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Bewusstseinszustand

Ein Bewusstseinszustand ist eine Art des Erlebens, die durch die Merkmale Wahrnehmung, Selbstbewusstsein, Wachheit, HandlungsfÀhigkeit und IntentionalitÀt bestimmt ist.

Eine besondere Rolle spielt dabei das FĂŒhlen (vergl. Emotion, Stimmung, Affekt), weil es durch Angenehm- und Unangenehmsein und Lust- und Unlustcharakter Handlungen motiviert und der Wahrnehmung ein Wertprofil aufprĂ€gt, das damit auch das momentane SelbstwertgefĂŒhl konstituiert. Außerordentlich wichtig fĂŒr den Bewusstseinszustand ist auch das jeweilige bewusst oder auch nur diffus erfahrene KörpergefĂŒhl, das durch die beiden Komponenten Empfindung und GefĂŒhl bestimmt wird (vergl. z. B. Schmerz, Wohlbehagen). Wahrnehmungen wiederum unterscheiden sich nach Art und IntensitĂ€t. Die Definition eines bestimmten Bewusstseinszustandes orientiert sich hauptsĂ€chlich an der Auswertung der subjektiven Erfahrungen des Menschen. Durch die fortschreitende Medizintechnik werden heute auch empirische Messwerte den einzelnen ZustĂ€nden zugeordnet. Ein allgemein anerkanntes erklĂ€rendes Modell der BewusstseinszustĂ€nde existiert in der Wissenschaft noch nicht. In manchen Bereichen können jedoch VerĂ€nderungen gemessen, erklĂ€rt und gezielt herbeigefĂŒhrt werden.

Der Begriff „Bewusstseinsform“ wird meist synonym gebraucht. Dagegen impliziert der Begriff „Bewusstseinsebene“ eine Hierarchie oder auch eine Entwicklung der BewusstseinszustĂ€nde und wird somit nur innerhalb von bestimmten Theorien und Systemen verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Allgemein

Gewöhnlich werden vom Menschen die drei ZustĂ€nde Wachbewusstsein, Schlaf und Traumbewusstsein im stĂ€ndigen Wechsel erfahren. In der Tiefschlafphase werden dagegen keinerlei Bewusstseinserfahrungen angenommen. Die Begriffe verĂ€ndertes Bewusstsein und erweitertes Bewusstsein setzen die Definition eines „Normalzustandes“ voraus. Als dieser wird das wachbewusste Erleben des Menschen angesehen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass sich die Merkmale wie Wachheit und Wahrnehmung auch innerhalb dieser HauptzustĂ€nde stĂ€ndig Ă€ndern und von der Umwelt beeinflusst werden. Ebenso muss man davon ausgehen, dass zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen der „Normalzustand“ unterschiedlich wahrgenommen und abgegrenzt wird. Ein interkultureller Vergleich von BewusstseinszustĂ€nden, ihre Definition, Bedeutung und Bewertung, muss dies berĂŒcksichtigen.

Ebenso existieren die unterschiedlichsten naturwissenschaftlichen, philosophischen, psychologischen, religiösen und esoterischen Systeme zur Einteilung und ErklĂ€rung der BewusstseinszustĂ€nde. Besonders psychologische und religiöse ErklĂ€rungsansĂ€tze weisen darauf hin, dass ein Individuum lediglich BewusstseinszustĂ€nde nur dann verstehen kann, wenn es diese selbst durchlebt hat; vergleichbar mit einem mathematischen Beweis, der mit der Voraussetzung eigener Mathematikkenntnisse nachvollziehbar ist. Ein Bewusstseinszustand wird heutzutage – im Gegensatz zum 19. Jahrhundert – als eine umfassende, sich wandelnde Gesamtheit in einem genau bestimmten Zeitrahmen definiert. Demnach wird das so genannte Unbewusste z. Z. nicht als eigenstĂ€ndiger Bewusstseinszustand anerkannt. In der Psychologie hat Sigmund Freud den Begriff eingefĂŒhrt, der noch heute in großen Bereichen der Psychotherapie eine bedeutende Rolle spielt.

Fragestellungen

Das gewöhnliche Wachbewusstsein konfrontiert die Philosophie und die Naturwissenschaft insbesondere mit dem Qualiaproblem und dem IntentionalitĂ€tsproblem. Die Existenz verschiedener BewusstseinszustĂ€nde wirft dagegen weitere Fragen auf. ZunĂ€chst sind dabei die Übergangsphasen und ihre Ursachen von wissenschaftlichem Interesse. Allgemeiner stellt sich die Frage, ob und wie das Gehirn verschiedene „Funktionsmodi“ realisiert, ob es eine allgemeine Beschreibung aller möglichen ZustĂ€nde gibt und ob eine evolutionĂ€re, kulturelle oder spirituelle Entwicklung der ZustĂ€nde stattfindet. Einige Neurologen und Psychologen sind sogar der Ansicht, dass die Erforschung „ungewöhnlicher“ BewusstseinszustĂ€nde auch zum besseren VerstĂ€ndnis der klassischen philosophischen Probleme des Bewusstseins beitragen kann. (vgl. Leib-Seele-Problem, Neurotheologie).

