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In der Mathematik ordnet die Betragsfunktion einer reellen oder komplexen Zahl ihren Abstand zur Null zu. Dieser sogenannte absolute Betrag, Absolutwert oder auch schlicht Betrag ist immer eine nichtnegative reelle Zahl. Der Betrag einer Zahl <math>x</math> wird meist mit |x|, seltener mit <math>\operatorname{abs}(x)</math>, bezeichnet.
Den absoluten Betrag einer reellen Zahl erhält man durch Weglassen des Vorzeichens. Auf der Zahlengeraden bedeutet der Betrag den Abstand der gegebenen Zahl von Null.
Für eine reelle Zahl <math>x</math> gilt:
\begin{cases} \ \;\,\ \ x &\mathrm{f\ddot ur}\ x \ge 0\\ \ \;\, - x &\mathrm{f\ddot ur}\ x < 0 \end{cases} </math>
Für eine komplexe Zahl <math>z=x+\mathrm{i}\,y</math> mit reellen Zahlen <math>x</math> und <math>y</math> definiert man
= \sqrt{x^2 + y^2} </math>, wobei <math>\bar z</math> die komplex Konjugierte von <math>z</math> bezeichnet. Ist <math>z</math> reell (d.h. <math>y=0</math>, also <math>z=x</math>), so geht diese Definition in
über, was mit der obigen Definition des Betrages einer reellen Zahl x übereinstimmt.
Veranschaulicht man die komplexen Zahlen als Punkte der Gaußschen Zahlenebene, so entspricht diese Definition nach dem Satz des Pythagoras ebenfalls dem Abstand des zur Zahl <math>z</math> gehörenden Punktes vom sogenannten Nullpunkt.
Gleichung mit Absolutbetrag: Gesucht sind alle Zahlen <math>x\in\R</math>, welche die Gleichung <math>|x+3| = 5 \,</math> erfüllen.
Man rechnet wie folgt:
Die Gleichung besitzt also genau zwei Lösungen für <math>x</math>, nämlich 2 und -8.
Die Betragsfunktion erfüllt die drei Normaxiome Definitheit, absolute Homogenität und Subadditivität und ist damit eine Norm, genannt Betragsnorm, auf dem Vektorraum der reellen oder komplexen Zahlen. Die Definitheit folgt daraus, dass die einzige Nullstelle der Wurzelfunktion im Nullpunkt liegt, womit
gilt. Die Homogenität folgt für komplexe <math>w, z</math> aus
und die Dreiecksungleichung aus
wobei sich die beiden gesuchten Eigenschaften jeweils durch Ziehen der (positiven) Wurzel auf beiden Seiten ergeben. Hierbei wurde genutzt, dass die Konjugierte der Summe bzw. der Produkts zweier komplexer Zahlen die Summe bzw. das Produkt der jeweils konjugierten Zahlen ist. Weiterhin wurde verwendet, dass die zweimalige Konjugation wieder die Ausgangszahl ergibt und dass der Betrag einer komplexen Zahl immer mindestens so groß wie ihr Realteil ist. Im reellen Fall folgen die drei Normeigenschaften analog durch Weglassen der Konjugation.
Die Betragsnorm ist vom Standardskalarprodukt zweier reeller bzw. komplexen Zahlen induziert. Die Betragsnorm selbst induziert wiederum zwischen reellen oder komplexen zwei Zahlen <math>x</math> und <math>y</math> eine Metrik (Abstandsfunktion)
durch Bildung des Betrags der Differenz der beiden Zahlen.
Verallgemeinert spricht man von einem Betrag, wenn eine Funktion <math>\varphi</math> von einem Integritätsbereich <math>D</math> in die reellen Zahlen <math>\R</math> folgende Bedingungen erfüllt:
Die Fortsetzung auf den Quotientenkörper <math>K</math> von <math>D</math> ist wegen der Multiplikativität eindeutig.
Ist <math>\varphi(n) \leq 1</math> für alle ganzen <math>n:=\sum_{\nu=1}^n 1</math>, dann nennt man den Betrag nichtarchimedisch.
Der Betrag <math>\varphi(x) = 1</math> für alle <math>x\neq 0</math> (ist nichtarchimedisch und) wird trivial genannt.
Bei nichtarchimedischen Beträgen gilt die verschärfte Dreiecksungleichung
3’. <math>\varphi(x + y)\leq\max(\varphi(x),\varphi(y))</math> für alle <math>x, y</math>.
Sie macht den Betrag zu einem ultrametrischen. Umgekehrt ist jeder ultrametrische Betrag nichtarchimedisch.
