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Die Brockhaus EnzyklopĂ€die ist ein mehrbĂ€ndiges Nachschlagewerk in deutscher Sprache des zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Wissen Media Verlages. Bis Anfang 2009 wurde das Lexikon durch F.A. Brockhaus bzw. vom Mannheimer Verlag Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG herausgegeben. Seine ersten VorlĂ€ufer erschienen im 18. Jahrhundert bei Löbel und Franke als âConversations-Lexikonâ. SpĂ€ter war es unter dem Namen âDer GroĂe Brockhausâ bekannt. Ihren heutigen Namen trĂ€gt die EnzyklopĂ€die seit der 20. Auflage 1996.
Inhaltsverzeichnis |
Das Conversations-Lexikon â Conversations-Lexicon oder kurzgefasstes Handwörterbuch fĂŒr die in der gesellschaftlichen Unterhaltung aus den Wissenschaften und KĂŒnsten vorkommenden GegenstĂ€nde mit bestĂ€ndiger RĂŒcksicht auf die Ereignisse der Ă€lteren und neueren Zeit in sechs BĂ€nden von Renatus Gotthelf Löbel und Christian Wilhelm Franke wurde vom Verlag F. A. Brockhaus aufgekauft und fortgefĂŒhrt.
Es erschienen noch zwei NachtragsbĂ€nde in den beiden Leipziger Verlagen F. A. Leupold (1796â1800) und J. C. Werther (1806), bevor der zunĂ€chst in Amsterdam (1810) und dann in Leipzig (1811) ansĂ€ssige Verlag F. A. Brockhaus weitere BĂ€nde herausbrachte.
Friedrich Arnold Brockhaus (1772â1823) begann 1805 mit seinem Verlag in Amsterdam. 1808 erwarb er auf der Leipziger Buchmesse das unvollstĂ€ndige âConversationslexikon mit vorzĂŒglicher RĂŒcksicht auf die gegenwĂ€rtigen Zeitenâ von Löbel und Franke und ĂŒbernahm das Projekt. Die 2. Auflage in zehn BĂ€nden erschien 1812â1820, wurde ein Erfolg und legte den Grundstock fĂŒr die heutigen Auflagen des Brockhaus. 1811 zog Friedrich Arnold Brockhaus mit seinem Verlag nach Altenburg in ThĂŒringen um.
In der Vorrede der Redaktion und Verlagshandlung zum 15. Band der 11. Auflage des Brockhaus von 1868 wird die Zielsetzung des Werkes beschrieben:
Der Brockhaus war als UniversalenzyklopĂ€die Vorbild fĂŒr viele auslĂ€ndische Lexikonprojekte, z. B. das niederlĂ€ndische GroĂlexikon Winkler Prins GeĂŻllustreerde Encyclopaedie (1870-1882), das 43-bĂ€ndige russische Enziklopeditscheski Slowar (1890-1906), das vierbĂ€ndige schwedische Svenskt Konversations-Lexicon (1845-1851), das 12-bĂ€ndige ungarische Lexikon "Közhasznu Esmeretek TarĂĄ" (1831-1834) und die 13-bĂ€ndige amerikanische Encyclopaedia Americana (1829-33). Die bereits ab 1768 von Adam und Charles Black im schottischen Edinburgh verlegte EncyclopĂŠdia Britannica war dagegen ein Produkt der schottischen AufklĂ€rung.
FĂŒr die QualitĂ€t bereits der frĂŒhen Ausgabe der EnzyklopĂ€die sprechen wohl auch zwei sog. Raubdrucke, die von dem Stuttgarter Verleger Carl Erhard mit seinem Verlag A. F. Macklot unternommen wurden. Er druckte zunĂ€chst die 1814 begonnene dritte Auflage des Conversationslexikons ohne Genehmigung des Hauses Brockhaus nach. Möglich war diese Praxis durch die damals in Deutschland herrschende Zersplitterung des Rechts, dem es an einem einheitlichen, fĂŒr die deutschen BundeslĂ€nder ĂŒbergreifenden Urheberrecht mangelte. In WĂŒrttemberg waren Nachdrucke fĂŒr âauslĂ€ndischeâ Druckerzeugnisse nicht verboten. Ohne irgendwelche Honorare an wissenschaftliche Mitarbeiter des Lexikons zahlen zu mĂŒssen, konnte der Verlag A. F. Macklot âmit Königl. wĂŒrttembergischer allergnĂ€digster Genehmigungâ (Titelblatteindruck) ab 1816 eine preiswertere Ausgabe des Brockhausâschen Lexikons insbesondere fĂŒr den sĂŒddeutschen Raum anbieten. So kostete jeder der sogar separat angebotenen Nachdruck-BĂ€nde 2 Gulden rheinisch [1], wohingegen ein Band des Originalwerks bei Abnahme des Gesamtwerkes 1 Taler 6 Groschen sĂ€chsisch, was etwa 2 1/2 Gulden entsprach, und im "ordinĂ€ren Ladenpreise" (Angabe auf dem Vorsatzblatt) sogar 2 Taler 12 Groschen kostete. Ein Einzelband war damit bei Brockhaus mehr als doppelt so teuer.
