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Dieser Artikel behandelt den spÀtantiken römischen Gelehrten, Politiker und Philosophen Boethius. Zum gleichnamigen schwedischen klassischen ArchÀologen siehe Axel Boëthius.
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Boethius in einer Handschrift seiner
Consolatio philosophiae.
Oxford,
Bodleian Library, Auct. F.6.5 (12. Jahrhundert)
Anicius Manlius Severinus Boethius (klassisch [boËeËtiÊs], modern auch [boËeËtsiÊs], auch BoĂ«thius geschrieben; * um 480/485; â zwischen 524 und 526 entweder in Pavia oder in Calvenzano in der heutigen Provinz Bergamo) war ein spĂ€tantiker römischer Gelehrter, Politiker, neuplatonischer Philosoph und Theologe. Seine TĂ€tigkeit fiel in die Zeit der Herrschaft des Ostgotenkönigs Theoderich, unter dem er hohe Ămter bekleidete. Er geriet in den Verdacht, eine gegen die Ostgotenherrschaft gerichtete Verschwörung von AnhĂ€ngern des oströmischen Kaisers zu begĂŒnstigen. Daher wurde er verhaftet, als HochverrĂ€ter verurteilt und hingerichtet.
Boethius bemĂŒhte sich, ein ehrgeiziges Bildungsprogramm zu verwirklichen. Er beabsichtigte, sĂ€mtliche Werke Platons und des Aristoteles als Grundtexte der griechischen philosophischen und wissenschaftlichen Literatur in lateinischer Ăbersetzung zugĂ€nglich zu machen und zu kommentieren.[1] Daneben verfasste er LehrbĂŒcher. Damit wollte er den Kernbestand der ĂŒberlieferten BildungsgĂŒter fĂŒr die Zukunft sichern, da die Griechischkenntnisse im lateinischsprachigen Westen Europas stark abgenommen hatten. Ăberdies hatte er vor, anschlieĂend die Ăbereinstimmung zwischen Platon und Aristoteles aufzuzeigen, die er gemÀà der damals vorherrschenden Auffassung annahm. Wegen seines vorzeitigen Todes blieb das gewaltige Vorhaben zwar unvollendet, doch wurde er zum wichtigsten Vermittler der griechischen Logik, Mathematik und Musiktheorie an die lateinischsprachige Welt des Mittelalters bis ins 12. Jahrhundert. Die stĂ€rkste Nachwirkung erzielte seine wĂ€hrend der Haftzeit entstandene Schrift Consolatio philosophiae (âDer Trost der Philosophieâ), in der er seine Vorstellungen zur Ethik und Metaphysik darlegte. AuĂerdem verfasste er theologische Traktate.
Leben
Herkunft, Jugend und Aufstieg
Die vier Namen des Boethius und ihre Reihenfolge sind gut bezeugt; der angebliche weitere Name Torquatus ist nicht authentisch. MĂŒtterlicherseits entstammte er, wie sein Name Anicius zeigt, dem Geschlecht der Anicier, das in der SpĂ€tantike zu den einflussreichsten Senatorenfamilien zĂ€hlte.
Wahrscheinlich wurde Boethius in den frĂŒhen achtziger Jahren des 5. Jahrhunderts geboren; ein abweichender Datierungsvorschlag (zwischen 475 und 477) hat sich nicht durchgesetzt.[2] Der Geburtsort ist unbekannt; die Vermutung, dass es Rom ist, entbehrt einer guten BegrĂŒndung.[3] Sein GroĂvater (oder UrgroĂvater?) war unter Valentinian III. PrĂ€torianerprĂ€fekt gewesen und wurde im September 454 im Zusammenhang mit dem Mord an Flavius Aetius getötet. Sein Vater Manlius Boethius wurde spĂ€ter ebenfalls PrĂ€torianerprĂ€fekt, StadtprĂ€fekt von Rom und im Jahre 487 Konsul ohne Kollegen; er muss bald nach seinem Konsulat gestorben sein, denn Boethius ist vaterlos aufgewachsen. Nach dem Tod des Vaters fand Boethius Aufnahme im Haus des Quintus Aurelius Memmius Symmachus, des Konsuls von 485, der dem berĂŒhmten senatorischen Geschlecht der Symmachi angehörte und als Philologe und Geschichtsschreiber tĂ€tig war.
Boethius erhielt eine vorzĂŒgliche Ausbildung. Wegen der damals vielleicht bereits begrenzten Bildungsmöglichkeiten in Rom wird in der Forschung die Vermutung erörtert, dass er sich zu Studienzwecken im Oströmischen Reich aufgehalten hat. Dabei wird Athen als Studienort in Betracht gezogen, doch fehlt es dafĂŒr an ĂŒberzeugenden Anhaltspunkten. Parallelen zwischen Boethiusâ Kommentierweise und Argumentation und derjenigen der neuplatonischen Schule von Alexandria sollen alternativ die Vermutung stĂŒtzen, dass er dort studiert habe, doch ist diese bereits 1948 von Pierre Courcelle vorgetragene Hypothese kaum zu belegen und die NĂ€he zur alexandrinischen Schule wird von anderen Forschern bestritten.[4] Nach seiner Studienzeit heiratete Boethius Symmachusâ Tochter Rusticiana. Er verehrte seinen Schwiegervater, der â einer Familientradition folgend â die herkömmliche römische Bildung intensiv pflegte. Schon frĂŒh begann Boethius mit der Abfassung seiner wissenschaftlichen Werke und erlangte Ruhm als Gelehrter.
Auch in der Politik spielte Boethius eine wichtige Rolle; er stieg zu höchsten StaatsĂ€mtern auf. SpĂ€testens 507 erhielt er den hohen Ehrentitel patricius, 510 war er Konsul, wie schon sein Vater ohne Kollegen. FĂŒr das Jahr 522 wurden seine beiden Söhne Symmachus und Flavius Boethius, obwohl sie noch nicht erwachsen waren, von König Theoderich zu Konsuln bestimmt. Dies setzt zwingend das EinverstĂ€ndnis des oströmischen Kaisers Justin I. voraus, dem die Besetzung einer der beiden Konsulstellen zustand und der ĂŒberdies nicht nur den östlichen, sondern auch den westlichen Konsul formal einzusetzen hatte. Boethius hielt anlĂ€sslich des Konsulatsantritts seiner Söhne im Senat eine Lobrede auf den Gotenkönig. Im selben Jahr stellte ihn Theoderich an die Spitze der Reichsverwaltung, indem er ihn zum magister officiorum ernannte. Damit erreichte Boethius den Höhepunkt seiner politischen Macht. In seiner eigenen Darstellung erscheint seine TĂ€tigkeit in der öffentlichen Verwaltung als vorbildlich. Er behauptet, sich ausschlieĂlich fĂŒr das Gemeinwohl aller Guten eingesetzt zu haben; als KĂ€mpfer gegen das Unrecht habe er sich die Feindschaft unredlicher MĂ€chtiger zugezogen. Jedenfalls ist davon auszugehen, dass sein energisches Vorgehen und selbstbewusstes Auftreten ihm einflussreiche Gegner einbrachte.[5]
Sturz und Tod
Wichtige Einzelheiten der UmstĂ€nde, die zur Amtsenthebung, Verhaftung und Hinrichtung des Boethius fĂŒhrten, sind nicht ĂŒberliefert, nur aus seiner eigenen Darstellung bekannt oder gehen aus den Quellen nicht eindeutig hervor. Die HintergrĂŒnde, die juristische Beurteilung und die politische EinschĂ€tzung des Gerichtsverfahrens sind seit langem ein kontrovers diskutiertes Thema der Forschung. Der Hauptfaktor war jedenfalls die Spannung zwischen dem oströmischen Kaisertum und dem in Ravenna residierenden Ostgotenkönig. Dieser Gegensatz spiegelte sich in der Bildung zweier rivalisierender Richtungen unter den politisch aktiven Römern (oder Italikern, wie die romanische Bevölkerung Italiens nach dem Ende des Weströmischen Reichs auch genannt wird).
Vorgeschichte
Theoderich war im Auftrag des oströmischen Kaisers nach Italien gekommen, um dort die Herrschaft des Königs Odowakar zu beenden, der 476 den Untergang des weströmischen Kaisertums herbeigefĂŒhrt hatte. Obwohl das Oströmische Reich Theoderich formell als Herrscher Italiens anerkannte, musste er stets einen Versuch der Oströmer befĂŒrchten, ihn zu beseitigen und Italien wieder unter ihre Kontrolle zu bringen.[6]
Zu dieser machtpolitischen RivalitĂ€t kam der religiöse Gegensatz hinzu. Die Römer waren ebenso wie die Mehrheit der Oströmer AnhĂ€nger des NicĂ€no-Konstantinopolitanums, wĂ€hrend sich die Ostgoten zum Arianismus bekannten. FĂŒr traditionsbewusste Römer kam auĂer ihrem Patriotismus, der sich gegen die germanische Fremdherrschaft richtete, auch ihre religiöse Ăberzeugung als Motiv fĂŒr eine Opposition gegen Theoderich in Betracht. Somit war die Vermutung naheliegend, dass diese Kreise eine Vernichtung des Ostgotenreichs durch die Oströmer erhofften, die zur Wiederherstellung der politischen und religiösen Einheit des Römischen Reichs fĂŒhren wĂŒrde. Dies konnte bei loyalen AnhĂ€ngern des Königs zum Verdacht fĂŒhren, dass die mit den Oströmern sympathisierenden Römer mit dem Kaiser konspirierten. Daher befanden sich politisch exponierte Römer, die als kaiserfreundlich galten, in einer potenziell heiklen Lage. Bei einer Zuspitzung des latenten Gegensatzes zwischen den Höfen von Ravenna und Konstantinopel konnten sie in einen LoyalitĂ€tskonflikt oder zumindest in den Verdacht mangelnder LoyalitĂ€t zum König geraten.[7]
Als es 484 zwischen der östlichen und der westlichen Kirche zu einer Spaltung kam (Akakianisches Schisma), fĂŒhrte diese Entfremdung zwischen dem Westen und dem Osten zu einer Verminderung des Konfliktpotenzials zwischen den römischen und den germanischen Untertanen Theoderichs.[8] 498 traten die Bruchlinien aber wieder deutlich hervor, als sich nach einer zwiespĂ€ltigen Papstwahl der von Theoderich unterstĂŒtzte Kandidat Symmachus gegen seinen von den Oströmern favorisierten Gegner Laurentius durchsetzen konnte. Im römischen Senat hatten kaiserlich gesinnte Politiker fĂŒr Laurentius Partei ergriffen.[9] Die ostromfreundliche Richtung bestand vor allem aus Angehörigen alter, konservativer Senatorengeschlechter. Dies war das Milieu, dem die Familie des Boethius und die mit ihr befreundeten und verschwĂ€gerten Sippen angehörten.[10]
Nach dem Regierungsantritt des oströmischen Kaisers Justin I. wurde im Jahr 519 das Akakianische Schisma beendet und die Kirchengemeinschaft zwischen Konstantinopel und Rom wiederhergestellt. Damit war Theoderich zunĂ€chst einverstanden; er wĂŒnschte ein gutes VerhĂ€ltnis zum Kaiser, auch unter dem Gesichtspunkt der oströmischen Anerkennung fĂŒr eine Regelung seiner Nachfolge, denn er hatte keinen Sohn und der Fortbestand der Dynastie hing von seiner Tochter Amalasuintha und deren Nachkommen ab. Noch 519 erreichte er, dass der Kaiser seinen Schwiegersohn Eutharich als "Waffensohn" annahm und so als designierten Nachfolger anerkannte. Kirchenpolitisch verstĂ€rkte die in diesem Jahr erzielte Einigung jedoch die Isolation der arianischen Ostgoten, was sich fĂŒr sie im Fall eines oströmischen Angriffs nachteilig auswirken konnte.[11] Eine wichtige Rolle spielte in der oströmischen Politik wohl schon damals der kĂŒnftige Nachfolger Justins, Justinian I., der dann weniger als ein Jahrzehnt nach Theoderichs Tod tatsĂ€chlich die Invasion Italiens beginnen sollte. Von Justinian ging vielleicht die Initiative zur Besetzung beider Konsulstellen mit den Söhnen des Boethius im Jahr 522 aus; damit konnte er sich in ostromfreundlichen Senatskreisen Italiens zusĂ€tzliche Sympathien verschaffen.[12]
Die Gegner dieser ostromfreundlichen Richtung, die den Sturz des Boethius herbeifĂŒhrten, waren nicht etwa Goten, sondern progotische Römer. Sie waren dem Gotenkönig ergeben, da sie ihm ihre Karriere verdankten; Theoderich hatte solchen Römern SchlĂŒsselstellungen anvertraut, um ein Gegengewicht zu den kaiserfreundlichen Senatskreisen zu schaffen. Sie hatten von einem Regimewechsel in Italien nichts zu erhoffen und betrachteten das Oströmische Reich als feindliche auswĂ€rtige Macht.[13]
Ablauf der Ereignisse
Als Eutharich starb (wohl 522 oder 523), schwĂ€chte dies die Stellung Theoderichs, der nun keinen erwachsenen Nachfolger mehr hatte, und verstĂ€rkte die politische Unruhe. In diese Phase fiel der Beginn der Ereigniskette, die zum Tod des Boethius fĂŒhrte: Ein ParteigĂ€nger der königstreuen Römer fing Briefe ab, die der Senator Albinus an den Kaiser gerichtet hatte.[14] Der Inhalt der Briefe ist unbekannt, doch ist nicht zu bezweifeln, dass er fĂŒr den Absender kompromittierend war. Vermutlich wurden Themen wie die nun wieder ĂŒberaus heikle ostgotische Nachfolgefrage aus der Sicht der ostromfreundlichen Senatoren erörtert.[15] Der Ablauf der anschlieĂenden VorgĂ€nge ist umstritten. Einer Interpretation zufolge versuchte Boethius, dem die königliche Verwaltung unterstand, das Beweismaterial zu unterdrĂŒcken und so die Angelegenheit zu vertuschen, um Albinus zu decken. Diese Absicht wurde aber von einem seiner Untergebenen, dem referendarius Cyprianus, der auf der Gegenseite stand, vereitelt. Nach einer anderen Deutung hat Boethius das Belastungsmaterial zwar dem König verschwiegen, aber auch nicht versucht, Cyprianus an einer Vorsprache bei Theoderich zu hindern. Jedenfalls legte Cyprianus die Briefe dem König, der sich zu dieser Zeit in Verona aufhielt, vor.[16] Die ostromfeindlichen Kreise am Hof sahen darin Belege fĂŒr hochverrĂ€terische Beziehungen des Albinus und seiner Gesinnungsgenossen zum Kaiser.[17] Der König lieĂ Albinus verhaften. Nun solidarisierte sich Boethius öffentlich vor dem König mit dem Beschuldigten, indem er erklĂ€rte, wenn Albinus etwas getan haben sollte, dann hĂ€tten er â Boethius â und der ganze Senat es ebenfalls getan.[18] Damit aber hatte Boethius die Lage und seinen Einfluss falsch eingeschĂ€tzt: Er wurde selbst angeklagt, verlor seine Stellung am Hof und wurde in Verona unter Hausarrest gestellt.
