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Biorhythmus ist eine unbelegte Hypothese, die besagt, dass die physische und die intellektuelle Leistungsfähigkeit, sowie der Gemütszustand des Menschen bestimmten Rhythmen unterworfen sind, die bei allen Menschen gleich sind und mit dem Tag der Geburt beginnen. Diese Rhythmen werden anhand eines sogenannten Biorhythmogrammes dargestellt. Da versucht wird, mittels Mathematik und Computerprogrammen der Lehre vom Biorhythmus einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, wird sie zur Pseudowissenschaft gerechnet.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Die Biorhythmik geht von drei „Rhythmen“ mit unterschiedlicher Periodendauer aus:
Bei der Geburt sollen diese Rhythmen sinusartig mit ihrer ersten Periode positiv anfangen, nach einer halben Periodenlänge die Null–Linie überqueren und dann in eine negative Phase gehen. Am Ende der Periode erfolgt wieder ein Umschlag in den positiven Bereich. Alle Übergänge, das heißt von positiv zu negativ und umgekehrt, sollen kritische Tage, also potentiell „schlechte“ Tage, sein. Kommt es nun bei allen drei Phasen zu einem Übergang am selben Tag, kann das laut der biorhythmischen Lehre krisenhafte Folgen haben – während das Zusammentreffen positiver Tage besonders gute Tage zur Folge haben soll.
Die Basis für diese simple Rechnung wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Wiener Psychologen Hermann Swoboda und den Berliner Arzt Wilhelm Fließ gelegt. Fließ glaubte, in den Krankenakten seiner Patienten übereinstimmend Regelmäßigkeiten entdeckt zu haben und formulierte diese zunächst in seiner Periodenlehre[2]. Sie versuchten so hinter den „guten“ und „schlechten“ Momenten eines Lebens eine Gesetzmäßigkeit zu entdecken.[3].
Hohe Popularität erlangte der Biorhythmus in den 1980er Jahren mit dem Aufkommen der ersten programmierbaren Taschenrechner und Heimcomputer. Das Lebensalter in Tagen und der daraus resultierende Biorhythmuszustand konnte durch einfach zu schreibende und zu bedienende Programme schnell berechnet werden. Heute sind Arbeitsblätter mit Berechnungsformeln für gängige Tabellenkalkulationsprogramme verfügbar,[4] als Java-Applets[5] oder als eigenständige kleine Programme; meist als Freeware (kostenlos), teilweise auch als Shareware (kostenpflichtig). Die dabei verwendeten Berechnungsformeln gehen dabei immer auf dieselbe Theorie (Swoboda/Fließ) zurück.
Von dieser Biorhythmustheorie klar abzugrenzen sind die biologischen Rhythmen der Chronobiologie, die mit wissenschaftlichen Methoden die zeitliche Organisation von Lebewesen untersucht. Chronobiologische Rhythmen, die in Biologie und Medizin beschrieben werden, unterliegen natürlichen Schwankungen, weshalb diese exakten Tageszyklen des Biorhythmus für die wissenschaftliche Biologie und Medizin nicht plausibel sind und zudem gesicherten Erkenntnissen der biologischen Wissenschaften widersprechen.[6] Daher werden in der Chronobiologie die starren Rhythmen der Biorhythmustheorie abgelehnt.[1] Die von der Biorhythmik postulierten Langzeitrhythmen sind nicht messbar und wissenschaftlich nicht belegt; so hob sich die Trefferquote bei der Voraussage der Wahrscheinlichkeit eines Unfalls mittels der Methoden der Biorhythmik in einer Studie, bei der 3000 Verkehrsunfälle ausgewertet wurden, nicht von statistischen Zufallswerten ab.[6]
Um Missverständnisse zu vermeiden, wird innerhalb der Chronobiologie der Begriff biologische Rhythmen verwendet,[1] was sich allerdings im alltäglichen Sprachgebrauch nicht konsequent durchgesetzt hat.