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Bursche ist ein Wort, das heute in mehreren getrennten Bedeutungen im Begriffsfeld SchĂŒler/Student, Knabe/Mann, Gehilfe/Knecht steht.
Das Wort Bursche (pl.: Burschen) oder Bursch (pl. Bursche) leitet sich wohl von lat. bursa âBeutelâ ab, und bezeichnet ursprĂŒnglich allgemein eine finanzielle Gemeinschaft. Das Wort findet sich fĂŒr Stipendiaten ebenso wie fĂŒr bursgesell als Söldner, burs als Mitbelehntem. Dieselbe Bedeutung liegt auch der Börse, der finanziellen Interessengemeinschaft, zugrunde.
In den Bursen lebten und arbeiteten im Mittelalter die Studenten einer Hochschule. Die Gesamtheit der Bewohner einer Burse, Bursarii, Bursanten oder Bursgesellen, Bursale, auch Bursalis, Bursgesell und Bursenknecht) wurde auch als die Bursch bezeichnet. Erst allmĂ€hlich ist dieser Ausdruck auf den einzelnen Bewohner ĂŒbertragen worden. Im 17. Jahrhundert tritt neuerlich ein Bedeutungswandel ein: Der Bursch(e) wurde allgemeiner Ausdruck fĂŒr einen Studenten, beinahe synonym. WĂ€hrend der Ausdruck Student sich jedoch mehr auf den Aspekt des studierenden jungen Menschen bezog, beleuchtete der Ausdruck Bursch(e) mehr die Lebensart der Studenten in ihrer Freizeit und die damit verbundene sehr spezielle Kultur. Als âechter Burschâ galt nur, wer sich in den Sitten und GebrĂ€uchen der Studenten auskannte.
Trotzdem galt noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts das Wort Burschenschaft als Synonym von Studentenschaft, wie man aus Reden auf dem Wartburgfest 1817 ersehen kann:
âEben deĂhalb mĂŒsst ihr euch keine Namen geben, welche dieser UniversalitĂ€t widersprechen. Nicht weiĂe, schwarze, rothe, blaue usf. mĂŒsst ihr euch nennen; denn das sind auch andere; auch nicht Teutonen mĂŒsst ihr euch nennen; denn Teutonen sind auch die andern. Euer Name sey, was ihr allein und ausschlieĂlich seyd, nehmlich S t u d e n t e n s c h a f t oder B u r s c h e n s c h a f t. Dazu gehört ihr alle, und niemand anders.â
â Redner auf dem Wartburgfest[1]
Diese Bezeichnung steht im Gegensatz zu der Bezeichnung Fuchs bzw. Fux, mit der ein Student in etwa den ersten beiden Semestern belegt wird, der sich als Neuling diese Kultur erst aneignen muss und sich entsprechend unsicher benimmt.
Eine Bedeutungsverengung in der Studentensprache des 19. Jahrhunderts machte aus dem Begriff Bursche eine Bezeichnung fĂŒr ein Vollmitglied einer Studentenverbindung, der seine Probezeit als Fuchs bzw. Fux erfolgreich hinter sich gebracht hat. Diese Konnotation ist auch heute noch in den meisten Studentenverbindungen ĂŒblich, auch wenn es keine â nur einen Teil der Gesamtheit aller studentischen Korporationen ausmachenden â Burschenschaften, sondern Corps, Landsmannschaften, Turnerschaften, SĂ€ngerschaften (etc.) sind.
Die sich dezidiert politisch als national-freiheitlich definierenden (und von ihren Mitgliedern entsprechendes Engagement erwartenden) schlagenden Studentenverbindungen bezeichnen sich als "Burschenschaften", deren Mitglieder, aktive Studenten wie Alte Herren, "Burschenschafter" genannt werden.