Der König lieĂ die VorgĂ€nge in Abwesenheit des Boethius untersuchen. Dabei wurde der Angeklagte durch die Aussagen mehrerer seiner Untergebenen belastet. AuĂerdem wurden Briefe vorgelegt, in denen er sich fĂŒr die Freiheit Roms â also gegen die gotische Herrschaft â aussprach; nach seiner Darstellung handelte es sich um FĂ€lschungen.[19] Der Senat lehnte es ab, offiziell zu seinen Gunsten Stellung zu nehmen; nur eine kleine Gruppe von Freunden, darunter sein Schwiegervater, trat fĂŒr ihn ein. Er wurde nach Pavia gebracht, wohl weil er unter seinen Standesgenossen in Rom noch einigen RĂŒckhalt hatte, wĂ€hrend Norditalien eine Hochburg seiner Gegner war.[20] FĂŒr ein gewöhnliches Hochverratsverfahren wĂ€re das Gericht des Königs unter dessen Vorsitz zustĂ€ndig gewesen. Theoderich zog es aber angesichts des hohen Ranges des Angeklagten vor, den Fall dem Senatsgericht zu ĂŒbergeben, das fĂŒr Kapitalprozesse gegen Senatoren zustĂ€ndig war. Den Vorsitz in diesem Standesgericht aus fĂŒnf Senatoren (iudicium quinquevirale) hatte der StadtprĂ€fekt Eusebius.[21] Der König lieĂ vermutlich keinen Zweifel daran, dass er einen Schuldspruch wĂŒnschte, hielt sich aber offiziell zurĂŒck. Das Gericht verurteilte Boethius in Abwesenheit zum Tode und ordnete die Konfiskation seiner GĂŒter an.
Das Grab des Boethius in der Kirche San Pietro in Ciel dâOro, Pavia
Die Chronologie ist umstritten. Nach der traditionellen Datierung, die weiterhin BefĂŒrworter hat, wurde Boethius bereits 523 verhaftet und 524 oder spĂ€testens 525 hingerichtet. Manche Forscher folgen aber einem abweichenden Ansatz, den Charles H. Coster vorgeschlagen hat, wonach die Verhaftung 525 und die Vollstreckung des Todesurteils erst 526, kurz vor Theoderichs Tod, erfolgte.[22] Die Hinrichtung wurde standesgemÀà mit dem Schwert vollzogen, entweder in Pavia (was wahrscheinlicher ist) oder in Calvenzano östlich von Mailand (Provinz Bergamo).[23] Der Sarkophag befindet sich in der Kirche San Pietro in Ciel dâOro (Pavia). Bei der vom Anonymus Valesianus ĂŒberlieferten Behauptung, Boethius sei erst gefoltert und dann mit einem KnĂŒppel erschlagen worden,[24] handelt es sich um eine Erfindung; sie stammt aus einer unbekannten Schrift eines Gegners Theoderichs, auf die sich der Anonymus im zweiten Teil seiner Darstellung der Regierungszeit des Königs stĂŒtzt.[25] Auch Symmachus, der Schwiegervater des Boethius, wurde hingerichtet.
Der Sturz des Boethius fĂŒhrte zu einem Umschwung in Theoderichs Personalpolitik; am Hof wurde der AnklĂ€ger Cyprianus zum Leiter der Finanzverwaltung befördert.[26] An die Spitze der Reichsverwaltung berief der König Cassiodor, der wie Boethius ein bedeutender römischer Gelehrter, aber politisch unverdĂ€chtig war.
SpĂ€ter gab Theoderichs Tochter Amalasuntha, die nach dem Tod ihres Vaters die Regentschaft ĂŒbernommen hatte, der Familie des Boethius das konfiszierte Vermögen zurĂŒck. Nach der oströmischen Invasion Italiens soll Boethiusâ Witwe Rusticiana dafĂŒr gesorgt haben, dass die oströmischen Feldherren die bildlichen Darstellungen Theoderichs beseitigten.[27]
Werke
Sein ĂŒberliefertes Werk besteht aus den Schriften seines Bildungsprogramms (Ăbersetzungen, Kommentare und LehrbĂŒcher), der Consolatio philosophiae und theologischen Traktaten. Einige Werke, darunter die Gedichte, die er in seiner Jugend verfasste, sind heute verloren.
In den wissenschaftlichen Werken schreibt Boethius anfangs ein klassisches, am Vorbild Ciceros orientiertes Latein, spĂ€ter entscheidet er sich fĂŒr einen technischen Stil und verwendet die spĂ€tlateinische philosophische Terminologie seiner Zeit, wobei er auch neue Begriffe einfĂŒhrt. Als Ăbersetzer hĂ€lt er sich an den Grundsatz einer genauen, wörtlichen Wiedergabe. In der Consolatio philosophiae entspricht seine Ausdrucksweise meist dem klassischen Sprachgebrauch, zeigt aber auch Merkmale des SpĂ€tlateins.
Logik
Ăbersetzungen
- Die Ăbersetzung der Isagoge des Porphyrios.
- Die Ăbersetzung der Kategorien des Aristoteles in zwei Fassungen, die beide vom Autor stammen und beide nur etwa zwei Drittel des griechischen Textes wiedergeben.
- Die Ăbersetzung von Aristotelesâ Schrift De interpretatione. Die handschriftliche Ăberlieferung lĂ€sst erkennen, dass Boethius die erste Fassung dieser Ăbersetzung spĂ€ter ĂŒberarbeitet hat.
- Die Ăbersetzung von Aristotelesâ Analytica priora, von der zwei Fassungen vorliegen, eine Rohfassung und eine geglĂ€ttete Ăberarbeitung, die auch ein BemĂŒhen um gröĂere Genauigkeit erkennen lĂ€sst. Die Ăberlieferung ist anonym, aber die Verfasserschaft des Boethius konnte durch eine terminologische Analyse gezeigt werden.
- Die Ăbersetzung von Aristotelesâ Analytica posteriora, die Boethius erwĂ€hnt, ist nicht erhalten bzw. nicht identifiziert.
- Die Ăbersetzung von Aristotelesâ Topik, ein sorgfĂ€ltig ausgearbeitetes SpĂ€twerk, das in zwei Versionen ĂŒberliefert ist.
- Die Ăbersetzung der Sophistici elenchi des Aristoteles, ein SpĂ€twerk. Die Autorschaft des Boethius ist nirgends bezeugt, sie ist durch eine philologische Analyse erschlossen worden.
- Die Ăbersetzung der Elemente Euklids wird von Cassiodor im Jahr 507 erwĂ€hnt, gehört also zu den frĂŒhen Werken. Sie ist bis auf Fragmente verloren. Möglicherweise ist sie mit Boethiusâ Geometrie-Lehrbuch zu identifizieren. Menso Folkerts hat die vermutlich aus ihr stammenden lateinischen Euklid-Exzerpte herausgegeben.[28]
Kommentare
- Zwei Kommentare zur Isagoge des Porphyrios. Bei der Abfassung des ersten Kommentars ging Boethius von der lateinischen Ăbersetzung der Isagoge aus, die Marius Victorinus im 4. Jahrhundert angefertigt hatte. Nach der Erstellung seiner eigenen Ăbersetzung schrieb er den zweiten Kommentar. Als Vorlage diente ihm ein unbekannter griechischer Kommentar, der teilweise Ăbereinstimmungen mit dem des Neuplatonikers Ammonios Hermeiou aufwies.
- Zwei Kommentare zu den Kategorien des Aristoteles. Einer von ihnen ist erhalten; er fuĂt hauptsĂ€chlich auf der Kategorien-Kommentierung des Porphyrios. Der andere ist nur anonym und fragmentarisch ĂŒberliefert.[29]
- Zwei Kommentare zu Aristotelesâ Schrift De interpretatione. Der erste Kommentar in zwei BĂŒchern entstand frĂŒhestens 513, der zweite in sechs BĂŒchern um 515/516. WĂ€hrend der erste Kommentar eine allgemeine EinfĂŒhrung bietet, soll der zweite ein vertieftes VerstĂ€ndnis ermöglichen. Zu den behandelten Themen gehört die von Aristoteles erörterte Frage, ob alle kĂŒnftigen Ereignisse aus einem rein logischen Grund determiniert sind (logischer Determinismus). Mit diesem Problem setzt sich Boethius intensiv auseinander.[30]
- Ein Kommentar oder Kommentarentwurf zu Aristotelesâ Analytica priora, der in Gestalt von anonym ĂŒberlieferten Scholien erhalten ist; die Zuschreibung der Scholien an Boethius ist nicht gesichert, aber wahrscheinlich.[31]
- Ein Kommentar zu Ciceros Topica in sieben BĂŒchern; davon sind nur die ersten fĂŒnf BĂŒcher und ein Teil des sechsten erhalten. Das umfangreiche Werk ist zugleich eine EinfĂŒhrung in die Topik.
- Ein heute verlorener Kommentar zu Aristotelesâ Topik.
- Möglicherweise ein heute verlorener Kommentar zu den Sophistici elenchi.[32]
Lehrschriften
- De syllogismo categorico (âĂber den kategorischen Syllogismusâ) lautet der gĂ€ngige, aber nicht vom Autor stammende Titel einer Abhandlung in zwei BĂŒchern, die vermutlich zu den FrĂŒhwerken des Boethius gehört. Das erste Buch fĂŒhrt in die Lehre vom Urteil ein, das zweite stellt die Systematik der Syllogismen nach Aristoteles zusammenfassend dar. Als kategorisch werden Syllogismen bezeichnet, deren PrĂ€missen ausschlieĂlich kategorische Aussagen sind. Boethius geht hier von den einschlĂ€gigen AusfĂŒhrungen des Porphyrios aus.
- Die Introductio ad syllogismos categoricos (âEinfĂŒhrung in die kategorischen Syllogismenâ), auch mit dem handschriftlich ĂŒberlieferten Titel Antepraedicamenta bezeichnet, stellt die Lehre vom Urteil dar. Diese Schrift kann als eine unvollstĂ€ndige Ăberarbeitung von De syllogismo categorico betrachtet werden, denn der behandelte Stoff ist der des ersten Buches der Ă€lteren Abhandlung.
- De divisione (âĂber das Einteilenâ) behandelt die verschiedenen Arten der Einteilung, darunter die Einteilung von Gattungen in Arten und von Wörtern in Bedeutungen. Boethius gibt dazu an, die Grundlage seien einschlĂ€gige AusfĂŒhrungen des Porphyrios.
- De hypotheticis syllogismis in drei BĂŒchern behandelt das hypothetische SchlieĂen. Als hypothetisch werden SchlĂŒsse bezeichnet, bei denen mindestens eine PrĂ€misse keine kategorische Aussage ist, sondern eine hypothetische. Boethius klassifiziert die Arten der hypothetischen Aussagen und SchlĂŒsse. Das erste Buch scheint eine Kompilation aus verschiedenen Quellen zu sein. Eine griechische Hauptvorlage ist verloren.[33]
- De topicis differentiis (âĂber die topischen Differenzenâ) in vier BĂŒchern, eine Klassifizierung der âĂrterâ (tĂłpoi) in der Topik. Unter einem Ort wird der âSitzâ eines Arguments verstanden, also dasjenige, dem ein zu einer gestellten Frage passendes Argument entnommen wird. Ein solcher Ort kann beispielsweise die Definition eines Begriffs sein, dann spricht man von einem âOrt aus der Definitionâ, oder eine Wirkursache. Die Kenntnis der Ărter soll beim Finden von Argumenten helfen. Die konzise Darstellung des Boethius ist keine EinfĂŒhrung fĂŒr AnfĂ€nger, sondern setzt beim Leser Vorkenntnisse voraus.
LehrbĂŒcher der Mathematik, Naturwissenschaft und Musik
Boethius verfasste LehrbĂŒcher aller vier FĂ€cher des Quadriviums (Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie), von denen die zur Arithmetik und zur Musik erhalten sind. Das Studium dieser FĂ€cher wurde als PropĂ€deutik fĂŒr die Philosophie betrachtet.
- De institutione arithmetica (âEinfĂŒhrung[34] in die Zahlenlehreâ) ist, wie Boethius in der Vorrede mitteilt, sein erstes Werk; es wurde vor 507 vollendet. Er widmete es seinem Schwiegervater Symmachus. Die Arithmetik bildet das Thema seines ersten Lehrbuchs, weil sie das Fach war, mit dem jede philosophische Ausbildung zu beginnen hatte. Es handelt sich um eine teils verkĂŒrzende, teils erweiternde Bearbeitung der âEinfĂŒhrung in die Arithmetikâ des Mittelplatonikers Nikomachos von Gerasa. In De institutione arithmetica findet sich erstmals der Begriff quadruvium (âvierfacher Wegâ) zur Bezeichnung der vier âmathematischenâ FĂ€cher (quattuor matheseos disciplinae); die Einteilung der Sieben Freien KĂŒnste in das Trivium und das Quadrivium wurde spĂ€ter fĂŒr den mittelalterlichen Unterrichtsbetrieb maĂgeblich. GemÀà der neuplatonischen Zahlenlehre betrachtet Boethius eine Zahl nicht als etwas rein Quantitatives, sondern fragt nach ihren Eigenschaften, die ihr eine Binnenstruktur und damit eine bestimmte Beschaffenheit verleihen.[35]
Darstellung des Boethius mit Musikinstrument in der mittelalterlichen Handschrift Cambridge, University Library, Ii.3.12 (11. Jahrhundert)
- De institutione musica (âEinfĂŒhrung in die Musikâ), ein Lehrbuch der Musiktheorie, ist in fĂŒnf BĂŒchern unvollstĂ€ndig ĂŒberliefert. Von den dreiĂig angekĂŒndigten Kapiteln des fĂŒnften Buches sind nur die ersten achtzehn und ein Teil des neunzehnten erhalten; vermutlich existierten ursprĂŒnglich noch ein sechstes und siebtes Buch oder waren zumindest geplant. Die Hauptquellen, die Boethius heranzog, waren musiktheoretische Schriften des Nikomachos von Gerasa und des Ptolemaios. Er unterscheidet drei Musikarten: die mit Instrumenten hervorgebrachte Musik, die âmenschlicheâ Musik (musica humana), womit er die âmusikalischeâ Harmonie in Seele und Körper des Menschen meint, und die âWeltmusikâ (musica mundana), worunter er die von den Himmelskörpern erzeugte SphĂ€renmusik versteht. Allen drei Musikarten soll eine mathematisch ausdrĂŒckbare Harmonie zugrunde liegen. Das Thema von Boethiusâ Lehrbuch ist nicht die liturgische, einstimmige Musikpraxis seiner eigenen Zeit, sondern hauptsĂ€chlich die mathematische Darstellung und daraus resultierende Klassifizierung der VerhĂ€ltnisse der Töne zueinander. Bei der Darstellung der musikalisch relevanten ZahlenverhĂ€ltnisse geht es Boethius nicht um die rein Ă€uĂerliche Relation der Zahlen, die er zueinander in Bezug bringt, sondern um ihr VerhĂ€ltnis zueinander unter dem Gesichtspunkt ihrer jeweiligen inneren Struktur, die sich aus seiner Zahlentheorie ergibt. Dieser Binnenstruktur weist er eine konstitutive Rolle fĂŒr das VerhĂ€ltnis zwischen den Zahlen und damit auch fĂŒr dessen musiktheoretische Konsequenzen zu. Die erklingenden Intervalle sind gleichsam âVerkörperungenâ der ZahlenverhĂ€ltnisse, sie verhalten sich zu ihnen wie Materie zu Form. Das ZahlenverhĂ€ltnis ist die Formursache des hörbaren Intervalls. Nicht nur den VerhĂ€ltnissen zwischen Tönen, sondern auch jedem einzelnen Ton spricht Boethius eine bestimmte Zahlhaftigkeit (numerositas) zu. Jeder Ton weist eine KomplexitĂ€t und damit eine mathematische Binnenstruktur auf. Die AutoritĂ€t schlechthin auf dem Gebiet der Musiktheorie ist fĂŒr Boethius Pythagoras, der einer Legende zufolge die mathematische Grundlage der musikalischen Konsonanz entdeckt hat. Bei der Wiedergabe dieser Legende (âPythagoras in der Schmiedeâ) legt Boethius besonderen Wert auf den Erkenntnisfortschritt, den die Abwendung vom sinnlich Wahrnehmbaren und Hinwendung zu einer unkörperlichen RealitĂ€t hinter den PhĂ€nomenen ermöglichen soll.[36] In seiner Darstellung der Notation gibt er die herkömmlichen griechischen Tonsymbole zur Bezeichnung relativer Tonhöhen an, wobei er jeweils das Zeichen der Gesangsnotenschrift ĂŒber dem der Instrumentalnotation anordnet. Bei der ErklĂ€rung des Tonsystems und der Teilung des Monochords bedient er sich lateinischer Tonbuchstaben. Dabei nennt er den tiefsten Ton A und schreitet aufwĂ€rts bis Z fort, statt â wie heute ĂŒblich â den nĂ€chsthöheren Oktavraum wieder mit dem gleichen Buchstaben zu beginnen; nach Z fĂ€hrt er mit den Zeichen AA bis LL fort.[37]
- De institutione geometrica (âEinfĂŒhrung in die Geometrieâ), ein Lehrbuch der Geometrie auf der Grundlage der âElementeâ Euklids, ist heute verloren. Vielleicht ist es mit der von Cassiodor[38] erwĂ€hnten Euklid-Ăbersetzung des Boethius, aus der Fragmente erhalten sind, zu identifizieren.