Ursachen fĂŒr VerĂ€nderungen

Ausgehend von einem Alltagsbewusstsein werden verschiedene Techniken und Methoden beschrieben, um VerĂ€nderungen herbeizufĂŒhren. Diese lassen sich grob nach folgenden Kriterien unterscheiden:

  • natĂŒrlich – anthropogen – â€žĂŒbernatĂŒrlich“, akausal, spontan, intuitiv
  • physisch, materiell – psychisch, spirituell
  • langfristig – kurzfristig – plötzlich
  • religiös – sĂ€kular

Auf die beiden wichtigsten Dimensionen projiziert, kann man folgende, unvollstĂ€ndige und grobe Einteilung durchfĂŒhren.


natĂŒrlich anthropogen â€žĂŒbernatĂŒrlich“
physisch Körpereigene Substanzen, Neurotransmitter, Endorphine, Neuronale AktivitÀtspotentiale, GehirnschÀdigungen Psychedelische Drogen, Psychopharmaka, Hyperventilation, Tanz, bewusste Atmung, Reizdeprivation, Hatha-Yoga, Musik, Askese, Fasten, Biofeedback Nahtoderfahrung
psychisch emotionale Krisen, Psychose und andere psychische Erkrankungen Meditation, Kontemplation, Gebet, Raja-Yoga, Rezitation, Koan „Wunder“, „Erscheinungen“, Satori, „Gnade“

Merkmale

Objektive Merkmale

Gehirnwellen

Eine verbreitete Methode, um empirische Daten ĂŒber die Gehirnströme zu erhalten, ist das EEG-Signal und dessen Frequenzverteilungskurve. Es ist damit möglich, anhand einer Grundfrequenz, die das Gehirn erzeugt, den aktuellen Bewusstseinszustand annĂ€hernd einzuschĂ€tzen. HauptsĂ€chlich untersucht man dabei Frequenzen zwischen 0,4 und 40 Hz und BewusstseinszustĂ€nde von Aufmerksamkeit, Anspannung, Stress und nach außen gerichteter Aufmerksamkeit.

Der Zustand des Alltagsbewusstseins, der so genannte Beta-Zustand, der sich typischerweise zwischen 13 Hz und 21 Hz befindet, entspricht einem Zustand guter Aufmerksamkeit und Intelligenzleistung, wĂ€hrend der Bereich mit einem Schwerpunkt von 21 bis 38 Hz als der Bereich „permanenten Alarmbereitschaft“ (Fritz Perls) bezeichnet wird. Der Alpha-Bereich (8 Hz–12 Hz) entspricht dem Zustand leichter Entspannung. Der Theta-Zustand (3 Hz–8 Hz) steht fĂŒr Meditation und tiefe Entspannung. Die niedrigste Frequenz findet sich im Delta-Zustand (0,4 Hz – 3 Hz), der auf verschiedene BewusstseinszustĂ€nde wie Tiefschlaf, Trance oder Tiefenhypnose hinweist. Eine Aussage ĂŒber den Grad der Wachheit ist mit Hilfe eines einzelnen Frequenzwertes nicht möglich; es muss vielmehr die Frequenzverteilungskurve und das Zusammenspiel mehrerer Elektrodenpunkte in Betracht gezogen werden.

In den letzten Jahren ist der Gamma-Bereich (zwischen 40 Hz und 80 Hz) durch erweiterte Messverfahren in den Blickpunkt der Forschung gerĂŒckt. Da in diesem Bereich die primĂ€re Verarbeitung der Sinneswahrnehmung vermutet wird, erhofft man sich dadurch fĂŒr die Zukunft auch objektivierbare Aussagen ĂŒber die Art der Wahrnehmung und die Wahrnehmungsinhalte. Verschiedene GemĂŒtszustĂ€nde und Emotionen lassen sich fĂŒr den Wachzustand heute schon unterscheiden.

ZusĂ€tzlich zur Grundfrequenz lassen sich auch zahlreiche andere Frequenzen mit wechselnden AmplitudenstĂ€rken in jedem EEG nachweisen, die ebenfalls einen Einfluss auf die Art der Informationsverarbeitung im Gehirn haben. Man nimmt heute an, dass durch die Frequenzen verschiedene Gehirnbereiche miteinander synchronisiert werden. Vereinfacht dargestellt ist die Vorstellung dabei, dass beispielsweise die Verbindung von „archaischen Hirnregionen“ mit der Großhirnrinde zum Bewusstsein von bizarren oder archetypischen Traumbildern fĂŒhren kann. Die Synchronisation der beiden GehirnhĂ€lften wird dagegen mit einem ganzheitlichen Erleben in Beziehung gebracht.

siehe auch: Mindmachine

Wachheit und HandlungsfÀhigkeit

Die Wachheit wird unter dem Begriff Vigilanz medizinisch und psychologisch in verschiedene Stadien eingeteilt. Diese reichen vom bewusstlosen Koma bis zur „höchsten Erregung“. Die Einteilung erfolgt meist durch phĂ€nomenologische Kriterien wie Ansprechbarkeit oder Orientierungssinn, kann aber auch durch physiologische Kriterien unterstĂŒtzt werden. Man unterscheidet zum Beispiel zwischen Sopor, Somnolenz und Benommenheit. Im Hinblick auf die Unterscheidung von BewusstseinszustĂ€nden ist das Merkmal Wachheit eng verwandt mit dem RealitĂ€tssinn oder der FĂ€higkeit TĂ€uschungen und Projektionen der Wahrnehmung zu erkennen.