Im Gegenzug machte eine Bedeutungserweiterung in der deutschen Standardsprache, in die das Wort mittlerweile eingedrungen war, hieraus eine Bezeichnung fĂŒr einen unverheirateten Mann (JungmĂ€nnerschaft) im Allgemeinen, und meinte damit ursprĂŒnglich die Junggesellen beiderlei Geschlechts (Dorfburschen = die ledigen MĂ€nner des Dorfs, Handwerksburschen = Lehrlinge und Gesellen, erst die Heirat berechtigt zur Meisterschaft) â dabei liegt der Fokus auf der Bedeutung unverheiratet, nicht auf jung: So hat sich das Wort von Altbursch oder altem Knaben (parallel zur alter Jungfer) erhalten.
In SĂŒddeutschland, Ăsterreich und SĂŒdtirol spricht man dialektal noch heute von bayerisch Burschen und Madeln, österreichisch Burschen und Dirndln (Madl Dim. zu Maid âJungfrauâ; Dirndln âMĂ€dchen, junge Frau, Jungfrauâ, etym. zu Dirne, âDienstmagdâ, erst sekundĂ€r auf das KleidungsstĂŒck ĂŒbertragen). SpĂ€ter verliert sich der ursprĂŒngliche Aspekt der JungmĂ€nner, und Burschen und MĂ€deln steht bei Jugendlichen synonym zu Knaben und MĂ€dchen â auf Kinder kann das Wort nicht angewandt werden, hier steht Oberdeutsch allgemein Bub.
Als Offiziersburschen standen im deutschen Heer den Offizieren aller Grade, Ărzten und Zahlmeistern zur persönlichen Bedienung ĂŒberwiesene Soldaten des aktiven Dienststandes zu, welche nicht Gefreite sein durften. Jeder Offizier erhielt nur einen Offiziersburschen. In Ăsterreich Offiziersdiener genannt, zĂ€hlten diese nicht zu den Kombattanten, sondern waren ausgehoben zum Dienst ohne Waffe. (Quelle: âMeyers Konversationslexikonâ 1910) BerĂŒhmt geworden ist diese Funktion in der Rolle des braven Soldaten Schwejk. In der Reichswehr der Weimarer Republik, der Wehrmacht und der Bundeswehr gab bzw. gibt es keine Offizierburschen mehr.
Vom Hausburschen des Offiziers geht der Begriff auf den des gehobenen Haushalts, und dann speziell auf die Hotellerie ĂŒber. Hier bleibt das Wort in Gleichbedeutung mit dem Ausdruck Page âHoteldienerâ â das ebenfalls militĂ€rischen Ursprungs ist, als Schildknappe eines Ritters.
Heute verwendet man Zimmerbursche als Maskulinum von ZimmermÀdchen, Hausbursche als Maskulinum zu HausmÀdchen als Dienstleistungsberuf.
Adlige und Ritter gebrauchten das Wort Bursche, als Inbegriff des Dienstboten wie Kerl auch als Schimpfwort, um etwa einen âĂŒblen Burschenâ als solchen zu bezeichnen.
Denselben pejorativen Weg geht auch Maid zu Magd âDienstmĂ€dchenâ, bleibt aber vor der Degradation zum Schimpfwort (wie Weib) verschont. Bube, synonym zu âBursche, Knabe, Jungeâ, zeigt sich aber ebenfalls als âSpieĂbub, böser Bubeâ.
Das abgeleitete Adjektiv burschikos bezeichnete ein Verhalten oder Aussehen, das als typisch und angemessen fĂŒr einen âordentlichenâ Studenten betrachtet wurde. Burschikos stand auch im Gegensatz zu philiströs. Damit wurde das Verhalten oder Aussehen der Philister, also der nicht studierenden BĂŒrger bezeichnet, auf die die âechtenâ Burschen herabsahen.
Im Laufe der Sprachentwicklung Ă€nderte sich die Bedeutung in Richtung jungenhaft, knabenhaft, formlos, unkompliziert im Verhalten. Dieses Wort wird oft in Hinblick auf das ĂuĂere und das Verhalten von Frauen verwendet und weist in diesem Sinn auf eine eher maskuline, jungenhafte Erscheinung hin.