- De institutione astronomica (âEinfĂŒhrung in die Astronomieâ) war wohl der Titel von Boethiusâ heute verlorenem Lehrbuch der Astronomie. Aus einer Angabe Cassiodors geht hervor, dass Boethius die Astronomie auf der Grundlage von Ptolemaiosâ Almagest dargestellt hat.[39]
- Ein heute verlorenes Werk ĂŒber Physik (physica) erwĂ€hnt Boethius in seinem zweiten Kommentar zu De interpretatione.[40] Es dĂŒrfte auf der Grundlage von Aristotelesâ Physik verfasst worden sein. Cassiodor bemerkt, Boethius habe auch Wissen des Archimedes in lateinischer Ăbersetzung zugĂ€nglich gemacht.[39]
Die Consolatio philosophiae
Boethius in Gefangenschaft. Handschrift
Glasgow, University Library, Hunter 374 aus dem Jahr 1385
Das Hauptwerk des Boethius ist die Consolatio philosophiae (âTrost der Philosophieâ) in fĂŒnf BĂŒchern. AuĂer diesem Titel kommt auch die Form De consolatione philosophiae (âĂber den Trost der Philosophieâ) in den Handschriften vor. Das Werk entstand nach Boethiusâ Verhaftung. Mit der Gestaltung als Prosimetrum (Prosa mit eingefĂŒgten Gedichten) greift Boethius eine in der SpĂ€tantike beliebte Form auf. Er verwendet 28 verschiedene VersmaĂe.[41] Die Consolatio philosophiae besteht aus 39 Prosatexten und 39 Gedichten, die abwechselnd aufeinander folgen. Das dargelegte philosophische Gedankengut stammt vor allem aus den Werken Platons, des Aristoteles und der Neuplatoniker, aber auch stoische Vorstellungen sind eingeflossen. Auf die Lehren Platons wird immer wieder zustimmend Bezug genommen. Das Werk reiht sich in die Tradition der antiken Trostliteratur ein und ist zugleich ein Protreptikos (eine zur Philosophie ermunternde Schrift).
Dargestellt wird der Heilungsprozess des in seiner Not seelisch erkrankten Gefangenen. Das Werk zerfĂ€llt in zwei HĂ€lften, wobei das berĂŒhmte, ungefĂ€hr in die Mitte gestellte neunte Gedicht des dritten Buches (Anfang: O qui perpetua) den Ăbergang und Wendepunkt bildet. Im ersten, negativen Teil wird dem Leser die Nichtigkeit der irdischen GĂŒter und die Sinnlosigkeit des Strebens nach ihnen vor Augen gestellt. Im zweiten, positiven Teil richtet sich das Augenmerk auf die Alternative zu diesen vergeblichen BemĂŒhungen: die zum Erfolg fĂŒhrende Suche nach dem einzig wahren Gut, dem Guten schlechthin. Ob der abrupt wirkende Schluss stimmig und das Werk somit als abgeschlossen zu betrachten ist, ist in der Forschung umstritten.[42] Unklar ist auch, ob die Schrift schon vor dem Abschluss des Gerichtsverfahrens oder erst nach der VerhĂ€ngung des Todesurteils entstanden ist und ob Boethius sich im Kerker oder in einem relativ komfortablen Hausarrest mit Bibliothekszugang befand.[43] Da es sich um ein literarisches Werk handelt, ist mit der Möglichkeit fiktionaler Elemente zu rechnen; die Situation des Ich-ErzĂ€hlers ist nicht notwendigerweise in jeder Hinsicht mit der des Autors identisch.[44]
Inhalt
Das erste Buch beginnt mit einem elegischen Gedicht, in dem der Autor sein trauriges Schicksal und die Treulosigkeit des GlĂŒcks beklagt; ihm ist das Leben verhasst, doch hofft er vergebens auf den erlösenden Tod. Da erscheint ihm die Philosophie als ehrwĂŒrdige Frauengestalt. Sie ĂŒbernimmt die Aufgabe, ihn durch Belehrung zu heilen. Das Werk erhĂ€lt somit den Charakter eines Dialogs zwischen dem Autor und der allegorischen Gestalt Philosophia. ZunĂ€chst vertreibt die Philosophie die Dichtermusen, denen sie vorwirft, Huren zu sein, die unfruchtbare Leidenschaften nĂ€hren und dem Philosophen ihre âsĂŒĂen Gifteâ einflöĂen. Dann wendet sie sich dem Leidenden zu. Sie erinnert ihn daran, dass seit jeher Philosophen verfolgt worden sind, wobei sie unter anderem auf das Schicksal des zum Tode verurteilten Sokrates hinweist. Der Gefangene schildert ausfĂŒhrlich, wie er durch Verleumdungen bösartiger Feinde ins UnglĂŒck gestĂŒrzt worden sei; der Senat habe ihn im Stich gelassen und die Ăffentlichkeit halte ihn nun fĂŒr schuldig, was der Gipfel seines Elends sei. Die Philosophie weist ihn zurecht. Fern von seiner Heimat sei er nicht, weil er seinen Wohnsitz eingebĂŒĂt hat und sich in Haft befindet, sondern weil er aus eigenem Antrieb sein wirkliches Vaterland (im geistigen Sinne) verlassen habe. Er habe nĂ€mlich vergessen, was er ist, und ihm fehle auch die Kenntnis des Endzwecks der Dinge und Einsicht in das Walten der Vorsehung.
Im zweiten Buch steht die Auseinandersetzung mit Fortuna, der GlĂŒcks- und Schicksalsgöttin der römischen Mythologie, im Mittelpunkt. Boethius leidet unter dem Verlust der irdischen GĂŒter, die Fortuna ihm frĂŒher reichlich geschenkt hat, nun aber verweigert. Die Philosophie erinnert ihn daran, dass er selbst sich der Herrschaft Fortunas anvertraut hat; er hat sich die treulose Göttin freiwillig als seine Gebieterin ausgesucht und muss daher nun ihre Sitten ertragen. Der ins UnglĂŒck GestĂŒrzte wird darĂŒber belehrt, dass Fortunas Verdienst gerade in ihrer beklagten UnbestĂ€ndigkeit liegt, die das einzige ZuverlĂ€ssige an ihr ist. Indem sie sich von ihren GĂŒnstlingen abwendet, bietet Fortuna ihnen die Gelegenheit zu erkennen, dass vergĂ€ngliche GĂŒter ihrer Natur nach unbefriedigend und nicht erstrebenswert sind. Damit sieht sich der Mensch auf das höchste Gut und eigentliche GlĂŒck verwiesen, das sich jenseits von Fortunas ZustĂ€ndigkeitsbereich befindet. Es ist nur in ihm selbst zu finden.
Im dritten Buch geht es um den Weg zum wahren GlĂŒck, das keine WĂŒnsche ĂŒbrig lĂ€sst und das alle eigentlich suchen, wenn auch meist auf Irrwegen. Diese Irrwege â Streben nach Reichtum, Ansehen, Macht, Ruhm und körperlichen LĂŒsten â werden nun einzeln entlarvt. Dann fĂŒhrt die Philosophie im Dialog ihren GesprĂ€chspartner zu dem Punkt, wo sich herausstellt, dass Gott als der Ursprung aller Dinge das höchste Gut (summum bonum) ist, denn nichts kann besser sein als sein Ursprung. Daher ist Gott mit der GlĂŒckseligkeit (beatitudo) zu identifizieren, die der Mensch mit Recht als höchstes Gut betrachtet und erstrebt. Es kann nur ein einziges höchstes Gut geben; GlĂŒckseligkeit erlangen heiĂt somit Gott erlangen. Durch das Erlangen (adeptio) der Gottheit wird der Mensch glĂŒcklich; âalso ist jeder GlĂŒckselige Gottâ (Omnis igitur beatus deus).[45] Dabei handelt es sich, da Gott eine Einheit ist, nicht um eine Mehrzahl von Göttern, sondern um Gottheit der glĂŒcklichen Menschen durch Teilhabe (participatio) an dem einen Gott.
Boethius und die Philosophie in einer
Inkunabel von 1485
Im vierten Buch setzen sich die beiden GesprĂ€chspartner mit der Frage der Theodizee auseinander. Boethius fragt, wie es möglich ist, dass der vollkommen gute Gott das Böse nicht nur zulĂ€sst, sondern es auch blĂŒhen und herrschen lĂ€sst, wĂ€hrend Tugend nicht nur unbelohnt bleibt, sondern sogar bestraft wird. Die Philosophie erklĂ€rt ihm, dass alle Menschen, gute und böse gleichermaĂen, das gleiche Ziel haben, denn sie streben alle nach dem Guten. Erreichen können das Ziel aber nur diejenigen, die selbst gut sind. Die Bösen hindert daran ihre eigene Schlechtigkeit, die definitionsgemÀà dem Guten entgegengesetzt ist. Daher sind ihre BemĂŒhungen notwendigerweise vergeblich; sie mĂŒssen das Ziel verfehlen und scheitern. Somit wird jedem unweigerlich das zuteil, was seiner ethischen Qualifikation entspricht. Das Gute trĂ€gt seine Belohnung allein in sich selbst, ebenso wie die Schlechtigkeit ihre eigene Strafe ist. Diese Erkenntnisse fĂŒhren zur Folgerung, dass jedes Schicksal ganz und gar gut ist.[46] AuĂerdem fehlt den Menschen die FĂ€higkeit zu umfassender Einsicht, die sie benötigen wĂŒrden, um alle Einzelheiten der Schicksalsordnung zu verstehen und kompetent beurteilen zu können, was fĂŒr sie zutrĂ€glich oder schĂ€dlich ist.
Im fĂŒnften Buch wird die Problematik des Zufalls und des VerhĂ€ltnisses zwischen göttlichem Vorauswissen und menschlicher Willensfreiheit erörtert. Dabei stellt sich heraus, dass es einen Zufall im Sinne einer Ursachlosigkeit nicht gibt; was aus menschlicher Sicht als Zufall erscheint, ist in Wirklichkeit nur eine LĂŒcke im Wissen des Menschen. Die scheinbar zufĂ€lligen Ereignisse sind Bestandteile unbekannter bzw. nicht durchschauter Ursachenreihen. Alles ist von der Vorsehung genau geordnet und vollzieht sich nach Gottes Willen. Damit stellt sich die Frage, wie ein solches Konzept mit der menschlichen Willensfreiheit vereinbar ist, auf welche die Philosophie groĂen Wert legt. Die Lösung dieses Problems besteht darin, zwar die Festlegung aller Ereignisse durch die Kausalketten, die den Plan der Vorsehung umsetzen, anzunehmen, aber die Willensakte davon auszunehmen. Somit sind die Willensakte als solche nicht determiniert, aber ihre Umsetzung in physische Ereignisse ist determiniert.[47] Ein weiteres Argument lautet, es handle sich um ein Scheinproblem, das sich daraus ergebe, dass Gottes Wissen in der Art eines menschlichen Vorauswissens aufgefasst werde; damit gerate man auf einen Irrweg, da Gottes Wissen im Gegensatz zu einem Vorauswissen ĂŒberzeitlich sei.[48]
Philosophischer und religiöser Hintergrund
In diesem philosophischen Werk, das von metaphysischen und ethischen Fragen handelt, gibt sich Boethius nirgends als Christ zu erkennen. Er erwĂ€hnt den christlichen Glauben ĂŒberhaupt nicht. Nur vereinzelte Anspielungen und manche Wörter und Redewendungen, die an den Sprachgebrauch der lateinischen Bibel erinnern, lassen erkennen, dass er in einem christlichen Milieu lebt.[49] Dies ist um so auffĂ€lliger, als der Autor hier seine eigene hoffnungslose Lage zum Ausgangs- und Angelpunkt seiner AusfĂŒhrungen macht. FĂŒr einen antiken Christen wĂ€re es unter solchen UmstĂ€nden eigentlich selbstverstĂ€ndlich, sich auf die biblische VerheiĂung zu konzentrieren. Stattdessen erörtert Boethius sein Schicksal ausschlieĂlich aus der Perspektive und in der Terminologie der antiken philosophischen Tradition. Dabei erweist er sich als AnhĂ€nger des Neuplatonismus, der in der spĂ€tantiken Philosophie dominierenden Richtung. Seine Metaphysik ist mehr neuplatonisch als christlich, was beispielsweise daraus zu ersehen ist, dass er von der Existenz einer Weltseele ausgeht. Als Platoniker ist er der Ăberzeugung, dass die Einzelseelen nicht zusammen mit ihren Leibern geschaffen wurden; sie sind nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt entstanden, sondern existieren ewig und steigen in ihre Körper hinab, was fĂŒr sie eine Gefangenschaft bedeutet. Boethius scheint sogar eine zeitliche Ewigkeit der materiellen Welt anzunehmen, die er der ĂŒberzeitlichen Ewigkeit Gottes gegenĂŒberstellt; jedenfalls lĂ€sst er die belehrende Philosophie auf entsprechende ĂuĂerungen von Platon und Aristoteles hinweisen, denen sie implizit zustimmt.[50] Seine Vorstellung eines Kosmos ohne Anfang und Ende in der Zeit ist mit dem damaligen VerstĂ€ndnis der biblischen Schöpfungsgeschichte und Eschatologie kaum vereinbar. Es steht aber auĂer Zweifel, dass Boethius Christ war, da zumindest ein Teil seiner theologischen Werke sicher echt ist und da ein Nichtchrist damals keine StaatsĂ€mter ĂŒbernehmen konnte. Im Unterschied zu den paganen Neuplatonikern trennt er nicht das Eine als oberste Gottheit vom Guten und Seienden, sondern setzt wie die christlichen Theologen und die Mittelplatoniker das Gute mit der höchsten Wirklichkeit gleich.[51]
Die mutmaĂlichen GrĂŒnde fĂŒr diese erklĂ€rungsbedĂŒrftige Einstellung des Philosophen angesichts seiner Inhaftierung und drohenden Hinrichtung werden in der Forschung seit langem intensiv diskutiert.[52] Dabei stehen zwei Deutungsmöglichkeiten zur Auswahl. Die eine besagt, dass er eine religiöse Entwicklung durchgemacht hat, wobei er sich schlieĂlich â vielleicht erst in der Gefangenschaft â dem Glauben und der Kirche innerlich entfremdete. Daher habe er in seiner letzten Lebensphase auf den Neuplatonismus zurĂŒckgegriffen, die einzige in der SpĂ€tantike noch lebendige religiös-philosophische Tradition, die eine Alternative zum Christentum bot.[53] Die andere Interpretation geht davon aus, dass er zwar weiterhin ĂŒberzeugter Christ war, aber in diesem Werk aus einem didaktischen Grund bewusst auf alle christlichen BezĂŒge verzichtete. Er habe zeigen wollen, dass man mittels rein philosophischer ErwĂ€gungen, ohne eine Glaubenslehre vorauszusetzen oder zu berĂŒcksichtigen, im Elend und angesichts des Todes zu einer Haltung gelangen kann, die mit der christlichen in den GrundzĂŒgen ĂŒbereinstimmt.