Die Neurophysiologie kennt heute eine Reihe von Neurotransmittern und Botenstoffen wie beispielsweise das Serotonin, Adrenalin und Gamma-AminobuttersĂ€ure (GABA), welche die Aufmerksamkeit und die Wachheit beeinflussen. Durch die gemessenen Konzentrationen kann der Grad der Wachheit dann objektiv zumindest eingegrenzt werden. Zur Kontrolle der Narkosetiefe kann seit einigen Jahren die Messung der AktivitĂ€t der NMDA-Synapsen in der Großhirnrinde herangezogen werden.

Subjektive Merkmale

Um sinnvoll ĂŒber die subjektiven Merkmale bewussten Erlebens zu reden, mĂŒssen sie immer in einem speziellen kulturellen Kontext betrachtet werden. Da beispielsweise Traumwahrnehmungen von den meisten Menschen erinnert und reflektiert werden, kann man diese problemlos miteinander vergleichen und verstehen. FĂŒr jemanden, der noch nie getrĂ€umt hat, muss es sich allerdings sehr seltsam anhören. Dies gilt besonders fĂŒr BewusstseinszustĂ€nde, die meist nur durch eine lange Übungszeit erreicht werden.

Wahrnehmung

Wahrnehmung aus der Sicht des bewussten Erlebens umfasst alle EindrĂŒcke, die bewusst werden. Darunter fallen die sinnliche Wahrnehmung, Handlungsintentionen, rein mentale Bilder und Gedanken ohne konkrete Ă€ußere Reize, GedĂ€chtnisinhalte, Stimmungen, Emotionen, Affekte, Raum- und Zeitempfinden und die so genannte außersinnliche Wahrnehmung. SynĂ€sthetiker können die EindrĂŒcke eines Sinnesorgans als Wahrnehmungen eines anderen erleben und bieten dadurch einen interessanten Einblick in die Funktionsweise des Wahrnehmens.

Der aktuelle Bewusstseinszustand hat eine vielschichtige Beziehung zur Wahrnehmung. So wird das Wahrgenommene je nach Zustand verschieden organisiert und interpretiert. Wachheit, Verstand, Urteilsvermögen und verschiedene andere kognitive FĂ€higkeiten messen den EindrĂŒcken eine Bedeutung bei. Ebenso beeinflusst der Bewusstseinszustand die Art und die erlebte IntensitĂ€t der Wahrnehmung. So ist im Traumzustand die sensorisch-sinnliche Wahrnehmung stark reduziert und der Fokus liegt auf „inneren“ Bildern. Durch Drogen, Meditation, Medikamente, Aufmerksamkeit, Denk- und Lernprozesse kann gezielt die Wahrnehmung verĂ€ndert werden. Menschen in Trance berichten von Wahrnehmungen aus „anderen Welten“, in der Hypnose kann die Wahrnehmung sehr gezielt fokussiert und gesteuert werden.

Selbstbewusstsein

Die psychologischen, philosophischen und spirituellen Bedeutungen des Begriffes Selbstbewusstsein sind vielfĂ€ltig. Dies kommt beispielsweise in den verschiedenen Begriffen wie „das Selbst“, das sensorische Selbst, Ich-Bewusstsein oder IdentitĂ€tsbewusstsein zum Ausdruck. Im Tiefschlaf ist kein „Zentrum“ des Erlebens aktiv und damit auch kein Geschehen erlebbar. Im Traumbewusstsein existiert dagegen eine „Instanz“, durch die EindrĂŒcke zwar erfahren, aber kaum reflektiert werden. Das gewöhnliche „Alltagsbewusstsein“ unterscheidet zwischen einem Ich und einem „Nicht-Ich“ und sieht sich selbst als Zentrum des Ich-Erlebens. Weite Teile der Psychologie gehen heute davon aus, dass diese Ich-Struktur eine komplexe und dynamische Konstruktion ist. Was wir als Ich bezeichnen und erfahren Ă€ndert sich demnach auch im wachbewussten Zustand stĂ€ndig.

Schon Descartes hat mit seinem „cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) den Begriff des Selbstbewusstseins geprĂ€gt. FĂŒr Descartes ist das Selbstbewusstsein Richter ĂŒber wahr und falsch. SpĂ€ter wurde die Trias Subjekt-Objekt-Natur des Selbstbewusstseins von Kant hervorgehoben. Kant behauptet, dass das Selbstbewusstsein eine notwendige Bedingung fĂŒr die Existenz der Welt sei.[1] FĂŒr Hegel realisiert sich das gesamte Weltgeschehen in seiner Entwicklung als Selbstbewusstsein. In Hegels Dialektik wird das Subjekt mit dem Objekt im Werden wieder eins.

Verschiedene spirituelle Vorstellungen verwenden hingegen einen anderen Begriff des Selbstbewusstseins. So lehren manche Schulen des Hinduismus die Erlösung durch Erkenntnis der Gleichheit von Atman (persönlicher, absoluter Wesenskern) und göttlichem Brahman (Weltseele). Demnach sind Atman und Brahman letztendlich identisch, d. h. der innerste Wesenskern des Menschen ist göttlich.

