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Calciumhydroxid

Kristallstruktur
Kristallstruktur von Calciumhydroxid
__ Ca2+     __ OH−
Allgemeines
Name Calciumhydroxid
Andere Namen
  • Calciumdihydroxid
  • Kalziumhydroxid
  • Portlandit
  • gelöschter Kalk
  • Marmorkalkhydrat
  • Calciumlauge (als wĂ€ssrige Lösung)
  • Kalkwasser (als wĂ€ssrige Lösung)
  • Kalkmilch (als wĂ€ssrige Lösung)
  • E 526
VerhÀltnisformel Ca(OH)2
CAS-Nummer 1305-62-0
Kurzbeschreibung

farbloser, geruchloser Feststoff[1]

Eigenschaften
Molare Masse 74,10 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

2,24 g·cm−3 (20 °C)[1]

Schmelzpunkt

Zersetzung bei 550 °C[1]

Löslichkeit

schlecht in Wasser (1,7 g·l−1 bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
05 – Ätzend

Gefahr

H- und P-SĂ€tze H: 318
EUH: keine EUH-SĂ€tze
P: 280-​305+351+338-​313 [2]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
Reizend
Reizend
(Xi)
R- und S-SĂ€tze R: 41
S: 22-24-26-39
LD50

7340 mg·kg−1 (Ratte, oral)[1]

Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
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Calciumhydroxid (auch: gelöschter Kalk, Löschkalk, Kalkhydrat, Hydratkalk) ist das Hydroxid des Calciums.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen

Calciumhydroxid kommt in der Natur auch als Mineral Portlandit vor.

Gewinnung und Darstellung

Calciumhydroxid entsteht unter starker WĂ€rmeentwicklung (exotherme Reaktion) beim Versetzen von Calciumoxid mit Wasser.[3] Diesen Vorgang nennt man auch Kalklöschen. Die WĂ€rmeentwicklung ist so stark, dass Teile des Wassers verdampfen (umgangssprachlich als „Rauchen“ bezeichnet).

<math>\mathrm{CaO + \ H_2O \longrightarrow \ Ca(OH)_2}</math>

Einen Überblick ĂŒber die Umwandlungsprozesse zwischen verschiedenen Calciumverbindungen (Technischer Kalkkreislauf) gibt folgendes Schaubild:

Umwandlungsprozesse verschiedener Calciumverbindungen

Weiterhin ist die Darstellung durch Reaktion von wÀssrigen Calciumsalzlösungen mit Alkalilaugen möglich (zum Beispiel Calciumnitrat mit Kaliumhydroxid).[3]

<math>\mathrm{Ca(NO_3)_2 \cdot 4 H_2O + 2 \ KOH \longrightarrow \ Ca(OH)_2 + 2 \ KNO_3 + 4 \ H_2O}</math>

Calciumhydrid oder Calcium selbst reagiert mit Wasser heftig unter Bildung von Calciumhydroxid und Wasserstoff.[4]

<math>\mathrm{CaH_2 + 2 \ H_2O \longrightarrow \ Ca(OH)_2 + 2 \ H_2}</math>

Eigenschaften

Calciumhydroxid

Calciumhydroxid ist ein farbloses Pulver, welches sich nur wenig in Wasser löst, wobei die Lösung stark basisch reagiert. Die Löslichkeit ist temperaturabhĂ€ngig und sinkt bei steigender Temperatur: 1860 mg/l bei 0 Â°C; 1650 mg/l bei 20 Â°C und 770 mg/l bei 100 Â°C.[5] Bei 580 °C zersetzt es sich, wobei Calciumoxid und Wasser entstehen.[2] Calciumhydroxid besteht aus hexagonalen Kristallen mit einer Kristallstruktur vom Cadmiumiodid-Typ (a = 3,584, c = 4,896 A).[3] <div style="clear:both;" />