Theologie
Die fĂŒnf theologischen Traktate sind unter der Bezeichnung Opuscula sacra (âTheologische Kleinschriftenâ) bekannt. Sie behandeln Themen, die damals kirchenpolitisch aktuell waren (Streit um die Frage, wie viele Personen und Naturen in Christus vorhanden sind, sowie die Auseinandersetzung mit dem Arianismus). Ihre Echtheit wurde frĂŒher zu Unrecht bestritten; seit 1877 ist sie fĂŒr vier Traktate nachgewiesen, nur hinsichtlich De fide catholica wird sie noch gelegentlich bezweifelt.[54]
- De fide catholica (âĂber den katholischen Glaubenâ) ist wohl der Ă€lteste der theologischen Traktate; er dĂŒrfte vor 512 entstanden sein. Der gĂ€ngige Titel ist nicht authentisch, sondern neuzeitlich. Der Autor grenzt seinen Glauben von verschiedenen HĂ€resien wie Arianismus, Nestorianismus und Monophysitismus sowie vom ManichĂ€ismus ab. Das Werk war wohl als EinfĂŒhrung in die kirchliche Dogmatik fĂŒr Laien konzipiert.
- Contra Eutychen et Nestorium (âGegen Eutyches und Nestoriusâ), anscheinend der zweite Traktat, ist wohl zwischen 513 und 519 entstanden. Hier wendet sich Boethius gegen zwei berĂŒhmte Theologen: Nestorius, nach dem der Nestorianismus benannt ist, und den Monophysiten Eutyches. Er stellt die katholische Christologie als Mittelweg zwischen den beiden Extremen des Nestorianismus und des Monophysitismus dar. Bekannt ist seine hier vorgelegte Definition des Begriffs Person, wonach eine Person eine individuelle Substanz von vernunftbegabter Natur ist (naturae rationabilis individua substantia).
- Quomodo substantiae in eo quod sint bonae sint, cum non sint substantialia bona (âWie die Substanzen in dem, was sie sind, gut sind, obwohl sie keine substantialen GĂŒter sindâ), gewöhnlich mit dem nicht authentischen Kurztitel De hebdomadibus zitiert, ist wohl gegen 519 entstanden. Die darin dargelegte Theologie ist stark von neuplatonischem Gedankengut geprĂ€gt; untersucht wird die Frage der Teilhabe der guten Dinge am Guten (Gott).
- Utrum Pater et Filius et Spiritus Sanctus de divinitate substantialiter praedicentur (âOb âVaterâ, âSohnâ und âHeiliger Geistâ von der Gottheit substantial ausgesagt werdenâ) stammt aus der Zeit um 519. Die Argumentation basiert auf der des Kirchenvaters Augustinus. Die im Titel des Werks gestellte Frage wird verneint; âVaterâ, âSohnâ und âHeiliger Geistâ seien relative Aussagen ohne Auswirkung auf die Substanz.
- Quomodo Trinitas unus deus ac non tres dii (âWie die TrinitĂ€t ein Gott und nicht drei Götter istâ), gewöhnlich mit dem Kurztitel De Trinitate zitiert, ist als letztes theologisches Werk des Boethius zwischen 519 und 523 entstanden. Es ist fĂŒr Symmachus, den Schwiegervater des Autors, bestimmt. Boethius stĂŒtzt sich in erster Linie auf AusfĂŒhrungen des Augustinus.
Unechte Werke
Im Mittelalter kursierten eine Reihe von unechten Werken, die Boethius angeblich verfasst hatte oder als deren Ăbersetzer aus dem Griechischen er ausgegeben wurde. Darunter sind:
- Zwei mittelalterliche Versionen einer Abhandlung ĂŒber Geometrie (Pseudo-Boethius, Geometrie I und Geometrie II). Sie enthalten AuszĂŒge aus Euklids Elementen, die wohl aus einem verlorenen Werk des Boethius â seinem Geometrie-Lehrbuch oder seiner Euklid-Ăbersetzung â stammen.
- De disciplina scolarium, eine stark verbreitete, im 13. Jahrhundert entstandene Schrift, deren Verfasser sich als Boethius ausgibt. Behandelt werden der Unterrichtsbetrieb, die Pflichten der SchĂŒler oder Studenten und der Umgang der Lehrer mit ihnen. Im SpĂ€tmittelalter wurde nicht an der AuthentizitĂ€t gezweifelt. Erst im 15. Jahrhundert erkannte der Humanist Alexander Hegius die Unechtheit.
Rezeption
SpÀtantike und Mittelalter
Boethius mit seinem Schwiegervater Symmachus in der Handschrift
Bamberg,
Staatsbibliothek, Msc. Class. 5 (9. Jahrhundert)
Zeitgenossen wie Ennodius und Cassiodor drĂŒckten ihre hohe WertschĂ€tzung fĂŒr die Bildung des Boethius aus, Cassiodor pries seine Leistungen als Vermittler griechischer Wissenschaft an die lateinischsprachige Welt. Diese Vermittlerrolle trat im Mittelalter noch markanter hervor, da Griechischkenntnisse und griechische Originaltexte im Westen seit dem Ende der Antike fast nirgends mehr vorhanden waren. Es war das Verdienst des Boethius, einen Teil der antiken griechischen Philosophie dem lateinischen Mittelalter erhalten zu haben.
EinschÀtzung der Hinrichtung
Alle antiken Autoren, die sich zur Hinrichtung des Boethius Ă€uĂerten, auch der bedeutende oströmische Historiker Prokopios, waren von seiner Unschuld ĂŒberzeugt. Prokopios ĂŒberliefert eine Legende, der zufolge Theoderich seinen Entschluss so heftig bereute, dass diese GemĂŒtsbewegung seinen plötzlichen Tod herbeifĂŒhrte. Da Theoderich Arianer, also aus katholischer Sicht irrglĂ€ubig war, wurde Boethius im Mittelalter in manchen Kreisen als MĂ€rtyrer betrachtet; man unterstellte, er sei von dem hĂ€retischen Ostgotenkönig wegen seines Glaubens verfolgt und hingerichtet worden. Dies behauptete schon im 9. Jahrhundert der Chronist Ado von Vienne. Im Raum Pavia entstand ein Boethius-Kult.[55] Ăber die TodesumstĂ€nde wurden unterschiedliche Legenden, darunter auch Wundergeschichten, in Umlauf gesetzt.[56] Es gab sogar Darstellungen, in denen Boethius als FreiheitskĂ€mpfer beschrieben wurde, der seine Heimat mit oströmischer Hilfe von der gotischen Tyrannei befreien wollte.[57] Im 12. Jahrhundert reihte der Ă€uĂerst einflussreiche Theologe Petrus Lombardus Boethius unter die Heiligen ein.[58]
Consolatio philosophiae
Die Consolatio philosophiae war im Mittelalter auĂerordentlich stark verbreitet. Sie zĂ€hlte zur SchullektĂŒre[59] und war einer der meistkommentierten Texte des Mittelalters. Vor dem 9. Jahrhundert lĂ€sst sich ihr Einfluss nur vereinzelt nachweisen, doch im Lauf des 9. Jahrhunderts nahm das Interesse an ihr stark zu; Schriftsteller und Dichter zeigten sich nun mit dem Werk vertraut, der bedeutende Gelehrte Lupus von FerriĂšres schrieb eine Abhandlung ĂŒber die VersmaĂe der Consolatio.[60]
Auch zahlreiche Ăbersetzungen der Consolatio zeugen von dem groĂen Interesse an ihr. Es handelt sich um folgende Sprachen und Ăbersetzer:
- Deutsch: althochdeutsche Ăbersetzung des Mönchs Notker III. von St. Gallen aus dem spĂ€ten 10. oder frĂŒhen 11. Jahrhundert; fĂŒnf deutsche Ăbersetzungen aus dem Zeitraum 1400â1480.[61]
- Englisch: Es sind zwei Fassungen der altenglischen Ăbersetzung ĂŒberliefert, die Ă€ltere in Prosa und die jĂŒngere als Prosimetrum. In den Vorreden beider Fassungen wird als Ăbersetzer König Alfred der GroĂe genannt, doch wird diese Zuschreibung in der neueren Forschung bezweifelt.[62] Jedenfalls entstanden beide Fassungen im spĂ€ten 9. Jahrhundert oder in der ersten HĂ€lfte des 10. Jahrhunderts. Aus dem SpĂ€tmittelalter stammen die mittelenglischen Ăbersetzungen von Geoffrey Chaucer (14. Jahrhundert) und John Walton (in Versen, 1410).
- Französisch (altfranzösisch und mittelfranzösisch): zwölf teils anonym ĂŒberlieferte Ăbersetzungen, darunter die besonders bekannte von Jean de Meung (Li livres de confort de philosophie, spĂ€tes 13. Jahrhundert).[63]
- HebrĂ€isch: Im 15. Jahrhundert entstanden zwei hebrĂ€ische Ăbersetzungen. Eine von ihnen fertigte Samuel Benveniste 1412 an, die andere Bonafoux Bonfil Astruc 1423 in Italien.
- Italienisch: 14 teils anonym ĂŒberlieferte Ăbersetzungen, darunter die von Alberto della Piagentina (Della filosofica consolazione, 1322/1332), Grazia di Meo (Il libro di Boeçio de chonsolazione, 1343) und Giovanni da Foligno (Consolazione di Boezio, 14. Jahrhundert).[64]
- Katalanisch: zwei spĂ€tmittelalterliche Ăbersetzungen, die eine von Pere Saplana (1358/1362),[65] die andere von Pere BorrĂł (14. Jahrhundert, nicht erhalten).
- Griechisch: Der als Ăbersetzer lateinischer Literatur hervorgetretene byzantinische Gelehrte Maximos Planudes ĂŒbertrug in den neunziger Jahren des 13. Jahrhunderts die Consolatio ins Mittelgriechische. Die relativ hohe Zahl der Handschriften â 35 sind erhalten geblieben, sechs weitere sind vernichtet oder verschwunden â zeugt von der WertschĂ€tzung in der griechischsprachigen Welt des SpĂ€tmittelalters und der FrĂŒhen Neuzeit.[66]
- NiederlĂ€ndisch: zwei spĂ€tmittelalterliche mittelniederlĂ€ndische Ăbersetzungen; die eine wurde 1466 von Jacob Vilt angefertigt, die andere stammt von einem anonymen Ăbersetzer der zweiten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts und wurde zusammen mit einem umfangreichen Kommentar 1485 in Gent gedruckt. Diese berĂŒhmte Inkunabel ist als âGenter Boethius-Druckâ bekannt.
- Spanisch: mehrere anonym ĂŒberlieferte spĂ€tmittelalterliche Ăbersetzungen.
Schon in der Karolingerzeit setzte die reichhaltige mittelalterliche Auslegungsliteratur ein. Consolatio-Handschriften wurden ab dem 9. Jahrhundert mit meist anonym ĂŒberlieferten Glossen (ErlĂ€uterungen zu einzelnen Textstellen) ausgestattet, von denen manche dem Gelehrten Remigius von Auxerre zugeschrieben werden.[67] Zu den Verfassern von Kommentaren gehörten Wilhelm von Conches (12. Jahrhundert), Nikolaus Triveth (oder Trevet, um 1300), Renier von Saint-Trond (spĂ€tes 14. Jahrhundert) und Dionysius der KartĂ€user (15. Jahrhundert). Das Gedicht O qui perpetua, das in der Consolatio eine zentrale Stellung einnimmt, war oft das Thema separater Kommentare (Bovo von Corvey, Anonymus Einsidlensis, Adalbold von Utrecht u. a.; die Kommentare sind meist anonym ĂŒberliefert).[68] Die Kommentatoren pflegten die Philosophie des Boethius christlich zu interpretieren, doch wurde auch vereinzelt auf die Unvereinbarkeit eines Teils seiner Gedanken mit der damaligen Theologie hingewiesen (Bovo von Corvey).[69] Petrus von Ailly schrieb im spĂ€ten 14. Jahrhundert eine Abhandlung in Quaestionenform ĂŒber die Consolatio.
Zahlreiche Autoren lieĂen sich in formaler oder inhaltlicher Hinsicht von der Consolatio inspirieren. Besonders stark von ihr beeinflusst sind Sedulius Scottus (Liber de rectoribus Christianis, 9. Jahrhundert), Liutprand von Cremona (Antapodosis, 2. HĂ€lfte des 10. Jahrhunderts), Adelard von Bath (De eodem et diverso, frĂŒhes 12. Jahrhundert), Hildebert von Lavardin (Liber de querimonia et conflictu carnis et anime, frĂŒhes 12. Jahrhundert), Laurentius von Durham (Consolatio de morte amici, wohl 1141/1143), Alanus ab Insulis (De planctu Naturae, zweite HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts), Petrus von Compostela (De consolatione Rationis, 14. Jahrhundert) und Johannes Gerson (De consolatione theologiae, frĂŒhes 15. Jahrhundert).[70]
Dante schĂ€tzte Boethius als Verfasser der Consolatio auĂerordentlich. Im Convivio[71] schildert er, wie er sich nach dem Verlust Beatrices der LektĂŒre der Consolatio zuwandte, um Trost zu finden. In seiner Divina commedia versetzt er Boethius in den vierten Himmel unter die Vertreter der Weisheit.[72]
Die Gedichte der Consolatio wurden vertont, wie Musiknoten in einer Handschrift des 9. Jahrhunderts (Psalter Ludwigs des Deutschen) zeigen. Szenen aus der Consolatio waren hÀufige Sujets der mittelalterlichen Buchmalerei.[73] Im SpÀtmittelalter wurden zahlreiche Prachthandschriften mit kostbaren Miniaturen hergestellt.