Der Buddhismus spricht von der Illusion des Ich-Bewusstseins. Wahres Bewusstsein bzw. wahre Erleuchtung sei die Erkenntnis dieses Ich als TĂ€uschung. In der christlichen Mystik gibt Meister Eckhart eine Reihe von Anleitungen, wie die „Gottesgeburt in der Seele“ erreicht werden könne. Unsicher ist jedoch, ob alle Traditionen und ihre Vertreter von demselben Bewusstseinszustand ausgehen. So betont der Zen-Buddhismus, dass die Subjekt-Erfahrung nicht Ă€ußerlich vermittelt werden, sondern nur selbst erlebt werden könne.

BewusstseinszustÀnde im Einzelnen

Koma

Das tiefe Koma wird als das Gegenteil vom Wachbewusstsein angesehen. Wahrnehmung und HandlungsfĂ€higkeit sind scheinbar zum Erliegen gekommen. Es existiert kein Selbstbewusstsein, welches den Zustand reflektieren könnte. Im so genannten Wachkoma (apallisches Syndrom) ist der Patient scheinbar wach, reagiert aber nicht auf seine Umwelt. In allen komatösen ZustĂ€nden kann eine elektrische AktivitĂ€t des Gehirns ĂŒberwiegend im Delta-Bereich bei 0,5 Hz bis 4 Hz gemessen werden, sobald diese erlischt spricht man vom Hirntod, der von den meisten Fachleuten als der Tod des Menschen angesehen wird. Diese Annahme ist jedoch in der Öffentlichkeit umstritten.

Wachzustand

Wachbewusstes Erleben kann so unterschiedlich sein, dass eine einheitliche Definition nicht möglich ist. Die wesentlichen Eigenschaften zur Unterscheidung von anderen BewusstseinszustĂ€nden sind ein meist sprachlich orientiertes, abstraktes Denken, eine hohe HandlungsfĂ€higkeit, eine personale und soziale IdentitĂ€t, eine deutliche Trennung von Bewusstsein und Unbewusstem und eine mehr nach außen gerichtete Aufmerksamkeit. Das abstrakte Denken ermöglicht und erweitert viele kognitive FĂ€higkeiten. Dadurch wird die eigene IdentitĂ€t unentwegt in eine Beziehung zur Umwelt und zu den eigenen Vorstellungen gesetzt. Das Bewusstsein ermöglicht so ein sehr weit reichendes Planen der LebensumstĂ€nde, wodurch es auch ein wichtiger Vorteil im Kampf ums Überleben war.

Zudem werden im wachbewussten Zustand auch psychopathologische Krankheitsbilder wie Halluzinationen und Psychosen oder neurologische Krankheiten beobachtet, ohne dafĂŒr eigene BewusstseinszustĂ€nde zu beschreiben.

Schlaf/Tiefschlaf

Die schlafende Ariadne auf Naxos

Die Physiologie und der Verlauf des Schlafes sind heute sehr gut erforscht. Einzelne Schlafphasen werden mittels EEG unterschieden und sind auch bei fast allen SĂ€ugetieren und Vögeln nachweisbar. Der traumlose Schlaf ist fĂŒr die betroffene Person praktisch ohne bewusste Wahrnehmung und damit ereignis- und zeitlos; eine Erinnerung daran ist gewöhnlich nicht vorhanden. Die HandlungsfĂ€higkeit ist dabei eingeschrĂ€nkt, jedoch nicht zwingend vollstĂ€ndig. Schlafwandler sind in EinzelfĂ€llen sogar ansprechbar und können antworten.

FĂŒr die Bedeutung des Schlafes gibt es mehrere ErklĂ€rungsansĂ€tze, wobei der naheliegendste schon von Schopenhauer erwĂ€hnt wird: „Der Schlaf ist fĂŒr den ganzen Menschen, was das Aufziehen fĂŒr die Uhr.“ Der Körper, insbesondere die Skelettmuskulatur regeneriert sich, das Gehirn und seine Funktionen können sich erholen. Ebenso hat der Schlaf beim Menschen einen wichtigen Einfluss auf höhere kognitive FĂ€higkeiten, das GedĂ€chtnis und auf das seelische Gleichgewicht.

Der Schlaf als wichtiges PhĂ€nomen im Leben der Menschen hat in der Mythologie vieler Kulturen eine reichhaltige Geschichte. Die Tatsache des regelmĂ€ĂŸigen Verlustes der Kontrolle und der IdentitĂ€t kann tiefe Ängste hervorrufen und am GrundverstĂ€ndnis des Menschen rĂŒhren.

Traum

Jakobs Traum: Die Engelsleiter

Im gewöhnlichen Traumbewusstsein erlebt der Mensch die verschiedensten Szenarien, die aber zunĂ€chst kaum oder gar nicht reflektiert werden. Die Erlebnisse werden hauptsĂ€chlich bildlich erfahren, aber auch alle anderen Sinneswahrnehmungen und kognitive FĂ€higkeiten wie Sprache können erfahren werden. „Traumhandlungen“ können aktiv ausgefĂŒhrt werden. Die Bandbreite an GefĂŒhlen und GemĂŒtszustĂ€nden ist sehr groß. Der wesentliche Unterschied zum Wachbewusstsein liegt, neben diesen rein psychischen Traumerlebnissen, in der unterschiedlichen Ich-Wahrnehmung und Reflexion. Dieser „Rollenwechsel“ unterliegt keiner bewussten Kontrolle. Auch innerhalb der Szenarien erlebt der TrĂ€umer nur eine minimale oder gar keine Entscheidungsfreiheit.

