|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
| Strukturformel | |||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| | |||||||||||||||||||
| Allgemeines | |||||||||||||||||||
| Name | Butyro-1,4-lacton | ||||||||||||||||||
| Andere Namen |
| ||||||||||||||||||
| Summenformel | C4H6O2 | ||||||||||||||||||
| CAS-Nummer | 96-48-0 | ||||||||||||||||||
| PubChem | 7302 | ||||||||||||||||||
| DrugBank | DB04699 | ||||||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
farblose FlĂŒssigkeit[1] | ||||||||||||||||||
| Eigenschaften | |||||||||||||||||||
| Molare Masse | 86,09 g·molâ1 | ||||||||||||||||||
| Aggregatzustand |
flĂŒssig | ||||||||||||||||||
| Dichte |
1,13 g·cmâ3[1] | ||||||||||||||||||
| Schmelzpunkt | |||||||||||||||||||
| Siedepunkt |
204â206 °C[1] | ||||||||||||||||||
| Dampfdruck | |||||||||||||||||||
| Löslichkeit |
vollstÀndig mischbar mit Wasser und Ethanol[1] | ||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | |||||||||||||||||||
| |||||||||||||||||||
| LD50 | |||||||||||||||||||
| Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | |||||||||||||||||||
Butyro-1,4-lacton, veraltet auch Îł-Butyrolacton (GBL) genannt, ist das Lacton der Îł-HydroxybuttersĂ€ure (GHB) und wird hauptsĂ€chlich als Lösungsmittel in der Industrie und als Ausgangsstoff zur Herstellung von Pharmazeutika und Chemikalien eingesetzt. Daneben dient es als VorlĂ€uferstoff des BetĂ€ubungsmittels GHB; in Europa und den USA wird die Abgabe von GBL daher durch das sogenannte Monitoring (Name fĂŒr freiwillige Selbstkontrolle der HĂ€ndler und Hersteller) ĂŒberwacht.
Inhaltsverzeichnis |
In der Natur kommt GBL in Spuren z. B. als Umbauprodukt des natĂŒrlichen GHB und auch in Wein vor.[4] Es wird industriell aus BernsteinsĂ€ure oder BDO synthetisiert.
Bei der Synthese von GBL wird zuerst MaleinsĂ€ureester zu BernsteinsĂ€ureester umgesetzt, aus der GBL synthetisiert werden kann.[5] Die jĂ€hrlich in Deutschland verbrauchte Menge GBL betrĂ€gt ĂŒber 1000 Tonnen, da GBL als Ausgangsstoff fĂŒr viele andere Produkte dient (siehe Verwendung).
DarĂŒber hinaus kann GBL auch durch eine innere Veresterung von Îł-HydroxybuttersĂ€ure in saurem Milieu synthetisiert werden. Umgekehrt wird Îł-HydroxybuttersĂ€ure durch die Verseifung von GBL in basischem Milieu hergestellt.
GBL ist eine bei Raumtemperatur farblose FlĂŒssigkeit mit schwachem Eigengeruch.
Die Schmelztemperatur von Îł-Butyrolacton liegt bei â43,5 °C, der Siedepunkt bei 206 °C. Zusammen mit Wasserdampf ist GBL flĂŒchtig bei Temperaturen, die unter dem eigentlichen Siedepunkt von GBL liegen. Der Flammpunkt und die ZĂŒndtemperatur liegen bei 100 beziehungsweise 455 °C. Die Dichte von GBL betrĂ€gt 1,128 g/cmÂł.
Löslich ist γ-Butyrolacton in jedem VerhÀltnis mit Wasser, Methanol, Ethanol, Aceton, Ether, Dichlormethan, Toluol und Propylenglycol. Allerdings ist die Löslichkeit von GBL in aliphatischen Kohlenwasserstoffen stark begrenzt.
Die ViskositÀt von GBL ist relativ gering und mit Wasser vergleichbar.
GBL reagiert durch partielle Hydrolyse zu 4-HydroxybuttersÀure in Wasser leicht sauer. Die Substanz wird durch wÀssrige Alkalien quantitativ hydrolysiert. Wasserfreie Basen können ein Proton am C2-Atom abstrahieren (C-H-acide Verbindung, Bildung des Enolats), das dadurch einem nukleophilen Angriff zugÀnglich wird.
GBL ist wie Ethylacetat oder Aceton ein polar aprotisches Lösungsmittel und löst viele Kunststoffe wie Polyester oder PMMA.
GBL ist ein weit verbreitetes Lösungsmittel in der Industrie und wird auch als Farbentferner, Graffitientferner, Reinigungsmittel und Nagellackentferner verwendet. Es ist als Weichmacher in Weich-PVC-Folien enthalten.