Interessanterweise kĂŒndigte der Verlag A. F. Macklot in der Vorrede zum ersten Band an, dass seine Ausgabe sogar aktueller als die Brockhaus'sche Ausgabe von 1814 sei, da er die im Ergebnis der Befreiungskriege eingetretenen gesellschaftlichen VerĂ€nderungen schon berĂŒcksichtigt habe, und macht dies zum Beispiel an den Artikeln âAlexander I.â, âAugust Friedrich (König von Sachsen)â oder âla belle Allianceâ fest. TatsĂ€chlich weisen diese EintrĂ€ge ErgĂ€nzungen auf. Allerdings wurden auch KĂŒrzungen bei einzelnen Artikeln vorgenommen, auf die die KĂ€ufer jedoch nicht hingewiesen wurden: Berichtet der Brockhaus im Bd. 4 (G und H) beim Stichwort "Humboldt (Friedrich Alexander von)" noch auf ĂŒber 5 1/2 Seiten [2] ausfĂŒhrlich ĂŒber seine SĂŒdamerikareise von 1799-1804 (vgl. S. 838 ff.), meint die Macklotsche Ausgabe dazu (vgl. S. 829 ff.), dass "eine ausfĂŒhrliche Beschreibung dieser Reise ... schwerlich jemand hier erwarten" kann und handelt diese unter Angabe der Jahreszahlen ihres Beginns und Endes sowie des Namens von Humboldts Begleiter Bonpland auf drei Zeilen ab.
Im sechsten Band (M und N) der Macklotschen Ausgabe Ă€uĂert sich der Verlag mit einer den Stichworten vorangestellten "Nothgedrungene(n) ErklĂ€rung zur Sicherung Rechts und Gerechtigkeit" zur Frage seiner Nachdruck-Politik. Dabei kritisierte er die von Brockhaus im Ergebnis des Nachdrucks aufgelegte ĂŒberarbeitete vierte Auflage als ein Werk ohne tatsĂ€chliche "sogenannte Vermehrungen und Verbesserungen ", die Brockhaus fĂŒr die neue Ausgabe angegeben hatte. Erhard glaubte ernstlich, fĂŒr die im Vergleichswege an Brockhaus gezahlte âGeldaufopferungâ von 1 500 Gulden seine Verlagspolitik der Nachahmung fortsetzen zu können, ohne dass Brockhaus sich zumindest fĂŒr die Zukunft wappnete, nachdem er durch die ungĂŒnstige Rechtssituation mit UnterlassungsansprĂŒchen bei der laufenden Ausgabe gerichtlich nicht durchdringen konnte.
Der Verlag A. F. Macklot hatte auch die vierte, wiederum in 10 BĂ€nden ab 1817 erschienene Auflage von Brockhaus kopiert, wobei seine Ausgabe aber nur siebenbĂ€ndig erschien. Da sich inzwischen die öffentliche Meinung in dem Rechtsstreit hinter Brockhaus gestellt hatte und der Absatz seines Lexikons beachtlich angestiegen war, musste Erhard die zweite Auflage seines Nachdrucks zum gröĂten Teil makulieren. Damit war diese, die geschĂ€ftliche Entwicklung des Lexikonprojekts auf Dauer ernstlich gefĂ€hrdende Nachdruck-Episode ausgestanden. Zu weiteren Nachdrucken kam es nicht mehr, und die EnzyklopĂ€die konnte ihren Siegeszug auf dem deutschen Buchmarkt antreten (siehe hierzu auch die AusfĂŒhrungen bei: F. A. Brockhaus).