Die Naturwissenschaft geht heute davon aus, dass das gesamte Traumgeschehen ein inner-psychischer Prozess ist, dessen Ursache, Notwendigkeit und Sinn aber noch nicht geklÀrt sind. Da die Skelettmuskulatur wÀhrend der Phase des REM-Schlafes maximal relaxiert ist, wird sie meistens als die typische Zeit des TrÀumens betrachtet. TatsÀchlich ist es aber auch möglich, wÀhrend aller anderen Schlafphasen zu trÀumen und sogar die TagtrÀume im Wachzustand unterscheiden sich davon physiologisch kaum.

Hingegen weisen verschiedene Schulen der Psychologie, wie beispielsweise die Tiefenpsychologie, der Bearbeitung erinnerter TrĂ€ume eine große Rolle fĂŒr die psychische Gesundheit zu (vgl. Traumdeutung).

Klartraum

Wenn eine Person im Traum ein kritisches und reflexives Selbstbewusstsein erlangt, spricht man vom Klartraum oder „luziden Traum“. Je nach Veranlagung und Übung kann die komplette „Traumwelt“ kontrolliert werden. Der einzige Unterschied zum Wachzustand ist dann die rein inner-psychische Wahrnehmung und Handlung. Auch hier werden verschiedene Stadien und Phasen unterschieden. Im einfachsten Fall werden die Traumerlebnisse nur besonders bewusst wahrgenommen. Durch große Erfahrung kann der Klartraum gezielt zur tiefenpsychologischen Arbeit genutzt werden. Die Wachheit und das Selbstbewusstsein unterscheiden sich dann nicht vom Wachzustand, eine Kommunikation mit der Umwelt ist eingeschrĂ€nkt möglich.

Schon Aristoteles und Descartes berichten von KlartrĂ€umen. Ihre praktische „Nutzung“ zur Selbsterkenntnis hat in verschiedenen Yoga-Schulen (Traumyoga) eine lange Tradition. Buddhistische Traditionen sehen darin die Möglichkeit, sich des illusionĂ€ren Charakters der Wahrnehmung insgesamt bewusst zu werden. Demnach soll es ebenso möglich sein, im wachbewussten Zustand zum „wahren“ Selbstbewusstsein zu „erwachen“ wie im Traum zum Klartraum.

Von einzelnen Autoren wird auch das so genannte Witnessing (dt. „bezeugend“) als ein bewusstes Erleben im Tiefschlaf beschrieben.[2]

Hypnotische Trance

Die Hypnotische Trance (oder Hypnose) ist ein besonderer Wachzustand mit eingeschrĂ€nkter, fokussierter Wahrnehmung. Durch eine suggestive Einleitung wird die Aufmerksamkeit auf das Unbewusste gelenkt, das kritische und selbstbewusste Denken tritt in den Hintergrund. Wahrgenommen werden dann besonders körperliche und emotionale Reize, aber auch einfache kognitive Leistungen sind in diesem Zustand möglich. Das sinnliche Erfassen der Ă€ußeren Umwelt ist je nach Tiefe und Intension weitgehend eingeschrĂ€nkt. Die Wirksamkeit der hypnotischen Trance lĂ€sst sich leicht am Merkmal der Wachheit messen, wobei sich eine leichte Hypnose hierbei kaum vom Wachzustand unterscheidet.

Viele Aspekte der Hypnose sind wissenschaftlich gut belegt, da relativ gut kontrollierbare Forschungen möglich sind. Einerseits ist die hypnotische Trance grundsĂ€tzlich vom Wachzustand und vom Schlaf zu unterscheiden, andererseits sind die ÜbergĂ€nge auch hier fließend. Ein Wechsel zu einem dieser ZustĂ€nde kann spontan erfolgen, wenn er vom Hypnotiseur nicht verhindert wird. Im Gegensatz zur schamanischen Trance liegt die Aufmerksamkeit meist auf unmittelbaren und praktischen ZusammenhĂ€ngen und Wahrnehmungen und ist deutlich eingeschrĂ€nkt. Die Ich-IdentitĂ€t wird Ă€hnlich wie im Traumbewusstsein wahrgenommen und ermöglicht somit auch nur eingeschrĂ€nkte Kontrolle und Reflexion. Nicht alle Menschen können in hypnotische ZustĂ€nde versetzt werden.

Schamanische Trance

Ein Schamane bei der Arbeit

Die Tradition des Schamanismus ist untrennbar mit der Person des Schamanen und des rituell praktizierten Trancezustandes verbunden. Die AusprĂ€gungen sind kulturell sehr unterschiedlich. Vielfach wird behauptet, dass Schamanismus in fast allen Kulturen vor dem Aufstieg der heutigen Religionen verbreitet war. Unser gegenwĂ€rtiges Bild ist vor allem durch die Überlieferungen der sibirischen und innerasiatischen Traditionen geprĂ€gt. Im Vergleich zu anderen BewusstseinszustĂ€nden fĂ€llt besonders diese kulturelle, soziale und rituelle Ausrichtung auf. Die Wahrnehmungswelt innerhalb der Trance wird wesentlich von der Intension des Schamanen und seiner Erfahrung bestimmt. Sie ist zumeist strukturiert (z. B. Drei-Welten-Konzept, Tiertotem). Die Erfahrungen werden in der Ausbildung an andere Schamanen weitergegeben. Interessanterweise gibt es auch unter den Schamanen selbst keine Einigkeit darĂŒber, ob die Trance ein rein inner-psychisches Erlebnis ist oder ob tatsĂ€chlich Reisen in andere Welten unternommen werden.

