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Chemiepark Marl

Out of date clock icon.svg 00Dieser Artikel beschreibt ein aktuelles Ereignis. Die Informationen können sich deshalb rasch ändern.

Luftbild
Skyline
SĂĽdlicher Bereich nahe Hauptpforte mit Hochhaus und Kraftwerk
Eingangsbereich

Der Chemiepark Marl (ehemals Chemische Werke Hüls AG) in Marl im Ruhrgebiet ist einer der größten Industrieparks in Deutschland.

Er erstreckt sich ĂĽber eine Fläche von 6,5 Quadratkilometern. Etwa 10 % der Fläche (0,6 km²) gelten als frei und stehen Investoren zur VerfĂĽgung. Die Anlagen der momentan dort tätigen 30 Unternehmen bieten etwa 10.000 Beschäftigten Arbeit, stehen in einem engen stofflichen und energetischen Verbund und werden zum größten Teil vollkontinuierlich betrieben. Der Chemie-Standort ist der drittgrößte Verbundstandort in Deutschland.

Betreiber des Chemieparks Marl ist das Unternehmen Infracor. Zu den Dienstleistungen gehören Basisleistungen für den Standortbetrieb, Rohstoff- und Produktlogistik, Energien, Versorgung, Entsorgung, Anlagen- und Arbeitsplatzbetreuung.

Der Chemiepark Marl ist Ankerpunkt der Route der Industriekultur und kann besichtigt werden.

Inhaltsverzeichnis

Infrastruktur

  • Neben etwa 900 Gebäuden stehen auf dem Gelände mehr als 100 Produktionsbetriebe, mehrheitlich der Chemieindustrie.
  • Die schachbrettartig angelegten StraĂźen sind 55 km lang. Durch die numerische Bezeichnung von Ost-West- (100, 200, …, 1000, 9000) und Nord-SĂĽd-StraĂźen (20, 40, 60, …, 2000) erhalten alle Gebäude eindeutige Nummern, die ihre Lage im Chemiepark beschreiben (zum Beispiel das Hochhaus mit Gebäude 145 nahe der Kreuzung der StraĂźen 100 und 40).
  • Die Rohstoffversorgung erfolgt mittels Pipelines (Ethylen, Propylen, C4-Kohlenwasserstoffe, Benzol, Methanol und Erdgas), Schiff (Binnenumschlag fĂĽr Schiffsladungen bis 2000 t), Eisenbahn und Lkw. Es stehen größere Lagerflächen, Hochregal- und Tanklager zur VerfĂĽgung.
  • Ein 1200 Kilometer langes, internes Rohrleitungsnetz ist auf RohrbrĂĽcken von 30 Kilometern Länge verlegt. Neben Ausgangsstoffen, Zwischen- und Endprodukten der Chemieanlagen werden auch verschiedene Gase durch die Rohrleitungen verteilt: Stickstoff und Sauerstoff in mehreren Druckstufen, Ethylen, Erdgas und Wasserstoff.
  • Eine Luftzerlegungsanlage nach dem Linde-Verfahren stellt den Verbrauchern verflĂĽssigtes Argon sowie ĂĽber das interne Leitungsnetz gasförmigen Sauerstoff und Stickstoff sowie Kälte zur VerfĂĽgung.
  • Das Schienensystem mit eigenem Frachtbahnhof und zwei AnschlĂĽssen an das Netz der Deutschen Bahn ist 120 km lang.
  • Das Kanalnetz ist 70 km lang und bereits seit der Entstehung des Chemieparks in Regen-/KĂĽhl- und Abwasserkanäle getrennt. Die Abwässer werden in zwei Kläranlagen gereinigt, bevor sie in die Lippe gelangen. Im Norden des Geländes existiert eine Anlage zur Klärschlamm- und Abfallverbrennung.
  • Drei Kraftwerke liefern mittels Kraft-Wärme-Kopplung 300 MW elektrische Leistung in verschiedenen Spannungen (6 kV, 500 V und 400/230 V) und mehr als 1000 Tonnen Dampf pro Stunde (Druckstufen 4, 20, 70 und 120 bar) zu marktĂĽblichen Preisen. AuĂźerdem existiert ein Verbund mit dem öffentlichen Stromnetz.