DarĂŒber hinaus dient GBL auch als Ausgangsstoff zur Herstellung von Pharmazeutika und Chemikalien fĂŒr die Landwirtschaft.
FĂŒr die chemische Industrie ist GBL unersetzlich, was der wesentliche Grund dafĂŒr ist, dass es im Gegensatz zu GHB nicht als illegales BetĂ€ubungsmittel eingestuft wird. GBL findet seit dem Verbot von GHB auch als Droge Verwendung und dient zudem als Grundstoff fĂŒr die Herstellung von GHB.
Im November 2007 machte GBL Schlagzeilen als Bestandteil einer Knetmasse fĂŒr Kinder. Durch Verschlucken der Knetmasse sind einzelne Kinder angeblich âin einen narkotischen Zustandâ gefallen, d. h., sie bekamen die Wirkung von GBL als Schlafmittel zu spĂŒren.
GBL ist als Party- und Sexdroge bekannt, es dient auĂerdem als Grundsubstanz fĂŒr die Herstellung des in einschlĂ€gigen Kreisen bekannten Liquid Ecstasy. Zum Teil wird GBL selbst auch als Liquid Ecstasy bezeichnet, wobei es keinerlei chemische Verwandtschaft zu Ecstasy hat und auch in der Wirkung keine groĂe Ăhnlichkeit mit Ecstasy besteht. GBL hat einen sauren, seifenartigen Geschmack mit schwachem Geruch. In geringen Mengen (ca. 0,5 ml bis 2,0 ml) bewirkt GBL bei oraler Aufnahme einen Rausch, der partiell dem Alkoholrausch Ă€hnelt. Mögliche Wirkungen sind erhöhtes Selbstbewusstsein bis hin zur Euphorie, erhöhte Risikobereitschaft, Schwindel, Somnolenz, Mydriasis, angstlösend, antidepressiv, sexuell stimulierend, starke Entspannung der Muskeln, intensivere emotionale Wahrnehmung, gesteigertes MitteilungsbedĂŒrfnis bis hin zum Redefluss (Laberflash), Bewegungsdrang, Hunger auslösend, Ăbelkeit, schmerzstillend und manchmal auch Kopfschmerzen. Auch Herz-Kreislauf-Probleme können sich ergeben, da GBL auf die Katecholamin-Rezeptoren im Gehirn wirkt [6]. Höhere Dosen fĂŒhren zu einem narkotischen Zustandsbild. Das zu GHB metabolisierte GBL wirkt somit als Schlafmittel oder Narkotikum. In geringeren Dosierungen hat es jedoch eine aufputschende und stimmungsaufhellende Wirkung. Dies hĂ€ngt damit zusammen, dass mit der Aktivierung des GHB-Rezeptors Glutamat freigesetzt wird, der wichtigste erregende Neurotransmitter [7]. In gröĂeren Mengen bewirkt es eine Aktivierung des GABAB-Rezeptors, der zu der sedativen Wirkung fĂŒhrt.[8] Die Wirkung von GHB auf die Dopaminfreisetzung ist zweiphasig: Niedrige Konzentrationen stimulieren die Dopaminfreisetzung ĂŒber den GHB-Rezeptor [9] und höhere hemmen die Freisetzung ĂŒber den GABAB-Rezeptor.[10]. Sowohl die Hemmung als auch die AusschĂŒttung von Dopamin wird durch Opioid-Antagonisten wie Naloxon und Naltrexon verhindert.[11] GBL kann auch je nach Dosis wie ein Neuroleptikum wirken, weil, wie eben erwĂ€hnt, durch Aktivierung der GABAB-Rezeptoren die DopaminausschĂŒttung gehemmt wird, was dem Haupt-Wirkmechanismus von Neuroleptika entspricht.[12][13]
GBL kann bei chronischem Abusus zu einer körperlichen und psychischen AbhĂ€ngigkeit fĂŒhren. Beim Absetzen von GBL nach langfristigem, meist tĂ€glichen Gebrauch (zwei bis drei Wochen) stellen sich Entzugsbeschwerden ein, welche qualitativ denen bei Benzodiazepinen gleichen, jedoch in IntensitĂ€t und Dauer (zwölf bis 96 Stunden) nicht das AusmaĂ erreichen. Physisch können folgende charakteristischen Symptome auftreten: Enormes Schwitzen, Muskelzittern, psychomotorische Unruhe bis hin zu epileptische AnfĂ€llen, begleitet mit anderen Symptomen wie zum Beispiel Durchfall oder Ăbelkeit. Psychisch kann es zu Schlaflosigkeit die bei entsprechender PrĂ€disposition von akuten psychotischen Symptomen (Wahnvorstellungen, Halluzinationen, Depersonalisierung, Derealisation, teils auch Dissoziation) begleitet werden. Je nach IntensitĂ€t erfordern diese Symptome klinische Hilfe.