Logik
Boethius erteilt Unterricht. Initiale der Handschrift Glasgow, University Library, Hunter 374 aus dem Jahr 1385
Von Boethius bezogen die mittelalterlichen Logiker ihr methodisches und terminologisches RĂŒstzeug; fĂŒr die lateinischsprachige Welt war die aristotelische Terminologie durch seine Ăbersetzungen dauerhaft fixiert. Zu den von ihm eingefĂŒhrten Begriffen zĂ€hlen beispielsweise âAktâ und âPotenzâ (lateinisch actus und potentia), âAkzidensâ (lateinisch accidens) und âkontingentâ (lateinisch contingens).
Vor der Karolingerzeit ist keine Kenntnis der logischen Werke des Boethius nachweisbar. Der erste mittelalterliche Autor, dem nachweislich ein Teil der Ăbersetzungen aus dem Griechischen zur VerfĂŒgung stand, war Alkuin; er verwendete die Ăbersetzungen der Isagoge und von De interpretatione. Im spĂ€ten 10. Jahrhundert studierte der Gelehrte Gerbert von Aurillac, der sich als Papst Silvester II. nannte, Ăbersetzungen, Kommentare und Abhandlungen des Boethius auf dem Gebiet der Logik, und Abbo von Fleury schrieb eine Abhandlung ĂŒber Syllogismen, in der er von Boethiusâ Darstellung ausging. Nach der Jahrtausendwende nahm die Verbreitung des damals schon bekannten Teils der logischen Werke des Boethius zu. Bis ins 12. Jahrhundert war die Logik des Aristoteles, die im Organon, der Gruppe seiner logischen Schriften, dargelegt ist, der lateinischsprachigen Welt nur teilweise und nur durch Boethius bekannt. Vorhanden waren Boethiusâ Ăbersetzungen der Kategorien sowie von De interpretatione und der Isagoge des Porphyrios sowie seine Kommentare zu diesen drei Werken. Sie bildeten ein Corpus, das spĂ€ter, nachdem im 12. Jahrhundert weitere Texte bekannt geworden waren, den Namen Logica vetus (âAlte Logikâ) erhielt.
Notker III. von St. Gallen ĂŒbertrug im spĂ€ten 10. oder frĂŒhen 11. Jahrhundert Boethiusâ Ăbersetzungen der Kategorien und der Schrift De interpretatione ins Althochdeutsche.
Im 12. Jahrhundert wurden Boethiusâ Ăbersetzungen der Topik, der Sophistici elenchi und der Analytica priora bekannt. Man nannte diese neu entdeckten Werke des Aristoteles, zu denen noch die Analytica posteriora hinzukamen, Logica nova (âNeue Logikâ).
Der berĂŒhmte Philosoph und Theologe Petrus Abaelardus hielt Boethius fĂŒr den bedeutendsten römischen Philosophen.[74] Er schrieb einen Kommentar zu De topicis differentiis. Noch im 13. Jahrhundert wurde die Topik von dem maĂgeblichen Lehrbuchautor Petrus Hispanus auf der Grundlage von De topicis differentiis erörtert. Auch im 14. Jahrhundert waren die logischen Schriften des Boethius noch aktuell; Wilhelm von Ockham zitierte sie oft und bei Albert von Sachsen ist ihr Einfluss deutlich erkennbar.[75]
Im Byzantinischen Reich ĂŒbertrug im 13. Jahrhundert der Gelehrte Manuel (Maximos) Holobolos die Abhandlung De topicis differentiis ins Griechische und stattete seine Ăbersetzung mit Scholien aus. Eine weitere griechische Ăbersetzung fertigte im 14. Jahrhundert Prochoros Kydones an. Ob eine byzantinische Abhandlung ĂŒber dieses Werk von dem Gelehrten Georgios Pachymeres (13. Jahrhundert) stammt, dem sie zugeschrieben wird, ist zweifelhaft.[76] Eine byzantinische Ăbersetzung von De hypotheticis syllogismis ist in zwei Handschriften ĂŒberliefert; sie ist wohl Manuel (Maximos) Holobolos zuzuschreiben.
Quadrivium
De institutione musica war eines der wichtigsten LehrbĂŒcher der Musiktheorie. Die Rezeption setzte im 9. Jahrhundert ein. Das Werk des Boethius trug maĂgeblich dazu bei, dass die griechische Musiktheorie â insbesondere pythagoreisches Gedankengut â die mittelalterliche Musikauffassung prĂ€gte. Die Handschriften des Lehrbuchs wurden schon im 9. Jahrhundert glossiert (mit ErlĂ€uterungen in Form von Glossen ausgestattet). Dieser rezeptionsgeschichtlich wichtige anonyme Glossenkommentar ist als Glossa maior bekannt. Er wurde im Lauf der Jahrhunderte oft ĂŒberarbeitet. Daneben gab es noch andere, eigenstĂ€ndige Glossierungen. Im 14. Jahrhundert entstand der umfangreiche âOxforder Kommentarâ zu De institutione musica, der offenbar im Lehrbetrieb der UniversitĂ€t Oxford verwendet wurde.[77] Der praxisorientierte Autor Guido von Arezzo (11. Jahrhundert) wies allerdings darauf hin, dass das Buch des Boethius wegen seines spekulativen Charakters ânicht fĂŒr SĂ€nger, sondern nur fĂŒr Philosophen nĂŒtzlich istâ.[78]
De institutione arithmetica war im Mittelalter ein grundlegendes Lehrbuch der Arithmetik, von dessen verbreiteter Verwendung die 188 ganz oder teilweise erhaltenen Handschriften sowie zahlreiche Kommentare und einfĂŒhrende Schriften zeugen.[79]
Theologie
Das Verfahren des Boethius, christliche Dogmen mit den Methoden des Aristoteles philosophisch zu deuten, diente der scholastischen Theologie des Mittelalters als Modell. Seine Definition des Begriffs âPersonâ wurde im Mittelalter oft zitiert.
Die Schrift ĂŒber die Dreifaltigkeit wurde schon von Theologen des 9. Jahrhunderts wie Hinkmar von Reims und Paschasius Radbertus herangezogen; Paschasius verwendete auch die Abhandlung ĂŒber die Substanzen, Ratramnus von Corbie setzte sich eingehend mit der Schrift gegen Nestorius und Eutyches auseinander, Gottschalk von Orbais zitierte ausfĂŒhrlich die Abhandlungen gegen Nestorius und Eutyches und Utrum Pater. Aus der Karolingerzeit stammen Glossen zu den Opuscula sacra, die wohl Remigius von Auxerre verfasst bzw. zusammengestellt hat. Im 12. Jahrhundert kommentierte Gilbert von Poitiers vier Opuscula sacra. Besonders in der Schule des Philosophen Thierry von Chartres war das Interesse an Boethiusâ theologischen Werken groĂ. Thierrys SchĂŒler Clarembald von Arras schrieb Kommentare zu den Schriften ĂŒber die Dreifaltigkeit und ĂŒber die Substanzen. Diese beiden Schriften kommentierte spĂ€ter auch Thomas von Aquin, der Boethius als bedeutende AutoritĂ€t betrachtete.
FrĂŒhe Neuzeit
Humanisten der FrĂŒhrenaissance (Francesco Petrarca, Giovanni Boccaccio, Coluccio Salutati) fanden die negative Beurteilung der Dichtermusen im ersten Buch der Consolatio problematisch; sie argumentierten, diese aus humanistischer Sicht anstöĂig wirkende Kritik beziehe sich nicht auf die gesamte Dichtkunst.[80] Lorenzo Valla fĂ€llte ein zwiespĂ€ltiges Urteil ĂŒber Boethius. Er hielt ihn fĂŒr den letzten Gelehrten der Antike und bewunderte seine Bildung und seinen FleiĂ. Andererseits bemĂ€ngelte er mancherlei in den Werken des spĂ€tantiken Philosophen. Vor allem kritisierte er ihn wegen der unklassischen Sprache seiner logischen Schriften; er habe sich so dem Griechischen angepasst, dass ihm das GefĂŒhl fĂŒr seine eigene Muttersprache abhandengekommen sei, und seine sprachlichen UnzulĂ€nglichkeiten hĂ€tten auch inhaltliche Konsequenzen.[81] Unter den Humanisten waren aber auch begeisterte Verehrer des Boethius wie Julius Caesar Scaliger[82] und Angelo Poliziano, der fragte: Wer ist scharfsinniger in der Dialektik als Boethius oder detailgenauer in der Mathematik oder reicher in der Philosophie oder erhabener in der Theologie?[83]
Die Consolatio gehörte in Italien im 15. Jahrhundert weiterhin zum Kernbestand der SchullektĂŒre.[84] Schon 1471 erschien der Erstdruck; 1473 brachte Anton Koberger in NĂŒrnberg die erste Ausgabe mit deutscher Ăbersetzung heraus, der Dutzende von weiteren Inkunabeln folgten. 1498 veröffentlichte der Humanist Jodocus Badius einen fĂŒr den Schulbetrieb bestimmten Kommentar zur Consolatio, in dem er nicht wie bisher ĂŒblich die Philosophie, sondern philologische Aspekte in den Vordergrund stellte.
Die Erstausgabe von De topicis differentiis sowie des Kommentars zu Ciceros Topica erschien 1484 in Rom,[85] De institutione arithmetica wurde erstmals 1488 in Augsburg gedruckt. 1491â92 wurde in Venedig die erste Gesamtausgabe veröffentlicht; sie enthielt auch unechte Werke.
Königin Elisabeth I. von England ĂŒbersetzte die Consolatio philosophiae 1593 ins Englische.[86]
Im 18. Jahrhundert prĂ€gte Edward Gibbon das spĂ€ter populĂ€re Schlagwort von Boethius als âletztem Römerâ, womit er meinte: der letzte, den Cicero und Cato als Landsmann betrachtet hĂ€tten.[87]
Moderne
EinschÀtzung der kulturellen und wissenschaftlichen Leistungen
Im 19. Jahrhundert fĂ€llte der einflussreiche Philosophiehistoriker Carl von Prantl ein vernichtendes Urteil ĂŒber Boethiusâ Leistung auf dem Gebiet der Logik; er sei zusammen mit Martianus Capella und Cassiodor âdie hauptsĂ€chliche BrĂŒcke zu dem Unverstande der mittelalterlichen Logikâ, seine Darstellung zeige âdie widerlichste Breite und GeschwĂ€tzigkeitâ, denn sie sei âausdrĂŒcklich darauf berechnet (âŠ), selbst den dĂŒmmsten Köpfen eine gewisse Anzahl von Regeln einzublĂ€uenâ.[88]
Die Frage, inwieweit Boethius ein eigenstĂ€ndiger Philosoph und nicht nur ein ĂŒbersetzender und Handbuchwissen zusammenstellender Vermittler Ă€lteren Gedankenguts ist, wird in der Forschung kontrovers diskutiert. FĂŒr seine OriginalitĂ€t plĂ€diert insbesondere John Marenbon.[89] Hinsichtlich der Logik bestreiten Jonathan Barnes und James Shiel eine philosophische Eigenleistung.[90]
Im 19. und 20. Jahrhundert wurde Gibbons Schlagwort vom âletzten Römerâ Boethius aufgegriffen. Zur BegrĂŒndung hieĂ es, er habe als letzter die seit Ciceros Zeit als typisch römisch betrachteten politischen Tugenden in sich vereint und mit seinem Werk das VermĂ€chtnis der Antike dem Mittelalter ĂŒbergeben. In diesem Sinne setzte Franz Brunhölzl zwischen Boethius als traditionsbewusstem letztem antikem Römer und Cassiodor als erstem mittelalterlichem Schriftsteller die Epochengrenze zwischen SpĂ€tantike und FrĂŒhmittelalter.[91]
Mitunter wird Boethius als âerster Scholastikerâ bezeichnet, da seine logischen Schriften fĂŒr die mittelalterliche Logik und ihre Terminologie wegweisend waren und weil er die Logik auf theologische Fragen anwendet. Diese Bezeichnung ist allerdings problematisch und irrefĂŒhrend, denn die Scholastik ist erst im Hochmittelalter entstanden.
EinschÀtzung des Gerichtsverfahrens
Die seit dem Mittelalter verbreitete Sichtweise kirchlicher Kreise, wonach Boethius als Katholik von einem arianischen Herrscher verfolgt wurde und somit als MĂ€rtyrer fĂŒr seinen Glauben litt, hat auch in der Moderne nachgewirkt. Seine traditionelle lokale Verehrung als Seliger in der Diözese Pavia wurde von Papst Leo XIII. 1883 bestĂ€tigt. Der Papst legte den 23. Oktober, den angeblichen Todestag, als seinen Gedenktag fest. Erst 1931 zeigte Giovanni B. Picotti in einer Untersuchung des Prozesses, dass es sich um ein rein politisch motiviertes Verfahren und sicher nicht um religiöse Verfolgung handelte.[92]
In der Forschung werden unterschiedliche Hypothesen zur EinschĂ€tzung des Gerichtsverfahrens und der Rolle und Motivation Theoderichs diskutiert. Die Aussagen der Quellen sind eindeutig: Boethius beteuert seine völlige Unschuld, und die antiken Autoren, die sich dazu Ă€uĂern, teilen einhellig diese Auffassung. Auch in der modernen Forschung besteht weitgehend Konsens darĂŒber, dass es eine Verschwörung zur Beseitigung der Ostgotenherrschaft in Italien nicht gegeben hat. Die Verratsbeschuldigung, die zur Hinrichtung fĂŒhrte, wird von den weitaus meisten Historikern als unbegrĂŒndet betrachtet.[93] Nur vereinzelt ist vermutet worden, dass Boethius auf den Sturz Theoderichs hingearbeitet hat.[94] Tatsache ist aber auch, dass sich Boethius durch seine demonstrative, pauschale öffentliche Solidarisierung mit Albinus vorbehaltlos mit dessen suspektem Verhalten identifizierte, womit er sich den Verdacht mangelnder LoyalitĂ€t zuzog. In der Forschungsliteratur wird betont, dass er sich in der Krise ungeschickt verhielt. Indem er vor dem König schroff und provozierend auftrat, lieĂ er es auf eine aussichtslose Machtprobe ankommen. Daraus ist seine Verkennung der Lage ersichtlich. Daher und auch aufgrund anderer Indizien wird er von manchen Historikern als politisch unbegabter Gelehrter eingeschĂ€tzt.[95] Kritische Beurteilungen seiner Rolle werden vor allem von Historikern vorgetragen, wĂ€hrend bei Forschern, welche die VorgĂ€nge aus philologischer oder philosophiegeschichtlicher Perspektive betrachten, eher die Neigung verbreitet ist, Boethiusâ SelbsteinschĂ€tzung Glauben zu schenken.[96]
Hinsichtlich der juristischen Aspekte fĂ€llt auf, dass dem Angeklagten ein Verfahren vor dem eigentlich zustĂ€ndigen Königsgericht verweigert wurde und dass die Gerichtsverhandlung in seiner Abwesenheit gefĂŒhrt wurde. Somit erhielt er keine Gelegenheit, sich zu den Ermittlungsergebnissen zu Ă€uĂern und sich zu verteidigen; eine GegenĂŒberstellung von Zeugen und Angeklagtem fand nicht statt. Diese Vorgehensweise lĂ€sst das Verfahren als politisch motivierte WillkĂŒrjustiz erscheinen.[97]
Dass Theoderich der Ăberzeugung war, er mĂŒsse sich gegen eine reale Bedrohung seiner Herrschaft zur Wehr setzen und verrĂ€terisch gesinnte KrĂ€fte durch HĂ€rte abschrecken, billigen ihm moderne Beurteiler zu.[98] Die Vollstreckung des Todesurteils wird aber als schwerer politischer Fehler eingeschĂ€tzt.[99] EinschrĂ€nkend weist Andreas Goltz allerdings darauf hin, dass die Nachwelt unter dem Eindruck der seit dem Mittelalter intensiven Boethius-Rezeption die Wirkung der Hinrichtung auf die Zeitgenossen ĂŒberschĂ€tze und dabei zu wenig beachte, dass Boethius in den italischen Eliten sehr umstritten war.[100]
Siehe auch
Textausgaben und Ăbersetzungen
Sammlungen
- Claudio Moreschini (Hrsg.): Boethius: De consolatione philosophiae, opuscula theologica. 2. Auflage, Saur, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-598-71278-2 (kritische Ausgabe der Consolatio philosophiae und der fĂŒnf theologischen Abhandlungen).
