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Carlos Menem

Carlos Menem
RaĂșl AlfonsĂ­n ĂŒbergibt feierlich sein Mandat an Carlos Menem

Carlos SaĂșl Menem Akil oder kurz Carlos Menem (* 2. Juli 1930 in Anillaco, Provinz La Rioja, Argentinien) ist ein argentinischer Rechtsanwalt und Politiker, der als Mitglied der Peronistischen Partei vom 9. Juli 1989 bis 10. Dezember 1999 PrĂ€sident von Argentinien war.

Inhaltsverzeichnis

FrĂŒhe Jahre

Seine Familie war Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem damals noch zum Osmanischen Reich gehörenden Syrien – daher der Spitzname „el turco“ – nach Argentinien gekommen. Er studierte Jura an der staatlichen UniversitĂ€t CĂłrdoba. Er fĂŒhrte eine Kampagne zur UnterstĂŒtzung von politischen Gefangenen durch und wurde 1957 wegen Mithilfe bei gewaltsamen Aktionen gegen die Diktatur des Generals Pedro Eugenio Aramburu inhaftiert. Nach dem Ende der MilitĂ€rherrschaft im Jahre 1973 wurde er zum Gouverneur der Provinz La Rioja gewĂ€hlt. Drei Jahre spĂ€ter wurde er abermals inhaftiert, als die PrĂ€sidentin Isabel MartĂ­nez de PerĂłn im MĂ€rz 1976 gestĂŒrzt wurde und erneut eine MilitĂ€rjunta die PrĂ€sidentschaft ĂŒbernahm. Im Oktober 1983, mit dem Ende des MilitĂ€rregimes und der RĂŒckkehr des Landes zur Demokratie, wurde Menem erneut zum Gouverneur der Provinz La Rioja gewĂ€hlt. Am 14. Mai 1989, als das Land unter einer ernsten Wirtschaftskrise litt, wurde er zum PrĂ€sident der Republik Argentinien als Nachfolger von RaĂșl AlfonsĂ­n gewĂ€hlt. Die Gesetzgebung der damaligen Zeit ließ nur Katholiken zur PrĂ€sidentschaftswahl zu. Da Menem ein Sohn muslimischer Einwanderer war, musste er vor seiner Kandidatur zum römisch-katholischen Glauben ĂŒbertreten.

PrÀsidentschaft

Das Hauptproblem, welches er zu bewĂ€ltigen hatte, war die Wirtschaft, die aufgrund einer Hyperinflation und einer Rezession vor dem Ruin stand. Menem handelte schnell, indem er eine Reihe von Reformen neoliberalen Zuschnitts durchfĂŒhrte: Er privatisierte die Staatsfirmen und die staatlichen Fernsehanstalten. Er deregulierte die Wirtschaft und gab die Preise frei. WĂ€hrend der Amtszeit des Wirtschaftsministers Domingo Cavallo wurde das KonvertibilitĂ€tsgesetz erlassen, das den Wert des argentinischen Peso 1:1 an den Dollar der Vereinigten Staaten koppelte. Dieser Wechselkurs hatte bis zur argentinischen Finanzkrise von 2001/2002 Bestand. Die Zentralbank war verpflichtet, die argentinische WĂ€hrung mit ihren Dollarreserven im VerhĂ€ltnis 1:1 zu decken. Dadurch konnte der Staat sich nicht mehr durch eine Erhöhung der Geldmenge refinanzieren (fehlende Seigniorage). Dieser positive Aspekt wurde durch eine Erhöhung der Außenverschuldung zunichte gemacht: In den 10 Jahren seiner Regierungszeit wuchs die Außenschuld um 123 % von 65,3 auf 146,2 Milliarden US-Dollar.

Der wichtigste wirtschaftliche Nutzen, der sich aus diesen Maßnahmen ergab, war eine vergleichsweise geringe Inflation im niedrigen einstelligen Bereich. Die feste ParitĂ€t des argentinischen Peso mit dem Dollar sowie die vom hohen Finanzbedarf hervorgerufenen, relativ hohen ZinssĂ€tze zogen auslĂ€ndisches Kapital an, was zu einem bedeutenden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts fĂŒhrte. Die Privatisierung im öffentlichen Dienst und von Staatsbetrieben fĂŒhrte zu QualitĂ€tsverbesserungen in mehreren Sektoren (Wasser, Licht, Gas), obwohl viele Verbraucher davon ausgeschlossen blieben und sich die QualitĂ€t der Dienstleistungen in anderen Sektoren verschlechterte. Die Privatisierung des Schienennetzes schlug gĂ€nzlich fehl, weite Teile des großen Streckennetzes wurden vollstĂ€ndig aufgegeben.

