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Cassiano dal Pozzo (* 1588 in Turin; † 22. Oktober 1657 in Rom) war ein römischer Gelehrter und Mäzen.
Cassiano dal Pozzo wurde 1588 in Turin geboren. Einen großen Teil seiner Jugend verbrachte er in Pisa im Hause eines Verwandten. Dieser war Erzbischof und Berater des Herzogs Fernando I. de' Medici. Dal Pozzo erhielt eine sorgfältige Ausbildung, die er mit dem Grad eines Doktors beider Rechte abschloss. Pisa war damals berühmt wegen seiner Universität, hatte schon einen botanischen Garten und galt als Zentrum der Naturwissenschaften. In Pisa oder Florenz lernte er Galileo Galilei kennen, dem er sein Leben lang freundschaftlich verbunden blieb, auch während des von der Kurie gegen Galilei betriebenen Prozesses. 1622 wurde er Mitglied der von Federico Cesi gegründeten Accademia dei Lincei. Nach dem Tod Cesis kaufte dal Pozzo aus dessen Nachlass Bücher, Materialien zu den Naturwissenschaften und naturkundliche Zeichnungen, die den Grundstock für dal Pozzos in der damaligen Zeit einzigartige Sammlung und Dokumentation zur Archäologie und zu den Naturwissenschaften bildeten.
Cassiano dal Pozzo gehörte zu einem Kreis von adligen Kunstsammlern, Gelehrten, Buchhändlern und Verlegern, die sich für die Antike, die Wissenschaften und die zeitgenössische Kunst interessierten. Enge Beziehungen bestanden zu französischen Gelehrten, adligen Mäzenen und Mitgliedern des Pariser Hofs, wie überhaupt das Klima in Rom zur Zeit der Regierung Papst Urban VIII. ausgesprochen frankophil war.
1615 bis 1616 unternahm er als Begleiter Barberinis Reisen nach Spanien und Frankreich, die zwar einen diplomatischen Auftrag hatten, beiden aber Gelegenheit gaben, französische und spanische Kunstsammlungen zu sehen und wichtige Kontakte zu knüpfen. Auch der erste Kontakt mit dem französischen Gelehrten und Antiquar Nicolas Claude Fabri de Peiresc (1580-1663), der bis zu Peirescs Tod nicht abriss, fand hier statt. Nach seiner Rückkehr nach Rom bezog er mit seinem Bruder und dessen Familie ein Haus in der Nähe von Sant’Andrea della Valle, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte.
(auch Museo Cartaceo, it., Museum Cartaceum, lat.)
Von besonderer Bedeutung ist das von dal Pozzo zusammen mit seinem Bruder Carlo Andrea dal Pozzo II (* in Turin, † l. August 1689 in Rom) initiierte Projekts des Papiermuseums, ein modern anmutendes Unternehmen der Dokumentierung aller noch sichtbaren Spuren antiken Lebens in Rom. Dabei ging es nicht um eine ästhetische Sicht der Antike sondern um die Dokumentation antiker Realien, um die antike Sachkultur. Über vierzig Jahre lang beschäftigte er Zeichner, die römische Antiken und frühchristliche Relikte abzeichneten. Neben Zeichnungen, die historischen und archäologischen Zwecken dienten, wurden solche mit naturkundlichen Gegenständen gesammelt, ebenso Drucke zu Tagesereignissen sowie zahlreiche Zeichnungen und Drucke der Meister des sechzehnten Jahrhunderts. Sein Museum enthielt schließlich über 6.500 Zeichnungen. Die Ergebnisse ließ er in insgesamt 23 Büchern binden, geordnet nach fünf Themen.
Ein gravierender Mangel dieses Archivs war allerdings das Fehlen eines Registers oder eines erschließenden Kommentars, so dass dieser enorme Fundus an Wissen ohne die Hilfe dal Pozzos schwierig zu nutzen war. Nach dal Pozzos Tod setzte der Bruder das Projekt fort. Im Jahre 1703 verkaufte die Familie dal Pozzo das gesamte Archiv an Papst Clemens XI., von dem es in den Besitz des Kardinal Alessandro Albani überging. Ab 1743 arbeitete Johann Joachim Winckelmann als Bibliothekar für den Kardinal. Teile der Sammlung befinden sich heute in der Royal Library in Windsor Castle und im British Museum in London
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Pozzo, Cassiano dal |
| KURZBESCHREIBUNG | italienischer Gelehrter und Mäzen |
| GEBURTSDATUM | 1588 |
| GEBURTSORT | Turin |
| STERBEDATUM | 22. Oktober 1657 |
| STERBEORT | Rom |