- Gottfried Friedlein (Hrsg.): Anicii Manlii Torquati Severini Boetii de institutione arithmetica libri duo, de institutione musica libri quinque. Minerva, Frankfurt am Main 1966 (Nachdruck der Ausgabe Leipzig 1867; fĂŒr De institutione musica noch zu verwenden, fĂŒr De institutione arithmetica ĂŒberholt).
- Hans-Ulrich Wöhler: Texte zum Universalienstreit. Band 1: Vom Ausgang der Antike bis zur FrĂŒhscholastik. Akademie Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-05-001792-9 (enthĂ€lt TeilĂŒbersetzungen von sechs logischen und theologischen Werken des Boethius).
Consolatio philosophiae
- Ludwig Bieler (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii Philosophiae Consolatio. 2. Auflage, Brepols, Turnhout 1984, ISBN 978-2-503-00941-4 (Corpus Christianorum. Series Latina. Band 94) (kritische Ausgabe).
- Ernst Gegenschatz, Olof Gigon (Hrsg.): Boethius: Trost der Philosophie. Consolatio philosophiae. 6. Auflage, Artemis & Winkler, DĂŒsseldorf u. a. 2002, ISBN 3-7608-1662-2 (unkritische Ausgabe mit deutscher Ăbersetzung)
- Ernst Neitzke (Hrsg.): Boethius: Trost der Philosophie. Insel Verlag, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-458-32915-3 (unkritische Ausgabe mit deutscher Ăbersetzung).
Althochdeutsche Ăbersetzung
- Evelyn Scherabon Firchow (Hrsg.): Notker der Deutsche von St. Gallen: Lateinischer Text und althochdeutsche Ăbersetzung der Tröstung der Philosophie (De consolatione Philosophiae) von Anicius Manlius Severinus Boethius. 3 BĂ€nde, Olms, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11811-4.
Mittelalterliche englische Ăbersetzungen
- Malcolm Godden, Susan Irvine (Hrsg.): The Old English Boethius. An Edition of the Old English Versions of Boethius's De Consolatione Philosophiae. 2 BĂ€nde, Oxford University Press, Oxford 2009, ISBN 978-0-19-925966-3.
- Tim William Machan (Hrsg.): Chaucer's Boece. A Critical Edition Based on Cambridge University Library, MS Ii.3.21, ff. 9râ180v. Winter, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8253-5432-9.
Mittelalterliche französische Ăbersetzungen
- Isabelle Bétemps u. a. (Hrsg.): La Consolation de la Philosophie de BoÚce dans une traduction attribuée à Jean de Meun d'aprÚs le manuscrit Leber 817 de la BibliothÚque Municipale de Rouen. Université de Rouen, Rouen 2004, ISBN 2-87775-380-8.
- Glynnis M. Cropp (Hrsg.): Le Livre de Boece de Consolacion. Droz, Genf 2006, ISBN 2-600-01028-9 (kritische Ausgabe).
- Rolf Schroth (Hrsg.): Eine altfranzösische Ăbersetzung der consolatio philosophiae des Boethius (Handschrift Troyes Nr. 898). Edition und Kommentar. Peter Lang, Frankfurt am Main 1976, ISBN 3-261-01845-3.
Mittelalterliche griechische Ăbersetzung
- Manolis Papathomopoulos (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii De consolatione philosophiae. Traduction grecque de Maxime Planude. The Academy of Athens, Athen 1999, ISBN 2-7116-8333-8 (kritische Ausgabe).
Mittelalterliche hebrĂ€ische Ăbersetzung
- Sergio Joseph Sierra (Hrsg.): Boezio: De Consolatione Philosophiae. Traduzione ebraica di ÊżAzaria ben R. Joseph Ibn Abba Mari detto Bonafoux Bonfil Astruc 5183â1423. Turin u. a. 1967.
Mittelalterliche italienische Ăbersetzung
- Helmuth-Wilhelm Heinz (Hrsg.): Grazia di Meo, Il libro di Boeçio de chonsolazione (1343). Peter Lang, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-8204-7325-4.
Logik
Ăbersetzungen des Boethius
- Lorenzo Minio-Paluello (Hrsg.): Aristoteles Latinus. Band I 1â5: Categoriae vel praedicamenta. DesclĂ©e de Brouwer, BrĂŒgge u. a. 1961 (enthĂ€lt die Kategorien-Ăbersetzung des Boethius).
- Lorenzo Minio-Paluello (Hrsg.): Aristoteles Latinus. Band I 6â7: Categoriarum supplementa: Porphyrii isagoge, translatio Boethii, et anonymi fragmentum vulgo vocatum âLiber sex principiorumâ. DesclĂ©e de Brouwer, BrĂŒgge u. a. 1966 (enthĂ€lt die Isagoge-Ăbersetzung des Boethius).
- Lorenzo Minio-Paluello (Hrsg.): Aristoteles Latinus. Band II 1â2: De interpretatione vel periermenias: translatio Boethii, specimina translationum recentiorum. DesclĂ©e de Brouwer, BrĂŒgge und Paris 1965 (enthĂ€lt Boethiusâ Ăbersetzung von De interpretatione).
- Lorenzo Minio-Paluello (Hrsg.): Aristoteles Latinus. Band III 1â4: Analytica priora: translatio Boethii (recensiones duae), translatio anonyma, Pseudo-Philoponi aliorumque scholia, specimina translationum recentiorum. DesclĂ©e de Brouwer, BrĂŒgge u. a. 1962 (enthĂ€lt S. 1â191 die beiden Fassungen von Boethiusâ Ăbersetzung der Analytica priora; auch die S. 293â372 edierten Scholien stammen von Boethius).
- Lorenzo Minio-Paluello (Hrsg.): Aristoteles Latinus. Band V 1â3: Topica: translatio Boethii, fragmentum recensionis alterius, et translatio anonyma. Brill, Leiden 1969 (enthĂ€lt Boethiusâ Ăbersetzung der Topik).
- Bernard G. Dod (Hrsg.): Aristoteles Latinus. Band VI 1â3: De sophisticis elenchis: translatio Boethii, fragmenta translationis Iacobi, et recensio Guillelmi de Moerbeke. Brill, Leiden 1975 (enthĂ€lt Boethiusâ Ăbersetzung der Sophistici elenchi).
Kommentare
- Samuel Brandt (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii in isagogen Porphyrii commenta. Johnson Reprint Corporation, New York 1966 (Nachdruck der Ausgabe Wien 1906; kritische Edition beider Isagoge-Kommentare).
- Karl Meiser (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii commentarii in librum Aristotelis Î ÎÎĄÎ ÎÎĄÎÎÎÎÎÎÎŁ. Teile 1 und 2, Teubner, Leipzig 1877â1880 (Nachdruck Garland Publishing, New York 1987, ISBN 0-8240-6904-8; kritische Ausgabe beider Kommentare zu De interpretatione).
- David Blank, Norman Kretzmann (Hrsg.): Ammonius: On Aristotle On Interpretation 9, with Boethius: On Aristotle On Interpretation 9, first and second commentaries. Duckworth, London 1998, ISBN 0-7156-2691-4 (enthĂ€lt S. 129â191 eine englische Ăbersetzung von AuszĂŒgen der beiden Kommentare zu De interpretatione ĂŒber den logischen Determinismus).
- Jacques Paul Migne (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boetii in categorias Aristotelis libri quatuor. In: Patrologia Latina. Band 64, Paris 1891, Sp. 159â294 (unkritische Ausgabe).
- Pierre Hadot (Hrsg.): Un fragment du commentaire perdu de BoĂšce sur les CatĂ©gories d'Aristote dans le Codex Bernensis 363. In: Archives d'Histoire Doctrinale et LittĂ©raire du Moyen Age. Bd. 26 (= annĂ©e 34), 1959, ISSN 0373-5478, S. 11â27 (kritische Ausgabe des Kommentarfragments S. 12â14).
- Johann Caspar von Orelli, Johann Georg Baiter (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii commentarii in Ciceronis topica. In: Johann Caspar von Orelli, Johann Georg Baiter (Hrsg.): M. Tullii Ciceronis opera quae supersunt omnia ac deperditorum fragmenta. Bd. 5, Teil 1: M. Tullii Ciceronis scholiastae. Orell FĂŒssli, ZĂŒrich 1833, S. 269â395 (noch heute maĂgebliche kritische Ausgabe des Kommentars zu Ciceros Topica).
- Jacques Paul Migne (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boetii in topica Ciceronis commentariorum libri sex. In: Patrologia Latina. Band 64, Paris 1891, Sp. 1039â1174 (unkritische Ausgabe).
- Alfredo Severiano Quevedo Perdomo (Hrsg.): A Critical Edition of Boethius' Commentary on Ciceroâs Topica, Book I. Dissertation Saint Louis 1963.
- Eleonore Stump: Boethius's In Ciceronis Topica. Cornell University Press, Ithaca und London 1988, ISBN 0-8014-2017-2 (englische Ăbersetzung).
Lehrschriften
- John Magee (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii De divisione liber. Brill, Leiden 1998, ISBN 90-04-10873-4 (kritische Edition mit englischer Ăbersetzung und Kommentar).
- Dimitrios Z. Nikitas (Hrsg.): Boethius' De topicis differentiis und die byzantinische Rezeption dieses Werkes. The Academy of Athens, Athen 1990, ISBN 2-7116-9701-0 (kritische Edition von Boethius' De topicis differentiis und zweier byzantinischer Ăbersetzungen dieses Werks).
- Luca Obertello (Hrsg.): A. M. Severino Boezio: De hypotheticis syllogismis. Paideia, Brescia 1969 (kritische Ausgabe mit EinfĂŒhrung, Kommentar und italienischer Ăbersetzung)
- Eleonore Stump: Boethiusâs De topicis differentiis. Cornell University Press, Ithaca u. a. 1978, ISBN 0-8014-1067-3 (englische Ăbersetzung).
- Christina Thomsen Thörnqvist (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii De syllogismo categorico. Acta Universitatis Gothoburgensis, Gothenburg 2008, ISBN 978-91-7346-611-0 (kritische Ausgabe mit englischer Ăbersetzung).
- Christina Thomsen Thörnqvist (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii Introductio ad syllogismos categoricos. Acta Universitatis Gothoburgensis, Gothenburg 2008, ISBN 978-91-7346-612-7 (kritische Ausgabe mit Kommentar).
Mittelalterliche Ăbersetzungen
- James C. King (Hrsg.): Notker der Deutsche: Boethiusâ Bearbeitung der âCategoriaeâ des Aristoteles. Niemeyer, TĂŒbingen 1972, ISBN 3-484-20057-X.
- James C. King (Hrsg.): Notker der Deutsche: Boethiusâ Bearbeitung von Aristotelesâ Schrift âDe Interpretationeâ. Niemeyer, TĂŒbingen 1975, ISBN 3-484-20089-8.
- Dimitrios Z. Nikitas (Hrsg.): Eine byzantinische Ăbersetzung von Boethiusâ âDe hypotheticis syllogismisâ. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 3-525-25165-3 (kritische Ausgabe).
Musiktheorie
- Calvin M. Bower, Claude V. Palisca: Anicius Manlius Severinus Boethius: Fundamentals of Music. Yale University Press, New Haven 1989, ISBN 0-300-03943-3 (englische Ăbersetzung von De institutione musica).
- Christian Meyer (Hrsg.): BoĂšce: TraitĂ© de la musique. Brepols, Turnhout 2004, ISBN 2-503-51741-2 (unkritische Ausgabe von De institutione musica mit französischer Ăbersetzung).
Mathematik
- Henri Oosthout, Jean Schilling (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii De arithmetica. Brepols, Turnhout 1999, ISBN 2-503-00943-3 (kritische Ausgabe).
- Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): BoĂšce: Institution ArithmĂ©tique. Les Belles Lettres, Paris 1995, ISBN 2-251-01390-3 (kritische Ausgabe mit französischer Ăbersetzung).
- Michael Masi: Boethian Number Theory. A translation of the De Institutione Arithmetica. Rodopi, Amsterdam 1983, ISBN 90-6203-785-2.
- Menso Folkerts (Hrsg.): âBoethiusâ Geometrie II. Ein mathematisches Lehrbuch des Mittelalters. Franz Steiner Verlag, Wiesbaden 1970, S. 69â82, 173â217 (lateinische AuszĂŒge aus Euklids Elementen, die vermutlich aus einem verlorenen Werk des Boethius stammen).
Theologie
- Michael ElsĂ€sser (Hrsg.): Anicius Manlius Severinus Boethius: Die Theologischen Traktate. Meiner, Hamburg 1988, ISBN 3-7873-0724-9 (unkritische Ausgabe mit deutscher Ăbersetzung).
Literatur und Hilfsmittel
Gesamtdarstellungen und Aufsatzsammlungen
- Henry Chadwick: Boethius: The Consolations of Music, Logic, Theology, and Philosophy. Clarendon Press, Oxford 1981, ISBN 0-19-826447-X.
- Manfred Fuhrmann, Joachim Gruber (Hrsg.): Boethius. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1984, ISBN 3-534-07059-3 (Aufsatzsammlung zu Biographie, Werk und Rezeption).
- Alain Galonnier (Hrsg.): BoĂšce ou la chaĂźne des savoirs. Peeters, Louvain-la-Neuve 2003, ISBN 90-429-1250-2 (umfangreiche Aufsatzsammlung zu Biographie, Werk und Rezeption)
- John Marenbon: Boethius. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-513407-9 (Rezension von Jeffrey Hause online).
