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| British Library | |
|---|---|
| Lesesaal | |
| GrĂĽndung | 1973 |
| Bestand | ca. 150 Millionen Medieneinheiten (davon 25 Millionen BĂĽcher) |
| Bibliothekstyp | Nationalbibliothek |
| Ort | London |
| Betreiber | Ministerium des Vereinigten Königreiches für Kultur, Medien und Sport |
| Leitung | Lynne Brindley |
| Website | www.bl.uk |
Die British Library (BL) ist die Nationalbibliothek des Vereinigten Königreichs. Sie befindet sich in London und ist eine der bedeutendsten Forschungsbibliotheken der Welt. Sie beherbergt mit über 150 Millionen Werken einen der weltweit größten Medienbestände aller Bibliotheken: Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Broschüren, Tonaufnahmen, Patente, Datenbanken, Karten, Briefmarken, Kunstdrucke, Gemälde und vieles mehr. Ihre 25 Millionen Exemplare[1] fassende Büchersammlung wird nur noch von der US-amerikanischen Library of Congress in Washington, D.C., übertroffen. Der Bestand umfasst Werke bis zurück zur Zeit um 300 v. Chr.
Inhaltsverzeichnis |
Vorläufer war die 1753 mit der Übernahme der Büchersammlung von Hans Sloane gegründete Bibliothek des British Museum in London, dessen Grundstock vor allem die später als Cotton Library bekannte Bibliothek von Sir Robert Cotton, sowie den Bücherbestand der Harleian Collection und die Buchkollektion König Georges II. mit rund 17.000 Bänden lieferte. 1823 wurden die 65.000 Bücher der King George Library, der Privatbibliothek George III., in die Bibliothek integriert.[2] 1846 folgte die Aufnahme der Büchersammlung von Thomas Grenville.[3][4] Der 1857 eröffnete Kuppellesesaal war einer der berühmtesten Bibliotheksbauten der Welt. Unter Antonio Panizzi erreichte die British Museum Library zwischen 1856 und 1866 den Bestand von 1 Millionen Bände. 1973 wurde die Bibliothek per Gesetz mit anderen Bibliotheken von nationaler Bedeutung wie der National Reference Library of Sciences and Invention, der British National Bibliography und der Lending Division zur British Library zusammengefasst.[5] 1983 wurde die British Institute of Recorded Sound eingegliedert. Die BL ist seit 1950 für die Erstellung der Nationalbibliografie, der British National Bibliography, zuständig.[6] 2003 wurde das Vereinsarchiv der Royal Philharmonic Society für £ 1 Million der British Library verkauft, darunter befinden sich 270 Partituren.
Seit 1911 erhält die Bibliothek Copyright-Exemplare aller im Vereinigten Königreich sowie in Irland veröffentlichten Werke.[7] Seit 1869 bekommt die Bibliothek ebenfalls ein Pflichtexemplar aller in Großbritannien gedruckten Zeitungen. Damit besitzt die BL neben den Nationalbibliotheken von Schottland und Wales, den Bibliotheken der Universitäten Cambridge und Oxford sowie der Bibliothek des Trinity College in Dublin als eine der wenigen Bibliotheken im Vereinigten Königreich und in Irland das Recht, ein Pflichtexemplar einzufordern.[8]
Bekannte Benutzer der Bibliothek waren etwa Charles Dickens, Lenin, Karl Marx, George Bernard Shaw oder Virginia Woolf.
