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| Bischofferode Gemeinde Am Ohmberg
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| Koordinaten: | 51° 30′ N, 10° 27′ O51.496666666710.4430555556295Koordinaten: 51° 29′ 48″ N, 10° 26′ 35″ O |
| Höhe: | 295 m ü. NN |
| Fläche: | 12,21 km² |
| Einwohner: | 1.913 (31. Dez. 2009) |
| Eingemeindung: | 1. Dez. 2010 |
| Postleitzahl: | 37345 |
| Vorwahl: | 036077 |
Bischofferode ist ein Ortsteil der Gemeinde Am Ohmberg im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Bis 1990 war der Ort ein Zentrum des Kalibergbaus.
Inhaltsverzeichnis |
Bischofferode liegt im nördlichen Teil des Eichsfeldes nahe der Grenze zu Niedersachsen. Der Ort befindet sich etwa 25 Kilometer (Luftlinie) nordöstlich der Kreisstadt Heiligenstadt am Nordrand des Ohmgebirges. Umgeben von Bergen verfügt der Ort Bischofferode selbst nur über einen geringen Waldanteil.
Höchste Erhebungen sind der Ohmberg (528,7 m ü. NN), dessen bewaldete Gipfelregion gehört jedoch zum Nachbarort Haynrode. Der Hühnerberg (349,9 m ü. NN), der Hasenberg (343,4 m ü. NN) und der Große Heuberg (mit dem südlichen Ausläufer des Häuserberges) (389 m ü. NN) sind ebenfalls bemerkenswert. Der Fluss Bode fließt durch den Ort.[1].
Zu Bischofferode gehören die Ortsteile Bischofferode, Hauröden und die aus einer Werkssiedlung des Kalibetriebs hervorgegangene Thomas-Müntzer-Siedlung. Früher gab es in der Gemarkung Bischofferode die Wüstungen Wenigenbischofferode, Husen und Popperode.
Die erste urkundliche Erwähnung von Bischofferode stammt aus dem Jahr 1186. 1238 wurde das Rittergut Husen durch Bernhard von Worbis an das Kloster Gerode verkauft. Die Bischofferöder Bauern erhielten Land in Erbpacht. 1572 wurde eine Gemeindeschenke gebaut. 1608 folgte die Grundsteinlegung der Marienkirche, der Kirchenbau konnte jedoch erst 1699, nach 90 Jahren Bauzeit, endgültig fertig gestellt werden. Bereits 1678 wurde die noch im Bau befindliche Marienkirche durch den Erfurter Bischof Kulusius geweiht. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Bischofferode von der Pest heimgesucht (1625) und wurde mehrfach von schwedischen Truppen geplündert. In den Jahren 1670 bis 1672 entstanden in Bischofferode der Fachwerkbau der Mühle und die Bäckerei Redemann. Im Siebenjährigen Krieg wurde das Dorf von den Kriegsparteien besetzt und erneut ausgeplündert. 1771 prozessierten Einwohner von Bischofferode und Holungen erfolglos gegen den Abt des Klosters Gerode um Befreiung von ihren ererbten Diensten und Lasten.
Im 18. Jahrhundert hatte sich Bischofferode auf 118 Häuser und 636 Einwohner vergrößert. Am 3. August 1802 besetzten erneut preußische Truppen die Gegend. Damit endete die Herrschaft der Abtei Gerode über den Ort. 1803 wurde Bischofferode Amtsdorf. Zu dieser Zeit hatte es 134 Häuser und 851 Einwohner.
Bischofferode wurde 1815 Teil der preußischen Provinz Sachsen, Kreis Worbis zugeteilt. Bis zum Jahre 1816 ging die Einwohnerzahl auf 744 zurück. 1871 hatte der Ort aber nach einer Volkszählung bereits wieder 987 Einwohner, darunter 19 Analphabeten.
Am 1. Juli 1886 wurde die erste Poststelle der Gemeinde im Haus von Josef Wand eingerichtet. In den Jahren 1886 und 1887 wurde das Schulhaus erbaut. Bereits 1889 besuchten 237 Schüler diese Schule. 1900 hatte die Gemeinde 190 Häuser und fast 1000 Einwohner. Bei der geologischen Prospektion durch Probebohrungen wurden in der Region reiche Kalisalzlagerstätten nachgewiesen. Unverzüglich wurde mit dem Aufbau erster Schachtanlagen und der erforderlichen Infrastruktur begonnen. Hierzu zählte auch die bereits im Oktober 1908 in Betrieb genommene Grubenbahnanlagen zum Schacht Neubleicherode bei Hauröden. Zwei Jahre später, am 1. Oktober 1910 wurde der Streckenabschnitt Großbodungen–Bischofferode der Bahnstrecke Bleicherode Ost–Herzberg in Betrieb genommen.