Gleichzeitig waren aufgrund der hohen, an den Dollar „gebundenen“ Binnenpreise die bedeutendsten Nachteile seiner Politik eine deutliche Abnahme der WettbewerbsfĂ€higkeit der Exportwirtschaft und der weiterverarbeitenden Betriebe, die den Binnenmarkt belieferten, sowie die Arbeitslosigkeit.

Als Menem die RegierungsgeschĂ€fte ĂŒbernahm, erklomm die Arbeitslosigkeit und die UnterbeschĂ€ftigung historische Höhen (8,1 % bzw. 8,6 % der wirtschaftlich aktiven Bevölkerung). Nach einer Periode langsamer Abnahme (6,9 bzw. 8,3 % im Mai 1992), wuchs die Arbeitslosigkeit sowie die UnterbeschĂ€ftigung wĂ€hrend der Wirtschaftskrise in Mexiko („Tequila-Krise“) wieder an, bis sie im Mai 1995 mit 18,4 bzw. 11,3 % den Gipfel erreichte und danach die beiden Indikatoren im Oktober 1998 auf 12,4 bzw. 13,6 % sanken. Am Ende seiner Regierung lagen diese Zahlen bei 13,8 bzw. 14,3 %.

Auch in anderen Bereichen machte Menem von sich reden. So wirkte er 1991 bei der Bildung der sĂŒdamerikanischen Freihandelszone Mercosur mit. Nach dem Skandal, den der Mord an dem Rekruten Omar Carrasco auslöste, schaffte er die Wehrpflicht ab. Seine Regierung wurde schließlich durch KorruptionsvorwĂŒrfe und nachgewiesene FĂ€lle von Vetternwirtschaft belastet. Er begnadigte Soldaten der vorhergegangenen MilitĂ€rdiktatur (1976–1983) sowie Mitglieder von Guerillaorganisationen, die hauptsĂ€chlich in den 70er Jahren aktiv gewesen waren.

Man legt ihm zur Last, die Judikative manipuliert zu haben. Als er an der Macht war, wurde durch ein Gesetz des Kongresses die Anzahl der Mitglieder des Obersten Gerichtshofes auf neun erhöht. Ein Teil der Presse nannte diesen vergrĂ¶ĂŸerten Gerichtshof „das Gericht der Wunder“, denn man warf ihm vor, immer nach Interessenlage der Regierung zu entscheiden. Eine andere Bezeichnung, die man den fĂŒnf Menem nahe stehenden Richtern gab, war „die automatische Mehrheit“, da in den meisten StreitfĂ€llen die Stimmen dieser fĂŒnf Richter ĂŒbereinstimmten.

WĂ€hrend seiner Regierungszeit wurden terroristische Attentate verĂŒbt, die ĂŒber hundert Menschen das Leben kosteten: 1992 auf die israelische Botschaft und 1994 auf die argentinisch-israelitische Vereinigung (AMIA). Die Ermittlungen, die die Schuldigen dieser Attentate finden sollten, blieben erfolglos; einige Sektoren halten daran fest, dass die Ermittlungen absichtlich von den Instanzen der Regierung behindert wurden.

Die hohen Beliebtheitswerte seiner AmtsfĂŒhrung und die große, in der Peronistischen Partei konzentrierte Macht erlaubten es Menem, Druck auf die Oppositionspartei Radikale BĂŒrgerunion (UCR) und insbesondere auf ihren Parteivorsitzenden RaĂșl AlfonsĂ­n zwecks Unterzeichnung des so genannten Pakt von Olivos auszuĂŒben. Darin vereinbarten die beiden Seiten nach Verhandlungen hinter verschlossenen TĂŒren unter anderem den Aufruf zu einer Reform der nationalen Verfassung im Jahre 1994, die im Tausch gegen eine VerkĂŒrzung der PrĂ€sidentschaft von sechs auf vier Jahre die einmalige Wiederwahl des PrĂ€sidenten ermöglichte. Dadurch wurde gleichzeitig die Wiederwahl Menems im darauf folgenden Jahr möglich.

