|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
Bophuthatswana (offiziell: Repabolika ya Bophuthatswana, deutsch etwa: „Das Land, das die Tswana bindet“ [1]) war ein Homeland im nördlichen und zentralen Südafrika. Es wurde 1977 für unabhängig erklärt und 1994 wieder in Südafrika eingegliedert. Es bestand aus sieben isolierten Gebieten, von denen sechs Enklaven in Südafrika waren. Sie lagen verstreut über die damaligen südafrikanischen Provinzen Kapprovinz, Transvaal und Oranje Freistaat, und umfassten etwa 44.000 km².[2] Die Hauptstadt war Mmabatho.
Inhaltsverzeichnis |
1989 betrug die Anzahl der Einwohner etwa 1.656.000. Damit betrug die Bevölkerungsdichte rund 38 Einwohner/km². De jure betrug die Einwohnerzahl 3,2 Millionen, da in Südafrika lebende Batswana dazugerechnet wurden.[2] Alle sieben Regionen liegen im Highveld.
Bophuthatswana wurde 1961 als einziges Homeland für die Setswana-sprechende südafrikanische Bevölkerung gegründet. 1971 erhielt das Gebiet von der südafrikanischen Regierung die Selbstverwaltung. Am 6. Dezember 1977 wurde Bophuthatswana als zweites südafrikanisches Homeland in die Unabhängigkeit entlassen. Dieser Status wurde international jedoch nicht anerkannt. Alle Einwohner Bophuthatswanas mussten die südafrikanische Staatsangehörigkeit aufgeben. 1980 wurde die Großstadt Mafikeng nach einer Volksabstimmung Teil Bophuthatswanas.[3]
Lucas Mangope wurde als erster Präsident des Landes eingesetzt. Als Vorsitzender der Bophuthatswana Democratic Party (BDP) gewann er 1982 bei den Wahlen zur Nationalversammlung alle 72 zur Wahl stehenden Sitze.[2] 36 weitere Sitze wurden durch ernannte Parlamentarier besetzt, darunter 24 Vertreter der Regionen und 12 „Spezialisten“. Nach einem Putsch 1988 wurde Mangope mit Hilfe südafrikanischer Truppen nach einem Tag wieder eingesetzt. 1990 scheiterte ein weiterer Putsch. Anfang 1994 wurde er durch eine Übergangsregierung ersetzt, da er sich gegen eine Wiedereingliederung Bophuthatswanas in die Republik Südafrika gesperrt hatte. Mitglieder der burischen Afrikaner Weerstandsbeweging (AWB), die eine Chance sahen, zusammen mit Mangope die südafrikanischen Parlamentswahlen zu verhindern, drangen nach Mmabatho ein und erschossen mehrere Passanten. Die dabei gedrehten Fernsehbilder trugen dazu bei, dass viele weiße Südafrikaner ihren Widerstand gegen die anstehende Machtübernahme der schwarzen Bevölkerungsmehrheit aufgaben. Am 27. April 1994 wurde Bophuthatswana zusammen mit den neun anderen Homelands wieder mit Südafrika vereinigt. Vier der sieben Landesteile wurden in die Provinz Nordwest eingegliedert, das Gebiet um Ga-Rankuwa in die Nordwest-Provinz – später kamen Ga-Rankuwa und Mabopane nach Gauteng –, das Territorium Thaba Nchu in den Freistaat und das östlichste Gebiet in die Provinz Mpumalanga.
Bophuthatswana wurde als Homeland für alle Tswana sprechenden Volksgruppen gegründet. In Bophuthatswana lebten 1982 außerdem 91.000 Shangaan und 60.000 Sotho sowie 2.400 Weiße.[2]
Die weltgrößten Platinvorkommen, ferner die Gewinnung von Diamanten, Chrom und Vanadium sowie die Einnahmen aus dem Casino von Sun City – in Südafrika selbst war Glücksspiel verboten – machten Bophuthatswana zum wohlhabendsten Homeland. So stand es nicht, wie die anderen Homelands, in finanzieller Abhängigkeit zu Südafrika. Landwirtschaft wurde kaum betrieben, da die in Frage kommende Landfläche zu 90% als unfruchtbar gilt.