|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Berber (Eigenbezeichnung berberisch: ⵉⵎⴰⵣⵉⵖⴻⵏ / Imaziɣen, Schreibvarianten von Amazigh, Pl. Imazighen) ist eine Fremdbezeichnung für eine Reihe von Ethnien im Westen Nordafrikas in den Ländern des Maghreb, die eine Berbersprache sprechen. Ob der Name Berber aus dem Arabischen stammt (von Pl. arabisch أمازيغ Berābir) oder sich vom griechischen Wort bárbaros ableitet, ist umstritten. Heute bezeichnen sich einige Berber, insbesondere in Marokko, als Imazighen ‚Freie‘, um sich in einer eigenen, in ihrer Muttersprache gefassten Volksgruppenbezeichnung wiederzufinden. Üblicherweise benutzen die Berbervölker aber die Namen der einzelnen Volksstämme (zum Beispiel Rifkabylen oder Tuareg).[1]
Inhaltsverzeichnis |
Über die Herkunft der Berber oder Imazighen ist kaum etwas bekannt; die Berber sind die Altschichtbevölkerung (→indigenes Volk) Nordafrikas.
Zeugnisse über die Berber erschienen auch schon regelmäßig im Alten Ägypten (als Lebu, Tehenu, Temehu, Meschwesch)[2], in griechischen und römischen Quellen. Bereits auf saharanischer Felsenkunst sind frühe Einwohner der Gegend zu finden. Als ihre Vorgänger gelten die Numider, Garamanten und Libyer. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot erwähnte sie in seinen Historien.
Berbervölker wurden zuerst in Schriften der Ägypter während der Prädynastik genannt. Während des Neuen Reiches kämpften die Ägypter an der Westgrenze gegen die Meschwesch (Ma) und die Libu. Etwa ab 945 v. Chr. wurden die Ägypter durch das Berbervolk der Meschwesh beherrscht, welche die 22. Dynastie unter Scheschonq I. begründeten. Dadurch begann eine lange Zeit der Berberherrschaft in Ägypten. Lange Zeit stellten sie die Hauptbevölkerung in der westlichen Wüste. Die byzantinischen Chronisten beschwerten sich oft über die Imazighen, die dort die abseits gelegenen Klöster überfielen.
Viele Jahrhunderte lang bewohnten die Berber die Küste Nordafrikas von Ägypten bis zum Atlantischen Ozean. Währenddessen blickten die Küstenregionen Nordafrikas auf eine lange Reihe von Eroberern, Siedlern und Kolonisatoren einschließlich der Phönizier, die Karthago gründeten, Griechen (hauptsächlich in Kyrene), Römer, Vandalen, Alanen, Byzantiner, Araber, Osmanen, Franzosen und Spanier. Die meisten, wenn nicht sogar alle dieser Eindringlinge prägten die heutigen Berber. Ebenso brachten die osmanischen Korsaren Sklaven von Südeuropa in den Barbareskenstaat. Eine Schätzung legt die Zahl der Europäer, welche während der Osmanenherrschaft nach Nordafrika verschleppt wurden, bei 1,25 Millionen. Beeinflussungen des Sudanreichs, Schwarzafrikas und Nomaden aus Ostafrika prägten die Berber ebenfalls enorm.
Die Gegenden Nordafrikas, welche die Berbersprachen und die Traditionen der Berber bewahrt haben – im Besonderen das Hochland der Kabylei im heutigen Algerien und die Volksstämme der Chleuh und Rifkabylen – sind im Allgemeinen am wenigsten fremder Herrschaft ausgesetzt gewesen. Sogar in römischer und osmanischer Zeit blieben die meisten von ihnen separat und unabhängig. Bereits die Phönizier drangen, gemäß ihrer Seehandelskultur, niemals über die Hafenstädte der Küste hinaus in das Landesinnere vor. Während viele Leute Verbindungen mit den Einheimischen herstellten und Waren und Dienste austauschten, war eine vollständige Verbindung nur mit den Römern gegeben, wodurch numidische und mauretanische Provinzen vollständig in das Römische Reich eingegliedert wurden und die Berber das römische Bürgerrecht erhielten. Unter den Leuten, die mit den Einheimischen siedelten, waren 80.000 germanische Vandalen, die von den Römern und den Mittelmeerbewohnern im Allgemeinen auch als Barbaren bezeichnet wurden. Die germanischen Familien kamen weder um noch kehrten sie nach Germanien zurück, sondern vermischten sich mit der einheimischen Bevölkerung. Letztendlich wurden die Germanen durch römische Streitkräfte aus Nordafrika vertrieben.