Der Schamane hat gewöhnlich ein zum Wachzustand fast unverĂ€ndertes Selbstbewusstsein im Trancezustand. Dadurch kann die schamanische Trance von ZustĂ€nden abgegrenzt werden, die sich nach langer Meditations- oder Yoga-Praxis einstellen. Eine Erinnerung an die Erlebnisse ist meist vollstĂ€ndig vorhanden. Die Wahrnehmung ist weniger kontrollierbar als im Klartraum. Dagegen ist die Kontrolle ĂŒber den physischen Körper stĂ€rker vorhanden und eine Kommunikation mit der Umwelt weitgehend möglich. Das Spektrum der Erlebnisinhalte ist enorm; es umfasst fĂŒr den Schamanen Geisterwelten, Himmel und Unterwelten, Pflanzen- und Tier-Identifikation sowie emotionale ExtremzustĂ€nde.

Schamanische AktivitĂ€ten können auch in einer so genannten Besessenheitstrance ausgefĂŒhrt werden. HĂ€ufig bezeichnet man so ein Individuum, das Nachrichten von Verstorbenen oder Geistern zu empfangen glaubt, als Medium. Dieser Zustand wird als unkontrollierbar erfahren und kann gewöhnlich von der Person nicht erinnert werden. Eine Kommunikation mit der Umwelt ist möglich, beschrĂ€nkt sich aber auf eine reine „Weitergabe“ der erfahrenen Wahrnehmung, ohne dass diese von der betreffenden Person reflektiert werden kann.

Neben diesen ritualisierten Trance-ZustĂ€nden in der schamanischen Tradition, hat der Besessenheitsglaube in der christlichen Kultur eine lange Tradition. Exorzismen sind in der katholischen Kirche auch heute noch prinzipiell möglich. So wird dieser Zustand der Besessenheit in der Bibel auch als Zungenreden bezeichnet (z. B. 1. Kor 14, 5). Die Dauer und IntensitĂ€t der Besessenheitstrance kann sehr unterschiedlich sein und wird durch verschiedene Einteilungen klassifiziert (vgl. Besessenheitstypen). In der Psychiatrie wird dieser Zustand als Krankheit – Psychose oder Verfolgungswahn – diagnostiziert und behandelt.

Lange Zeit wurde im modernen eurozentrischen Weltbild die schamanische Trance mit Neurosen, Schizophrenie oder Epilepsie erklĂ€rt. Da sich die EEG-Grundfrequenz bei TrancezustĂ€nden dieser Art meist im Theta-Bereich (6 Hz bis 7 Hz mit zugleich hohen Entladungen) bewegt, ist es heute durchaus möglich, diese von verschiedenen psychopathologischen ZustĂ€nden und von reiner Phantasie im Wachzustand zu unterscheiden. Daneben können auch physiologische VerĂ€nderungen im Blutbild gemessen werden (erhöhte Konzentration von beta-Endorphinen bei gleichzeitiger Abnahme von Adrenalin und Kortisol). Die Interkulturelle Psychologie geht heute davon aus, dass der sozioreligiöse Kontext im Therapieansatz berĂŒcksichtigt werden muss und belegt fĂŒr schamanische Zeremonien in den jeweiligen Kulturen eine erfolgreiche therapeutische Wirkung. Die theoretischen Grundlagen dieser AnsĂ€tze sind in der klinischen Psychologie allerdings umstritten.

Die Erlebniswelt in der schamanischen Trance ist mit dem von Carl Gustav Jung postulierten kollektivem Unbewussten womöglich eng verwandt oder gar identisch, da hier archetypische Inhalte erscheinen.

Nahtod-Erfahrung

Viele gleichartige Berichte von kurzzeitig hirntoten Patienten deuten auf ein Ă€hnliches Erleben wĂ€hrend dieser Zeit hin (Nahtod-Erfahrung). Ob dies als ein eigenstĂ€ndiger Bewusstseinszustand angesehen werden kann, ist umstritten. Verschiedene Merkmale des Bewusstseins sind aber deutlich verĂ€ndert. Das IdentitĂ€tsgefĂŒhl verĂ€ndert sich und viele Beschreibungen der Wahrnehmung erinnern teilweise an schamanische oder mystische ZustĂ€nde oder auch an die Beschreibungen des tibetischen und Ă€gyptischen Totenbuches. Die Traditionen und Autoren der TotenbĂŒcher gehen allerdings völlig selbstverstĂ€ndlich davon aus, dass das Bewusstsein keine Folge der FunktionalitĂ€t des Gehirns ist. Diese Sichtweise lĂ€sst sich deshalb nicht mit dem heutigen (natur-)wissenschaftlichen Modell vom Bewusstsein in Einklang bringen.

Charakteristisch fĂŒr die Nahtod-Erfahrung ist die außerkörperliche Erfahrung. Die Person erlebt sich selbst beim Verlassen und Beobachten des physischen Körpers. Dabei wird eine gesteigerte Klarheit und Wachheit beschrieben, die das Erleben deutlich von TrĂ€umen oder TrancezustĂ€nden abhebt. FĂŒr die oft klinischen Situationen ist es ein interessanter Forschungsansatz, zumal auch in der Wissenschaft anerkannte ErklĂ€rungsansĂ€tze existieren.