- Luca Obertello: Severino Boezio. 2 BĂ€nde, Accademia Ligure di Scienze e Lettere, Genova 1974 (der zweite Band ist eine umfangreiche Bibliographie mit knappen Inhaltszusammenfassungen).
Consolatio philosophiae
- Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2., erweiterte Auflage, de Gruyter, Berlin und New York 2006, ISBN 978-3-11-017740-4.
- Helga Scheible: Die Gedichte in der Consolatio Philosophiae des Boethius. Winter, Heidelberg 1972, ISBN 3-533-02246-3
Logik
- Karel Berka: Die Aussagenlogik bei Boethius. In: Philologus. Bd. 126, 1982, S. 90â98.
- John Marenbon (Hrsg.): The Cambridge Companion to Boethius. Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-69425-4, S. 34â104 (drei AufsĂ€tze ĂŒber die logischen Werke des Boethius).
Musiktheorie
- Anja Heilmann: Boethiusâ Musiktheorie und das Quadrivium. Eine EinfĂŒhrung in den neuplatonischen Hintergrund von âDe institutione musicaâ. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-25268-0 (behandelt auch eingehend Boethiusâ MathematikverstĂ€ndnis).
Mathematik
- Wolfgang Bernard: Zur BegrĂŒndung der mathematischen Wissenschaften bei Boethius. In: Antike und Abendland. Bd. 43, 1997, S. 63â89.
- Detlef Illmer: Die Zahlenlehre des Boethius. In: Frieder Zaminer (Hrsg.): Geschichte der Musiktheorie. Band 3: Rezeption des antiken Fachs im Mittelalter. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1990, ISBN 3-534-01203-8, S. 219â252.
Rezeption
- Pierre Courcelle: La Consolation de Philosophie dans la tradition littĂ©raire. AntĂ©cĂ©dents et PostĂ©ritĂ© de BoĂšce. Ătudes Augustiniennes, Paris 1967
- Maarten J.F.M. Hoenen, Lodi Nauta (Hrsg.): Boethius in the Middle Ages. Latin and vernacular traditions of the Consolatio philosophiae. Brill, Leiden 1997, ISBN 90-04-10831-9.
- Reinhold F. Glei, Nicola Kaminski, Franz Lebsanft (Hrsg.): Boethius Christianus? Transformationen der Consolatio Philosophiae in Mittelalter und FrĂŒher Neuzeit. De Gruyter, Berlin 2010, ISBN 978-3-11-021415-4.
Konkordanzen
- Lane Cooper: A Concordance of Boethius. The Five Theological Tractates and the Consolation of Philosophy. The Medieval Academy of America, Cambridge (Massachusetts) 1928.
- Michael Bernhard: Wortkonkordanz zu Anicius Manlius Severinus Boethius, De institutione musica. Beck, MĂŒnchen 1979, ISBN 3-7696-9994-7.
Weblinks
Textausgaben und Ăbersetzungen
Literatur
Anmerkungen
- â Boethius, Zweiter Kommentar zu De interpretatione, S. 79,9 â 80,1 Meiser.
- â Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 307â383, hier: 327f.; Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2. Auflage, Berlin 2006, S. 3 und Anm. 17. Die abweichende Datierung stammt von Luca Obertello: Severino Boezio. Bd. 1, Genova 1974, S. 17â20; ihm stimmt John Marenbon: Boethius. Oxford 2003, S. 7 zu.
- â Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 328.
- â Pierre Courcelle: Les lettres grecques en Occident. Paris 1948, S. 259â300; vgl. Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 341 und 358; Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2. Auflage, Berlin 2006, S. 3 f.; Cornelia J. de Vogel: Boethiana I. In: Vivarium 9, 1971, S. 49â66 (plĂ€diert fĂŒr Ausbildung zuerst in Athen, dann in Alexandria); Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): BoĂšce: Institution ArithmĂ©tique. Paris 1995, S. XXIIâXXV; Eleonore Stump: Boethiusâs In Ciceronis Topica. Ithaca 1988, S. 1 f.
- â Beat NĂ€f: Senatorisches Standesbewusstsein in spĂ€trömischer Zeit. Freiburg (Schweiz) 1995, S. 225â229; Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2. Auflage, Berlin 2006, S. 11 f.
- â Zur staatsrechtlichen Stellung Theoderichs gegenĂŒber dem Kaiser siehe Dietrich Claude: Universale und partikulare ZĂŒge in der Politik Theoderichs. In: Francia 6, 1978, S. 19â58, hier: 42â58 (Digitalisat).
- â Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): BoĂšce: Institution ArithmĂ©tique. Paris 1995, S. XI f.; Henry Chadwick: Boethius: The Consolations of Music, Logic, Theology, and Philosophy. Oxford 1981, S. 45 f.; vgl. Charles Henry Coster: Late Roman Studies. Cambridge (Massachusetts) 1968, S. 47.
- â Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 137; Dorothee Kohlhas-MĂŒller: Untersuchungen zur Rechtsstellung Theoderichs des GroĂen. Frankfurt a. M. 1995, S. 301.
- â Dorothee Kohlhas-MĂŒller: Untersuchungen zur Rechtsstellung Theoderichs des GroĂen. Frankfurt a. M. 1995, S. 270â272 und 301.
- â John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 129â135. Moorhead hĂ€lt es fĂŒr wahrscheinlich, dass auch Boethius selbst auf der Seite des Laurentius stand.
- â Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 107, 111 f. und 130 f.; Dorothee Kohlhas-MĂŒller: Untersuchungen zur Rechtsstellung Theoderichs des GroĂen. Frankfurt a. M. 1995, S. 282â286 und 302; John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 198â200.
- â Wilhelm EnĂlin: Theoderich der GroĂe. 2. Auflage, MĂŒnchen 1959, S. 304; Johannes Sundwall: Abhandlungen zur Geschichte des ausgehenden Römertums. Helsingfors 1919, S. 237 f.; Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2. Auflage, Berlin 2006, S. 11.
- â Zu Boethiusâ Gegnern siehe John Moorhead: Boethius and Romans in Ostrogothic Service. In: Historia 27, 1978, S. 604â612, hier: 609â612; John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 226â235; Thomas S. Burns: A History of the Ostrogoths. Bloomington 1984, S. 104 f.; Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 241â243, 247â250 und 255 f.
- â Die Ăberlieferung, wonach es ein Afrikaner namens Severus war, gilt heute nicht mehr als glaubwĂŒrdig, siehe John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 219 f. und Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 243 Anm. 19.
- â Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 133; Wilhelm EnĂlin: Theoderich der GroĂe. 2. Auflage, MĂŒnchen 1959, S. 308 f.; Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann. Das Bild Theoderichs des GroĂen in der Ăberlieferung des 5. bis 9. Jahrhunderts. Berlin 2008, S. 167 f. und 356 f.
- â Zu den Einzelheiten siehe Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 244â246. SchĂ€fer nimmt einen Vertuschungsversuch an, den er als grobe Verletzung der Dienstpflicht bewertet; ebenso Johannes Sundwall: Abhandlungen zur Geschichte des ausgehenden Römertums. Helsingfors 1919, S. 243â245 und Charles Henry Coster: Late Roman Studies. Cambridge (Massachusetts) 1968, S. 99. Anderer Meinung sind Hermann TrĂ€nkle: Philologische Bemerkungen zum BoethiusprozeĂ. In: Manfred Fuhrmann, Joachim Gruber (Hrsg.): Boethius. Darmstadt 1984, S. 52â63, hier: 56â59 und Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2. Auflage, Berlin 2006, S. 12.
- â Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 250 f.
- â Anonymus Valesianus 85.
- â Zur ârömischen Freiheitâ siehe John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 220â222, zum Belastungsmaterial Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 251â253 und Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann, Berlin 2008, S. 357 f.
- â Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 257â260 und 294 f.; Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann, Berlin 2008, S. 359 f. und Anm. 21.
- â Zu dem Gericht siehe die Untersuchung von Charles Henry Coster: The Iudicium Quinquevirale. Cambridge (Massachusetts) 1935 (speziell zum Prozess des Boethius S. 40â63).
- â Charles Henry Coster: Late Roman Studies. Cambridge (Massachusetts) 1968, S. 66â85; Zustimmung findet dieser Ansatz bei Catherine Morton: Marius of Avenches, the âExcerpta Valesianaâ, and the Death of Boethius. In: Traditio 38, 1982, S. 107â136 und John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 224â226 (zögernd). Vgl. Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 329. Eine ausfĂŒhrliche Argumentation fĂŒr die FrĂŒhdatierung prĂ€sentiert Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann, Berlin 2008, S. 363â373.
- â Die Angabe des Anonymus Valesianus lautet in agro Calventiano; wahrscheinlich ist Borgo Calvenzano, ein Stadtviertel von Pavia, gemeint. Da aber Marius von Avenches angibt in territorio Mediolanense (âim Gebiet von Mailandâ), wird auch Calvenzano in der Provinz Bergamo in Betracht gezogen. Zur Identifizierungsfrage siehe Luca Obertello: Severino Boezio. Bd. 1, Genua 1974, S. 122â125; Faustino Gianani: âIn agro Calventianoâ: il luogo del supplizio di Boezio. In: Luca Obertello (Hrsg.): Congresso internazionale di studi boeziani (Pavia, 5â8 ottobre 1980). Atti. Rom 1981, S. 41â47; Catherine Morton: Boethius in Pavia: the Tradition and the Scholars. In: Luca Obertello (Hrsg.): Congresso internazionale di studi boeziani (Pavia, 5â8 ottobre 1980). Atti. Rom 1981, S. 49â58; Hermann TrĂ€nkle: Philologische Bemerkungen zum BoethiusprozeĂ. In: Manfred Fuhrmann, Joachim Gruber (Hrsg.): Boethius. Darmstadt 1984, S. 62 Anm. 26; Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 260 und Anm. 97; John Moorhead: Theoderic in Italy. Oxford 1992, S. 223 und Anm. 60.
- â Anonymus Valesianus 87.
- â Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 137; Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 260.
- â John Moorhead: Boethius and Romans in Ostrogothic Service. In: Historia 27, 1978, S. 604â612, hier: 610â612; Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 137; Wilhelm EnĂlin: Theoderich der GroĂe. 2. Auflage, MĂŒnchen 1959, S. 310 f.
- â Prokopios, De bello Gothico 3,20,29.
- â Menso Folkerts (Hrsg.): âBoethiusâ Geometrie II. Wiesbaden 1970, S. 69â82 und 173â217. Vgl. Jean-Yves Guillaumin (Hrsg.): BoĂšce: Institution ArithmĂ©tique. Paris 1995, S. XXVâXXVII. Die Zuschreibung an Boethius ist in der Forschung umstritten; dagegen argumentiert Max Lejbowicz: âCassiodorii Euclidesâ: Ă©lĂ©ments de bibliographie boĂ©cienne. In: Alain Galonnier (Hrsg.): BoĂšce ou la chaĂźne des savoirs. Louvain-la-Neuve 2003, S. 301â339.
- â Pierre Hadot: Un fragment du commentaire perdu de BoĂšce sur les CatĂ©gories dâAristote dans le Codex Bernensis 363. In: Archives dâHistoire Doctrinale et LittĂ©raire du Moyen Age 26, 1959, S. 11â27.
- â Siehe dazu Ernst Gegenschatz: Zufall, Freiheit und Notwendigkeit â ein philosophiegeschichtlicher Exkurs im Kommentar des Boethius zur aristotelischen Schrift âDe interpretationeâ. In: Peter Neukam (Hrsg.): Erbe, das nicht veraltet. MĂŒnchen 1979, S. 5â61; Norman Kretzmann: Boethius and the truth about tomorrowâs sea battle. In: David Blank, Norman Kretzmann (Hrsg.): Ammonius: On Aristotle On Interpretation 9, with Boethius: On Aristotle On Interpretation 9, first and second commentaries. London 1998, S. 24â52.
- â Lorenzo Minio-Paluello: Boethius als Ăbersetzer und Kommentator aristotelischer Schriften. In: Manfred Fuhrmann, Joachim Gruber (Hrsg.): Boethius. Darmstadt 1984, S. 146â154, hier: 151 f.; James Shiel: A Recent Discovery: Boethiusâ Notes on the Prior Analytics. In: Vivarium 20, 1982, S. 128â141; Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 363â365; Sten Ebbesen: The Aristotelian commentator. In: John Marenbon (Hrsg.): The Cambridge Companion to Boethius. Cambridge 2009, S. 34â55, hier: 37.
- â Siehe dazu die skeptischen ErwĂ€gungen von Sten Ebbesen: Commentators and Commentaries on Aristotleâs Sophistici Elenchi. Bd. 1: The Greek Tradition. Leiden 1981, S. 253 f.
- â Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 371 f.; Susanne Bobzien: A Greek Parallel to Boethiusâ De Hypotheticis Syllogismis. In: Mnemosyne 55, 2002, S. 285â300, hier: 285 f. und 300.
- â Zur Bedeutung des Begriffs institutio bei Boethius siehe Lambert M. de Rijk: On the chronology of Boethiusâ works on logic I. In: Vivarium 2, 1964, S. 1â49, hier: 41 f.
- â Zu Boethiusâ Philosophie der Mathematik siehe Wolfgang Bernard: Zur BegrĂŒndung der mathematischen Wissenschaften bei Boethius. In: Antike und Abendland 43, 1997, S. 63â89; Anja Heilmann: Boethiusâ Musiktheorie und das Quadrivium. Göttingen 2007, S. 130â151.
- â Zur Funktion der Legende bei Boethius siehe Anja Heilmann: Boethiusâ Musiktheorie und das Quadrivium. Göttingen 2007, S. 203â222.
- â Siehe zu dem System die Inhaltszusammenfassung von De institutione musica bei GĂŒnther Wille: Musica Romana. Amsterdam 1967, S. 656â700, hier: 687â689.
- â Cassiodor, Institutiones 2,6,3 und Variae 1,45,4.
- â a b Cassiodor, Variae 1,45,4.
- â Boethius, In librum Aristotelis peri hermeneias commentarii, secunda editio 3,9 (S. 190 Z. 13 Meiser); siehe dazu Henry Chadwick: Boethius: The Consolations of Music, Logic, Theology, and Philosophy. Oxford 1981, S. 139 f.
- â Bernhard Pabst: Prosimetrum. Bd. 1, Köln 1994, S. 194 f.
- â Eine Ăbersicht ĂŒber die Forschungsmeinungen bietet Joachim Gruber: Boethius 1925â1998 (2. Teil). In: Lustrum 40, 1998, S. 199â259, hier: 222 f. Vgl. Christine Hehle: Boethius in St. Gallen. TĂŒbingen 2002, S. 33â35.
- â Zu den Forschungsmeinungen siehe Joachim Gruber: Boethius 1925â1998 (2. Teil). In: Lustrum 40, 1998, S. 223 f.; fĂŒr bloĂen Hausarrest plĂ€diert Reinhold F. Glei: In carcere et vinculis? Fiktion und RealitĂ€t in der Consolatio Philosophiae des Boethius. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft 22, 1998, S. 199â213.
- â Reinhold F. Glei: In carcere et vinculis? Fiktion und RealitĂ€t in der Consolatio Philosophiae des Boethius. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft 22, 1998, S. 204â206.
