterkirche wurde wahrscheinlich ab 1227 gebaut. Vermutlich erforderte der Bau aufgrund der Hanglage umfangreiche Erdarbeiten, die vor der Grundsteinlegung erfolgen mussten. Papst Gregor IX. legte dann am 17. Juli 1228 den Grundstein fĂŒr die Kirche, einen Tag nach der Heiligsprechung des Franziskus. Die Nachricht von einer weitgehenden Fertigstellung im Jahr 1239 bezog sich wohl nur auf die Unterkirche. Angaben, dass möglicherweise bereits Unter- und Oberkirche in diesem Jahr fertiggestellt waren, sind zweifelhaft, weil die Baustile von Unter- und Oberkirche doch sehr unterschiedlich sind und eher auf eine Bauunterbrechung hindeuten, oder zumindest auf eine PlanĂ€nderung. Die jetzige Form der Kirche entspricht wohl kaum einer einheitlichen Planung, obwohl in der Vergangenheit auch schon diese Meinung vertreten wurde[5].
Nach einer neueren Vorstellung war zunĂ€chst nicht eine Doppelkirche geplant worden, sondern lediglich eine einfache Kirche (die Unterkirche) mit einem Spitzdach und einem offenen Dachstuhl. Das hieĂe, man hĂ€tte anfangs nicht an eine darauf aufsitzende Oberkirche gedacht, bei dieser Lage am Berghang ja auch verstĂ€ndlich. WĂ€re sie nur als Krypta gedacht gewesen, hĂ€tte sie nicht die gleiche GröĂe wie die Oberkirche haben mĂŒssen. Die Einwölbung soll erst spĂ€ter erfolgt sein [6] und um 1300 soll die Oberkirche hinzugekommen sein, die als Papstkapelle gedacht war. Bauherr war Papst Gregor IX. Der Vorstellung, dass zunĂ€chst nur eine einfache Kirche geplant war, widerspricht allerdings die Hanglange, denn die Kirche hĂ€tte den Vorplatz der Kirche gerade mal mit dem Dach ĂŒberragt. Eine reprĂ€sentative Westfassade wĂ€re kaum möglich gewesen, es sei denn die (Unter-)Kirche hĂ€tte eine ungewöhnliche Höhe gehabt.
Vielleicht wurde die Oberkirche auch erst ab 1244 geplant oder stilistisch umgeplant, als in Paris die Sainte-Chapelle begonnen wurde, auch eine Doppelkirche, die möglicherweise das Vorbild fĂŒr die Anlage in Assisi war. Die Kirchweihe der Basilica San Francesco fand 1253 fĂŒr beide Teilkirchen zusammen statt.[7]. âWeiheâ heiĂt aber nicht, dass die Bauwerke auch tatsĂ€chlich fertig waren. âWeiheâ heiĂt lediglich, dass der Hauptaltar von einem hohen kirchlichen WĂŒrdentrĂ€ger, wenn möglich dem Papst selbst, âgeweihtâ wurde. Auf keinen Fall war damals das Freskenprogramm fertig.
Die ganze Anlage wurde im 15. Jahrhundert (1472-74) von Papst Sixtus IV., der aus dem Franziskanerorden hervorgegangen war, umgestaltet und erweitert, was sich aber vor allem auf die KlostergebĂ€ude bezog. Das Grundkonzept fĂŒr die Kirche blieb erhalten (Die Renaissance-Vorhalle stammt von Francesco da Pietrasanta, 1487). Und dieses Grundkonzept bestand - zumindest nach einer anderen Theorie - von Anfang an nicht nur aus den beiden Kirchenteilen, sondern auch aus einem umfassenden Bildprogramm, das von vorneherein feststand. Das ist vor allem daran zu erkennen, dass die Treppenanlagen von der Unter- zur Oberkirche hinauf kein einziges Fresko beeintrĂ€chtigen oder zerstört haben, was sie sicher getan hĂ€tten, wenn es keine vorherige Gesamtplanung inklusive der Malerei gegeben hĂ€tte.[8]
Die Unterkirche betritt man durch den Seiteneingang in gotischem Stil (2. HĂ€lfte des 13. Jahrhunderts) durch zwei HolztĂŒren (umbrische Handwerkskunst des 16. Jahrhundert). GegenĂŒberliegend sieht man ins VestibĂŒl der Kapelle von Kardinal Egidio Albornoz, einem pĂ€pstlichen Legaten (von 1350 bis 1367). Die Kapelle ist der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht. Die Fresken mit acht Episoden aus dem Leben der Heiligen wurden 1368â1369 von Andreas pictor de Bononia (Andrea genannt â wahrscheinlich Andrea deâ Bartoli (1349â1369), der HofkĂŒnstler von Albornoz â und nicht, wie gewöhnlich fĂ€lschlicherweise angenommen, Andrea da Bologna) geschaffen. Die Heiligen in dieser Kapelle wurden von Pace di Bartolo dâAssisi (1344â1368) gemalt.