Siehe etwas ausfĂŒhrlicher: Liste der Ausgaben des Brockhaus-Konversationslexikons
â Hauptartikel: Brockhaus EnzyklopĂ€die, 21. Auflage
Diese Auflage umfasst dreiĂig BĂ€nde in Leder und Leinen mit Kopfgoldschnitt mit rund 300.000 Stichwörtern und 40.000 Bildern. Insgesamt sind es 24.500 Seiten zu einem Gesamtpreis von 2820 Euro (bei Komplettabnahme). Dem Verlag zufolge wiegen die BĂ€nde zusammen siebzig Kilogramm und nehmen 1,70 Regalmeter ein. Daran gearbeitet haben â70 Fach-, Bild- und Schlussredakteureâ der Redaktion in Leipzig sowie tausend weitere Autoren, im Wesentlichen freie Mitarbeiter.[3] Wie bei frĂŒheren Auflagen gibt es auch bei der 21. Auflage neben der Standardedition eine Sonderausgabe, die sich durch eine absichtlich geringe Auflagenhöhe, eine abweichende Einbandgestaltung[4] und einen höheren Preis von der Standardedition unterscheidet.
Am 4. November 2002 erschien die EnzyklopĂ€die erstmals digital. Sie umfasste zwei CDs und eine DVD als Multimedia-ErgĂ€nzung. Sie enthielt 260.000 Artikel mit 330.000 Stichwörtern, etwa 26 Millionen Wörtern und 14.500 Abbildungen. Die Ausgabe kostete weit ĂŒber 1.000 EUR.
Die Brockhaus-EnzyklopÀdie Digital auf Basis der 21. Auflage mit 30 BÀnden erschien am 15. November 2005 auf zwei DVD-ROMs und einem USB-Stick. Sie enthÀlt die komplette Textsubstanz plus umfangreicher Zusatz- und Quellentexte. Zum Umfang zÀhlen 25.000 Bilder, 280 Videos, 140 Animationen und 3.000 Audiodateien. Sie wird online laufend aktualisiert (zugesichert bis 2010).
ZusĂ€tzliche Angebote sind ein Atlas der 3-D-Anatomie, der Brockhaus von 1906, SchĂŒlerlexika und ein 3-D-Atlas. Viele Recherchemöglichkeiten einschlieĂlich natĂŒrlichsprachlicher Suchhilfe und mehrerer Millionen Querverweise. Durch den USB-Stick ist das Lexikon standortunabhĂ€ngig (portabel=tragbar) und kann auf mehreren Rechnern sofort eingesetzt werden. Gleichzeitig dient er als Kopierschutz. Der Preis im Buchhandel betrĂ€gt etwa 1.500 EUR (ISBN 3-7653-4131-2).
Mehrere historische Auflagen des Brockhaus liegen in digitaler Umsetzung vor. Die 1. Auflage in der Version von 1809â1811 des Verlages Directmedia ist im Handel erhĂ€ltlich, aber auch in einer nichtkommerziellen Variante nebst einer vierbĂ€ndigen illustrierten Ausgabe von 1837â1843 und einem zweibĂ€ndigen Brockhaus von 1911 ĂŒber das Internet (siehe Weblinks) zugĂ€nglich. FĂŒr die Nutzung ĂŒber das Internet wird seit 2007 die 14. Auflage des Brockhaus Konversations-Lexikons von 1892â1897 in einem freien Projekt digitalisiert und aufbereitet. Ăber 17.000 Seiten sind bereits als Bildscan einsehbar und stehen als digitaler Volltext zur VerfĂŒgung, allerdings sind die Texte bisher nur zu einem geringen Teil korrigiert.
FĂŒr acht Jahre ab 2008 steht ein Mitarbeiter des Verlags dem Arbeitskreis Elektronisches Publizieren (AEKP) im Börsenverein des Deutschen Buchhandels vor.
Seit 2004 ist der digitale Brockhaus fĂŒr verschiedene mobile Plattformen lieferbar, Windows Mobile, Symbian, Palm OS und seit MĂ€rz 2010 auch als App fĂŒr das iPhone. Teile der digitalen EnzyklopĂ€die stehen im Brockhaus Lehrerportal [1] online zur VerfĂŒgung.