In seiner zweiten Amtszeit hielt Menem an der Wirtschaftspolitik seiner ersten Regierungsperiode fest. Jedoch machten dieses Mal die wachsende Auslandsverschuldung, der Beginn einer Rezession im vierten Quartal 1998 und neue KorruptionsvorwĂŒrfe Menem zu einer immer unbeliebteren Figur. Er wollte zwar erneut bei den PrĂ€sidentschaftswahlen antreten, da nach seiner Meinung die VerfassungsĂ€nderung dazu fĂŒhrte, dass seine zweite PrĂ€sidentschaft als erste PrĂ€sidentschaft im Sinne der neuen Verfassung anzusehen war, scheiterte aber damit vor Gericht. Nach den PrĂ€sidentschaftswahlen ĂŒbergab Menem sein Amt im Jahr 1999 an Fernando de la RĂșa von der oppositionellen Radikalen BĂŒrgerunion (UCR) ab, der sich gegen den Kandidaten der Peronistischen Partei Eduardo Duhalde durchsetzen konnte.

Leben nach der PrÀsidentschaft

Im Mai 2001 heiratete er die Chilenin Cecilia Bolocco, die frĂŒher als Model (Miss Universum im Jahre 1987) und als chilenische Fernsehmoderatorin tĂ€tig war. Am 7. Juni 2001 wurde er aufgrund des Verdachts des Waffenhandels mit Kroatien und Ecuador wĂ€hrend seiner Amtszeit (im Jahre 1991 und 1996) verhaftet und stand bis November desselben Jahres unter Hausarrest. Ende August 2002 stand er vor Gericht und bestritt alle Anklagepunkte. SpĂ€ter wurde ihm der Besitz von Konten auf Schweizer Banken zur Last gelegt, deren Existenz der Ex-PrĂ€sident nicht angegeben hatte und deren Vorhandensein er nicht rechtfertigen konnte. In dieser Angelegenheit wurde er verurteilt, nach Bereitstellung einer Kaution wurde ihm aber am 20. Dezember 2004 die Haftstrafe erlassen.

Nachdem PrĂ€sident Eduardo Duhalde fĂŒr das Jahr 2003 PrĂ€sidentschaftswahlen angekĂŒndigt hatte, stellte sich Menem erneut zur Wahl, die am 27. April stattfand. Menem erreichte hierbei zunĂ€chst die einfache Mehrheit mit 25 % der Stimmen. Es gelang ihm jedoch nicht, die nötigen Stimmen fĂŒr eine absolute Mehrheit zu erringen und direkt die PrĂ€sidentschaft zu erlangen. Es wurde folglich fĂŒr den 18. Mai 2003 eine Stichwahl zwischen Menem und dem Zweitplatzierten NĂ©stor Kirchner angesetzt. Menem entschloss sich jedoch, zur Stichwahl nicht anzutreten, als die Umfragen zeigten, dass sein Gegner ihn um etwa 40 Prozentpunkte ĂŒbertreffen wĂŒrde. NĂ©stor Kirchner wurde durch den Verzicht Menems automatisch argentinischer PrĂ€sident.

Am 23. Oktober 2005 kandidierte Menem fĂŒr seine Heimatprovinz La Rioja bei den Senatswahlen und errang den Sitz des Zweitplatzierten. Gewinner der Wahl war Ángel Maza, Gouverneur der Provinz und VerbĂŒndeter des PrĂ€sidenten Kirchner, der wiederum ein dezidierter Menem-Gegner ist. Aufgrund des Wahlsystems wurde Carlos Menem dennoch Senator (Die stĂ€rkste Partei erhĂ€lt zwei Posten, die zweitstĂ€rkste Gruppierung einen). Menem ĂŒbernahm somit genau sechs Jahre nach Ende seiner PrĂ€sidentschaft wieder ein öffentliches Amt. Einige politische Analysten werten aber die Tatsache, dass er nicht die Mehrheit in seiner eigenen Provinz erreichte, als Zeichen seines politischen Bedeutungsverlustes.

Literatur

  • Peter Birle, Sandra Carreras (Hrsg.): Argentinien nach zehn Jahren Menem. Wandel und KontinuitĂ€t. Vervuert, Frankfurt a. M. 2002, ISBN 3-89354-586-7
  • Mariana Llanos, Detlef Nolte: Menem wirft das Handtuch. Ein politischer Neuanfang in Argentinien unter NĂ©stor Kirchner? in: Brennpunkt Lateinamerika 10/2003, Institut fĂŒr Iberoamerika-Kunde: Hamburg, ISSN 1437-6148 (Volltext als PDF)

Weblinks

 Commons: Carlos Menem â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


VorgÀnger Amt Nachfolger
RaĂșl AlfonsĂ­n PrĂ€sident von Argentinien
1989–1999
Fernando de la RĂșa
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