Im Bestand der British Library befinden sich zwei Originale der Magna Carta,[9] der Klencke-Atlas von 1660, das einzige erhaltene Manuskript des Beowulf,[10] zwei Exemplare der Gutenberg-Bibel,[11] ein Exemplar von Shakespeares First Folio,[12] die Partitur von Beethoven's 9. Sinfonie,[13] die älteste Niederschrift des Avesta, das älteste gedruckte Buch der Welt, der älteste vollständige Text des Neuen Testaments aus dem 4. Jahrhundert, das Melisende-Psalter aus dem 12. Jahrhundert als bedeutendstes Exemplar der Kunst aus den Kreuzfahrerstaaten, ein Exemplar der ersten Ausgabe der Times sowie der Codex Sinaiticus.[14] Ebenfalls im Bestand der Bibliothek befinden sich die Stundenbücher von Saint-Omer, des Beaufort, der Stadt Paris, der Sforza, des Taymouth und des Étienne Chevalier. Die Notiz- bzw. Tagebücher von Leonardo da Vinci,[15] William Henry Fox Talbot, Charles Dickens, William Blake, Florence Nightingale[16] und Virginia Woolf zählen genauso zum Bestand der Bibliothek wie die handschriftlichen Songtexte der Beatles und die Manuskripte von William Ewart Gladstone, Mary Shelley, James Joyce, Lewis Carroll, Austen Henry Layard, Jane Austen, George Elliot und Thomas Hardy.[17] Zehn Hauptwerke der gotischen, eines der byzantinischen, vier der insularen, eines der romanischen und drei der karolingischen Buchmalerei gehören ebenfalls der BL. Diese werden neben vielen weiteren Werken von unschätzbarem Wert in einem frei zugänglichen Bereich ausgestellt.[5] Die ältesten Archivstücke sind über 3.000 Jahre alte chinesische Orakelknochen.[18]
Jährlich wächst der Bestand um 3 Millionen Medien,[19] das sind rund 8.000 neue Bücher am Tag. Alle Regale der Bibliothek haben insgesamt eine Länge von 625 Kilometern;[20][21] jährlich kommen weitere 12 Kilometer hinzu.[21]
Die British Library besitzt die größte Sammlung von Zeitschriften in Europa[21] und mit 28.000 Titeln die weltweit größte Datenbank für Inkunabeln. Die größte Bibelsammlung der Welt gehört ebenfalls in der BL,[22] darunter die Grandval-Bibel, die Bibel von Stavelot, die Frankenthaler Bibel, der Book of Lindisfarne sowie die bereits erwähnten Gutenberg-Bibeln und der Codex Sinaiticus.
Mit über 8 Millionen Sammelstücken der Philatelie besitzt die British Library eine der größten und wichtigsten Sammlungen von Briefmarken.[21] Ferner befinden sich im Besitz der Bibliothek über 58 Millionen Patente,[23] rund 920.000 Zeitungen und Zeitschriften, 1,6 Millionen Musikalien, 800 Datenbanken, 400.000 Mikrofilmrollen und rund 4,5 Millionen kartographischer Artikel.
Die Bibliothek hat eine fast vollständige Sammlung aller britischen und irischen Zeitungen seit dem Jahr 1840. Sie sind alle, außer der Thomas Tracts Collection mit 7200 Zeitungen des 17. Jahrhunderts, in Colindale untergebracht. In der von der BL und anderen englischen Bibliotheken verwaltetem UK Web Archive werden über 6.000 Webseiten in 22.000 Snapshots archiviert.[24] Ferner befindet sich im Besitz der Bibliothek der größte Bestand an italienischen Büchern außerhalb Italiens und der größte Bestand an französischen Büchern außerhalb Frankreichs.[21]
Zu den über 3 Millionen Ton-Aufnahmen des British Library Sound Archive[25] gehören über 1 Millionen CDs und 200.000 Tonbänder mit Aufzeichnungen der Werke von Nellie Melba, Enrico Caruso, Francesco Tamagno, Lev Tolstoj, Ernest Shackleton, Herbert Beerbohm Tree und Lewis Waller. Die Aufnahmen von Nelson Mandelas Prozessplädoyer[26] und einzelne Reden von Winston Churchill sind ebenfalls vorhanden. Die erste Tonaufnahme überhaupt von Thomas Edison aus dem Jahre 1877 wird ebenfalls hier ausgestellt.
Die BL hat am Standort in St. Pancras 11 Lesesäle mit 1.200 Sitzplätzen mit jährlich etwa 400.000 Lesern.[21] Zutritt zu den Lesesälen hat man nur mit einem Leseausweis. Benötigte Werke werden mit einem halbautomatischen System nach einer Maximaldauer von 48 Stunden zu den Lesern gebracht. Die o.g. Ausstellungsstücke können ohne Ausweis und ohne Gebühr angesehen werden. Die British Library verschickt pro Jahr etwa 100 Millionen Aufsätze, Doktorarbeiten oder andere papiergewordene Geistesergüsse als Kopien in die ganze Welt. Rund 4 Millionen Artikel aus etwa 20.000 internationalen Zeitschriften sind gegen Gebühr elektronisch abrufbar.[27]
Die Bibliothek hat heute drei Standorte:
51.5294444444-0.126944444444Koordinaten: 51° 31′ 46″ N, 0° 7′ 37″ W