Verwendung

Der Haupteinsatzzweck von Calciumhydroxid ist die Zubereitung von Mörtel im Bauwesen.[2] Es findet dort unter dem Namen Weißkalkhydrat Verwendung (DIN 1060). Kalkputze bestehen aus Mischungen von Calciumhydroxid, gemahlenem Kalkstein und Sand. Calciumhydroxid dient auch als Zwischenprodukt zur Herstellung von Chlorkalk und Natronlauge aus Soda.[2] Weiterhin wird es als Medikament in der Zahnmedizin verwendet, vor allem zur Desinfektion von WurzelkanĂ€len und KavitĂ€ten. Es ist auch Bestandteil des Atemkalks, welche in NarkosegerĂ€ten oder TauchgerĂ€ten mit RĂŒckatmung zum Herausfiltern von Kohlenstoffdioxid aus der Ausatemluft verwendet wird. Eine weitere Verwendung findet Calciumhydroxid als Pflanzenschutzmittel im Obstbau. Hier wird es zum Beispiel als Fungizid (Pilzgift) gegen Obstbaumkrebs eingesetzt. Die Ă€tzende Wirkung, welche auch diverse Krankheitserreger zerstört, ist der Grund, warum frĂŒher gelöschter Kalk zum Desinfizieren von StĂ€llen (das „Kalken“ der StĂ€lle) benutzt wurde. Ungelöschter Kalk kann im Stall unter Wasserzufuhr aufgrund starker WĂ€rmeentwicklung allerdings BrĂ€nde verursachen.[6] In der Lebensmittelindustrie wird es als SĂ€ureregulator Lebensmitteln zugesetzt und ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Bezeichnung E 526 ohne HöchstmengenbeschrĂ€nkung (quantum satis) fĂŒr Lebensmittel allgemein zugelassen.

Der gelöschte Kalk wird unter anderem als Alternative zum Kalkstein in der Rauchgasentschwefelung eingesetzt, da es mit SchwefelsĂ€ure Calciumsulfat (Gips) bildet. Die Einsatzmenge ist hierbei ca. 1,8-fach geringer als fĂŒr Kalkstein. Der dabei gewonnene Gips hat einen Weißgrad von 80 % und kann kommerziell weiterverwendet werden. Durch seine hohe ReaktivitĂ€t werden geringere Verbrauchmengen benötigt. Nachteil ist sein deutlich höherer Preis gegenĂŒber Kalkstein.

Kalk wird auch zur Verbesserung der TragfĂ€higkeit von Baugrund eingesetzt. Ein Boden mit zu hohem Wassergehalt und daraus resultierender geringer TragfĂ€higkeit, schlechter Verdichtbarkeit kann durch das Untermischen von 2–4 % MA Kalk verbessert werden. Der Kalk bindet einen Teil des Wassers und verbessert so unter anderem die PlastizitĂ€t, die Verdichtbarkeit und die TragfĂ€higkeit. Deshalb ist die Bodenverbesserung mit Kalk ein Verfahren zur sofort erreichbaren Verbesserung der EinbaufĂ€higkeit und Erleichterung der AusfĂŒhrung von Bauarbeiten.

Kalkwasser ist die (nahezu) gesĂ€ttigte Lösung von Calciumhydroxid und dient als klare FlĂŒssigkeit dem Nachweis von Kohlenstoffdioxid.

Suspensionen in Wasser sind:

Sicherheitshinweise

Gebrannter (ungelöschter) Kalk (Calciumoxid, Branntkalk) und gelöschter Kalk sind reizend, Kontakt mit den Augen kann zu ernsten AugenschĂ€den fĂŒhren. Ungelöschter Kalk kann unter Wasserzufuhr BrĂ€nde verursachen.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e Datenblatt Calciumhydroxid bei Merck, abgerufen am 19. Januar 2011.
  2. ↑ a b c d e f Eintrag zu CAS-Nr. 1305-62-0 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 20. Mai 2010 (JavaScript erforderlich)
  3. ↑ a b c Georg Brauer; Handbuch Der PrĂ€parativen Anorganischen Chemie, S. 926; ISBN 3-432-87813-3
  4. ↑ Roland Pfestorf,Heinz Kadner; Chemie: Ein Lehrbuch fĂŒr Fachhochschulen, S.368; ISBN 978-3817117833
  5. ↑ Taschenbuch Chemische Substanzen, 3. Auflage, Harri Deutsch, Frankfurt a. M., 2007
  6. ↑ ORF: Ungelöschter Kalk als Brandrisiko
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