Berber sind vor allem im heutigen Marokko und Algerien anzutreffen, vereinzelte Gruppen auch in Tunesien und südlich davon in der Sahara. Ihre heutigen Bevölkerungszahlen sind schwer zu bestimmen, da durch die Vermischung mit der arabischen Bevölkerung und die Arabisierungsmaßnamen der postkolonialen Zeit Kultur und Sprache der Berber zurückgedrängt wurden. Zahlreiche Berberstämme sprechen heute Arabisch. Der Anteil der Berber in Algerien beträgt 20 bis 30 % und etwa 70 % in Marokko.
→ Hauptartikel Berbersprachen
Ein Teil der Bevölkerung Algeriens, Marokkos und Tunesiens ist berberischer Herkunft, aber seit dem 7. Jahrhundert, während der arabisch-islamischen Expansion, zunehmend arabisiert worden, so dass heute nur noch kleinere Teile der Bevölkerung dieser Länder die Berbersprache sprechen.
Berber gibt es auch in Libyen, Mauretanien, Ägypten und einigen westafrikanischen Staaten, vor allem in Burkina Faso, Niger, Tschad und Mali, wo allerdings keine Berbersprache mehr gesprochen wird.
Marokkos Berberdialekte teilen sich in drei Sprachregionen ein:
Tamazight bezeichnet auch die Berbersprache allgemein und fungiert als Standarddialekt, Berber werden Amazigh genannt. Für die überwiegend gesprochene Sprache wurde ein Alphabet entwickelt, das Tifinagh genannt wird.
Algeriens Berber teilen sich in vier Dialektfamilien ein:
Früher vorhandene mutterrechtliche Organisationsformen aus vorislamischer Zeit lassen sich noch in einigen Mythen nachweisen oder zumindest vermuten. Auf ein altes Mutterrecht könnte die leichtere Scheidungsmöglichkeit der Frauen zurückzuführen sein. Frauen besitzen teilweise mehr Entscheidungsbefugnisse als in arabischen Gesellschaften. Im Zuge einer verstärkten Hinwendung zu einem orthodoxen Islam sind im Laufe des 20. Jahrhunderts bestimmten Gruppen von Frauen zuvor zugestandene Freiheiten verschwunden. Dazu gehörten zum Beispiel in Südalgerien unverheiratete Frauen, die den erotischen Vergnügungstanz Oulad Nail aufgeführt haben. Andere, weniger anzügliche Tänze wie der Fruchtbarkeitstanz Abdaoui im Osten Algeriens dürfen dagegen noch von Frauen aufgeführt werden.
Gastfreundschaft ist in der Kultur tief verankert. Mit Ausnahme der Tuareg sind die Berber sesshaft. Das berberische Nomadenvolk der Tuareg hat eine eigene, aus dem altlibyschen bzw. phönizischen Alphabet entwickelte Schrift, das Tifinagh. Sie besaßen einen eigenen Kalender, der fast in Vergessenheit geraten ist; die Zeitrechnung begann im Jahr 950 v. Chr. Dieses Datum entspricht dem der Besteigung des ägyptischen Throns durch einen Berberkönig, Scheschonq I., einem Libyer (altägyptisch libu). Dieser gründete die Dynastie der Bubastiden, benannt nach ihrer Hauptstadt Bubastis im Nildelta.