TodesfĂ€lle durch Monokonsum von GBL sind bisher nur vereinzelt bei extremen Ăberdosierungen und bei Behandlungsfehlern vorgekommen. Besonders gefĂ€hrlich ist jedoch der Mischkonsum mit zentral dĂ€mpfend wirkenden Drogen, z. B. Alkohol oder Heroin. In Kombination mit Alkohol oder atemdepressiv wirkenden Medikamenten (z. B. Benzodiazepinen) kann es zu Ăbelkeit und Erbrechen kommen, was durch die narkotisierende Eigenschaft der Droge zum Erstickungstod fĂŒhren kann.[14] AuĂerdem kann eine lebensbedrohliche Atemdepression und Bradykardie auftreten.[6]
Nach einem von GBL induzierten Schlaf wacht man nach einigen Stunden plötzlich auf, weil mit der Zeit die Konzentration von GHB unter die Schwelle der Aktivierung der GABAB-Rezeptoren sinkt und wieder in erster Linie die GHB-Rezeptoren aktiviert werden, was einen stimulierenden Effekt zur Folge hat. Wegen der einschlĂ€fernden Wirkung kann der Zustand der betroffenen Person von SanitĂ€tern und Helfern falsch eingeschĂ€tzt werden. Meist wird eine Ăberdosierung von Benzodiazepinen vermutet, so dass oft eine intensivmedizinische symptomatische Behandlung (unter UmstĂ€nden auch die zusĂ€tzliche Gabe von Flumazenil) vorgenommen wird. Durch den stimulierenden Effekt der GABAB-Rezeptoren wird GBL u. a. von machen Leistungssportlern und Bodybuildern als Doping-Mittel eingesetzt. Durch die Stimulierung der GABA-Rezeptoren werden die Wachstumshormone und der Fettstoffwechsel angeregt. Auch soll der von GBL induzierte Schlaf die Muskulatur von ihrer Beanspruchung wesentlich schneller regenerieren lassen.
Nach der oralen Einnahme setzt die Wirkung von GBL innerhalb von 5-20 Minuten ein. Dabei wird GBL komplett zu GHB hydrolysiert. Die maximale Plasmakonzentration werden beim Menschen dosisabhÀngig bereits nach 20-45 Minuten erreicht. Die Eliminationshalbwertszeit betrÀgt 30 bis 50 Minuten, die Wirkungsdauer des Rausches betrÀgt mindestens 90 bis maximal 180 Minuten.
GHB hat im Vergleich zu anderen Drogen wie z. B. Alkohol, Amphetamin oder Tetrahydrocannabinol eine sehr kurze Halbwertszeit. Aufgrund dieser sehr geringen Halbwertzeit ist GHB maximal nur zwölf Stunden im Urin und sechs Stunden im Blutserum nachweisbar. Der Nachweis im Urin und Blutserum kann wegen der weitgehender Metabolisierung des GHB zu Kohlenstoffdioxid und Wasser lediglich nur per aufwendiger und empfindlicher Messung in Speziallaboratorien per GC-MS (Kopplung eines Gaschromatographen (GC) mit einem Massenspektrometer (MS)) erfolgen.
GBL wird im Blut durch die 1,4-Lactonase zu GHB hydrolysiert. Die resorbierung von GBL erfolgt bei oraler Aufnahme schneller als von GHB, so dass der Plasmaspiegel von GHB bei der Einnahme von GBL schneller ansteigt als bei Einnahme von GHB selbst. Die Plasmahalbwertszeit von GBL betrĂ€gt auf Grund rascher Metabolisierung zu GHB weniger als 60 s, das heiĂt, fĂŒnf Minuten nach der Einnahme von GBL sind im Körper noch etwa 3 % des Gamma-Butyrolactons vorhanden. PrimĂ€r wird GHB durch Alkoholdehydrogenase (ADH)/Aldehyddehydrogenasen (ALDH) im Körper zu BernsteinsĂ€ure metabolisiert, die ihrerseits in den Citratzyklus ĂŒbergeht. Als Abbauprodukte bleiben letztlich nur Kohlenstoffdioxid und Wasser ĂŒbrig. Zu geringen Teilen entstehen auch Metabolite durch ÎČ-Oxidation, welche renal ausgeschieden werden.