Neben dem âgroĂenâ Brockhaus gibt es in Hardcover und Taschenbuchformat auch verschieden umfangreiche, verschieden alte âkleinereâ Ausgaben, die meistens auf dem Daten- und Wissensbestand der Hauptausgabe basieren:
Neben der Digitalen EnzyklopÀdie bestehen kleinere Ausgaben auf DVD, z. B. der
Zu den historischen VorgÀngern zÀhlen:
FĂŒr ein auf hĂ€ufige Nutzung ĂŒber lange Zeit angelegtes Druckerzeugnis spielt die innere und Ă€uĂere Gestaltung (Layout, Einband) als QualitĂ€tsmerkmal eine wesentliche Rolle. Benutzerfreundlichkeit oder ĂŒbersichtliche Gestaltung sind wichtige Verkaufsargumente. Bereits 1824 wurde der noch heute genutzte Zweispaltensatz eingefĂŒhrt, der die Zeilen leichter ĂŒberblickbar macht. Neu ist die Nutzung des Randes fĂŒr Grafiken und Abbildungen. Da das Hauptwerk oft ĂŒber mehr als 10 Jahre unverĂ€ndert blieb, fĂŒhrte der Verlag ab 1824 jeweils aktualisierende SupplementbĂ€nde ein. Separate Atlanten und WörterbĂŒcher ergĂ€nzen diese einfach zu aktualisierenden Lexikonteile inzwischen.
Die Buchbindung ist ĂŒberwiegend in der strapazierfĂ€higen Fadenheftung ausgefĂŒhrt, jedoch gibt es auch Ausgaben mit Drahtheftung. Die Gestaltung der BuchrĂŒcken hat zwei Funktionen: Als Logo oder Design-Objekt soll sie die Wiedererkennung des Produkts und als Kurzindex die Benutzung erleichtern. Bei der 20. Auflage wurde deshalb mit AndrĂ© Hellers Gestaltung ein Experiment gewagt: in die Buchdeckel wurden kleine AcrylschaukĂ€sten mit von auĂen sichtbaren Objekten eingelassen, die jeweils ein Stichwort des Bandes verkörpern (auch: Millenniumsausgabe). Die Objekte wechseln, andere sind in ihrer Anzahl begrenzt, so dass auf diese Weise jedes Buch gestalterisch ein Unikat darstellt.[5]
Die EnzyklopĂ€dien von Brockhaus werden sowohl vom Sortimentsbuchhandel als auch vom Reisebuchhandel per HaustĂŒrgeschĂ€ft vertrieben. Der direkte Kontakt zum Endabnehmer liegt seit 2002 bei der InmediaOne, einer Tochtergesellschaft der Arvato AG, die zu Bertelsmann gehört. Mit der Alldirekt Telemarketing GmbH, im Jahr 2002 von InmediaOne gekauft, werden die EnzyklopĂ€dien von Brockhaus zusĂ€tzlich per Telefonverkauf von Salzburg aus vertrieben. Am 17. Dezember 2008 wurde die Brockhaus EnzyklopĂ€die an die Bertelsmann Dienstleistungstochter Arvato AG verkauft. [6]
Laut einer AnkĂŒndigung des Unternehmens vom 11. Februar 2008 könnte die 21. Druckausgabe der Brockhaus EnzyklopĂ€die von 2006 die letzte sein.
Der Verkauf dieser Ausgabe sei so schlecht verlaufen, dass Brockhaus mit einem Verlust âin der GröĂenordnung von mehreren Millionen Euroâ abschlieĂen musste.[8] Marktanalysen zeigten, dass die Kunden kĂŒnftig Sachinformationen in erster Linie online nachschlagen wĂŒrden. Der Brockhaus-Inhalt sollte im Internet in einem werbefinanzierten Onlineportal kostenlos angeboten werden, wobei der Verlag die klassischen Buchkunden mit Lexika und der EnzyklopĂ€die auch weiterhin bedienen wollte.[9][10] AuĂerdem wurde fĂŒr den Herbst 2008 ein werbefreies und kostenloses Online-Angebot fĂŒr Schulen angekĂŒndigt.[9] Die fĂŒr den 15. April 2008 angekĂŒndigte Lancierung des kostenlosen Onlineportals wurde jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Stattdessen wurde am 23. September das kostenlose Online-Meyers Konversations-Lexikon ĂŒberarbeitet und mit zusĂ€tzlichem Material versehen, doch dieses dann am 23. MĂ€rz 2009 eingestellt und geschlossen. Mittlerweile wurde bekannt, dass es doch kein Brockhaus-Onlineangebot geben wird. Die Brockhaus-EnzyklopĂ€die wurde rĂŒckwirkend zum 1. Februar 2009 durch die Bertelsmann Tochter Arvato/wissenmedia GmbH ĂŒbernommen. Nach Aussagen des Verlages werde es eine neue Auflage in Buchform geben.[11][12]