Auf der linken Seite befindet sich eine kleine Kapelle, die dem heiligen Sebastian geweiht ist mit GemĂ€lden, die Szenen aus dem Leben des Heiligen darstellen von G. Martelli. Auf der rechten Seite sind die GrabstĂ€tten von Giovanni deâ Cerchi und die von Johann von Brienne, dem König von Jerusalem und Kaiser von Konstantinopel, zu sehen.
Die Unterkirche besteht aus einem Hauptschiff mit einigen Seitenkapellen. Das Hauptschiff ist mit den Ă€ltesten Fresken eines unbekannten KĂŒnstlers bemalt, den man Meister des Heiligen Franziskus (Maestro di San Francesco) nannte. Sie stellen rechts Szenen aus der Passionsgeschichte Christi und links fĂŒnf Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus dar. Die niedrige Decke ist blau mit Sternen ausgemalt.
Die Bilder an den unteren WÀnden sind zerstört, nur Reste von Cimabues Jungfrau mit Kind und Engeln sind erkennbar.
Die erste Seitenkapelle links ist dem heiligen Martin von Tours geweiht. Sie wurde fĂŒr Kardinal da Montefiore gebaut und wurde zwischen 1317 und 1319 mit zehn Fresken von Simone Martini ausgemalt, die Szenen aus dem Leben des Heiligen darstellen. Diese zĂ€hlen zu den wichtigsten Arbeiten von Simone Martini und bieten beste Beispiele fĂŒr die Malerei des 14. Jahrhunderts.
Die zweite Seitenkapelle links ist dem hl. Petrus von Alcantara geweiht.
Die Seitenkapellen rechts sind folgenden Heiligen geweiht:
Diese Kapelle von Teobaldo Pontano erbaut (Bischof von Assisi von 1296 bis 1329), enthĂ€lt GemĂ€lde aus der Werkstatt von Giotto di Bondone (um 1320) (von Vasari fĂ€lschlicherweise Puccio Capanna zugeschrieben). An den SeitenwĂ€nden sind Szenen aus dem Leben der hl. Maria Magdalena dargestellt (ĂŒber dem PortrĂ€t von Teobaldo Pontano), auĂerdem stehen vorne BĂŒsten von Christus, der Jungfrau Maria, Maria Magdalena und Lazarus.
Die Fresken im rechten Querschiff zeigen die Kindheit Jesu. Sie stammen zum Teil von Giotto di Bondone und seiner Werkstatt, die Weihnachtsszene wurde von dem anonymen Maestro di San Nicola gemalt. Unten werden auf drei Fresken Szenen dargestellt, in denen der hl. Franziskus nach seinem Tod zwei Kindern beisteht. Diese Fresken von Giotto waren zu seiner Zeit revolutionÀr, da sie Menschen mit Emotionen in realistisch dargestellter Landschaft zeigten.
An die Wand des Querschiffs malte Cimabue 1280 sein berĂŒhmtes Werk Die Jungfrau Maria mit Engeln und dem hl. Franziskus auf dem Thron. Das Bild des Franziskus gilt als eine der authentischsten und ursprĂŒnglichsten Darstellungen des Heiligen.
Am rechten Querschiff ist auch die Kapelle des hl. Nikolaus von Myra zu finden, wahrscheinlich im Auftrag des pĂ€pstlichen Legaten Kardinal Napoleone Orsini Frangipani entstanden. Sie ist mit einem Freskenzyklus von zehn Fresken des anonymen Meisters des St. Nikolauskapelle ausgeschmĂŒckt (zwischen 1295 und 1305), die Szenen aus dem Leben des Heiligen zeigen. Diese Szenen haben den Freskenzyklus in der Oberkirche beeinflusst, die Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus darstellen. Vasari schrieb die Fresken daher fĂ€lschlicherweise einem KĂŒnstler Giottino zu. Derselbe KĂŒnstler malte auch die VerkĂŒndigung ĂŒber dem Eingang der Kapelle.