Hat man einen nichtarchimedischen Betrag <math>\varphi</math> und wählt eine reelle Zahl <math>b>1</math>, dann hat die Funktion <math>v\colon K\to\R\cup\{\infty\}</math> mit
<math>v(x) = -\log_b \varphi(x)</math> für <math>\varphi(x) > 0</math> und <math>v(0) = \infty</math> folgende Eigenschaften:
Eine Funktion <math>v\colon K\to\R\cup\{\infty\}</math> mit diesen drei Eigenschaften nennt man eine Bewertung von <math>D</math> oder <math>K</math>. Es gibt jedoch auch Autoren, die hier von der exponentiellen Schreibweise oder Exponentenbewertung sprechen und den Begriff Betrag nicht zur Unterscheidung heranziehen. Andererseits nennt man <math>(D,v)</math> oder <math>(K,v)</math> einen bewerteten Integritätsbereich bzw. Körper.
Umgekehrt kann man einer Bewertung <math>v</math> einen nichtarchimedischen Betrag zuordnen, indem man <math>\varphi(x) := b^{-v(x)}</math> setzt mit einer reellen Zahl <math>b>1</math>.
Ist <math>K</math> ein Körper und <math>X</math> eine Unbestimmte über <math>K</math>, dann lässt sich der Polynomring <math>K[X]</math> bilden. Wird <math>K</math> trivial bewertet, d. h. <math>v(x) = 0</math> für <math>x \in K^*</math>, und die Unbestimmte mit <math>v(X)=1</math>, dann haben wir mit <math>v</math> die Gradbewertung <math>\operatorname {grad}</math>, für welche die Bewertungsaxiome zum Gradsatz werden.
Diese Bewertung lässt sich eindeutig auf den Quotientenkörper <math>K(X)</math> von <math>K[X]</math> fortsetzen.
Gegeben ein Körper <math>K</math> mit einer (nichtarchimedischen) Bewertung <math>v</math>. Die Menge
heißt Bewertungsring zu <math>v</math>, die Menge
Bewertungsideal zu <math>v</math>. Sie ist immer ein maximales Ideal, weshalb der Faktorring
ein Körper ist, der sogenannte Restklassenkörper der Bewertung <math>v</math>.
Ist das Bewertungsideal endlich erzeugt, so ist es ein Hauptideal <math>\mathfrak{m}_{v}=p\cdot A_{v}</math>, wo <math>p</math> ein Primelement in <math>A_{v}</math> sein muss.
Im Spezialfall <math>\Q</math> gibt es die Bezeichnungen <math>\Z_{(p)}</math> und <math>\mathbb F_p</math> für Bewertungsring resp. Restklassenkörper.
Der Körper <math>K</math> lässt sich für jede Betragsfunktion, genauer: für die von jeder Betragsfunktion induzierte Metrik, vervollständigen. Die Vervollständigung von <math>K</math> wird häufig mit <math>\hat K</math> bezeichnet.
Die archimedischen Vervollständigungen sind <math>\hat {\Q}=\R</math> und <math>\widehat {\Q(\mathrm{i})}=\hat {\Q}(\mathrm{i})=\C</math>. Nichtarchimedische sind <math>\hat {\Q}=\Q_p</math> für Primzahlen <math>p</math>.
Beim trivialen Betrag entsteht nichts Neues.
Bei der Gradbewertung entsteht der Körper <math>K((X))</math> der (formalen) Potenzreihen
mit einem <math>n\in\Z</math>, der den Ring <math>K{[}{[}X{]}{]}</math> der (ganzen) Potenzreihen
zum Bewertungsring hat.
Unter den Darstellungen der Zahlkonstanten haben die Notationen mit Basis, Ziffern und einer Wertigkeit der letzteren abhängig von ihrer Position den absoluten Siegeszug gegenüber allen anderen Notationen davongetragen. Wir schreiben
wobei links die Ziffern <math>a_{\nu}</math> mit nicht-negativen Exponenten stehen, anschließend das Stellenwert-Trennzeichen Komma »<math>{ \color{White}\prime }\!\!{,}</math>«, anschließend die Ziffern mit negativen Exponenten rechts und abschließend die tiefgestellte Basis »<math>{ \color{White}^\prime }\!\!_b</math>« kommt, die weggelassen werden kann, wenn sie zehn ist, und wobei die Ziffern <math>a_{\nu}</math> aus einem endlichen Ziffernvorrat <math>Z</math> stammen. Wir meinen damit das Ergebnis der Summe
Dabei soll die Anordnung der Laufvariablen <math>\nu</math> und Schleifengrenzen am Summenzeichen ausdrücken, dass wir – entgegen unserer gewohnten Schreibung von links nach rechts – rechts mit <math>\nu=n_u</math> beginnen, bei jedem Schritt <math>\nu</math> um die Standardschrittweite <math>1</math> nach links hin erhöhen und ganz links die Summationsschleife mit <math>\nu=n_o</math> beenden. (Bei <math>n_o<n_u</math> ist die Schleife leer.)