Kausales, mystisches Bewusstsein

Wie bei allen anderen BewusstseinszustĂ€nden, ist bei dem mystischen Bewusstsein die sprachliche Beschreibung der wahrgenommenen Erfahrung von der zugrunde liegenden persönlichen Erfahrung und dem kulturellen Hintergrund abhĂ€ngig. Vergleicht man dazu Überlieferungen aus verschiedenen Kulturen und Religionen, so lassen sich viele Übereinstimmungen feststellen.

Die gesamte Wahrnehmung wird im mystischen Bewusstsein meistens als eine Einheit beschrieben. Das Raum- und ZeitgefĂŒhl sind deutlich verĂ€ndert. „Universales“ und unmittelbares Wissen scheint verfĂŒgbar. Sobald das Erleben in Sprache kommuniziert wird, wirkt es hĂ€ufig paradox. Die Andersartigkeit dieser RealitĂ€t ist – im Gegensatz zur schamanischen Trance – fĂŒr das betreffende Individuum unzweifelhaft. Der Begriff „kausales Bewusstsein“ drĂŒckt die Überzeugung aus, dass dieser „Bereich“ die Ursache aller Erscheinungen, also auch der Materie bzw. der materiell bedingten ist.

Das mystische Bewusstsein unterscheidet sich von allen anderen ungewöhnlichen ZustĂ€nden insbesondere dadurch, dass es von vielen Traditionen als vierter natĂŒrlicher Zustand angesehen wird. Als Samadhi, wie es im Hinduismus beschrieben wird, ersetzt es damit dauerhaft die Erfahrung des gewöhnlichen Wachzustandes und hat auch Einfluss auf das Erleben von Schlaf- und Traumbewusstsein. Durch Techniken wie die Meditation soll der ganze Mensch nachhaltig verĂ€ndert werden. Da eine einmalige mystische Erfahrung meist noch keine grundsĂ€tzliche VerĂ€nderung bewirkt, wird aus der Sicht verschiedener traditioneller Lehren die mystische Erfahrung vom mystischen Bewusstsein deutlich getrennt. Die Aufgabe eines Meisters besteht auch darin, mystische Erfahrungen des SchĂŒlers von Trance-Erfahrungen zu unterscheiden.

Ekstatischer Zustand

Die IntensitĂ€t der Erfahrung wird als „unaussprechlich“ beschrieben. Der erfahrene Frieden und die positive Stimmung können sich bis zur Ekstase steigern. Das Selbstbewusstsein wird als klar und erweitert dargestellt und kann sich im Extremfall auf das ganze Universum beziehen. Die Wahrnehmung der Umwelt ist dabei meistens sehr eingeschrĂ€nkt. Die Person ist „entrĂŒckt“. Somit ist auch kaum eine HandlungsfĂ€higkeit und Kommunikation mit der Ă€ußeren Welt möglich. In vielen indigenen Religionen oder beispielsweise auch im Sufismus werden Bewegung und Tanz als Methode, ekstatisches Erleben zu evozieren, eingesetzt.

Von einigen Autoren wird behauptet, dass dieser Zustand mit Ă€ußerst niedrigen Grundfrequenzen kleiner als 0,01 Hz erklĂ€rbar ist. Es ist aber nahezu unmöglich mit den heutigen Verfahrens- und Messtechniken dies zweifelsfrei zu belegen.

Nicht-ekstatischer Zustand

Verschiedene buddhistische Traditionen und christliche Mystiker streben hingegen einen Zustand an, der sich durch eine erhöhte Aufmerksamkeit auszeichnet, die sich auch auf die Umwelt richtet. Durch die Konzentration auf die unmittelbare Wahrnehmung selbst, verliert die Ich-IdentitĂ€t an Gewicht. Das SelbstgefĂŒhl ist dann in einem stĂ€ndigen Fluss, im Idealfall in einem gleichzeitigen „doppelten Erleben“ der Ă€ußeren und der mystischen RealitĂ€t. So schreibt Meister Eckhart: „Wo meine Seele ist, da ist Gott, und wo Gott ist, da ist auch meine Seele, und das ist so wahr als Gott Gott ist.“

Die HandlungsfĂ€higkeit wird gegenĂŒber dem gewöhnlichen Wachzustand als erhöht erlebt. Es scheint nichts vorhanden, das möglichen Zielen und Intensionen entgegenwirken kann. Es existiert keine Todesangst der Ich-IdentitĂ€t. Ebenso ist die Wachheit gesteigert, da die gesamte Aufmerksamkeit auf dem unmittelbaren inneren und Ă€ußeren Erleben liegt und die Selbstreflexion deutlich verringert ist.

ZwischenzustÀnde

Ebenso wie fĂŒr die „Bereiche“ Trance und Schlaf werden auch fĂŒr das mystische Bewusstsein zahlreiche Abstufungen unterschieden. Diese lassen sich aber kaum in einen interkulturellen Zusammenhang bringen und einheitlich beschreiben und abgrenzen. Ken Wilber identifiziert die „existentielle Ebene“ in dem Versuch, verschiedene Traditionen und AnsĂ€tze zu integrieren. Es ist der Zustand der Einheit von Körper und Geist bzw. Bewusstsein, die stĂ€ndig und unmittelbar empfunden wird. Taijiquan und Hatha-Yoga, aber auch moderne ganzheitliche Therapieformen wie Rolfing, die Feldenkrais-Methode oder die Atemtherapie orientieren sich an diesem Zustand.