Das linke Querschiff wurde zwischen 1315 und 1330 von dem Sieneser Maler Pietro Lorenzetti und seiner Werkstatt ausgemalt (von Vasari fĂ€lschlicherweise ebenfalls Giotto und Puccio Capanna zugeschrieben). Diese sechs Fresken mit Szenen der Passionsgeschichte Christi bilden seine Meisterwerke, insbesondere das Fresko der Kreuzabnahme ist sehr gefĂŒhlsstark. Zum ersten Mal seit der Antike wird hier Schatten dargestellt.
Der Zyklus wurde in 330 Arbeitsschritten fertiggestellt, dafĂŒr brauchte man mehrere Jahre. Auch in der angrenzenden Kapelle, die dem hl. Johannes dem TĂ€ufer geweiht ist, ist ein Fresko von Pietro Lorenzetti zu sehen, die Madonna dei Tramonti.
Der pĂ€pstliche Altar in der Apsis wurde aus einem einzigen Felsblock aus Como (1230) gehauen. Um den Altar ranken sich Bögen in gotischem Stil mit SĂ€ulen in verschiedenen Stilen. Das hölzerne ChorgestĂŒhl wurde 1471 von Apollonio Petrocchi aus Ripatransone mit Hilfe von Tommaso di Antonio Fiorentino und Andrea da Montefalco gefertigt. Die WĂ€nde der Apsis sind heute mit der Darstellung des JĂŒngsten Gerichts von Cesare Sermei di Orvieto (1609-1668) ausgeschmĂŒckt.
Die GemĂ€lde an der Decke (1315-1320) zeigen den Triumph des hl. Franziskus und drei allegorische Figuren (die drei franziskanischen Ordenstugenden): den Gehorsam, die Armut und die Keuschheit vom so genannten anonymen Maestro delle Vele, einem SchĂŒler Giottos (um 1330).
Die Oberkirche von San Francesco gilt als einer der schönsten RĂ€ume der italienischen Kunstgeschichte. Die Kirche ist vom Stil her gotisch, doch entspricht dieser Stil nicht der nordeuropĂ€ischen Gotik. Die Oberkirche ist ein farblich reich ausgestatteter, in moderaten MaĂen sich bescheidender Raum, der nicht die extreme Höhensteigerung der deutschen oder französischen Gotik zeigt, sondern ein Einheitsraum mit gotischen Elementen ist.
Die Bettelorden bevorzugen solche Kirchenformen gegenĂŒber der traditionellen Einteilung in Mittelschiff und Seitenschiffe. Sie verzichten auch auf den Kapellenkranz im Chor. Dies hat seinen Grund darin, dass es in den Bettelorden nur wenige Priester gab, so dass die zusĂ€tzlichen AltĂ€re fĂŒr die tĂ€gliche Zelebration der Priester nicht gebraucht wurden.[9]
FĂŒr einen Bettelorden ist dieser Raum architektonisch zu aufwĂ€ndig, denn das Armutsgebot der Franziskaner verbot solche aufwĂ€ndigen Gewölbebauten.[10] Die Franziskaner haben hier also schon zu Beginn ihrer Ordensentwicklung klar gegen ihr eigenes Armutsgebot verstoĂen, indem sie einen dermaĂen prĂ€chtigen Innenraum zulieĂen.[11] FĂŒr diese Entwicklung ist vor allem der Generalminister Elias von Cortona verantwortlich, dessen Handeln als Bauherr von San Francesco den Orden in verschiedene Gruppierungen spaltete.
Der Grund, warum dieser Raum in der italienischen Kunstgeschichte eine solche Rolle spielt, ist in dem groĂen Freskenzyklus zu sehen von - wahrscheinlich - Giotto di Bondone, kurz Giotto genannt, der von 1266 bis 1337 lebte und als eines seiner frĂŒhesten Werke diese Fresken der Franziskuslegende ab 1296 malte.
Es gab und gibt in der Kunstgeschichte einen langen Streit ĂŒber die wahre Zuschreibung dieser Fresken. Besonders in Teilen der deutschen Forschung wird die Autorenschaft Giottos an den Franziskus-Fresken bestritten. Die italienische Kunstgeschichte war hier aber lange Zeit weitgehend eindeutig fĂŒr Giotto. In neuester Zeit hat der italienische Restaurator Bruno Zanardi seine Zweifel an der Autorenschaft Giottos geĂ€uĂert [12]. Er hĂ€lt den römischen Maler Pietro Cavallini (um 1250 - 1330) fĂŒr den Schöpfer der Francesco-Fresken.