Bischofferode wurde am 7. September 1926 von einer Gewitterfront heimgesucht; die durch Starkregen ausgelösten Überschwemmungen richteten große Schäden in der Ortschaft an.
1939 mussten erstmals polnische Zwangsarbeiter bei Bauern im Ort arbeiten, später kamen auch Ukrainer hinzu. 1940 trafen im Kaliwerk Bismarckshall die ersten von etwa 200 Zwangsarbeitern aus der Ukraine, Polen und Frankreich ein, die während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit leisten mussten. 1944 wurde im Bereich der Wintershall AG ein Lager für die Errichtung eines Außenkommandos des KZ Mittelbau-Dora bereitgestellt, in dem KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen Verlade- und Reparaturarbeiten an V2-Raketen leisten mussten. Die Gefangenen des Kommandos wurden 1945 in Richtung des KZ Bergen-Belsen "evakuiert".
Am 10. April 1945 wurde Bischofferode durch amerikanische Truppen besetzt. Diese übergaben am 4. Juli 1945 den Ort an die Rote Armee.
Am 31. Dezember 1993 wurde das Kaliwerk „Thomas Müntzer“ geschlossen. (siehe hierzu auch Holungen). Am 22. Mai 1998 verlor der Ort seinen Bahnanschluss nach Aufgabe der Bahnstrecke. Die Gemeinde Bischofferode wurde vor allem wegen eines Hungerstreiks der Bergarbeiter gegen die Schließung ihres Kalibergwerks überregional bekannt. Der Hungerstreik konnte die Schließung des Bergwerks (1993) jedoch nicht mehr verhindern.
Am 1. Dezember 2010 wurde Bischofferode mit den Gemeinden Großbodungen und Neustadt zur Gemeinde Am Ohmberg zusammengeschlossen und verlor damit seine Eigenständigkeit.[2]
Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):
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Blasonierung: „Zweigeteilt, unten in Gold eine Rodehacke, oben auf Blau ein Bischofsstab.“ Das Wappen von Bischofferode ist ein farblich zweigeteilter Schild. Im oberen Bereich ist ein goldener Bischofsstab auf blauem Grund und im unteren Bereich eine Rodehacke auf gelbem Grund zu sehen. Es zeigt die Entstehung des Ortsnamens. Die Abgaben des Dorfes erhielt der Bischof und um Fläche für den Ort zu schaffen, musste der Wald mit der Rodehacke gerodet werden.
Das Kaliwerk „Thomas Müntzer“ war in der Zeit der DDR der wichtigste Arbeitgeber in der Region. Baubeginn des Kaliwerks war 1909. Aufgrund des reichhaltigen Kalivorkommens wurden zwei Schächte errichtet (Schacht 1 „Weithmannshall“ vom 4. Januar 1909 bis 3. Juni 1910 und Schacht 2 „Holungen“ vom 2. Januar 1910 bis 12. Dezember 1914). Die Salzförderung begann 1911. Noch 1939 war das Kaliwerk Zulieferer für die deutsche Kriegswirtschaft. Es war das einzige Werk, welches 98- bis 99-prozentiges Kaliumchlorid mit höchstem Reinheitsgrad lieferte. Mit diesen Salzen konnten Sprengstoffe und andere für den Krieg wichtige Materialien produziert werden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ruhte die Förderung für kurze Zeit.
Von 1955 bis 1961 stieg die Zahl der Beschäftigten von 25 auf fast 300. 1993 wurde der Betrieb im Kaliwerk beendet. Die Schließung des Kaliwerkes sorgte damals bundesweit für Aufsehen, da die Kalikumpel mit vielen Aktionen (beispielsweise Hungerstreiks und Marsch nach Berlin) und der Parole „Bischofferode ist überall“ auf sich aufmerksam machten. Das Kaliwerk war von großer Bedeutung für die anliegenden Dörfer und stellte Arbeitsplätze für über 1000 Menschen zur Verfügung.
Namen des Kaliwerks während seines Bestehens:
Ab 1985 wurde vom Wirtschaftsministerium der DDR eine starke Ausweitung der Automobilbau-Kapazitäten angeordnet. Hierbei wurden auch branchenfremde Betriebe zur Herstellung von Lizenz-Bauteilen und Komponenten angewiesen. Das Kaliwerk verfügte zu dieser Zeit über eine eigene Maschinenbau-Abteilung und wurde so per Regierungsbeschluss zum alleinigen Hersteller von Lehnenverstellern für den PKW Wartburg.
Seit Januar 1994 verwaltet die Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung von Bergwerksanlagen – GVV mbH das ehemalige Kaliwerk.