Bei unverdĂŒnntem GBL Konsum wird die Speiseröhre, Magenschleimhaut, Dick- und DĂŒnndarmzellen angegriffen, auch kann die Wundheilung verzögert werden. UnverdĂŒnntes GBL löst Calcium aus dem Zahnschmelz. Eine weitere Gefahr stellen Verunreinigungen dar, die in dem nicht analysenreinen Industrie-GBL enthalten sein können.
Die ToxizitĂ€t von GBL wurde auf Grund seiner vielfĂ€ltigen Verwendung in der chemischen Industrie, unter anderem auch bei der Produktion von Lebensmitteln, recht eingehend erforscht. Tierversuche haben ergeben, dass GBL innerhalb weniger Minuten zu GHB metabolisiert wird und binnen zwei bis drei Stunden als CO2 mit der Atemluft wieder ausgeschieden wird. LD50-Werte bei einmaliger Verabreichung von GBL fĂŒr MĂ€use liegen im Bereich zwischen 0,5 und 1,8 g pro Kilogramm Körpergewicht. Mehrmonatige Verabreichungen an Tiere in kleineren Dosierungen sind ohne SchĂ€den ĂŒberstanden worden. MĂ€nnliche Ratten, denen ĂŒber Monate GBL verabreicht wurde, hatten eine höhere Lebenserwartung im Vergleich zur Kontrollgruppe.[15] GBL ist weder gentoxisch noch krebserregend.
GBL ist eine schleimhautreizende, gesundheitsschĂ€dliche Substanz. Daher mĂŒssen beim Arbeiten mit GBL eine Schutzbrille und Schutzhandschuhe getragen werden. Mit GBL verunreinigte Kleidung muss sofort entfernt werden. Zudem muss beim Arbeiten mit GBL fĂŒr eine gute BelĂŒftung gesorgt werden. Nach Hautkontakt mĂŒssen betroffene Stellen mit Seife und Wasser grĂŒndlich abgewaschen werden, Haut jedoch nicht schrubben. Nach Augenkontakt muss das betroffene Auge mindestens 15 Minuten mit flieĂendem Wasser gespĂŒlt werden und anschlieĂend ein Augenarzt aufgesucht werden. Wird GBL versehentlich verschluckt, muss der Mund sofort mit Wasser gespĂŒlt und reichlich Wasser nachgetrunken werden.
Brennendes GBL kann mit Wasser, Trockenlöschmitteln, Schaum und Kohlenstoffdioxid gelöscht werden, wobei Chemikalienschutzkleidung getragen werden muss. Kontaminiertes Löschwasser muss getrennt gesammelt werden und darf nicht in die Kanalisation gelangen.
GBL muss an einem gut belĂŒfteten Ort und getrennt von Alkalien und basenbildenden Substanzen gelagert werden.
GBL ist nicht im BetĂ€ubungsmittelgesetz aufgefĂŒhrt, doch wird die Abgabe in Europa gröĂtenteils durch die Vertreiber ĂŒberwacht (Monitoring). Der Besitz ist nicht strafbar, ist aber durch das Chemikaliengesetz und die GefStoffV geregelt. Strafbar ist der Missbrauch von GBL zur Synthese von GHB sowie die zweckentfremdete Abgabe / Verkauf zum Konsum (Arzneimittelgesetz).[16] In den letzten Jahren war auf Grund des Verbotes von GHB ein Anstieg des GBL-Konsums zu beobachten.
GBL fĂ€llt unter die Definition von § 2 Abs 1 des AMG, sobald es fĂŒr die Anwendung an Mensch oder Tier bestimmt ist. Somit ist Herstellung und Verkauf einer Substanz nach dem AMG reguliert, unabhĂ€ngig davon, in welcher Form die Substanz vorliegt, wenn sie in Bestimmung § 2 Abs 1 erfĂŒllt.[17][18] Der Verkauf und die Herstellung von Arzneimitteln ohne Genehmigung ist strafbar nach ArzneimittelG § 2 Abs. 1 Nr. 5 a. F., § 2 Abs. 1 Nr. 2a n. F., § 5, § 95 Abs. 1 Nr. 1, StPO § 354a. Dies wurde in einem Urteil des Bundesgerichtshofs zu der frei verfĂŒgbaren Chemikalie GBL bestĂ€tigt, welche nach dem AMG als Arzneimittel eingestuft wird, sobald sie fĂŒr den Konsum bzw. Gebrauch an Mensch oder Tier bestimmt ist.[19][20]
| |
Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten! |