In der Oberkirche sollte Giotto Szenen aus dem Leben des Hl. Franziskus darstellen, und zwar nach der âLegenda Maiorâ des Bonaventura. Diese Lebensbeschreibung hatte zum Ziel, Franziskus als Evangelisten und Apostel der Endzeit darzustellen, sein Leben als gelebtes Evangelium zu glorifizieren und ihn in einer fortschreitenden Ăhnlichkeit zu Christus zu sehen. Entsprechend dieser Funktion der Fresken, eine enge Beziehung zwischen Franziskus und Christus herzustellen, sind die lebensgroĂen Bilder der Sockelzone, die Franziskus gewidmet sind, von Giotto auf entsprechende Szenen in der Fensterzone darĂŒber bezogen, wo in zwei weiteren ĂŒbereinander liegenden Bildstreifen Szenen aus dem Alten Testament und solche aus dem Leben Jesu dargestellt sind. Die Bildstreifen bilden eine thematische Einheit. Franziskus und Christus werden im gesamten Raum aufeinander bezogen, ja quasi gleichgesetzt. Dies entspricht der Interpretation, die in der Amtskirche der damaligen Zeit erwĂŒnscht war.[13]
An jeder Seite des Langhauses befinden sich 14 Freskenszenen. 14 ist die Symbolzahl des heiligen Franziskus, und zwar als Verdoppelung der Sieben, der Symbolzahl fĂŒr Christus.[14] Die Verdoppelung der Sieben zur 14 als der Symbolzahl des heiligen Franziskus weist also auf seine ChristusĂ€hnlichkeit hin.
Als zweiter Aspekt kommt hinzu, dass die Figuren in diesen Bildern Vorlagen fĂŒr die Gestaltung einer Theaterrolle sind [15]. Die zu Ende des 13. und dann im 14. Jahrhundert mĂ€chtig werdende neue Volksfrömmigkeit liebte Mysterienspiele, die des Lesens unkundigen Menschen verstanden Bilder leichter als Texte. Giotto hat es verstanden, den Raum in aufeinander folgenden Akten eines Mysterienspiels zu schmĂŒcken, so dass den Menschen eine Identifikation mit dem Vorbild des Franziskus' ermöglicht wurde.[16] Es werden hier an den InnenwĂ€nden von S. Francesco also nicht nur Entsprechungen zwischen dem Leben Franz von Assisis zum Leben Jesu betont, sondern auch solche zwischen dem privaten Leben eines jeden GlĂ€ubigen zum Leben der Heiligen ermöglicht und ĂŒber diese BrĂŒcke hinweg eine Verbindung zu Christus selber gefunden. Das ist der persönliche Zugang zum Heilsgeschehen, der im 14. Jahrhundert eine neue Bedeutung erlebte.
Ăber dem Eingang zur Oberkirche ist eine Fensterrose zu sehen, die vier Figuren umgeben. Diese sind die Symbole fĂŒr die vier Evangelisten (der geflĂŒgelte Mensch (nicht Engel) ist Symbol fĂŒr den Evangelisten MatthĂ€us, der Adler ist Symbol fĂŒr den Evangelisten Johannes, der Löwe ist Symbol fĂŒr den Evangelisten Markus, und der Stier ist Symbol fĂŒr den Evangelisten Lukas).
Im einschiffigen Raum der Oberkirche sind neben den Fresken von Giotto mit Szenen aus dem Leben des heiligen Franziskus auch 32 Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament ausgefĂŒhrt von der Cimabue - Schule und im Querschiff, in der Vierung und in der Apsis Cimabue - Fresken, die bis 1277 zurĂŒckreichen. Werke anderer Meister wie die von Pietro Cavallini und Jacopo Torriti reichen auch bis ins Jahr 1277 zurĂŒck. Die Bilder wurden durch das Erdbeben von 1997 schwer beschĂ€digt.
Die Glasfenster der Oberkirche sind von deutschen und französischen KĂŒnstlern des 13. Jahrhunderts gefertigt.