Das Selbstbewusstsein auf der „existentiellen Ebene“ wird als klar und zentriert bezeichnet. Der Mensch in diesem „Zustand“ hat keinen Körper, er ist sein Körper. Das Erleben wird allgemein als intensiver beschrieben. Die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit ist mehr nach innen und auf körperliche Empfindungen verschoben. Die „existentielle Ebene“ scheint fĂŒr alle spirituellen Wege wesentlich. Eine objektive Beschreibung und Klassifizierung ist aber wegen der Vielschichtigkeit der AusprĂ€gungen problematisch.

Wissenschaftliche Forschung

Der Anspruch der mystischen Traditionen, einen völlig andersartigen natĂŒrlichen Bewusstseinszustand realisieren zu können, ruft in der westlichen Wissenschaft deutliche Skepsis und teilweise Widerstand hervor. In neuerer Zeit versucht die Neurotheologie Verbindungen zwischen den Beschreibungen mystischer BewusstseinszustĂ€nde und physiologisch messbarer und beeinflussbarer Kriterien herzustellen. Ein empirischer Befund der mystischen Erfahrung scheitert bisher an grundlegenden philosophischen bzw. erkenntnistheoretischen EinwĂ€nden. Dennoch lĂ€sst sich ein meditativer Zustand meist eindeutig von einem wachbewussten Erleben mit Hilfe der Grundfrequenz unterscheiden. Diese liegt bei leichter meditativer Entspannung im mittleren Alpha-Bereich (ca. 10 Hz) und kann bei tiefer Meditation bis in den oberen Theta-Bereich bei ca. 7 Hz bis 8 Hz reichen. Auffallend bei Personen, die ĂŒber eine lange Meditationspraxis verfĂŒgen, ist der Verlust des Gewöhnungseffektes (Alpha-Blockierung), d. h., das Großhirn blendet regelmĂ€ĂŸige „Störungen“ nicht mehr aus dem Bewusstsein aus.

PopulÀr, aber auch wissenschaftlich umstritten, sind viele religiös-soziologische Studien, insbesondere in den USA, die einen Zusammenhang zwischen Gebet, ReligiositÀt und Meditation mit LebensumstÀnden wie Gesundheit, Wohlstand oder Langlebigkeit herstellen.

Absolutes Bewusstsein, Leere, Nirvana

Über diesen Bewusstseinszustand kann nichts weiter ausgesagt werden, darin sind sich alle Lehren und Systeme, die ihn beschreiben, einig. Eine „Leere“ ist dieser Zustand nur solange, wie sich keine besonderen Merkmale zeigen oder gegenĂŒber anderen ZustĂ€nden abheben. Als Turiya ist er das Unendliche, der Ursprung oder der Nicht-Zustand; bei Meister Eckhart ist er die „Gottheit“. Der Begriff Nirwana aus der buddhistischen Tradition hat auch im Westen eine Bekanntheit erreicht, die ursprĂŒngliche Bedeutung lĂ€sst sich aber kaum in den europĂ€ischen, kulturellen Kontext integrieren. Der Begriff Erleuchtung kann dagegen je nach kulturellem Hintergrund entweder das mystische oder das ‚absolute‘ Bewusstsein bezeichnen.

Symbolische Verdeutlichung des VerhÀltnisses zwischen dem absoluten Bewusstsein und den relativen, phÀnomenologischen ZustÀnden

Übereinstimmend in allen mystischen Lehren und religiösen Traditionen ist auch, dass dieser „Zustand“ nicht erreicht werden kann, da er unbegrenzt ist; er kann einem nur „widerfahren“. Gebet, Kontemplation und Meditation sollen den Menschen fĂŒr diesen Zustand „anfĂ€llig“ machen, ein kausaler Zusammenhang wird aber abgelehnt. Es existiere dann kein „Ich“ mehr, das diesen „Zustand“ als ein Objekt erfahren könnte. ErfĂ€hrt der Mensch im mystischen Bewusstsein die mystische oder „erste“ Wirklichkeit, so sei er nun diese Wirklichkeit.

Die moderne Wissenschaft stĂ¶ĂŸt hier notwendigerweise an ihre Grenze und kann nur bestimmte Auswirkungen beschreiben. Wobei sich fĂŒr manche Physiker die Erkenntnis des ‚absoluten‘ Bewusstseins und die Ergebnisse ihrer praktischen Arbeit nicht gegenseitig ausschließen. So schrieb Erwin Schrödinger: „Die Vielheit ist bloßer Schein. In Wahrheit gibt es nur EIN Bewusstsein.“ (1961). Es muss aber bezweifelt werden, dass sich dieser „Zustand“ mithilfe empirischer Messwerte objektiv von anderen ZustĂ€nden unterscheiden lĂ€sst.

Siehe auch

Bewusstseinserweiterung, PhÀnomenologie, Mind and Life Institute

Quellenangaben

  1. ↑ Brinkmann, K. (2005). Consciousness,self-consciousness and the modern self. History of the Human Sciences 2005; 18; 27.
  2. ↑ Jayne Gackenbach, Jane Bosveld: Herrscher im Reich der TrĂ€ume: Kreative Problemlösungen durch luzides TrĂ€umen. Aurum im Kamphausen Verlag, 1991, ISBN 3-591-08298-8.

Literatur

Weblinks

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