Geschichte

Der Chemiepark geht zurĂĽck auf die GrĂĽndung der Chemische Werke HĂĽls GmbH am 15. Mai 1938 in der Drewer Mark in Marl. Die Chemischen Werke gehörten zu 74 % der I.G. Farben und zu 26 % der Bergwerksgesellschaft Hibernia AG, somit der VEBA AG. Der Name „HĂĽls“ geht auf die Nähe zum angrenzenden Marler Stadtteil zurĂĽck, wo der Mutterkonzern I.G. Farben schon eine Zeche betrieb. Im Dritten Reich wurde dort Buna (synthetischer Kautschuk) fĂĽr die Produktion von Reifen hergestellt.

Die Führungskräfte und Meister des Werkes wurden hauptsächlich von anderen Werken der I.G. Farben aus Ludwigshafen, Schkopau und Leverkusen gestellt. So kam es in den Jahren 1938 bis 1940 zum Zuzug von mehr als 3000 Beschäftigten mit ihren Familien, die von werksseitig betriebenen Bauernhöfen versorgt wurden. In den Jahren 1940 bis 1942 zogen weitere 2000 Mitarbeiter mit ihren Familien zu. Dies führte zu großem Wohnungsmangel in Marl, so dass sie zunächst in Lagern wohnen mussten. Daraufhin wurde mit dem Bau der sogenannten Bereitschaftssiedlung begonnen.

Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurden vermehrt Zwangsarbeiter eingesetzt, die in den mittlerweile leeren Lagern der deutschen Beschäftigten lebten. Die Chemischen Werke waren mehrfach Ziel von Bombenangriffen. Der schwerste von ihnen im Sommer 1943 legte das Werk für etwa drei Monate still. Als Marl am 31. März 1945 von amerikanischen Truppen erobert wurde, konnte eine Sprengung des Werks durch deutsche Truppen verhindert werden.

Am Ende des Krieges war die Mitarbeiterzahl von etwa 10.000 auf etwa 500 gesunken. Der Betrieb wurde unter englische Verwaltung gestellt und musste seine Produkte ändern. Später firmierte der Komplex unter Chemische Werke Hüls AG, mit dem Hauptaugenmerk auf Kunststoffe, Rohstoffe für Waschmittel und wieder Buna. 1998 übernahm die Firma Infracor, ein Tochterunternehmen der Evonik Degussa GmbH, das Gelände als Betreiber (dort auch mehr Informationen zur Geschichte).

Lage und Verkehrsanbindung

Der Chemiepark Marl liegt am nördlichen Rand des Ruhrgebietes und den südlichen Ausläufern des Münsterlandes. Südlich des Chemieparks befindet sich die Autobahn A 52 mit Anschluss an die A 43. Durch den nördlichen Teil des Geländes verlaufen die Lippe sowie der Wesel-Datteln-Kanal, an dem der Chemiepark einen eigenen Hafen hat. Für Chemieprodukte spielt die Anbindung an das Ethen-Pipelinesystem eine besondere Rolle.

Ansässige Unternehmen

Evonik-Logo auf dem Dach des Hochhauses

Von Evonik unabhängige Unternehmen:

Produkte und Dienstleistungen

Produkte

Im Chemiepark Marl werden in circa 100 Anlagen mehr als 4000 Chemikalien hergestellt, von der Kapazität her sind die größten:

TUIS

Die Werkfeuerwehr der Infracor gibt Auskünfte über die Handhabung von gefährlichen Stoffen und Gütern. Als eine der zehn bundesweiten TUIS-Notrufstellen stellt sie auch Fahrzeuge und Geräte zur Verfügung.