Der Chor enthĂ€lt ChorgestĂŒhl aus 102 Sitzen geschnitzt und dekoriert von Domenico Indovini (1501). Im Zentrum des Chors steht der erhöhte Papstsitz.
Neben der Oberkirche steht ein Glockenturm, der 1239 fertig gestellt worden ist.
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Anhand der beiden Rosetten an der Fassade kann man auf die latenten Beziehungen zwischen kĂŒnstlerischer Form und Zahlensymbolik hinweisen.
Das so genannte Rosenfenster ist ein bekanntes Symbol der mittelalterlichen Architektur: Seine Sonnenform â mit den Stegen als Strahlen â verweist auf Christus. Der Aspekt der Rose verweist auf Maria â die Rose war im Mittelalter das Symbol der Liebe und der JungfrĂ€ulichkeit; siehe die Bildform âMaria im Rosenhagâ usw. â und das Rund des Fensters als Form spielt auf die mittelalterliche Kosmologie an, in der der Kreis â als geometrisches Gebilde mit nur einem einzigen Zentrum â als allgemeines Bild der Welt galt. Das Zentrum war natĂŒrlich Gott, bzw. Christus, die ausstrahlende Sonne der Welt.
Bei dieser Kirche kommen aber noch spezielle Bedeutungshinweise hinzu: Die untere kleinere Rosette ist in 12 Felder geteilt, womit natĂŒrlich eine Beziehung zu den 12 Aposteln hergestellt ist, wenn man das Bildprogramm auf der Innenseite mit berĂŒcksichtigt.
Die Rosette beinhaltet eine ganze Reihe verschlĂŒsselter Informationen oder Botschaften. Sie besteht aus vier Ringen, die in sich reich differenziert sind. Vom Innenraum aus sind nur die drei inneren Ringe zu sehen. Der Ă€uĂere ist auf die Wand aufgeblendet. Hier gibt es wieder die GegenĂŒberstellung von der Drei als himmlischer Zahl im Kircheninneren und der Vier als irdischer Zahl am AuĂenbau. Von auĂen nach innen gezĂ€hlt enthalten die einzelnen Ringe jeweils 44, 46, 14 und 12 Elemente.
Bei Betrachtung der Kirchenanlage von der Oberstadt aus lÀsst sich gut verstehen, warum die Giotto-Fresken mehrmals restauriert werden mussten. Bei dieser Lage der Kirche strömt das gesamte Regenwasser am Berghang auf den Bau zu, durchfeuchtet im Laufe der Zeit die Grundmauern, zieht dann die WÀnde hoch und greift die Fresken an. Inzwischen hat man ein aufwÀndiges Drainage-System im Boden des Berghanges verlegt, welches das ganze Regenwasser um die Kirche herumleitet.
Giotto war ein SchĂŒler Cimabues und hat von ihm auch die starken zeichnerischen Konturen ĂŒbernommen, die auch hier zu sehen sind. FĂŒr die Restaurierung ist eine solche Malweise von groĂem Vorteil, weil die schwarzen Umrisslinien sehr einfach nachgezogen werden können, ohne das Original in irgendeinem wichtigen Aspekt verĂ€ndern zu mĂŒssen. Eine Theorie besagt, Giotto habe nur die Vorzeichnungen besorgt und die Farben bestimmt. Die Ausmalung habe in den HĂ€nden der SchĂŒler gelegen.[18]
1798 versuchte Carlo Fea, die zunehmende Salzverkrustung aufzuhalten.
Wegen der Feuchtigkeit sind auch die Tituli der Fresken im Lauf der Zeit verschwunden, die lateinischen Inschriften unter den Bildern, die den Inhalt erklÀrten.
Das Erdbeben vom 26. September 1997 in Umbrien (5,7 auf der Richterskala) lieĂ in Assisi zahlreiche HĂ€user einstĂŒrzen. ZufĂ€llig war in San Francesco gerade ein Fotograf damit beschĂ€ftigt, die Kirche zu fotografieren, so dass der Verlauf des Erdbebens in der Kirche dokumentiert wurde. Zwei Techniker und zwei BrĂŒder, die mit Ausbesserungsarbeiten von einem frĂŒheren ErdstoĂ beschĂ€ftigt waren, fanden bei diesem Beben den Tod.