Das Codierungsschema mit Basis <math>b</math> und Ziffernvorrat <math>Z</math> sei mit <math>\langle b, Z \rangle</math> bezeichnet.
Wir können diese Notation auch auf den nichtarchimedischen Kontext ausdehnen. Sind beide Grenzen <math>n_u</math> und <math>n_o</math> endlich, so kommt in beiden Kontexten dasselbe heraus. Ferner läuft der Additionsalgorithmus zweier Zahlen wie die Summationsschleife von rechts nach links und die Überträge werden immer in die linke Nachbarstelle weitergereicht. Dasselbe gilt für den Subtraktions- und Multiplikationsalgorithmus. In der Schule lernen wir, die archimedische Division links zu beginnen, wogegen man die nichtarchimedische Division besser rechts beginnt.[2]
Schließlich kann man im archimedischen Kontext <math>n_u=-\infty</math> und im nichtarchimedischen Kontext <math>n_o=\infty</math> zulassen, nach der Vervollständigung für die entsprechende Metrik konvergieren in beiden Kontexten die Reihen absolut.
Die Tabelle stellt Voraussetzungen und Unterschiede bei archimedischem und nichtarchimedischem Kontext zusammen. Dabei sei der Einfachheit halber angenommen, dass <math>b,a_\nu \in D</math>, also Basis und Ziffern alle ganz sind. Ferner sei im archimedischen Fall <math>|a_\nu| < |\operatorname{N}(b)|</math>, wobei
b & \text{wenn } \hat K=\R, \\
|b|^2 & \text{wenn } \hat K=\C.
\end{cases}</math>
| archimedisch | nichtarchimedisch | |
| Basis <math>b</math> | b|>1</math> | prim, d. h. <math>b</math> erzeugt <math>\mathfrak{m}_{v}</math> |
| minimales Ziffernsystem <math>Z</math> |
\operatorname{N}(b)|</math> Elementen | Repräsentantensystem des Restklassenkörpers <math>k_{v}</math> |
| „ganze“ Zahlen | <math>n_u\geq 0</math> | <math>n_u\geq 0</math> |
| Vorzeichen erforderlich | ja bei <math>b>0</math> und <math>Z\neq -Z</math> |
nein |
| Addition, Subtraktion, Multiplikation |
von rechts nach links | von rechts nach links |
| Überträge | nach links | nach links |
| Division, Codierung der Ziffern |
von links nach rechts | von rechts nach links |
| Auswahl der Ziffern | Intervallschachtelung | Restklasse bei Division durch <math>b</math> |
| Darstellung eineindeutig |
nein, mehrere Darstellungen; bei <math>0\in Z</math> für eine Menge vom Maß 0[2] |
ja |
| <math>\infty</math>-Ende | rechts | links |
| Hauptartikel | Stellenwertsystem | p-adische Zahl |
Der Artikel Ultrametrik beschreibt weitere Besonderheiten der Geometrie in Räumen mit nichtarchimedisch induzierter Metrik.
Sowohl für den archimedischen wie den nichtarchimedischen Kontext eignen sich in <math>\Q</math> Codierungsschemata <math>\langle\pm p, Z \rangle</math> mit einer Primzahl <math>p</math> und einem Repräsentantensystem <math>Z</math> von <math>\Z/p\Z</math>. Dazu gehören die „balancierten“[2] Codierungssysteme <math>\langle p, Z \rangle</math> mit einer ungeraden Primzahl <math>p</math> als Basis und dem Ziffernvorrat <math>Z:=\{-\tfrac{p-1}{2},\dotsc,-1,0,1,\dotsc,\tfrac{p-1}{2}\}</math>. Sie haben die Eigenschaften:
Ferner eignen sich für beide Kontexte das negabinäre System <math>\langle -2, \{0,1\} \rangle</math> bei <math>\Q</math> und bei den Gaußschen Zahlen <math>\Q(\mathrm{i})</math> das System <math>\langle \mathrm i -1, \{0,1\} \rangle</math>. Alle Systeme haben die Eigenschaften:
Sind <math>\varphi</math> und <math>\psi</math> Beträge eines Körpers <math>K</math>, dann sind die folgenden drei Behauptungen gleichwertig:
Nach dem Satz von Ostrowski repräsentieren die in diesem Artikel erwähnten Beträge, der eine archimedische (und euklidische) und die unendlich vielen einer Primzahl zuzuordnenden nichtarchimedischen, alle Klassen von Beträgen der rationalen Zahlen <math>\Q</math>.
Für diese Beträge gilt der Approximationssatz.
Eine Abschwächung der Axiome für den Betrag führt auf den Begriff des Pseudobetrags.