Unfälle

  • Am 30. Januar 1995 riss – nach vorheriger Sicherheitsabschaltung – beim Anfahren ein VerbindungskrĂĽmmer in einem Reaktor der Ethanolaminfabrik, und etwa zwei Tonnen Ammoniak sowie 400 kg Ethanolamin traten aus. Da dieser Unfall nach Ende der Tagschicht passierte, entstand nur Sachschaden. Die Freisetzung der Stoffe ist als ZEMA-Ereignis 9501 registriert.
  • Am 19. Juli 1998 wurde durch einen Bedienfehler in der Vinylchloridanlage eine bis dahin nicht erwartete exotherme Reaktion ausgelöst. Diese fĂĽhrte zum Bersten von Rohren, Austritt von Chlorwasserstoff und einem offenen Brand. Die Feuerwehr konnte benachbarte Anlagen durch KĂĽhlung schĂĽtzen, den Chlorwasserstoff durch SprĂĽhnebel niederschlagen und die austretenden Gase kontrolliert abbrennen lassen. Es entstand erheblicher Sachschaden. Der Austritt des Stoffes wird von der ZEMA als Ereignis 9815 gefĂĽhrt.
  • Am 28. Mai 1999 riss ein Rohrbogen einer Vinylchloridanlage auf, und ein Gemisch aus 1,2-Dichlorethan, Vinylchlorid und Chlorwasserstoff trat aus. Hierdurch wurden sechs Mitarbeiter verletzt; auch einige Einsatzkräfte erlitten leichtere Verletzungen. AuĂźerhalb des Chemieparks waren keine Personen betroffen. Wegen der Freisetzung der Stoffe war dies ein meldepflichtiger Unfall, der als ZEMA-Ereignis 9918 registriert wurde.
  • Am 10. Oktober 2006 kam es gegen 10:40 Uhr in einem Produktionsgebäude der Zwischenproduktefabrik (ZPF) zu einer Verpuffung. In der Folge entzĂĽndete sich das Wärmeträgeröl Marlotherm, mit dem u. a. Produkte aufgeheizt werden (etwa 300 Â°C). Durch den Ă–lbrand stieg eine riesige schwarze Rauchsäule in den Himmel, die selbst in den Nachbarstädten noch deutlich zu sehen war. Nach einigen Stunden konnte die Werkfeuerwehr den Brand löschen. Dieser Vorfall wird von der ZEMA als Ereignis 0621 gefĂĽhrt.
  • Am 31. März 2012 kam es gegen 13:35 Uhr zu einem Schadensfall in der CDT-Anlage der Firma Evonik, die mit einer 100 Meter hohen Stichflamme und starker Rauchentwicklung einherging. Anwohner berichteten ĂĽber eine schwere Explosion. Die Rauchwolke zog in sĂĽdlicher Richtung bis ĂĽber die A 2 hinweg. Ein Arbeiter starb noch am UnglĂĽcksort, ein weiterer erlag seinen schweren Verletzungen später im Krankenhaus.[1] Messungen der Werkfeuerwehr sowie der Feuerwehr der Stadt Marl ergaben keine Gesundheitsgefährdung fĂĽr die Bevölkerung.[2][3][4][5][6][7]

Literatur

  • Bernhard Lorentz, Paul Erker: Chemie und Politik. Die Geschichte der Chemischen Werke HĂĽls 1938–1979. MĂĽnchen 2003.

Weblinks

 Commons: Chemiepark Marl â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ FAZ, abgerufen am 2. April 2012
  2. ↑ POL-RE: Marl: Schadensfall bei Chemiepark Marl. Polizeipräsidium Recklinghausen, 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012.
  3. ↑ Lars Hilbig und Claus Pawlinka: Nach Explosion im Chemiepark: Arbeiter ist tot. Marler Zeitung, 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012.
  4. ↑ Marl: Explosion erschĂĽttert Chemiepark. In: stern.de. 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012.
  5. ↑ Lars Hilbig, Claus Pawlinka, Thomas Thiel und Philipp Ostrop: GroĂźbrand in MarlDrama im Chemiepark: Retter mĂĽssen abwarten. In: HalternerZeitung.de. 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012.
  6. ↑ Schwere Explosion in Chemiepark Marl: Noch nicht geborgener Arbeiter fĂĽr tot erklärt. In: RP online. 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012.
  7. ↑ Pressemitteilung von Infracor. Marler Zeitung,, 31. März 2012, abgerufen am 31. März 2012.

51.68333333337.09666666667Koordinaten: 51° 41′ 0″ N, 7° 5′ 48″ O

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