Nur wenige Tage spĂ€ter haben bereits die Restaurierungsarbeiten begonnen. Der Staub hatte sich gelegt und die herabgestĂŒrzten Steine wurden sortiert. Vor der Fassade wurden groĂe Zelte aufgestellt, in denen in den folgenden Jahren die einzelnen Teile wieder in ihre ursprĂŒngliche Anordnung gebracht wurden, soweit das möglich war, bevor sie wieder im Gewölbe verankert wurden. Nach dem Erdbeben wurden 1276 Tonnen Schutt aus dem GebĂ€ude geschafft und vorsichtig gesiebt. Es mussten insgesamt ungefĂ€hr 300.000 Einzelteile wieder an ihre richtige Position gebracht werden â das gelang bei 120.000. Der deutsche Pater Gerhard Ruf, der seit vielen Jahrzehnten in Assisi lebte und 2008 starb, meinte damals, dass 60-70 % der Fresken wieder hergestellt werden können.
Die Gesamtkosten der Restaurierung beliefen sich auf (umgerechnet seinerzeit) 35 Mio. âŹ. Am 28. November 1999 konnte die Oberkirche wieder der Ăffentlichkeit zugĂ€nglich gemacht werden. Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings noch nicht alle Rekonstruktionsarbeiten abgeschlossen. Damit hat man in Rekordzeit das Ziel erreicht, wenigstens die Oberkirche bis zum Beginn des Heiligen Jahres 2000 wieder zugĂ€nglich zu machen. Die Unterkirche, die relativ wenig beschĂ€digt war, konnte bereits zwei Monate nach dem Erdbeben wieder geöffnet werden.
Erzbasilika: St. Johannes im Lateran
BasilicĂŠ maiores: St. Franziskus in Asissi | St. Johannes im Lateran | St. Paul vor den Mauern | St. Peter im Vatikan âą|âą Maria Maggiore in Rom | Maria von den Engeln in Asissi
PĂ€pstliche Basiliken: Hl. Haus in Loreto âą|âą St. Antonius in Padua | St. Franziskus in Asissi | St. Johannes im Lateran | St. Laurentius vor den Mauern | St. Michael in Madrid | St. Nikolaus in Bari | St. Paul vor den Mauern | St. Peter im Vatikan âą|âą Maria von den Engeln in Asissi | Maria Maggiore in Rom | Maria vom Rosenkranz in Pompei
Patriarchalbasiliken: Hl. Grab in Jerusalem âą|âą St. Markus in Venedig âą|âą MariĂ€ Himmelfahrt in Aquileia
BasilicĂŠ minores: (Listen: Deutschsprachige LĂ€nder | BeNeLux | Frankreich | Italien, Vatikan, San Marino | Spanien, Portugal | Sonstige)
Kulturlandschaften
AmalfikĂŒste |
Cilento und Vallo di Diano (mit Elea, Paestum und Kartause von Padula) |
Dolomiten |
Liparische Inseln |
Porto Venere und Cinque Terre mit Palmaria, Tino und Tinetto |
SpÀtbarocke StÀdte des Val di Noto (Catania, Caltagirone, Noto, Militello in Val di Catania, Modica, Palazzolo Acreide, Ragusa und Scicli) |
Val dâOrcia
Historische Stadtzentren
Ferrara |
Florenz |
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San Gimignano |
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Verona |
Vicenza (und die Villen Palladios in der Region Venetien)
ArchÀologische StÀtten
ArchÀologische StÀtten von Agrigent |
Su Nuraxi von Barumini |
Etruskische Nekropolen von Cerveteri und Tarquinia |
Nekropolis von Pantalica |
Pompeji, Herculaneum und Villa Oplontis |
Felsbilder im Valcamonica |
Villa Romana del Casale
Einzelbauten oder GebÀudeensembles
Crespi dâAdda |
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Basilika San Francesco von Assisi |
Basilika von Aquileia |
Palast von Caserta in Caserta |
Castel del Monte |
Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.) |
Santa Maria delle Grazie in Mailand |
Sassi di Matera |
Kathedrale, Torre Civica und Piazza Grande in Modena |
Botanischer Garten von Padua |
Schiefer Turm, Dom, Baptisterium und Camposanto in Pisa |
FrĂŒhchristliche BaudenkmĂ€ler und Mosaike von Ravenna |
Sacri Monti |
Villa Adriana und Villa dâEste in Tivoli |
Residenzen des Hauses Savoyen in Turin und Piemont |
Villen Palladios im Veneto
43.074722222212.6054388889Koordinaten: 43° 4âČ 29âł N, 12° 36âČ 20âł O