- â Boethius, Consolatio philosophiae 3 pr. 10,23â25. Siehe dazu Michael V. Dougherty: The Problem of Humana Natura in the Consolatio Philosophiae of Boethius. In: American Catholic Philosophical Quarterly 78, 2004, S. 273â292, hier: 283â285 und 292.
- â Boethius, Consolatio philosophiae 4 pr. 7,1â2.
- â Boethius, Consolatio philosophiae 5 pr. 2,2â6. Siehe dazu Gerald Bechtle: Der Trost der Freiheit. Das fĂŒnfte Buch der Consolatio Philosophiae des Boethius zwischen Vorlagen und OriginalitĂ€t. In: Philologus 150, 2006, S. 265â289, hier: 272â286; John Marenbon: Boethius. Oxford 2003, S. 123 f.
- â Paul-Bernd LĂŒttringhaus: Gott, Freiheit und Notwendigkeit in der Consolatio philosophiae des Boethius. In: Albert Zimmermann (Hrsg.): Studien zur mittelalterlichen Geistesgeschichte und ihren Quellen. Berlin 1982, S. 53â101, hier: 85â101.
- â Die Signifikanz der AnklĂ€nge an Bibelstellen ist umstritten; siehe dazu James Shiel: Fortiter suaviter. In: Plekos 1, 1998/1999, S. 1â19 (online PDF, 212 kB); Danuta Shanzer: Interpreting the Consolation. In: John Marenbon (Hrsg.): The Cambridge Companion to Boethius. Cambridge 2009, S. 228â254, hier: 241 f.; Henry Chadwick: Boethius: The Consolations of Music, Logic, Theology, and Philosophy. Oxford 1981, S. 237 f.
- â Boethius, Consolatio philosophiae 5 pr. 6,6â14.
- â Zur platonischen Metaphysik des Boethius siehe Matthias Baltes: Gott, Welt, Mensch in der Consolatio Philosophiae des Boethius. In: Matthias Baltes: Dianoemata. Kleine Schriften zu Platon und zum Platonismus. Stuttgart 1999, S. 51â80.
- â Eine Ăbersicht ĂŒber die Ă€ltere Literatur bietet Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 321 f. und 324 sowie Boethius 1925â1998 (2. Teil). In: Lustrum 40, 1998, S. 232â234.
- â Reinhold Glei: Dichtung und Philosophie in der Consolatio Philosophiae des Boethius. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft 11, 1985, S. 225â238, hier: 225 und 238.
- â Luca Obertello: Severino Boezio. Bd. 1, Genova 1974, S. 257â285; Reinhold F. Glei: In carcere et vinculis? Fiktion und RealitĂ€t in der Consolatio Philosophiae des Boethius. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft 22, 1998, S. 211 Anm. 38. FĂŒr die Echtheit von De fide catholica plĂ€diert Henry Chadwick: The Authenticity of Boethiusâ Fourth Tractate, De Fide Catholica. In: The Journal of Theological Studies 31, 1980, S. 551â556.
- â Phoebe Robinson: Dead Boethius: Sixth-Century Accounts of a Future Martyr. In: Viator 35, 2004, S. 1â19; Howard R. Patch: The Beginnings of the Legend of Boethius. In: Speculum 22, 1947, S. 443â445.
- â Silvia Albesano: Consolatio Philosophiae volgare. Heidelberg 2006, S. 27â29.
- â Peter Dronke: Vita Boethii. From the Early Testimonies to Boecis. In: Dorothea Walz (Hrsg.): Scripturus vitam. Heidelberg 2002, S. 287â294, hier: 288â291.
- â Petrus Lombardus, Libri IV sententiarum, Liber IV distinctio 33 c. 1.
- â Helmuth-Wilhelm Heinz (Hrsg.): Grazia di Meo, Il libro di Boeçio de chonsolazione (1343). Frankfurt a. M. 1984, S. 7 f.
- â Diane K. Bolton: The Study of the Consolation of Philosophy in Anglo-Saxon England. In: Archives dâHistoire Doctrinale et LittĂ©raire du Moyen Age 44, 1977, S. 33â78, hier: 33â35; Pierre Courcelle: La Consolation de Philosophie dans la tradition littĂ©raire. Paris 1967, S. 29â31 und 33â49.
- â Manfred Eikelmann: Boethius fĂŒr Laien. In: Reinhold F. Glei, Nicola Kaminski, Franz Lebsanft (Hrsg.): Boethius Christianus? Transformationen der Consolatio Philosophiae in Mittelalter und FrĂŒher Neuzeit. Berlin 2010, S. 129â156, hier: 130 f.
- â Malcolm Godden, Susan Irvine (Hrsg.): The Old English Boethius. Bd. 1, Oxford 2009, S. 8 und 140â151.
- â Franz Lebsanft: Der Trost der Philosophie und die christliche Tugend der Demut. In: Reinhold F. Glei, Nicola Kaminski, Franz Lebsanft (Hrsg.): Boethius Christianus? Transformationen der Consolatio Philosophiae in Mittelalter und FrĂŒher Neuzeit. Berlin 2010, S. 303â331, hier: 304 und Anm. 3; Silvia Albesano: Consolatio Philosophiae volgare. Heidelberg 2006, S. 40â45; Glynnis M. Cropp: The Medieval French Tradition. In: Maarten J.F.M. Hoenen, Lodi Nauta (Hrsg.): Boethius in the Middle Ages. Leiden 1997, S. 243â265.
- â Silvia Albesano: Consolatio Philosophiae volgare. Heidelberg 2006, S. 45â53.
- â Orland GrapĂ, GlĂČria SabatĂ©: Traducciones de Boecio en la Corona de AragĂłn. In: Euphrosyne 29, 2001, S. 211â220.
- â Manolis Papathomopoulos (Hrsg.): Anicii Manlii Severini Boethii De consolatione philosophiae. Traduction grecque de Maxime Planude. Athen 1999, S. LIVâLVIII (mit Hinweisen auf die Ă€ltere Literatur); NĂłra Fodor: Die Ăbersetzungen lateinischer Autoren durch M. Planudes. Dissertation Heidelberg 2004, S. 200â211.
- â Zur Glossierung der Consolatio siehe Joseph Wittig: The âRemigianâ Glosses on Boethiusâs Consolatio Philosophiae in Context. In: Charles D. Wright u. a. (Hrsg.): Source of Wisdom: Old English and Early Medieval Latin Studies in Honour of Thomas D. Hill. Toronto 2007, S. 168â200.
- â Susanna E. Fischer: Boethius Christianus sive Platonicus. FrĂŒhe mittelalterliche Kommentare zu O qui perpetua mundum ratione gubernas. In: Reinhold F. Glei, Nicola Kaminski, Franz Lebsanft (Hrsg.): Boethius Christianus? Transformationen der Consolatio Philosophiae in Mittelalter und FrĂŒher Neuzeit. Berlin 2010, S. 157â177.
- â Christine Hehle: Boethius in St. Gallen. TĂŒbingen 2002, S. 50f.
- â FĂŒr Einzelheiten siehe die zahlreichen Belege bei Bernhard Pabst: Prosimetrum. Bd. 1 und 2, Köln 1994.
- â Dante, Convivio 2,13.
- â Dante, Divina Commedia, Paradiso 10, 124â129. Zu Dantes Boethius-Rezeption siehe Winthrop Wetherbee: The Consolation and medieval literature. In: John Marenbon (Hrsg.): The Cambridge Companion to Boethius. Cambridge 2009, S. 279â302, hier: 298â300.
- â Pierre Courcelle: La Consolation de Philosophie dans la tradition littĂ©raire. Paris 1967, S. 67â99 und 185â190; im Tafelteil sind zahlreiche Abbildungen zusammengestellt.
- â Petrus Abaelardus, Theologia Christiana 1,134.
- â Osmund Lewry: Boethian Logic in the Medieval West. In: Margaret Gibson (Hrsg.): Boethius. His Life, Thought and Influence. Oxford 1981, S. 90â134, hier: 120.
- â Sten Ebbesen: George Pachymeres and the Topics. In: Cahiers de lâInstitut du Moyen-Ăge grec et latin 66, 1996, S. 169â185.
- â Matthias Hochadel (Hrsg.): Commentum Oxoniense in musicam Boethii. MĂŒnchen 2002, S. LXXIXâXC.
- â Siehe dazu Michael Bernhard: Ăberlieferung und Fortleben der antiken lateinischen Musiktheorie im Mittelalter. In: Frieder Zaminer (Hrsg.): Geschichte der Musiktheorie. Band 3: Rezeption des antiken Fachs im Mittelalter. Darmstadt 1990, S. 7â35, hier: 30.
- â Wolfgang Bernard: Zur BegrĂŒndung der mathematischen Wissenschaften bei Boethius. In: Antike und Abendland 43, 1997, S. 64.
- â Anthony Grafton: Epilogue: Boethius in the Renaissance. In: Margaret Gibson (Hrsg.): Boethius. His Life, Thought and Influence. Oxford 1981, S. 410â414, hier: 410 f.
- â Vallas ĂuĂerungen sind zusammengestellt und erörtert bei Edward A. Synan: Boethius, Valla, and Gibbon. In: The Modern Schoolman 69, 1991/92, S. 475â491, hier: 476 Anm. 8â12 und S. 477â482. Vgl. Anthony Grafton: Epilogue: Boethius in the Renaissance. In: Margaret Gibson (Hrsg.): Boethius. His Life, Thought and Influence. Oxford 1981, S. 411.
- â Siehe dazu Joachim Gruber: Kommentar zu Boethius, De consolatione philosophiae. 2. Auflage, Berlin 2006, S. 22 Anm. 45; Anthony Grafton: Epilogue: Boethius in the Renaissance. In: Margaret Gibson (Hrsg.): Boethius. His Life, Thought and Influence. Oxford 1981, S. 413.
- â Angelo Poliziano: Liber miscellaneorum Kapitel 1.
- â Zur Verwendung in der Schule siehe Robert Black, Gabriella Pomaro: La consolazione della filosofia nel medioevo e nel rinascimento italiano. Firenze 2000, S. 3â50.
- â Zu dieser Ausgabe siehe Mauro Nasti De Vincentis: Boethiana. In: Elenchos 27, 2006, S. 377â407, hier: 405 f. und Anm. 47.
- â Siehe zu dieser Ăbersetzung Deanne Williams: Boethius Goes to Court: The Consolatio as Advice to Princes from Chaucer to Elizabeth I. In: Catherine E. LĂ©glu, Stephen J. Milner (Hrsg.): The Erotics of Consolation. New York 2008, S. 205â226, hier: 219â223.
- â Edward A. Synan: Boethius, Valla, and Gibbon. In: The Modern Schoolman 69, 1991/92, S. 477.
- â Carl Prantl: Geschichte der Logik im Abendlande. Bd. 1, Leipzig 1855, S. 681 f.
- â John Marenbon: Boethius. Oxford 2003, S. 4â6, 20, 25â32, 94 f. und 98.
- â Jonathan Barnes: Boethius and the Study of Logic. In: Margaret Gibson (Hrsg.): Boethius. His Life, Thought and Influence. Oxford 1981, S. 73â89, hier: 79â85; James Shiel: Boethiusâ commentaries on Aristotle. In: Richard Sorabji (Hrsg.): Aristotle Transformed. London 1990, S. 349â372. Vgl. ferner Gerald Bechtle: Der Trost der Freiheit. Das fĂŒnfte Buch der Consolatio Philosophiae des Boethius zwischen Vorlagen und OriginalitĂ€t. In: Philologus 150, 2006, S. 265â289, hier: 269f., 283â287.
- â Franz Brunhölzl: Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters. Bd. 1, MĂŒnchen 1975, S. 25â27. Vgl. Joachim Gruber: Boethius 1925â1998. In: Lustrum 39, 1997, S. 322 f.; Edward A. Synan: Boethius, Valla, and Gibbon. In: The Modern Schoolman 69, 1991/92, S. 475â491, hier: 475 f. und 476 Anm. 4.
- â Siehe dazu William Bark: The Legend of Boethiusâ Martyrdom. In: Speculum 21, 1946, S. 312â317.
- â Beispielsweise Charles Henry Coster: Late Roman Studies. Cambridge (Massachusetts) 1968, S. 55â85; Beat NĂ€f: Senatorisches Standesbewusstsein in spĂ€trömischer Zeit. Freiburg (Schweiz) 1995, S. 224; Luca Obertello: Severino Boezio. Bd. 1, Genova 1974, S. 87â120; John Marenbon: Boethius. Oxford 2003, S. 9 f.; Hermann TrĂ€nkle: Philologische Bemerkungen zum BoethiusprozeĂ. In: Manfred Fuhrmann, Joachim Gruber (Hrsg.): Boethius. Darmstadt 1984, S. 54â59 und 63.
- â William Bark: Theoderic vs. Boethius: Vindication and Apology. In: The American Historical Review 49, 1944, S. 410â426, hier: 423â426.
- â Beispielsweise Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 133 f.; Johannes Sundwall: Abhandlungen zur Geschichte des ausgehenden Römertums. Helsingfors 1919, S. 240 und 245; John Marenbon: Boethius. Oxford 2003, S. 10. Vgl. Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 247 und Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann, Berlin 2008, S. 357 und 360 f.
- â Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann. Berlin 2008, S. 374.
- â Diese Auffassung vertreten Frank M. AusbĂŒttel: Theoderich der GroĂe. Darmstadt 2003, S. 135, Charles Henry Coster: The Iudicium Quinquevirale. Cambridge (Massachusetts) 1935, S. 53 und 60 und besonders nachdrĂŒcklich Hermann TrĂ€nkle: Philologische Bemerkungen zum BoethiusprozeĂ. In: Manfred Fuhrmann, Joachim Gruber (Hrsg.): Boethius. Darmstadt 1984, S. 61â63. Anders urteilt Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 254 und 261 f.; er meint, das Verfahren sei ânach geltendem Recht und Gesetz korrekt und ohne ein willkĂŒrliches Eingreifen des Königsâ durchgefĂŒhrt worden (S. 262). Vgl. Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann. Berlin 2008, S. 359â361, der in dieser Frage eine mittlere Position einnimmt.
- â Erik Bach: ThĂ©odoric, Romain ou Barbare? In: Byzantion 25â27, 1955â1957, S. 413â420, hier: 418â420; John Moorhead: The Last Years of Theoderic. In: Historia 32, 1983, S. 106â120, hier: 117â120; Reinhold F. Glei: In carcere et vinculis? Fiktion und RealitĂ€t in der Consolatio Philosophiae des Boethius. In: WĂŒrzburger JahrbĂŒcher fĂŒr die Altertumswissenschaft 22, 1998, S. 207; Thomas S. Burns: A History of the Ostrogoths. Bloomington 1984, S. 104 f.
- â Christoph SchĂ€fer: Der weströmische Senat als TrĂ€ger antiker KontinuitĂ€t unter den Ostgotenkönigen (490â540 n. Chr.). St. Katharinen 1991, S. 261 f.; Herwig Wolfram: Die Goten. 3. Auflage, MĂŒnchen 1990, S. 331; Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann. Berlin 2008, S. 374â376.
- â Andreas Goltz: Barbar â König â Tyrann. Berlin 2008, S. 375â400.